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            <title type="main">Donnerstag, der 18. April 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-18_01">Donnerstag, 18. April 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-18_02">Die WIG ist optisch eine ungeheure beeindruckende Ausstellung.<lb/>
Dies war bereits 1964 im Donaupark der Fall und ist auch jetzt<lb/>
wieder am Laaerberg festzustellen. Das <choice><choice><sic>Stadtgartenbauamt,</sic><corr>Stadtgartenamt</corr></choice></choice> insbesond<lb/>
Ing. <rs type="person" ref="#per__97317">Auer</rs>, der Leiter, der gleichzetiig auch die Kuranstalt am<lb/>
Laaerberg jetzt betreibt, nützt die Gelegenhiet immer wieder,<lb/>
um bei dieser Ausstellung erfahrungsgemäss die Bevölkerung zu<lb/>
begeistern. Überhaupt ist das <choice><choice><sic>Stagartenbauamt</sic><corr>Stadtgartenamt</corr></choice></choice> ausser jeder Kritik,<lb/>
weil sie in Wirklichkeit nur gute Sachen, d.h. Sträucher, Bäume,<lb/>
Blumen, gegebenenfalls in Betonschalen in die Stadt bringt und<lb/>
damit die Bevölkerung begeistert. Wirklich kritische Überlegungen<lb/>
snd daher nur anzustellen,wie und ob solch ein Aufwand rentabel<lb/>
ist. Da bei dieser Gelegenheit sowohl WIG 64 wo eine Mülldeponie<lb/>
saniert wurde oder jetzt wo der Laaerberg in seinem schlechtesten<lb/>
Teil städtebaulich saniert wurde, in Wirklichkeit die Gemeinde<lb/>
damit Millionenbeträge ausgeben kann, war zu erwarten und ich<lb/>
habe es fast geahnt, dass sich einige Architekten oder Kritiker<lb/>
finden werden. Das Ganze wäre aber wahrscheinlich ein Streit<lb/>
unter Fachleuten gewesen, hätte sich nicht das Fernsehen jetzt beso<lb/>
sonders eingeschaltet. Ich habe die Sendung nicht gesehen, aber<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> und auch <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> waren so empört, dass <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> am Abend bei<lb/>
der Eröffnung des Empfanges für tausende Gäste im Rathaus erklärte,<lb/>
er weiss nicht, was er dazu sagen soll. Von einem anderen Bundes<lb break="no"/>land drei Minuten Perchtenlauf von der WIG-Eröffnung eine halbe<lb/>
MinUte und dann die Kritik der Architektengruppe ebenfalls wieder<lb/>
glaube och 3 Minuten. Das Fernsehen wird behaupten, es hat nur<lb/>
objektiv berichtet, durch reinen Zfall ist Ironimus, dessen<lb/>
richtiger Name <rs type="person" ref="#per__140821">Peichl</rs> lautet, bei den Kritikern dabei und ist<lb/>
gleichzeitig auch der Erbauer der sehr umstrittenen Studios des<lb/>
ORF. Hätte der ORF sich nicht dieser Sache so angenommen, wäre<lb/>
es ein Streit unter Fachleuten gewesen, kaum von jemandem beachtet.<lb/>
Jetzt bin ich überzeugt, wird eine Welle der Diskussion beginnen,<lb/>
ob man tatsächlich so viel Geld ausgeben soll, darf und kann.<lb/>
Ich hüte mich normalerweise sehr, bei Berichterstattungen sowohl<lb/>
in Zeitungen als auch im Hörfunk und Fernsehen unbedingt eine<lb/>
zielbewusste Aktion gegen die Regierung oder die Stadtverwaltung<lb/>
zu sehen. Noch glaube ich immer dass doch eine objektive Bericht<lb break="no"/>erstattung angestrebt wird. Was mir aber tatsächlich auffällt,<lb/>
<pb n="20-0460" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-18_0460.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ist, dass immer mehr nur negative Seiten des öffentlichen Lebens<lb/>
zur Darstellung kommt. Ähnlich wie die Zeitungen, die nur Reisser<lb/>
als Überschrift brauchen können und solche sind halt meistens nega<lb break="no"/>tiver Natur, beginnt jetzt das Fernsehen und der Rundfunk um die Konkur<lb break="no"/>renz mit diesen Massenmedien besser führen zu können, wie sie zu<lb break="no"/>mindstesn glauben, ebenfalls die negativen Seiten nach dm englischen<lb/>
