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            <title type="main">Freitag, der 22. März 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-22_01">Freitag, 22. März 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-22_02"><rs type="person" ref="#per__113123">Moskovics</rs> vom Bankhaus Winter intetessiert sich für die Einla<lb break="no"/>gerung. Scheibnar wittert jetzt auch Banken und Kreditinstitute<lb/>
die Möglichkeit über die Einlagerung zu günstigen Krediten zu kommen.<lb/>
Ixh habe ihn sofort an Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> verwiesen, da ich interessier<lb/>
bin, dass <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> nicht nur von Firmen, die produzieren sondern von<lb/>
Kreditapparatfirmen erfährt, wie die Einlagerung besser gemacht<lb/>
werden könnte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-22_03">In der AK-Fraktion, die beschlussunfähig war, deshalb glaube ich<lb/>
wurde auch der Vorstand dann abgesagt, es sind immer weiniger<lb/>
Mitglieder bei den Sitzungen anwesend, diskutierte ich mit <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs><lb/>
insbesondere über die Milchpreisgestaltung. <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> meint noch<lb/>
immer 25 Groschen für den Erzeuger seien genug, obwohl andere<lb/>
Genossinnen und Genossen mir zustimmten, dass man den Bauern auch<lb/>
30 Groschen geben könnte. Anschliessend entwickelte sich der<lb/>
heftigste Streit, ob der Milchverbraucherpreis um 1 S erhöht<lb/>
werden sollte, wie ihn der Milchwirtschaftsfonds errechneht Hat.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> wehrte sich ganz entschieden dagegen, dass die AK im<lb/>
Milchwirtschaftsfonds einen Einfluss hat und meint, dass Hofrat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140106">Lechner</rs>, den wir seinerzeit auf Vorschlag von <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> dort instal<lb break="no"/>liert haben als neutraler Vertreter ja wie ich es sogar behauptete<lb/>
seinerzeit als unser Vertreter dort zum Geschäftsführer gemacht<lb/>
wurde. Die Fraktion kam dann überein, dass bis zu 80 Groschen<lb/>
Milchpreiserhöhung akzeptiert werden könnten. Bezüglich der Enquete<lb/>
oder Sitzung im Burgenland wegen der Ostliberalisierung hat <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs><lb/>
sich entschieden geweigert, dort hinzugehen. Seiner Auffassung nach<lb/>
ist es unmöglich sich in einer solchen Enquete unter dem Druck<lb/>
der Interessensvertreter zu behaupten. Da er keine Stellungnahme<lb/>
abgeben wollte, hat er tatsächlich verhindert, dass der Vorstand<lb/>
beschloss, irgendjemanden dorthin zu entsenden. Auch <rs type="person" ref="#per__97676">Tommy Lachs</rs>,<lb/>
da er Aufsichtsrat bie der KGW hat, hat abgelehnt mit mir ins<lb/>
Burgenland mitzufahren. Objektiv gesehen hat <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> siche recht,<lb/>
wenn er meint, man sollte sich gar nicht erst in eine Diskussion<lb/>
mit den Interessensvertretungen der Bauern und der Handelskammer<lb/>
in einer so heiklen Frage einlassen. Eine solche Stellungnahme<lb/>
hätte es allerdings unter meiner Zeit nicht gegeben, denn ich<lb/>
hätte selbstverständlich, enweder, wenn ich aufgefordert worden<lb/>
<pb n="20-0353" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-03-22_0353.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>wäre, selbst daran teilgenommen ode r zumindestens <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs><lb/>
oder einen anderen Referenten geschickt. <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> hat mir nachher<lb/>
gesagt, dass er auf ausdrückliche Weisung von <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> abgelehnt<lb/>
hat, an solchen Besprechungen teilzunehmen. <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> dürfte das<lb/>
GEfähl gehbat haben, mit seiner Stellungnahme ganz harte eigent<lb break="no"/>lich gegen mich argumentiert zu haben, weshalb er mittags dann<lb/>
erschien um Details dieser Politik mit mir zu besprechen.<lb/>
Persönlich nehmeich ihm seine Stellungnahme überhapt nicht übel,<lb/>
denn ich kenne ihn als einen ehrlicher und aufrechten Streiter,<lb/>
der allerdings manchmal so extreme Forderungen oder STandpunkte<lb/>
bezieht, dass er damit volkommen allein steht.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-22_04">Der Energiebeirat, welcher nach der ersten Sitzung be<lb break="no"/>reits den TErmin fixierte, hat im Ministerium seine zweite<lb/>
