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            <title type="main">Freitag, der 24. Mai 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-24_01">Freitag, 24. Mai 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-24_02">In der Arbeiterkammerfraktion des Vorstandes berichtete ich<lb/>
über aktuelle Probleme im Handelsministerium. Die Vorstands<lb break="no"/>fraktion war sehr schlecht besucht weil Funktionärinnen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__131467">Metzker</rs> und <rs type="person" ref="#per__146031">Berger</rs> und 4 Funktionäre mit <rs type="person" ref="#per__115155">Skritek</rs>, <rs type="person" ref="#per__136623">Hedrich</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__112939">Baier</rs> von den Textilarbeitern sowie <rs type="person" ref="#per__149010">Profos</rs>, der nur<lb/>
kooptiert ist in die Fraktion weil sie im Vorstand als kleine<lb/>
Gewerkschaft der Handels- u. Transportarbeiter keinen Sitz haben.<lb/>
Von den Direktoren war nur <rs type="person" ref="#per__127771">Scheer</rs> anwesend, <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> war am Be<lb break="no"/>triebsausflug und <rs type="person" ref="#per__98063">Weissenberg</rs>, glaube ich, bei einer anderen<lb/>
Besprechung. Natürlich darf man nicht vergessen, daß am Donners<lb break="no"/>tag Feiertag war und manche vielleicht sich ein längeres Wochen<lb break="no"/>ende machen. Doch kann dies keine Entschuldigung sein sondern<lb/>
nur eine Erklärung. Es gibt nichts Schlechteres, als wenn eine<lb/>
Organisation so langsam absinkt. Jetzt vor den Kammerwahlen<lb/>
müßte in Wirklichkeit eine ungeheure Aktivität entfaltet werden<lb/>
und gleichzeitig eigentlich die Sitzungen entsprechend besucht<lb/>
und mit Leben erfüllt werden. Interessant ist, daß es aber nicht<lb/>
nur bei der Arbeiterkammer in Wien so ist, sondern wahrscheinlich<lb/>
auch in anderen Organisationen, daß Interesse der Spitzenfunktionäre<lb/>
läßt merklich in allen Plenen ob Gewerkschaft oder Partei sehr<lb/>
nach. Wo sind die Zeiten wo wir hunderte von Funktionären mobilisieren<lb/>
konnten, wo wir Dutzende von Genossen als Experten selbst zu<lb/>
den Feiertagen in Kursen und Aussprachen zusammenfassen konnten.<lb/>
In Wirklichkeit liegt dies daran, daß wir nicht mehr imstande<lb/>
sind oder nicht wollen natürlich unter persönlichen Einsatz<lb/>
entsprechende neue Organisationsformen zu finden. Alles lauft in<lb/>
den routinierten Wegen und wird somit zur Routine.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-24_03">Sekretär <rs type="person" ref="#per__97932">Schweda</rs> vom Städtebund möchte gerne wissen, wieso<lb/>
jetzt in die Arbeitsgemeinschaft des Gemeinde- und Städtebundes<lb/>
über Fremdenverkehrsprojekte <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> erscheint und dort auch gleich<lb/>
neue Projekte präsentiert. Bis jetzt haben in dieser Organisation<lb/>
die Städte große Teile der Zuschüsse erhalten können obwohl sie<lb/>
nicht einmal ganz dreihundert gegenüber den dreitausend Gemeinden<lb/>
darstellen. Wenn nun <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> mit seinem neuen Projekten, z.B. in<lb/>
den Fremdenverkehrsgemeinden die Autos am Rande zu parken usw.<lb/>
bringt, dann kann sich natürlich die Aufwendung der Mittel zugunsten<lb/>
der Gemeinden, d.h. zu Lasten der sozialistischen Städte verschieben.</p><pb n="21-0633" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-24_0633.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-24_04"><rs type="person" ref="#per__97932">Schweda</rs> hat mir diesen Gesichtspunkt nicht gesagt, aber für<lb/>
mich ist es ganz klar, daß dies eintreten kann, weshalb ich<lb/>
ihm zusicherte, <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> wird sich in Hinkunft vorher mit ihm<lb/>
besprechen. Da <rs type="person" ref="#per__97932">Schweda</rs> aber nicht will, daß <rs type="person" ref="#per__137905">Wallner</rs> der<lb/>
