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            <title type="main">Donnerstag, der 14. Februar 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-14_01">Donnerstag, 14. Feber 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-14_02">In der Fraktionssitzung der Gewerkschaftsdelegierten zum Partei<lb break="no"/>tag berichtete <rs type="person" ref="#per__97842">Prechtl</rs> zur Wahlkommission.<lb/>
Die ursprüngliche Absicht der Wiener Organisation, mich auf die<lb/>
zehn zentralen Notwendigkeiten der 45 Mitglieder des Partei<lb break="no"/>vorstandes zu bringen, scheiterte, weil sich auch andere Länder<lb/>
Hoffnungen machten, ihrerseits Delegierte dort unterzubringen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst ht einen Brief geschrieben, wo er <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs>, <rs type="person" ref="#per__97985">Stari<lb break="no"/>bacher</rs> und <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> vorschlug. Er wollte auch die Reihung von der Wahl<lb break="no"/>kommission berücksichtigt wissen. Die Steirer meinten nun, wenn ich<lb/>
als Minister aufgenommen werde, müsste auch <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> aufgenommen wer<lb break="no"/>den. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst wollte aber primär <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs>. Da <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs>, der<lb/>
jetzt auf ein Wiener Mandat kommt, auf alle Fälle als Klub<lb break="no"/>obmann bei der zentralen Notwendigkeit war, hat deshalb der<lb/>
Vorschlag, <rs type="person" ref="#per__98066">Weisz</rs> jetzt als Klubobmann auf die zentrale Notwendig<lb break="no"/>keitsliste zu setzen, letzten Endes die Zustimmung aller gefunden.<lb/>
Dadurch wurde das Wiener Mandat für mich frei. Für <rs type="person" ref="#per__97656">Kostroun</rs> war<lb/>
es klar, dass <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> als Freier Wirtschaftsverband-Vertreter<lb/>
und für <rs type="person" ref="#per__97913">Schieder</rs> <rs type="person" ref="#per__114540">Hatzl</rs> als Jugendobmann sowie für den Arbeits<lb break="no"/>bauernbund wieder <rs type="person" ref="#per__113055">Tillian</rs> auf der zentralen Notwendigkeitsliste<lb/>
stehen würde. Ausserdem <rs type="person" ref="#per__137885">Demuth</rs> und <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs>, waren somit nur mehr<lb/>
5 Gewerkschafter, nämlich <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, <rs type="person" ref="#per__114046">Böck</rs>, <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs> und<lb/>
nun auch <rs type="person" ref="#per__98066">Weisz</rs> auf der Zentralen Liste. Die Wiener Organisation<lb/>
hat <rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs> als Präsident der Internationale, <rs type="person" ref="#per__97384">Czernetz</rs> als<lb/>
internationalen Sekretär übernommen. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> berichtete dann noch,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> vor längerer Zeit mit ihm gesprochen hat, um <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
als Vorsitzenden-Stellvertreter ins Enge Präsidium zu nehmen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> setzte sich für diese Vorschlag sehr ein. Die Zeitungs<lb break="no"/>reporter hätten ihn gefragt und Dr. <rs type="person" ref="#per__140790">Bock</rs> vom Rundfunk, das der<lb/>
ÖGB jetzt für <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ist, weioler sich mit ihm in der Steuer<lb break="no"/>frage arrangiert hat. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> war darüber so wütend, dass er erklärt<lb/>
hat, in so einem Fall, redet er gar nicht mher mit den Reportern.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> wollte gerne wissen, ob <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> jetzt als Kronprinz gilt,<lb/>
was <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> nur zu einem Zwischenruf veranlasst: Gar keiner.<lb/>
d.h. nach seiner Auffassung weder <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> noch <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs>. Ich glaube<lb/>
hier aber irrt <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>. Die Weichen sind gestellt, und wenn nicht<lb/>
etwas dazwischen kommt, so werden die ursprünglichen Absichten<lb/>
