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            <title type="main">Montag, der 29. April 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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die südamerikanischen Aussenhandelsstellenleute den diplomatischen<lb/>
Status bekommen sollen. Er frage sich, warum ich mich besonders dafür<lb/>
interessiere. Im weiteren Gespräch stellte sich heraus, dass <rs type="person" ref="#per__149031">Pötscher</rs>,<lb/>
der bevor er nach Südamerika ging, mit mir sprach, scheinbar <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
berichtete, dass ich ihn ersuchte, er möchte einmal recherchieren, ob<lb/>
und welche Möglichkeit unseren Aussenhandelsstellen in Südamerika<lb/>
bessere Startbedingungen geben könnten. <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> hatte mir erzählt,<lb/>
dass in keinem anderen Teil der Welt die Aussenhandelsstellen es so<lb/>
schwer haben, zu den Regierungsstellen vorzudringen. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> war<lb/>
dadurch betroffen, dass ich mich in ein solches Detail überhaupt ein<lb break="no"/>mische. Er und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> sind der Überzeugung, dass sie durch ihre Be<lb break="no"/>suche in Südamerika feststellen konnten, dass die Aussenhandelsstellen<lb/>
auch dort bestens funktionieren und das einzige Problem die zollfreie<lb/>
Einfuhr von Autos, Whisky und so weiter ist, die man eben ihnen dort<lb/>
nicht zugestehen will. Für mich war es damit vollkommen klar, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> vermutet, ich würde hier eine neue Taktik vorschlagen, resp.<lb/>
einleiten, ohne mit ihnen vorher gesprochen zu haben. Nichts liegt<lb/>
mir aber ferner, als in so einem unbedeutenden Detail der Handelskammer<lb/>
vielleicht das Argument in die Hand zu geben, dass ich mich in eine<lb/>
Rekonstruktion der Aussenhandelsvertretung heranmache. Wenn ich<lb/>
einmal tatsächlich, was ich gar nicht beabsichtige, wirklich eine Reor<lb break="no"/>ganisation vornehmen würde, dann wahrlich nach anderen Gesichtspunkten<lb/>
und in einer gross angelegten Konzeption.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-29_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Bitte versucht durch unverbindliche<lb/>
und unauffällige Recherchen den Vorgang zu ergründen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-29_04">Für die Probleme der Ostliberalisierung wurde Dr. <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__116015">Ertl</rs><lb/>
zugezogen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meinte, die 170 Positionen mit 52 Sternderl-Positionen,<lb/>
die die Handelskammer vorschlägt, sind ein ungeheures Zugeständnis,<lb/>
weil wie <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> sagte, eine weltweite Liberalisierung jetzt auch gegen<lb/>
über dem Osten und Asien Platz greift. Ich erklärte rundweg die Anzahl<lb/>
der Positionen als viel zu gross und verlangte, dass man sich mit den<lb/>
Interessensvertretungen in dieser Frage einigt. <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> meinte, mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> sei dies nicht möglich, da dieser nur einen Kontrollmechanismus<lb/>
dann zustimmt, wenn der Betrieb oder die Branche bereits unter der Ein<lb break="no"/>fuhr zugrundegegangen ist. Ich empfahl ihnen, sie sollten jetzt nicht<lb/>
so sehr darüber diskutieren, wie es bei einer grossen Anzahl von Posi<lb break="no"/><pb n="20-0516" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-29_0516.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>tionen und nach welchen Gesichtspunkten dort vorgegangen werden soll,<lb/>
sondern z.B. bei Obst und Gemüse jetzt konkrete Verhandlungen beginnen<lb/>
sollten, wie man die Preise und Mengenschutzbestimmungen mit Hilfe des<lb/>
Vidierungsverfahrens konkret handhaben wird. Dr. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> vom ÖGB hat<lb/>
diesbezüglich sehr gute Ideen und man sollte jetzt endlich anfangen,<lb/>
hier ein vernünftiges Kompromiss zwischen der Interessensvertretungen<lb/>
unter Führung des Handelsministeriums auszuarbeiten. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> wollte un<lb break="no"/>bedingt mir einreden, dass man ähnlich wie in der EG eine Marktrege<lb break="no"/>lung auch für Obst und Gemüse in Österreich einführen sollte. Ich habe<lb/>
