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            <title type="main">Donnerstag, der  4. April 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-04_01">Donnerstag, 4. April 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-04_02">Die Elektroindustrie hat Schwierigkeiten auf dem GEbiet der Trans<lb break="no"/>formatoren. Die EVUs d.h. die Elektrizitätserzeugungs-Unternehmer<lb/>
wollen ihre Kapazität nicht nur in Österreich sondern in der ganzen<lb/>
Welt nützen, um günstigst einzukaufen. Aus diesem Grund geht der<lb/>
Inlandsanteil für Transformatoren zurück. Ich konnte einleitend<lb/>
gleich feststellen, dass die EVUs insbesondere die ÖDK – die österr.<lb/>
Draukraftwerke – sich bei mir beschwert haben, dass nicht nur allen<lb/>
die Preisdifferenzen sondern auch die technischen Ausstattungen<lb/>
unterschiedlich sind, deshalb sind ausländische Transformatoren<lb/>
zu bevorzugen. <rs type="person" ref="#per__134825">Schedl</rs> von der Elin meinte, die technischen Probleme<lb/>
seien gelöst. Boveri hätte jetzt für Malta eine neue Transformatoren-<lb/>
Typ Polumschaltung geschaffen. Das Hauptproblem liegt darin, dass<lb/>
in Wirklichkeit die EVUs mit Recht sagen, sie können nicht nur immer<lb/>
vom Ausland Scheinofferte einholen und dann letzten Endes dann<lb/>
doch den österreichischen Firmen den Zuschlag geben. Es haben sogar<lb/>
die E-Industrie-Vertreter eingesehen. Sie behaupten, sich schon<lb/>
allein durhc die inländische Überkapazität zu Tode zu konkurren<lb break="no"/>zieren. Die Kapazität ist 10.000 MVA, Österreich benötigt höchstens<lb/>
3.000 MVA pro Jahr. Aber im Ausland die restliche Kapazität absetzen<lb/>
zu können, müssen sie sehr harte Konkurrenzbedingungen akzeptieren,<lb/>
d.h. oft nur Teilkostendeckende Preise nehmen. Deshalb brauchensie<lb/>
eine breite Inlandsbasis, d.h. die garantierten Möglichkeiten, in<lb/>
Österreich zumindestens die 3000 MVAs absetzen zu können. Natürlich<lb/>
unter Anrechnung aller Kosten incl. eines Gewinnanteiles. Wirklich<lb/>
interessant wurde die Diskussion aber als ich erfuhr, dass <rs type="person" ref="#per__97396">Dolinai</rs><lb/>
sich seit Jahren bemühte und deshalb sogar eine Arbeitsgemeinschaft<lb/>
und Gruppe existierte, für die Netztransformatoren einen sogenannten<lb/>
Einheitstrafo zu schaffen. Die ausländischen Transformatorenfabriken<lb/>
haben dies längst und die österr. EVUs sind bereit, dies auch von<lb/>
den ausländischen Lieferanten zu akzeptieren. Insbesondere mit dem<lb/>
Hinweis, dass diese billig sind, können sie nicht Sonderwünsche<lb/>
äussern. In Österreich dagegen kommt es niemals zu einem Ein<lb break="no"/>heitstrafo, sodass immer wieder die Einzelanfertigungen teuer zu<lb/>
stehn kommen. Dasselbe gilt auch für Kleinausrüstung mit z.B.<lb/>
Schaltkästen. Ich habe sofort <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> ersucht und <rs type="person" ref="#per__114532">Bolhar</rs> beauftragt,<lb/>
er soll Verhandlungen beginnen. Sollten sie EVUs Schwierigkeiten<lb/>
machen, so könne er ihnen ruhig drohen, bei der nächsten Preis<lb break="no"/>bildung würde sihc diese unzweckmässige Einkaufspolitik d.h. die<lb/>
<pb n="20-0417" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-04_0417.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Sonderfertigungen, die natürlich teuer zu stehen können, nicht be<lb break="no"/>rücksichtigt werden. Ich glaube, dass die E-Industrie mit dieser<lb/>