der beiden <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> Parteiobmann, <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> Bundeskanzler früher oder<lb/>
später verwirklicht. Die Frage, warum kein Gewerkschafter im<lb/>
<pb n="19-0229" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-02-14_0229.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>engeren Parteipräsidium sein soll, erklärte <rs type="person" ref="#per__98066">Weisz</rs>, dass be<lb break="no"/>reits in Villach dem Gewerkschaftsbund ein solches Angebot<lb/>
gemacht wurde, aber nach reiflicher Beratung, das Fraktions<lb break="no"/>präsidium des Gewerkschaftsbundes dieses Angebot abgelehnt hat.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs> berichtete dann noch über die Statutenkommission<lb/>
und über die beabsichtigte Änderung der Altersklausel. Um eine<lb/>
einstimmige Lösung zu finden, wird von der Bestimmung, dass man<lb/>
mit 60 Jahren nicht mehr kandidieren kann, keine Ausnahme vor<lb break="no"/>gesehen. <rs type="person" ref="#per__97741">Millendorfer</rs> und <rs type="person" ref="#per__114046">Böck</rs> nützten die Gelegenhiet, weil<lb/>
die Gewerkschaftsfraktion besammen war, um über dne <rs type="person" ref="#per__136378">Ausch</rs>-<lb/>
Artikel, wonach er die Tarifhoheit der Gewerkschaften ein<lb break="no"/>schränken möchte, harte Kritik zu üben. <rs type="person" ref="#per__132606">Rome</rs> von der Arbeiter<lb break="no"/>zeitung hat nun diese Auffassung übernommen und wurde auch<lb/>
gleich in einem Aufwaschen von den Bauarbeitern hart kritisiert.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> beruhigte alle, indem er meinte, wir werden uns von keiner<lb break="no"/>lei Artikeln oder Kampagne von unserer Tarifhoheit abbringen<lb/>
lassen und selbstverständlich kann man nicht verhindern, dass<lb/>
jemand seine Meinung zumAusdruck bringt. Die Bauarbeiter erklär<lb break="no"/>ten aber trotzdem , sie werden aus allen Rohren schiessen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-14_03">Das Referat von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> war ganz gross angelegt und auch ver<lb break="no"/>hältnismässig sehr lange. Für mich war nur interessant der<lb/>
Aspekt, dass er neben den Parteien auch die Verbände als<lb/>
Klassenvertreter und die Kirchen als Glaubensgemeinschaften<lb/>
stellte. Die Partei meinte er, sei eine Gesinnungsgemeinschaft<lb/>
die Verbände aber hätten die Interessen ihrer Mitglieder stärker<lb/>
zu profilieren und seien aus der Demokratie nicht mehr wegzu<lb break="no"/>denken. Ganz entschieden wehrte er sich aer gegne das Schweizer<lb/>
System, wo alle Parteien in der Regierung vertreten sind.<lb/>
Er meinte, die funktioniere nur teilweise und hätte zu einer<lb/>
Müdigkeit in der Schweiz geführt. Ausserdem seien die wich<lb break="no"/>tigen Entscheidungen in Kantone delegiert, resp. der Volks<lb break="no"/>abstimmung unterworfen. Hier wird Parlamentarismus nach seiner<lb/>
Auffassung zur Farce. Hier wendete er sich gegen <rs type="person" ref="#per__118662">Klenner</rs>, der<lb/>
genau das Gegenteil vertrtitt. WEgen der Finanzierung der<lb/>
Parteien meinte er, dass man entsprehcnede staatliche Hilfe<lb/>
heranziehen könne. Es müsse dann allerdings eine Kontrolle<lb/>
über diese Gelder geben und sie dürften nicht für Wahlwerbungs<lb break="no"/>kosten verwendet werden. Auf alle Fälle aber wäre das Steuerpri<lb break="no"/>vileg abzuschaffen, dass nämlich Ausgaben für die Partei<lb/>
<pb n="19-0230" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-02-14_0230.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Steuerabsetzposten für die grossen Einkommensbezieher sind<lb/>
ubnd damit hier sich ein gewisses Steuerprivileg herausge<lb break="no"/>bildet hat. Das Referat war diesmal nicht so feurig und ambitioniert<lb/>
wie in Villach. Es gab auch weniger Zwischenapplaus und vor allem<lb/>
als es beendet wurde, ist annähernd diese Begeisterung. Damals sind<lb/>
die Delegierten sogar aufgestanden und haben ihm zugejubelt. Jetzt<lb/>
macht sich halt auch scön langsam ein Abnützungseffekt bemerkbar.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-14_04">In der Diskussion habe ich mich sehr geirrt, denn es emldeten sich<lb/>
wesentlich mehr Diskussionsredner als ich erwartete. Als das<lb/>
