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            <title type="main">Mittwoch, der 22. Mai 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-22_01">Mittwoch, 22. Mai 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-22_02">Die dritte Sitzung des Energiebeirates war ein bisschen gehalt<lb break="no"/>voller als die ersten zwei. Das Wirtschaftsforschungsinstitut<lb/>
hat seine Prognosen vorgelegt, interessanterweise gab es darüber<lb/>
fast keine Diskussion. Hätte ich nicht aus Versehen MR <rs type="person" ref="#per__140870">Exner</rs><lb/>
das Wort gegeben, wäre dazu überhaupt keine Bemerkung gefallen.<lb/>
Interessant war, daß auch Ing. <rs type="person" ref="#per__97762">Musil</rs> gar nicht anwesend war.<lb/>
SChef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> steht zwar auf dem Standpunkt, daß die Unterlagen<lb/>
und die Methode so optimal ist, daß wir kaum eine bessere finden<lb/>
können. Er glaubt, daß wir auch international damit reüssieren<lb/>
können. Der Energiebeirat entwickelt sich nurmehr zu einem<lb/>
Beschlußgremium. Nicht daß ich dies bedauern würde, ganz im<lb/>
Gegenteil, doch hätte ich mir schon erwartet, daß tatsächlich<lb/>
dort aktiver gearbeitet wird. Nur <rs type="person" ref="#per__118709">Wagensonner</rs> Tiwag-Vertreter<lb/>
hat dort verlangt, man möge ihm die Unterlagen geben bevor<lb/>
man hier dann über die Detailberichte und dann wahrscheinlich<lb/>
in letzter Instanz auch über den Energieplan beschliesst.<lb/>
Interessant war dann nur, daß nicht einmal die drei Arbeitskreise<lb/>
die wir das letzte Mal eingesetzt haben, arbeiten können weil<lb/>
nicht einmal noch die Nominierung der Interessensvertretungen<lb/>
erfolgte. Die Handelskammer hat große Schwierigkeiten, scheinbar<lb/>
hat <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> die Absicht, daß nicht die einzelnen Fachverbände<lb/>
geschweige denn, die einzelnen Firmen ihre Delegierten in<lb/>
Arbeitsgruppen schicken, sonder möchte daß dies nur Beamte<lb/>
seines Hauses werden, die dann die entsprechende Koordination<lb/>
mit den einzelnen Firmen und Fachverbänden durchführen sollten.<lb/>
Mich stört dieses Problem gar nicht, denn solange das Verschulden<lb/>
doch größtenteils bei der Handelskammer liegt, daß nichts weiter<lb/>
geht, kann ich umsoweniger von der Opposition im Parlament<lb/>
attackiert werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-22_03">Anschliessend an die Sitzung hat MR <rs type="person" ref="#per__140870">Exner</rs> und Sekretär <rs type="person" ref="#per__114386">Glück</rs><lb/>
von der Metallarbeitergewerkschaft mit mir wegen der Besetzung<lb/>
des Aufsichtsrates in der Verbund gesprochen. An Stelle des<lb/>
SChef <rs type="person" ref="#per__136608">Czech</rs> der auf alle Fälle ausscheidet, dies habe ich bereits<lb/>
Präsidenten <rs type="person" ref="#per__112215">Weiss</rs> von der Verbund und gleichzeitig ÖVP Vertreter<lb/>
mitgeteilt, den Nationalrat Dr. <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs> entsenden. Da es sich hier<lb/>
um ein Behördenmandat handelt auf daß die ÖVP scheinbar mit<lb/>
Gewalt Anspruch erheben möchte, nachdem der letzte eben ein<lb/>
Schwarzer war wird es hier schwere Auseinandersetzungen geben.</p><pb n="21-0629" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-22_0629.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-22_04">Ich erklärte den beiden, daß ich nicht beabsichtige <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs><lb/>
dorthin zu senden , andererseits aber auch ihre Idee, gegebenenfalls<lb/>
<rs type="person" ref="#per__136608">Czech</rs> zu lassen, nicht akzeptiere. Ich habe die Details mit den<lb/>
