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            <title type="main">Dienstag, der 16. April 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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den Journalisten tarnen wollte, gab es keine Vorbesprechung für die<lb/>
Ministerratssitzung. Deshalb war ich sehr überrascht als <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
gegen meinen Ministerratsvortrag – Beitritt des Handelsministers<lb/>
zum Verein für Konsumenteninformation und gleichzeitige Zahlungs<lb break="no"/>verpflichtung in derselben Höhe als die vier Träger dieser Orga<lb break="no"/>nisation zu beschliessen – Einspruch erhob und um Rückstellung<lb/>
ersuchte. Er erklärte, dass er aus prinzipiellen Gründen keine<lb/>
Zahlungsverpflichtung auf unbekannte Höhe akzeptieren könne,<lb/>
die von Interessensvertretungen – AK, ÖGB, LWK, BHK – die Träger<lb/>
des Vereins für Konsumenteninformation – anhängen. Gleichzeitig<lb/>
verlagnte er, dass er als Vertreter der Staatsbeteiligung in den<lb/>
Organen vertreten sein müsse. Nach der Sitzung fragte ich <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>,<lb/>
warum er diese Auffassung nicht schon bei der Absprache, die mit<lb/>
ihm erfolgte, uns zur Kenntnis gebracht hat. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> erwiderte,<lb/>
dass nur ein Briefwechsel zwischen <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> und ihm existiert, wo er<lb/>
sich verpflichtet 6 Mill. S als Beitrag zum Verein für Konsumenten<lb break="no"/>information zu leisten. Den Ministerratsvortrag hätte er nicht ge<lb break="no"/>sehen. Ich war aber dann noch mehr überrascht, als ich nach einer Rück<lb break="no"/>sprache mit <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> erfuhr, dass tatsächlich mit dem Finanzministerium<lb/>
überhaupt nicht verhandelt wurde. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> hat angenommen, dass es<lb/>
ohne weiteres gelingen wird, die Zahlungsverpflichtung des Finanz<lb break="no"/>ministeriums festzulegen, wie er meint, ähnlich der ÖFVW. DOrt<lb/>
ist allerdings genau festgelegt, dass der Bund seinen Beitrag lei<lb break="no"/>stet und dass dann die Länder und die Handelskammer in jeweils 20 %<lb/>
zu diesem Budget beitragen. Hier ist also der Bund nicht abhängig, was<lb/>
die Länder und die Handelskammer beschliessen, sondern umgekehrt.<lb/>
Was die Mitwirkung des Finanzministers als Beteiligungsvertreter<lb/>
betrifft, so ist es für mich selbstverständlich, ähnlich wie es<lb/>
bei allen Studiengesellschaften aber auch sonstigen Vereinen ist,<lb/>
dass wo der Finanzminister finanzielle Belastungen hat, er selbst<lb break="no"/>verständlich dorthin einen Vertreter entsendet. Ich habe diese<lb/>
Meinung seit eh und je vertreten und angenommen, dass <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> mit dem<lb/>
Finanzminister resp. seinem Büro eine Sondervereinbarung viel<lb break="no"/>leicht getroffen hat.Peinlich ist nur, dass <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> die General<lb break="no"/>versammlung aber auch sein Budget auf Ziffern aufgebaut hat, die<lb/>
wahrscheinlich nicht zu erreichen sein werden.</p><pb n="20-0443" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-16_0443.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-16_03">Hier muss er entsprechende Änderungen vornehmen. Ich habe<lb/>
ihm empfohlen, sich mit dem Büro des Finanzministers – <rs type="person" ref="#per__110922">Vranitzky</rs> –<lb/>
ins Einvernehmen zu setzen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-16_04"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erklärte auch bei der Ministerratssitzung, dass er in<lb/>
Hinkunft erwartet, dass die Minister stärker zu Repräsentationsver<lb break="no"/>pflichtungen herangezogen werden, da er sich selbst entlasten<lb/>
möchte. Ich nützte die Gelegenhiet, um zu fragen, ob er oder<lb/>
wer nun die Gaspipeline TAG die <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> mir so ans Herz legte,<lb/>
eröffnen würde. Sachlich zuständig wäre <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs>, <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> erwartet,<lb/>
