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            <title type="main">Dienstag, der  5. März 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-05_01">Dienstag, 5. März 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-05_02">Dir. <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs>, Vizegouverneur <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> und Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> be<lb break="no"/>sprechen mit mir die neue Bestellung des Aufsichtsrates für die<lb/>
Verbundgesellschaft. Der bisherigen Sektionschef der Energiesektion<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__136608">Chech</rs> ist mit l. 1. 1974 in Pension gegangen. Als sein Vorgänger<lb/>
Sekt.Chef Dr. <rs type="person" ref="#per__141595">Fürst</rs> aus dem Ministerium ausgeschieden ist, wurde<lb/>
sein Aufsichtsratsposten nach seinem allerdings sehr baldigem<lb/>
Ableben sofort von Dr. <rs type="person" ref="#per__136608">Chech</rs> besetzt. In weiterer Folge wurde er<lb/>
nur mit den Stimmen der ÖVP zum zweiten Vorsitzendenstellvertreter<lb/>
gewählt. Ich lasse mich mit Präs. <rs type="person" ref="#per__112215">Weiss</rs>, dem ehemaligen Energieminister<lb/>
verbinden, der seinerzeit <rs type="person" ref="#per__136608">Chech</rs> eingesetzt hat und erkläre ihm<lb/>
in aller Freundschaft, er will ja mit mir gut kooperieren, dass<lb/>
er dieses Problem lösen muss. Er sieht ein, dass Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> in<lb/>
den Aufsichtsrat kommen muss. Allerdings meint er, damit wird der<lb/>
Proporz gestört. Ich erkläre rundwegs, dass die Sektionsleitung immer<lb/>
ohne eine proporzmässigen Zuteilung im Aufsichtsrat vertreten war.<lb/>
Da ich mich uninformiert stelle und mir die SPÖ und ÖVP-Mitglieder<lb/>
nennen lasse, kann ich umso überraschter tun als Sektionschef<lb/>
<rs type="person" ref="#per__126990">Neudörfer</rs> von Finanzministerium als ein SPÖ-Mann gilt. <rs type="person" ref="#per__112215">Weiss</rs> muss<lb/>
zugeben, dass es sich hier um einen unabhängigen Fachmann handelt<lb/>
und genau dasselbe verlange ich natürlich von den anderen beamteten<lb/>
Vertretern. Präs. <rs type="person" ref="#per__112215">Weiss</rs> wird ausserdem mit LH <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> sprechen,<lb/>
damit wir in der Donau die notwendigen Vorstandsänderungen vornehmen<lb/>
können. Ich bin fest entschlossen, auf gütiger Basis die Probleme<lb/>
zu lösen, wenn es allerdings nicht gelingen sollte, werde ich auch<lb/>
mit notwendiger Mehrheit unverzüglich die Änderung herbeiführen.<lb/>
Ich erkläre den Vertretern <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs>, <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs>, aber auch <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs>, dass<lb/>
man schon glaube ich bemerkt hat, dass ich eine andere Art der<lb/>
Geschäftsführung auch der Elektrizitätswirtschaft habe. Meine<lb/>
Absicht war und ist, die Probleme im Detail zu kennen, sei es bei<lb/>
der Preisbildung, sei es bei der Investitionspolitik, sei es bei<lb/>
der Personalpolitik, und dann zu handeln. Ich glaube, dass diese<lb/>
Methode auch auf diese drei entsprechend wirkt und dass man letzten<lb/>
Endes in der gesamten Elektrizitätswirtschaft anerkennt. Zumindestesn<lb/>
wurde mit dies bis jetzt so versichert.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-05_03">In der Ministeratssitzung beschliessen wir jetzt endlich die neuen<lb/>
10.- und 5.-Schilling-Münzen, wobei <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> mir schon vorher<lb/>
zugesichert hat, nur mehr automatengerechte Neuauflagen zu machen.<lb/>
Damit ist die wichtigste Forderung der Automatenbesitzer erfüllt.</p><pb n="20-0297" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-03-05_0297.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-05_04">Ich werde deshalb an alle bei mit intervenierenden Firmen einen<lb/>