Entscheidung und der Vorsprache sehr zufrieden war.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-04_03">Dr. <rs type="person" ref="#per__111709">Wohlmeyer</rs> von der Agrarindustrie Gmünd ist ein sehr intelligenter,<lb/>
Aktiver und moderner Managertyp . Er macht sich nicht nur Sorgen, wie<lb/>
man die Kartoffelindustrie erhalten kann, sondern hat auch Vorschläge,<lb/>
die er aber selbst nicht einmal in seiner eigenen Organisation, den Ge<lb break="no"/>nossenschaften, geschweige denn beim Kartoffelhandel durchsetzen kann.<lb/>
Die Agrarindustrie zahlte im Vorjahr 60 Groschen je kg Kartoffel.<lb/>
In Österreich wird aber Kartoffel im Waldviertel erzeugt, der sowohl<lb/>
als Speise- als auch als Fabrikskartoffel finden kann. Andere Agrar<lb break="no"/>industriebetriebe im Ausland verlangen, dass für sie produzierte Kar<lb break="no"/>toffeln ausschliesslich aus Stärkefabrikskartoffeln mit einem süss<lb break="no"/>lichen Geschmack - für den Konsumenten vollkommen ungeeignet - erzeugt<lb/>
werden. DAdurch sicher sie sich den Rohstoff. <rs type="person" ref="#per__111709">Wohlmeyer</rs> meint nun, es<lb/>
ist unmöglich die österr. Bauern dafür zu gewinnen, zweckmässig wäre<lb/>
aber eine gewisse Ablieferungspflicht, gleichzeitig eine garantierte<lb/>
Absatzmöglichkeit für die Speisekartoffel sichern würde. Wenn dann eine<lb/>
Überschussprodukion entsteht, könnte Gmünd als Pufferproduktion diese<lb/>
Überschusskartoffeln einkaufen und die Produkte lagern.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-04_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97498">GRÜNWALD</rs>: Bitte <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> mit <rs type="person" ref="#per__111709">Wohlmeyer</rs> zusammenbringen,<lb/>
um die Projekte zu studieren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-04_05"><rs type="person" ref="#per__111709">Wohlmeyer</rs> hat auch mit der Zitronensäureerzeugung in Bernhofen<lb/>
nicht nur Kontakt aufgenommen sondern versucht auch auf einert anderen<lb/>
als der Zuckerbasis den Rohstoff mit <rs type="person" ref="#per__114658">Kahane</rs> dem Finanzier und Manager<lb/>
von der Zitronsäurefabrik zu einer neuen Lösung zu kommen. Er glaubt<lb/>
allerdings, dass es nur geringe Aussicht auf Erfolg gibt. Jetzt, wo<lb/>
die Zitronensäurefabrik den Zucker nicht mher um 1.70 S/kg vom Aus<lb break="no"/>land einführen kann, sondern über 4.- S für die inländischen Zuckerpreis<lb/>
zahlen muss, der allerdings derzeit ja billiger ist als ein ausländischer<lb/>
importierter, ergibt sich noch immer keine Ersatzmöglichkeit durch Stärke.<lb/>
Da die Zuckerindustrie die fixen Kosten auf den normalen Konsumenten<lb/>
überwälzen kann, im Preisverfahren wurde dies anerkannt, kann sie den<lb/>
hohen Kohlenhydratgehalt auf die Tonne Zucker noch immer günstiger er<lb break="no"/>stellen als dies die Gmünder auf Maisstärke oder ein anderes Produkt<lb/>
machen können. Technisch ist dieses Problem gelöst, Stärke als Rohstoff<lb/>
an stelle von Zucker. Finanzielle, d.h. wirtschaftlich muss es erst<lb/>
<pb n="20-0418" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-04_0418.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>durchkalkuliert werden und nach Meinung <rs type="person" ref="#per__111709">Wohlmeyers</rs> sehr schwer<lb/>
zu ersetzen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-04_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97498">GRÜNWALD</rs>: Ich wäre sehr interessiert, ob unser Branchen<lb break="no"/>referat etwas davon weiss.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-04_07">Dr. <rs type="person" ref="#per__97382">Conrad</rs> von der Deutschen Handelskammer hat naütrlich ständige<lb/>