dass ich sie eröffne, und <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs> hat nun <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> dezidiert erklärt,<lb/>
dass der Bundeskanzler grössten Wert darauf legt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte,<lb/>
dass dies ein Missverständnis sein müsse, denn er hätte nur <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs><lb/>
gegenüber erklärt, um zu dokuemntieren, dass er der Chef der Ver<lb break="no"/>staatlichten Industrie ist, dass bei der Verstaatlichten Grossinve<lb break="no"/>stitionen, die irgendwann einmal eröffnet werden, er in ERschei<lb break="no"/>nung treten möchte. <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs> häte dies scheinbar missverstanden<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat <rs type="person" ref="#per__115595">Reiter</rs> beauftragt, er solle mit Gen.Direktor <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs><lb/>
die Sache klären. Zum Glück habe ich immer die Meinung vertreten,<lb/>
dass es mir eprsönlich wirklich wurscht ist, ob ich zu einer<lb/>
solchen Eröffnung eingeladen werde oder ob ich dort auch eröffnen<lb/>
soll oder nicht. Entscheidend ist für mich nur, dass hie Veranstal<lb break="no"/>tungen, wo schwarze Landeshauptleute in ERscheinung treten, nicht<lb/>
diese das letzte Wort haben können und sollen. Genau dasselbe<lb/>
gilt, wenn die ÖVP über die Handelskammerorganisation oder sonst<lb/>
wo einen Redner stellen kann. Hier lege ich immer grössten WErt<lb/>
darauf, dass ich zum Schluss spreche, damit ich erstens darauf<lb/>
erwidere, wenn irgendwelche Angriffe kommen und zweitens überhaupt<lb/>
wie man mit Recht sagt, mit meinem Wiener Schmäh dieser ganzen<lb/>
Feierlichkeit eine eigene Note gebe. Fast würde ich sagen nach<lb/>
dem Motto: weniger würdig, dafür aber mehr herzlich.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-16_05">Die sogenannte Ministerratsvorbesprechung, die <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> uach deshalb<lb/>
so genannt wissen wollte, um nicht von Seiten der Öffentlichkeit<lb/>
grössere Erwartungen daran zu knüpfen, begann mit der üblichen<lb/>
<choice><choice><sic>4/3-stündigen</sic><corr>3/4-stündigen?</corr></choice></choice> Verspätung. Dadurch und weil <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auch noch Beamte<lb/>
mitnahm, die nicht der SPÖ angehören, war <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> deutlich sichtbar<lb/>
sehr verärgert. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wollte die Tagung unter gar keinen Umstän<lb break="no"/>den als Klausurtagung bezeichnen, weil er eine solche in abseh<lb break="no"/>barer ZEit machen will und dort dann entsprechende Impulse<lb/>
<pb n="20-0444" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-16_0444.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ausgehen sollen. Einleitend berichtet er über ein Gespräch <rs type="person" ref="#per__97632">Kirch<lb break="no"/>schlägers</rs> mit <rs type="person" ref="#per__115699">Tschu En Lei</rs>, wo dieer die Sowjetunion hart attackierte<lb/>
und sogar eine Vereinigung der Bundesrepublik Deutschland und der<lb/>
DDR erwartet. Bezüglich der Kriegsgefahr Sowjetunion ist es zumindeste<lb/>
für mich nichts Neues, weil auch <rs type="person" ref="#per__115699">Tschu En Lai</rs> bei meinem Besuch<lb/>
bei ihm dieselben Äusserungen und Meinungen vertreten hat. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
versucht immer jeder Besprechung, wenn irgednwie möglich, mit einem<lb/>
aussenpolitischen Thema zu eröffnen. Auf diesem GEbiet fühlt er sich<lb/>
deutlich sichtbar am wohlsten und wenn es zu einer Wahl <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschlägers</rs><lb/>
kommt, bin ich sehr gespannt, wen er dann als Aussenminister berufen<lb/>
wird. Dass er bei dieser GElegenheit das Kabinett auch teilwesie<lb/>
umbildet, glaube ich kristallisiert sich jetzt schön langsam heraus,<lb/>
obwohl natürlich über dieses Problem überhaupt noch in keinem Gremium,<lb/>