das rundweg jetzt abgelehnt, da ich dazu wirklich keine Veranlassung<lb/>
sehe.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-29_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Hier müsste <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> versuchen oder Du in der Grund<lb break="no"/>satzabteilung, eine endgültige Formulierung zustan<lb break="no"/>dezubringen. <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> wird sich hier dem Vorschlag<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97676">Lachs'</rs> annähern müssen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-29_06"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> machte unter vier Augen mir dann eine Bemerkung über die Dele<lb break="no"/>gation der Industriellenvereinigung nach Rumänien.<lb/>
Scheinbar fühlt die Handelskammer, dass ihre Monopolstellung jetzt<lb/>
zu Ende geht.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-29_07"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> aber auch <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> hatten grösste Bedenken, wenn sie jetzt<lb/>
auch die EFTA-Tagungskosten in Genf übernehmen müssen. Sie meinte,<lb/>
dass dies doch immer aus dem Budget des Handelsministeriums bestritten<lb/>
wurde und waren sehr glücklich, als ich ihnen als Zugeständnis er<lb break="no"/>klärte, dass ich für diese Tagung bereit bin, die Kosten zu über<lb break="no"/>nehmen. Meine Überlegung war, dass wenn es einmal im Parlament oder<lb/>
gar in der Öffentlichkeit zur Diskussion kommt, dass die Handelskammer<lb/>
das Handelsministerium unterstützt, ich ohne weiteres sagen kann, wo<lb/>
Bedenken von Seiten der Handelskammer bestanden haben, die Bezahlung<lb/>
zu übernehmen, ich sofort diesen Bedenken Rechnung getragen habe.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-29_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Bitte verständige <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs>. Mit Dir, <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> möchte ich dann dieses Problem besprechen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-29_09"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ist, glaube ich, nach reiflicher Überlegung jetzt bereit, über<lb/>
die Reorganisation der Alt-Stammbürges mit mir tatsächlich Verhand<lb break="no"/>lungen zu führen. Da er hofft, über diese neue Aktion aus dem Problem<lb/>
herauszukommen, ob bei 8 oder 8,5 oder 9 % Zinsenzuschuss gegeben<lb/>
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direkter Zuschuss oder sonst irgendeine Bezeichnung ich mich mit<lb/>
ihm einigen könnte, dass wir dann eine Möglichkeit zur gemeinsamen<lb/>
Abänderung fänden. Ich erklärte ihm, dass es für mich darauf ankommt<lb/>
ein bestimmtes Wort unbedingt in die neue Aktion einzubauen, son<lb break="no"/>dern, dass es mir darauf ankommt, die Altstammbürges in der jetzigen<lb/>
Form abzulösen. Wie das gehandhabt wird und in welchem Umfang<lb/>
und in welchem Ausmass ist noch vollkommen offen, hier müssten erst<lb/>
Verhandlungen mit den Interessensvertretungen eine gemeinsame Basis<lb/>
abgeben. Gerade im Hinblick auf die Bemerkung von <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs>, die er<lb/>
mir vor einiger Zeit machte, dass wir hier weder die AK noch den ÖGB<lb/>
vor den Kopf stossen dürfen, habe ich mich natürlich nur sehr unver<lb break="no"/>bindlich geäussert. <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> bemerkt mit Recht, dass wenn wir vorher<lb/>
nicht auf fraktioneller Ebene die Zustimmung der anderen Interessens<lb break="no"/>vertretungen insbesondere der Arbeiterkammer, des ÖGB, haben, dann<lb/>
mir mit Recht vorgeworfen wird, dass zu den zusätzlichen Ver<lb break="no"/>dienstmöglichkeiten, die heute die Unternehmer schon auf Grund der<lb/>
Volkseinkommensrechnung nachgewiesen haben, eine weitere Aktion<lb/>
zugunsten der Selbständigen gestartet wird. Im ersten Jahr hat<lb/>
es nämlich tatsächlich den Anschein, da wir zusätzlich 12 Mill. S<lb/>
Budgetmittel brauchen, die Absicht besteht, nochmals den Unternehmen<lb/>
etwas zukommen zu lassen. Nichts liegt mir aber ferner als dies, in<lb/>
