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            <title type="main">Freitag, der 10. Mai 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-10_01">Freitag, 10. Mai 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-10_02">In der Vorstandsfraktion der Arbeiterkammer referierte ich neuerdings<lb/>
über die notwendige Lösung für Einfuhren von Obst und Gemüse, Konserven<lb/>
aus den Oststaaten, ich erörterte neuerdings den Plan von ÖGB – Dr.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> – Mindestpreise und Einfuhrmengen, die jetzt zwischen den Inter<lb break="no"/>essensvertretungen festgelegt werden sollten. Eine heftige Diskussion<lb/>
entwickelte sich über das Preisregelungsgesetz. <rs type="person" ref="#per__127771">Scheer</rs> hat einge<lb break="no"/>sehen, nachdem er sich den Text genau angesehen hat, dass wenn das Kartell<lb break="no"/>gericht Empfehlungen festgelegt hat und diese von den Unternehmern nicht<lb/>
eingehalten werden, dann ich selbstverständlich die §§ 3 c und folgende<lb/>
anwenden kann. Die weitergesehene Forderung, dass in das Gesetz auch<lb/>
aufgenommen werden muss, dass das Handelsministerium Preissenkungen ver<lb/>
langen kann, konnte ich mit Hinweis, dass ich ja die überhöhten Handels<lb break="no"/>spannen regeln kann, entkräften. Wenn ein Importeur Preissenkungen nicht<lb/>
weitergibt, erhöht er damit automatisch seine Handelsspanne und ich<lb/>
könnte ihm dann auf Grund dieses Tatbestandes einer sechsmonatigen Preis<lb break="no"/>regelung unterwerfen. Auch damit waren die Vorstandsmitgliedder einver<lb break="no"/>standen. Die Verlängerung von einem Halben Jahr Preisregelungsmöglichkeit<lb/>
auf 1 Jahr hat <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> selbst dann gemeint, wäre nur ein Hinweise gewesen<lb/>
und nicht unbedingt notwendig.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-10_03">Ich bin nicht ganz überzeugt, wie weit meine Information der Vorstands<lb break="no"/>fraktion sehr sinnvoll ist. Früher als am Samstag noch der Vorstand war<lb/>
hatte ich mehr Zeit und konnte mir auch dann die anderen Tagesordnungs<lb break="no"/>punkte anhören, ohne natürlich dazu Stellung zu nehmen. Jetzt muss<lb/>
ich meistens nach meinem Referat und meiner Diskussion sofort wegeilen,<lb/>
was man mir sicherlich nicht übelnimmt. Ich verliere aber dadurch den<lb/>
Kontakt zu den anderen Problemen der Arbeiterkammer. Auf alle Fälle aber<lb/>
werde ich die Vorstandsfraktionen besuchen, weil ich dies nicht nur allein<lb/>
der Institution schuldig bin, sondern weil ich auch ein Gegengewicht<lb/>
brauche für den jour fixe, welchen ich doch mit der Handelskammer ständig<lb/>
habe. Die informellen Besprechungen beim Institutsessen sind ja doch<lb/>
nicht auf die Kammerführung bezogen, weshalb man mir mit Recht einmal<lb/>
vorwerfen könnte, ich habe mich mehr mit der Handelskammer auseinanderge<lb break="no"/>setzt als mit der Arbeitnehmerseite.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-10_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__127771">Scheer</rs> die AK-Fraktionssitzungen so<lb/>
schnell wie möglich in Erfahrung bringen und reservieren.</p><pb n="21-0569" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-10_0569.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-10_05">Bei der Unterzeichnung des österr.-franz. Herkunftsübereinkommens<lb/>
mit dem frz. Botschafter war für mich doch überraschend zu erfahren,<lb/>
dass die meisten österr. Weine französische Herkunftsbezeichnungen<lb/>
hätten. Ich bin allerdings überzeugt, dass auch wenn wir ein solches<lb/>
Abkommen nicht haben, der Verkehr meinen normalen Verlauf genommen<lb/>
hätte und hat. Jahrzehntelang sind wir ohne Abkommen ausgekommen.<lb/>