Sitzungen abgehalten und <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> hat dort nur mündlich über<lb/>
den Fortgang der Arbeiten zum Energiekonzept berichtete. Ich<lb/>
habe die anwesenden aufgefordert, damit das Ganze ein bisschen<lb/>
zu langsam geht, sie sollten entsprechende Vor<lb break="no"/>schläge machen, wenn sie selbstirgendwelche neue Überlegungen<lb/>
und Ideen haben. Es aht sich n ur Dr. <rs type="person" ref="#per__97872">Rief</rs> von der Bundeskammer<lb/>
gemeldet und erklärt, er hätte erwartet, dass bereits jetzt<lb/>
die fertigen, vom Büro ausgearbeiteten Kapitaln wie z.B. Kohle<lb/>
heute schon zur Diskussion gestllt werden. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> ht hier<lb/>
richtig gekontert, indem er meinte, es wäre zielführender die<lb/>
einzelnen Kapiteln noch im Dialog mit den Interessensvertretungen<lb/>
zu besprechen und abzustimmen. Ansonsten würde es uns nämlich<lb/>
so ergehen, wie es auch <rs type="person" ref="#per__97872">Rief</rs> seinerzeit ergangen ist, dass die<lb/>
einzelnen GRuppen, also z.B. die Kohlen-Leute mit der Elektrizi<lb break="no"/>tät und die Elektrizitätsleute mit den Ölleuten und Gasleuten<lb/>
gar nicht mehr geesprochen haben. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> hat auch dort dezidiert<lb/>
erklärt, dass das Energiekonzept vordme Sommer fertig sein wird.<lb/>
Damit hat er sich auch öffentlich zu den von mir aus äussersten<lb/>
Termin vorgesehenen Zeitpunkt bekannt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-22_05">IM Antidumpingbeirat, wo es um Strumpfhosen aus Israel ging, hat<lb/>
es ganz verkehrte Fronten gegeben. <rs type="person" ref="#per__97676">Tommy Lachs</rs> hat dort zu meiner<lb/>
grössten Überraschung ekrlärt, dass er sehr wohl für den Schutz<lb/>
der heimischen Strumpfhosenerzeuger, d.h. der Strümpfeproduzenten<lb/>
eintritt. Da aber die Importe nicht nur aus Israel eine Gefahr<lb/>
für sie bedeuten sondenr auch aus Frankreich und Italien, hat<lb/>
er verlangt, dass auch andere Länder, er meinte sogar<lb/>
<pb n="20-0354" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-03-22_0354.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>weltweit eine solche Antimarktstörungsverordnung erlassen werden<lb/>
müsse. Dagegen haben insbesondere Dr. <rs type="person" ref="#per__114963">Dinzl</rs> unser Fachreferent<lb/>
und von der Sektion I GATT-Referat grösste Bedenken gehabt, weil<lb/>
hier mit dieser Anordnung im GATT eine sofortige harte Attacke<lb/>
wir bekommen würden. Während meiner Anwesenhiet ist es noch gelung<lb/>
über dne Richtpreis eine einheitliche Auffassung zu erzielen.<lb/>
Anstelle der 6.10 S wie das Büro bei uns errehcnet hat, aller<lb break="no"/>dings hat selbst gegen diese BErechnung das Finanzministerium<lb/>
Bedenken gehabt, haben wir uns dann auf 5.80 S Dr. <rs type="person" ref="#per__140608">Huber</rs> vom<lb/>
Fachverband hat dem zugestimmt, geeinigt. Damit ist zumindestens<lb/>
jetzt einmal der Richtpreis ausser Streit. Meine Absicht ist , den<lb/>
israelischen Handelsrat und Botschafter unverzüglich zu mir zu<lb/>
ibtten, um ihn zu ersuchen, er möge alles veranlassen, dass die<lb/>
Israeli um 5.80 nur mehr die Strümpfe hierher exportieren, wodurch<lb/>
sich womöglich der Erlass der Verordnung erübrigen würde.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-22_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte die entsprechenden Veranlassungen<lb/>
treffen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-22_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Bitte dne Handelsrat udn Botschafter<lb/>
so schnell wie möglich zu mir bestellen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-22_08">Die Besprechung überdie Ostliberalisierung in Eisenstadt<lb/>
lief glaube ich ganz anders als es sich die Bauern vorgestellt<lb/>
hatten. Es warne dort hauptsächlich Funktionäre des Bauernhundes<lb/>
und vor allem deren Bürokratie erschienen. Die Landwirtschafts<lb break="no"/>kammern von Steiermark, NÖ und des Burgenlandes aber auch die<lb/>
Handelskammervertreter Burgenlands, von der AK war nur KAD Kapaun<lb/>
der ein einziges Ma das Wort ergriff, um dort zu ersuchen, man<lb/>
solle ausschliesslich über das Tagesthema Ostliberalisierung<lb/>
diskutieren. Ich nützte naatrülchdie Möglich, um dne Bauern gehörig<lb/>
meine Meinung zu sagne. Vorallem aber erörterte ich eingangs, dass<lb/>
ich mich sehr gefreut htäte, wenn man objektiv über ihre seinerzeitige<lb/>
