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            <title type="main">Montag, der  6. Mai 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-05-06_01">Montag, 6. Mai 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-05-06_02">Beim Journalistenfrühstück konnte ich die neue Geschäftsführung<lb/>
von der ÖFVW Dr. <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> als Geschäftsführer, der für alles Ver<lb break="no"/>antwortlich ist und dann ohne dass es expressis verbis gesagt<lb/>
wird der erste und Dkfm. <rs type="person" ref="#per__114587">Kübler</rs> vorstelle. Solange dieses Problem<lb/>
strittig war, wurde ich in der Pressekonferenz einige Mal ge<lb break="no"/>fragt, wer eigentlich wird und wann ich endlich die Bestellung<lb/>
vornehme usw. Jetzt, wo es entschieden war, interessierte sich<lb/>
fast niemand mehr dafür. Es war eine flaue Diskussion. Bei einem<lb/>
so ständigen Kontakt mit den Massenmedien muss man sich auch auf<lb/>
deren Psychologie einstellen. Sie wollen immer interessante Neuigkei<lb break="no"/>ten , Entscheidungen, bevor man wirklich welche endgültig treffen<lb/>
kann, deshalb z.B. jetzt ihr Interesse, was wir gegen die italie<lb break="no"/>nischen Importbeschränkungen machen werden, und wehe, man hat nicht<lb/>
eine festgefügte Meinung ! Wenn man politisch den Fehler macht,<lb/>
dann aber seine eigenen Ideen nur zu deponieren ohne Rücksicht da<lb break="no"/>rauf, ob man sie einmal durchsetzen kann, passiert es, dass man<lb/>
nachher kritisiert wird und erklärt, ja warum haben Sie dieses<lb/>
oder jenes nicht gemacht, was sie doch damals angekündigt haben.<lb/>
Wie sehr es aber darauf ankommt, der Presse eben eine zwear befrie<lb break="no"/>digende aber dennoch ausweichende Antwort zu geben, heisse Eisen<lb/>
also anzupacken, sich aber dabei die Finder nicht zu verbrennen,<lb/>
kann ich jetzt immer wieder feststellen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist glaube ich in<lb/>
dieser Beziehung ein Meister, denn er versteht die Presse immer<lb/>
wieder, sei es im Pressefoyer nach dem Ministerrat, sei es bei<lb/>
Pressebesprechungen oder sei es noch viel mehr in Einzelgesprächen<lb/>
mit Journalisten, zu all den Problemen Stellung zu nehmen, ohne<lb/>
dass man ihm nachher effektiv einen Strick daraus drehen kann.<lb/>
Trotzdem fällt niemandem ein zu sagen, dass also seine Auskünfte<lb/>
unbefriedigend sind oder gar ihm nachzuweisen, dass er in vielen<lb/>
Fällen eine andere Stellungnahme im Laufe der Zeit eingenommen hat.<lb/>
Er geht eben mit den Massenmedien und deren Wünschen und Stellungnah<lb break="no"/>men weitestgehend mit, beeinflusst sie zum Teil und macht auch deren<lb/>
Wandlung irgendwie dann mit. Interessant ist, dass man seinerzeit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs>, am Höhepunkt seines Einflusses als Vizekanzler und<lb/>
Parteiobmann vorgeworfen hat, dass er ideenreich immer wieder<lb/>
neue Vorschläge gemacht hat und wenn dann seine Mitarbeiter oder<lb/>
<pb n="20-0546" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-05-06_0546.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ganze Gruppen sich schön langsam dieser Idee angeschlossen haben,<lb/>
dann hat er sie schon wieder verlassen gehabt und eine neue Idee<lb/>
meistens sogar auf einem ganz anderen Gebiet aber manchmal auch<lb/>
in Abwandlung seiner ursprünglichen Ideen geboren, zur Diskussion<lb/>
gestellt hat. <rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs> hat scheinbar es nie so verstanden<lb/>
wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, die Wandlung oder wie man bei uns sagen würde<lb/>
die Kurven zu nehmen oder es ist ihm zumindestens nicht ge<lb break="no"/>glückt, die Massenmedien davon zu überzeugen, dass es eben gar kei<lb break="no"/>ne Wandlung gewesen ist, sondern dass dies eben schon immer<lb/>
seine Absicht war.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-05-06_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Wie erklärt man dieses Phänomen und welche<lb/>
Konsequenzen ergeben sich eigentlich daraus ?</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-05-06_04">Beim Mittagessen auf der Botschaft von Uruguay, wo ich mit den<lb/>
