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            <title type="main">Mittwoch, der 27. März 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-27_01">Mittwoch, 27. März 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-27_02">Die Erwerbsgärtner unter Führung von Präs. <rs type="person" ref="#per__140809">Schwarzrock</rs>, dem nö.<lb/>
Landwirtschaftskammerpräsident <rs type="person" ref="#per__140808">Jedletzberger</rs>, aus der Steiermark<lb/>
Rauch und einige andere Herren, wollten von mir eine Unterstützung<lb/>
wegen der hohen Heizöl-leicht-Preise. Ich habe ihnen dezidiert<lb/>
erklärt, dass ich ihnen budgetär keinerlei wie immer geartete<lb/>
Subvention geben kann. Ich werde mich nur bemühen, bie den nächsten<lb/>
Ölpreisverhandlungen das Heizöl leicht nicht neuerdings erhöht wird<lb/>
sondern wahrscheinlich im Gegenteil jetzt eine Senkung erfahren<lb/>
wird. Bezüglich der Ostliberalisierung habe ich auf das Vidierungs<lb break="no"/>verfahren und meine Aussprache im Burgenland verwiesen. Sie be<lb break="no"/>schwerten sich, dass insbesondere im Zollamt Klingenbach eine sehr<lb/>
unzweckmässige Zollabfertigung erfolgt. Sie habn deshalb vorge<lb break="no"/>schlagen, am Gemüsemarkt Inzersdorf ein Zentralzollamt zu errichten.<lb/>
Angeblich soll Min.Rat <rs type="person" ref="#per__139676">Kratschmar</rs> vom Finanzministerium einen<lb/>
diesbezüglichen Entwurf bereits ins Handelsministerium geschickt<lb/>
haben. Obst- und Gemüsegrossmarkt Inzersdorf ist nach ihrer Meinung<lb/>
eine architektonisch und anlagemässig misslungene Lösung, deshalb<lb/>
sie auch die BAST Simmering und Kagran sowie die Kettenorganisationen<lb/>
aberauch der Konsum nicht bereit, sich dort tatsächlich anzusiedeln.<lb/>
Vielleicht könnte dies besser werden, wenn das Zentralzollamt dort<lb/>
errichtet wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-27_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: BItte im Hause klären, wer diesen Entwurf bekomme<lb/>
hat und unbedingt schnell positiv befürworten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-27_04">Gremialvorsteher für den Weinhandel <rs type="person" ref="#per__132520">Petermichl</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__112567">Christian</rs>,<lb/>
Handelskammer, kamen mich über die Weinexportsituation zu informieren<lb/>
Das Kellerbuch wird mit 1.9.1974 in Kraft treten. Die Weinbaugebiete<lb/>
die aber in Österreich dringendst zusammengelegt werden müssten,<lb/>
sind bis zu diesem Zeitpunkt garantiert noch in den diversen Ge<lb break="no"/>bieten aufgesplittert. Dadurch wird es dazu kommen, wenn nun die<lb/>
Kellereiinspektoren nicht nur die mengenmässige Prüfung durchführen,<lb/>
gegen die der Weinexport nichts einzuwenden hat, sondern auch die Her<lb break="no"/>kunftskontrolle, dass der österr. Weinexport in die BRD wieter und zw<lb/>
exorbitant stark zurückgehen wird. 1972 waren es 189.000 hl, 1973<lb/>
sind es nur mehr 137.000 hl. Richtig ist aber, dass die Weinexporte<lb/>
nach der BRD alle als Gumpoldskirchner bezeichnet werden. In Wirk<lb break="no"/>lichkeit handelt es sich natürlich im Weine, die nicht aus dieser<lb/>
<pb n="20-0373" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-03-27_0373.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Gegend kommen sondern nö. die als Gumpoldskirchner bezeichnet<lb/>
und mit 20 Gramm aufgezuckert werden. Dies ist die Standardweinsorte<lb/>
die die Deutschen wünschen. Bei Lenz Moser, der ungefähr 130.000 hl<lb/>
Umsatz hat und davon 50.000 hl exportiert, wird den Export ver<lb break="no"/>lieren, wenn er den Wein nicht als Gumpoldskirchner bezeichnen kann<lb/>
Genauso wird es aber auch dem Zentralen Winzerverband ergehen,<lb/>
der 13.000 hl exportierte, wovon 4.000 hl Gumpoldskirchner waren,<lb/>
der ebenfalls nicht aus diesem Gebiet stammt. Die echten Gumpolds<lb break="no"/>kirchner Weine werden alle in Buschenschanken abgesetzt. Andere<lb/>