Trotzdem hat <rs type="person" ref="#per__97524">Hauffe</rs> zeitgerecht erkannt, dass dies ein gutes Betäti<lb break="no"/>gungsfeld ist und im Patentamt – gewerblichen Rechtsschutz – wie man<lb/>
mir sagte im Handstreich entzogen. Jetzt höre ich macht <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> und<lb/>
ich glaube sogar mit Recht über dieses Gebiet seinen Kompetenzan<lb break="no"/>spruch geltend. Ich werde mich natürlich in diesen Streit nicht ein<lb break="no"/>schalten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-10_06">Der südkoreanische Botschafter hat jetzt die Gelegenheit benützt,<lb/>
um auf die guten Festgeschäfte hinweisend sich nicht nur bei mir nach<lb/>
10-monatigen Anwesenheit in Wien vorzustellen sondern auch indirekt<lb/>
seiner Enttäuschung Ausdruck zu geben, dass wir jetzt Nordkorea<lb/>
anerkennen. Da das Gespräch in Englisch geführt wurde, habe ich<lb/>
alle Feinheiten nicht mitgekommen, in diesem Fall war es aber<lb/>
auch gar nicht so entscheidend, weil ich ja keinerlei konkrete<lb/>
Verhandlungen geführt habe. Ich setzte ihm auseinander, dass wir<lb/>
seit eh und je als neutraler Staat mit allen Staaten versuchen<lb/>
Handelsgeschäfte zu betreiben und dass die Aussenpolitik <rs type="person" ref="#per__97632">Kirch<lb break="no"/>schläger</rs> macht. Mit <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> hatte er übrigens eine längere<lb/>
Aussprache, wie er ins Detail gehend uns erzählte. Die neuerliche<lb/>
Einladung nach Südkorea zu kommen , habe ich dankend angenommen,<lb/>
aber darauf hingewiesen, dass ich derzeit ausserstande bin, die<lb/>
Reise zu machen. Sollte ich einmal eine Asientour starten, dann<lb/>
werde ich selbstverständlich auch Südkorea besuchen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-10_07">Botschafter <rs type="person" ref="#per__123818">Scheich</rs> ein zwar tüchtiger Beamter, derzeit in Bern<lb/>
Erstzugeteilter, aber natürlich ein grosser CV-er geht nach<lb/>
Algerien. Ich habe ihm den Grund erklärt, warum ich jetzt nicht<lb/>
nach Algerien gefahren bin, um die Vertragsverhandlungen fortzu<lb break="no"/>setzen. Ich habe ihn ermächtigt zu erklären, dass wenn der Vertrag<lb/>
in der nächsten Zeit abgeschlossen wird und dies hoffen wir alle,<lb/>
ich dann zur Unterzeichnung nach Algier fahren werde. Wenn die<lb/>
algerische Seite allerdings auf eine weitgehendere Formulierung<lb/>
bezüglich des Reexportverbotes als die Iraker bestehen, sehe ich<lb/>
keine Möglichkeit zu einem Abschluss zu kommen. Algerien war<lb/>
<pb n="21-0570" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-10_0570.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>angeblich auf meinen Besuch sehr eingestellt, da ich der erste Mini<lb break="no"/>ster gewesen wäre, der nach Algerien gekommen ist. <rs type="person" ref="#per__123818">Scheich</rs> wird ver<lb break="no"/>suchen, den algerischen Stellen klarzumachen, dass ich aus prinzipiellen<lb/>
Gründen nicht in ein Land verhandeln fahren kann, wenn nicht die ent<lb break="no"/>sprechenden Vorbereitungen getroffen sind.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-10_08">Mit der Bäckergruppe der Lebensmittelarbeiter erörterte ich die Mög<lb break="no"/>lichkeit ihrer nächsten Lohnbewegung. Die Betriebsräte der Grossbe<lb break="no"/>triebe befürchten, dass im Juli der Grtreidepreis erhöht wird, damit<lb/>
dann automatisch in einem nachfolgenden Monate die Mehlverbraucherpreise,<lb/>
da die Bäcker nicht imstande sind, diese Mehlverteuerung zu übernehmen,<lb/>
wird es auch zu einer Erhöhung der Brot- und Gebäckpreise kommen.<lb/>
Für die Müller und Bäckereiarbeiter ergibt sich nun die Frage, wie<lb/>
sie ihre Löhne in diesem Fall gleich unterbringen. Die letzte Lohnbe<lb break="no"/>wegung war am 1. Dezember 1973, nach unseren intern gefassten Richtlinien<lb/>
würden wir 13 Monate ca. bis zur nächsten Lohnbewegung zuwarten.<lb/>