deutschsprechenden in Österreich akkreditierten Botschaftern nach<lb break="no"/>her zu einer Diskussion über Wirtschaftsprobleme mich stellte,<lb/>
hatte ich Gelegenheit, mit dem italienischen Botschafter <rs type="person" ref="#per__140782">Cagiati</rs><lb/>
über die neuen Importbesprechungen zu reden. Der niederländi<lb break="no"/>sche und belgische Botschafter, die im Rahmen der EG noch mehr<lb/>
betroffen sind als wir, teilen die Meinung der Italiener, dass<lb/>
es sich hier nicht um einen Verstoss gegen irgendwelche Ver<lb break="no"/>träge – EG-Vertrag oder GATT-Vertrag – handelt, da es sich um<lb/>
eine ausserordentliche Massnahme handelt, die formell möglich<lb/>
ist. Der schwedische und der jugoslawische Botschafter hüllten<lb/>
sich in Schweigen. Ich selbst habe die Meinung vertreten, dass<lb/>
es vielleicht formell richtig sei, was ich allerdings<lb/>
bezweifelte, dass aber Östereich ganz besonders durch die<lb/>
Vieh- Fleisch- und Käseeporte, ja vielleicht sogar wenn tat<lb break="no"/>sächlich Holz auf der Liste sein sollte, auch dort schwer ge<lb break="no"/>schädigt wird. Der italienische Botschafter hat mir versprochen,<lb/>
unverzüglich die Liste zur Verfügung zu stellen, er selbst besitzt<lb/>
sie auch nicht. Sie soll auf alle Fälle drastisch reduziert wor<lb break="no"/>den sein, ursprünglich waren 200 Positionen drauf, jetzt ein Viertel<lb/>
davon. Interessant für mich war, dass also die EG-Staaten sich<lb/>
mit der Entscheidung Italiens mehr oder minder abgefunden haben,<lb/>
dass sie keinesfalls Retorsionsmassnahmen beabsichtigten, dass<lb/>
es daher lächerlich ist, wenn die Landwirtschaft uns solche<lb/>
Retorsionsmassnahmen allen Ernstes vielleicht verlangen wird.</p><pb n="20-0547" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-05-06_0547.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-05-06_05">Mit <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> habe ich dieses Problem besprochen und über die Aussprache<lb/>
sofort berichtet. <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> meint, es genügt, wenn wir jetzt inter<lb break="no"/>ministeriell jetzt die nächsten Schritte festlegen und vor allem<lb/>
einmal über die Ergebnisse, soweit sie bis jetzt vorliegen, überhaupt<lb/>
erst diskutieren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-05-06_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Aus dieser Frage wird die ÖVP ein Politikum machen<lb/>
bitte deshalb jetzt schon festhalten, wo über<lb break="no"/>all das Handelsministerium aktiv wurde.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-05-06_07">Die Planungsgeellschaft für das 2. Kernkraftwerk ist in voller Stär<lb break="no"/>ke erschienen. Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs>, wie Direktor <rs type="person" ref="#per__137372">Klimesch</rs>, OKA,<lb/>
von der Verbund <rs type="person" ref="#per__112014">Ehrbacher</rs> und <rs type="person" ref="#per__112012">Arthold</rs>, die Geschäfsführer und sogar<lb/>
noch Angehörige des Stabes waren in voller Stärke bei mir, <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> und<lb/>
dem Referenten <rs type="person" ref="#per__114532">Bolhar</rs> aufgekreuzt. Ihre Sorge ist, dass sie nicht<lb/>
zeitgerecht die Genehmigung für die Errichtung dieses zweiten Kern<lb break="no"/>kraftwerkes bekommen. Das Gesundheitsministerium Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__111378">Pindur</rs><lb/>
und Min.Rat <rs type="person" ref="#per__146367">Hawlicek</rs> haben sich nicht bereiterklärt, eine Vorgenehmigung<lb/>
wie es z.B. die Schweiz macht, zu geben. Sie verlangen, dass die<lb/>
Planungsgesellschaft das endgültige Projekt, wie sie es ausschreiben,<lb/>
in allen Details vorlegen und dann werden sie erst auf Grund des Strah<lb break="no"/>lenschutzgesezes die entsprechenden Genehmigungen erteilen. Sie<lb/>
wollen vor allem einmal keine Teilgenehmigungen, wie sie immerhin<lb/>
noch bereit waren, beim 1. Kernkraftwerk zu machen, auch beim 2. Kern<lb break="no"/>kraftwerk einschlagen. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> erklärte rundwegs, dass jeder Beamter<lb/>
nach dem AVG- vorgehen wird, das war eine ihre Hauptbeschwerden und<lb/>
er meinte, die einzige Lösung wäre, sie sollten alle davon Betroffenen<lb/>