Staaten haben den Bedürfnissen der Konsumenten eine bestimmte Marke<lb/>
zu bevorzugen schon Rechnung getragen. Die Franzosen haben Bordeaux<lb/>
und seine grossen umliegenden Flächen als Bordeaux-Wein bezeichnen<lb/>
lassen. Die Italiener lassen den Kalterer-Wein bis in die Po-Ebene<lb/>
als solchen nämlich als Kalterer bezeichnen. Die Deutschen selbst<lb/>
haben,um ihren Export nach Grossbritannien, Dänemark, Amerika<lb/>
und Kanada mit Liebfrauenmilch aufrechterhalt zu können, neue<lb/>
Gebiete mit Grosslagen als Liebfrauenmilchwein bezeichnen lassen.<lb/>
Das Gebiet ist so gross wie ganz Niederösterreich zusammen. In<lb/>
Österreich war die Absicht, nur NÖ mit 3 Regionen zu teilen.<lb/>
Dies ist aber bis jetzt nicht möglich und wahrscheinlich auch<lb/>
in Zukunft kaum möglich, weil die einzelnen Produktionsgebiete und<lb/>
insbesondere die dortigen Funktionäre des Bauernbundes nach wie vor<lb/>
auf dem Standpunkt stehen, ihr Wein muss so bezeichnet werden,<lb/>
damit sie die besten Absatzchancen haben. Damit werden einige<lb/>
Spitzengebiete hervorgehoben, aber die grosse Masse der Weinpro<lb break="no"/>duktionsgebiete werden einen Nachteil erleiden,wenn der Export<lb/>
nach der BRD zum Erliegen kommt. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> wird nun und er hat mir<lb/>
dies nachmittags als ich dieses Problem mit ihm in der Wirt<lb break="no"/>schaftspolitischen Aussprache diskutierte, tatsächlich bestätigt,<lb/>
die Kellereiinspektoren auffordern, nur die Mengenkontrolle<lb/>
durchzuführen und nicht die Herkunftsbezeichnung. Ich selbst<lb/>
werde natürlich, wenn dieses Problem offiziell an mich herangetrage<lb/>
werden sollte, mich ebenfalls stillschweigend verhalten. Eine<lb/>
saubere Lösung wäre eine unverzügliche Weingesetznovelle, wo eben<lb/>
die Gebiete zusammengelegt werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-27_05">Der ägyptische Botschafter <rs type="person" ref="#per__140332">Gohar</rs> möchte nun wie er es sagt, als<lb/>
Folge der Friedensbemühungen die <choice><choice><sic>wirtschaftsbezeichungen</sic><corr>Wirtschaftsbeziehungen</corr></choice></choice> mit allen<lb/>
Staaten verbessern. Insbesonderekommt dafür Österreich in Frage.</p><pb n="20-0374" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-03-27_0374.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-27_06">Er hat in dem vergangenen Jahrfünft oder -zehnt ausschliesslch<lb/>
vom kriegerischen Problem geleitet nur die politische Vertre<lb break="no"/>tung gehabt, Jetzt hat <rs type="person" ref="#per__112568">Sadat</rs> entschieden, dass die Wirtschafts<lb break="no"/>beziehungen zwischen Ägypten und Österreich und anderen europäi<lb break="no"/>schen Ländern verbessert werden sollen. <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> wird unverzüg<lb break="no"/>lich mitmihm Detailbesprechungen führen, wie er zu den Einzelfirmen<lb/>
die für Exporte aber auch für Importe in FRage kommen, bessere<lb/>
Beziehungen bekommen kann.Vom Handelsministerium haben wir ihm die<lb/>
volle Unterstützung zugesagt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-27_07">Mit <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs> und dem Allgemeinen Bauernverband-Vertreter <rs type="person" ref="#per__140805">Wenitsch</rs><lb/>
habe ich ene ORF-Diskussion durchgeführt. <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs> ist noch immer<lb/>
ein, wie er sich selbst ausdrückt, Fan von mir und diskutiert<lb/>
deshalb bei mir weniger demagogisch als dies vielleicht er mit<lb/>
anderne macht. Es war mir deshalb glaube ich möglich, die sach<lb break="no"/>liche Diskussionsseite des Milchpreisproblems merh ehrauszustrei<lb/>
chen als die politische Auseinandersetzung. Natürlich ahbe ich in<lb/>
Nebensätzen bei guter Antwort uaf irgendwelche Angriffe die<lb/>