Wirklichkeit möchte ich nur von dieser unglückseligen Vorbe<lb break="no"/>lastung, die wir jetzt in der Bürges alle Jahre wieder haben, und<lb/>
hier budgetäre Deckungen gesucht werden müssen, wegkommen, um eben<lb/>
in Hinkunft ähnlich der Komfortzimmeraktion beschränkt und abge<lb break="no"/>grenzt die jetzt zur Verfügung stehenden Mitteln zweckmässiger<lb/>
zu verteilen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-29_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97584">JAGODA</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs>: Von der Altstammbürges sollen<lb/>
neben dem Gewerbestrukturverbesserung die<lb/>
kleineren Unternehmer berücksichtigt werden,<lb/>
deshalb auch insbesondere mit dem Freien<lb/>
Wirtschaftsverband abstimmen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-29_11"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> sieht mit Recht die Gefahr, wenn es jetzt zur Getreidepreis<lb break="no"/>erhöhung kommt, dass dann die Verbraucherpreise incl. der Löhne<lb/>
erst endgültig mit 1. Jänner 1975 festgelegt werden könnten. Zu<lb/>
diesem Zeitpunkt sind die 13 Monate für Bäcker und Müller abgelaufen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> möchte deshalb sehr gerne, dass der Finanzminister bis zu<lb/>
diesem Zeitpunkt die Getreidepreiserhöhung übernimmt. Ich erklärte<lb/>
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der Finanzminister sich mit Recht dagegen ausgesprochen hat. Wenn<lb/>
mit 1. Juli die Getreidepreise fixiert werden, dies ist der Wunsch<lb/>
der Landwirtschaft, dann wird es ein gewisses allerdings heuer ein<lb/>
bescheidenes Lager geben, <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> schätzt auf maximal 40.000 t Sperr<lb break="no"/>lager, das ihm zur Verfügung stehen wird, welches mit dem alten Ge<lb break="no"/>treidepreis noch in die Mühlenkalkulation eingehen kann. Wie wir<lb/>
daher die restlichen 5 Monate überbrücken, ist mir auch noch nicht<lb/>
klar</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-29_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Recherchiere einmal, was die Arbeiterkammer und<lb/>
die anderen Institutionen und insbesondere viel<lb break="no"/>leicht unsere Preisabteilung dazu zu sagen hat.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-29_13">Wieder kam die Handelskammer auf den Gastwirt <rs type="person" ref="#per__140584">Salkner</rs> in Sölden zu<lb/>
sprechen. Sie wollen unbedingt, dass ich diesen Wirt, der scheinbar<lb/>
persönlich mit <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> gut befreundet ist, in irgend<lb/>
einer Weise helfe. Ich erklärte, dass ich eine Ausnahme nicht machen<lb/>
kann, wenn mir meine Herren des Hauses erklären, dass dazu keine wie<lb/>
immer geartete Möglichkeit besteht. Das einzige, was ich zusagte ist,<lb/>
dass sich <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> an <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> wenden wird, um hier vielleicht doch eine<lb/>
Ausweg zu finden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-29_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bei der nächsten Aussprache <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> und mir,<lb/>
bitte mich erinnern.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-29_15">Die Trauerfeierlichkeiten verliefen würdig, es kam soviel ich beob<lb break="no"/>achten konnte, zu keinerlei Störungen, <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> hatte Angst, dass sich<lb/>
irgendein Psychopath bei dieser übers Fernsehen und so und so vielen<lb/>
ausländischen Delegationen irgendwie besonders hervortun will. Die<lb/>
Ringstrasse war dicht besetzt und selbst im Konvoi bis zum Zentral<lb break="no"/>friedhof war insbesondere dort, wo Wohnviertel oder Fabriken in der<lb/>
Nähe waren, auch ein grosses Spalier zu bemerken. Interessant war, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs>, der allein im Auto fuhr, das Protokoll hat ja<lb/>
vorgesehen, dass die Minister jeder in seinem Wagen aufgefädelt<lb/>
dahinfahren, einige Male die Bemerkung hörte, da fährt jeder extra.<lb/>
Hier gab ich und gebe ich dem Protokoll die Schuld, die verlangten,<lb/>
dass jedes Auto der Minister mit Standarte und niederer Nummer<lb/>