Brief schreiben und besonders auf diesen vollen Erfolg ihrer Inter<lb break="no"/>vention hinweisen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-05_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97498">GRÜNWALD</rs>: Mitteilungsschreiben an Dr. <rs type="person" ref="#per__134294">Zajicek</rs>, Sektion<lb/>
Handel, Bundeskammer, und an alle im Fern<lb break="no"/>schreiben angegebenen Automatenfirmen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-05_06"><rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> soll vom Unterichtsminister in der CSSR eingeladen, am 13.3.<lb/>
dorthin fahren, doch hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> grösste Bedenken. Ein Hubschrauber<lb/>
des österr. Bundesheeres wurde auf österreichischem Gebiet von einem<lb/>
CSSR-Flieger abgedrängt. Der Flieger hat, vielleicht sogar zurecht,<lb/>
angenommen, dass von Seite des Hubschraubers fotographische Aufnahme<lb/>
getätigt werden und damit eine Grenzverletzung begangen. Da sich aber<lb/>
der Hubschrauber auf österreichischem Gebiet befand, war das Vorgehen<lb/>
eindeutig völkerrechtswidrig. Mit der CSSR gibt es wieder gespannte<lb/>
Verhältnisse und insbesondere ist die Frage der Vermögensablöse wo<lb/>
die Tschechen nur 700 Mill. S bieten und Österreich mindestens 1 Mia<lb/>
verlangt, noch immer offen. Hoffentlich hat sich dieses Problem bis<lb/>
zur Herbstmesse, wo der csl. Aussenhandelsminister kommen soll, be<lb break="no"/>reits gelöst.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-05_07">Ich berichte über die Iran-Reise und erkläre noch einmal <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>,<lb/>
dass er nach Auffassung der iranischen Regierung im Oktober nach Teheran<lb/>
kommen sollte. Der persischen Botschafter in Österreich <rs type="person" ref="#per__114913">Namdar</rs> hat<lb/>
das überall in Persien erzählt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-05_08">Nach dem Ministerrat mache ich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> darauf aufmerksam, dass ich<lb/>
bei eventueller Umbesetzung in der Energiewirtschaft entsprechende<lb/>
Schwierigkeiten haben könnte und dann es zu einer Auseinandersetzung<lb/>
mit der ÖVP kommen könnte. Er ist mit meiner Vorgangsweise absolut<lb/>
einverstanden. Auch seiner Meinung nach müsste man von der Proporz<lb break="no"/>bestimmung wegkommen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-05_09">Bei einer Vorsprache beim Herrn Bundespräsidenten berichte ich zuerst<lb/>
von der Reise nach Teheran und dann von der beabsichtigten Reise nach<lb/>
Moskau. <rs type="person" ref="#per__97607">Jonas</rs> erinnert sich noch sehr genau über seine Reisen, er<lb break="no"/>sucht mich, alle grüssen zu lassen, kennt alle Details und interes<lb break="no"/>siert sich für alle Details. Er kämpft mit Schluckbeschwerden, Schnackerl<lb/>
ist aber sonst in jeder Beziehung ganz der Alte. Pflichterfüllung, wie<lb/>
man sie sonstwo kaum findet. Wir überziehen die Zeit beträchtlich, <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__98066">Robert Weisz</rs> warten bereits seit 20 Minuten. Ich frage, ob ich die<lb/>
<pb n="20-0298" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-03-05_0298.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Wiener Messe heute in seinem Namen und seinem Auftrag eröffnen darf,<lb/>
was er mir gerne zugesteht. Ebenso geht er auf Grund seines Kalenders,<lb/>
den er fast im Kopf hat, alle weiteren Verpflichtungen durch und er<lb break="no"/>sucht mich am 2. Mai in Ottensheim das Donaukraftwerke zu eröffnen und<lb/>
am 22. Mai in Simmerung die 100-Jahr-Feier einer Firma, die er zugesagt<lb/>
hat, für ihn durchzuführen. Ich ersuche ihn, wenn er irgendwelche Aufträge<lb/>
für mich hat und ich irgendetwas für ihn erledigen kann, er mir dies<lb/>
unverzüglich wissen lässt, ich werde selbstverständlich alle anderen<lb/>
Verpflichtungen dann sofort absagen und zurückstellen, um für ihn<lb/>