Wahlkomitee mit seiner Arbeit fertig war, wurde deshalb sofort die<lb/>
Wahl durchgeführt und damit die Debatte unterbrochen. Bie der<lb/>
Auszählung ergab sihc für mich überraschen,das Phänomen, dass<lb/>
von den 500 abgegebenen Stimmen nur 272 ohne Streichung waren.<lb/>
Die wenigsten Stimmen erhielt <rs type="person" ref="#per__97845">Probst</rs>, nämlich nur 368, dann<lb/>
folgte <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> mit 446 und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> sowie <rs type="person" ref="#per__97561">Hofmann</rs> mit 463,<lb/>
dann <rs type="person" ref="#per__97786">Nittel</rs> mit 474. Ich selbst erhielt 6 Streichungen und <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs><lb/>
meinte, er sei darüber sehr glücklich, denn er hätte wesentlich<lb/>
mehr erwartet. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> ist wirklich ein Vollblutpolitiker, der sich<lb/>
wie er mir mitteilte, wie ein Schneekönig freute.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-14_05">Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs> von der VÖEST und sein Finanzdirektor <rs type="person" ref="#per__147682">Ostermann</rs> der<lb/>
gerade aus Persien kam, berichteten mir, dass nach ihren ERfahrungen<lb/>
keine Chance besteht, die von Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> ÖIAG in Aussicht ge<lb break="no"/>nommenen Projekte in Iran zu verwirklichen. Die Iraner denken<lb/>
momentan nicht daran, im Ausland zu investieren, sondern wünschen,<lb/>
dass alle in Persien ihre Projekte verwirklichen Sie erwarten<lb/>
von mir und insbesondere der Delegation, dass wir mit einiem<lb/>
entsprechenden Kredit nach Persien kommen und dort die ent<lb break="no"/>sprechenden petrochemischen Werke oder vielleicht sogareine<lb/>
Raffinerie mit ihnen zu errichten. Die VÖEST selbst wird jetzt ein<lb/>
Ingenieur- und Beratungsbüro aufmachen, welches der VÖEST immer<lb break="no"/>hin auch etliche Millionen S kosten wird. Mitdiesem Ingenieurbüro<lb/>
aber hofften sie, dass sie die Grossprojekte dann zumindestens vorbe<lb break="no"/>reiten können. Eines ist sicher, wenn man ij einem Ingenieurbüro<lb/>
in einem Land verankert ist, dann hat man grössere Chance, bei der<lb/>
ERstellung der Projekte herangezogen zu werden und kann dann die<lb/>
eigenen Produktionsfirmen entsprechend informren und kommt<lb/>
bie Ausschreibungen besser an. Die VÖEST hat auch einen Perser<lb/>
<pb n="19-0231" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-02-14_0231.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>als ihren ständigen Vertreter, d.h. sogar einen VÖEST-Angestellten<lb/>
Wir werden und sofort mit dem Mann in Verbindung setzen. <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs><lb/>
ist nach wie vor sehr empört, dass <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> die Geschäfte der<lb/>
VÖEST jetzt direkt besorgen will. Er hat bei ihm angeblich<lb/>
gesagt, nur der Iran akzeptiert er diese Vorgangsweise, er<lb/>
ist nämlich fest davon überzeugt, dass die ganze Projekt sowieso<lb/>
Luftschlösser bleiben, wird aber, wenn diesauch<lb/>
in anderen Staaten von <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> versucht werden sollte, einen Riesen<lb break="no"/>krach schlagen. Ich habe gleich gesagt, ich mische mich in<lb/>
diese Angelegneheiten nicht hinein, werde meine Politik fortsetze<lb/>
d.h. mit den Firmen in ständigem Kontakt sein und alle ihre<lb/>
Wünsche, soweit ich es irgendwie kann, berücksichtigen. <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs><lb/>
war über diese Haltung sehr erfreut und dankbar. Eine endgültige<lb/>
Regelung kann aber natürlich nur <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> als <choice><choice><sic>Eingentumsvertreter</sic><corr>Eigentümervertreter</corr></choice></choice><lb/>
herbeiführen. Dieser setzt aber momentan alles auf <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs>, wir<lb/>
werden sehen, wie lange dieser Zustand anhält.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-14_06">Beim Jour Fixe besprachen wir die Notwneidkgeit, die Kredit<lb break="no"/>aktionen des Handelsministeriums über die Bürges entsprechend<lb/>
zu reformieren. <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> hat Angst, dass uns heuer etliche Millio<lb break="no"/>nen übrigbleiben. Ich teile diese Meinung noch nicht, denn bis<lb/>
