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            <title type="main">Donnerstag, der 25. April 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band20_1974-04-25</idno>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-25_01">Donnerstag, 25. April 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-25_02">Im Parteivorstand teilte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> , dass er im Parteirat ausser der<lb/>
Nominierung des Kandidaten, also den Nominierungsbeirat, wie wir<lb/>
ihn immer in der Vergangenheit genannt haben, auch ein weiterer<lb/>
Tagesordnungspunkt zur politischen Lage aufgenommen werden soll.<lb/>
welche taktische Überlegungen <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hier hat, weiss ich nicht im<lb/>
Detail, doch werde ich, wenn die Tagesordnung dann genau festge<lb break="no"/>setzt ist, wieder etwas dazugelernt haben. Wenn nämlich er zuerst<lb/>
zur politischen Lage spricht und als zweiter Punkt dann die Nomi<lb break="no"/>nierung des Kandidaten kommt, mit einer Erklärung desselben, dann<lb/>
ist es zweifelsohne der Grund, durch den ersten Tagesordnungspunkt<lb/>
womöglich eine Diskussion über den Kandidaten zu vermeiden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
ist zwar fest davon überzeugt und ich glaube, da hat er recht, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> unser bester Mann ist, doch möchte er auf Nummer Sicher<lb/>
gehen, dass womöglich keinerlei Negativ-Diskussion entsteht. Ins<lb break="no"/>besondere fürchtet er, dass die Bundespräsidentenwahl in Wirklichkeit<lb/>
eine bundespolitische Wahl wird, wo <rs type="person" ref="#per__98091">Withalm</rs> als der gütige, über<lb/>
den Parteien stehende Mann aber doch für ein besseres Wirtschafts<lb break="no"/>konzept, d.h. unbedingt für weniger Preissteigerungen von <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs><lb/>
so aufgebaut wird und natürlich jede Möglichkeit, um gegen die<lb/>
Regierung und damit gegen den Kandidaten der soz. Partei Stimmung<lb/>
zu machen, genützt wird. Deshalb möchte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> z.B. ganz besonders<lb/>
gegen die Aktion Leben die SP-familienpolitischen Aktivitäten, die<lb/>
in Zukunft noch ergriffen werden und die wir schon in der Vergan<lb break="no"/>genheit geleistet haben, herausstreichen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> wird morgen den<lb/>
Wirtschaftspartnern sein erstes Angebot machen, er bemerkte gleich,<lb/>
dass dies nicht sein letztes sein wird, sodass sich eben auch am<lb/>
Parteirat eine kurze wirtschaftspolitische Stellungnahme von ihm<lb/>
abgegeben werden wird. <rs type="person" ref="#per__97444">Heinzi Fischer</rs> hatte Angst, ob die Propa<lb break="no"/>gandisten beide Probleme nämlich den Kandidaten, der ja das Wichtig<lb break="no"/>ste bei diesem Parteirat ist, und die wirtschaftspolitische und<lb/>
politische Lage entsprechend verwerten werden. Die Begründung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreis<lb break="no"/>kys</rs> war, dass selbstverständlich beides möglich ist und dass ins<lb break="no"/>besondere man die 370 Delegierten aus ganz Österreich nicht nur<lb/>
wegen der Nominierung des Kandidaten nach Wien bitten sollte.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> sprang jetzt ein und meinte, in der Preisfrage, der Steuer,<lb/>
der Familienpolitik haben wir dem Gegner in den letzten Monaten<lb/>
<pb n="20-0500" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-25_0500.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>das Feld überlassen. Insbesondere unsere tausende Vertrauenspersonen<lb/>
waren hier nicht aktiv und nicht im Angriff. <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs>, wird,<lb/>
