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            <title type="main">Donnerstag, der 16. Mai 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-16_01">Donnerstag. 16. Mai 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-16_02">Bei der Verleihung von Berufstiteln an Angehörige des Patentamtes<lb/>
und des Handelsministeriums ergibt sich die Gelegenheit mit den<lb/>
Ausgezeichneten ein paar Worte zu sprechen. Sicherlich war es<lb/>
falsch, daß wir in der Vergangenheit nicht doch alle Abteilungen<lb/>
besucht haben. Wo es Probleme gegeben hat, z.B. im Patentamt<lb/>
der weitere Ausbau der Amtsräume, oder sich die übrigen<lb/>
Beschwerde der Unterbringung der ehemaligen Aussenhandelsstelle, die<lb/>
von der Metternichgasse am Rochusplatz übersiedeln mußten, oder<lb/>
bei der seinerzeitgen zu uns gehörenden Kraftfahrzeugprüfungs<lb break="no"/>stelle wo die Heizung ausgefallen ist, hatte ich mehrere Besuche<lb/>
gemacht. Im Handelsministerium aber selbst habe ich nur einmal<lb/>
den Versuch unternommen bin in einige Abteilungen gegangen, aber<lb/>
dann wurde diese Besichtigungstour unterbrochen und nie mehr wieder<lb/>
aufgenommen. Vielleicht wird es zweckmäßig sein wenn die neuen<lb/>
Zimmereinteilungen fertig sind und wenn die neu hinzugekommenen<lb/>
Kollegen von anderen Ministerien im Handelsministerium untergebracht<lb/>
sind, daß ich dann doch auch die einzelnen Abteilungen im Handels<lb break="no"/>ministerium besuche. Nicht daß ich mich der Illusion hingebe, daß<lb/>
ich dann alle kennen würde, denn selbst bei den ausgezeichneten<lb/>
Hofräten des Patentamtes ist mir z.B. im letzten Moment einge<lb break="no"/>fallen als ich den Namen <rs type="person" ref="#per__140876">Trojan</rs> gelesen habe, daß dies eigent<lb break="no"/>lich ein Hütteldorfer ist, dessen Kinder mit meinen zur Schule gin<lb break="no"/>gen und deshalb die Frau auch mit meiner Frau flüchtig bekannt<lb/>
ist. Hätte ich mich daran nicht im letzten Moment erinnert, wäre<lb/>
bestimmt der Eindruck bei ihm entstanden daß ich als Minister so<lb/>
arrogant bin, daß ich keinerlei Bemerkungen diesbezüglich mache<lb/>
niemand würde mir glauben und am allerwenigsten wahrscheinlich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140876">Trojan</rs>, daß ich genau das Gegenteil immer erreichen möchte,<lb/>
nämlich mit den Ausgezeichneten wirklich ein paar persönliche<lb/>
Worte sprechen und damit mein Interesse an jeden einzelnen Be<lb break="no"/>diensteten bekunden möchte. Nach Abschluß der Zusammenführung<lb/>
aller Abteilungen im Handelsministerium sollten wir glaube ich<lb/>
eine Untersuchung anstellen wie weit wir schon durch Reorganisationen<lb/>
Arbeitserleichterungen auf der einen Seite geschaffen haben und auf<lb/>
der anderen Seite vielleicht doch Beamtenersparungen daraus<lb/>
resultierten. Gleichzeitig könnte dann vielleicht auch bereits<lb/>
ein Ergebnis, oder zumindestens der Plan der Reorganisation, wie<lb/>
sie auch Dr. <rs type="person" ref="#per__113627">Kieslich</rs> jetzt im Präsidium machen soll, genauer fest<lb break="no"/>gelegt werden. Nach der Margarinepreisverhandlung spät abends<lb/>
<pb n="21-0597" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-16_0597.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>hat <rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs>, <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> und <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> mit denen ich über die weitere Vor<lb break="no"/>gangsweise auf dem Getreidesektor Besprechungen führte, mir de<lb break="no"/>tailliert erklärt, daß sie ausserstande sind die anfallende Arbeit<lb/>
zu bewältigen. Ich weiß daher wirklich nicht wie es weitergehen<lb/>
sollte wenn wir einen größeren Arbeitsanfall bei der Preisrege<lb break="no"/>lung bekommen sollten. Andererseits hat niemand bestritten, daß<lb/>
es sehr wohl Abteilungen gibt wo verhältnismäßig ein sehr geringer,<lb/>
um nicht zu sagen vielleicht gar kein Arbeitsanfall ist und dort<lb/>
