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            <title type="main">Freitag, der  5. April 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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auf Erholung ist Besprechungen habe, teilt mit <rs type="person" ref="#per__114535">Staudinger</rs> mit,<lb/>
dass die Betriebe bereit sein werden, den Arbeitsausfall zu<lb/>
bezahlen. <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> von der AK ruft mich an und meint, er hätte<lb/>
so wie <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> Sorge, ob wir jetzt den Kollektivvertrag jetzt unter<lb break="no"/>schrieben bekämen, nachdem bis jetzt noch immer nicht ein solches<lb/>
Exemplar bei der Preiskommission vorgelegt werden konnte. <rs type="person" ref="#per__114535">Staudinger</rs><lb/>
steht auf dem STandpunkt, dass gar keine Gefahr besteht. Die Unter<lb break="no"/>nehmer haben sich bis jetzt an Vereinbarungen, auch wenn sie nur<lb/>
mündlich getroffen wurden, gehalten und er zweifelt nicth,dass<lb/>
sie das auch in Zukunft tun werden. Unsere Organisation ist stark<lb/>
genug und sie fürchten dies und würden deshalb niemals eine Ver<lb break="no"/>einbarung einseitig treffen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-05_03">Bei der 10. Tagung der Exekutive III, das sind die Werkstätten<lb/>
der ÖBB, hatte ich das wirtschaftspolitische Hauptreferat. Hier<lb/>
fühle ich mich sichtbar wohl, referiere in meiner alten gewohn<lb break="no"/>ten Art, alle unangenehmen Dinge eingehend und doch mit einer<lb/>
gewissen Skepsis, wie z.B. bei der Preisentwicklung. Der Vor<lb break="no"/>sitzende meint zum Schluss, ich hätte ihnen jetzt für März 9,5 %<lb/>
vorausgesagt und trotzdem frenetischen Beifall bekommen. Zuerst<lb/>
wollte man, als ich meine Taktik des Referierens unseren Spitzen<lb break="no"/>genossen dort mitteilte, gar keine Diskussion machen. Da ich sie<lb/>
aber dazu aufforderte und gleichzeitig provokant referierte,<lb/>
kam es natürlich dann zu einer viel längeren Diskussion als vorge<lb break="no"/>sehen war. Interessant war nur, dass sich von den Genossen haupt<lb break="no"/>sächlich Spitzenleute grösstenteils aus dem Präsidium meldeten<lb/>
von der KPÖ kamen alle drei Vertreter, ich glaube mehr gibt es<lb/>
gar nicht. Der ÖAAB ist bei diesen Vertrauenspersonen und immerhin<lb/>
waren 400 Delegierte, nicht vertreten. Die Eisenbahner und ganz<lb/>
besonders Werkstättler sind normalerweise sehr gefürchtet. Jetzt<lb/>
frage ich mich wirklich, wieso ich bei den kritischesten Gruppen<lb/>
so gut ankomme. ICh glaube, es liegt wirklich daran, dass ich ihnen<lb/>
nicht vorlüge und sie deshalb ein grosses Vertrauen und mir einen<lb/>
grossen Vertrauensvorschuss entgegenbringen. Eines ist mir voll<lb break="no"/>kommen klar, die darf und werde ich nie enttäuschen.</p><pb n="20-0426" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-05_0426.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-05_04">Im Institut hatten wir eine grosse Besprechung mit allen unseren<lb/>
davon betroffenen Sektionsleitern <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs>, <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> aber auch <rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs>,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs>, <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs>, <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs>, <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> und dem Büro, vom ÖGB <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs><lb/>
von der AK <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> über die Vorgangsweise wegen der Preissituation<lb/>
und der neuen Preisgesetze. Die Aussprache mit den Landeshauptleuten<lb/>
wird keinerlei Schwierigkeiten bringen, denn die Gefahr, die manche<lb/>