wenn er ihren Kandidaten präsentiert, auf diese Bundespolitik aus<lb break="no"/>schliesslich sich beziehen. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> schlug auch vor, dass wenn der<lb/>
Kandidat dann nominiert ist, die Fraktion soz. Gewerkschafter aber<lb/>
auch die Länder durch Erklärungen ihn unterstützten sollten. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> spielen hier ganz phantastisch zusammen, um ja nicht den<lb/>
Eindruck beim Parteirat dann entstehen zu lassen, es handelt sich nicht<lb/>
um einen von allen gekürten und von allen unterstützten Kandidaten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97384">Czernetz</rs> meldete sich wieder einmal und meinte, dass in Wirklichkeit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> über die Lage und den Standort der Partei referieren sollte.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat dann mit Recht gesagt, das hat er am Parteitag ausführlich<lb/>
getan und jetzt sind sogar 7 Arbeitsgruppen eingesetzt, um dieses<lb/>
Problem im einzelnen noch durchzuberaten und entsprechende Vorschläge<lb/>
zu erstatten. Obwohl der Parteitag als Trauersitzung einberufen war,<lb/>
war es glaube ich richtig, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> diese scheinbaren formellen Be<lb break="no"/>schlüsse herbeiführte, nämlich dass eben der Parteirat einberufen wird<lb/>
und dass die Tagesordnung, wie er sie wünschte, festgelegt wird.<lb/>
wenn es tatsächlich eine andere Alternative von jemandem noch gegeben<lb/>
hätte, der Chance gehabt hätte, dies durchzusetzen, dann hätte er<lb/>
jetzt einhaken müssen. Niemand hat aber dieses Problem ange<lb break="no"/>schnitten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-25_03">Die <choice><choice><sic>Austro-Ferngas</sic><corr>Austria Ferngas</corr></choice></choice>, die drei Vorstandsmitglieder und die drei wichtig<lb break="no"/>sten Repräsentanten Wien NÖ und Steiermark kamen mir über den weiteren<lb/>
Fortgang zu berichten. In Wirklichkeit haben sie mit der ÖMV Schwie<lb break="no"/>rigkeiten und möchten deshalb bei dieser Berichterstattung immer gleich<lb/>
dass ich Entscheidungen fälle, ich habe allerdings weder der ÖMV<lb/>
die mir gelegentlich auch Berichtet und hier wieder ihre Wünsche ein<lb break="no"/>reden will, keinerlei konkrete Zusagen gemacht und natürlich auch<lb/>
nicht bei der <choice><choice><sic>Austro-Ferngas</sic><corr>Austria Ferngas</corr></choice></choice>. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> hat ihnen nur versprochen, er<lb/>
wird mit der ÖMV jetzt Gespräche führen, um offene Probleme doch<lb/>
noch zu einer friedlichen Lösung zu bringen. Die ÖMV hat eben ein<lb break="no"/>mal in der Vergangenheit als die algerischen Gasverhandlungen be<lb break="no"/>ginnen haben, geschlafen und möchte dies jetzt korrigieren. <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs><lb/>
hat dies richtig charakterisiert, indem er darauf hinwies, dass<lb/>
die ÖMV an die Gasentwicklung nicht geglaubt hat und deshalb auch<lb/>
ihnen gegenüber Verpflichtungen übernommen hat, die sie jetzt<lb/>
nicht einhalten will. Der ÖMV geht es primär darum, den Import, den<lb/>
<pb n="20-0501" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-25_0501.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Transport, womöglich exklusiv zu haben, während die <choice><choice><sic>Austro-Ferngas</sic><corr>Austria Ferngas</corr></choice></choice><lb/>
natürlich jetzt mit ihrem Algeriengas, das ihnen die ÖMV ja nicht<lb/>
mehr nehmen kann und auch zugesteht, womöglich auch die Transportrechte<lb/>
im Pipeline-System erwirbt. Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97496">Gruber</rs> beschwerte sich, dass<lb/>
die ÖMV nach wochenlangen schweren Verhandlungen dann mit dem Ergebnis<lb/>