Motto : bad news are good news, als Headline zu benützen. WEnn ich<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__116209">Zilk</rs> oder <rs type="person" ref="#per__97672">Kreuzer</rs> über diese Problem diskutieren würde, immerhin<lb/>
zwei Genossen und ich mache nicht den Fehler, wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, sie schon<lb/>
abzuschreiben, sondern bin überzeugt, dass sie sich nach wie vor<lb/>
unserer Idee verhaftet fühlen, werden sie mir sagen, dass dies<lb/>
wahrscheinlich sogar auf die Unabhängigkeit der Redakteure und<lb/>
der einzelnen Leiter zurückgeht. Durch das Redakteurstatut<lb/>
fühlen jetzt manche Berichterstatter und Beobachter sich verpflichtet.<lb/>
nicht mehr sihc zu überlegen, welche Folge eine solche Aussendung hat,<lb/>
sondern ausschliesslich davon auszugehen, dass sie es so empfinden<lb/>
und deshalb diese Berichterstattung richtig ist. Wenn jemand als<lb/>
positiver optimistischer Berichterstatter auftritt, so hat er kaum<lb/>
Chancen, es sei denn, er ist ein äusserst kluger und intelligenter<lb/>
Mensch, der gleichzeitig auch neue Ideen bringt, bekanntzuwerden.<lb/>
Um wieviel leichter ist es da, einen Reporter, der pessimistisch<lb/>
negativ Sensationen sucht, diese ausschlachtet und damit bald einen<lb/>
Namen in der Branche bekommt. Ob dieser dann dem Ganzen schadet oder<lb/>
nicth, ist ja in der ersten Phase von ihm gesehen, vollkommen un<lb break="no"/>interessant, er wird einmal berühmt. Ähnlich ist es ja mit<lb/>
den kritisierenden Architekten. Als <rs type="person" ref="#per__136646">Rainer</rs> noch Leiter der Stadt<lb break="no"/>planung war, ht er sicher viele Ideen geboren, sich aber gegen die<lb/>
Bürokratie genauso wenig aber gegen die Stadträte, d.h. die politi<lb break="no"/>schen Funktionäre durchsetzen können und ist daher verbittert ge<lb break="no"/>schieden. Jetzt attackiert er die Projekte der Stadtverwaltung.<lb/>
Ich bin überzeugt, sicherlich fachlich oft begründet, wenn nun die<lb/>
Massenmedien ihn unterstützten, wird man in kürzester ZEit von<lb/>
Wien auch selbst über das Gartenbauamt nur mehr Negatives berichten.<lb/>
Während sich jetzt jeder an dem Grün, nicht nur an der WIG sondern<lb/>
in Wien, welches in dieser Frage an der Spitze in der Welt steht,<lb/>
freut, wird er dann mit einem Nachgeschmack oder sogar mit einer<lb/>
negativen Einstellung indirekt sich nicht mehr daran freuen, sondern<lb/>
ärgern.</p><pb n="20-0461" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-18_0461.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-18_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: BItte mich mit <rs type="person" ref="#per__97317">Auer</rs> verbinden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-18_04">Der neue jug. Botschafter, <rs type="person" ref="#per__142439">Wlachow</rs>, den ich bereits in Belgrad,<lb/>
wo er noch nicht bestellt war, aber ich erfuhr, dass er bereits<lb/>
nach Österreich kommen wird, kennenlernte, wollte eine erste<lb/>
Aussprache. Da <rs type="person" ref="#per__142439">Wlachow</rs> in seiner Jugend in Österreich in der<lb/>
Mittelschule beim VSM aktiv mitgearbeitet hatte, kennt er viele<lb/>
Genossen aus dieser ZEit. Wir betrachtne ihn wirklich als einen<lb/>
Freund der soz. Regierung und wissen, dass er sich bemühen wird,<lb/>
alle Schwierigkeiten, die zwischen Jugoslawien und Österreich<lb/>
bestehen, nicht zuletzt auch dieser unglückliche zweisprachige<lb/>
Ortstafelstreit niht hochzuspielen, sondern sicherlich versuchen<lb/>