vorhergehende Regierung deshalb kritisiert, weil die eben die<lb/>
Bauern viel schlechter behandelt hat, als wir dies tun. Die<lb/>
Gelegenheit hat sich immer wieder ergeben, wenn <rs type="person" ref="#per__140805">Wenitsch</rs> auf<lb/>
die schwierige Lage der Bauern von 1966 bis 1970 zu sprechen<lb/>
kam.ANschliessend an die Diskussion habeich <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs> darauf auf<lb/>
merksam gemacht, dass ich es nicht für zweckmäsisg halte, wenn<lb/>
der Bauernbund jetzt seine ganze Kraft einsetzt, damit die<lb/>
Lohnbewegungen ebenfalls nicht zu einem ENde kommen. Wir wissen,<lb/>
dass er dem Verhandlungskomitee die Weisung gegeben hat, solange<lb/>
nicht zu einem Abschluss zu kommen, bis die Voraussetzungen sich<lb/>
geändert haben. UNter diesenVoraussetzungen versteht er, dass<lb/>
sie einen befriedigenden Erzeugermilchpreis bekommen. <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs><lb/>
hat dies gar nicht abgestritten, sondern nur herumgestottert.<lb/>
Das VErlangen von ihm, ich sollteeinedezidierte Erklärung abgeben,<lb/>
dass die 30 Groschen Milchpreiserhöhung netto auch unterallen<lb/>
Umständen den Bauern verbleiben, habe ich naütrlich dezidiert<lb/>
abgelehnt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-27_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97498">GRÜNWALD</rs>: Da u die Aufnahme gehört hast, bitte<lb/>
lass Dir bei der Arbeiterkammer oder in<lb/>
der Partei die Sendung, die mitgeschnitten<lb/>
wird, schriftlich geben. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist<lb/>
daran auch wegen des zitierten Briefes<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs> intersisert.</p><pb n="20-0375" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-03-27_0375.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-27_09"><rs type="person" ref="#per__126891">Nagiller</rs> vom Fernsehen wollte eine Aufnahme wegen der Milchsituation<lb/>
mit mir machen. Ich war sehr überrascht als er dann nicht auf ein<lb/>
wirkliches Milchproblem – weder Erzeuger noch Verbraucherpreis – sond<lb/>
dern ausschliesslich auf die Streik- resp. Aktionsbewegung der Ge<lb break="no"/>werkschaft zu sprechen kam. Da er meine Antwort nicht so bekam,<lb/>
wie er sie gerne wollte, hat er ununterbrchendie Frage variierend<lb/>
wiederholt. Ihm kam es primär darauf an, mich mit der politischen<lb/>
Situation zu konfrontieren. Was er hören wollte, war, dass ein politi<lb break="no"/>scher Streik von der Gewerkschaft nicht anerkannt wird und dass<lb/>
hier die Arbeiter vielleicht sogar von der christlichen Gewerkschafts<lb break="no"/>fraktion getrennt marschieren. Ich setzte ihm einige Mal ausein<lb break="no"/>ander, dass wir in der Gewerkschaft mit allen gut auskommen und<lb/>
dass diese Aktion aus dem berechtigten Unmut der Kollegen etnstanden<lb/>
ist. Zum Schluss sagte ich ihm noch, ich bin neugierig, was er<lb/>
senden wird, da ich nicht ganz siche rwar und die Gefahr witterte,<lb/>
dass hier eine Aktion gestartet wird, die nicht nur in der Öffent<lb break="no"/>lichkeit schlecht ankommen wird, sondenr noch viel schlimmer inner<lb break="no"/>habl meiner Organisation grossen Unwillen und Streit auslösen wird.<lb/>
Habe ich <rs type="person" ref="#per__97672">Kreuzer</rs> angerufen und ihn auf diese Interview-Methode<lb/>
aufmerksam geamcht. <rs type="person" ref="#per__97672">Kreuzer</rs> versprach mir, sich den Originalschnitt<lb/>
genau anzusehen und mich dann zu verständigen. Er hat mich dann<lb/>
auch tatsächlich angerufen undmitgeteilt, es wird ein einziger Satz<lb/>
kommen, der am wenigsten kompromittierend ist. Beim Empfang am<lb/>
Abend für <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> habe ich noch <rs type="person" ref="#per__116209">Zilk</rs> getroffen und ihn ebenfalls auf<lb/>
die unfaire Gangart aufmerksam geamcht. ICh wollt eun habe<lb/>