jetzt war es immer so, dass in den ersten Monaten ein geringerer<lb/>
Antrag gewesne ist. Wenn die Kreditrestriktionen gelockert<lb/>
werden, dann bin ich überzeugt, wird sofort ein Run auf die<lb/>
Bürges einsetzen. Dasselbe gilt, wenn wir die 8 %-Limit er<lb break="no"/>höhen. Dies würde ich abernur dannin Erwägung ziehen, wenn gleich<lb break="no"/>zeitig wird mit den Banken einen neuen Vertrag haben. Die Bürges<lb/>
selbst möchte die Zinsenzuschüsse auf ein Konto bei ih überwiesen<lb/>
haben, sie wird dann dieses Geld zweckmässig anlegen und aus dem<lb/>
Zinsertrag könnten wir dann entsprechende weitere Unterstützung<lb/>
den Kreditwerbern geben. Nachdme die Arbeiterkammer, wie <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs><lb/>
mitteilte, auch eine Änderung des Gewerbestrukturverbesserungs<lb break="no"/>katalogs ablehnt, so werde ich jetzt nicht besonders auf die<lb/>
Handelskammer drängen, dass sie den Ausbau der Bevorratungsmög<lb break="no"/>lichkeiten für die Gewerbl. Betriebe zustimmt. In küzrester<lb/>
ZEit wird sowieso niemand mehr von den Bevorratungsideen reden.<lb/>
Ich werde ein Bevorratungsgesetz einreichen und damit wird es<lb/>
sein Bewenden haben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-14_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte das Bevorratungsgesetz weitertreiben.<lb/>
Seinerzeit wurde zugesagt, dass es Feber ins<lb/>
Parlament kommt.</p><pb n="19-0232" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-02-14_0232.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-14_08"><rs type="person" ref="#per__58381">Fritz Mauthner</rs> hat angerufen und erklärt, dass die Zuckerindustrie<lb/>
ihn beauftragt hat,, 20.000 t zu exportieren. Er wird dafür<lb/>
einen Frei-Grenze-Preis von 9.10 S erreichen. Da er gleichzietig<lb/>
von mir eine Bestätigung wollte, dass die Fixkosten, die die<lb/>
Rübenbauern wünschen, anders verteilt werden, habe ich ihn<lb/>
aufmerksam gemacht, dass ich noch immer nicht die zugesagte<lb/>
Aufstellung vom Rübenbauernbund bekommen habe. Solange diese<lb/>
Unterlagen nicht vorliegen und ich sie geprüft und mit den<lb/>
Interessensvertretungen besprochen ahbe, gebe ich keine wie immer<lb/>
gearbetet Zustimmung.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-14_09"><rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> als Präsident des ARBÖ. <rs type="person" ref="#per__97558">Hobl</rs> als Vize und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ersuch<lb break="no"/>ten mich um eine Aussprache, wie ich jetzt in der Pickerl- und<lb/>
Preisfrage vorgehen werde. Ich erklärte, dass ich am Freitag die<lb/>
Pickerl-Verordnung, wenn irgendwie möglich aufheben werde. WEnn<lb/>
die Industrie sich nicht ausdrücklich dagegen ausspricht, möchte<lb/>
ich dies Freitag verkünden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, den ich auf der Stiege getrof<lb break="no"/>fen habe, hat allerdings gemeint, er bekomme jetzt immer wieder<lb/>
die Aufforderung, man sollte den autofreien Tag beibehalten.<lb/>
Ich erklärte ihm aber rundweg, dass ich beabsichtige, die Pickerl-<lb/>
Aktion jetzt endlich abzubrechen, was er auch mehr oderminder<lb/>
zur Kenntnis nahme, nachdem er dies bei der letzten Ministerrats<lb break="no"/>sitzung ausdrücklich gefordert hat. Der ARBÖ war mit der An<lb break="no"/>kündigung, dass das Pickerl bald fällt sehr einverstanden und woll<lb/>
dann auch noch so schnell wie möglich die Preisfrage erledigt habe<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> selbst plädiert ja seit längerer Zeit dafür, so schnell<lb/>
wie möglich eine Entscheidung zu treffen. WEnn nämlich dei Preis<lb/>
frage noch lange schwelt, dann wird der Druck die Steuer ent<lb break="no"/>sprechend zu senken, immer grösser. Ic machte <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> darauf<lb/>
aufmerksam, dass er in seinem Referat eine falsche Mineralöl<lb break="no"/>steuer angegeben hat. Beim Ofenheizöl bemerkte er 30 Groschen<lb/>
in Wirklichkeit sind es aber nach Auskunft des Finanzministeriums<lb/>
und wir haben dies einige Male gecheckt, 48 Groschen. Ebenso mein<lb break="no"/>te er, dass der Normalbenzin mit 1.87 belastet ist zum Uner<lb break="no"/>schied von der tatsächlichen Belastung mti 2.17. <rs type="person" ref="#per__97558">Hobl</rs> meinte,<lb/>
ich könnte ruhig einen Schilling für Superbenzin verlangen,<lb/>