einladen, um ein gemeinsames Vorgehen zu erreichen.Ausserdem kritisierte<lb/>
er wieder, ich höre das jetzt schon einige Male, dass der Planungs<lb break="no"/>stab überhaupt nicht ausreicht um eine wirklich zweckmässige Aus<lb break="no"/>schreibung zustandezubringen. Da diesmal nicht mehr ein schlüsselfertiges<lb/>
Projekt ausgeschrieben wird, d.h. ein Generalunternehmer gesucht<lb/>
wird, der dann allerdings alle Kosten hat dem 1. Kernkraftwerk verrechnet,<lb/>
sondern eben der nukleare Teil und der konventionelle Teil<lb/>
getrennt ausgeschrieben werden soll. eine Forderung, die die auslän<lb break="no"/>dischen Lieferanten und aber auch ich ganz besonders erhoben habe,<lb/>
weil es nur so zu einem Konkurrenzkampf wirklich kommen kann, bedeutet<lb/>
natürlich, dass wesentlich mehr Arbeit in die Ausschreibung aufge<lb break="no"/>wendet werden muss. Ich selbst werde mit <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> über dieses Prob<lb break="no"/>lem Besprechungen aufnehmen.</p><pb n="20-0548" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-05-06_0548.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-05-06_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte einen Termin <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> mit <rs type="person" ref="#per__111378">Pindur</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__146367">Hawlicek</rs>, <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> <rs type="person" ref="#per__114532">Bolhar</rs> und mir verein<lb break="no"/>baren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-05-06_09">Die zweiten Verhandlungen über die Novelle des Preisregelungsgesetzes<lb/>
verliefen erwartungsgemäss. Diesmal erschien für Salzburg <rs type="person">Lechner</rs><lb/>
aber nur <rs type="person" ref="#per__98068">Wenzl</rs> war noch als LH erschienen, der auch beim ersten Mal <lb/>
dabei war. Die ÖVP-Landeshauptleute lehnten eine Kompetenzübertragung<lb/>
an sie entschieden ab. Das drückten sie so aus, sie sollen die volle<lb/>
Verantwortung übernehmen, was sie selbst gar nicht regeln können.<lb/>
weder personalpolitisch noch organisatorisch könnten sie einen solchen<lb/>
Aufwand verkraften. Der Hinweis von <rs type="person" ref="#per__123210">Heller</rs> <add>[evtl. Falschidentifikation, Anm.]</add>, dass doch dann das Handels<lb break="no"/>ministerium dies noch viel weniger könne, hat sie nicht besonders<lb/>
beeindruckt. <rs type="person" ref="#per__114522">Schneider</rs> von NÖ und der ÖVP-ehemalige Innenminister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__133370">Soronics</rs>, jetzigen LH-Stellvertreter und Preisverantwortlicher<lb/>
für Burgenland, die beiden machten mir also ganz besonders den<lb/>
Vorschlag, man sollte die Idee von <rs type="person" ref="#per__97398">Drennig</rs>, die jetzt in einer<lb/>
Pressekonferenz schnell der Öffentlichkeit vorgestellt würde, auf<lb break="no"/>greifen. Mein Hinweis, dass doch damit gar nichts gelöst ist , wenn<lb/>
ich nicht nur vorerst abzuwarten habe, ob die vier Interessens<lb break="no"/>vertreungen mir genehmigen, den § 3 a anzuwenden und wenn dies nicht<lb/>
der Fall ist, ich dann ein weiteres Konzilium bestehend aus den Kartell<lb break="no"/>richtern und zwei Experten fragen sollte, ob dort Wettbewerb herrscht<lb/>
oder nicht, haben sie zwar nicht entkräften können aber darauf hin<lb break="no"/>gewiesen, dass es ihnen darauf ankommt, zu meinen Vorschlägen nicht<lb/>
nur nein zu sagen, sondern auch Gegenvorschläge zu erstatten. <rs type="person" ref="#per__112216">Bassetti</rs><lb/>
ging so weit, dass er erklärte, seiner Meinung nach müsse der Han<lb break="no"/>delsminister die Möglichkeit haben, wenn jemand Preise erhöht, ohne<lb/>
die Paritätische Kommission zu befassen, dagegen einzuschreiten. Als<lb/>
ich die ÖVP-Landehsauptleute auf diese Aussage festlegen wollte,<lb/>
hat <rs type="person" ref="#per__137200">Lechner</rs> sofort dagegen heftigst polemisiert und erklärt, das<lb/>
sei nicht seine Meinung und auch die anderen ÖVP-ler haben sich dann<lb/>
natürlich auch angeschlossen. Tirol, seinerzeit schon <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> und<lb/>
diesmal <rs type="person" ref="#per__112216">Bassetti</rs> waren also wesentlich mehr bereit, zumindestens dem<lb/>