wo cih anwesend war, also auch nicht im Parteivorstand darüber gespro<lb break="no"/>chen wurde. Man erwartet aber allgemein, dass er auf seinem ursprüngli<lb break="no"/>chen Plan bestehen wird, im Landwirtschaftsministerium einen Staats<lb break="no"/>sekretär für Bauernfragen, insbesondere Bergbauernfragen einzusetzen.<lb/>
Früher war dies der ÖVP-Mann in der Präsidentenkonferenz <rs type="person" ref="#per__137886">Stummer</rs>,<lb/>
jetzt denkt er an den Direktor der Bundesforste Gen. <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs>. Ich habe<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> über diese ABsicht, die ich von niemandem konkret hören konnte,<lb/>
informiert und <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> aht dezidiert erklärt, dann geht er in Pension.<lb/>
Auch <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs>, der sehr verdrossen ist, wie ich am Reisseck fest<lb break="no"/>stellen konnte, soll einen neuen Job erhalten. Solche personelle<lb/>
Umbesetzungen sind immer sehr unangenehm und ich bin froh, dass<lb/>
ich ncht in Gremien bin, wo hier die entsprechenden Beschlüsse<lb/>
fallen. WEnn jemand glaubt, dass dies eine angenehme Beschäftigung<lb/>
ist, dann irrt er ganz gewaltig. Letzten Endes muss dies der Partei<lb break="no"/>obmann durchführen, das Präsidium deckt ihn höchstens durch Beschlüs<lb break="no"/>se und zu der ganzen Arbeit, die er hat noch diese unangenehme Tätigkeit<lb/>
darum ist <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wahrlich nicht zu beneiden. Wenn jemand glaubt, dass<lb/>
diesr Job erstrebenswert ist, dann muss er schon wirklich keine<lb/>
Ahnung haben, was daran hängt und wenn er überhaupt danach strebt,<lb/>
schon eine gehörige Portion Arbeitskraft und Mut, nicht nur was<lb/>
die Verantwortung betrift, sondern auch die notwendige Härte, um eben<lb/>
diesen Job erfüllen zu können. Ich hätte ihn sicher nicht und strebe<lb/>
ihn auch wahrlich im wahrsten Sinne des Wortes niemals an. Gott sei<lb/>
Dank komme ich sowieso nith in Frage. <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> würde dies wieder nur<lb/>
als BEstätigung finden, dass ich halt doch kein Politiker bin,<lb/>
wie ich seit eh und je behaupte und wie er seit eh und je bestritten<lb/>
hat. Alledings glaube ich hat er in der letzten Zeit seine Meinung<lb/>
<pb n="20-0445" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-16_0445.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>diesbezüglich – so hoffe ich – zumindesntens auch geändert. IN<lb/>
der Pause diskutierte ich mit <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs>, <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> und <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> überhaupt<lb/>
die politische Entwicklung. <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> ist deshalb ein wenig be<lb break="no"/>sorgt, weil er meint, eine sozialistische Regierung eigentlich<lb/>
viel zu wenig für die Interessen der Arbeiterklasse macht. <rs type="person" ref="#per__97444">Heinzi</rs><lb/>
ist noch immer ein verhältnismässig radikaler Linker. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> er<lb break="no"/>klärt dieses Phänomen so, dass eben ich z.B. ein äusserst guter Ver<lb break="no"/>walter des Handelsministeriums bin und damit automatisch der Handels<lb break="no"/>kammer mher Erfolge und Lösungen bringe als jemals ein ÖVP-ler<lb/>
imstande war. Als Beispiel führte er die Gewerbeordnung an. Meine<lb/>
Erklärng geht einfach dahin, dass in einer Hochkonjunktur die Unter<lb break="no"/>nehmer immer besser abschneiden und ich diese Arguemtnation ja bereits<lb/>
in der ÖVP-Regierung d.h. in unserer Oppositionszeit auch immer in<lb/>
allen Vorträgen und Referaten den Kollegen aber auch Genossen, je<lb/>
nachdem ob es in der Gewerkschaft war oder in der Partei immer aus<lb break="no"/>einandergesetzt habe.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-16_06"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, dass die Bevölkerung im negativen Sinne jetzt<lb/>
motiviert wird. Die Unzufriedenheit der Rentner, trotz der 10,4 %<lb/>