Wenn aber eine Preiserhöhung erfolgt, war es bis jetzt immer so, dass<lb/>
damit automatisch die Bäckerei- und Müllereiarbeiterlöhne gleich<lb/>
zeitig reguliert wurden. Ansonsten besteht die grosse Gefahr, dass<lb/>
die Brot- und Gebäck- und Mehlpreise zweimal im Jahr erhöht werden<lb/>
müssen. Einmal wegen der Getreidepreise und das zweite Mal dann<lb/>
wegen der Löhne. In diesem Fall würden aber die Unternehmer wahr<lb break="no"/>scheinlich bei der Preiserhöhung wegen der Löhne gleich ihre anderen<lb/>
sämtlichen Kostensteigerungen unterbringen wollen. Damit würde<lb/>
der Eindruck entstehen, dass die Lohnbewegung die Verteuerung aus<lb break="no"/>schliesslich ausgelöst hat. Im vergangenen Jahr ist es geglückt diese<lb/>
Schwierigkeit zu überwinden. Infolge eines grösseren Lagers konnte<lb/>
der Mehlpreis verhältnismässig spät festgesetzt werden. Dann hat<lb/>
noch der Getreideausgleichsfonds eine gewisse Zeit eine Überbrückung<lb/>
gegeben, sodass dann – obwohl auch dort der Getreidepreis bereits im<lb/>
Juli festgesetzt wurde – die Verbraucherpreise einheitlich incl. der<lb/>
Lohnbewegung erst mit Jahresende fixiert werden mussten. Diesmal<lb/>
wird dieses System nur sehr schwer möglich sein durchzuführen. Der Finanz<lb break="no"/>minister ist sicherlich nicht bereit, eine Stützung der Getreide<lb break="no"/>preise bis zum Inkrafttreten des neuen Verbraucherpreises vorzunehmen.<lb/>
Eine solche Lösung schwebt übrigens der BHK wahrscheinlich nach Rück<lb break="no"/>sprache oder besser gesagt sogar durch Aufforderung der Müller und<lb/>
Bäckerunternehmer vor. Der einzige Ausweg, den ich sehe, ist, dass<lb/>
wir versuchen, etappenweise die Lohnbewegung durchzuführen. Eine solche<lb/>
<pb n="21-0571" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-10_0571.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Lösung hatten wir schon 1960/61 gehabt. Damals wurden die Löhne der<lb/>
Bäckereiarbeiter auf zwei Etappen festgesetzt. Wie allerdings dann<lb/>
die Preisregelung befriedigend geregelt werden kann, ist mir diesmal<lb/>
noch nicht ganz klar. Ich habe zwar den Kollegen keinerlei Zusagen<lb/>
gemacht, bin mir aber doch vollkommen klar darüber, dass niemand verhin<lb break="no"/>dert wird können, wenn die Erzeugerpreise für Getreide und dann in<lb/>
weiterer Folge auch die Verbraucherpreise erhöht werden, nicht<lb/>
gleichzeitig auch unsere Bäckereiarbeiter und Müllereiarbeiter Lohn<lb break="no"/>korrekturen bekommen. Über das Ausmass und über den Zeitpunkt wird man<lb/>
sich aber noch genau unterhalten müssen. Die Hauptschwierigkeit sehe<lb/>
ich darin, dass die Unternehmerseite und ganz besonders natürlich die<lb/>
Opposition hier sehr hart vorgehen wird und dadurch nicht nur die<lb/>
Regierung sondern ganz besonders mich in eine schwierige Situation<lb/>
wird bringen wollen. Hier muss ich wirklich äussert vorsichtig operieren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-10_09">Das Treffen mit allen Funktionären des Bundesvorstandes des ÖGB war für<lb/>
mich äusserst interessant. Viele meiner ehemaligen Kollegen, vor allem<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140880">Weigl</rs> geben mir immer wieder den guten Rat, ich soll mich nicht so<lb/>
sehr ausgeben, denn ich könnte dieses Tempo und diese Belastung<lb/>
nicht durchstehen. Ich glaube, hier überschätzen sie meine Arbeit<lb/>
wesentlich. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> hielt eine sehr launige Ansprache, wo er insbe<lb break="no"/>sondere natürlich seine persönlichen Beziehungen und Erfahrungen mit<lb/>
jedem einzelnen irgendwie herausstrich. Als Kontraredner, im wahrsten<lb/>
Sinne des Wortes, hat sich dann <rs type="person" ref="#per__97846">Proksch</rs> gemeldet und verlangt, dass<lb/>