Handelsminister Kompetenzen zu geben als scheinbar andere Landes<lb break="no"/>hauptleute der ÖVP. Nach stunden lagen Diskussionen, wo insbesondere<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114583">Kery</rs> die ÖVP hart attackierte, was <rs type="person" ref="#per__137200">Lechner</rs> veranlasst zu erklären,<lb/>
noch niemals ein solcher Ton den Landeshauptleuten gegenüber an<lb break="no"/>geschlagen worden, gingen wir mit verschiedener Meinung auseinander.</p><pb n="20-0549" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-05-06_0549.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-05-06_10">Da ich ja, so wie immer, im Hinausgehen nicht ein besorgtes Gesicht<lb/>
machte, meinte die Presse und das Fernsehen, es sie ein voller Erfolg<lb/>
von mir zu verzeichnen gewesen. Dies stimmt sogar, da es mir ge<lb break="no"/>lungen ist, in diesem wichtigen Gremium die ÖVP zu veranlassen meinen<lb/>
Vorschlägen unter gar keinen Umständen zuzustimmen. Damit ist der<lb/>
politische Effekt erreicht, dass wir selbst bescheidenste Vor<lb break="no"/>schläge nicht durchbringen, weil die Landeshauptleute eben keine<lb/>
Kompetenz übernehmen wollen. Nach aussenhin aber erklärte ich ,<lb/>
dass es eben zu keiner Einigung gekommen ist und dass ich nach einer<lb/>
Aussprache mit den Interesensvertretungen am nächsten Tag dann einen<lb/>
entsprechenden Gesetzentwurf auf alle Fälle im nächsten Ministerrat<lb/>
einbringen werde.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-05-06_11">In der Ministerratsvorbesprechung bin ich mit zweieinhalb Stunden Ver<lb break="no"/>spätung gekommen, hab deshalb die Ausführungen <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> über den Prä<lb break="no"/>sidentenwahlkampf und die politische Linie nicht mehr gehört. Wir dis<lb break="no"/>kutierten dann nur mehr die Stabilisierungsvorschläge, die <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> in<lb/>
einer wirtschaftspolitischen Aussprache präsentieren will. Als Grösstes<lb/>
und Wichtigstes will er dort die Einkommens- und Lohnsteuersenkung,<lb/>
die 1,6 Mill. ausmachen soll, als doch immerhin Stabilisierungs<lb break="no"/>beiträge den Interessensvertretungen und Ländern verkaufen. 5 Mia sollen<lb/>
ca. der Budgetausfall für den Bund betragen, 4,5 für die Länder und<lb/>
1,5 Milliarden für den Wohnbau. Der Eckzinsfuss wird von 3,5 % auf<lb/>
5 % anzuheben sein. Da bereits jetzt höhere Habenzinsen gezahlt<lb/>
werden, würde der Sollzinssatz nur 1/2 Prozent steigen. Dann müsste<lb/>
der Kapitalmarkt von derzeit 7 Effektivverzinsung auf 9,25 erbringt<lb/>
durch 98 Zuteilung und 102 Erlös nominell von den 7 % auf die 8 bis<lb/>
8,5 % angehoben werden. Um den Sekundärmarkt nicht weiter verfallen<lb/>
zu lassen, muss er Bonifikationen geben, und im Bundesbudget würde<lb/>
das 300 Mill. S im nächsten Jahr kosten. Alle diese Massnahmen sind<lb/>
in Wirklichkeit nicht stabilitätsfördernd, sondern im Gegenteil.<lb/>
Trotzdem glaube ich auch, dass es mehr oder minder ein Erfordernis ist,<lb/>
dem Verlangen des ÖGB in beiden Fällen Rechnung zu tragen und jetzt<lb/>
muss man dies halt irgendwie stabilitätspolitisch verpacken resp. der<lb/>
Öffentlichkeit einreden, dass dies ein weiterer Schritt im Rahmen<lb/>
der Stabilität ist. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> möchte das so machen, dass dadurch eine<lb/>
Zwischenlohnrunde entfallen kann und bei der nächsten Lohn- und Ge<lb break="no"/>haltsverhandlungen, die 3 – 6 % reale Einkommenssteigerungen in<lb/>
den Forderungen der Gewerkschaften berücksichtigt werden.</p><pb n="20-0550" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-05-06_0550.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-05-06_12">Da von vornherein nicht feststeht, wie hoch die Gewerkschaften ihre For<lb break="no"/>derungen stellen werden, kann man nur sagen, dass sie sehr wohl die<lb/>
Steuersenkung berücksichtigt haben. Falls es zu einer DM-Aufwertung kommen<lb/>
wird bis 5 % diesmal in der ganzen Grösse auch Österreich mitmachen.<lb/>
Die OeNB, die derzeit erklärt, sie müsste 3 Mia S ungefähr jährlichen<lb/>