beiden nicht besprochen doch glaube ich, daß wir hier schrittweise<lb/>
vorgehen müssen. Jetzt muss das Problem Enns-Donau in Ordnung ge<lb break="no"/>bracht werden, dann wäre die Verbundfrage zu klären. Ich fürchte<lb/>
allerdings, daß selbstverständlich die ÖVP versuchen wird, wenn<lb/>
ich mit dem Präsidenten <rs type="person" ref="#per__112215">Weiss</rs> verhandeln werde, daß ganze als<lb/>
eine Paketlösung zu betrachten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-22_05">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs> u. <rs type="person" ref="#per__107937">FRANK</rs>: Bitte alle Vorbereitungen zu treffen,<lb/>
damit wir nach den NÖ Wahlen innerhalb der Fallfrist noch entscheiden<lb/>
können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-22_06">Die internationalen Konzerne machen jetzt Goodwilltours in der<lb/>
ganzen Welt. Der Vizepräsident der Mobil-Oil <rs type="person" ref="#per__140872">Schmidt</rs> ist mit<lb/>
Generaldirektor <rs type="person" ref="#per__137936">Russbach</rs> und anderen Herren gekommen um mir zu<lb/>
sagen, daß ihrer Meinung nach die Internationalen noch eine große<lb/>
Aufgabe haben. Mobil wird in den nächsten Jahren 700 Millionen<lb/>
Dollar investieren um neue Energiequellen zu schließen. Für mich<lb/>
interessant war nur, daß sie tatsächlich in ganz große Kohle<lb break="no"/>vorräte sich jetzt eingekauft haben um doch aus der Kohle, Gas- u.<lb/>
Benzin zu gewinnen. Wie mir <rs type="person" ref="#per__137936">Russbach</rs> mitteilt, waren sie auch im<lb/>
Vortag beim Bundeskanzler, vielleicht war dies ein großer Fehler<lb/>
von ihrem Standpunkt. <rs type="person" ref="#per__115595">Reiter</rs> hat mich nämlich verständigt, daß<lb/>
am Freitag eine Sitzung mit den internationalen Ölgesellschaften<lb/>
stattfinden soll. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat dann gemeint, es wäre hier die<lb/>
Möglichkeit, daß der Ölpreis jetzt entsprechend herabgesetzt wird<lb/>
um als erste Reaktion auf die vielen Aufwertungen auf den günstigen<lb/>
Wechselkurs in Form von verbilligten Heizöl in der Öffentlichkeit<lb/>
Erfolge der Regierungspolitik zu dokumentieren. Ich bin neugierig,<lb/>
was bei dieser ganzen Besprechung herauskommt, vorerst habe ich<lb/>
mich geärgert, daß wieder hier ohne daß man sich einen Plan zurecht<lb/>
gelegt hat, ganz einfach rumfuhrwerkt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-22_07"><rs type="person" ref="#per__116926">Enzmann</rs> von der Simmering-Graz-Pauker möchte, daß ich den<lb/>
Ölminister von Nigeria einlade. Die ÖMV und die SGP hofft, daß sie<lb/>
dort dann einen Raffineriebau von 4-5 Millionen beteiligt werden<lb/>
könnte. Ursprünglich war geplant, daß bei einer OPEC-Sitzung wir<lb/>
mit dem Ölminister Kontakt aufnehmen, er ist aber das letzte Mal<lb/>
nicht gekommen. Ich habe <rs type="person" ref="#per__116926">Enzmann</rs> gesagt, daß ich , wenn sie<lb/>
unbedingt darauf bestehen, bereit bin, den Minister natürlich<lb/>
auf ihre Kosten einzuladen.</p><pb n="21-0630" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-22_0630.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-22_08">Ergebnis erwarte ich mir allerdings kein besonderes.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-22_09">Die SGP möchte auch daß wir unbedingt jetzt wegen Nordkorea<lb/>
weitere Schritte unternehmen, mein Hinweis, daß andere Firmen<lb/>
wieder dafür sind, daß wir gar nichts tun, um die Südkoreaner<lb/>
wo z.B. die Voest grössere Geschäfte macht, nicht allzusehr<lb/>
