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            <title type="main">Sonntag, der 24. Februar 1974 bis Sonntag, der  3. März 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-02-24_01">Sonntag, 24. Feber bis 3. März 1974<lb/>
3. Gemischte iranisch-österreichische Kommission in Teheran</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-02-24_02">Die Reise stand unter einem ungeheuer zwiespältigen Prätext. Auf der<lb/>
einen Seite hat das Fernsehen ein Team mitgeschickt, weil es erwartete<lb/>
dass wir dort über Ölfragen so entscheidende Besprechungen führen,<lb/>
dass selbst eine unmittelbare Reportage als interessant erschien.<lb/>
Auf der andren Seite war von der Handelskammer Dr. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und<lb/>
von der Industriellenvereinigung sogar Präs. <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs>, AK-Präsident<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> mitgefahren, was ein ziemlich hohes Niveau für eine<lb/>
Gemischte Kommission bedeutet. Bei einigen spielten sicherlich<lb/>
Sight-Seeing-Motive auch eine Rolle, doch war <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> schon einige Mal<lb/>
in Teheran, ich selbst habe anfangs ein ungutes Gefühl für diese<lb/>
Reise gehabt. Erstens erwartete ich mir kaum ein positives Ergebnis,<lb/>
obwohl einige Projekte von uns intensivst vorbereitet wurden, zweitens<lb/>
fürchtete ich aber ganz besonders, dass wir letzten Endes in Englisch<lb/>
verhandeln würden, was sich dann auch tatsächlich herausstellte.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> beschwerte sich zwar bei mir, dass es das erste Mal ist, dass<lb/>
überhaupt in einer fremden Sprache Verhandlungen geführt werden,<lb/>
was mir an und für sich auch nicht recht war. Andererseits konnte<lb/>
ich ihm bei Anwesenheit unseres Botschafters <rs type="person" ref="#per__140794">Filz</rs> erklären, dass<lb/>
ich verlangt hatte, man müsste einen deutsch-persischen Über<lb break="no"/>setzer beistellen und der Botschafter erklärte, dies sei unmöglich.<lb/>
Damit war für mich klar, dass weiterhin in Englisch verhandelt wird.<lb/>
Auch dann, wenn ich immer, um <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> nicht weiter zu reizen, zuerst<lb/>
englisch begrüsste, vorstellte die Leute und dann erklärte, die<lb/>
Delegation wünscht, dass ich in Deutsch zumindestens unsere Ausfüh<lb break="no"/>rungen darlege. In kürzester Zeit waren wir natürlich sofort<lb/>
wieder im Englischen. Insbesondere <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs>, der es am perfektesten<lb/>
beherrschte, nützte diesen Vorteil, <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs> sprang in so einem Fall<lb/>
hilfreich ein indem er für <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> und <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> für diese<lb/>
leise übersetzte. Ich war also ausschliesslich auf meine Englisch-<lb/>
Kenntnisse abgewiesen und die sind bekanntlicherweise schlecht genug.<lb/>
Für die, die Englisch können, muss es verheerend gewirkt haben,<lb/>
für die die weniger als ich können, eben die drei oben angeführten<lb/>
war ich sicherlich ein "Jaß", der immer erklärt, er kann nicht eine<lb/>
Sprache und dann sogar in Englisch verhandeln kann. Ich erinnere mich<lb/>
noch gut, dass der seinerzeitige Vizekanzler <rs type="person" ref="#per__97904">Schärf</rs> von Leuten, die<lb/>
ihm nicht wohlgesinnt waren, immer wieder wegen seiner mangelnden<lb/>
