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            <title type="main">Dienstag, der  2. April 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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eine Vereinbarung zustande kommt so ähnlich wie mit den anderen<lb/>
Oststaaten. Die DDSG mit der tschechischen Reederei das<lb/>
Frachtabkommen teilt. Er stelle sich vor, daß von Bratislava<lb/>
bis Linz die Kohle für die Voest halbe halbe transportiert<lb/>
werden kann. Da wir momentan keine Verhandlungen mit den<lb/>
Tschechen führen, wird MR <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> versuchen, Besprechungen<lb/>
mit den tschechischen Stellen eine gewisse Unterstützung<lb/>
in diesem Verlangen zu gewähren. Ing. <rs type="person" ref="#per__123349">Bittner</rs> der Handels<lb break="no"/>delegierte hat ihmden Typ gegeben, man sollte jetzt bereits<lb/>
für die nächsten Verhandlungen entsprechende Vorarbeiten<lb/>
zu leisten. Die DDSG ist in einer schwierigen Situation.<lb/>
Erst wenn der Rhein-Main-Donau-Kanal fertig seind wird,wird<lb/>
der Westverkehr stärker sein. Derzeit beträgt er 20%. Im<lb/>
Ostverkehr dagegen diktieren die Ostreedereien die Fracht<lb break="no"/>rate. Selbst die Dieselpreiserhöhung kann er nicht in<lb/>
Frachterhöhungen unterbringen. Das einzige was ihnen ver<lb break="no"/>bleibt ist eine geringe Möglichkeit auf österreichischer<lb/>
Strecke mit Österreichischen Firmen wie z.B. die Voest<lb/>
gewisse Dienstleistungen zu erhöhen. Besonders die Rumänen<lb/>
sind derzeit die grössten Frachtdrücker. Diese Ostreedereien<lb/>
haben Überkapazitäten und wollen daher unter allen Umständen<lb/>
ihre Schiffe entsprechend ausgelastet. Personenverkehr<lb/>
könnte nur dann zu einem befriedigenden Ergebnis führen, wenn<lb/>
die DDSG neue Schiffe, die rationelle geführt werdem müssten.<lb/>
erhält. Angeblich <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs>, als er mit den Landeshauptleuten<lb/>
von NÖ, Wien und vor allem auch OÖ voriges Jahr zwei Fracht<lb break="no"/>schiffe versprochen hat mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> gesprochen und diesbe<lb break="no"/>zügliche Zusagen gehabt. Jetzt will <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> dass Geld<lb/>
derzeit nicht vorstrecken. Die Schiffswerft Korneuburg die<lb/>
auf diesen Antrag angewiesen ist, hat überdies jetzt auch<lb/>
wesentlich höhere Preise verlangt. <rs type="person" ref="#per__126256">Luczensky</rs> hat mir aber<lb/>
nicht gesagt wie ich dann durch einen Zufall von Dir. <rs type="person" ref="#per__140815">Peterseil</rs><lb/>
von der Korneuburger Werft erfuhr, dass man seinerzeit von<lb/>
einem Schiff ähnlich der "Austria" gesprochen hat, jetzt aber<lb/>
ein ganz anderes Schiff mit Kabinen usw. wünscht. Die Austria<lb/>
hat 36 Mill. gekostet mit der Verteuerung wäre sie heute um<lb/>
S 40 Mill. ca. herzustellen.</p><pb n="20-0405" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-02_0405.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-02_03">Die geänderte Schiffstype aber welche eben für die<lb/>
Besatzung Kabinen vorsieht und viele andere Extras kostet<lb/>
60 Mill. <rs type="person" ref="#per__126256">Luczensky</rs> ist heute noch Konsulent der Arbeiter<lb break="no"/>kammer weil sich niemand findet, der diese Arbeit leisten<lb/>
könnte. Ich glaube, das Hauptproblem ist dass man doch viel<lb/>
zu wenig für den Nachwuchs getan hat. Soweit ich mich in<lb/>
meiner Aera noch bemüht habe Studenten für den Nachwuchs zu<lb/>
gewinnen, sind diese heute in wesentlich bessere Positionen<lb/>
aufgerückt. Einer ist bei der Int. Transportarbeitergewerkschaft<lb/>
und der zweite Sekretär vom zukünftigen Landeshauptmann <rs type="person" ref="#per__98038">Wagner</rs><lb/>
in Kärnten. Überall dasselbe Problem. Tüchtige Leute finden<lb/>
sofort leitende Positionen und zumindest als Aufstiegsposition<lb/>
undverlassen natürlich die Arbeiterkammer. <rs type="person" ref="#per__126256">Luczensky</rs> bekommt<lb/>
heute mindestens das dreifache seines Arbeiterkammergehaltes.<lb/>