Kollegen sehen, dass die Landeshauptleute letzten Endes gar nicht<lb/>
komen und nur andere Landesräte oder nur Beamte schicken fürchte<lb/>
ich nicht. Je weniger sich die Landeshauptleute selbst deklarieren<lb/>
und je weniger die LH Aktivität entwickeln, umso besser für mich.<lb/>
Die einzige grosse Gefahr ist nur, dass wir selbst nicht wissen,<lb/>
wie und in welchem Ausmass wir die neue Preiskompetenz im Handels<lb break="no"/>ministerium ausbauen und vor allem entsprechende Gesetzentwürfe<lb/>
vorlegen sollen. WEnn wir rechtlich einwandfreie Formulierungen<lb/>
finden, ergibt sich ein furchtbar kompliziertes Vorgehen. WEnn wir<lb/>
aber, was anzunehmen ist, eine weitgehende Ermächtigung dem Handels<lb break="no"/>minister geben wollen, dann gibt es rechtlich grosse Bedenken.<lb/>
Dies wird letzten Endes auch die ÖVP dann nützen, um nicht nur<lb/>
diktatorische Gelüste zu unterschieben sondern wahrscheinlich auch<lb/>
noch auf die Rechtssituation besonders hinweisen. NAtürlich wird<lb/>
dies bei der Bevölkerung nicht übermässig stark ankommen und die<lb/>
ÖVP wird mit dieser Argumentation genauso wenig Erfolg haben wie wir,<lb/>
wenn wir immer jetzt erklären,wir bräuchten eine Zweidrittelmehr<lb break="no"/>heit und haben sie bis jetzt nicht erhalten. Die Bevölkerung will<lb/>
rigendwie, fast auf ein Wunder hoffend, einen entsprechenden Einfluss<lb/>
der Regierung auf die Preisentwicklung. Dies aber wird sich<lb/>
heruasstellen, ist nicht möglich, Die grosse Gefahr ist, dass wir<lb/>
ähnlich wie die Stadt Wien ein "Baumgesetz" dann letzten Endes<lb/>
gebären. Jeder sagt, die Bäume sind wichtig, sie sollen nicht ge<lb break="no"/>schlagen werden, jeder weiss aber, dass eine Stadt, wenn sie sich<lb/>
entwickelt und selbst wenn sie sich verbessert, entsprechende Bäume<lb/>
fällen muss, das Endergebnis ist eben, dass jetzt dann eine Lösung<lb/>
kommt, wo man zwar Bäume nicht schlagen soll, wenn mans tut aber<lb/>
dann 300 m im Umkreis neue pflanzen kann und wenn dies nicht möglich<lb/>
ist, eben ein Pönnale von 8 oder 10.000 S pro Baum bezahlen. Das<lb/>
Preisgesetz übertragen, jeder weiss, dass im Zuge der wirtschaftlichen<lb/>
Entwicklung Preissteigerungen notwendig, ja fast mit Sicherheit<lb/>
garantiert werdne können, jeder weiss, dass durch die Abhängigkeit<lb/>
Österreichs nicht zuletzt allein durch die Importe sondern vor allen<lb/>
einmal auch durch die wirtschaftliche Entwicklung Westeuropas<lb/>
<pb n="20-0427" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-05_0427.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>und deren Preisentwicklung auch die österreichischen Unternehmer<lb/>
die Preissteigerungen durchführen werden, weil sie sie durchführen<lb/>
müssen, jeder weiss, dass wir vielleicht punktuell in dem einen<lb/>
oder anderen FAll optisch viel machen können, aber in der Praxis<lb/>
und im Effekt kaum etwas erreichen werden und dennoch wird jetzt<lb/>
vom Handelsminister als dem dafür zuständigen verlangt, er möge<lb/>
eine gesetzliche Regelung durchführen, die selbst, wenn die ÖVP<lb/>
zustimmen würde, kaum administrierbar ist. Ich bin eigentlich am<lb/>
meisten gespannt, was <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, mit denen ich am Montag<lb/>
meinen üblichen Jour fixe nach längerer Zei wieder habe, zu dieser<lb/>
ganzen Entwicklung sagen werden. Zustimmen können und werden sie unter<lb/>
gar keinen Umständen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-05_05"><rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> hat bei seiner gestrigen Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> darauf<lb/>
hingewiesen, dass die Bauern sehr unruhig sind und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat des<lb break="no"/>halb die Bauernbündler mit <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> und mir zu einer Aussprache einge<lb break="no"/>laden. Dort hat er einleitend erklärt, es handelt sich um ein<lb/>