auch Leute sitzen, beschäftigt sind kann man nicht sagen, weil sie<lb/>
ja meistens wirklich nichts machen. Dies gilt aber sicherlich auch<lb/>
für die Preisgruppe. Die Hauptschwierigkeit ist, wie kann man<lb/>
Menschen motivieren, daß sie sagen, wenn ich schon in einem<lb/>
Ministerium sitze und vielleicht wirklich aus der Geschäfts<lb break="no"/>einteilung nicht so viel zu tun habe, daß ich trotzdem wo anders<lb/>
mitarbeite wo sie in Arbeit ersticken. Dieser Zustand ist doch<lb/>
selbst bei Abteilungen die schwer überlastet sind meistens nur<lb/>
zeitlich bedingt. Wahrscheinlich steht jetzt das Beamtenschutz<lb break="no"/>gesetz und die Tradition, daß nämlich jede Sektion ein eigenes<lb/>
Königreich, jede Abteilung eine eigene streng abgegrenzte Ein<lb break="no"/>heit ist, einer wirklich kooperativen Zusammenarbeit entgegen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-16_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Lasst bitte die entsprechenden<lb/>
Vorarbeiten leisten und diskutiert dies in der Grundsatzgruppe un<lb break="no"/>ter Vorlegungen unserer Erfolge resp. ganz offen zugegebenen Miß<lb break="no"/>erfolge der begonnenen und durchgeführten Reorganisation.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-16_04">Dir. <rs type="person" ref="#per__97729">Matthes</rs> erklärt zum Schreiben der VÖEST wonach sie kaum<lb/>
eine Chance haben mehr als 150.000 Tonnen Feinblech der UdSSR zu<lb/>
liefern und keinesfalls die 100.000 Tonnen Grobblech die als<lb/>
Röhren-Gasgeschäft ab 1978 jetzt bereits abgeschloßen werden<lb/>
sollten, daß die VÖEST doch im Stande ist zumindestens die<lb/>
30.000 Tonnen die sie in diesem Brief auch noch bezweifelt haben,<lb/>
bereitstellen zu können. <rs type="person" ref="#per__97729">Matthes</rs> glaubt daß durch die Kernkraft<lb break="no"/>werksbauten in der Welt aber vor allem auch die Anlageninvestitionen<lb/>
der Industrie-, der Stahlmangel und vor allem das Blechdefizit bei<lb/>
der Auslieferung noch lange anhalten wird. Mein Hinweis, daß sie<lb/>
mir vor nicht allzu langer Zeit noch die 100.000 Tonnen versprochen<lb/>
haben bestreitet er nicht, meint nur, die Russen werden einsehen,<lb/>
daß man eben die vorgesehene Menge nicht haben. Angeblich haben<lb/>
die Russen mit Mannesmann verhandelt und dort festellen müssen,<lb/>
daß sie auch nicht die notwendigen Rohre bekommen können. Die Voest<lb/>
wird sich nur bemühen durch zweckmässige Tauschgeschäfte, z.B.</p><pb n="21-0598" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-16_0598.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-16_05">liefern sie 1.000 Tonnen Schiffsblech an Italien und bekommen<lb/>
dafür 3.000 Tonnen Bleche die sie dringend im Inland aber auch<lb/>
für Export wieder brauchen, eine bessere Versorgung des Marktes<lb/>
zu erreichen. Namentlich Dir. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> von der ÖMV ersucht mich<lb/>
ausdrücklich das ich über diese unerfreuliche Entwicklung mit<lb/>
den Russen keinesfalls bei der Eröffnung der Gas-Pipeline<lb/>
sprechen soll, scheinbar hofft <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> doch noch bessere Konditionen<lb/>
mit der Voest vereinbaren zu können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-16_06">Im Unterausschuß des Handelsausschusses über das Elektrizitäts<lb break="no"/>wirtschaftsgesetz hat die Fraktion vorgesehen, daß man die<lb/>
Materie durch Einberufung von Experten gründlichst debattieren<lb/>
soll. Ich war bei der Vorbesprechung sehr verwundert, daß unsere<lb/>
Fraktion eine solche Absicht hat, schliesslich müßte es doch Aufgabe<lb/>
der Regierungspartei sein im Parlament so schnelle als möglich die<lb/>
entsprechenden Gesetze durchzubringen. Beim Handelsauschuß konnte<lb/>
ich dann allerdings feststellen, daß der Fraktionsführer <rs type="person" ref="#per__112932">Zingler</rs><lb/>
mit dem Vorsitzenden des Ausschusses <rs type="person" ref="#per__139888">Blenk</rs> sozusagen parteimässig<lb/>
vereinbart hat, daß eben eine genaue Studie und entsprechende<lb/>