Aktionen für seine Mitglieder und um den Kontakt mit der BRD zu<lb/>
festigen. Er möhcte mich deshalb unbedingt für nächstes Frühjahr<lb/>
nach Bonn einladen, wo ich entsprechenden Vortrag und Diskussionen<lb/>
und Pressekonferenzen hatten soll. Ich habe ihm soofrt zugestimmt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97382">Conrad</rs> bemerkte, dass die Veranstaltungen, die er organisieren wird<lb/>
besser sein werden als die des Donaueuropäischen Institutes <rs type="person" ref="#per__146315">Gannser</rs><lb/>
für <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> in Bonn arrangiert hat. Dort waren angeblich nur<lb/>
zweit- und drittklassige Teilnehmer. Ich nütze den deutsch-österr.<lb/>
Handelskammermann Dr. <rs type="person" ref="#per__97382">Conrad</rs> hauptsächlich um mit Wirtschaftsmini<lb break="no"/>ster <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs> über diese Organisation Kontakt zu halten. <rs type="person" ref="#per__97457">Friderichs</rs><lb/>
wird in der nächsten Zeit vielleicht enmal inoffiziell nach Öster<lb break="no"/>reich kommen und kch habe ersucht, dass ich dann genao inoffiziell<lb/>
mit ihm zusammenkommen möchte, auch wenn er in Österreich vielleicht<lb/>
einmal zwischenlandet, bin ich gerne bereit, ihn am Flughafen zu tref<lb break="no"/>fen. Niemand soll mir vorwerfen, dass ich mit unserem wichtig sten<lb/>
Handelspartner BRD keine Kontakte suche. <rs type="person" ref="#per__97382">Conrad</rs> beschwerte sich dann<lb/>
vielleicht auch zurecht, dass nun der von mir eingereichte Antrag<lb/>
wegen einer Auszeichnung jetzt im Bundeskanzleramt liegenbleibt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97382">Conrad</rs> hat nämlich neben seiner deutschen Staatsbürgerschaft nun auch<lb/>
eine österreichische erworben und ist deshalb jetzt auf die Warte<lb break="no"/>liste gesetzt worden. Wenn man bedenkt, dass mna mit solchen Orden<lb/>
so leicht Menschen befriedigen kann, verstehe ich nicht, dass heir<lb/>
im Bundeskanzleramt ein entsprechender Widerstand geleistet wird<lb/>
und die Protokoll und Rangliste und was es sonst noch alles gibt,<lb/>
streng eingehalten wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-04_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Versuche unbedingt die Ordensverleihung<rs type="person" ref="#per__97382">Conrads</rs><lb/>
und zwar mit entsprechend höchsten Orden<lb/>
im BKA durchzusetzen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-04_09">Die Überreichung vn Ehrenzeichen und Staatswappen war wieder einmal<lb/>
glaube ich ein voller Erfolg. Die Unterlagen waren leider sehr unzu<lb break="no"/>länglich, die ich bekommen habe, doch konnte ich durch persönliche<lb/>
Bemerkungen auf jeden einzelnen Ausgezeichneten eingehen. Diesist<lb/>
sicherlich selten bei einer so grossen Anzahl wahrscheinlich in keinem<lb/>
anderen Ministerium üblich, sodass die anwesenden Angehörigen aber auch<lb/>
<pb n="20-0419" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-04_0419.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>die Ausgezeichneten selbst, wie mir immer wieder versichert wird,<lb/>
von meiner Art begeistert sind. Mit Wiener Schmäh lasst sich<lb/>
hier einiges erreichen. Da ich aber nicht immer dieselben ein<lb break="no"/>leitneden Worte gebrauchen möchte, fällt es mir naütrlich auch<lb/>