der 625 Mill. m³ Erdgas-Zusatzlieferung aus der SU in die Öffentlich<lb break="no"/>keit geht, die <choice><choice><sic>Austro-Ferngas</sic><corr>Austria Ferngas</corr></choice></choice> hat in der Aufteilung grösste Schwierig<lb break="no"/>keiten gehabt und nun macht <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> so, wie wenn es sein Erfolg gewesen<lb/>
ist. Ich nützte die GElegenheit, um ihnen auch zu sagen, dass in Wirk<lb break="no"/>lichkeit der einzige, der in die Öffentlichkeit gehen sollte, ich wäre,<lb/>
den letzten Endes ist es Aufgabe des zuständigen Ministers über die<lb/>
Politik der Verteilung Äusserungen zu machen. Ich war aber zurück<lb break="no"/>haltend, weil mich immer wieder die ÖMV und auch andere Stellen<lb/>
ersuchte, um die Russen nicht zu verärgern, ja nichts in die Öffent<lb break="no"/>lichkeit zu tragen. <rs type="person" ref="#per__97496">Gruber</rs> wollte dann aber ganz insbesondere eine<lb/>
Erklärung von mir, wie es mit der preislichen Auswirkung der Zusatz<lb break="no"/>mengen und vor allem einmal mit der Weitergabe der Preiserhöhung sein<lb/>
wird. Hier musste ich ihm ehrlicherweise sagen, dass die ÖMV tatsäch<lb break="no"/>lich den Abgabepreis noch nicht festlegen kann, weil die Russen<lb/>
dazu sich noch nicht endgültig geäussert haben. Für die zukünftigen<lb/>
Gaspreise geht es nach wie vor um die Preisgleitklausel, welche der<lb break="no"/>zeit noch verhandelt wird. Interessant war, dass die <choice><choice><sic>Austro-Ferngas</sic><corr>Austria Ferngas</corr></choice></choice><lb/>
aus algerischen Quellen wusste, dass die Ruhrgas mit 13 Mia m³<lb/>
ebenfalls jetzt mit der Sonatrach abgeschlossen hat. Ich habe,<lb/>
so wie ich dies auch der ÖMV schon erklärt habe, der <choice><choice><sic>Austro-Ferngas</sic><corr>Austria Ferngas</corr></choice></choice><lb/>
dezidiert mitgeteilt, dass ich bereit bin, wenn sie in irgendwelchen<lb/>
Streitfragen zu keinem Ergebnis kommen , und wenn sie beide es<lb/>
wünschen, mich als Schiedsrichter einzuschalten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-25_04">Anschliessend setzte ich <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs> als Fraktionsführer der soz. Direk<lb break="no"/>toren der E-Wirtschaft auseinander, das ich auf Grund der Aussprache<lb/>
mit dem Zentralbetriebsratsobleuten der E-Unternehmungen das Gefühl<lb/>
habe, dass hier ein sehr schlechtes Klima herrscht. und dass wir<lb/>
hier sofort Massnahmen setzen müssen um dies zu verbessern. Ich schlug<lb/>
ihm vor, er soll sich mit dem Sprecher der Betriebsräte dem ÖDK-BRO<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114714">Inthal</rs> ins Einvernehmen setzen und unverzüglich den Kreis festlegen,<lb/>
welchen ich dann einladen werde. Hier müssten Direktoren und Betriebs<lb break="no"/>räte nicht in allzu grosser Anzahl zusammenkommen, um die offenen<lb/>
Probleme zu besprechen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-25_05">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte Sekr. v. <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs> ständig daran erinnern,<lb/>
dass mir die Liste der Direktoren mitgeteilt wird, die an der Bespre<lb break="no"/>chung teilnehmen.</p><pb n="20-0502" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-25_0502.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-25_06">Dann sofort <rs type="person" ref="#per__114714">Inthal</rs> ÖDK anrufen, damit dieser uns<lb/>
unverzüglich die Liste der BR mitteilt, die an<lb/>
der Besprechung teilnehmen. Dann eie mindestens<lb/>
Zwei-Stunden-Sitzung bei mir ansetzen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-25_07">Dipl.Ing. <rs type="person" ref="#per__116707">Janitschek</rs> von der 2. Kernkraftwerks-GesmbH kam, um<lb/>
mir über den Fortgang der Arbeiten zu berichten. Hauptproblem ist,<lb/>