wird, zu dämpfen, wenn nicht sogar zu utnerdrücken. <rs type="person" ref="#per__142439">Wlachow</rs><lb/>
fragte nun, ob es zweckmässig ist, die Gemischte jug.-österr.<lb/>
Kommission zusammentreten zu lassen. Die wirtschaftlichen Entwick<lb break="no"/>lungen sind auch nach seiner Auffassung befriedigend, doch möchte er<lb/>
insbesondere über die Energieprobleme, daß die Gemischte Kommission<lb/>
eine Sitzung abhält. ICh habe sofort zugesagt, in dieem Fall<lb/>
sogar als Vertreter des Aussenministers, dass wir jeden Wunsch der<lb/>
jug. Seite hier akzeptieren. Es sollte vielleicht wirklichdurch<lb/>
das zusammentreten der österr.-jug. Gemischten Kommission dokumen<lb break="no"/>tiert werden, dass die Beziehungen zwischen unseren Staaten auf<lb/>
diesem GEbiet vollkommen normal sind und sich gut entwickeln. Bei<lb/>
dieser Gelegenheit erfuhr ich, dass der Botschafter jetzt mit<lb/>
48 ökonomischen Vertretern, das sind Jugoslawen, die von ihren<lb/>
Aussenhandelsorganisationen ständig in Österreich sind, Kontakt hat.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__142439">Walchow</rs> meinte, dass allerdings die nicht sehr effizient in ERschei<lb break="no"/>nung treten, da immer wieder er feststellen kann, die Möglichkeiten<lb/>
eines österr. Importes von jug. Waren von ihnen nicht entsprechend<lb/>
genützt werden. Was micn am meisten überraschte war, dass der<lb/>
Botschafter mitteilte, dass nun fast seine ganze Botschaftsgarnitur<lb/>
ausgetauscht wird. Der Handelsrat <rs type="person" ref="#per__140889">Reiberger</rs> ist bereits 4 Jahre hier<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__142439">Wlachow</rs> sagte, auch in Jugoslawien stellt man sich immer an,<lb/>
um ja auf einen Auslandsposten zu kommen. Die Frage, ob ich <rs type="person" ref="#per__97966">Snuderl</rs><lb/>
einladen soll, wurde von ihm dahingehend beantwortet, dass jetzt<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97966">Snuderl</rs> wieder in die slowenische Republik zurückkehrt. Auch dort<lb/>
herrscht das Rotationsprinzip und es werden jetzt andere Leute von<lb/>
Slowenien, d.h. von allen Republiken nach Belgrad in die Zentral<lb break="no"/>regierung entsendet. Der Föderalismus ist in Jugoslawien viel<lb/>
<pb n="20-0462" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-18_0462.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>stärker als bei uns in Österreich und bedingt, dass selbst<lb/>
Kleinigkeiten von allen 6 Republiken zusammen beschlossen<lb/>
werden müssen. Unter anderem glaubt er sogar, dass auch die<lb/>
Reise <rs type="person" ref="#per__97966">Snuderls</rs> nach Wien, die nicht zustandekam, darauf zu<lb break="no"/>rückzuführen ist, dass der komplizierte Apparat nicht so schnell<lb/>
spielte. Da ja nicht wie bei uns die Finanzhoheit beim Bund liegt<lb/>
sondern bei den einzelnen Republiken, diese dann ihren Beitrag<lb/>
an die Zentralstelle leistet, werden sie bei allen finanziellen<lb/>
Fragen gefragt und müssen einstimmig zustimmen, bevor es zu<lb/>
einem diesbezüglichen Beschluss kommen kann. Dies soll so<lb/>
weit gehen, dass auch Reisen von Ministern ins Ausland darunter<lb/>
fallen. Ich kann mir dies zwar nicht vorstellen, aber könnte<lb/>
mir sehr gut erklären, dass zwar automatisch eine solche Reise<lb/>
von einem Minister genehmigt wird, wenn wirklich nur die finan<lb break="no"/>ziellen Fragen eine Rolle spielen, wohl aber ein Bürokratisch lang<lb break="no"/>wieriges Verfahren notwendig ist. Auf alle Fälle werden wir bis<lb/>
Ende Mai von Botschafter erfahren, wer nun in Hinkunft in<lb/>