Zeit zu haben. Ich habe das Gefühl, dass über diese Aussprache und insbe<lb break="no"/>sondere über mein Angebot er sehr erfreut ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-05_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Nach Rückkunft von Moskau bitte sofort mit<lb/>
seinem Büro entsprechenden Berichterstattungs<lb break="no"/>termin vereinbaren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-05_11">Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__114589">Canisius</rs>, der Handelsdelegierte in Moskau, und<lb/>
ich besprechen die Projekte und die Vorgangsweise der Gemischten Kommis<lb break="no"/>sion. Wir einigen uns sofort auf mein Prinzip, dass ich bei der Ankunft<lb/>
ein in Russisch gehaltenes Papier <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> oder wer mich sonst am Flug<lb break="no"/>hafen abholt, geben werde, über das wir dann in der Gemischten Kommission<lb/>
sehr konkret diskutieren wollten. An und für sich bin ich der Meinung,<lb/>
dass diese Gemischten Kommission, wo keinerlei sehr konkrete Geschäfte<lb/>
oft zur Debatte stehen, nicht alle Jahre regelmässig abgehalten werden<lb/>
sollten, sondern dass wir hier flexibler vorgehen müssten. Ich habe<lb/>
diesbezüglich auch mit Aussenminister <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> gesprochen, der<lb/>
allerdings meint, ich sollte ja nicht ein solches Problem von mir aus<lb/>
bei <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> anschneiden. Es besteht sofort die Gefahr, dass die<lb/>
SU darin einen hochpolitischen Akt sieht, wir uns vielleicht jetzt<lb/>
mehr dem Westen den Amerikaner wieder annähern wollen, mit der SU<lb/>
eingelaufene und vorgesehene Besprechungen nicht mehr abhalten wollen<lb/>
und damit zu einer Klimaverschlechterung kommen könnten, die wahrlich<lb/>
auch von mir nicht beabsichtigt ist. Ich kann und werde deshalb nur<lb/>
versuchen, die Kommission so rationell so effektiv als möglich durch<lb break="no"/>zuziehen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-05_12">Bei der Verleihung des Staatspreises für Möbel hatte Komm.Rat <rs type="person" ref="#per__113630">Effenberg</rs>,<lb/>
der Industrievertreter einleitend gemeint, wir seien eine familiäre Zu<lb break="no"/>sammenkunft und ich nützte natürlich diese Einleitung, um dann sehr fami<lb break="no"/>liär und locker, wie mir alle versicherten sehr launisch, doch die<lb/>
Bedeutung des Möbelhandels, der Industrie, des Tischlergewerbes und<lb/>
<pb n="20-0299" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-03-05_0299.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ganze besonders die Konjunkturentwicklung herauszustreichen. Obwohl<lb/>
mir mein Magen anfangs grosse Schwierigkeiten machte, hat sich dann<lb/>
herausgestellt, dass im Laufe des Rundganges und auch der nachfolgenden<lb/>
Messe-Eröffnung eine wesentliche Besserung sich ergab. Es war mir deshalb<lb/>
ein reines Vergnügen, der anwesenden ÖVP-Prominenz auseinanderzusetzen,<lb/>
welche Wirtschaftserfolge wir gerade jetzt entgegen ihren Prognosen er<lb break="no"/>zielen konnten. <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> sass picksauer dort, <rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs> sah – so wie<lb/>
immer – weg und die anderen ÖVP-ler soweit sie Humor haben, haben viel<lb break="no"/>leicht innerlich gelacht, äusserlich aber sich sicherlich sehr geärgert.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> hatte vorher mir gegenüber gemeint, wenn du Preise nennst, dann<lb/>
langsam, damit sie es hören, wie es in anderen Staaten zugeht und <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs><lb/>
meinte zum Schluss, jetzt hätten wir nur noch das Lied der Arbeit<lb/>
singen müssen und Freundschaft grüssen. Den Tip, die Regierungsarbeit<lb/>
so herauszustreichen, hat mir <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> gegeben, ich glaube, er war sehr<lb/>
wichtig und ich habe ihn in meiner Art glaube ich auch gut vertreten.<lb/>