Geldzuwachs haben und um das Wirtschaftswachstum damit auch finan<lb break="no"/>zieren zu können, sollte jetzt einmal ihre globale Äusserung quanti<lb break="no"/>fizieren. <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> hatte gegen die Erhöhung der Sollzinsen ausgelöst<lb/>
durch die Erhöhung des Eckzinsfusses grösste Bedenken. Durch die<lb/>
Kreditexpansionsbeschränkung auf 12 % wird der Wohnbau besonders hart<lb/>
getroffen. Alle Institute, selbst die Sparkassen, haben die Promessen<lb/>
wesentlich reduziert und welche, die sie bereits ausgegeben haben,<lb/>
entweder gar nicht eingelöst oder wesentlich zu einem späteren Zeit<lb break="no"/>punkt vermindert eingelöst. Mit Beginn des Jahres wurde bereits eine<lb/>
Zinserhöhung vorgenommen und auf die Mieten überwälzt, obwohl die <lb/>
Mieter davon noch gar nichts wissen. Jetzt noch einmal eine zweite<lb/>
betrachtet er für katastrophal. Ausserdem trifft ihn noch der Verlust<lb/>
der 1,5 Mia Wohnbaumittel, die er sich zusätzlich scheinbar erwartet<lb/>
hat durch die Einkommens- und Lohnsteuersenkung. BIS jetzt stehen<lb/>
genug öffentliche Mittel immer bereit, da eben die Kreditrestriktion<lb/>
wahrscheinlich ähnlich wie bei uns die Bürges eine gewisse Nachfrage<lb break="no"/>hemmung ergeben haben. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wies darauf hin, dass es doch notwen<lb break="no"/>dig ist, viel mehr einen Sparprozess auch in der öffentlichen Hand<lb/>
einzuleiten als dies bis jetzt geschehen ist. Ihm schwebt vor, dass<lb/>
das Konferenzzentrum in der UNO-City jetzt nicht gebaut wird. Darüber<lb/>
hinaus müsste beim Strassenbau, der politisch weder in Oberösterreich<lb/>
noch in Salzburg, obwohl dort ungeheure Aufwendungen für die Strassen<lb/>
gemacht wurden, einen Niederschlag bei den Wahlen gebracht haben –<lb/>
das Gegenteil war der Fall – ebenfalls eine gewisse Reduktion erfahren.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> wehrte sich ganz besonders dagegen, weil er darauf hinwies,<lb/>
dass gerade im Strassenbau die Preise um 40 % zurückgeführt wurden,<lb/>
ebenso beim Brückenbau, teilweise auch im gesamten Tiefbau und er heute<lb/>
Preis verzeichnet, wie er sie 1972 zum letzten Mal feststellen konnte.<lb/>
Im Strassenbau seien 30.000 Beschäftigte und darüber hinaus aber die<lb/>
Unternehmungen mit Maschinen nicht nur bestens ausgerüstet sondern<lb/>
eben verpflichtet, diese unbedingt einzusetzen. Ich berichtete über<lb/>
das Ergebnis von der LH-Besprechung, es ergab sich daraus keine<lb/>
Debatte. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> berichtete, dass der Strassengütertarif von den Frächtern<lb/>
um 19,83 % Herbst des vorigen Jahres eingereicht wurde, für Öltarife<lb/>
20,8 und bis jetzt die Handelskammer intern diese Tariferhöhungen<lb/>
auf 12 % für den Strassengütertarif und den Mineralöltarif auf 11%<lb/>
gesenkt hat.</p><pb n="20-0551" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-05-06_0551.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-05-06_13">Er müsse innerhalb von 6 Monaten entscheiden, das wäre am 15. Mai<lb/>
möchte aber noch die Wirtschaftsdebatte am 21. Mai abwarten. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
hat mitgeteilt, dass die Freiheitlichen keine Wirtschaftsdebatte im<lb/>
Nationalrat wollen. Trotzdem glaubt er müssen wir sie abführen, ins<lb break="no"/>besondere unter der Parole, Versprochen-Gehalten. Er selbst wird sich<lb/>
2 – 3 Gebiete nur herausnehmen und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> wird dann eben die<lb/>
Stabilitätspolitik zu erörtern haben. Die Angst der Freiheitlichen,<lb/>
dass dies auf den Präsidentschaftswahlkampf auch für die Sozialisten<lb/>
sich negativ auswirken könnte, teilt <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nicht, ganz im Gegenteil,<lb/>
er meint, dass die Regierung sich eben erklären muss und zwar von der<lb/>
Regierungsbank herunter, wenn auch die FPÖ dann wieder wegen Waffenun<lb break="no"/>gleichheit schreien wird und vielleicht gar erwartet, dass die Regierung<lb/>
die Angriffe sei es der ÖVP oder FPÖ ohne dass jeder einzelne Minister<lb/>
und wenn es notwendig ist sich ständig meldend wehrt, zur Kenntnis nimmt.<lb/>
Die Behauptung vielleicht der Freiheitlichen, die Parole, lieber rot als<lb/>
schwarz, die sichereinmal die Liberalen ausgezeichnet hat, hat jetzt<lb/>