zu verärgern, hat <rs type="person" ref="#per__116926">Enzmann</rs> Verständnis entgegengebracht. Ich<lb/>
sagte ihm. daß die nordkoreanische Anerkennung sowieso jetzt<lb/>
schrittweise erfolgen wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-22_10">Präsident <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs> wollte mit mir unter vier Augen reden<lb/>
um mir mitzuteilen, er erwartet daß der Getreidepreis nicht<lb/>
vor den NÖ Wahlen, d.h. dem 8. Juni, festgesetzt wird. Da ich<lb/>
selbst, wenn ich dies wollte, gar nicht imstande wäre das<lb/>
gesamte Problem in so kurzer Zeit zu lösen, konnte ich ihm<lb/>
ohne weiters erklären, daß ich kaum annehme, daß es tatsächlich<lb/>
früher zu einem endgültigen Abschluß kommt. Er denkt natürlich<lb/>
nur an den Getreidepreis, ich muß aber daran denken, daß ja<lb/>
auch die Verbraucherpreise zu den festgesetzten Terminen dann<lb/>
gleichzeitig fixiert werden müssen. Ich erläuterte ihm, daß,<lb/>
wenn eine Getreidepreiserhöhung kommt, es sich nur um Erhöhung<lb/>
des Pril und besonders Qualitätsweizen kommen müsste, und keines<lb/>
falls um die Erhöhung des Weizens der in den Futtersektor geht.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs> lehnt eine Zweiteilung des Weizenpreises, d.h. Futter-<lb/>
und Brotgetreide ab. Ebenso erwartet er, daß gleichzeitig der<lb/>
Roggenpreis erhöht wird. Er befürchtet keine Überproduktion und<lb/>
meint im Vorjahr sei nur ein exzeptionell günstiges Jahr gewesen,<lb/>
das sich nie mehr wiederholt. Diese Meinung teile ich keineswegs.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs> war sehr einverstanden, daß wir jetzt auf zwei<lb/>
Methoden nach dem Verrechnungsschema und aber auch nach den<lb/>
Ergebnissen der Buchführungsgesellschaft uns Unterlagen ver<lb break="no"/>schaffen. Er sieht darin insoferne einen Erfolg, als er befürchtet<lb/>
hat, daß wir wieder ausschließlich nur nach den Buchführungser<lb break="no"/>gebnissen vorgehen werden, da aber die Ergebnisse der Landesbuch<lb break="no"/>führungsgesellschaft zumindestens nach den ersten Unterlagen als<lb/>
vollkommen unzulänglich gelten müssten, sehe ich keinen Grund eine<lb/>
zweite Methode eben auch wieder zur Berechnung heranzuziehen.</p><pb n="21-0631" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-22_0631.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-22_11">Da ich die Kooperationsverhandlungen zwischen Bulgarien und<lb/>
Österreich in meinem Ministerium nicht einmal begrüssen konnte,<lb/>
hatte ich vor dem Abschluß und der Unterzeichnung einen Sprung<lb/>
im Pallavicini die Delegation begrüßt. Nach der Unterzeichnung<lb/>
bin ich sofort weggegangen, obwohl man dort sehr gerne gesehen<lb/>
hätte, wenn ich beim Abendessen geblieben wäre. Ich wollte aber<lb/>
unter gar keinen Umständen auf so tiefen Niveau in Erscheinung<lb/>
treten, womöglich an einem Essen teilnehmen das von der Handels<lb break="no"/>kammer glaube ich, gegeben wurde weil ich damit ein zu großes<lb/>
Interesse dieser ganzen bulgarisch-österreichischen ständigen<lb/>
und auch mit anderen Oststaaten ständigen Kommissionen eine<lb/>
viel zu große Bedeutung beimessen würde. Ausserdem waren dort<lb/>
mindestens eh 40 Leute. Am meisten überraschte mich, daß der<lb/>
bulgarische Handelsrat mir erklärte, die nächste gemischte<lb/>
Kommission würde in Sofia sein und er hätte hinunter telegrafiert,<lb/>
daß dafür der September-Oktober in Frage käme.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-22_12">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Wie sieht dieser Zeitplan dort aus ?<lb/>
und mit wem hat er gesprochen ?</p></div>
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