schwer, entsprechende Variationen zu finden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-04_10">ANMERKUNG AN ALLE: Bitte um irgendwelche Ideen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-04_11">ANMERKUNG AN <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Die Auszeichnungstermine werden ziemlich früh<lb/>
festgelegt, es müsste daher gelingen, persönliche Informationen über<lb/>
Firmen und Ausgezeichnete zu erhalten. Das nächste Mal bitte eine Vor<lb break="no"/>besprechung bevor die Auszeichnung erfolgt, so zeitgerecht, dass ich<lb/>
eventuell nöch ergänzende Erhebungen mache lassen kann.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-04_12">Beim Büro-Jour-Fixe, aber auch bei der dann anchfolgenden Aussprache<lb/>
der auch <rs type="person" ref="#per__110944">Zluwa</rs> und <rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs> beigezogen wurde, ging es um die Politik,<lb/>
wie wir die Attacke der ÖVP am Preissektor abwehren können.<lb/>
Zuerst abr kamen wird überein, dass die Geschäftseinteilung nicht nur<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs>, <rs type="person" ref="#per__114994">Böhm</rs> und <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs>, die sich als dafür zuständiges Komitee<lb/>
auf Grund des Ministeriengesetzes konstituieren wollten, sondern<lb/>
auch noch ergänzt durch <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs>, keinesfalls die Geschäftseinteilung<lb/>
zu ihrer Politik benützen dürften. Es wäre für die drei wahrschein<lb/>
lichlich ein nicht kleiner Triumph, wenn womöglich die Sektionschefs<lb/>
untereinander z.B. <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> mit <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> oder gar mit <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> zu streiten<lb/>
beginnen und sie dann den Schiedsrichter spielen würden. <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> wird<lb/>
deshalb unsere Leute von dieser notwendigen Arbeit, die auf Grund<lb/>
des Ministeriengesetzes gemacht werden muss, informieren, gleich<lb break="no"/>zeitig aber festhalten, dass wenn wir im entferntesten ein Problem<lb/>
bei dieser Besprechung auftauchen sollte, dann es zu keiner Einigung<lb/>
vorher kommen kann, ich mit den entsprehcneden Sektionschefs, die<lb/>
davon betroffen sind, sprechen werde, keinesfalls werden wir das<lb/>
Schauspiel geben, dass unsere Leute untereinander streiten. Eine<lb/>
Sachdiskussion ist nämlich auf elle Fälle zu erwarten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-04_13"><rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs>, der jetzt bereits wieder in vollem Einsatz ist, hat bei<lb/>
der Preisdiskussion in unserer Ministerienbesprechung den recht<lb break="no"/>lichen Standpunkt mit <rs type="person" ref="#per__110944">Zluwa</rs> herauskristallisiert. Auch <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs><lb/>
kennt die Situation sehr genau und alle drei kamen überein, dass<lb/>
in Wirklichkeit die Idee, die Landeshauptleute schuldig werden<lb/>
zu lassen, nur sehr beschränkt möglich ist. <rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs> hat mit<lb/>
<pb n="20-0420" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-04_0420.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Recht darauf verwiesen, dass das Sozialpartnerabkommen vorsieht,<lb/>
dass wenn ein Produkt aus der Preisregelung herausgenommen wird,<lb/>
dann automatisch die Paritätische Kommission dafür zuständig<lb/>