mit die Autokolonne bildeten. Ich selbst habe mein Auto voll gehabt<lb/>
und bin wahrscheinlich deshalb auch gar nicht so aufgefallen. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs><lb/>
bemerkte, als ich dies mit ihm und mit anderen Ministern diskutierte,<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> schloss sich dieser Meinung an. Ich stehe nur auf dem<lb/>
Standpunkt und habe das auch dezidiert erklärt, dass man ja nicht<lb/>
annehmen soll, dass wenn die Bevölkerung sich wie es so schön im<lb/>
Wienerischen heisst, eine schöne Leich' anschauen kommt, sie des<lb break="no"/>halb nicht kritisch vermerkt, wenn Minister hier jeder einzeln<lb/>
in seinem Auto dahinfährt. Zu glauben, dass die Bevölkerung begeistert<lb/>
ist über den Aufwand, dann irrt man. Niemand hat etwas gegen das<lb/>
Staatsbegräbnis gehabt, jeder hat sicherlich auch mit den Aufwand<lb/>
sich abgefunden. Deswegen aber akzeptiert man noch lange nicht, dass<lb/>
eben nach Auffassung wahrscheinlich der Mehrheit die dort gestanden<lb/>
ist, ein jeder einzelner in seinem Auto dahinreisen sollte. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
hat hier wahrscheinlich aus Zweckmässigkeitsgründen wieder einmal<lb/>
das Richtige getan, indem er nämlich auch <rs type="person" ref="#per__115595">Reiter</rs> in seinem Auto<lb/>
mitgenommen hat.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-29_16">Von allen bisher gehörten Reden und es waren mehr als ein Dutzend<lb/>
muss ich feststellen, dass die persönlich ergreifendste die von <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs><lb/>
war. Da er auch tatsächlich persönlich am erschüttertsten über den<lb/>
Tod <rs type="person" ref="#per__97607">Jonas'</rs> gewesen ist, kam dies mit einer Innigkeit zum Durchbruch,<lb/>
was mich sehr überraschte. Bei allen anderen hatte ich nicht annähernd<lb/>
dieses gute Gefühl der offenen und geradlinigen Aussage. In der so<lb/>
starken inneren Verbundheit auch dann, wenn auch vielleicht oft<lb/>
optischen denselben Eindruck machte. Andererseits will ich aber nicht<lb/>
urteilen und es wäre von mir unverantwortlich, von meinem subjektiven<lb/>
Standpunkt ein solches Urteil zu fällen. Unser erster Mann wurde<lb/>
begraben, für viele war er mehr.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-29_17">Beim Trauerempfang in der Hofburg hatte ich Gelegenheit mit Prof.<lb/>
<rs type="person">Popow</rs>, dem bulg. Vizeministerpräsidenten zu sprechen. Er hatte eine<lb/>
Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> und dieser hätte ihm angedeutet, es gäbe<lb/>
zwischen Bulgarien und Österreich gute Möglichkeiten für gemeinsame<lb/>
Entwicklungshilfeprojekte. Ebenso sei vielleicht auf Drittmärkten<lb/>
hier grosse Möglichkeiten in Angriff zu nehmen. Ich erklärte rundweg,<lb/>
dass ich jedwede Aktivität in dieser Hinsicht unterstützen werde, mache<lb/>
mir aber keine Illusion über die Schwierigkeit der Finanzierung sol<lb break="no"/>cher Projekte. Insbesondere auch Kooperation für Drittmärkte. Inter<lb break="no"/>essant war, dass der neue bulgarische Botschafter hier wesentlich<lb/>
optimistischer urteilt als der glaube ich sehr erfahrene Präsident<lb/>
<rs type="person">Popow</rs>, der ebenfalls Finanzschwierigkeiten befürchtet. Wenn nämlich<lb/>
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diese zu einem derartig günstigen Zinssatz, dass wahrscheinlich<lb/>
in Österreich niemand mitkommt. Mit Min.Präsident <rs type="person" ref="#per__114102">Stoph</rs> von der<lb/>
DDR habe ich nicht zuletzt auch auf Wunsch des DDR-Botschafters<lb/>
ebenfalls einige Worte gewechselt, wobei ich besonders auf die<lb/>
gut anlaufenden Wirtschaftsbeziehungen nach Besuch von Staatssekretär<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> hingewiesen habe. Hier nehme ich glaube ich kann die VÖEST<lb/>
und andere Firmen tatsächlich auf Drittmärkten mit der DDR gemeinsam<lb/>
zu grösseren Projekten kommen, was ich sehr gerne auch von den<lb/>
anderen Oststaaten hätte, nur gibt es dort halt grosse Finanzierungs<lb break="no"/>schwierigkeiten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-29_18">Den rum. Sonderdelegierten, Präsident des Parlamentes, habe ich auch<lb/>
begrüsst, da ich ja bereits in Bukarest bei ihm vorgesprochen habe.<lb/>