Informationsgespräch, weil in der Vorbesprechung er gemeint hat,<lb/>
es gibt kaum eine Möglichkeit, ihnen nachzugeben. <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs><lb/>
präzisierte ihre Forderungen, sie wollten inder Milchpreis index<lb break="no"/>schonende Vorgangsweise und schlugen deshalb vor, 170 Mill. S<lb/>
für Exporte, 65 Mill. für das 3/4 Jahr Milchkrisengroschen 5 Gro<lb break="no"/>schen Abgeltung durch den Staat und 65 Mill. Magermilchpulver<lb break="no"/>vergütung, insgesamt 305 Mill. Für die Schlachtexportrinder wollten<lb/>
sie statt 4.- l.- S mehr, was ungefähr 10 – 15 Mill. ausmacht. Auch<lb/>
für Nutzrinder, wo sie derzeit 600 und die Bergbauern 1.200 S Sub<lb break="no"/>vention bekommen, wollten sie ebenfalls um 600 S mehr. Den Diesel<lb break="no"/>treibstoff wollten sie nach wie vor als gefärbtes Heizöl, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
meinte aber, das wäre unmöglich, die 23 Groschen könnten keinesfalls<lb/>
auf den Konsumenten überwälzt werden, worauf sie sich auch mit<lb/>
einer Subvention einverstanden erklärten. Das Finanzministerium,<lb/>
d.h. der dortige Vertreter rechnete 399 Mill. S. Die Bauern meint<lb/>
das seien maximal 77 Mill. Getreide müsste bis zum 15. Juni fest<lb break="no"/>gesetzt sein und für Zucker seien angeblich Gespräche im Gange<lb/>
dies treffe nicht zu, da der Kollektivvertrag aber mit 30.4.<lb/>
abläuft, erwarten sie gleichzeitig Zug um Zug auch eine Erhöhung<lb/>
des Rübenpreises. Für Handelsdünger wollten ebenfalls eie ent<lb break="no"/>sprechende Regelung, Die Zuschussrente müsste nun endlich konkretisiert<lb/>
werden. 72 % haben sich für einen Milchlieferstreik aufgesprochen<lb/>
<pb n="20-0428" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-05_0428.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>und die Bauernbundexekutive hat beschlossen, einen Warnstreik noch<lb/>
im April mit 2 Tagen begrenzt. 63 % hatten sich für einen Käufer<lb break="no"/>streik ausgesprochen, und zwar würde hier am Tag X der Bauernbund<lb/>
aufrufen, ein Jahr lang keine Maschinen zu kaufen. Jetzt entwickelte<lb/>
sich eine stundenlange Diskussion, die letzten Endes dann zweimal<lb/>
unterbrochen <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> veranlasste, doch darauf hinzuweisen, ihm<lb/>
käme eine Bauerndemonstration jezt sehr ungelegen. Er schlug des<lb break="no"/>halb intern vor, das Magermilchpulver, welhes 136,5 Mill. S durch<lb/>
Erhöhung um 30 Groschen bringen soll, soll mit 65 Mill. ca. ge<lb break="no"/>stützt werden, nämlich die 30 Groschen sollen mit 15 Groschen halbiert<lb/>
zusammengesetzt werden. Gleichzeitig meinte er müsse man auch eine<lb/>
inländische Butteraktion wieder starten. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> verwies darauf, dass<lb/>
das Inlandslager jetzt von 2600 t auf 3.600 t für den Ostervorrat schon<lb/>
zurückgegangen sei. WEnn das Lager wieder 3.000 t erreicht hat, was<lb/>
bald nach Ostern der Fall sein wird, dann könnte eine solche Inlands<lb break="no"/>aktion starten. Über die Höhe wurde nichts gesagt, auch nicht über<lb/>
die Kosten, die dem Finanzminister dort erwachsen. Bei Vieh hat<lb/>
er ja durch den Finanzminister <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> schon zugestanden, dass dieser<lb/>
48 Mill. S zusätzliche Exportmittel bekommt, um die Italien-Exporte<lb/>
aufrechterhalten zu können. Hier wollte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nueerliche eine<lb/>
Inlandsaktion,, das bedeutet weitere 20 Mill. S. Bezüglich des<lb/>
Dieseltreibstoffes ist <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bereit, ihnen statt 70 Mill. Ver<lb break="no"/>billigung zusätzlich für das Jahr 1974 100 Mill. zur Verfügung zu<lb/>
stellen. Zu den bereits jetzt 380 im Budget eingesetzten werden also<lb/>