Jugoslawien für Österreich zuständig ist, d.h. wen wir eigent<lb break="no"/>lich zur Messe einladen sollten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-18_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Bitte diesbezüglichen Kontakt mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__142439">Wlachow</rs> halten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-18_06">Von grossem Interesse dürfte von jug. Seite die Errichtung oder<lb/>
Verstärkung des Karawanken-Tunnels und einer besseren Bahn<lb break="no"/>verbindung auf dieser Strecke sein. Ich habe seinerzeit sofort<lb/>
nach meiner Rückkehr mit <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> gesprochen, dermir freimütigst<lb/>
sagte, es besteht österreichischerseits nicht die ABsicht,<lb/>
dieses Millionenprojekt in Angriff zu nehmen. Andererseits<lb/>
aber will man den Jugoslawen nicht ein klares Nein entgegen<lb/>
setzen, sodass man dilatorisch diese Frage immer behandelt.<lb/>
ICh habe deshalb auch ausweichend auf diese Frage erklärt,<lb/>
dass ich meiner Verpflichtung, den zuständigen Minister zu<lb/>
informieren, sofort nachgekommen bin, ejtzt aber dafür <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> zu<lb break="no"/>ständig ist und ich bitte, diese Frage mit dem Verkehrsminister<lb/>
zu besprechen. Ähnlich war es bei den Strassenbaubesprechungen.<lb/>
Dort hat auch angeblich Österreich längere Zeit nicht die entsprec<lb/>
chenden Stellungnahmen abgegeben, wobei <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> allerdings erklärt,<lb/>
dass hier wirklich technische Schwierigkeiten zu lösen waren<lb/>
und jetzt angeblich eine diesbzeügliche besser Gesprächsbasis<lb/>
<pb n="20-0463" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-18_0463.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>gefunden wurde. Bezüglich Strassen hat auch <rs type="person" ref="#per__142439">Wlachow</rs> nichts gesgt.<lb/>
Nicht als Demarge wollte er doch die Bemerkung von ihm wissen,<lb/>
dass die Jugoslawen bei der Wiener Messe sehr zersplittert nur<lb/>
in ERscheinung treten konnten. Ich habe diesen Nachteil ereits<lb/>
bei meinem Messerundgang dem Direktor <rs type="person" ref="#per__131198">Draxler</rs> mitgeteilt und<lb/>
von ihm erfahren, dass auch die Messe-Leitung nicht sehr glücklich<lb/>
ist, dass die ausländischen Aussteller so zersplittert unterge<lb break="no"/>bracht werden müssen. Dies liegt aber nach Meinung von <rs type="person" ref="#per__131198">Draxler</rs><lb/>
an der späten Anmeldung der ausländischen insbesondere der halb<lb break="no"/>offiziellen oder offiziellen Aussenhandels- oder Fremdenverkehrs<lb break="no"/>stellen. Ich habe deshalb nich in Anwesenheit von <rs type="person" ref="#per__142439">Wlachow</rs> ver<lb break="no"/>sucht mit der Messe Kontakt aufzunehmen, damit hier eine bessere<lb/>
Lösung nicht nur für Jugoslawien sondern für womöglich alle aus<lb break="no"/>ländischen Aussteller gefunden wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-18_07">Die grosse Arbeitskonferenz der SPÖ, wo auf Grund des letzten Par<lb break="no"/>teitages jetzt über die einzelnen Probleme – Parteibetrieb, Partei<lb break="no"/>jugend, Parteifrauen usw. – in Arbeitsgruppen diskutiert werden<lb/>
soll, war in meinen Augen eine grosse PLeite. Hier wurden auf<lb/>
ganz Österreich die von den Organisationen nominierten und ich<lb/>
glabue auch teilweise welche, die sich selbst gemeldet haben, nach<lb/>
Wien berufen und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat dann nur über die Arbeitsweise dieser<lb/>
Gruppen referiert. Die Quintessenz war, es sollen sich nicht<lb/>
Leute in zwei Arbeitskreise melden, dann kommen sie nicht dazu,<lb/>
wirklich Arbeit zu leisten, die Arbeitskreise sollen nicht nur<lb/>