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Dies hat <rs type="person" ref="#per__97904">Schärf</rs> sosehr gekränkt, dass er sogar in einem Buch aus<lb break="no"/>führte, er hätte einmal eine Ansprache in Englisch frei gehalten.<lb/>
Niemand, der die Details kennt, wird diese Bemerkung verstehen, sie<lb/>
war nichts anderes, als eine Rechtfertigung sich selbst gegenüber und<lb/>
seinen überheblichen Gegner teilweise in der eigenen Partei die mangelnden<lb/>
Sprachkenntnisse ankreideten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-02-24_03">In Persien hat sich die Situation wahrscheinlich gegen früher wesentlich<lb/>
geändert. Ich war zwar das erste Mal dort, aber mein Eindruck war, jetzt<lb/>
ist Persien ein Land, in dem sich die ganze Welt reisst, Aktivitäten<lb/>
zu entfalten. Die Minister sind alle verhältnismässig jung und richtige<lb/>
Bürokraten oder Technokraten. Der wirklich starke Mann ist der Präsident<lb/>
der NIOC, der nationalen iranischen Ölkompagnie, der bereits alle Re<lb break="no"/>gierungsposten vom Staatssekretär bis zum Ministerpräsidenten durchlaufen<lb/>
hat, von Beruf sogar Arzt ist und wie er mir versichert, auf Wunsch des<lb/>
Kaisers, in dem Fall heisst es dort Befehl des Kaisers diesen Posten<lb/>
jetzt innehat. Bei einer Aussprache mit ihm versuchte ich heraus<lb break="no"/>zubringen, wie er zur österreichischen ÖMV steht. Ich erklärte deshalb,<lb/>
ohne eine Auftrag zu haben von <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> ihn herzlichst grüssen zu lassen,<lb/>
nachdem er einleitend gemeint hat, er kennt die österr. Verhältnisse<lb/>
und die nationale verstaatlichte Industrie sehr gut. Was sicherlich<lb/>
stimmt, weil er sogar einmal eingeladen war. Trotzdem erwiderte er den<lb/>
Gruss überhaupt nicht. Dies kann ein Versehen sein, oder auch wie ich<lb/>
eher glaube, eine deutliche Demonstration, dass er mit dieser Gesell<lb break="no"/>schaft nicht sehr gute Erfahrungen resp. Kontakte hat und will. <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs><lb/>
behauptet zumindestens, dass <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> in Iran immer mit den falschen Leuten<lb/>
verhandelt hat. <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> selbst hat einige Bekannte, sei es aus der seiner<lb break="no"/>zeitigen Rheinstahl-Zeit, wo er Investitionen dort tätigte und viel<lb/>
in Persien war, sei es aus der jetzigen Zeit, wo er einige gute Bezie<lb break="no"/>hungen hat. Ich erwartete, dass die persische Seite insbesondere <rs type="person" ref="#per__140825">Ekbal</rs><lb/>
und Wirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__97313">Ansari</rs> unser Raffinerieprojekt glattwegs ab<lb break="no"/>lehnen. Dies war auch bei diesen der Fall, nur haben sie sich dann im<lb/>
Laufe der Verhandlungen doch dazu bequemt, dass eine Studiengruppe<lb/>
dieses Projekt überprüfen sollte. <rs type="person" ref="#per__140825">Ekbal</rs> meinte, Österreich soll ein<lb/>
Memorandum an ihn schicken, <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> selbst, der ja hinter diesem Projekt<lb/>
besonders steht und es auch dort vorgetragen hat, wird ein solches<lb/>
unverzüglich ausarbeiten. <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> ist allerdings überzeugt, dass ein<lb/>