Verständlich das er natürlich dise Position angenommen hat.<lb/>
Abgesehen davon müsste man aber sich auch mehr oder minder<lb/>
darauf einstellen, dass natürlich in der jetzigen Phase ent<lb break="no"/>sprechende Besetzungen in anderen Positionen erfolgen, die<lb/>
wir, wäre das Wahlergebnis 1970/71 nicht so günstig ausgegangen,<lb/>
wahrscheinlich niemals erreicht hätten.<lb/>
im Ministerrat berichtete <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> mündlich über seine Zusatz<lb break="no"/>abkommensverhandlungen mit der BRD. Deutschsprachige Staaten<lb/>
wie Deutschland, Schweiz und Österreich werden ein multilaterales<lb/>
Abkommen versuchen. Das Gastarbeiterproblem Österreicher in<lb/>
der Bundesrepublik soll ebenfalls übersichtlicher gestaltet<lb/>
werden. Da die Salzburger Handelskammer bei meinem Besuch<lb/>
seinerzeit schon erklärt hat, dass die Abwanderung für sie<lb/>
ein Problem darstellt wenn sich die Konjunktur in Deutschland<lb/>
ein bischen erholt, werden sofort wieder Nachfrage und Wünsche<lb/>
für österreichische Arbeiter in Bayern aktuell kommt der<lb/>
Raumordnungskonferenz in Passau einige Bedeutung zu. Aller<lb break="no"/>dings wird dies hautptsächlich optisch sein. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> will<lb/>
deshalb, er hat es zwar nicht im Ministerrat besprochen,<lb/>
aber vorher <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> klar und deutlich zu erkennen gegeben,<lb/>
an dieser Tagung trotzdem nicht teilzunehmen. Der Minister<lb/>
in der Bundesrepublik nämlich der ehemalige Bürgermeister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140762">Vogel</rs> der für diese Fragen kompetent ist, möchte andererseits<lb/>
scheinbar auch nicht kommen, weil er erklärt hat, er käme nur,<lb/>
wenn <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erscheint. Wahrscheinlich wird diese gemischte<lb/>
Kommission dann doch unter Vorsitz von <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> stattfinden<lb/>
können, weil ich nicht annehme, dass wenn <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nicht<lb/>
<pb n="20-0406" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-02_0406.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>fährt, <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> nach Passau kommt. Ich selbst habe mich –<lb/>
gleich von allen Anfgang entschuldigt, weil dieser Termin<lb/>
für mich vollkommen unmöglich ist. Meiner Meinung nach<lb/>
ist dieses ganze Problem wirklich mehr eine Angelegenheit von<lb/>
Beamten und sollte auch von diesen betrieben werden.<lb/>
Die Bundesrepublik kann sich ja zu keinerlei Massnahmen verpflichtend<lb/>
erklären, weil die Bayern dann auf alle Fälle ihre eigenen Mass<lb break="no"/>nahmen für Arbeitskräfte die sie brauchen setzen. Über den Umweg,<lb/>
dass Bonn dann keine entsprechende Unterstützung für diese<lb/>
Regionalgebiete gibt, würde viel zu langwierig erst eine Rück<lb break="no"/>wirkung für die österr. Arbeitskräfte spürbar werden, wenn<lb/>
nicht überhaupt, was ich befürchte, die Bayern stark genug<lb/>
sind alles durchzusetzen oder gegebenenfalls in eigener<lb/>
budgetärer Hoheit entsprechend Unterstützung neu zu gründenden<lb/>
oder gefährdeten Unternehmungen zu gewähren. Die Integration<lb/>
bedingt eben auch eine weitest gehendere Verflechtung der<lb/>
Arbeitskräfte. Ob dies den österr. Unternehmungen paßt oder<lb/>
nicht, dass habe ich ihnen zeitgerecht angekündigt. Bestätigt<lb/>
habe ich diese Meinung wieder bekommen, als ein grosses<lb/>
deutsches Textil- u. Bekleidungsunternehmen, nämlich Glöckner,<lb/>
am Abend im Imperial zuerst eine Modeschau machte und an<lb break="no"/>schliessend daran einen Empfang gab. Als ich meine Frau<lb/>
dort abholte, kam ich mit der Geschäftsleitung dieses 25.000<lb/>
Beschäftigen Komplexes ins Gespräch. Die errichten hier eine<lb/>
Niederlassung weil sie 12. Millionen DM nach Österreich<lb/>
exportieren können und wollen heuer auf 16 Millionen DM<lb/>
kommen. Die Bekleidungsindustrie hat es in Deutschland<lb/>
sehr schwer. Der Umsatz von 250 Millionen DM ist mit 40 Mill.<lb/>