mich wie ich ausdrücklich erwähnte, nicht über <rs type="person" ref="#per__126891">Nagiller</rs> beschwert,<lb/>
sondern nur, dass immer wieder das Fernsehen ihre Auffassung dem<lb/>
Interviewer scheinbar vorschreibt und dann von dem Interviewten nicht<lb/>
anderes bringt als das eben, was das Fernsehen erwartet. <rs type="person" ref="#per__116209">Zilk</rs> meinte,<lb/>
die grössten Schwierigkeiten gibt es durhc das Redaktionsstatut,<lb/>
weil hier niemand einen Einfluss auf die Redakteure nehmen kann<lb/>
sondenr uasschliesslich nur mit der tatsache konfrontiert wird ,<lb/>
dass diese eben ihre Meinung auch oft dem Fernsehen aufdrängen<lb/>
wollen. Er erachtet als einzig richtige Lösung, wenn man sich im<lb/>
konkreten Fall bei <rs type="person" ref="#per__97672">Kreuzer</rs> odersogar hie ihm doch beschwert.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-27_10">In der 6. Milchvorbereitungsbesprechung der Preiskommission wurde<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> ich muss sagne, sehr souverän, ganz einfach die einzelnen<lb/>
Preiserhöhung bestimmt. Er fragte zwar immer den Milchwirtschafts<lb break="no"/>fondsvertreter Hofrat <rs type="person" ref="#per__140106">Lechner</rs> , der ihm alelrdings immer wieder<lb/>
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nicht die Stellungnahme des Milchwirtschaftsfonds abgeben könne.<lb/>
Trotzdem hat er scheinbar dann die entsprechenden Ziffern geliefert,<lb/>
denn <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> hätte doch sonst kaum eine Möglichkeit gehbat zubestimme<lb/>
ausser bei Milch, wo 80 Groschen und Butter und Käse wo 4 S pro kg<lb/>
feststand, die anderen Ansätze analog und anteilsmässig zu be<lb break="no"/>stimmen. <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> ist sicherlich sehr umständlich, aber ich muss<lb/>
gestehen, dass er dihc auch imstände ist, die Probleme, die er<lb/>
jahrzehntelang bearbeitet, souverän zu leiten und zu einem ENde<lb/>
zu frpren. Die Zustimmung der Interessensvertretungen wird er aller<lb break="no"/>dings mit dieser Methode nie erreichen. Da die Landwirtschaftskammer<lb/>
meine ersten Ansäzte dahingehend behandelt hat, ohne ein Kompromiss<lb/>
zu suchen, fühle ich mich naütrlich auch nicht gebunden, jetzt bei<lb/>
den Verbraucherpreisen ein Kompromiss mit ihnen zu erreichen.<lb/>
Da auch die Magermilch an die Trockenwerke um 30 Groschen erhöht<lb/>
werden soll, und grosse Mengen dorthingehen, wird die Landwirt<lb break="no"/>schaft mit 150 Mill. S von den ca. 900 Mill. die wir erreichen<lb/>
müssen. belastet. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> selbst hat grosse Bedenken aufgrund<lb/>
seiner INformation vin seinem Vertreter in der Preiskommission<lb/>
<rs type="person" ref="#per__147371">Merwat</rs>, dass wir hier die Bauern neuerdings mehr oder minder zur<lb/>
Kassa bitten. Er hat deshalb dieses Problem mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und mir<lb/>
besprochen. Ich habe aber rundweg erklärt, ich sehe keine Chance<lb/>
einen anderen Artikel höher zu belasten, um diese Bauernentlastung<lb/>
durchzuführen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> slebst hat auch meine Meinung geteilt.<lb/>
Als einzigen kptischen Hinweis wollen wir jetzt verlangen, dss<lb/>
die Trockenwerke, die angeblich gute Ertragslage haben, geprüft werd<lb/>
Als cih <rs type="person" ref="#per__147371">Merwart</rs> fragte, ob sie nicht über die Finanzlandesdirektion<lb/>
feststellen könnten, wie die Situation in Hartberg und Oberösterreich<lb/>
bei den beiden Werken ist, hat er erklärt, das s dies villkommen<lb/>
unmöglich sein, weil dies gesetzlich verboten ist. Die Steuerunter<lb break="no"/>lagen dürfen nur ausschliesslcih für die Steuerzwecke<lb/>
verwendet werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-27_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> soll veranlassen, dass der Milchwirtschafts<lb break="no"/>fonds oder sonst eine Stelle die Trockenmilch<lb break="no"/>werke genau prüft, um die Ertragslage dort<lb/>