solches Projekt nur gehen kann, wenn die ÖMV doch irgendwie mit<lb break="no"/>spielt und ich habe übernommen, mit der ÖMV darüber eingehende Besprechun<lb break="no"/>gen <pb n="20-0280" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-02-24_1974-03-03_0280.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>zu führen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-02-24_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte einen Termin festlegen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-02-24_05">Ein zweites grosses Projekt war die Errichtung eines Edelstahl<lb break="no"/>werkes. Hier hatte <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> mit dem General von Arsenal, das ist im wahr<lb break="no"/>sten Sinne des Wortes die iranische Waffenschmiede, aus seiner Rhein<lb break="no"/>stahl-Zeit gute Beziehungen und hatte dort erfahren, dass man ein<lb/>
solches Edelstahlwerk in der Grösse von 25.000 t bauen möchte und<lb/>
wird. Wirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__97313">Ansari</rs> hat aber mit den Franzosen bereits<lb/>
ein Projekt auf 250.000 t ursprünglich wollten sie sogar 500.000<lb/>
Edelstahlwerk besprochen und eine Letter of intent erhalten. <rs type="person" ref="#per__97313">Ansari</rs><lb/>
der dieses Projekt natürlich in seinem Wirtschaftsministerium<lb/>
primär halten will, war deshalb bereit ein solches Projekt auf<lb/>
Basis von 50.000 t erstellen zu lassen. Seine Absicht ist, das Arsenal<lb/>
mit seinem Bedarf primär daraus zu befriedigen, das<lb/>
andere für die iranische Wirtschaft bereitzustellen und ein etwaiger<lb/>
Überschuss, der sicherlich am Anfang zu erwarten ist, sollte über<lb/>
Böhler in die Welt exportiert werden. Genau dieser Punkt bereitete<lb/>
uns dann bei der Endredaktion grosse Schwierigkeiten. <rs type="person" ref="#per__97313">Ansari</rs> war<lb/>
an einer Augenkrankheit erkrankt und konnte die Verhandlungen nicht<lb/>
mehr weiterführen. Der die Verhandlungen im Detail führende Staats<lb break="no"/>sekretär <rs type="person" ref="#per__149056">Waldy</rs> hatte kaum ein Verhandlungspouvoir und wollte<lb/>
unbedingt auf diesem Passus im Protokoll beharren. Er berief sich<lb/>
dabei insbesondere auf Besprechungen von Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> mit ira<lb break="no"/>nischen Stellen, wo solche Zusagen gemacht worden seien. <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs><lb/>
bestritt dies ganz entschieden und hätte nur mit <rs type="person" ref="#per__146059">Amin</rs>, dem<lb/>
höchsten Stahlfachmann in der iranischen Stahlgruppe allgemeine<lb/>
Besprechungen geführt. Ich selbst erklärte rundweg, dass nie<lb break="no"/>mand in der Delegation für Böhler oder eine sonstige österreichische<lb/>
Firma solche weitgehende Verpflichtungen nämlich Exportübernahme<lb/>
von überschüssigen Stahlmengen zusagen könnte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-02-24_06">Die interessanteste Diskussion ergab sich aber mit dem Finanzmini<lb break="no"/>ster Abu <rs type="person" ref="#per__140795">Amusegar</rs> durch die erhöhten Ölpreise werden sie 16<lb/>
Mia Dollar Mehreinnahmen haben, wofür er 11,5 Mia für das eigene<lb/>
Budget und 4,5 Mia Surplusreserve hat. ; Mia davon wird er<lb/>
benützen, um beim internationalen Währungsfonds Kredite, die in<lb/>
den nächsten 5 – 10 Jahren zurückzuzahlen wären, sofort zurückzu<lb break="no"/>zahlen. 1 Mia soll dem internationalen Währungsfonds zur Verfügung<lb/>
gestellt werden. 2 Mia aber möchte er dazu verwenden um 700 Mill.</p><pb n="20-0281" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-02-24_1974-03-03_0281.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-02-24_07">der Zahlungsbilanzen und 250 Mill. um dem Schah seinen Plan verwirk<lb break="no"/>lichen zu können, einer neuen internationalen Organisation zur Verfü<lb break="no"/>gung stellen. Der Schah hatte das Projekt, welches er auch mit sehr<lb/>