Ich habe bei dieser Gelegenheit auch neuerdings die Einladung für<lb/>
meinen rum. Kollegen zur Herbstmesse ausgesprochen und beste Grüsse<lb/>
übermittelt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-29_19">Der ungarische Botschafter kam mit dem nordvietnamesischen Botschafter,<lb/>
der in Budapest akkredidiert ist und der unbedingt in der nächsten<lb/>
Zeit eine Aussprache mit mir wünscht. Ich habe ihm eine diesbezügliche<lb/>
prinzipielle Zusage gemacht.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-29_20">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Bitte, wenn der nordvietnamesische Botschafter<lb/>
das nächste Mal von Budapest nach Wien kommt mit ihm einen Termin verein<lb break="no"/>baren, dies wird nach Meinung auch des ung. Botschafters in Wien Mitte<lb/>
Mai sein.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-29_21">Da LH <rs type="person" ref="#per__118211">Kessler</rs>, den Bundespräsidenten <rs type="person" ref="#per__97375">Brugger</rs> noch nicht kannte, hatte<lb/>
ich die Gelegenheit genützt, ihn ihm vorzustellen und gleich ein wich<lb break="no"/>tiges Problem zu besprechen, das ich anschliessend mit <rs type="person" ref="#per__97375">Brugger</rs><lb/>
in der schweizerischen Botschaft weiter diskutierte. Dass die<lb/>
Errichtung des Atomkraftwerkes in Rüthi betrifft, so verhandeln<lb/>
jetzt die Aussenministerien über einen sogenannten Kühlturmbericht.<lb/>
Ich fürchte und habe dies <rs type="person" ref="#per__97375">Brugger</rs> nachher ganz vertraulich auch mitge<lb break="no"/>teilt, dass dieser Bericht dann die völkerrechtlichen Standpunkte der<lb/>
Schweiz und Österreich festhalten wird und dann die Fronten festgefah<lb break="no"/>ren sind.Die Vorarlberger und <rs type="person" ref="#per__118211">Kessler</rs> hat es mir nachher unter vier<lb/>
Augen bestätigt, sind nicht bereit, dieses Kraftwerk auf dem Stand<lb break="no"/>ort Rüthi zu akzeptieren. Genauso wenig nehmen sie zur Kenntnis, dass<lb/>
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soll. Ich glaube deshalb und <rs type="person" ref="#per__118211">Kessler</rs> hat mich dazu sogar er<lb break="no"/>mächtigt, dass es zweckmässig ist, sich über eine Gesamtkonzeption<lb/>
ohne grosse Beschlussfassung der Regierungen bevor ein tragbares<lb/>
Kompromiss ausgehandelt ist unverbindlich Besprechungen aufzunehmen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97375">Brugger</rs> ist dafür nicht zuständig sondern ein neuer Bundesrat von der<lb/>
soz. Partei der Schweiz, ich glaube er heisst <rs type="person" ref="#per__121804"><sic>Ritschel</sic></rs> oder so ähnlich,<lb/>
der für Verkehr und Energie zuständig ist. Weder <rs type="person" ref="#per__97375">Brugger</rs> noch ich<lb/>
möchten den Verhandlungen in der Aussenministersphäre dazwischen<lb break="no"/>funken, noch geschweige denn die Verantwortung für das Scheitern einer<lb/>
solchen Besprechung übernehmen. Andererseits aber sehe ich schon,<lb/>
dass zu dem normalen Widerstand gegen Atomkraftwerke oder gegen<lb/>
Raffinerie-Errichtungen man in Vorarlberg noch das Argument kommen<lb/>
wird, man hätte hier unverantwortlicherweise die Fremdenverkehrs<lb break="no"/>interessen, Landschaftsschutzstörung usw. vernachlässigt. Ich glaube<lb/>
deshalb, dass es zielführender sein müsste, eben unabhängig von der<lb/>
Rechtsauseinandersetzung ein für beide Teile tragbares Kompromiss zu<lb/>
erreichen. Österreich braucht zusätzliche Strommengen, warum nicht<lb/>
ein gemeinsames Atomkraftwerk mit der Schweiz erbauen, Österreich<lb/>
hat 300.000 t Durchsatzrecht in der Pipeline für Vorarlberg, warum<lb/>
sie nicht gemeinsam mit der Schweiz nützen ? <rs type="person" ref="#per__118211">Kessler</rs> hat mir ausdrück<lb break="no"/>lich versichert, er hätte gar nichts dagegen, wenn hier tatsächlich dann<lb/>
entsprechende allumfassende einleitende Gespräche zwischen Vorarlberg<lb/>
St. Gallener Verwaltung und Bern und Bund Wien stattfinden. Ich verein<lb break="no"/>barte mit <rs type="person" ref="#per__97375">Brugger</rs>, er wird dieses Problem sich noch selbst überlegen,<lb/>
dann mit seinen Kollegen besprechen und wir könnten uns bei der EFTA-<lb/>
Tagung in Genf dann damit nicht auseinandersetzen aber doch hören,<lb/>