DM Kosten belastet und man fürchtet, dass der Konsument<lb/>
doch nicht bereit ist so hohe Preise die sich daraus er<lb break="no"/>geben würden, zu bezahlen. Deshalb hat es in der Bundes<lb break="no"/>republik auch einen schlechten Start für die heurige Saison<lb/>
gegeben. Die Reaktion darauf ist, dass man sofort expandieren<lb/>
will u.zw, im Ausland.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-02_04">Beim Pressefrühstück fragte mich ein einziger Journalist<lb/>
was nun eigentlich auf dem Preissektor geschieht, nachdem<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ein Preisregelungsgesetz angekündigt hat. Ich redete<lb/>
mich aus und meinte, dies müsste erst bei uns genau studiert<lb/>
werden. Die Vertreterin der Vorarlberger Zeitung wollte unbe<lb break="no"/>dingt wissen, was mit der Pickerlverordnung geschieht. Ich<lb/>
habe ihr mitgeteilt, dass wir eben jetzt die als Treibstoff<lb break="no"/><pb n="20-0407" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-02_0407.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sicherungsgesetz wegen einer Verlängerung die Begutachtung<lb/>
schicken. <rs type="person" ref="#per__126891">Nagiller</rs> vom Fernsehen kam auf mich zu wie die<lb/>
Deutschen so schön sagen und wollte sich entschuldigen, dass<lb/>
es scheinbar ein Missverständnis über die letzten Aufzeichnungen<lb/>
wegen des Milchstreikes gegeben hat. Er stlbst meinte, er hätte<lb/>
keinerlei Vorbereitungen treffen können, sei der Materie fremd<lb/>
gegenüber gestanden und hätte deshalb erst durch seine Fragen<lb/>
sich ein Bild verschaffen müssen. Ich empfahl ihm, das nächste<lb/>
Mal nicht doch so überraschend mit mir ein Interview machen<lb/>
zu wollen, sondern eben entsprechend mehr Zeit einzuplanen,<lb/>
dann werde ich ihm jede Information vorher geben, damit er<lb/>
die Materie besser kennenlernt. Glaube, dass aus meiner Inter<lb break="no"/>vention bei <rs type="person" ref="#per__97672">Kreuzer</rs> und <rs type="person" ref="#per__116209">Zilk</rs> nicht ein Stachel bei <rs type="person" ref="#per__126891">Nagiller</rs><lb/>
übergeblieben ist. Er hat selbst das Gefühl gehabt, dass er<lb/>
hier nicht ganz fair gehandelt hat. Entschuldigt hat er sich<lb/>
allerdings damit, dass er eben die Materie nicht beherrsche.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-02_05">Beim Mittagessen mit Minister Tunesiens <rs type="person" ref="#per__140813">Ayari</rs>, war interessanter<lb/>
Weise auch der Nuntius <rs type="person" ref="#per__140816">Rossi</rs> geladen. Da ich neben ihm zu<lb/>
sitzen kam, kamen wir über die China- u. Russlandreise zu<lb/>
sprechen. Mein Hinweis, dass ich Russland immerhin feststellen<lb/>
konnte dass einige Kirchen, wie die Russen sagen roboti, während ich<lb/>
in China überhaupt keinerlei religiösen Aktivitäten bememerkte,<lb/>
quittierte <rs type="person" ref="#per__140816">Rossi</rs> dass aber auch in Russland nur orthodoxe, d.h.<lb/>
nationale Kirchen zugelassen sind. Sie haben keinerlei Kontakt<lb/>
zu dieser Kirche und können daher auch nicht beurteilen, ob<lb/>
und wieweit eine Glaubensfreiheit herrscht. Natürlich kann<lb/>
man aus einer solchen Bemerkung keinerlei Schlüsse ziehen<lb/>
auf die Politik des Vatikans oder gar der Vertreter des<lb/>
Vatikans ableiten. Eines ist nur interessant, dass Kardinal<lb/>
<rs type="person" ref="#per__109820">König</rs> hier viel positiver den Ostkirchen gegenübersteht als<lb/>
die offizielle Vatikanvertretung. <rs type="person" ref="#per__112627">Thalberg</rs> erzählte allerdings<lb/>
er hätte katholischen Messen in Peking miterlebt, ich glaube<lb/>
dies hat sich aber sicherlich nur auf die ausländischen Delegationen<lb/>
respektive Botschaften bezogen. Bei dieser Gelegenheit erwähnte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112627">Thalberg</rs> die einmalige Leistung <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowskis</rs> in so kurzer Zeit<lb/>
chinesisch zu lernen und dort eben Ansprachen in dieser Sprache<lb/>