festzustellen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-27_12">In der Wirtschaftspolitischen Aussprache hat <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs> den revidierten<lb/>
Vorschaubericht gebracht. Die Bruttonationalproduktziffern wurden<lb/>
erhöht und ebenso die Lebenshaltungskostenindex-Ziffern. Man rechnet<lb/>
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auseinandergesetzt udn er hat mir ziemlicu schlüssig nachgewiesen,<lb/>
dass wir in den nächsten Monaten sehr wohl leicht an die 10 % und<lb/>
vielleicht sogar darüber kommen könnten. Ich ersuchte auch <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs>,<lb/>
er möge in Hinkufnt mit <rs type="person" ref="#per__133326">Krämer</rs> besseren Kontakt halten, damit ich<lb/>
nicht immer nur auf meine Anfragen eine INformation über die<lb/>
Verbraucherpreisentwicklung bekommen sondern vielleicht einen stän<lb break="no"/>digen ergänzenden Bericht zu den laufenden Unterlagen des Stat.<lb/>
Zentralamtes. <rs type="person" ref="#per__133326">Krämer</rs> machthier vorschauende Berechnugnen, <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs><lb/>
sollte diesbezüglich mit ihm besseren Kontakt halten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-27_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Veranlasse, dass ein entsprechendes Kontakt<lb break="no"/>gespräch ständig stattfindet und lass auch<lb/>
Dir darüber berichten oder noch besser nimm<lb/>
daran teil.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-27_14"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat überdie finanzielle Situation berichtet, die Einnahmen<lb/>
1973 werden 128 Mia betragen, die Ausgaben aber 141 Mia. Dadurch<lb/>
erhöht sich das Defizit von 11,2 Mia auf 12,8 Mia. ALlerdings<lb/>
meint er, dass unter Schonung des Kapitalmarktes, er hätte Anleihe<lb break="no"/>ermächtigungen gehbabt, die als Einnahmen gelten, statt 9 Mia nur<lb/>
4 Mia aufgenommen aht. Für 1974 ist die Situation noch schlechter.<lb/>
Die Steigerungen für die Ausgaben und vor allem einmal die ge<lb break="no"/>ringeren Einnahmen durch die Einkommenssteuersenkung 1973<lb/>
die sihc erst 1974 bemerkbar machen, werden die Einnahmen wesentlich<lb/>
verringern. Die Bruttonationalproduktrealerwartung von 4,5 %<lb/>
d.h. die Erhöhung von 3 auf 4,5 % teilt er nicht, weil im Vorjahr<lb/>
noch plus 100.000 Arbeitskräfte zur Verfügung standen, die heuer<lb/>
nicht mher zu erwarten sind. Hier differiert er immer wieder mit<lb/>
meinen AUffassungen, weil ich bis jetzt bei der Prognose des Wachs<lb break="no"/>tums rechtgehabt habe, während er pessimistischer ist. Ich bin<lb/>
überzeugt, dass wir die 4,5 % erreichen werden. Wahrscheinlich<lb/>
sogar noch überschreiten. Interessant war nur sein Vorschlag, einen<lb/>
gespaltenen Index zu machen. Er meinte, man müsse selbstverständlich<lb/>
den jetzigen Verbraucherpreisindex weiterführen, um sich nicht dem<lb/>
Vorwurf auszusetzen, dass man manipuliert, darüber hinasu aber<lb/>
sollte ein reiner Exportindex erstellt werden. Die Folgewirkungen<lb/>
der Öl- und Rohstoffverknappungen müsste man ausscheiden um zu<lb/>
demonstrieren, dass die Preiserhöhung, die der normale Index zeigen<lb/>
wird, auf einen Grossteil dieses Einflusses zurückgeht. Da ich von<lb/>
einer solchen BErechnung nicht viel halte, habe ich mich naütrlich<lb/>
dazu überhaupt nicht geäussert. Für seine Beamtenforderungen<lb/>
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die werden natürlich auf dem vereinbarten Verbraucherpreisindex be<lb break="no"/>harren. In der Optik wirdües gar nichts bringen, denn früher<lb/>
oder späterwird man sagen, dass die Export- und Importe ja doch<lb/>
nur einen gewissen Einfluss haben und die Preissteigerungen auf die<lb/>