wie die Schweiz darüber denkt</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-29_22">In der preisbehördlichen Tagung versuchte ich während meiner Anwesen<lb break="no"/>heit den Preisreferenten der Länder die Konzeption der neuen Preis<lb break="no"/>regelungsgesetznovelle zu erklären. Es war mir vollkommen klar, dass<lb/>
ich dort kraft meiner Ministerschaft nicht die gesamte Kritik, die<lb/>
sie in den Ländern wahrscheinlich an dem Entwurf üben werden, hören<lb/>
würde. Da ich aber grössten Wert darauf legte, die negativen Stimmen<lb/>
herauszulocken, um sie dann vielleicht auch zu neutralisieren, gelang<lb/>
es doch, einige, ja ich kann fast sagen alle Länder zu Äusserungen<lb/>
zu bewegen. Ich habe nicht erwartet, dass man in den einzelnen Ländern<lb/>
so negativ wird Stellung dazu nehmen. Hier hörte ich direkt die Stimmen<lb/>
<pb n="20-0522" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-29_0522.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>der ÖVP-Landeshauptleute, vielleicht ein bisschen verfeinert, vielleicht<lb/>
mit ein bisschen rechtlicher, d.h juridischer Fassade versehen<lb/>
aber natürlich genau auf der politischen Wellenlänge wie ihre Chefs.<lb/>
Trotzdem war diese Aussprache nicht nur für mich interessant, sondern<lb/>
auch politisch wertvoll, weil ich bei einer öffentlichen Diskussion<lb/>
und insbesondere dann bei der Auseinandersetzung im Parlament darauf<lb/>
hinweisen kann, dass ich eine preisbehördliche Tagung dazu benützte,<lb/>
um mich stundenlang mit den Referenten über die Details auf rechtlicher<lb/>
Basis auseinanderzusetzen. Dass in der Sache dies kaum etwas bringt,<lb/>
war mir vollkommen klar.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-29_23">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte bei der Erstellung des Protokolls auf diesen<lb/>
Punkt besonders achten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-29_24">Die Aussprache mit den Akademikern auf der Landstrasse war leider<lb/>
durch meine notwendige Begleitung <rs type="person" ref="#per__97375">Bruggers</rs> auf den Flughafen gestört,<lb/>
hat aber dann glaube ich dadurch, dass wir sie um 3/4 Stunden verlängerten,<lb/>
dazu geführt, dass mir die Anwesenden deshalb nicht übel sind. Ich<lb/>
hatte bei dieser Gelegenheit gleich die Möglichkeit <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> als dem<lb/>
im Nationalrat nachfolgenden wichtigsten Mann für die Landstrasse vorzu<lb break="no"/>stellen und war selbst überrascht als ich dabei erfuhr, dass er jetzt<lb/>
bereits 7 Monate diesem Gremium angehört. So verrast die Zeit.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-29_25">Mit <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> habe ich über das Ergebnis der Aussprache <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> – <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs><lb/>
wegen der Einstellung <rs type="person" ref="#per__113627">Kieslichs</rs> in die Personalabteilung gesprochen.<lb/>
Der Versuch, den ich nicht zuletzt auf Vorschlag <rs type="person" ref="#per__97543">Heindls</rs> unternommen<lb/>
habe, dass wir <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs>, ohne dass er eine Weisung bekommt, dafür<lb/>
gewinnen könnten, diese Transaktion vorzunehmen, ist gescheitert.<lb/>
Selbst mein so sprichwörtlicher Schmäh hat diesmal nicht verfangen,<lb/>
Mein Hinweis, dass ich erschüttert bin, dass ich das erste Mal gegen<lb break="no"/>über <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> eine Weisung geben soll, konterte der Sektionschef, indem<lb/>
er erklärt, er braucht eine solche Deckung, d.h. er wünscht und verlangt<lb/>
auf alle Fälle, wenn ich darauf bestehen sollte, dass <rs type="person" ref="#per__113627">Kiesling</rs> in die<lb/>
Personalabteilung kommen soll, unbedingt eine Weisung. <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs>, <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs><lb/>
und ich werden deshalb unverzüglich, allerdings nach reiflicher Überlegung<lb/>
eine solche ihm morgen bereits präsentieren.</p></div>
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            <head>Tagesprogramm, 29.4.1974</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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