offizelle Vertreter dieses Gremiums der gleichzeitig auch<lb/>
Bürgermeister von Baden ist aber doch eher politisch als<lb/>
ÖVP ler dem Gemeindebund näher steht eine gute Zusammenarbeit<lb/>
mit ihm herrscht die zwischen <rs type="person" ref="#per__97932">Schweda</rs> und <rs type="person" ref="#per__137905">Wallner</rs> nicht gestört<lb/>
werden soll, muß man hier äußerst vorsichtig vorgehen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-24_05">Bitte mit <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> einen Termin vereinbaren und <rs type="person" ref="#per__97932">Schweda</rs> dann dazu<lb/>
bitten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-24_06">Beim Büro Jour fixe an dem leider auch durch das verlängerte<lb/>
Wochenende nicht alle teilnehmen konnten, bestätigte sich, daß<lb/>
für wir für unsere mittelfristige Planung auch kein konkretes<lb/>
Konzept haben. Mühselig kratzten wir die Themen für die nächsten<lb/>
Journalistenfrühstücks zusammen. Viel wichtiger als allerdings die<lb/>
Überlegungen neuer Ideen und neue Wege zu entwickeln war die<lb/>
Diskussion wie wir die zentrifugalen Kräfte die sich in jeder<lb/>
Organisation bemerkbar machen wieder einfangen. Unmittelbar aus<lb break="no"/>gelöst wurde es durch das Bestreben einzelner, sehr aktiver Leute<lb/>
im Haus, wie z.B. <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs>, Verhandlungen im Finanzministerium über<lb/>
Budgetansätze zu führen ohne daß im konkreten das Büro etwas<lb/>
davon wußte. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> ist derselben Meinung wie ich, daß wir dies<lb/>
sofort im Entstehen abstellen müssen. Ähnlich ist es auch, daß<lb/>
von außen her jetzt natürlich immer stärker Kontakte mit den<lb/>
einzelnen Sektionen, Abteilung oder gar nur einzelnen Personen<lb/>
aufgenommen und gesucht werden ohne das Material, welches dann<lb/>
hinausgeht, das Büro sieht, w.z.B. Unterlagen über Ölpreisent<lb break="no"/>wicklung für das Finanzministerium. Wenn man der Sache nachgeht,<lb/>
stellt sich dann allerdings sehr bald heraus, daß es wesentlich<lb/>
anders ist als man es beim ersten Eindruck befürchtet. Wie dem<lb/>
auch sei, man wehre die Anfänge. Während in unserer ersten Zeit<lb/>
die Information das Hauptproblem war, ist es jetzt die Koordination.<lb/>
So wie es uns seinerzeit einigermassen geglückt ist, die Information<lb/>
über die Sektion hinweg bis in die letzte Abteilung, ja wer sich<lb/>
dafür interessiert, bis zum letzten Mann im Hause doch einzuleiten<lb/>
und wahrscheinlich einigermassen befriedigt zu lösen, muß uns dies<lb/>
jetzt beider Koordination ebenfalls gelingen. Ansonsten zersplittert<lb/>
sich unsere Tätigkeit, das Büro und ich ist dann nicht mehr der<lb/>
Mittelpunkt und das Zentrum von wo alles ausgeht sondern wir haben<lb/>
dieselbe Zersplitterung wie sie anderen Ministerien festgestellt wird.</p><pb n="21-0634" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-24_0634.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-24_07">Damit ist natürlich auch dann die Schlagkraft weg.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-24_08">Anmerkung an ALLE: Wer immer, irgendwo solche Ansätze sieht,<lb/>
muß taktisch sehr geschickt aber doch ganz<lb/>
energisch abstellen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-24_09"><rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs> ist von einer Tagesreise aus Moskau zurückgekommen<lb/>
wo er über die Anreicherung des Urans für das zweite Kernkraft<lb break="no"/>werk einen Abschluß getätigt hat. In Zwentendorf haben die<lb/>
Amerikaner den Zuschlag erhalten, jetzt die Russen. Ich hätte<lb/>
als man mich fragte, erklärt, ich hätte keinerlei Präferenzen,<lb/>
dies läge ausschließlich in der Entscheidung des Vorstandes, resp.<lb/>
der Gesellschaft. Vom handelspolitischen Standpunkt ist natürlich<lb/>
dies Projekt den Russen zu geben ungeheuer interessant. Der<lb/>
Erstkern wird je nachdem ob es sich um 900 oder 1200 mw handelt<lb/>