Erhöhung und der 3 % die im Juli kommen, die Kronen-Zeitung, die die<lb/>
Politikerbezüge jetzt wieder schräfen unter Beschuss nimmt und<lb/>
damit natürlich in der Bevölkerung etnsprechenden Widerhall findet.<lb/>
Die Begründung für die Preiserhöhung zwar für den Fachmann einleuch<lb break="no"/>tend sind aber dem Konsumenten überhaupt nicht befriedigen und des<lb break="no"/>halb von ihm auch nicht akzeptiert werden. <rs type="person" ref="#per__148990">Philipp Rosenthal</rs> aus der<lb/>
BRD ihm in Lech erzählte, dass auch in der BRD die Sicherheitsgründe<lb/>
für die Person und für den Sparer grösser sind als irgendwelche<lb/>
sonstigen ERwägungen. 10 % Preissteigerungen bedeuten eben, dass<lb/>
der Sparer verunsichert wird. Der Index wirkt im negativen und<lb/>
nicht im positiven Sinne. In der Preisfrage müsstne wir Politik<lb/>
auf mehrere Ziele ausrichten. Die Bundespolitik spielt immer eine<lb/>
grosse Rolle . Der Häftlingsurlaub derzeit scheinbar gegen die<lb/>
Sicherheit der Menschen gerichtet und deshalb eine richtige Beun<lb break="no"/>ruhigung. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> erklärt zwar dann in der Diskussion, dass dieses<lb/>
Problem bereits seit November im Parlament uim Zuge seiner Straf<lb break="no"/>rechtsreform liegt und erst jetzt von den Zeitungen so hochgespielt<lb/>
wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint doch noch ein Drittel als Strafnachlass aufge<lb break="no"/>teilt würde den Häftlingsurlaub leicht erklären können, doch ist<lb/>
auch er überzeugt, dass <rs type="person" ref="#per__112626">Hauser</rs> und <rs type="person" ref="#per__112589">Zeillinger</rs> die im Prinzip angeb<lb break="no"/>lich für eine soche Reform sind, jetzt sicherlich <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> im Stich<lb/>
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und Salzburg hat man wieder auf den Slogan, die Entfremdung<lb/>
des Grundbesitzes und eine andere Salzburger Landesproblematik<lb/>
gehofft, mehr und besser abschneiden zu können. In NÖ wird<lb/>
nun von <rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs> und Genossen ene neue Parole<lb/>
gebracht, man drückt sich nicht von der Bundespolitik sondern<lb/>
steht im Gegneteil auf dem STandpunkt, dass diese sehr wohl diskutier<lb/>
werden soll. Insbesondere aber greift man den Bauernbund an, weil<lb/>
er das Land führt, obwohl eigentlich die Industrie immer stärker<lb/>
wird und keine entsprechende Vertretung hat. Von der Industrie ist na<lb break="no"/>türlich nicht nur der Unternehmer sondern auch die Arbeiterschaft zu<lb/>
verstehen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist auch überzeugt, dass wennes zu Bundes<lb break="no"/>präsidentenwahl kommt, <rs type="person" ref="#per__98091">Withalm</rs> als Repräsentant oder Kandidat der<lb/>
ÖVP gegen die Bundespolitik wettern wird. Der SPÖ bleibt dann nichts<lb/>
anderes übrig als den Slogan zu finden, man wählt den Menschen und<lb/>
nicht eine Politik. In der Propaganda weist <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> darauf hin,<lb/>
dass die Slogans sich nicht wiederholen sollen. Der Ausdruck modernes<lb/>
Österreich und für ein <sic>Moderndes</sic> Österreich sollte jetzt endlich<lb/>
verschwinden, allerdings frage ich mich, warum wir dann ein verhält<lb break="no"/>nismässig gutes – glaube ich – Plakat nämlich das Manderl-Plakat<lb/>
mit modernem Österreich jetzt gerade angebracht haben. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
plädiert eigentlich mehr für Schwarz-Weiss-Plakate mit harten Slogans<lb/>
ÜBerhaupt möchte er eine stärkere Konfrontation. Ihm genügt daher<lb/>
auch nicht emhr, das Preisregelunggesetz als Rute im Fenster, sondern<lb/>
er möchte, dass darum hart gekämpft wird. Wenn schon kein Preis<lb break="no"/>stop, dann eine selektierter Preisstop und starke Landeshaupt<lb break="no"/>leutekompetenzen in diesen Fragen. Den Erzeugerpreis meint er<lb/>
hätte man in der Paritätischen Kommission einigermassen im Griff und<lb/>
nur der Zwischenhandel und überhaupt die Handelsstufen verteuern<lb/>
und könnten am meisten verdienen. Man dürfe nicht von der Annahme<lb/>