ist. WEnn ich nun dies an die Landeshauptleute delegieren würde,<lb/>
müsste ich zuerst mit den Sozialpartnern über die Regelung ver<lb break="no"/>handeln. Da besteht für mich die grosse Gefahr, dass diese erklär<lb/>
ren , sie sind damit sehr einverstanden, dann gibt es aber die<lb/>
immense Schwierigkeiten, dass die Länder auch nichts machen<lb/>
werden oder vielleicht sogar neun verschiedene Preise es z.B.<lb/>
für Zement in den Ländern geben wird, das gesamtwirtschaftlich<lb/>
schon preispolitisch ein Wahnsinn wäre. Es bleibt deshalb nichts<lb/>
anderes übrig, als eine Konstruktion zu finden, wo das Handels<lb break="no"/>ministerium entsprehcnedn auch nur schwerpunktmässig und verein<lb break="no"/>zelt Preisregelung und Überwachung stärker durchführt, doer die<lb/>
Länder auch wieder nur vereinzelt ersucht und beauftragt, dies<lb/>
zu machen. In der Verangenheit wurde nur Fleisch und Wurst<lb/>
und dies nur von einigen Sorten sowie Lohn- ud Umtauschmüllerei<lb/>
die ganz uninteressant ist und die Gaspreisfestsetzung an die Län<lb break="no"/>der delegiert. Zum Glück ist bei dieser Delegierung Fleisch und<lb/>
Wurst dabei, sodass ich wenigstens über dieses Problem mit den<lb/>
Landeshauptleute diskutieren kann und ihnen in der Öffentlichkeit<lb/>
die Schuld zuschieben, dass sie hier nicht mehr aktiv geworden<lb/>
sind. Einen sehr grossen Erfolg werde ich damit kaum er<lb break="no"/>reichen. Aber ich kann wenigstens die Mitschuld über die Preis<lb break="no"/>entwicklung gerade auf diesem Sektor den Landeshauptleuten klar und<lb/>
deutlich vor Augen führen. Die Durchführung der Preisüberwachung<lb/>
und der Strafen ist im einzelnen Bundesländern ganz verschieden<lb/>
und funktioniert in Wirklichkeit nur in Wien, wo die Wirt<lb break="no"/>schaftspolizei dafür eingesetzt wird. Wenn ich nun die Landeshaupt<lb break="no"/>leute hart attackieren würde, besteht die Gefahr, dass sie darauf<lb/>
hinweisen, dass ja in Bundespolizeigebieten diese dafür zuständig<lb/>
sei. In diesem Fall würde ich nicht die LH sondern wieder Innen<lb break="no"/>minister <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> treffen. Hier muss ich also äusserst vorsichtig vo<lb/>
gehen. Das Ganze Problem ist rechtlich durch die Verfassung<lb/>
aber auch durch die praktische Anwendung der vergangenen 30<lb/>
Jahre äusserst kompliziet. Ich muss ganz besonders aufpassen,<lb/>
dass dieseneue Aktion nicht so wie die Bauaktion in Wien gross<lb/>
angekündigt, von der Bevölkerung begeistert aufgenommen, von<lb/>
den Massenmedien applaudierend zur Kenntnis genommen, dann<lb/>
letzten Endes im Sande verläuft. Anderetseits aber wieder kann<lb/>
<pb n="20-0421" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-04_0421.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ich den rechtlichen Bedenken, auch wenn sie noch so begründet<lb/>
sind, nicht unbedingt folgen, denn sonst würde man mir mit Recht<lb/>
vorwerfen, dass ich zaudere, nichts zusammenbringe, ja mich<lb/>
sogar nur auf die Rechtslage und Juristen auslege. WEnn man aber<lb/>
noch dazu weiss, dass die wirkliche administrative Preiskontrolle<lb/>
nur äusserst gering sein kann, der Erfolg also mit einem Stellen<lb break="no"/>wert von <sic>0,..</sic> zu berechnen ist, dann kommt einem erst so richtig<lb/>
die verteufelte und verzwickte Situation zu BEwusstein. Ich<lb/>
muss also aufpassen, dass ich auf der einen Seite nicht durch<lb/>