zu halten, <rs type="person" ref="#per__112627">Thalberg</rs> beneidet mich um <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs>, glaube aber<lb/>
auch die Stellung die dieser jetzt bei uns im Ministerium hat.<lb/>
ÖGB berichtete <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs>, nachdem <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nicht erschienen ist,<lb/>
wahrscheinlich hat er keine Möglichkeit gehabt, denn er kommt<lb/>
zu jeder Fraktion über die politische Lage. Insbesondere kam er<lb/>
neben dem Lohnforderungsgesetz was für die Gewerkschaften von<lb/>
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zu sprechen. Daraus entwickelte sich eine lebhafte Diskussion insbes.über<lb/>
die Preisentwicklung. Obwohl <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> angekündigt hatte dass ich<lb/>
über dieses Problem reden werde hat sich die Diskussion vorher<lb/>
schon natürlich hauptsächlich auf dieses Problem konzentriert.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> meinte dass die Meinungsumfragen für ihm klar und deutlich<lb/>
ergeben wenn Preissteigerungen sind wir 3% der Stimmen ver<lb break="no"/>lieren. Allerdings konnte auch er keinerlei konstruktiven Vor<lb break="no"/>schlag machen. Er meinte nur wir müssten neue Abkommen finden<lb/>
denn im seinerzeitigen Stabilisierungsabkommen im Jahre 1973<lb/>
hätte sich sofort wieder eine entsprechende Besserung der Stimmung<lb/>
der Bevölkerung für die Regierung ergeben. Es kommt seiner<lb/>
Meinung nach weniger auf den Erfolg an als wie dass das Volk<lb/>
die Meinung hat es wird jetzt regiert. <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs> dagegen wies<lb/>
darauf hin dass gegen die weltweite Inflation man nicht mit Ver<lb break="no"/>sprechungen Luftblasen aufsteigen lassen sollte, die dann letzten<lb/>
Endes platzen weil man eben dagegen nichts unternehmen könne.<lb/>
Ich verwies,dann in meinem Referat dass uns die Wissenschaftler<lb/>
und Theoretiker im Stich lassen und dass in den Ländern, wo man<lb/>
Preisstops verfügt hat auch keinen besseren Erfolg in Gegenteil<lb/>
einen schlechteren erzielte als in Österreich. <rs type="person" ref="#per__98066">Robert Weisz</rs> hat recht<lb/>
wenn er überall frägt und dann aber kritisiert dass die jungen<lb/>
Leute nur immer Ezzes hätten aber in Wirklichkeit au ch keinerlei<lb/>
Vorschläge machen können. Er meinte dann aber doch es müsste<lb/>
jetzt ein Preisregelungsgesetz in der härtesten Formulierung<lb/>
geschaffen werden. Damit müsse man im Parlament die ÖVP konfrontieren.<lb/>
Wenn sie es ablehnt dann müsse man dies propagandistisch gross<lb/>
nützen. Ich machte <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> und <rs type="person" ref="#per__98066">Robert Weisz</rs> anschliessend darauf<lb/>
aufmerksam dass unter diesen Umständen man wenn der Gesetzentwurf<lb/>
z.B. im Mai zur Diskussion stehen soll man nur mit Hilfe eines<lb/>
Initiativantrages der SPÖ vorgehen könne. Wenn ich einen solchen<lb/>
Gesetzentwurf erst verhandle und in die Begutachtung schicke<lb/>
usw dann dauert es viel länger als die Bevölkerung über die<lb/>
erhöhten Preise insbesondere im Mai empört sein wird. Auch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> hat <rs type="person" ref="#per__98066">Weisz</rs> unter vier Augen erklärt er hat jetzt grosse<lb/>
Angst wegen dieser Entwicklung und nach Meinung <rs type="person" ref="#per__98066">Weisz</rs> ist die<lb/>
ÖVP eventuell bereit gewisse Zugeständnisse zu machen.</p><pb n="20-0409" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-04-02_0409.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-02_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs> und <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: müssten wir jetzt tatsächlich<lb/>
endlich von <rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs> und unseren Genossen eine Formulierung von ALLEN<lb/>
Wünschen der letzten 20 Jahre zum Preisregelungsgesetz kompilieren<lb/>
lassen. Darüber hinaus müsste man dann noch wahrscheinlich in<lb/>
Kombination mit der Abschöpfung durch den Finanzminister oder<lb/>