160.000 bis 240.000 Millionen Schilling kosten und jährlich<lb/>
werden mind. 85 Millionen nach jetziger Berechnung wenn es dann<lb/>
dazukommt wahrscheinlich weit über 106 Millionen notwendig sein.<lb/>
Da die Amerikaner für ihre Anreicherung ganz genaue Listenpreise<lb/>
haben wurde die Vereinbarung so getroffen, daß vertraulich fest<lb break="no"/>gehalten wurde, 5 % Rabatt gegenüber den amerikanischen Preisen<lb/>
für die Erstladung und für weitere Nachladungen 4 % und die<lb/>
Letztladung mit 3 % im Jahre 1989 zu akkordieren. Richtig ist,<lb/>
daß wir dadurch auch in der Kernenergie nicht nur vom Westen<lb/>
sonder auch vom Osten abhängig sind. Je stärker allerdings der<lb/>
Energieverbrauch steigt und die Energieproduktion in Österreich<lb/>
zunimmt umso stärker werden wir auf alle Fälle von unseren Importen<lb/>
abhängig sein. Das hier die österreichische Wirtschaft sehr<lb/>
verletzbar wäre, ist mir vollkommen klar doch gibt es selbst wenn<lb/>
ich die wirtschaftliche Landesverteidigung an die Spitze meiner<lb/>
Überlegungen stellen würde in Wirklichkeit keinen Ausweg. aus<lb/>
diesem Dilemma. Hier kann man nur hoffen, daß die Vertragstreue<lb/>
und die Sowjetunion hat sich bis jetzt immer an die Buchstaben<lb/>
des Vertrages gehalten auch in kritischen Phasen beibehalten<lb/>
werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-24_10"><rs type="person" ref="#per__146948">Kurz</rs> vom Süddeutschen Rundfunk machte ein Interview über unsere<lb/>
Preisregelungsgesetznovelle. Angeblich erklärte er mir, er hätte<lb/>
auch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> darüber reden wollen, schon zugesagt gehabt, dann<lb/>
hätte sich aber durch Terminverschiebungen keine Möglichkeit<lb/>
mehr gegeben; dies vermerke ich nicht als Kritik sondern ganz im<lb/>
Gegenteil es wäre ein erstes Anzeichen, daß <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> doch nicht<lb/>
jeden Wunsch bezüglich ausländischen Journalisten oder Rundfunk<lb break="no"/>station erfüllt.</p><pb n="21-0635" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-24_0635.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-24_11">Als wir die Regierungstätigkeit 1970 aufnahmen habe ich mich<lb/>
sehr gewundert, wie er damals alles übernommen hat, was an<lb/>
Wünschen an ihn herangetragen wurde, sei es an Referaten oder<lb/>
Interviews usw. Ganz systemlos war dies allerdings nicht, denn<lb/>
es durfte nicht der Eindruck entstehen, dass er jetzt für viele<lb/>
alte Genossen, die er jahrzehntelange kannte und die ihn um Referate<lb/>
ersuchten oder für Zeitungen, von denen er genau wusste, er braucht<lb/>
auch selbst die unbedeutendste, dass er sie vernachlässigte<lb/>
Andererseits hat er durch diesen Kontakt immer wieder seine Politik<lb/>
danach ausrichten können, was die opinion leaders, sei es in der<lb/>
Partei, sei es in der Öffentlichkeitsarbeit denken und ich glaube,<lb/>
dass dies der Schlüssel zu seinem Erfolg gewesen ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-24_12"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hatte die Ölfirmen zu einer Aussprache geladen und auch<lb/>
ich wusste nicht genau, worum es sich eigentlich im Grunde genommen<lb/>
handelt. Die Ölfirmen, ich war natürlich pünktlich anwesend, meinten<lb/>
sie hätten sich eben jetzt allgemein vorbesprochen und wie sich<lb/>
später herausstellte, erwarteten ein entsprechendes Offert von der<lb/>
Regierung, was jetzt mit dem Preis geschehen soll. In einer Vor<lb break="no"/>besprechung hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> gemeint, er möchte sich unter gar keinen<lb/>
Umständen in meine Kompetenz einmischen, hätte aber in Krumpen<lb break="no"/>dorf, wo er bei den Metallarbeitern scheinbar einen Vortrag hält<lb/>
auch mit <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> über dieses Problem gesprochen. Wir brauchen, wie<lb/>
er sich ausdrückte, einigen sichtbaren Erfolg bei sogenannten<lb/>
"Reizpreisen". Nach seiner Rückkehr von Lech hatte er angekündigt,<lb/>