Verhandlungen geführt werden sollen. Tatsächlich wurde dann sozu<lb break="no"/>sagen in der ersten Lesung das Gesetz ziemlich genau analysiert.<lb/>
In Wirklichkeit lauft es aber nur darauf hinaus, die Wünsche der<lb/>
Handelskammer die teils sehr berechtigt sind, unterzubringen.<lb/>
Wenn man jetzt dann die entsprechenden EVU und andere Konsumenten<lb/>
und Produzentenvertreter dazuladen wird, wird es eine ganz schöne<lb/>
Diskussion darüber geben. Da ich diesen Entwurf des Gesetzes nicht<lb/>
selbst eingebracht habe zeigt sich für mich jetzt deutlich welchen<lb/>
Vorteil es habt, wenn man die Gesetze bevor man sie ins Parlament<lb/>
bringt doch auf Intressensvertretungsebene weitestgehend abstimmt.<lb/>
In den vergangenen 4 Jahren hat es bekanntlicherweise fast kaum<lb/>
eine Diskussion über Gesetzentwürfe ausser bei der Gewerbeordnung<lb/>
im Parlament gegeben. Vor allem bin ich meistens ohne Unteraus<lb break="no"/>schüsse ausgekommen. Vielleicht allerdings haben sich die Zeiten<lb/>
geändert ohne das ich es bemerkte, Vielleicht ist es jetzt so,<lb/>
daß das Parlament tatsächlich mehr Aktivität entfalten will und<lb/>
auch entfaltet als dies zu meiner Parlamentszeit noch üblich war.<lb/>
Vielleicht wollen die Parlamentarier tatsächlich die Interessens<lb break="no"/>vertretungen weitestgehend ablösen und selbst die Gesetze besprechen<lb/>
und formulieren. Vielleicht allerdings ist dies nur ein Wunsch<lb/>
der Führung der einzelnen Fraktionen und die Parlamentarier selbst<lb/>
legen gar nicht so einen gesteigerten wert darauf, sich in die<lb/>
Arbeit stürzen zu müssen. Vielleicht aber ist dies auch meine ge<lb break="no"/>schickte Taktik der Opposition um die Parlamentsabbeit mit unwichtigen<lb/>
<pb n="21-0599" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-16_0599.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Gesetzen zu beschäftigen und dadurch grössere Gesetze die<lb/>
notwendig sind zu blockieren. Wenn nämlich die Mehrheits<lb break="no"/>fraktion nicht Termine setzt kann dadurch Verabschiedung<lb/>
von wichtigen Regierungsvorlagen blockiert werden. Da ja in<lb/>
jedem Monat nur zwei Wochen maximal Ausschussitzungen sind,<lb/>
ergibt sehr wohl eine gewisse Terminplanungsschwierigkeit.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98066">Robert Weisz</rs> hat mir im Parteivorstand gesagt, daß er in der<lb/>
letzten Präsidialsitzung festellen konnte, wie sehr <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> eine<lb/>
expeditive Arbeit verhindert ohne das man ihn deshalb eigentlich<lb/>
frontal angreifen könnte. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> glaubt, daß im Unterausschuß auch<lb/>
das Problem <rs type="person" ref="#per__114375">Lugger</rs> politisch genützt werden kann indem man über<lb/>
einen Umweg die TIWAG-Affäre die wahrscheinlich keine sein wird<lb/>
in die Diskussion bringt. <rs type="person" ref="#per__114375">Lugger</rs> ist Aufsichtsrat der TIWAG.<lb/>
Ich glaube nicht, daß dies ein sehr erfolgversprechender Weg ist<lb/>
und daß die Aktion sehr viel bringt, wir werden ja sehen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-16_07">Im Bundesparteivorstand versucht <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auf die Nominierung<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschlägers</rs> zurückkommend, daß nur einzelne Genossen noch immer<lb/>
auf der Idee beharren ein SPÖ Mitglied hätte man als Kandidat<lb/>
aufstellen müssen. Aus den spontanen Namensnennungapplaus<lb/>
beim Parteirat, aus der stürmischen Begrüßung auf der WIG<lb/>
leitet <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> aber ab, daß die Entscheidung richtig war<lb/>
nämlich <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> zu kandidieren. Ich bin auch dieser Meinung,<lb/>
überschätze aber die Spontanität nicht, weil, wenn man nicht<lb/>
einen ausgesprochenen Fehlgriff tut wo größerer Widerstand<lb/>
von vorneherein zu erwarten ist und annehmen kann, daß die<lb/>