dne ich als Minimalpreis in Erwägung ziehe. Der ARBÖ würde sogar<lb/>
1.10 S akzeptieren und wie <rs type="person" ref="#per__97558">Hobl</rs> sich ausdrückte, mich noch immer<lb/>
als Sieger feiern. Mit <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> hatte ich dann eine längere Aussprache<lb/>
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Da ich das Ofenheizöl maximal um 50 Groschen von 2.50 S<lb/>
auf 3.- S erhöhen möchte, kann ihc bei <choice><choice><sic>Suer</sic><corr>?</corr></choice></choice> nicht annähern<lb/>
so viel herunterdrücken wie sowohl die AK als auch der ÖGB<lb/>
vielleicht erwarten. <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> hat überhaupt die Idee, man<lb/>
soll einen Teil der Preiserhöhung z.B. 10 Groschen durch Ge<lb break="no"/>setz von den Mineralölfirmen wegnehmen und für die Investitionen,<lb/>
die Pipeline, das Zentrallager im Westen verwenden. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs><lb/>
wieder hofft, dass er die 48 Groschen Mineralölsteuer von dem<lb/>
Heizöl wegbringt. Dann würde die 50 Groschen Preiserhöhung<lb/>
von mir und die 48 Mineralölsteuer-Ersparnis der Mineral<lb break="no"/>ölfirmen es ihm leichter ermöglichen für die freien Produkte<lb/>
die der Paritätischen Kommission unterliegen, aber auch für<lb/>
Benzin vielleicht tiefere Preise ansetzen zu können. Da<lb/>
ich keine Möglichkeit sehe, dass <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> diese Steuerermässi<lb break="no"/>gung gibt, habe ich erklärt, dies könnte er ja dann in einer<lb/>
zweiten Etappe versuchen, wo dann gleichzeitig auch gewisse<lb/>
Preissenkungen von Heizöl sich ergebn könnten und würden. Die<lb/>
Kalkulationsüberprüfungen, die derzeit laufen kan-n und will<lb/>
ich nicht stoppen. Meine Idee ist, eine Zwischenlösung insoferne<lb/>
zu machen, als mit einer verhältnismässig geringen Preiserhöhung<lb/>
es möglich sein könnte,seinen Akkord über die Interessensvertre<lb break="no"/>tungen dem ÖAMTC und ARBÖ und vor allem der Mineralölwirtschaft<lb/>
herbeizuführen. In der Öffentlichkeit wrid es dann trotzdem<lb/>
harte Kritik geben, weil viele sagen werdne, ejtzt sinken die<lb/>
Rohölpreise und bei uns werden die Verbraucherpreise erhöht.<lb/>
Die schwierigste Auseinandersetzung wird mit Diesel. In der<lb/>
Schweiz, aberauch in Deutschland ist dieser Preis wesentlich<lb/>
höher und eine Angleichung wird sich wahrscheinlich<lb/>
nicht vermeiden lassen. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> wollte dann noch eine Unter<lb break="no"/>stützung wegen Erhöhung des Tempolimits auf der Autobahn auf<lb/>
120 kmh, doch erkärte ich rundweg, dass ich dafür nicht<lb/>
zuständig bin.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-14_10">WEgen der Donaufahrt des Schiffahrts- und Kanalvereines nach<lb/>
dem Schwarzen Meer habe ich mit <rs type="person" ref="#per__136644">Figdor</rs> mit der URUEFA der<lb/>
in diesem Verein auch eine Funktion ausübt gesprochen und darauf<lb/>
hingewiesen, dass die Fahrt vom Fremdenverkehrsstandpunkt voll<lb break="no"/>kommen uninteressan-t ist. <rs type="person" ref="#per__136644">Figdor</rs> hat dies auch soofrt zuge<lb break="no"/>geben, war sehr erstaunt, dass <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> mir überhaupt den Akt abge<lb break="no"/><pb n="19-0234" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-02-14_0234.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>treten hat und ich habe ihn üerzeugt, dann wenn überhaupt einer<lb/>
ausser <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> zuständig wäre, dies nur <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> sein könnte. <rs type="person" ref="#per__136644">Figdor</rs><lb/>
war mit dem Abtreten vollkommen einverstanden. Ich bin überzeugt,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> da aber ganz anderer Meinung ist. Trtozdem werde ich<lb/>
mich bemühen, diese unglückseligen Akt wieder los zu werden.<lb/>
wenn ich mir dies so überlege, so machen wir eigentlich auch schon<lb/>
ein ganz schönes Aktringelspiel. Da regen wir uns wegen der<lb/>
Beamten auf und als Minister machen wir jetzt fast denselben Un<lb break="no"/>sinn.</p></div>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>Wr. Planungsstadtrat, stv. AR-Präs. DoKW, Obmann BO
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