eingehend erklärte, eine Art Maschall-Plan zu starten. Die OPEC-Staaten<lb/>
d.h. die die Mehreinnahmen aus den hohen Ölpreisen haben, sollen<lb/>
für die Entwicklungsländer entsprechende Beträge zur Verfügung stellen,<lb/>
sehr langfristig und mit 2,5 % verzinst. In der Gemeinsamen Organisation<lb/>
12 Stimmen. Die Industriestaaten sollen sich auch daran beteiligen,<lb/>
und entsprechende Zuschüsse leisten, allerdings hier nicht gleichmäs<lb break="no"/>sig wie die OPEC-Staaten sondern nach ihren Fähigkeiten. Amerika<lb/>
also z.B. oder die SU und China mehr als Österreich. Aber auch diese<lb/>
Staaten hätten nur 12 Delegierte in dieser Kommission. Die Entwicklungs<lb break="no"/>länder wieder sollten, obwohl sie etwas nur bekommen, ebenfalls durch<lb/>
12 Delegierte vertreten sein. Das Management oder der Board sollen<lb/>
als unabhängige Fachleute berufen werden und nicht mehr als 5 bis<lb/>
maximal 7 Direktoren umfassen. Der Sitz könnte Genf sein und auf eine<lb/>
Zwischenfrage unseres Botschafters sogar Wien. Wenn man sich darauf<lb/>
einigt. Revolutionär wäre, dass sie unabhängig von den Zuschüssen,<lb/>
die jeder Staat gibt, jedes Mitglied nur 1 Stimme hat. Die Entwick<lb break="no"/>lungsländer, die Geld bekommen haben auch eine Stimme.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-02-24_08">Interessant war aber, dass <rs type="person" ref="#per__140795">Amusegar</rs> darauf hinwies, dass die anderen<lb/>
arabischen Staaten viel mehr noch Überschuss-Devisen besitzen und diese<lb/>
daher auch mit einbringen müssten. Saudi-Arabien z.B. erwähnte er<lb/>
hätte 20,3 Mia Dollar Überschuss und d für Surplus würden 17 Mia<lb/>
zur Verfügung stehen, wovon maximal 6 Mia investiert werden könnten.<lb/>
Die anderen 11 Mia Dollar könnte Saudi-Arabien beim besten Willen<lb/>
gar nicht anlegen. Meine Frage an den Schah, ob die arabischen Staaten<lb/>
schon zugestimmt haben, meint er, dies wird erst verhandelt, aber<lb/>
Venezuela hätte bereits seine Zustimmung erklärt. Darüberhinaus gibt<lb/>
es noch bilaterale Hilfe wie z.B. jetzt 300 Mill. Dollar für<lb/>
Indien zur Entwicklung und zum Ausbau ihrer Eisen- und Kohlen<lb break="no"/>produktion.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-02-24_09"><rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs>, der beim Finanzminister dann nachdem ich vorher bereits<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97313">Ansari</rs> über Kreditmodalitäten, die Österreich den österr. joint-venture<lb/>
Teilnehmern und Exporteuren geben könnte, befragt hatte, versucht<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140795">Amusegar</rs> auseinanderzusetzen, wie unsere finanzielle Situation aus<lb break="no"/>sieht und unsere Exportfinanzierung funktioniert. Wir waren alle sehr<lb/>
überrascht als auf eine Anfrage von <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs> <rs type="person" ref="#per__140795">Amusegar</rs> erklärte,<lb/>
es könnte ohne weiteres mit einem Kredit Irans in der Höhe von<lb/>
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Bedingungen nannte, l. Staatsgarantie, 2. die Kreditzinsen und Kondi<lb break="no"/>tionen zu den internationalen Bedingungen, 3. entweder mit der special<lb/>
drawing rights oder durch eine Währungsklausel abgesichert und 4.<lb/>