dann heuer 100 Mill. und im nächsten Jahr dann wahrscheinlich der<lb/>
doppelte Betrag dazukommen. Die Bauern haben sich für heuer eine<lb/>
Belastung von 170 Mill. S ausgerechnet. Wie weit das stimmt,<lb/>
kann ihc nicht prüfne. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> machte den Bauernvertreter diesen<lb/>
Vorschlag, die verlangten dann eine Unterbrechung und da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
zum Bundespräsidenten gehen musste, beschlossen wir dann auf Montag<lb/>
nach dem Nationalrat eine weitere Besprechung mit den Bauern, wo auch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> anwesend sei. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat nämlich sehr geschickt den Bauern<lb/>
gegenüber gesagt, hier handelt es sich nur um eine Verwendungszusage<lb/>
denn letzten Endes müsste der Finanzminister erst die Zustimmung<lb/>
geben. Formell versteht <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> immer sehr geschcikt die Kompetenz der<lb/>
einzelnen Minister einzuhalten. Materiell hat er naütrlich <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
schon so weit präjudiziert, dass dieser kaum etwas andres machen<lb/>
kann, als zuzustimmen. Ich kann und will die politische Lage nicth<lb/>
<pb n="20-0429" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-05_0429.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>beurteilne, ob tatsächlich ein weiteres <choice><choice><sic>NAchgehen</sic><corr>Nachgeben?</corr></choice></choice> dem Bauern<lb break="no"/>bund zweckmässig sit. Aber auf alle Fälle diese Art der Ver<lb break="no"/>handlungsführung. Da die Bauernverbände immer vereinzelt und damit<lb/>
jeder für sich eine entsprechenden Erfolg erreichen wollen, kommt<lb/>
es dazu, dass in diesen Fragen inWirklichkeit nicht einmal sondern<lb/>
dreimal bezahlt wird. Abgesehen davon, dass er damit eigentlich<lb/>
die Bauernvertreter nicht aufspaltet, wie er immer gehofft hat,<lb/>
verärgert er nur immer den Vorletzten, weil er glaubt, mit seinem<lb/>
Ergebnis hätte er das Maximum herausgeholt und dann kommt der nächst<lb/>
und erreicht wieder mehr. Zum Handkuss kommendabie am meisten<lb/>
der Arbeitsbauernbund. Der ist mit den ersten Ergebnissen schon<lb/>
zufrieden, ist dann in einer schwierigen Situation. um gerade noch<lb/>
bei den Freiheitlichen oder Allgemeinem Bauernverband mitzureden,<lb/>
diese dann alle werden wahrscheinlich, wenn sie nun erfahren, dass<lb/>
der Bauernbund weitere Erfolge erzielt hat, naütrlich umso mehr ver<lb break="no"/>ärgert sein. Ohne mir etwas einzubilden, aber hier haben wir<lb/>
in der Vergangenheit als Interessensvertretung bessere Politik<lb/>
und geschicktere Verhandlungen geführt. Man kann nicht mit den<lb/>
Schwächeren zu verhandeln beginnen, sondern man muss mit den Stärksten<lb/>
zu einer Einigung kommen, damit dieser dann eben, entsprechend wenn<lb/>
er akzeptiert hat, die Bauern niederhält. Zu diesem Zweck hätte<lb/>
ich mich in der Vergangenheit aber auch in der Zukunft ausschliess<lb break="no"/>lich an der Landwirtschaftskammer als der gesetzlichen Interessens<lb break="no"/>vertretung gehalten. Für mich steht fest, dass auf diesem Sektor<lb/>
ich in Hinkunft keine grossen Sorgen haben werde. Die Bauern werden<lb/>
natrülich dieses Spiel weiter betreiben, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wird immer in die<lb/>
schwierige Situation kommen, mit ihnen Verhandlungen führen zu<lb/>
können undndas Endergebnis wird sein, dass letzten Endes sehr<lb/>
wohl die Bauernvertreter mit dieser Taktik ein Optimum erreichen.<lb/>
OB sich dies politisch niederschlägt, kann ich nicht beurteilen,<lb/>
ich glaube aber eher nein.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-05_06">Die Textilarbeitergewerkschaft, der Obmann Zentralsekretär <rs type="person" ref="#per__140546">Hans</rs><lb/>