immer weniger Zugkraft. In Wirklichkeit liegt der Trend nur mehr zur<lb/>
Persönlichkeit und es ist fraglich, ob die Freiheitlichen überhaupt<lb/>
ihre Mitglieder so beeinflussen können, wie es sie gerne dar<lb break="no"/>legen möchten. Am meisten aber war <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erschüttert, als <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> mit<lb break="no"/>teilte, dass jetzt ein Warnstreik in Schwechat durchgeführt werden<lb/>
soll von Seiten der Flughafenbeschäftigten gegen die Pistengegner.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> glaube ich kritisiert hier mit Recht, dass dies hier doch<lb/>
ausschliesslich gegen die Regierung gehen wird, die Pistengegner gar<lb/>
nicht beeinflusst und die öffentliche Meinung nur dahingehend moti<lb break="no"/>vieren kann, dass hier die Regierung auch wieder einmal versagt hat.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-05-06_14">Die Forumdiskussion im mag. Bezirksamt Landstrasse war auch in der<lb/>
zweiten Folge eine Pleite. Bereits in der ersten wo Stadtrat <rs type="person" ref="#per__97913">Schieder</rs><lb/>
zur Verfügung stand, waren ca. 60 nur anwesend. Auch diesmal waren es<lb/>
65 und in Wirklichkeit die Zuhörer lauter Genossen. Die Bezirksrats<lb break="no"/>fraktion hatte beschlossen, dass auch ich an dieser Forumdiskussion<lb/>
teilnehmen sollte und ich stellte mich naütrlich zur Verfügung und<lb/>
zur Diskussion. Wenn nicht einige Genossen Anfragen über die<lb/>
Massnahmen gegen Italien, die Landeshauptleutebesprechung aber dann ganz<lb/>
besonders über die Erhöhung der Geburtenbeihilfe von 4 auf 16.000<lb/>
zur Diskussion gestellt hätten, wäre ich dort ganz sinnlos gesessen.<lb/>
Eine harte Auseinandersetzung gab es über die letzte Frage. Selbst<lb/>
unsere Genossen können nicht begreifen, dass man 16.000 S jetzt<lb/>
aufwendet und schon gar nicht begreifen, dass auch Ausländer diesen<lb/>
<pb n="20-0552" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-05-06_0552.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Betrag bekommen sollen. Mein Hinweis, dass ja auch im Familienlasten<lb break="no"/>ausgleichfonds von ihnen eingezahlt wird, war den meisten überhaupt<lb/>
nicht bekannt und die Bevölkerung stellt sich scheinbar vor, in Hinkunft<lb/>
kommen Ausländer eben 6 Monate nach Österreich, kriegen hier ihr Kind<lb/>
16.000 S und dann fahren sie wieder nach Hause.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-05-06_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Nicht in unserer offiziellen Stellungnahme des<lb/>
Handelsministeriums aber inoffiziell sollte<lb/>
man das Gesundheitsministerium auf diese Kritik<lb/>
hinweisen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-05-06_16">Die so spät angesetzte Diskussion mit den Wissenschaftlern und das Abend<lb break="no"/>essen hat sich bis 1/2 1 Uhr nachts hingezogen. Entwaffend war, dass<lb/>
die Wissenschaftler, ob schwarz oder rot übereinstimmend feststellten,<lb/>
dass sie ratlos sind. Sie kennen kein Rezept gegen die inflationäre<lb/>
Entwicklung, wie wir sie jetzt haben, reden sich darauf aus, dass eine<lb/>
solche Situation noch niemals gegeben hat und jeder hat mehr oder minder<lb/>
halt in Variationen seine Ideen dargelegt. In einem Punkt sind sich alle<lb/>
einig, die nächste Aufwertung auf alle Fälle mitmachen muss. <rs type="person" ref="#per__126867">Kausel</rs><lb/>
behauptet sogar, dass es der grösste Fehler der zweiten Republik war,<lb/>
dass man 1969 die Aufwertung nicht mitgemacht hat. Hart attackiert<lb/>
wurde die starke Industrieförderung durch vorzeitige AfA, dies nicht<lb/>
nur von sozialistischen Professoren wie <rs type="person" ref="#per__117679">Frisch</rs> und <rs type="person" ref="#per__115683">Matzner</rs>, <rs type="person" ref="#per__118220">Rothschild</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__114139">Nowotny</rs>, sondern auch <rs type="person" ref="#per__126867">Kausel</rs>, <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs>, <rs type="person" ref="#per__137132">Streissler</rs> waren der Meinung.<lb/>
Interessant war, dass <rs type="person" ref="#per__117676">Bös</rs>, Universität Graz, auf der einen Seite die<lb/>