steuerfrei konnte <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs> sofort erklären, das macht keine Schwierig<lb break="no"/>keiten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-02-24_10">Als wir auf dem Flug nach Iran die Probleme mit <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs> diskutierten,<lb/>
sagte dieser mir unter vier Augen, dass die Exportmöglichkeit erschöpft<lb/>
ist, er hat keine wie immer geartete Aufstockungsmöglichkeit, wenn<lb/>
nicht sehr bald im Parlament ein neues Gesetz beschlossen wird.<lb/>
Wir fürchteten daher wirklich eine Finanzierungslücke zu finden,<lb/>
die durch Iran jetzt noch verstärkt werden würde. Wir waren daher alle<lb/>
froh, dass die Iraner von uns nicht irgendwelche Unterstützung verlangte<lb/>
sondern ganz im Gegenteil eine Finanzhilfe anboten. Allerdings setzt<lb/>
eine endgültige Weiterverhandlung voraus, dass der Finanzminister<lb/>
grünes Licht gibt. <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs>, der früher zurückgefahren ist, wurde<lb/>
von mir ersucht, er möge, wenn der Finanzminister sich ganz entschieden<lb/>
gegen eine solche Formulierung wendet, mich sofort verständigen, damit<lb/>
ich diesen Punkt im Protokoll entsprechend abschwäche oder vielleicht<lb/>
sogar eliminiere. Entscheidend war, dass Wirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__97313">Ansari</rs><lb/>
bei der Schahvorsprache diesen Kredit erwähnte und fragte, ob eine<lb/>
solche Möglichkeit gegeben ist, worauf der Kaiser erklärte, warum nicht.<lb/>
Damit ist auch für dieses Projekt, d.h. die Finanzierung grünes Licht<lb/>
gegeben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-02-24_11">Die Aussprache beim Schah war deshalb für mich überraschend und auch<lb/>
für die anderen unerklärlich lang, da sie über eine Stunde dauerte.<lb/>
Dies sprach sich natürlich sofort in allen Kreisen herum und bei<lb/>
Empfängen wurde ich dann immer wieder gefragt, wie dies möglich sei<lb/>
und mir erklärt, dass dies allein schon ein ganz grosses Erfolg ist.<lb/>
Der deutsche Handelsattaché, der sich ausschliesslich mit Ölfragen<lb/>
beschäftigte explizierte mir z.B. dass die Verhandlungen zwischen<lb/>
der BRD und Iran nur schleppend weitergehen. Das grosse amerikanische<lb/>
Ölprojekt, eine Raffinerie mit 25 Mill. t, das grosse japanische Öl<lb break="no"/>projekt mit einer Raffinerie von 25 Mill. t plus den weiterverarbeitende<lb/>
chemischen und pharmazeutischen Produkten mit weiterer l Mia $<lb/>
Investitionen seien angeblich alle geplatzt. Auch die deutschen Ver<lb break="no"/>handlungen zeigen derzeit noch kein positives Ergebnis. Die iranische<lb/>
Seit erklärt zwar immer wieder, dass sie mit allen Stellen entsprechende<lb/>
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der Fall sein. Nach Auffassung der anderen westeuropäischen Vertreter<lb/>
haben wir sehr richtig gehandelt, als wir erklärten, eine Raffinerie<lb/>
komme nur in Österreich in Frage und dort könnte ein joint venture<lb/>
auch in der Weiterverarbeitung gemacht werden. Der Schah selbst<lb/>
wollte natürlich, dass wir uns dezidiert an der Weiterverarbeitung<lb/>
der zu errichtenden Raffinerien in Tebris beteiligen. Dort sollen<lb/>
die Rohprodukte dann in eine pharmazeutische und chemische Fabrik<lb/>
kommen, wo Österreich sich mit seinem Know how und Lizenzen aber<lb/>
auch mit joint venture beteiligen könnte. Know how und Lizenzen<lb/>
werden von ihnen gekauft wie die Minister mit dezidiert erklärten.<lb/>