allerdings Gott sei Dank in kleinstem Kreis, dass er jetzt die Mehr<lb break="no"/>wertsteuer für gewisse Produkte senken möchte und wie er mit an<lb break="no"/>deutete, <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> davon überzeugt, dass dies notwendig sei. Im<lb/>
Laufe der Monate dürfte aber jetzt doch er von dieser Idee ab<lb break="no"/>gekommen zu sein, ich kann mir vorstellen, dass sich <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> da<lb break="no"/>gegen heftigst wehrt und möchte nun, dass überhöhte Handelsspannen<lb/>
oder überhaupt erhöhte Preise auch wenn wir keine gesetzliche<lb/>
Grundlage derzeit haben, auf freiwilliger Basis zurückgeführt werden.<lb/>
Ich wies darauf hin, dass hätte ich dies früher gewusst, mit der<lb/>
ÖMV Gespräche geführt, sodass die Ölfirmen aufgespalten gewesen<lb/>
wären. Jetzt fürchte ich, dass sie einen einheitlichen Block bilden<lb/>
werden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, man könne die ÖMV dann auch anders zwingen,<lb/>
etwas zu unternehmen, denn es müsste alles darangesetzt werden, die<lb/>
10 % Indexsteigerung zu verhindern. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> berichtet, dass er<lb/>
<pb n="21-0636" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-24_0636.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>mit <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> über die Spitalkostenerhöhung verhandelt hat und<lb/>
dieser auf der Wiener Konferenz ankündigen wird, dass der Gemeinde<lb break="no"/>rat einen Beschluss fassen wird, dass sie wieder zurückzunehmen<lb/>
sind. Ich verwies sofort <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> darauf, dass trotzdem im Mai-<lb/>
Index diese 0,9 Punkte oder 0,6 % Indexsteigerung enthalten ist,<lb/>
weil am Erhebungsstichtag eben die erhöhten Gebühren gegolten<lb/>
haben. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> meinte, wenn die Gemeinde wirklich den Beschluss<lb/>
resümmmiert, müsste auch der Index korrigiert werden. In diesem<lb/>
Fall, sagte ich, müsste <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit dem Statistischen Zentralamt<lb/>
Verhandlungen führen, damit eine solche Korrektur durchgeführt wird<lb/>
Automatisch wird es auf keinen Fall gemacht und wahrscheinlich<lb/>
wird <rs type="person" ref="#per__114128">Bosse</rs>, der Präsident des Statistischen Zentralamtes grössere<lb/>
Schwierigkeiten machen, sicherlich auch haben. Wenn es zu einer<lb/>
Korrektur kommen sollte, müsste er zumindestens seinen Beirat,<lb/>
der über die einzelnen Positionen immer berät und diese Erhebungen<lb/>
prüft, einberufen. Dadurch würde auch das Ziel erreicht werden,<lb/>
das <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> möchte, dass nämlich nicht vor dem 9. Juni d.h.<lb/>
der nö. Wahl womöglich noch der Index verlautbart wird. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
wollte dann auch noch, dass wenn wir schon den Getreidepreis<lb/>
erhöhen, dass wir dies vor der nö. Wahl verkünden. Hier sprach<lb/>
sich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ganz entschieden dagegen aus, weil er darauf hinwies,<lb/>
dass die Milchpreiserhöhung bei den Salzburger Wahlen bei den<lb/>
Bauern nichts gebracht hat, andererseits aber die Konsumenten<lb/>
wegen der Verbraucherpreiserhöhung nur geschockt hat. Und wie<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint, noch mehr verärgerte. Der Erzeugerpreis dürfte<lb/>
deshalb erst nach den Bundespräsidentenwahlen dem 23. Juni<lb/>
verlautbart werden. Bezüglich des Verbraucherpreises will<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, der er überhaupt nicht vor dem 1. November beschlossen<lb/>
und in Kraft treten dürfe. Ich wies darauf hin, daß <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> er<lb break="no"/>klärt, gegenüber dem Vorjahr dürfte heuer ein geringeres Getreide<lb break="no"/>lager bei der neuen Ernte vorhanden sein und deshalb der Finanz<lb break="no"/>minister mit mehr Mitteln rechnen müssen, die er dem Getreide<lb break="no"/>fonds zur Verfügung stellen muss, um den neuen Getreidepreis solange<lb/>