Ankündigungen oder durch Wünsche der Massenmedien aber auch viel<lb break="no"/>leiht von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> in eine Preisstoptheorie und Praxis hineinge<lb break="no"/>jagt werdem, ähnlich wie dies auch bei der Ölkrise mit der Be<lb break="no"/>wirtschaftung der FAll gewesen wäre, auf der anderen SEite<lb/>
aber gar nichts zu tun und dadurch in die schwierige Lage zu<lb/>
kommen, dass man mir vorwirft, ich regiere nicht. Neben der<lb/>
Ölbewirtschaftung oder Ölkrise ist dies das zweite schwierige<lb/>
Problem in so kurzer ZEit. Doch stehe ich auf dem STandpunkt<lb/>
dass die Preisfrage unvergleochlich leichter zu lösen ist, da<lb/>
dies in Österreich ein innerösterreichisches Problem bleiben<lb/>
wird. Bei der Ölversorgung war ich ausschliesslich auf auslän<lb break="no"/>dische Lieferungen angewiesen und da war es ein reiner Glücks<lb break="no"/>fall, dass sich doch keine Prognose und Annahme bestätigt hat.<lb/>
Wäre das Öl tatsächlich in grösserer Menge ausgeblieben, wäre ich<lb/>
wahrscheinlich in der Durchführung gescheitert. Bei den Preisen<lb/>
kann sich entwicklen, was immer eswill, ich habe hier eine viel<lb/>
leichtere Position allerdings wesentlich gefährlichere als bei<lb/>
Öl. Von den Preisen werden alle betroffen, aber zugrundegehen<lb/>
wird die Wirtschaft daran keiensfalls. Bei einem ernstlichen<lb/>
Ölmangel wäre es aber sicherlich zu einem Eklat gekommen. Um ja<lb/>
nicht MR <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> zu verärgern oder auszuschalten, habe ich dann<lb/>
zeitgerecht noch geschaltet und ihn auch zur Besprechung eingeladen<lb/>
Dabei allerdings sind uns einige Lapsuse passiert. Erstens<lb/>
müssen wir in Hinkunft <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs>, da er für die Rechtsabteilung in der<lb/>
Preisbildung und Preisgesetze zuständig ist, die diesbezüglichen<lb/>
UNterlagen ihm übermitteln. Ich habe deshalb ersucht, ihm den Brief<lb/>
an die Landeshauptleute auszuhändigen. Bald wäre aber auch der<lb/>
Fraktionelle Brief an die soz. Landeshauptleute ihm übergeben<lb/>
worden. Ähnlich war es auch mit einem Arbeitspapier, wie wir bei de:<lb/>
nächsten LH-Besprechung vorgehen wollen. <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> ist sicherlich ein<lb/>
Loyaler Beamter, wird aber natürlich alle Unterlagen aktenmässig<lb/>
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fraktionelle Unterlagen nicht doch in die Kanäle der ÖVP gelangen<lb/>
wenn diese dann im Akt über andere Mitarbeiter und Kanzleien<lb/>
laufen. Zweitens aber hat <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> entsprechende Ideen und ist<lb/>
äusserst kooperationswillig. Er hat nämlich z.B. sofort er<lb break="no"/>klärt, er wird sich nach Abschluss der Milchpreisverhandlungen<lb/>
mit der Frage beschäftigen, wie weit auf Grund des jetzigen gültigen<lb/>
Preisgesetzes eine aktivere Preispolitik gemacht werden kann.<lb/>
Durch diesen Vorschlag hatte ich dann die Möglichkeit zu sagen,<lb/>
es sollen die anderen Herren sich primär mit der Frage,wie<lb/>
man eine eventeulle Änderung ind er Preispolitik auch auf<lb/>
gesetzlichem Wege herbeiführen könne, beschäftigen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-04_14"><rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> wurde von mir dann auch ersucht, er möge über die Getreide<lb break="no"/>preisbildung, die wir bereits in Angriff nehmen müssen, mit der<lb/>
landw. Buchführungsgesellschaft Kontakt aufnehmen, damit sie uns<lb/>
doch Unterlagen zur Verfügung stlelen. <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> selbst meint und dies<lb/>