Nur bei joint venture müsste Österreich sich eben auch kapitalmässig<lb/>
beteiligen. Die Hauptschwierigkeiten besteht aber darin, dass<lb/>
Firmen, es war z.B. <rs type="person" ref="#per__114599">Turnauer</rs> mit dem grossen Aluminium-Folien<lb/>
Projekt Teicht anwesend, äusserst schwierig, die Partner finden, mit<lb/>
denen sie das joint venture machen sollen. Es gibt Perser, die<lb/>
erklären, sie haben Lizenzen oder werden welche bekommen und dann<lb/>
stellt sich heraus, dass ganz andere auf irgendwelchen uns unerklär<lb break="no"/>lichen Wegen zu solchen Lizenzen kommen. Letzten Endes entscheidet<lb/>
alles der Schah direkt und er vergibt auch dann die Lizenzen an<lb/>
bestimmte Gruppen. Öl und Gas, Stahl, Eisenbahnen und Elektrizitäts<lb break="no"/>wirtschaft ist verstaatlicht oder wie es dort heisst, öffentlicher<lb/>
Sektor. Das Elektrizitätsministerium möchte jetzt sogar sich eine<lb/>
eigene Zementfabrik machen, da sieh einen grossen Bedarf für<lb/>
ihre Dammbauten haben. Auf dem privaten Sektor muss man eine Bank<lb/>
finden, die dann den iranischen Geschäftspartner und den österr.<lb/>
zusammenbringt und die Lizenz letzten Endes auch wahrscheinlich<lb/>
über den Hof oder ein Ministerium erhält und vergibt. <rs type="person" ref="#per__114599">Turnauer</rs><lb/>
z.B. hat durch Monate hindurch mit einem Perser verhandelt, der ihm<lb/>
sehr seriös erschien über dessen Sohn er aber äusserst unglücklich<lb/>
war, er bezeichnet ihn als schizophren, diese Firma hat aber letzten<lb/>
Endes nicht die Lizenz bekommen sondern ein dem Hof nahestehende.<lb/>
In Persien sind diese Auseinandersetzungen Gang und gäbe. In<lb/>
Österreich natürlich diese Methode vollkommen unverständlich. Auf<lb break="no"/>gabe wird es nun sein, die österreichischen Firmen insbesondere<lb/>
mit den Grossprojekten mit den richtigen Leuten zusammenzubringen, ohne<lb/>
dass sich irgendwelche Stellen oder Firmen zwischenschalten, die<lb/>
gar keine tatsächliche Leistung erbringen. <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> erzählte mir,<lb/>
dass es bei Rheinstahl so war, dass oft Leute gekommen sind und Pro<lb break="no"/>visionen verlangten, bevor sie hier überhaupt noch etwas getan haben.</p><pb n="20-0284" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-02-24_1974-03-03_0284.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-02-24_12"><rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> warnt deshalb vor allen solchen Vorleistungen, die vollkommen<lb/>
sinnlos sind. Auf der anderen Seite aber wünscht auch der Botschafter<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114913">Namdar</rs>, den <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> aus der vorhergehenden Zeit sehr genau kennt,<lb/>
dass alle die Geschäfte und Projekte über ihn abgewickelt werden.<lb/>
Er selbst würde sich dann entsprechend einschalten, die entspre<lb break="no"/>chenden Verbindungen zu den Firmen legen und damit die ganzen Projekte<lb/>
positiv beeinflussen ja sogar vielleicht erst ermöglichen. Dies wäre<lb/>
nach westeuropäischen Begriffen auch tatsächlich die Aufgabe des<lb/>
Botschafters, der hier als Vermittler zwischen seinem Land und<lb/>
dem Land, wo er akkredidiert ist, herstellt. Trotzdem kann dies<lb/>
in Persien anders sein, weil vielleicht doch auch Geschäftsinter<lb break="no"/>essen mehr mitspielen als in Westeuropa.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-02-24_13">Ich wurde vom österr. Fernsehen <rs type="person" ref="#per__115174">Swietly</rs> aber auch von <rs type="person" ref="#per__146308">Fritz</rs>, Neue Zeit,<lb/>