allein in Wien sondern womöglich auch in den Bundesländern tagen.<lb/>
Und ihre Arbeit kann nicht unbefristet sein, sie müssen im Laufe<lb/>
von einem halben bis maximal einem 3/4 Jahr zu einem Ergebnis<lb/>
kommen. Sicherlich aht <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wieder dur ch einige Bonmots<lb/>
und durch Vergleich geglänzt, es ist ein Vergnügen, ihm zuzu<lb break="no"/>hören, aber befriedigt hat diese Konferenz wirklich niemanden..<lb/>
Was vor allem der grosse Fehler war, man hatte wieder einmal<lb/>
die Diskussion nicht organisiert und deshalb meldete sich nur<lb/>
eine Genossin aus St. Pölten, die meinte, es seien in dem Aus<lb break="no"/>schuss, der sich mit den Frauenproblemen beschäftigt, deshalb<lb/>
fast nur Frauen, insgesamt sind nur 3 Männer, weil eben nur Frauen<lb/>
von Frauenorganisationen nominiert wurden. Ein zweiter Diskussions<lb break="no"/>redner <rs type="person" ref="#per__147104">Mayer</rs>, ich glaube auch Salzburg, fragte überhaupt nur an,<lb/>
was dieses Referat von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bedeuten sollte. Da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ge<lb break="no"/>spürt hat, dass dieses ganze Problem so unbefriedigend auch von<lb/>
seiner Sicht aus angegangen und durchgeführt wurde, hat er<lb/>
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der Partei machen den Genossen niedergesetzt. Ich kann mir seine<lb/>
Situation schon vorstellen und erklären. Gut ist diese MEthode<lb/>
nie. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist unter furchtbarem Druck, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> lässt sich<lb/>
auch kaum von jemandem Reden vorbereiten. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist im Prinzip<lb/>
immer dafür über alles selbst zu referieren und es selbst zu machen<lb/>
und daher muss auch bei <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> etwas manchmal danebengehen. DAnn<lb/>
hat er sich nicht mehr so in der Hand, wie er das gerne sicherlich<lb/>
nachher bereund machen sollte und schon ist es passiert. Ich bin<lb/>
überzegut, dass nicht nur <rs type="person" ref="#per__97476">Rupperl Gmoser</rs>, der hinter mir sass<lb/>
undsage, na da hat sich der Chef wieder phantastisch darauf vor<lb break="no"/>bereitet, diesen Eindruck hatte, sondern leider auch die ganze<lb/>
Konferenz. An seiner Stelle hätte ich die Leiter der Arbeits<lb break="no"/>gruppe ein Kurzreferat von maximal 10 Minuten halten<lb/>
lassen, damit diese dann nicht nur auf einer breiteren Basis<lb/>
eine Diskussionsgrundlage geliefert hätten, sondern auch gleich<lb break="no"/>zeititg mehr in ERscheinung getreten sind als nachher wo <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
meinte, es sollten halte die Arbeitsgruppen sich in jeder Ecke des<lb/>
Saales zumindestens den nächsten Termin ausmachen und wie sie ihre<lb/>
weitere Vorgangsweise durchführen wollen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-18_08">Beim Abendessen der BASF war ich glücklich, dass ich bei dieser<lb/>
Gelgenheit gleich die Auszeichnung für den ausscheidenden Direktor<lb/>
der österr. Niederlassung überreichen konnte. In Wirklichkeit ist<lb/>
das eines der typischen Abendessen gewesen, welches Firmen veran<lb break="no"/>stalten. Der Vorstand der BASF ist ja nach Österreich gekommen,<lb/>
um hier die Jahresversammlung der Organchemie, ihrer Vertretung,<lb/>
durchzuführen. Dies sind wahrscheinlich auch in einem ökonomischen<lb/>
oder besser gesagt Wirtschaftsbetrieb die üblichen unnötigen Dienst<lb break="no"/>reisen, die man aber, da es nach Wien geht, gerne absolviert.<lb/>