dass er fürchtet, die Genehmigungsbehörde, d.h. das Gesundheits<lb break="no"/>ministerium wird so grosse Schwierigkeiten machen, dass er nicht<lb/>
planmässig fertig wird. Die Möglichkeit, die eben in der Schweiz<lb/>
z.B. von der Überprüfungsbehörde akzeptiert wurden, nämlich für ein<lb/>
Schwerwasser, Siedewasser und noch einen dritten Reaktortyp<lb/>
generelle Genehmigung zu bekommen, sit bei uns vollkommen unmög<lb break="no"/>lich. Das Gesundheitsministerium möchte sogar nicht einmal die beiden<lb/>
Genehmigungen geben sondern erst das Gesamtprojekt <rs type="person" ref="#per__116707">Janitschek</rs><lb/>
befürchtet damit einen ungeheuren Verzug. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> stellte sogar in Er<lb break="no"/>wägung, ob wir nicht eben den Bau beginnen, ja sogar aufführen,<lb/>
ohne eine entsprechende Genehmigung. Dagegen hatte ich grosse Be<lb break="no"/>denken, weil ich auf dem STandpunkt stehe, dass dies überhaupt in<lb/>
der Elektrizitätswirtschaft scheinbar so üblich ist, die Genehmi<lb break="no"/>gungsbehörde vor vollendete Tatsache zu stellen. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> erkundigte<lb/>
sich dann ganz beosndes, wie weit die Planungsarbeiten fortgeschrit<lb break="no"/>ten sind und <rs type="person" ref="#per__116707">Janitschek</rs> musste zu-geben, dass er<lb/>
glaubt hier zwar den Termin einhalten zu können, abr grosse<lb/>
Schwierigkeiten. hat. Den konventionellen Teil wird die ÖDK planen<lb/>
den nuklearen Teil hat er mit einigen zusaätzlichen Fachleuten,<lb/>
die er aus der BRD, aus der Schweiz insbesondere auch von anderen<lb/>
Gesellschaften sich ausgeborgt hat, in Angriff genommen. Die<lb/>
ganze Konstruktion ist meiner Meinung nach äusserst unglücklich.<lb/>
Richtig ist, dass wir beim zweiten Kernkraftwerk nicht einen<lb/>
Generalunternehmer wie beim ersten bestellen wollen, weil dies<lb/>
nur ganz grosse Kostenverteuerungen mit sich bringt. Das erst<lb/>
Kernkraftwerk hat allerdings den grossen Vorteil gehabt, dass<lb/>
der Generalunternehmer sich um alles kümmern musste. WEnn man<lb/>
nun Teilausschreibungen mach,t weil dies wesentlich billiger<lb/>
kommt, so wird natürlich jedes Stück in das andere genau einge<lb break="no"/>fügt werden müssen. <rs type="person" ref="#per__116707">Janitschek</rs> hofft nur und bittet um Unter<lb break="no"/>stützung, dass die SU nicht einen Zuschlag bekommen slllte.<lb/>
wenn nämlich dort Änderungswünsche und Auflage gemacht werden,<lb/>
so kann es passieren, dass die sowjetische Seite sich monatelange<lb/>
<pb n="20-0503" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-25_0503.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dazu sich nicht äussert und wahrscheinlich auch gar nicht be<lb break="no"/>rücksichtigt. Die Abnahme selbst von konventionellen Teilen ist<lb/>
in der SU wesentlich anders als in Westeuropa. Dort können nicht<lb/>
Ingenieure hinfahren, sondern dort wird meistens über eigene im<lb/>
Betrieb befindliche Leute die Abnahme durchgeführt. Diese unter<lb break="no"/>stehen aber auch nur wieder formell dem Aussenhandelsministerium<lb/>
und daher weiss man nie, wie wirklich die Lieferung ist. <rs type="person" ref="#per__116707">Janitschek</rs><lb/>
hat mit seinen Erfahrungen, soweit er im Ausland sowjetische Ma<lb break="no"/>schinen und Generatoren in die von ihm geplanten Kraftwerke<lb/>
einbaute, grösste Schwierigkeiten gehabt. Was die Anreicherung von<lb/>
Uran betrifft, so ist die SU und die Amerikaner jetzt übrigge<lb break="no"/>blieben. Die SU ist um 3 % billiger und verlangt jetzt unverzüg<lb break="no"/>lich einen Entscheid über ihre Offerterstellung. Die zweite Kern<lb break="no"/>kraftwerksplanungs-GesmbH ist dies nicht imstande, jetzt sofort<lb/>