in Hinkunft solche Treffen in wenigstens jährlichen Abständen er<lb break="no"/>folgen sollen, was selbstverständlich allgemeine Zustimmung fand.<lb/>
Bei dieser Zusammenkunft musste ich erfahren, dass meine seinerzeitige<lb/>
Werbung von <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> zum Gewerkschaftsbund, gleich bei Beginn<lb/>
unserer Tätigkeit aus mir unerklärlichen Gründen niemals beim öffent<lb break="no"/>lichen Dienst eingelangt ist. <rs type="person" ref="#per__134290">Gasperschitz</rs> hat daher sofort den ÖVP-<lb/>
Mann, dem die Mitgliederkartei untersteht beauftragt, festzustellen<lb/>
ob <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> Mitglied ist. Tatsächlich wurde dann eruiert, dass<lb/>
er nur bis 1955 glaube ich Mitglied war, bevor er eben in den diplo<lb break="no"/>matischen Dienst übertrat. Meine Werbung ist daher damals vergeblich<lb/>
gewesen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-10_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte Aufzeichnungen aus dem Tagesbuch aus<lb break="no"/>graben wenn dies möglich ist.</p><pb n="21-0572" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-10_0572.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-10_11">Die Muttertagsfeier der SPÖ Landstrasse war gut besucht. <rs type="person" ref="#per__146367">Hawlicek</rs><lb/>
hat eine fraulich sehr beeindruckende Wahlwerbung für <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs><lb/>
gemacht. Ich habe dann versucht, mit dem Wiener Schmäh dies ein<lb/>
bisserl afzulockern und ich glaube, dass wir dadurch ein Optimum<lb/>
an Beeinflussung erreicht haben. Allerdings bin ich nicht ganz<lb/>
sicher, wieviele Nicht-Genossen anwesend waren. Ich glaube es<lb/>
war sicherlich ein verschwindender Prozentsatz.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-10_12">Bei der Ankunft im ORF-Studio, habe ich zufällig mit <rs type="person" ref="#per__139833">Gerhard Weis</rs><lb/>
dem Diskussionsleiter, und <rs type="person" ref="#per__112588">Brösigke</rs>, den er im Auto mitgenommen<lb/>
hat, zusammen. Allerdings hat <rs type="person" ref="#per__139833">Weis</rs> sofort erklärt, er hätte <rs type="person" ref="#per__112588">Brösigke</rs><lb/>
gerade vor dem Tor aufgeklaubt, als dieser vom Taxi ausgestiegen<lb/>
ist. Für mich war nur interessant wie <rs type="person" ref="#per__139833">Weis</rs> sofort Erklärungen abgibt,<lb/>
damit ja nicht ein falscher Eindruck bei mir entsteht. Ich nützte<lb/>
natürlich die Gelegenheit, um <rs type="person" ref="#per__139833">Weis</rs> zu versichern, dass mich das<lb/>
überhaupt nicht stört und da <rs type="person" ref="#per__112588">Brösigke</rs> kein Auto hat, habe ich mich<lb/>
sofort angeboten, ihn nachher nach Hause zu führen. Die ÖVP, ins<lb break="no"/>besondere Dr. <rs type="person" ref="#per__112625">Keimel</rs>, hatte sich wie ich seinen Aufzeichnungen<lb/>
entnehmen konnte, für die Diskussion wirklich ganz gross vorbereitet<lb/>
Er wollte auch entsprechend gleich loslegen, kam aber nicht dazu,<lb/>
weil <rs type="person" ref="#per__139833">Weis</rs> mit Recht schon bei der Vorbesprechung erklärt hat,<lb/>
es müssten kurze Statements abgegeben werden und vor allem das<lb/>
Problem der Preisbildung und der Preisgesetze zur Diskussion<lb/>
stehen. Die Opposition wollte natürlich und dies ist <rs type="person" ref="#per__112588">Brösigke</rs><lb/>
viel besser gelungen, obwohl er sich nicht so intensiv vorbe<lb break="no"/>reitet hatte, die gesamte Regierungstätigkeit einer Kritik unter<lb break="no"/>ziehen. Wirklich kritisch waren nur zwei Einwendungen. Erstens<lb/>
mehr Sparen, Hinweis auf die UNO-City , zweitens die Regierung<lb/>