Enquete im Oktober 1973 berichtete. Ich habe angenommen, dass ich<lb/>
damals gar nicht eingeladen wurde, was allerdings mir ein Vertreter<lb/>
der Gesellschaft, die diese Veranstaltung damals machte, widelegte</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-22_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Angeblich haben wir den Termin sogar mit ihne<lb/>
am 10. Oktober vereinbarte, damit ich daran<lb/>
teilnehmen kann. Bitte die Angelegenheit<lb/>
prüfen.</p><pb n="20-0355" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-03-22_0355.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-22_10">Die Forderungen der Bauern gehen auf die Errichtung einer Markt<lb break="no"/>ordnung mit Schöpfung und Erstattung ähnlich wie es die EG hat<lb/>
hinaus. Ich habe mich dort nicht dezidiert gegegen diese Forderung<lb/>
ausgesprochen, wohl aber erklärt, dass mit dem Vidierungsverfah<lb break="no"/>ren die notwendigen Schritte gesichert sind, damit Obst und<lb/>
Gemüseanbau in Österreich möglich ist. Die Interessensvertretungen<lb/>
werden jetzt ein System für diesen Sektor auszuarbeiten haben.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97676">Tommy Lachs</rs> hat mir zugesichert, dass er bereits den Bürgermeister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__115602">Peck</rs>, der anwesend war, sich aber auch nicht zu Wort meldete,<lb/>
ausdrücklich erklärt hat, dass er einverstanden ist, wenn ein geiw<lb/>
wisser Perzentsatz von Ostwaren auf diesem Sektor festgelegt werden<lb/>
die zu einme gewissen Mindestpreis eingeführt werden müssen.<lb/>
Dieser Prozentsatz würde dann als Richtschnur für mein Haus<lb/>
dienen, solange er nicht überschritten ist, wird die Vidierung<lb/>
erfolgen. Sollte dann eine wirkliche Überschwemmung eintreten,<lb/>
dann würde automatisch von meinem Haus eine Vidierung<lb/>
zumindestens zeitweise solange geprüft werdne, bis eben dann<lb/>
die Einfuhr uninteressant ist. Auf diesem administrativen Ver<lb break="no"/>fahren könnten wir die entsprechenden Schutz für den Obst- und<lb/>
Gemüsebau nicht nur im Burgenland wie sich dort herausstellte<lb/>
und die steirischen und die nö. und auch Wiener Gärtner erklärten<lb/>
sondenr für den gesamten Obst- und Gemüsebau in Österreich er<lb break="no"/>geben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-22_11">Die Vorbereitungen von meinem Büro und Haus für mich war nicht sehr<lb/>
zielführend. ICh hatte unbedingt verlangt, man sollte mir eine<lb/>
ZUsammenstellung von den entsprechenden Bestimmungen in den Ost<lb break="no"/>verträgen machen. Zum GÜclk habe ich dann in der letzten Minute<lb/>
eine Zusammenstllung bkeommen, die die Abteilung bie uns im<lb/>
Haus schon gehabt hat. Eine wortwörtlicher Abdruck aber der ent<lb break="no"/>sprechenden vertraulichen Briefe resp. escape clause warne darin<lb/>
nicht enthalten. Ausserdem wurde dort behaupet, dass ein Brief<lb break="no"/>wechsel zwischen mir und der bgl. Landesregierung existiert,<lb/>
auf den auch bezuggenommen wurde und den ich ebenfallas zu<lb/>
den Unterlagen nicht geliefert bekommen habe.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-22_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Hier muss tatsächlich vom Haus eine bessere<lb/>
und zeitgerchterre Vorbereitung erfolgen.<lb/>
Ich hatte Dich ausdrücklich darum ersucht.</p><pb n="20-0356" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-03-22_0356.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-22_13">Bei der öffentlichen Diskussion in Währing mit Prof. <rs type="person" ref="#per__133317">Knapp</rs> und<lb/>
Dkfm. <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> von der ÖMV über die Energiekrise ergab sich<lb/>
das übliche Blid. Es waren immerhin fast über hundert Teilnehmer<lb/>
doch meistens ältere Vertrauenspersonen der SPÖ Währing. <rs type="person" ref="#per__133317">Knapp</rs><lb/>
hat eine sehr interessesante Ausführung über seine Auffassung<lb/>
wie es zu dieser Energiekrise gekommen ist und was wir in Hinkunft<lb/>
tun müssten, nämlich sparen, damit wir nicht so viele Devisen<lb/>
ausgeben und unsere Zahlungsbilanz belasten, dort erklärt, dass<lb/>
allerdingfs fürchte ich von 90 % der ANwesenden nicht verstanden<lb/>
wurde. Solche Diskussionen sind sicherlich sehr interessant nur<lb/>
meiner Meinung nahc ist das Publikum dafür kaum geeignet.</p></div>
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            <head>Tagesprogramm, 22.3.1974</head>
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