durchzuführen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-25_08">Min.Rat <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs>, der übrigens auch bei der Aussprache mit der<lb/>
<choice><choice><sic>Austro-Ferngas</sic><corr>Austria Ferngas</corr></choice></choice> anwesend war, <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> zieht ihn naütlirch jetzt<lb/>
auch naütrlich zu all diesen Problemen heran, beklagte sich mit<lb/>
Recht über den Personalmangel. <rs type="person" ref="#per__112977">Neuhold</rs> sollte schon längst bei<lb/>
ihm sein, dieser hätte auch gar nichts dagegen, doch fürchtet<lb/>
er, dass wenn er solche Wünsche äussert, dann von <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> end<lb break="no"/>gültig zeitlebens im Haus bekämpft zu werden. <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> und insbe<lb break="no"/>sondere <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs>, der ja auch nichts anderes tut als was <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs><lb/>
von ihm verlangt, wehrt sich ganz entschieden gegen die die<lb/>
Abgabe. Um ihn irgendwie zu beschäftigen, hat er ihm jetzt z.B.<lb/>
zu Vorträgen geschickt, dann kommt er abessinische Armeeminister,<lb/>
den soll er jetzt begleiten, lauter uninteressante Tätigkeit, all<lb/>
das nur um Aktivität vorzutäuschen und zu beweisen, dass er für<lb/>
die wirtschaftliche Landesverteidigung dringendst gebracuht wird.<lb/>
Mir ist es eigentlich unerklärlich, wenn <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> und das stimmt in<lb/>
einem ungeheuren Druck sit, dann er sich immer nch zusätzliche<lb/>
Arbeitsleistungen aufhalst. So hat er jetzt die Rohstoffversorgung<lb/>
gross aufgezogen. Hier erwäscht ja auch ihm zusätzliche Arbeit.<lb/>
Er hat allerdings gute Verbindung zur geologischen Bundesanstalt<lb/>
die für ihnz.b. eine moderne Lagerstättenkartei durchführen wird.<lb/>
Dafür benötigt sie aber Karteikarten und ich habe im Prinzip<lb/>
zugestimmt, dass 100.000 S dafür vom Budget des Handelsministeriums<lb/>
bereitgestellt werden. <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> hat aber auch noch den Frachtausgleich<lb/>
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schweren Verzug gekommen. Die Abrechnung mit Bergbauförderung liegt<lb/>
auch bei ihm. Er berichtete mir, dass er jetzt die letzte Tranche<lb/>
für die GKB von 12<add>[?]</add> Mill. anfangs Mai überweisen wird. Damit hat die<lb/>
GKB mit 43 Mill. ziemlich das gesmte Bergbauförderungsbudget ausge<lb break="no"/>schöpft. Trotzdem glaubt <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs>, dass die GKB im Mai oder spätestens<lb/>
Anfang Juni die Löhne nicht meh wird zahlen können und dass deshalb<lb/>
die ÖVEST wird auf alle Fälle einspringen müssen, solange kein BÜG<lb/>
gemacht ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-25_09">Auf der Brauer-Konferenz der Lebensmittel-Arbeiter, da kommen die<lb/>
Betriebsräte aus ganz Österreich her zusammen, ca. 100 Leute,<lb/>
ergab sich eine sehr itneressnte Diskussion. Der steirische BRO<lb/>
von GÖSS <rs type="person" ref="#per__139689">Smader</rs>, der gleichzetig auch Leiter des Verhandlungs<lb break="no"/>komitees ist, wollte mich unbedingt wegen der weiteren Vorgangsweise<lb/>
der Lohnverhandlungen festlegen. Er meinte, cih sollte dezidiert<lb/>
erklären, dass der Zentralvorstand bei der nächsten Sitzung die<lb/>
Lohnforderung der Brauerei-Arbeiter unterstützt und freigibt. ICh<lb/>
habe – und dies wirklich nicht aus formellen Gründen – gegen eine<lb/>
solche Zusage grösste Bedenken. Wenn eine Organisation, wie eben z.B.<lb/>
Zentralvorstand oder Gesamtvorstand dafür zuständig ist, Verhandlungen<lb/>
freizugeben, so kann ich nicht dieses Gremium so präjudizieren, dass<lb/>