selbst müsste sich jetzt mit gutem Beispiel präsentieren und keiner<lb break="no"/>lei Erhöhungen vornehmen, siehe Telefongebühren. Auf das erste Argu<lb break="no"/>ment bin ich wissentlich und willentlich nicht eingegangen. Die Er<lb break="no"/>höhung der Telefongebühren konnte ich noch mit Ach und Krach er<lb break="no"/>klären. Wie weit dass allerdings meine Hinweise überhaupt ange<lb break="no"/>kommen sind, getraue ich mir derzeit nicht festzustellen. Auf<lb/>
alle Fälle versuchte ich aus der Verteidigungstaktik herauszu<lb break="no"/>kommen und doch zumindestens teilweise anzugreifen. Sehr gut<lb/>
glaube ich ist dies <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> gelungen. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> hat sich zwar wie er<lb/>
mir schon bei einer Besprechung unter vier Augen sagte, als<lb/>
Vertreter des ÖGB gefühlt und daher nicht die Aufgabe die Partei zu<lb/>
verteidigen, doch hat er dann in der Einzeldiskussion<lb/>
<pb n="21-0573" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band21/21_1974-05-10_0573.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>und in den Angriffen, die er gestartet hat, glaube ich sehr geschickt<lb/>
operiert. Insbesondere mit dem Hinweis, dass die Handelskammer anderer<lb/>
Meinung ist, hat er die ÖVP ein bisschen durcheinander gebracht. <rs type="person" ref="#per__112625">Keimel</rs><lb/>
indirekt als Schattenminister vorgestellt, war hier in keiner sehr<lb/>
guten Position. Allerdings glaube ich, dass in der Öffentlichkeit dies<lb/>
viel weniger ankommt als wir dies gerne hätten. Die Leute interessieren<lb/>
sich über die Höhe der Preise keinesfalls aber wer irgendwo irgendjemand<lb/>
ermächtigt dagegen etwas zu tun oder nicht zu tun. Da die Preise steigen<lb/>
ist die Regierung verantwortlich und damit basta. Die einzige Mög<lb break="no"/>lichkeit, die ich wirklich sehe aus dem Dilemma herauszukommen ist<lb/>
eben Mitverantwortliche zu bekommen. Dies können nur die Landeshaupt<lb break="no"/>leute sein, die ebenfalls als Regierungen in Erscheinung treten.<lb/>
Jeder Lösung, die also die Landeshauptleute ausklammert, halte ich<lb/>
daher wirklich für sehr falsch. Die einzige Chance, die wir haben,<lb/>
ist dass wenn heuer im Sommer die Fleisch- und Wurstpreise wieder<lb/>
steigen sollten, dass man zeitgerecht die Landeshauptleute auffordern<lb/>
muss, dass sie etwas dagegen unternehmen. Dies kann aber nicht von<lb/>
der Regierung oder gar dem Handelsminister erfolgen, sondern müsste<lb/>
eben dann von den <choice><choice><sic>Verbraucherinteressenten</sic><corr>Verbraucherinteressen</corr></choice></choice>-Vertretungen – AK, ÖGB,<lb/>
Frauenorganisationen – verlangt werden. Es jetzt bereits zu tun, wä<lb break="no"/>re aber noch verfrüht, denn es müssten auf Grund der ungeheuren Lager<lb/>
die wir haben und vor allem der geringen Exportmöglichkeiten die<lb/>
Fleisch- und Wurstpreise heuer nicht wesentlich steigen. Mir ist es<lb/>
im Gegenteil vollkommen unerklärlich, dass es uns nicht gelingt, eine<lb/>
wirkliche Fleischverbilligungsaktion in grösserem Ausmass zu starten.<lb/>
Fleischverarbeitende Industrielle oder auch grössere Fleischhauer<lb/>
erklären mir, dass es unmöglich wäre, selbst wenn die Aktion noch<lb/>
so viele Zuschüsse vom Staat hätte, grössere Mengen von Fleisch oder<lb/>
Wurst zusätzlich in Österreich verkaufen zu können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band21_1974-05-10_13">ANMKERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Hier müsste und sollte man mit dem Landwirtschafts<lb break="no"/>ministerium <rs type="person" ref="#per__97819">Pleschuitschnig</rs> neue Wege besprechen.</p></div>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName type="label">Pleschiutschnig, Gerhard</persName>
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               <occupation>Büro des Bundesministers (Sekretärin)</occupation>
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