öfters gefragt, was ich von den Verhandlungen halte und ob ich<lb/>
mit dem Ergebnis zufrieden bin. Ich erklärte rundheraus und das gilt<lb/>
auch für diese Aufzeichnung, dass man im Detail erst abwarten muss,<lb/>
was sich aus den einzelnen Projekten ergibt. Scheinbar haben wir jetzt<lb/>
einen grossen Erfolg erzielt, weil der Schah über eine Stunde mit<lb/>
mir verhandelte, weil sich etliche Minister mit mir zusammensetzten<lb/>
und konkrete Projekte besprachen, weil letzten Endes auch die Handels<lb break="no"/>kammer und ganz besonders <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> seine Wünsche durchsetzen konnte und<lb/>
weil und dies erschien mir als das Positivste <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> wirklich imstande<lb/>
war, mit seinen beiden Bekannten Dr. <rs type="person" ref="#per__149111">Wadi</rs> und <rs type="person" ref="#per__149128">Riad</rs> und insbesondere<lb/>
General <rs type="person" ref="#per__149163">Tufani</rs> vom Arsenal einige konkrete Projekte einzuleiten.<lb/>
Beim Raffineriekomplex ist es immerhin geglückt nicht eine direkte<lb/>
Ablehnung zu erhalten, obwohl nach wie vor noch grosser Vorbehalt<lb/>
am Platze ist. Wir werden sehen, was aus den einzelnen Anregungen für<lb/>
konkrete Geschäfte herauskommen werden. Sicher ist eines, dass <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs><lb/>
versuchte, seine besonderen Freunde und insbesondere natürlich auch<lb/>
seine Bankverbindung zu nützen, um Geschäfte zu entrieren. Für manche<lb/>
erschien dies äusserst fragwürdig. Mich selbst störte es nicht, Mehr<lb/>
denn je bin ich überzeugt, dass eben, wenn Funktionäre der Kammern,<lb/>
aber auch des Industriellenverbandes unmittelbar spezifische Inter<lb break="no"/>essen vertreten oder aus politischen Gründen oder finanzieller<lb/>
Natur irgendwelche besonderen Projekte fördern, dass sie dann in ein<lb/>
furchtbares Dilemma kommen, wenn sie dies selbst nicht bemerken,<lb/>
so bemerkt dies zumindestens die Umgebung und macht auch kein gutes<lb/>
Bild des Betreffenden. Trotzdem muss ich zugeben, dass <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> natürlich<lb/>
<pb n="20-0285" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-02-24_1974-03-03_0285.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>äusserst geschäftstüchtig und sehr geschickt auch sonst agiert.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-02-24_14">Eine Abwechslung war, dass wir nach Shiras fliegen konnten und dort<lb/>
von einem Professor der Pathologie auf der Universität, einem Öster<lb break="no"/>reicher, in Persepolis geführt wurden. Dieser Mann, Prof. <rs type="person" ref="#per__146198">Dutz</rs>, wie sich<lb/>
dann herausstellte auch ein Genosse, hat nicht nur phantastische Detail<lb break="no"/>kenntnisse von Persepolis gehabt sondern durch seinen 14-jährigen Auf<lb break="no"/>enthalt in Iran auch entsprechende persische Kenntnisse. Typisch<lb/>
war, als <rs type="person" ref="#per__97607">Jonas</rs> beabsichtigte zur 2.500-Jahr-Feier nach Iran zu reisen,<lb/>
man nicht diesen Professor die Möglichkeit gegeben hätte, <rs type="person" ref="#per__97607">Jonas</rs> wirklich<lb/>
zu führen und zu informieren. Sondern sich dann die Gschaftlhuber an<lb/>
ihn herangemacht hätten. Österreichisches Schicksal !</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band20_1974-02-24_15">Die Gewerbeschule in Teheran, die ich besichtigte, machte auf<lb/>