Da ich niemals in keiner einzigen Phase eine politische Bemerkung<lb/>
machte, sondern immer nur von den schlechten Prognosen gesprochen haben,<lb/>
die eben nicht eingetreten sind und das die Regierung handelt, weil sie<lb/>
handeln muss, kann man mir sicherlich nicht vorwerfen, dass ich reine<lb/>
Parteipropaganda gemacht habe, obwohl ich natürlich sehr mit<lb/>
Absicht die Erfolge entsprechend herausgestellt habe. Unfair ist veil<lb break="no"/>leicht das Einzige, dass die ÖVP überhaupt nicht antworten kann.<lb/>
aber gerade die ÖVP war in den letzten Monaten sowie die FPÖ zu mir auch<lb/>
nicht gerade sehr fein. Meine grosse Masche war aber, dass ich immer<lb/>
wieder darauf hinwies, dass alle diese Massnahmen insbesondere soweit<lb/>
sie von mir verfügt wurden, im engsten Einvernehmen und mit Zustimmung<lb/>
der Interessensvertretungen erfolgte. Ausserdem unterstrich ich, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97607">Jonas</rs> ja bei jeder Messe -Eröffnung die Sozialpartnerschaft herausgestrichen<lb/>
hat und dass ist auch mit ein Erfolg dieser Sozialpartnerschaft oder<lb/>
Wirtschaftspartnerschaft, dass Österreich diese Entwicklung nehmen<lb/>
konnte. Vorher hatte ich bereits Gelegenheit mit Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__97368">Brandstätter</rs><lb/>
und Landesrat <rs type="person" ref="#per__113056">Bierbaum</rs> zwar getrennt aber für beide bestimmt die Milch<lb break="no"/>preisentwicklung zu besprechen. Ich erklärte, nachdem ich mich vorher mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs> ins Einvernehmen gesetzt hatte und von ihm erfuhr, dass keinerlei<lb/>
Verzögerungen durchgeführt wurden, <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> hat mir genau dasselbe bestätigt<lb/>
wir vom Standpunkt der Preisbehörde alles unternehmen, um so schnell<lb/>
wie möglich zu einem Ergebnis zu kommen. Leider war es nicht möglich<lb/>
früher die Ergebnisse der buchführenden Gesellschaft für diese Milchbe<lb break="no"/>triebe zu erhalten, sodass eben leider das Verfahren so lange gedauert hat<lb/>
<pb n="20-0300" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-03-05_0300.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><rs type="person" ref="#per__113056">Bierbaum</rs> meinte, allerdings zurecht, dass man ja nicht ab 1. Jänner<lb/>
rechnen könnte, sondern dass ein Minister auch die Tätigkeit seines<lb/>
Vorgängers mitzuverantworten hat. Die Landwirtschaft hat schon vor<lb/>
längere Zeit den Milchpreis im Landwirtschaftsministerium eingereicht<lb/>
gehabt und erwartet deshalb eine Lösung. Diesbezügliche Besprechungen<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> ergaben, dass auch er bereit ist, eine Erzeugerpreiserhö<lb break="no"/>hung von 25 Groschen und eine Verbraucherpreiserhöhung von 50 Groschen<lb/>
zu akzeptieren. Ich selbst hätte es am liebsten, wenn die Überprüfungen<lb/>
bei den jetzt als typische Milchproduktionsbetriebe von der Buchführungs<lb break="no"/>gesellschaft herausgerechneten Zahlen sich ergäbe, dass der Milchpreis<lb/>
rechnungsmässig z.B. nur um 18 Groschen oder 19 Groschen erhöht werden<lb/>
müsste. In diesem Fall würde ich dann trotzdem erklären, es ist volks<lb break="no"/>wirtschaftlich gerechtfertigt, den Milcherzeugerpreis um sagen wir<lb/>
25 Groschen zu erhöhen. In einem solchen Fall würde nämlich einmal<lb/>
eben die volkswirtschaftliche Berechtigung nicht zu einem Abstrich<lb/>
sondern zu einer Erholung führen, dies wäre für meine politische<lb/>
aber vor allem einmal preispolitische Konzeption ungeheuer wichtig.<lb/>
Das letzte Mal hat nach Auskunft der Arbeiterkammer die rechnungsmässige<lb/>
Erhöhung des Milcherzeugerpreises nur 4 Groschen ausgemacht und <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs><lb/>
hat vorher aber bereits bestimmt gehabt, dass der Milchpreis um 15 Gro<lb break="no"/>schen erhöht wird. Dies ist und war meiner Meinung nach ein grosser<lb/>