Steuerbestrafungen ein extrem hartes Gesetz formulieren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-02_07">Unserer Bezirksausschußsitzung kam es weniger nach meinen Bericht<lb/>
zu einer heftigen Debatte als nach dem <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> in seinem Bericht<lb/>
über den Wiener Ausschuss das Problem der Jungen Generation<lb/>
Chile-Komitee erörtert hatte. Unsere jungen Genossen aber nicht<lb/>
nur die sind empört dass man ohne die Vertreter der Jungen Genera<lb break="no"/>tion zu hören oder ihnen auch nur eine Chance zu geben ihre<lb/>
Meinung kundzutun bereits vermarscht in der Öffentlichkeit<lb/>
das Vorgehen nicht nur hart, kritisiert sondern als partei<lb break="no"/>schädigend hingestellt hat. <rs type="person" ref="#per__112986">Weisbier</rs> der Wiener Stellvertreter<lb/>
der Jungen Generation hat mir gesagt dass seinerzeit auf Wunsch<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> man in der karitativen Unterstützung von Vietnam<lb/>
aber auch von Chile mit den anderen zusammen arbeitet. Sie hätten<lb/>
ohnea weiteres auch in der Vergangenheit stets mit der katholischen<lb/>
Aktion gemeinsam dieses Problem gelöst ohne eigentlich auf die<lb/>
Mitarbeit der linken Gruppen interessiert und angewiesen zu sein.<lb/>
Zu ihrer grössten Verwunderung seien sie damals fast dazu gezwungen<lb/>
worden. Jetzt macht man ihnen aus diesem Verhalten einen Vorwurf.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97552">Hindels</rs> versuchte hier beruhigend einzuwirken indem er erklärte<lb/>
er teile die Meinung der Genossen der Jungen Generation aber der<lb/>
Wiener Ausschuss und der Vorstand hätte da keine andere Möglichkeit<lb/>
gehabt als wie die Wiener Junge Generation zu decken aber gleich<lb break="no"/>zeitig denn Fall nicht hochzuspielen sondern runter zu spielen.<lb/>
Nichts könnte uns mehr schaden da hat er vollkommen recht<lb/>
als jetzt über dieses Problem eine Diskussion der Öffentlichkeit.<lb/>
Andererseits sehe ich darin eine grosse Gefahr dasswenn die<lb/>
Partei und insbesondere <rs type="person" ref="#per__97727">Marsch</rs> nicht zeitgerecht erkennt<lb/>
und sich dann auch entsprechend verhält die jungen Leute vor dem<lb/>
Kopf stoßt und dann hier in Österreich auch Juso-Ansätze wirklich<lb/>
bekommen. Das Mißbehagen in der Partei durch die Serie von Wahl<lb break="no"/>niederlagen bei den Landtagswahlen und ich muss auch zugestehen<lb/>
teilweise in Tirol macht sich eben in einer Spannung bemerkbar<lb/>
die führenden Genossen werden nervös und die Arbeiter und Funktio<lb break="no"/>näre die die Arbeit in Wirklichkeit leisten sind auch nicht mehr<lb/>
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primär mit den Leuten mehr diskutieren und ihnen mehr Gelegenheit<lb/>
geben ihre Auffassung darzulegen. Nichts wäre in der jetzigen<lb/>
Situation gefährlicher als einen innerparteilichen Streit über<lb/>
irgend ein Problem zu haben. Das Ergebnis würde vom Gegner<lb/>
sofort entsprechend hochgespielt und es kann noch so unbedeutend<lb/>
sein, in der Öffentlichkeit einen entsprechenden Widerhall finden.<lb/>
Aus diesem Grund habe ich auch als [Fehlstelle] kam ob in<lb/>
Salzburg jetzt personelle Konsequenzen gezogen werden darauf hinge<lb break="no"/>wiesen, dass dies eine reine Salzburger Angelegenheit ist. Bundes<lb break="no"/>stellen sollen und können sich so wenig wie möglich einschalten.<lb/>
Wahrscheinlich um nicht sogar zu sagen mit Sicherheit war aber<lb/>
auch in Salzburg die Spannung zwischen der Partei und der Ge<lb break="no"/>werkschaft hier in dem Fall insbesonders zwischen <rs type="person" ref="#per__97994">Steinocher</rs> und<lb/>
Arbeiterkammerpräsident <rs type="person" ref="#per__116915">Brunauer</rs> mit ein Grund dass die Wahlen<lb/>
nicht so gelaufen sind als wir es uns alle erwünscht hätten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-04-02_08"/></div>
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            <head>hs. Notizen (TO Ministerratssitzung Rückseite)</head>
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