abzustützen, bis eben erst im November der Verbraucherpreis wirkt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> erklärte sich dazu bereit, weil er mit Recht darauf hinweist,<lb/>
dass erst im Oktober beginnend und insbesondere im Dezember und Novem<lb break="no"/>ber ansteigend im Vorjahr die hohen Preissteigerungen war und deshalb<lb/>
dann weitere Belastungen des Index entstehen können, ohne dass<lb/>
die 10 % Grenze überschritten wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> stimmte dieser Idee<lb/>
zu, meint aber, dass unter gar keinen Umständen der Erzeugerpreis<lb/>
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Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammer<lb/>
die terminmässige Abwicklung, die auch <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs><lb/>
empfiehlt, festlegen. Besorge die Detailergebnisse<lb/>
der jetzigen Vorbegutachtung.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-24_14">Die Ölfirmen haben dann bei der Sitzung auf Wunsch Kreiskys, man möge<lb/>
bei Heizöl, schwer und leicht, wo ja eine Schillingaufwertung auch<lb/>
eine Rolle spielte, für gewisse Monate einen Sommerrabatt geben,<lb/>
damit Vorräte angelegt werden könnten, zuerst dazu geführt, dass sie<lb/>
nicht ablehnten, sondern ihr Sprecher Dr. <rs type="person" ref="#per__123475">Balogh</rs> von der Shell die<lb/>
Situation erklärt. Bei den derzeitigen Rohölpreisen und den 17.80 S-<lb/>
Dollarkurs wurde auf eine Vorschau von der Rohölwirtschaft bis Juni<lb/>
der durchschnittliche Röhöleinstandspreis mit 1.872.- berechnet,<lb/>
obwohl die Preiskommisision nur 1.856.- zugstanden hat. Mit anderen<lb/>
Worten, sie sind jetzt noch teurer im Einkauf als die Preisbehörde ihnen<lb/>
in der gekürzten Kalkulation dies zugestanden hat. Bei dern Import<lb break="no"/>benzinen stellt sich die Situation so, dass Super um 13 Groschen<lb/>
und Normalbenzin noch um 17 Groschen untergedeckt ist. Nach längerer<lb/>
Diskussion und Unterbrechung der Sitzung erklärten sie sich dann<lb/>
bereit, doch einen Sommerrabatt zu geben. Derzeit sei ein solcher von<lb/>
50 – 52 S pro t bei Heizöl, leicht, üblich. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> erklärte, man<lb/>
würde sich jetzt noch einmal den Vorschlag der Regierung genau über<lb break="no"/>legen und dem Handelsminister bis spätestens Mittwoch einen Antrag<lb/>
resp. Vorschlag unterbreiten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-24_15">Unsere Jugendweihegruppe von der Landstrasse, von den Kinderfreunden<lb/>
wird jetzt seit Jahren von einem ganz jungen Lehrer geführt. Ihm ge<lb break="no"/>lingt es immer wieder, doch fast an die 50 junge Menschen zu erfassen,<lb/>
eine gigantische Leistung, wenn an bedenkt, dass doch angeblich die<lb/>
Jugend für nichts mehr Interesse haben soll. Zum Abschluss werden<lb/>
sie immer in ein Theater geführt und anschliessend bekommen sie<lb/>
als Erinnnerung ein Buch. Bei dieser Gelegenheit ersucht er mich<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> und ich dort und wir konnten feststellen, dass sich auch die<lb/>
Diskussion auf einem sehr hohen Niveau bewegte, wobei er allerdings-<lb/>
durch geschickte Fragen, die jungen Leute ermutigte, auch hier<lb/>
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wo tätig ist, kann er auch die angeblich so politisch uninter<lb break="no"/><pb n="21-0638" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-24_0638.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>essierte Jugend fesseln.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-24_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Sollten wir nicht versuchen, Genossen ...<lb/>
politisch stärker zu verankern ?</p></div>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
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