geeichten Genossen und um solche hat es sich bei beiden Veran<lb break="no"/>staltungen gehandelt, eben mit den Kandidaten hoffen, endlich<lb/>
wieder einmal einen Sieg zu erreichen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erwähnte auch eine<lb/>
Meinungsumfrage von <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs>. Danach geben der Preisentwicklung<lb/>
23% den Unternehmern und 17 % der Regierung, 9% der Tariferhöhung,<lb/>
4% den gewerkschaftlichen Lohnforderungen, 12 % allen Österreichern,<lb/>
weil sie scheinbar zu viel kaufen und 34% der internationalen<lb/>
Entwicklung die Schuld. Die Frage ob die ÖVP erfolgreicher wäre,<lb/>
bejahen 19%, 63% sagen nein und 8% weiß nicht. Bezüglich der<lb/>
Fristenlösung ist ein ähnlicher Prozentsatz wie bei den italieni<lb break="no"/>schen Scheidungsrecht, d.h. es gibt keine Mehrheit mehr für eine<lb/>
klerikale Politik. Bei Regierungsaufklärung sind 38 dafür aber<lb/>
48% lehnen es ganz entschieden ab. Aber auch SPÖ Sympathisanten<lb/>
sind nur 58 % bereit eine Regierungsaufklärung zu akzeptieren.</p><pb n="21-0600" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-16_0600.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-16_08">Der Häftlingsurlaub wird von einer überwältigenden Mehrheit abgelehnt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-16_09"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> berichtet auch von den Parteienverhandlungen und meint<lb/>
daß die ÖVP Maßnahmen eine 14 – 15 % Indexerhöhung bringen würden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97444">Heinz Fischer</rs> macht den Zwischenruf, wie man so etwas überhaupt<lb/>
berechnen kann, da die ÖVP doch eigentlich Stabilisierungsmaßnahmen<lb/>
mit konkreten Punkten wie Zollsenkung usw vorgeschlagen hat.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> verweist darauf daß man dies sehr wohl berechnen könnte<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat ihm dies scheinbar geliefert. Erklärt kann es aller<lb break="no"/>dings nicht werden , weil <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> abwesend ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-16_10"><rs type="person" ref="#per__126223">Tull</rs> fragt wegen der Herlango Pressekampagne mit Regierungsmitglie<lb break="no"/>dern, weil dadurch bei den Genossen der Eindruck entsteht, daß<lb/>
wir finanzielle Vorteile haben. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> repliziert sofort und<lb/>
meint, man müsse überlegen, wenn Herlango eine solche Kampagne<lb/>
startet dann hätte er sich auch vom werbetechnischen Standpunkt und<lb/>
vom finanziellen besseren Erlösen leiten lassen. Wahrscheinlich<lb/>
assoziiert <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> daß damit doch mit der Regierung dennoch ent<lb break="no"/>sprechende positive Werbepolitik gemacht werden könnte. Ich<lb/>
fürchte aber daß unterschwellig die Genossen sicherlich glauben<lb/>
daß man dabei einen Vorteil hat, die Wortblasen nach comic strips<lb/>
Methode was sicherlich unterschwellige Aversionen gegen die<lb/>
abgebildeten Versionen auslösen. Im Werbeausschuß wird auf<lb/>
unsere Anregung dieses Problem jetzt von Prof. <rs type="person" ref="#per__114057">Mittag</rs> zur Sprache<lb/>
gebracht werden. In eine Brief an Herlango werde ich versuchen,<lb/>
die Motive der Firma zu erfahren. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> selbst sagte zu mir<lb/>
er hätte untersuchen lassen, ob eine Möglichkeit besteht nachdem<lb/>
diese Aufnahmen im Parlamant gemacht wurden, daß er als Parla<lb break="no"/>mentspräsident dagegen Stellung nehmen könne, doch seien die<lb/>
Ergebnisse negativ. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> meint auch wir sollten uns unbedingt<lb/>
gegen diese Vorgangsweise wehren. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> konnte ja nicht wissen<lb/>
und es zeigt von seinem guten politischen G'spür, daß bereits<lb/>
auch die Firma Niedermoser bei mir im Büro anfragen ließ, ob sie<lb/>