ich erkläre, das wird so und so geschehen. Sicher könnte ich so etwas<lb/>
machen, aber ich stehe auf dem STandpunkt, das ist Aufgabe dieses<lb/>
Gremiums, den Beschluss zu fassen, ich werde mich dort auf Grund der<lb/>
gegebenen Sachlage dann entsprechend äussern und einsetzen, aber<lb/>
ich will nicht von vornherein erklären, ja so wird es gemacht. Gerade<lb/>
weil ich glaube, dass ich mir zumuten könnte, ein solches Gremium<lb/>
leicht zu präjudizieren, will ich es umso weniger tun. Bis jetzt<lb/>
habe ich der jahrzehntelangen Tätigkeit in der Gewerkschaft fest<lb break="no"/>stellen müssen, dass man auch dann wenn man ein stärkerer Obmann<lb/>
ist nicht unbedingt dies immer wieder herausstreichen müsste, dass<lb/>
man einsame Beschlüsse fasst und dann den anderen aufzwingt. Hier ist<lb/>
es vielzweckmässiger sich in Diskussion und freundschaftlicher Aus<lb break="no"/>einandersetzung zu einer gemeinsamen Auffassung durchzuringen. In<lb/>
unserer Lohnpolitik und insbesndere der Art der Verhandlung haben<lb/>
wir in der Lebensmittelarbeitergewerkschaft ein besonders System.<lb/>
Ich habe und werde nie Lohnverhandlungen führen. Dies soll Aufgabe<lb/>
der Betriebsräte sien, die dann auch in ihren Betrieben den Kollegen<lb/>
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Meine Funktion ist es nur, die Taktik festzulegen mit dem<lb/>
Verhandlungskomitee, wie wir vorgehen sollen und doch dann irgend<lb/>
wie den RAhmen abzustecken. Oft kommen mir selbst Zweifel, ob<lb/>
dies wirklich die ganze und gesamte Funktion eines Obmann<lb/>
sein soll. Überall anders macht der Obmann in Wirklihkeit<lb/>
zumindestens in der Optik die Lohnverhandlungen. Trotzdem<lb/>
halte ich an unserem Prinzip fest, auch dann wenn es den Ein<lb break="no"/>druck erweckt, dass eben der Obmann in dieser Gewerkschaft nicht<lb/>
viel zu reden hat, weil die Betriebsräte alles bestimmen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-25_10">In der Landeskonferenz der soz. Gewerkschaftsfraktion berich<lb break="no"/>tete <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, ich kam leider wegen der Brauer-Konferenz zu spät,<lb/>
über die Tätigkeit der Regierung. Er hat, wie mir dann die Genossen<lb/>
der Landstrasse mitgeteilt haben, sehr humorvoll und sehr wohl<lb break="no"/>wollend alle Minister elciht kritisiert, aber doch ganz besonders<lb/>
darauf hingewiesen, dass wir alle zusammenhalten müssen. Was<lb/>
mich frappierte war, dass nicht nur selbstverständlich Ge<lb break="no"/>werkschaftsfunktionäre sondern auch <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs>, <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97561">Hofmann</rs> von der Stadtverwaltung anwesend waren. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs><lb/>
teilte mir dann mit, dass jetzt zwichen <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ein<lb/>
Einvernehmen über die endgültige Steuerreform vorliegt. Mit<lb/>
dieser Lösung ist sogar <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> zufrieden. Ich glaube, dass dies<lb/>
dann wirklich eine optimale Lösung für den ÖGB gewesen ist.<lb/>
Die Absatzbeträge werden fast 100 %-ig den Vorstellen den<lb/>
Gewerkschaftsbundes entsprechen. Damit ist eine weitere Klippe<lb/>
umschifft, denn nichts hätten wir weniger bruachen können als<lb/>
eine differente Ausffassung in diesem so wichtigen Punkt zwi<lb break="no"/>schen Finanzminister und ÖGB . sprich <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>.</p></div>
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            <head>Tagesprogramm, 25.4.1974</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>Wr. Planungsstadtrat, stv. AR-Präs. DoKW, Obmann BO
                  Floridsdorf</occupation>
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