Unfähigkeit der Regierung zurückgehen werden. <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> hat ihn insofern<lb/>
noch unterstützt, als er darauf hinwies, dass die Frankfurter Zeitung<lb/>
vom 26. März festgestellt hat, dass die Importpreise von 27,4 auf<lb/>
32,8 und die Exportpreise von 10,8 auf 13,5 gestiegen sind. Die<lb/>
deutschen Importpreise werden insbesondere mit 71 % Rohstoff<lb break="no"/>verteuerung und 64 % Halbwarenverteuerung belastet. Die Deutschen<lb/>
Exportziffern, die grösstenteils unsere Importpreisziffern sind,<lb/>
zeigen eben eine weitere Steigende Tendenz, da die Zahlungsbilanz<lb break="no"/>überschüsse im Jänner 4 Mia DM, im Feber 5 Mia DM weiter ansteigen<lb/>
und 50 – 60 Mill. DM erwarten lassen, ist mit einer weiteren Aufwer<lb break="no"/>tungsgefahr der DM zu rechnen. <rs type="person" ref="#per__97368">Brandstätter</rs> verwahrte sich dagegen<lb/>
dies bisherige 7 % Aufwertung hätte die Bauern bereits mit 730 Mill. S<lb/>
mehr belastet. Allerdings hat er zugegeben, dass auch die Rinderexport<lb break="no"/>schwierigkeiten nach Italien der Haupgrund der Unruhe in der Bauern<lb break="no"/>schaft sind. <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> für die Handelskammer und die Industriellenver<lb break="no"/>einigung, es war nur die zweite Garnitur dieser anwesend, da<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> in China sind, wollte neuerdings Förderungsmass<lb break="no"/>nahmen für den Export. Sie stellen sich allerdings, wie sich dann<lb/>
in der Diskussion herausstellte, nur vor, die Volumen der Export<lb break="no"/>finanzierung aufzustocken. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> machte einen entscheidenden Vor<lb break="no"/>schlag, nämlich, dass die Handelsspanne, die bei Rohmaterial und<lb/>
Energiepreissteigerungen zu einer Produktensteigerung führt, nicht<lb/>
ebenfalls perzentuell gleichbleibend und damit eine weitere Ver<lb break="no"/>teuerung für dne Endverbraucher bringen, ebenso wollte er,<lb/>
dass bezüglich des Wohnungs- und Baupreiswesens die ÖNORM endgültig<lb/>
revidiert wird. Die Überwälzung aller Kosten, wenn sie 2,5 % über<lb break="no"/>steigen, hält er für verheerend. Hier hat er sich wahrscheinlich auf<lb/>
laufenden Bauarbeiterverhandlungen bezogen. Ebenosmeinte er,<lb/>
könne er feststellen, dass die Paritätische Kommission z.B. auf dem<lb/>
Metallsektor bescheidene Preiserhöhungen genehmigt, aber die im<lb/>
Finanzministerium tagende Kommission, die dann die Unterbehörden<lb/>
anweist, was mit den laufenden Verträgen zu geschehen hat, sich über<lb/>
Beschlüsse der Paritätischen Kommission hinweg und gibt Genehmigung<lb/>
zu höheren Sätzen.</p><pb n="20-0379" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-03-27_0379.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-27_15">Ich habe <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> meine Fernschreiberdiskussion mit LH <rs type="person" ref="#per__137200">Lechner</rs><lb/>
zu lesen gegeben, Er hat mir dann einen Zettel geschrieben,<lb/>
wo er mir mitteilte, dass es ihm leidtut, dass er heute<lb/>
explodiert ist, wegen der unterbrochenen Verhandlungen der Molkerei<lb break="no"/>arbeiter. <rs type="person" ref="#per__114535">Staudinger</rs> hat mir berichtet, er hätte ihm eine ganz<lb/>
harte Diskussion gehabt. Ich habe ihm deshalb einen Zettel dann<lb/>
zurückgeschcitk, wo ich ihm grösstes Verständnis vor gelegentliche<lb/>
Explosionen versicherte, weil ich meine, dass er dadurch sich<lb/>
vor einem Ulcus schützen kann. Im Empfahl ihm daher in genauso<lb/>
freundschaftlichen Worten wie er sich zuerst entschuldigte, so<lb/>
zu bleiben, wie er ist. Ich bin nämlich wirklich überzeugt, dass<lb/>
er als so "grader Michl" richtige Typ eines Gewerkschaftsführers<lb/>
ist und bleiben soll.</p></div>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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