Meinung vertrat, man sollte indizieren, d.h. alle Ausgaben so wie in<lb/>
Brasilien an den Index binden. Gleichzeitig aber meinte, man sollte<lb/>
in der administrativen Preispolitik mehr dem Wettbewerb zum Durchbruch<lb/>
verhelfen. Er glaubte darin einen Wandel gefunden zu haben, da <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs><lb/>
aus Meinem Büro noch vor einiger Zeit die Wettbewerbspolitik heraus<lb break="no"/>strich, weil eben jetzt immer mehr administrative Massnahmen von mir ver<lb break="no"/>langt werden. Scheinbar wollte er doch auf den Vorschlag von <rs type="person" ref="#per__97398">Drennig</rs> hin<lb break="no"/>arbeiten und ich habe ihm sofort erklärt, dass wir sehr wohl für den<lb/>
Wettbewerb sind, wenn es ihn irgendwo gibt, aber es uns gar nicht<lb/>
hilft, wenn man bei Preisexzessen oder sich Unternehmer nicht an die Pari<lb break="no"/>tätische Kommission wenden, dann feststellen, dass dort ein Wettbewerb ist<lb/>
oder nicht. Monopole im Sinne des <rs type="person" ref="#per__97398">Drennig</rs>-Vorschlages, wo ich eingreifen<lb/>
könnte, gibt es in Österreich sehr sehr wenige. <rs type="person" ref="#per__133317">Knapp</rs> wieder wollte<lb/>
von mir, dass ich die Importpreisverordnung in Kraft setzen sollte und<lb/>
diese Ermächtigung mir im Gesetz gegeben werden müsste. <rs type="person" ref="#per__110169">Nussbaumer</rs> wieder<lb/>
meinte, man sollte aufwerten, die Tarife nur nach den Indexstreigerungen<lb/>
der letzten Jahre erhöhen und keinesfalls die Nachziehung der Tarife vor<lb break="no"/>nehmen.</p><pb n="20-0553" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-05-06_0553.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-05-06_17">Bezüglich der Handelsspannen empfiehlt er ein belgisches Beispiel,<lb/>
wo Preiserhöhungen drei Wochen vorher publiziert werden müssen.<lb/>
Da dann die Konsumenten schnell noch zum alten Preis kaufen, werden<lb/>
die Lager leer und deshalb sie der Handel mit Preiserhöhungen sehr zurück<lb break="no"/>haltend.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-05-06_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Da Du anwesend warst versuche zu klären, ob in<lb/>
Belgien wirklich ein solches System existiert<lb/>
und wie es spielt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-05-06_19">Prof. <rs type="person" ref="#per__117679">Frisch</rs> hat seine Idee, die er ja sogar mit unserer Unterstützung<lb/>
in seinem Institut ausgearbeitet hat, expliziert. Er meint, dass die<lb/>
Kreditexpansion im vergangenen Jahr, wenn man die 27 Mia als Grundlage<lb/>
nimmt, falsch ist. Man muss die 27 Mia Vorratsentlastung abziehen und<lb/>
kommt bei dem Rest dann auf ca. eine 14 %-ige Kreditexpansion, die in<lb/>
jeder Konjunktur bis jetzt festgestellt werden konnte. Seiner Meinung<lb/>
nach sollte man die Soll-Zinsen wesentlich erhöhen, da derzeit der<lb/>
Unternehmer wenn er 10 % Zinsen bezahlt und die Inflationsrate abzieht,<lb/>
in Wirklichkeit nur mehr 2 % real für die Zinsen effektiv bezahlen muss,<lb/>
wie er sich ausdrückt ein zu niederer Zinssatz. <rs type="person" ref="#per__111734">Andre</rs> selbst meint wieder,<lb/>
die Steuersenkung sei gut, aber die Habenzinsen müssten wesentlich er<lb break="no"/>höht werden, ohne sich allerdings über die Sollzinsen wesentlich aus<lb break="no"/>zulassen. Das Ganze sei ein Verteilerkampf aber nicht nur zwischen dem<lb/>
Unternehmer und Arbeiter sondern auch die Hausfrau mit dem Greissler<lb/>
ja sogar innerehelich, wenn sie höheres Wirtschaftsgeld verlangt. <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs><lb/>
wieder meinte, dass man bei den Preisen nicht nur wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> immer<lb/>
sage, die Handelsspannen in Angriff nehmen muss, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist davon überzeugt,<lb/>
seitdem er in der paritätischen Kommission sitzt und dort immer wieder<lb/>
sieht, wie die Industrieanträge reduziert werden, dass auf diesem Sektor<lb/>
alles in Ordnung ist, es müsste auch versucht werden, die Preise der<lb/>
Industrie zu senken. Ausgehend von der derzeitigen Heizöl-schwer-Preis<lb break="no"/>verbilligung müsste hier auch Rückwirkungen bei Preisen der Industrie<lb/>