ebenfalls eine solche Kampagne mit meinen Bildern und Namen als<lb/>
Konkurrenzmanöver gegen Herlango führen dürfe. Es ist wirklich<lb/>
unwahrscheinlich, wie sehr man hier vorsichtig sein muß. Viel<lb break="no"/>leicht wurde das Ganze sogar durch meine Perückenaktion für<lb/>
den notleidenden Verkäufer auf der Messe ausgelöst.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-16_11">Der Fachverband der Bergwerke kam mit dem Vorsitzenden <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__136470">Denk</rs> sowie je einen Vertreter der Kohlenbergwerke, um endlich<lb/>
<pb n="21-0601" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-16_0601.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>eine, wie sie hofften, Stellungnahme für die zukünftige Entwicklung<lb/>
auf diesem Sektor von mir zu bekommen. Alle gaben unumwunden zu,<lb/>
daß ich über die Details bestens informiert bin, daß deshalb eine<lb/>
Aussprache sich nicht mit den Problemen beschäftigen müßte, sondern<lb/>
nur wie sie mehr Geld bekommen können um ihre Bergwerke durch<lb/>
Investitionen rentabler führen zu können. Ich erklärte rundwegs<lb/>
daß ich ausser die 50 Millionen die ich schon besitze und die<lb/>
60 Millionen erstes BÜK derzeit nicht mehr vergeben könne, daß<lb/>
ich aber und dies habe ich schon voriges Jahr zu erkennen gegeben,<lb/>
eine neue Stützungsperiode des Bergwerkes eingeleitet habe. Nicht<lb/>
mehr ausschließliche Defizitdeckung, sondern doch Aufschließungs<lb break="no"/>arbeiten usw. sollen jetzt in Hinkunft von mir auch finanziert<lb/>
werden. Das Hauptproblem wurde von <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs>, aber auch den anderen<lb/>
angeschnitten, nicht aber wortwörtlich gesagt ist natürlich<lb/>
was geschieht mit Fohnsdorf und Pölfing-Bergla. Wann wird die Re<lb break="no"/>gierung endgültig beschließen diese Bergwerke stillzulegen.<lb/>
Ich habe mich dazu auch nicht dezidiert terminmäßig geäussert,<lb/>
sondern nur darauf hingewiesen, daß es mir unzweckmäßig erscheint.<lb/>
wenn man jetzt in Fohnsdorf mit der Idee spielt, doch ein neues<lb/>
Feld anzufahren. Dadurch würde sich auch über das Jahr 1976/77<lb/>
hinaus der Bergbau automatisch fortsetzen und das Defizit ins<lb/>
gigantische steigen. Von einer Auskohlung könnte nicht die Rede sein,<lb/>
weil natürlich noch immer Felder abzubauen wären, doch müsse<lb/>
man dann mit entsprechenden Steigerungen der Bergbauförderung rech<lb break="no"/>nen können. Eine solche Zusage konnte und wollte ich daher gar<lb/>
nicht machen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-16_12">Das Referat im E-Werk benützte ich dazu da ich einige Minuten<lb/>
zu früh ankam, den Landeslastverteiler Wien zu besuchen. Die<lb/>
Kollegen waren dort sehr überrascht und auch ich konnte einiges<lb/>
dazulernen. Das Referat selbst war vor der Fraktion und der Be<lb break="no"/>triebsgruppe E-Werke im Rahmen einer Reihe "wir stellen vor".<lb/>
Die Genossen möchten mit der Zeit alle Minister zu diesem Thema<lb/>
bekommen, d.h. jeder spricht über sein Ressort. Natürlich ging<lb/>
ich auch prinzipiellen Gründen schon hauptsächlich auf die Preis<lb break="no"/>entwicklung ein. Die Diskussion war sehr sachlich und eigentlich<lb/>
gar nicht aggressiv. Noch mehr verwundert war ich dann bei der<lb/>
anschliessenden AEZ-Diskussion, das eigentlich über die Preisent<lb break="no"/>wicklung weniger diskutiert wurde als bei den vorherigen Diskussionen<lb/>
wo der Index nicht annähernd an die 10 % sich hinaufgearbeitet hatte.</p><pb n="21-0602" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-16_0602.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-16_13">Das Preisproblem wurde zwar einige Male angeschnitten<lb/>
aber es konnte von mir glaube ich sogar einigermassen be<lb break="no"/>friedigend erklärt werden. Früher einmal wurde mir deswegen<lb/>
viel härter zugesetzt, wesentlich stärker regt die Leute<lb/>
die 16.000 Schilling Geburtenbeihilfe auf und ich konnte<lb/>
mich nur mühsam der Angriffe wehren. Typisch und interessant<lb/>