nicht ganz zu UNrecht, dass die einfachere und bessere Lösung ist,<lb/>
auf Grund des vereinbarten Schemas die Kalkulationen zu erstellen,<lb/>
dann alelrdings zu erklären, die volkswirtschaftlich richtigen<lb/>
Preise sind eben nicht 70 Groschen sondern nur 10 oder 20 Gro<lb break="no"/>schen und damit sei der Fall erledigt. <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> geht dabei von der<lb/>
falschen Annahme aus, dass die Bauernvertreter insbesondere der<lb/>
Bauernbund so wie in den vergangenen vier Jahren bereit wären<lb/>
mit einer solchen Lösung sich zufriedenzugeben. Hier irrt er aber<lb/>
sicherlich. Der Bauernbund würde, wenn er nicht sachliche<lb/>
Argumente, auch wenn sie noch so neu und ungewohnt sind, entgegen<lb break="no"/>gesetzt werden sofort darauf hinweisen, dass die Kalkulation<lb/>
eben von mir aus nicht 70 sondern 60 Groschen ergibt und diese<lb/>
60 Groschen mit aller Vehemenz und Gewalt verlangen. Wenn er<lb/>
sich nicht durchsetzt, wird er sicherlich dann zu Kampfmassnahmen<lb/>
greifen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat mich angerufen und ersucht, ich möge zu<lb/>
einer Aussprache mit dem Bauernbund am nächsten Tag kommen und<lb/>
UNterlagen über die Milchkalkulation neuerdings mitbringen. Für<lb/>
mich besteht gar kein Zweifel, dass hier <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nachgehen musste<lb/>
und eben jetzt doch wieder Verhandlungen mit den Bauernbund auf<lb break="no"/>nehmen muss. Wenn dies der Fall sit, auch dann wenn er kleine<lb/>
Zugeständnisse machen muss, ist seine Politik gescheitert. Ich<lb/>
habe dies immer befürch4et und jetzt wo ich das erste Mal<lb/>
<pb n="20-0423" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-04_0423.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>konkret eingeschaltet wurde, auch jetzt aus der Nähe beob<lb break="no"/>achten können. Die Aufspaltungsversuche <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> auf die<lb/>
verschiedensten Bauernorganisationen kommt in Wirklichketi<lb/>
viel teurer zu stehen als wenn gleich mit dem Bauernbund als<lb/>
der stärksten Organisation verhandelt. Kommt er nämlich mit diesem<lb/>
zu einem einigermassen Akkord, dann werden die anderen ins<lb break="no"/>besindere der freiheitliche Bauernbund und der Allgemeine Bauern<lb break="no"/>verband meutern, aber haben nicht die Kraft neuerliche Forderungen<lb/>
durchzusetzen. Kommt er dagegen mit seiner Taktik selbst mit<lb/>
dem Arbeitsbauernbund einmal zu einer Einigung, die anderen<lb/>
werden dann immer noch zusätzliche Forderungen stellen, si<lb/>
letzten Endes teilweise durchsetzen, aber keinesfalls das<lb/>
ganze Arrangement akzeptieren. Sondern weiter lizitieren.<lb/>
Der Bauernbund der dann womöglich überhaupt nicht bei deisen<lb/>
Verhandlungen dabei war, wird dann ganz besonders auftrumpfen<lb/>
und neuerdings wird <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> etwas dazulegen müssenn. Ich bin<lb/>
schon sehr gespannt, wie der grosse Zampano hie aus diesem Dilemma<lb/>
herauskommen wird. Wenn es nach mir gegenagen wäre, ich habe<lb/>
ihm das bereits bei der Regierungsbildung 1970 gesagt, hätte<lb/>
ich die ganze Preisproblematik auf die Sozialpartner abgewälzt<lb/>
und dort nur Unterstützung zugesagt. Würdeich heute mit der<lb/>
Landwirtschaftskammer als derdafür zuständigen Interessensvertre<lb break="no"/>tung allein verhandeln, dann würdeman wahrscheinlich eher<lb/>