und vor allem ein ganz Junger, schein neuer Sekretär <rs type="person" ref="#per__116109">Ettl</rs>, den ich<lb/>
das erste mal kennenlernte, sprachen wegen der Sorgen für ihre<lb/>
Branche vor. In der Schuhproduktion ist Humanic der Lohnleadership.<lb/>
WEnn sie in dieser Branche Lohnforderungen haben und diese stehen<lb/>
jetzt an, müssen sie zuerst mit Humanic zu einer entsprechenden<lb/>
Regelung kommen, bis die anderen dann doch bereit sind, gewise<lb/>
Zugeständnisse zu machen. Humanic hat nun bei der Österr. Kontroll<lb break="no"/><pb n="20-0430" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-05_0430.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>bank einen Kredit beantragt, ich habe mich seinerzeit auch tat<lb break="no"/>sächlich für sie eingesetzt, aber bis jetzt keinen Erfolg erreicht.<lb/>
Sowohl <rs type="person" ref="#per__111755">Castellez</rs> als auch Dr. <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs> stehen auf dem Stnadpunkt, dass<lb/>
sie ein Maximum schon der Schuhindustrie und ganz besonders Humanic<lb/>
gegeben haben. Das sich von Humanic vor nicht allzu langer Zeit<lb/>
eine Firma Dynafit abgespalten hat, haben sie auch die vorgesehenen<lb/>
Exportkreditvolumen geteilt und damit eigentlich beide nicht be<lb break="no"/>friedigt. Vom STandpunkt der Kontrollbank ist diese Vorgangsweise<lb/>
verständlich. Da aber jetzt eine gewisse Aufstockung für Exportkredite<lb/>
erfoogt ist, hoffe ich, dass es mir gelingen wird. <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111755">Castellez</rs> davon zu überzeugen, dass man vielleicht doch der Konsum<lb break="no"/>güterindustrie einen grösseren Kreditrahmen zur Verfügung stellt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-05_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte mich mit <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs> oder <rs type="person" ref="#per__111755">Castellez</rs><lb/>
zu verbinden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-05_08">Auf dem Textilsektor haben die Arbeiter seit 1970 bis 1973 dem letzten<lb/>
Kollektivvertrag nur eine Erhöhung von 42 % erreicht. Sie sind deshalb<lb/>
im Juni mit neuen Verhandlungen befasst und meinten, die Bauern die<lb/>
48 % erreicht hätten, sollen sich nicht aufregen. Das allerdings<lb/>
hier Produktionskostensteigerungen mit Lohnerhöhungen verglichen<lb/>
werden, stimmt nicht ganz. Richtig ist, dass die Textilindustrie<lb/>
einen schweren Stand hat. In der Bekleidungsindustrie konnte ich,<lb/>
da nun dort im Oktober nach 13 Monaten Lohnverhandlungen erwartet<lb/>
werden, ihnen mitteilen, dass mit Hongkong jetzt ein Arrangement<lb/>
bevorsteht und ich auch voller HOffnung bin, dass wir mit Nordkorea<lb/>
zu einer Lösung bei Antidumpinglieferungen kommen werden. Sie wollen<lb/>
auch jetzt, nachdem ich ihnen das Strumpfhosenmodell erörtert habe,<lb/>
das sie mit BEfriedigung zur Kenntnis genommen ahben, auch die Socken<lb/>
aus Rumänien, d.h. die Grobstrümpfe ähnlich geregelt haben. Hier<lb/>
erörtete ich ihnen das Vidierungsverfahren und wies daruf hin,<lb/>
dass insbesondere die Arbeiterkammer doch eine andere Haltung ein<lb break="no"/>nehmen müsste. Ich könnte nicht immer gegen die Arbeiterkammer ent<lb break="no"/>scheiden. Die Kollegen werden sich mit Dr. <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> ins Einvernehmen<lb/>
setzen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-05_09"><rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> und <rs type="person" ref="#per__113031">Melis</rs> sowie <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> besprachen die weitere Entwickung im<lb/>
Europa-Institut. <rs type="person" ref="#per__113031">Melis</rs> ist über die Arbeitsgruppe informiert ge<lb break="no"/>wesen, hat sich nur furchtbar aufgeregt, dass er bei der Gründung<lb/>