mich einen sehr guten Eindruck, obwohl die 4 österreichischen Lehrer<lb/>
mir übereinstimmend erklärten, dass die Hauptschwierigkeit darin be<lb break="no"/>steht, die persischen Gruppenleiter, das sind in Österreich ausgebildete<lb/>
Perser, die ungefähr 7 – 10 Lehrlinge unter sich haben, einigermassen<lb/>
zu befriedigen. Sie waren in Österreich, haben hier anderen Umstände<lb/>
und Zustände gelernt und sind natürlich jetzt mit ihrer jetzigen Tätig<lb break="no"/>keit nicht sehr einverstanden. Auf alle Fälle ist es aber für mich<lb/>
ein weiterer Beweis, dass es falsch ist, die Lehrlinge zur Ausbildung<lb/>
nach Österreich zu bringen, wie dies zeitweise beabsichtigt war. Es<lb/>
gibt in Wirklichkeit wahrscheinlich nichts anderes als eben die Schulen<lb/>
in den Entwicklungsländern zu errichten und dort zu betreiben. Allerdings<lb/>
wird Persien jetzt sehr bald mit seinen entsprechenden Divisen- und<lb/>
Zahlungsbilanzüberschüssen zu einem Entwicklungsland par excellence<lb/>
werden wo nämlich in Wirklichkeit die Industriestaaten<lb/>
sich anstellen, um dort ihre Geschäfte machen zu können.<lb/>
Die iranische Regierung aber insbesondere natürlich der Schah, schützen<lb/>
die iranischen Unternehmer weitestgehend. Mit Hilfe von Lizenzen und<lb/>
sonstigen protektionistischen Massnahmen sind sie imstande, die<lb/>
Industrienationen zu dem zu zwingen, was eigentlich diese wahrscheinlich<lb/>
gar nicht wollen. Z.B. hatte ich Gelegentlich die Iran National<lb/>
zu besuchen. Diese Firma stellt Personenautos aber auch Autobusse her.<lb/>
Bis jetzt haben sie ein Lizenzverfahren von Chrysler gehabt. Dieses<lb/>
Lizenzverfahren wird nun stärker ausgebaut und in kürzester Zeit,<lb/>
wenn die Perser so weit sind, werden sie wahrscheinlich die anderen<lb/>
Firmen, die ebenfalls in Lizenz Autos herstellen, und joint venture<lb/>
<pb n="20-0286" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band20/20_1974-02-24_1974-03-03_0286.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>betreiben, aus dem persischen Markt systematisch verdrängen. Das<lb/>
persische System ermöglicht es z.B. dass die beiden Brüder, die<lb/>
Inhaber dieser Firma sind, aber als ganz kleine Mechaniker begonnen<lb/>
haben und jetzt 150 Mill. $ investiert haben. Die Löhne werden vom<lb/>
Staat geregelt, der ungelernte Arbeiter erhält 200 Rial, der Facharbei<lb break="no"/>ter 700 Rial pro Tag, die Preise, angeblich vom Staat festgesetzt<lb/>
aber nicht genau eingehalten und vor allem wie sich bei der Autofabrik<lb/>
feststellen liess, haben sie garantierten Profit. <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> bezeichnete<lb/>
dieses System als sehr richtig als Frühkapitalismus-Phase mit<lb/>
entsprechender Einflussnahme der Höflinge und des Hofes so wie dies<lb/>
auch im alten Österreich-Ungarn der Fall war. Wohin dies politisch<lb/>
führt, weiss ich nicht.</p></div>
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               <occupation>IV, GD Wr. Schwachstromwerke (WSW)</occupation>
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               <occupation>ORF-Wirtschaftsjournalist</occupation>
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               <occupation>Bundespräsident bis 1974</occupation>
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               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <occupation>Büro Staribacher, Botschafter in Sofia/Straßburg</occupation>
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