ausgehen, dass die Volkspartei das Gesetz unbedingt ablehnen wird.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> hat in de Diskussion dann auch gemeint, dass die harte Kon<lb break="no"/>frontation notwendig ist und insbesondere bei dem Entwurf des<lb/>
Preisregelungsgesetzes das Handelsministerium wesentlich stärkere<lb/>
Kompetenz für sich beanspruchen sollte und nicht den Landeshauptleuten<lb/>
übertragen und die Handelsspannen mit Fixbeträgen und im Gast- und<lb/>
Schankgewerbe entsprechende Vorschriften geschaffen werden müssen.</p><pb n="20-0447" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-16_0447.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-16_07">Hier ist das berühmt-berüchtigte Beispiel, dass bei Braupreis<lb break="no"/>erhöhungen um 30 – 40 Groschen je Krügel dann in der Gaststätte<lb/>
dann oft um einen Schilling mehr verlangt wird. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> hält nicht<lb/>
sehr viel davon, die Preiskompetenzen den Landeshauptleuten zu<lb/>
geben, weil dort meistens sogar Sozialisten als Landesräte dafür<lb/>
zuständig sind. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> möchte am liebsten ein Paket konkreter<lb/>
politischer Massnahmen. Im Laufe der Diskussion hat er dann diese<lb/>
Vorschläge entsprechende motiviert und auch teilweise geändert.<lb/>
An der Spitze steht natürlich die Stabilitätsbemühung. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
wird jetzt die 3. Phase in eine 4. ab 1.7.1974 überleiten.<lb/>
Acuh er möchte ein ganzes Paket machen. Der Steueranteil sinkt<lb/>
ständig. Deshalb musste er das Defizit von 11,2 auf 12,8 1973<lb/>
zur Kenntnis nehmen. 1974 sind 10,8 Mia präliminiert werden aber<lb/>
12,8 Mia sein. 1975, wo die Einkommenssteuer 1973 erstmals<lb/>
wirksam wird, gleichzeitig aber auch die Lohnsteuer mit 1.1.1975<lb/>
wird ein Defizit von 17 Mia S erwartet. Vom Budgetseite könnte<lb/>
deshalb keine grosse Unterstützung für Aktionen mehr gegeben werdne.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> möchte aber, um einigermassen in der Stabilität etwas zu<lb/>
tun, überlegen, ob wir nicht z.B.die Telefongebührerhöhung zurück<lb break="no"/>stellen sollten <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> verwies darauf, dass dies eine Katastrophe wäre<lb/>
weil er pro Monat 100 Mill. S Einnahmeverlust hat und dies auch am<lb/>
Kapitalmarkt, wo er bereits 600 Mill aufnehmen sollte, nicht decken<lb/>
könnte. Mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> war scheinbar in Lech bereits vereinbart,<lb/>
dass man für Lebensmittel, die der Preisregelung unterstehen<lb/>
gegebenenfalls die Mehrwertsteuer senken, resp. auf Null abbauen<lb/>
sollte, in BEtracht ziehen könne. Hier hat <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> sich sofort gemel<lb break="no"/>det und darauf hingewiesen, dass insbesondere die Mehrwertsteuer<lb break="no"/>regelung für die Mieten eine Verteuerung gebracht hat. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
beharrt aber darauf, dass dieses in Wirklichkeit nur scheinbar<lb/>
ist, denn für die Neubauwohnungen würden bei Mehrwertsteuer<lb/>
Nullstellung noch höhere Zinse sich ergeben. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> möchte auch<lb/>
die Einkommen, wie er meitne auch 1973 einbinden. Für 1973 hat<lb/>
er daruaf hingewiesen, dass eine Zwischenlohnrunde von den Gewerk<lb break="no"/>schaften durchgeführt wurde und auch sosnt grösste Zurückhaltung<lb/>
im Generellen zu verezichnen war. Die Kreditpolitik muss fortge<lb break="no"/>setzt werdnen, die Erhöhung der Zinsen wird eine weitere Ver<lb break="no"/>teuerung bringen. Aussenwirtschaftlich muss man absichern und<lb/>
insbesondere die Nicht durchgeführt Aufwertung, d.h. im selben<lb/>
Ausmass wie die DM durchgeführte Aufwertung sollte man eventuell<lb/>
jetzt nachholen. Der Export hat eine explosionsartige Entwicklung<lb/>
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Aufwertung vertragen. Sicherist, dass eine gewisse Stabilitäts<lb break="no"/>wirkung von einer Aufwertung, ob wir sie jetzt de facto führen<lb/>