Bei dieser Gelegenheit aht sich auch Prof. <rs type="person" ref="#per__149218">Trimm</rs>, der derzeitige<lb/>
Vorstandsdirektor vom BASF in Ludwigshafen verabschiedet. Er er<lb break="no"/>klärte, dass bei ihnen en Grundsatz herrscht, wer 65 Jahre alt ist,<lb/>
muss in Pension gehen.Begründung ist, wie er mir sagte, die tech<lb break="no"/>nische Entwicklung auf dem Chemiesektion, die so rasant ist, dass<lb/>
selbst jemand, der sich ständig mit dem Problem beschäftigt, nciht<lb/>
mehr imstande ist, die jungen nachwachsenden Wissenschaftler zu<lb/>
verstehen. Vor allem auch dann wenn er sich selbst so weiterbildet<lb/>
kann er wie er sich ausdrückt nicht mehr in den Koordinaten dieser<lb/>
Leute denken. Da man viel über den österreichischen Charme und<lb/>
<pb n="20-0465" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-18_0465.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>und die österr. Methode bei den vorhergehenden drie Rednern<lb/>
immer wieder darauf hinwies, nützte ich dann meine Ansprache.<lb/>
um in launiger WEise die österr. Verhältnisse doch den deutschen<lb/>
gegenüberzustellen. Bei uns gibt es auch Beschlüsse über Alters<lb break="no"/>beschränkungen, aber dann werden diese eben wieder, wenn es nicht<lb/>
richtig war oder sie nicht passen, entsprechend revidiert. Überhaupt<lb/>
glaube ich, dass tatsächlich die österr. Methode, die österr.<lb/>
Lebensart bei den Deutschen sehr viel Anklang hat,denn was sie<lb/>
immer wieder sagen ist, sie hoffen, dass doch ihre Vertreter<lb/>
von dieser österr. Mentalität etwas annehmne sollten. <rs type="person" ref="#per__149218">Trimm</rs><lb/>
meinte mir gegenüber auch, dass die Behauptung Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__137219">Rueger</rs><lb/>
von Semperit, der neben uns sass und der fürchtet, dass die Chemie<lb/>
jetzt auf Jahre hinasu durch due Ölsituation geschädigt sein wird,<lb/>
dass mengenmässig dieses Problem in kürzester Zeit überwunden<lb/>
ist. Das Einzige, was bleibt, wird die preisliche Erhöhung sein.<lb/>
Mein Hinweis, dass auch hier in absehbarer Zeit ein wesentlicher<lb/>
Rückschlag kommen wird, wurde zwar von Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> als zu opti<lb break="no"/>mistisch bezeichnet, er glaubt z.B. heute noch nicht, dass der<lb/>
Heizöl-schwer-Preis in kürzester Zeit auf 1.000 S je Tonne<lb/>
unten sein wird, der allerdings dann im Winter wieder steigen<lb/>
wird, und leugnet ganz entschieden, dass das Öl jetzt um 10 $ barrel<lb/>
gibt. Da die ÖMV, wie ich ja weiss, wesentlich teurer eingekauft hat<lb/>
kann ich mir sehr gut vorstellen, dass er solche Hiobsbotschaften<lb/>
nicht nur nicht gerne hört, sondern auch nicht zur Kenntnis nehmen<lb/>
will. Ich bin fest davon überzeugt und Dr. <rs type="person" ref="#per__149218">Trimm</rs> bestätigt mir dies,<lb/>
dass diese irrsinnig hohen Ölpreise in den vergangenen Monaten nur<lb/>
dazu eführt haben, dass keine chemische Industrie, keine pharmazeuti<lb break="no"/>sche, keine Mineralwirtschaft mehr bereit ist, sich allein auf die<lb/>
Araber zu verlassen. Es werden jetzt nicht nur Wissenschaftler sonder<lb/>
die ganzen Betriebe mobilisiert, sich umzustellen und das wird ein<lb/>
furchtbarer Rückschlag für die arabischen Staaten werden. Ich bin<lb/>
überzeugt, dass die Chemiker und Wissenschaftler jetzt nicht den<lb/>
Kopf sich zerbrechen, wie sie auch Öl ihre Produkte besser und<lb/>
neue Produkte erzeugen, sondern dass sie eben jetzt sehr darauf sind,<lb/>
neue Rohstoffe zu finden, die auf anderer Basis ihnen ein gutes<lb/>
Geschäft ermöglichen. Was <rs type="person" ref="#per__149218">Trimm</rs> alledings befürchtet und hier<lb/>
stimme ich mit ihm überein, dass durch die weltweite Inflation<lb/>