möglich sein. Die Diskussion ergab eine ganze Anzahl von interessanten<lb/>
Details, aber zum Schluss in der Zusammenfassung hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> noch einmal<lb/>
herausgestrichen, dass die Wissenschaft ratlos ist, dass er die sehr<lb/>
konkreten Fragen und was würden sie meine Herren tun, die differenzierte<lb break="no"/>sten Auffassungen zutagegebracht hat, aber auch wirklich kein durchschla<lb break="no"/>gendes Rezept, nicht einmal von einem Wissenschaftler geschweige denn<lb/>
von allen übereinstimmend vorgetragen werden konnte. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat in diesen<lb/>
Fragen dieselbe Taktik wie auch ich. Mir kommt es gar nicht sosehr<lb/>
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gibt es eine solche ja sowieso nicht, sondern viel mehr in einer<lb/>
politischen Diskussion dann sagen zu können, jetzt haben wir mit den<lb/>
besten Köpfen der Wissenschaft nächtelang diskutiert, sie konnten uns<lb/>
auch kein Rezept sagen, gegen unseren Vorschlag, den ich eben zu ver<lb break="no"/>treten habe, haben sie keinen Einwand gehabt, manche dieser Vorschläge<lb/>
sogar begrüsst, sodass eigentlich auch wissenschaftlich es endgültig<lb/>
erwiesen ist, dass wir das Richtige tun. Darüber hinaus haben solche<lb/>
Aussprachen noch den Vorteil, dass sich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit Recht dann drauf<lb/>
berufen kann, dass noch keine Regierung auf so breiter Basis über<lb/>
die wichtigsten wirtschaftspolitischen Probleme Kontakt zu den Wissen<lb break="no"/>schaftern gesucht hat und sich in freimütiger Diskussion mit ihnen über<lb/>
ihre Politik auseinandergesetzt hat. Da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dies ja doch immer wieder<lb/>
in Abständen macht, wo man mit Recht sagen kann, das macht er nicht nur<lb/>
vor Wahlen, kann ihn die ÖVP umso weniger angreifen als <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nicht<lb/>
die Möglichkeit gehabt hat, die Wissenschaftler so stark heranzuziehen,<lb/>
hat er sich seine 1500 Experten geschaffen. Auch diese dienten ihm ja<lb/>
mehr oder minder dazu, um die öffentliche Meinung für die soz. Partei<lb/>
zu mobilisieren, auch dann, wenn die Ergebnisse damals genauso wenig<lb/>
konkrete Rezepte ergaben als die Aussprache jetzt mit den Wissenschaftlern.</p></div>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName type="label">Rothschild, Kurt</persName>
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               <occupation>Ökonom</occupation>
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               <persName type="label">Zolles, Helmut</persName>
               <persName><surname>Zolles</surname><forename>Helmut</forename></persName>
               <occupation>Direktor ÖFVW</occupation>
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               <persName type="label">Nowotny, Ewald</persName>
               <persName><surname>Nowotny</surname><forename>Ewald</forename></persName>
               <occupation>SPÖ-NR-Abg., Ökonom</occupation>
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               <persName type="label">Arthold, Wilhelm</persName>
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               <persName type="label">Bassetti, Luis</persName>
               <persName><surname>Bassetti</surname><forename>Luis</forename></persName>
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               <occupation>Ökonom</occupation>
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               <persName type="label">Meisl, Josef</persName>
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               <occupation>Ministerialrat, Leiter Grundsatzabteilung</occupation>
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               <occupation>GD Wr. Stadtwerke</occupation>
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               <occupation>GD Verbund</occupation>
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               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
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               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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