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wurde. Hier hatte <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> versucht, eine neue Arbeitsgruppe zu instal<lb break="no"/>lieren, was tatsächlich dann geglückt ist und aber nicht die<lb/>
Zustimmung der Handelskammer bis jetzt gefunden hat. Mit dem<lb/>
Hinweis, dass in HInkunft im Vorstand alle diese Fragen zeitgerecht<lb/>
besprochen werden, war die Handelskammer auch mit dieser Arbeits<lb break="no"/>gruppe einverstanden. Zu meiner grössten Verwunderung hörte ich,<lb/>
dass Frau Dr. <rs type="person" ref="#per__140267">Wagner</rs> diese Arbeitsgruppe führen wird. Nicht dass<lb/>
ich igendetwas gegen die Frau Dr. <rs type="person" ref="#per__140267">Wagner</rs> habe, nur glaube ich<lb/>
kaum, dass sie die Initiativen wird entwickeln, die eigentlich<lb/>
notwendig wären. <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> wünschte, dass diese Arbeitsgruppen<lb/>
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               <persName type="label">Singer, Hans</persName>
               <persName><surname>Singer</surname><forename>Hans</forename></persName>
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               <persName type="label">Blümel, Kurt</persName>
               <persName><surname>Blümel</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>LUGA-Zentralsekretär</occupation>
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               <persName type="label">Gehart, Friedrich</persName>
               <persName><surname>Gehart</surname><forename>Friedrich</forename></persName>
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               <persName type="label">Androsch, Hannes</persName>
               <persName><surname>Androsch</surname><forename>Hannes</forename></persName>
               <occupation>Finanzminister</occupation>
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               <persName type="label">Koppe, Fritz</persName>
               <persName><surname>Koppe</surname><forename>Fritz</forename></persName>
               <occupation>Sekr. JS, ab 1973 GF VKI</occupation>
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               <persName type="label">Castellez, Paul</persName>
               <persName><surname>Castellez</surname><forename>Paul</forename></persName>
               <occupation>Direktor Kontrollbank</occupation>
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               <persName type="label">Minkowitsch, Roland</persName>
               <persName><surname>Minkowitsch</surname><forename>Roland</forename></persName>
               <occupation>Präs. Bauernbund</occupation>
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               <persName><surname>Jagoda</surname><forename>Karl</forename></persName>
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               <persName><surname>Wanke</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>SChef HM</occupation>
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               <persName type="label">Schmidt, Erich</persName>
               <persName><surname>Schmidt</surname><forename>Erich</forename></persName>
               <occupation>Leiter vw. Abt. ÖGB, SPÖ-NR-Abg.</occupation>
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               <occupation>Büro des Bundesministers (Sekretärin)</occupation>
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               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <occupation>ZS Textilgewerkschaft</occupation>
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               <occupation>Landwirtschaftsminister bis 1976</occupation>
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               <occupation>LUGA-Sekr., stv. Obmann Milchwirtschaftsfonds</occupation>
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