die Rechenhaftigkeit und damit die Scheinumsätze, die ins Gigantische<lb/>
steigen, dazu führen, dass man inWirklichkeit Substanzverlust erlei<lb break="no"/>det.</p><pb n="20-0466" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-18_0466.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-18_09">Mein Hinweis, dass doch die Betriebe auf alle Fälle, wenn sie<lb/>
auch rechenhaft in gigantischen Ziffern in Hinkunft operieren,<lb/>
Substanz ja erhalten, weil sie doch neue Investitionen tätigen,<lb/>
entgegnete er mit dem Hinweis, dass aber aus diesen gigantischen<lb/>
Umsatzaufblähungen die Kostenverteuerungen noch stärker werden, als<lb/>
eigentlich ein Betrieb verkraften kann. Er versteht vollkommen, dass<lb/>
wenn diese Bilanzen von den Arbeitern gelesen werden, diese natürlich<lb/>
dann entsprechend höhere Lohnforderungen stellen, obwohl der Betrieb<lb/>
dies auf lange Sicht gar nicht verkraften kann. Hier glaube ich, irrt<lb/>
<rs type="person" ref="#per__149218">Trimm</rs>, denn in einer Inflation so wie in einer Konjunktur kommen die<lb/>
Unselbständigen immer zu kurz. Die Frage <rs type="person">Ruegers</rs>, was die Politiker<lb/>
gegen diese weltweite Entwicklung unternehmen, unternehmen können<lb/>
oder was ihre Absicht ist, konnte ich nur so kontern, dass ich sage,<lb/>
man bemüht sich, abermman soll fragen, was die Wissenschaftler dazu<lb/>
beitragen. Hier meinte <rs type="person" ref="#per__137219">Rueger</rs>, dass die Ökomomen vollkommen versagt<lb/>
hätten. In diesem Punkt musste ich ihm leider zustimmen. Eine gute<lb/>
Einführung bei den Deutschen ist scheinbar, dass man nach der Vor<lb break="no"/>speise schon die Reden hält. DAdurch konnte ich mich von dem sonst<lb/>
sicherlich sehr üppigen Mahl zeitgerecht verabschieden. Dass bei<lb/>
dieser Einladung die gesamt Chemieprominenz Österreichs anwesend war,<lb/>
Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs>, ÖIAG, Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__112054">Buchner</rs> Chemie Linz, Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> ÖMV,<lb/>
Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97938">Seidl</rs>, Lenzing, Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__137219">Rueger</rs>, Semperit, die Banken,<lb/>
Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs>, Girozentrale, <rs type="person" ref="#per__97789">Ockermüller</rs>, Länderbank.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__146918">Korolando</rs>, Volksbanken, <rs type="person" ref="#per__122965">Treichl</rs> hat sich ausdrücklich entschuldigen<lb/>
lassen, sei nur so nebenbei bemerkt. In meiner Jugend, d.h. meiner<lb/>
linken Phase im Leben hätte ich gesagt, heir sit das vereinigte<lb/>
Kapital von der Chemie, die Pläne schmieden, wie sie weiterhin ihr<lb/>
Imperium aufbauen und ausbauen. Jetzt muss ich kritisch analytisch<lb/>
sagen, dass dies sicherlich Nebenerscheinungen von solchen Abend<lb break="no"/>essen sind, in Wirklichkeit aber unzweckmässige zeitverschwendende<lb/>
Zusammenkünfte, wo man plaudert, sich persönlich näherkommt, aber<lb/>
wahrscheinlich doch keine konkreten Abschlüsse tätigt, und vor allem<lb/>
einmal keine wirkliche Strategie entwickelt. Auch hier müsste men<lb/>
zeitökonomisch Reformen einführen, aber selbst die sonst so gründ<lb break="no"/>lichen und so zielstrebigen Deutschen haben hier scheinbar noch<lb/>
an den traditionellen Formen festgehalten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-18_10"/></div>
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            <head>TB Wanke, 18.4.1974</head>
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