zu einem Akkord kommen können als mit dieser augespalteten<lb/>
Taktik, die <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hier anwenden möchte. Dass seine Politik<lb/>
nicht das gewünschte Ziel erreicht aht, hat er nun gleichzeiti<lb/>
mehr oder minder dem Landwirtschaftsminister die Schuld wegen<lb/>
dieser Entwicklung gegeben. Er ist sicherlich daovn überzeugt,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> mit politischer Schläue hätte versuchen müssen,<lb/>
ebenfalls die Bauern aufzuspalten. Da <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> abr mit der<lb/>
Landwirtschaftskammer insbesondere m it der Präsidentenkonferenz<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> kooperiert, wid er nun darin den Fehler der <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs'schen</rs><lb/>
Agrarpolitik sehen. Vielleicht hat <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> aus Bequemlichkeits<lb break="no"/>grümdem sicherlich aber auchweil er genau weiss, die Stärke bei der<lb/>
Landwirtschaftskammer, d.h. Bauernbund liegt, ausschliesslich<lb/>
mit diesen verhandelt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-04_15">Bei der Eröffnung des <rs type="person" ref="#per__112968">Jahn</rs>-Hotel in der WIG hatte ich Gelegenheit<lb/>
diesen ehemaligen Kellner aus der nÄhe genauer zu beobachten.</p><pb n="20-0424" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-04_0424.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-04_16">Der Mann platz nicht nur vor Aktivität sondern hat auch wie wir<lb/>
sagen würden, einen guten Schmäh. Normalerweise kommen meine humor<lb break="no"/>vollen Reden dehsalb besonders gut an, weil die Vorredner irgend.<lb/>
welche Reden herunterlesen und dadurch sich wesentlich von mir<lb/>
unterscheiden. Diesmal war es anders. <rs type="person" ref="#per__97459">Frühlich</rs>, derneue Geschäfts<lb break="no"/>führer des gesamtes Hotels hat sich an dieses Prinzip<lb/>
haltend eine entsprechnede Begrüssungsansprache gehalten. Auch<lb/>
der Architekt, der das Haus baute, hatte sehr gescheit aber natürlich<lb/>
trocken gesprochen. Dann aber kam <rs type="person" ref="#per__112968">Jahn</rs>, der in ähnlicher Art<lb/>
wie ich sofort sich von seinen Vorredner distanzierte. Ich hatte<lb/>
grosse Mühe mit ihm Konkurrenz haltend die Situation nicht zu meinen<lb/>
Ungunsten zu ändern. Es dürfte mir gelungen sein, denn der an<lb break="no"/>schliessende Conferencier, der dann einige Einlagen aus der Fledermaus<lb/>
anküpndigte, meinte, als Conferencier sei es für ihn nun besonders<lb/>
schwer, nach diesen beiden Vorrednern. Der deutsche Zweigstellen<lb break="no"/>leiter ersuchte <rs type="person" ref="#per__112968">Jahn</rs> und mich, dass ich an <rs type="person" ref="#per__140820">Peter Alexander</rs> iun<lb/>
München am 27. April am Sonntag eine goldene Medaille für den<lb/>
Fremdenverkehr übergeben sollte. Dies würde propagandistisch einen<lb/>
ungeheure Wirkung haben. Ich habe zugesagt und werde Samstag<lb/>
bereits nach München fahren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-04_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte die Details mit der ÖFVW ausmachen.</p></div>
      <div type="back"><pb n="20_0415_03" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-04_0415-03.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
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            <head>Tagesprogramm, 4.4.1974</head>
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