war, daß einige sich scheinbar aus eigenster Erfahrung mit<lb/>
den Strafrechtsreformen beschäftigten. Zwei Frauen, die eine<lb/>
wegen der angeblichen Anschaffung<add>[Abschaffung?]</add> des Ehebruches, die andere<lb/>
wegen Alimentationsverpflichtung wetterten gegen die Straf<lb break="no"/>rechtsreform und eine Anfrage wegen des Häftlingsurlaubes –<lb/>
habe ich Gott sei Dank nicht so beantwortet, daß ich selbst<lb/>
eine Diskussion darüber ablehnte weil die Bevölkerung das<lb/>
heute nicht will sondern erklärte, ich war selbst eingesperrt<lb/>
und kenne daher die Problematik von kriminellen Häftlingen.<lb/>
Der Mann deklarierte sich dann und meinte, man müsse doch<lb/>
wirklich einen Häftling wie er selbst auch war die Chance<lb/>
geben sich wieder ins normale Leben einzufinden. Für mich<lb/>
ist immer wieder verwunderlich wie solche Minderheiten, Homo<lb break="no"/>sexuelle, Häftlinge den Mut haben sich bei solchen öffentlichen<lb/>
Passagen-Diskussionen mit Ihren Wünschen und Forderungen coram<lb/>
publico zu identifizieren und sogar eine Lösung zu verlangen.<lb/>
Immer wieder wird lobend hervor gehoben, daß ich mich beim<lb/>
AEZ als Minister stelle und warum andere Minister dies nicht<lb/>
auch tun.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-16_14">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98072">Wiesinger</rs>: Wir müssen mindestens einmal monatlich<lb/>
einen solchen Diskussionsnachmittag vorsehen. Bitte mit Junger<lb/>
Generation besprechen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-16_15">Die Margarine-Freisbesprechungen konnten obwohl sie längere<lb/>
Zeit dauern nicht positiv abgeschlossen werden, weil auf der<lb/>
einen Seite <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> vom Gewerkschaftsbund mit Recht sich die<lb/>
Unterlagen durchrechnen wollte und auf der anderen Seite Dir.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113084">Büttner</rs> von der Unilever nicht bereit war, eine entsprechende<lb/>
Konzession zu machen. Ich habe beiden getrennt versucht ausein<lb break="no"/>anderzusetzen, daß wir womöglich zu einer Lösung kommen sollten,<lb/>
und eigentlich müssten. Ich hatte auch im Parteivorstand schon<lb/>
versucht, <rs type="person" ref="#per__140878">Hrdlicka</rs> der mich diesbezüglich ansprach, meine Taktik<lb/>
und Politik darzulegen. Die ÖVP behauptet, daß ich mit den neuem<lb/>
Preisgesetz einen Terror gegen die Unternehmer mit ununterbrochener<lb/>
Preisregelung eröffnen würde, sie sagen, ich würde dann ausschließ<lb break="no"/>lich das Vollzugsorgan vom Gewerkschaftsbund u. Arbeiterkammer sein.</p><pb n="21-0603" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-16_0603.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-16_16">Wenn es nun gelingt auf den Boden der Paritätischen Kommission<lb/>
eine Lösung für den Margarinepreis zu erreichen kann ich an Hand<lb/>
dieses Beispieles dann im Parlament und in der Öffentlichkeit immer<lb/>
wieder dokumentieren, daß ich mich obwohl ich hier die Preis<lb break="no"/>regelung hätte einführen können, sehr bemüht habe, ohne einer<lb/>
solchen auszukommen und eine gemeinsame Lösung zustande gebracht<lb/>
habe. <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> und <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> haben diese Politik verstanden und werden<lb/>
sie hoffentlich auch unterstützen. Wir beschlossen, den morgigen<lb/>
Tag dazu zu nützen um wenn notwendig in stundenlanger Detailverhand<lb break="no"/>lungen doch zu einer Einigung zu gelangen.</p></div>
      <div type="back"><pb n="21_0595_01" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-16_0595-01.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
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            <head>Tagesprogramm, 16.5.1974</head>
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               <occupation>Vors. Ausschuss Wirtschaftswerbung im Konsumentenbeirat d.
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