oder über das Floaten erreichen, zu erwarten it. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> verwies<lb/>
daruaf und damit hat er glaube ich dann den Kern des Problemes be<lb break="no"/>rührt. dass die SPÖ jetzt kein einheitlicher Block mehr ist. Die<lb/>
Länder und die Bundespolitik wird von verschiednen Gesichtspunkten<lb/>
betrieben, auch die SPÖ-Presse ist nicht mehr koordiniert und<lb/>
unterstützt die Regierung nicht etnsprechend. Im Preiskampf könnte<lb/>
man nur Einzelpreise immer wieder aufzeigen und die ÖVP schuldig wer<lb break="no"/>den lassen. Er hat auf Grund des Lebenshaltungskostenindex z.B. was<lb/>
den Wohnungsaufwand betrifft, Installateur, Ausmalen und so weiter<lb/>
auf diese ENtwicklung besonders vewiesen. Auf Grund der Volkseinkom<lb break="no"/>mensrechnung meint er allerdings, dass 1972 die Unselbständigen<lb/>
14 % Erhöhung erreicht haben, die Selbständigen 16 %. 1973<lb/>
die Unselbständigen 16 % und die Selbständigen 18 %. Dies noch wo<lb/>
ca. 150.000 Unselbständige mehr wurden in den beiden Jahren<lb/>
während die Selbständigen um 15 – 20.000 abgenommen haben. Ds Pro-<lb/>
Kopf-Einkommen hat sich daher noch wesentlich zu Ungunsten der<lb/>
Unselbtändigen verschoben. <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> hat, wie er sagt, eine neue Er<lb break="no"/>kenntnis: Wahlen sind nicht zu kaufen ! Er bezieht sich darauf, dass<lb/>
man in Salzburg so viel an Strassen gemacht hat. Für mich ist das keine<lb/>
neue ERkenntniss, denn ich erinnere mich noch sehr gut wie <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs><lb/>
bei einer verlorenen Wahl auf der Landstrasse innerlich wirklich<lb/>
empört war, weil in Gebieten, wo er viel über die verstaatlichte<lb/>
Industrie investiert hat, es überhaupt keinen Niederschlaggefundne<lb/>
hat, im Gegentil, dort sogar Stimmenverluste aufgetreten sind.<lb/>
Zu glauben, dass die Bevölkerung grosse Leistungen anerkennt, ist<lb/>
ein grosser Irrtum, dies insbesondere dann, wenn man nicht imstande<lb/>
ist, die Masse der Bevölkerung über die Medien immer wieder mit den<lb/>
positiven Ergebnissen zu beeinflussen. Hier erwarten sich alle von<lb/>
der ORF-Reform Wunder. Auch darüber gab es eine heftige Diskussion,<lb/>
wieso eigentlich die schon beschlossene Terminisierung wieder abge<lb break="no"/>setzt wurde. Die FPÖ hat sich, wie mir <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> dann versicherte,<lb/>
bei <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dafür eingesetzt, man solle weiter verhandeln, man wird<lb/>
zu einem Ergebnis kommen. Ich bin überzeugt, dass man zwar in den<lb/>
unwichtigen Fragen vielleciht zu einem Ergebnis kommen wird, aber<lb/>
im Kern der Sache, nämlich wer die Organe bestellt und wie die<lb/>
Organe sich zusammensetzen, es keine einvernehmliche Regelung geben<lb/>
wird. Richtig ist, dass eine Terminisierung uns auch nichts genützt<lb/>
hätte, weil im April und Mai der Bundesrat dann auf alle Fälle<lb/>
<pb n="20-0449" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-16_0449.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dagegen Einspruch erhoben hätte und wir erst im Juni oder<lb/>
Juli besser gesagt die entsprechenden Beschlüsse fassen sollen,<lb/>
weil dann im Bundesrat wir die Mehrheit haben und keine Einsprüche<lb/>
mehr zu erwarten sind. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> formulierte zum Schluss dann 6 Punkte</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-16_08">1. Eine Preisstrategie. Die AZ und die Soz. Korrespondenz muss diese<lb/>
Fragen im politischen Teil bringen und nicht nur im Wirtschaftsteil<lb/>
den er selbst macnhmal für zu hoch und für gar nicht zeilführend<lb/>
betrachtet.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-16_09">2. Die Abwehr der ÖVP-Aggression durch Offensive der SPÖ.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-16_10">3. Gegen die Bodenspekulation.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-16_11">4. Ein zweckmässiges undzielgerichtetes Preisregelungs- er sagte<lb/>