Fehler. Zuerst müsste es gelingen, Übereinstimmung über die Berechnungs<lb break="no"/>methode, über den rechnungsmässig errechneten Betrag zu erzielen, um<lb/>
dann erst den volkswirtschafltich gerechtfertigten Preis festzulegen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> habe ich bei der Messe auch bereits aufmerksam gemacht, dass ich<lb/>
jetzt dem Milchpreis sehr bald endgültig fixieren muss und er war<lb/>
damit sehr einverstanden. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> hält nämlich gar nichts davon, wenn<lb/>
man solche Probleme auf die lange Bank schiebt, weil dies nur zu<lb/>
einer Verärgerung der Bauernvertreter führt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-05_13">Zur Wiener Frühjahrsmesse hätte ich auf Vorschlag des Botschafters<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97802">Otto</rs> Minister <rs type="person" ref="#per__97966">Snuderl</rs> aus Jugoslawien eingeladen. Telefongespräche<lb/>
haben ergeben, dass er bereit war zu kommen. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs>, hier sieht<lb/>
man, welch feines Gefühl er hat und wie gut er Aussenpolitik versteht,<lb/>
hat mir allerdings als ich ihm davon Mitteilung machte, gesagt,<lb/>
damit ist noch nicht sicher, ob er wirklich kommt, es sei ohne weiteres<lb/>
möglich, dass die Regierung ihm dieses verbietet. Nicht zuletzt wegen<lb/>
des Sprachenstreites in Kärnten. Tatsächlich stellte sich dann im Laufe<lb/>
des Nachmittags heraus, dass von jug. Seite und zwar letztlich erkennbar<lb/>
eine diesbezügliche Absage eintraf. Ich werde deshalb bei der jetzigen<lb/>
<pb n="20-0301" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-03-05_0301.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Messe keinen ausländischen Minister haben, den ich betreuen könnte<lb/>
und bei der nächsten, wo dann die 100. Messe stattfinden wird, also<lb/>
eine Jubiläumsmesse, wahrscheinlich mehrere. Auch nicht gerade eine<lb/>
glückliche Einteilung.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-05_14">In der Bezirksausschussitzung diskutierten wir wieder einmal die<lb/>
Politik der Wiener Gemeindeverwaltung insbesondere die rückwirkende<lb/>
Strompreiserhöhung. Niemand kann natürlich verstehen, dass die Gemeinde<lb/>
eben mit 1. Feber das Recht gehabt hat, die Preise zu erhöhen und jetzt<lb/>
erst am 23. oder 22. Feber, das Datum weiss ich nicht genau, den Be<lb break="no"/>schluss im Wiener Gemeinderat durchführt und damit eigentlich natürlich<lb/>
rückwirkend eine Preiserhöhung vornimmt. Überhaupt kommen jetzt immer<lb/>
mehr die Gemeindeagenden in die Diskussion und werden immer härter<lb/>
kritisiert. Genauso schlecht ging es aber auch dem Konsum, der<lb/>
bekanntlicherweise bei uns auf der Landstrasse durchführt. Insbesondere<lb/>
beklagen sich immer mehr Genossen, dass die kleinen Filialen ge<lb break="no"/>schlossen werden und damit die älteren Leute kaum mehr die Möglich<lb break="no"/>keit haben, sich zu versorgen. Ein Problem, das sicherlich auch<lb/>
die Gemeindeverwaltung in kürzester Zeit wird lösen müssen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-03-05_15"/></div>
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            <head>Tagesordnung 108. Ministerratssitzung, 5.3.1974</head>
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               <occupation>Handelsminister, ÖVP, Präs. HK Wien</occupation>
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               <occupation>BHK, Gremium für den Brennstoffhandel 1971</occupation>
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               <occupation>sowj. Außenhandelsminister</occupation>
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               <occupation>iran. Botschafter</occupation>
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               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
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