Preisbestimmungsgesetz.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-16_12">5. Eine Steuerstabilisierungs- und Sparpolitik</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-16_13">6. Die fRage des Wohnungs- Mieterschutz- und Mietenproblems.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-16_14">Im Detail sollen die Dienstautos neuerdings überprüft werden, hier<lb/>
meitn <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ist nicht mehr viel zu holen, die Beamtenaufblähung,<lb/>
insbesondere die höheren Dienstposten – die Gruppe VIII – genau unter<lb/>
die Lupe genommen werden, weil hier auch Organisationsänderung<lb/>
dazu führen, dass Leute Ministerialposten bekommen können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-16_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> für unser Haus<lb/>
darüber sprechen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-16_16">Über den Kohlenbergbau wird der Bundeskanzler, Finanzminister und<lb/>
Handelsminister und <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> eine Aussprache, wie man den sanieren<lb/>
kann. führen. Mit den Professoren soll eine Diskussion, Bundeskanzler<lb/>
Finanzminister Handelsminister wieder stattfinden. Die ÖNORM sollte<lb/>
untersucht und geändert werden, wobei die Verdingungs- und Preis<lb break="no"/>norm ganz besonders unter die Lupe genommen werden soll. Der Bauten<lb break="no"/>minister, Finanzminister und Innenminister und Handelsminister. Hier<lb/>
hat sich <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> ganz besondrs wegen der Anerkennung durch Nachträge<lb/>
der Lohnkorrekturen kritisch geäussert. Die Wahlbewegung des Bundes<lb break="no"/>präsidenten wird auch von der Aktion Leben der ÖVP gegen den § 144<lb/>
überschattet sein. Hier müsste nun die Aktion Leben der SPÖ einsetzen<lb/>
Die öffentliche Kampagne für Familienberatung im Budget 2,5 Mill.<lb/>
vorgesehen, der Finanzminister verlangt Ausschreibung, was für<lb/>
jeder Firma Repräsentationskosten von 100.000 S mindestens kosten<lb/>
würde. Die Regierung ist durch eine Beschluss des Nationalrates<lb/>
gedeckt, positive Begleitmassnahmen zu setzen. Da der Sozial-<lb/>
<pb n="20-0450" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-16_0450.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Indikator nicht möglich ist, soll nun an Fällen von neun Proto<lb break="no"/>typen in jedem Bundesland ein Bauer, ein Angestellter , ein Rentner<lb/>
die Leistungen der Sozialisten herausgestrichen werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-16_17">Interssant war die Sektionsleiterbesprechung bei uns im Bezirk.<lb/>
Auch dort war die Stimmung sehr gereizt, UNsere Funktionäre haben<lb/>
ein gutes Gefühl und spüren natürlich auch, dass in der Bevölkerung<lb/>
aber ach in unserer Mitgliedschaft nicht mehr die Hochstimmung<lb/>
und die Siegeszuversicht so war wie in den vergangen 3 Jahren.<lb/>
Im letzten Jahr haben wir eben einen gewissen Dämpfer aufgesetzt<lb/>
bekommen. IN Wirklichketi bin ich aber über diese Kritik sehr<lb/>
dankbar, auch dann, wenn <rs type="person" ref="#per__97309">Adelpoller</rs> und <rs type="person" ref="#per__97582">Jacobi</rs> mir unter 6 Augen<lb/>
dann sagte, sie würden schon längst hineinpfauchen, wenn man sie<lb/>
so angeht. <rs type="person" ref="#per__97309">Adelpoller</rs> meinte, er habe es wesentlich leichter gehabt<lb/>
als er jahrzehntelang die Organisation geführt hat. Ich glaube, das<lb/>
die Genossen ein Recht haben und es meine Pflicht ist, dort Rede<lb/>
und Antwort zu stehen und habe sogar von <rs type="person" ref="#per__112986">Weisbier</rs> verlangt, dass<lb/>
unbedingt jetzt wieder eine Aussprache im AEZ organisiert werden<lb/>
soll.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-16_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte einen Termin vereinbaren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-16_19"/></div>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Tagesordnung 113. Ministerratssitzung, 16.4.1974</head>
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            <head>hs. Notizen (TO Ministerratssitzung Rückseite)</head>
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