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            <title type="main">Dienstag, der 12. Februar 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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Zeitung heraus, die mich vor längerer Zeit als unglaubwürdig<lb/>
hingestellt hat. Ich nutzte natürlich die Gelgenheit, wo er<lb/>
wieder einmal Süssholz raspeln kam, um mir die Anerkennung aus<lb break="no"/>zusprechen und seine Miss Bonbon vorzustellen, um in einer Neben<lb break="no"/>bemerkung auf seine unfaire Schreibweise aufmerksam zu machen.<lb/>
NAtrülich fand er jetzt eine gewisse Ausrede. Ich glaube, dass eine<lb/>
solche Methode aberzweckmässiger ist als Presseberichtigungen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-12_03">In der Ministerratsvorbesprechung teilt <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit, dass am<lb/>
Parteigag keinen Rückblick und nicht die Regierungstätigkeit<lb/>
darlegen wird. Von den Ministern hätte er gerne ein bis zwei<lb/>
Sätze über die Ziele ihrer Politik. Da er erwähnt, dass er<lb/>
die Energiepolitik sowieso erwähnen wird, habe ich keine Ver<lb break="no"/>anlassung mehr , ihm noch HInweise zu geben. <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> meint, es<lb/>
wäre zweckmässig über die Bodenpreisregelung eteas zu sagen, was<lb/>
ihm aber nicht behagt und so meinte, er könne darauf hinweisen<lb/>
dass derzeit für 6 Mia S Schulen im Bau sind. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sieht darin<lb/>
einen guten Vergleich da die Personalkostensteigerungen, die<lb/>
jetzt verhandelt werden, auch 6 Mia S betragen. Er meinte, hier<lb/>
könne man git vergleichen und darauf hinweisen, dass allein<lb/>
die öffentlich Bediensteten jetzt so viel bekommen als alle<lb/>
Schulen, die derzeit gebaut werden, kosten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-12_04">Das wichtigste Problem scheint <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> aber die Lösung des auto<lb break="no"/>freien Tages. Er glaubt, dass die Sitaution jetzt gekommen ist.<lb/>
wo wir unbedingt eine Entscheidung treffen sollten. Einleitend<lb/>
stellt er aber fest, dass dies meine ausschliessliche Kompetenz<lb/>
ist, warum er dies jetzt besonders herausstreicht, kann ich zwar<lb/>
begreifen, finde es aber für überflüssig und sagt, jetzt müsste<lb/>
die Entscheidung fallen. Seinerzeit hätte die ÖMV uns zusammenge<lb break="no"/>trommelt, scheinbqr ist die Aussprache am Samstag bei ihm in der<lb/>
Wohnung auf Initiative der ÖMV zustandegekommen und uns in<lb/>
Krisenstimmung und Panik versetzt. Es sei gutm dass wir die<lb/>
Bewirtschaftung vorbereitet haben, aber es hätte sich heraus<lb break="no"/>gestellt, dass die Partei in Schweden sofort in drei Punkten<lb/>
verloren hat und in Holland auch ein schwerer Rückschlag für<lb/>
die Regierung zu verzeichnen war. In einem Nebensatz meinte er,<lb/>
<pb n="19-0213" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-02-12_0213.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ich hätte das ja immer schon vorausgesagt und deshalb sei<lb/>
er froh, dass es zu keiner Bewirtschaftung gekommen ist.<lb/>
Nach längerer Debatte, an der sich auch <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> ung <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
beteiligen, schlägt <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> vor, die Regierung soll be<lb break="no"/>schliessen und mich beauftragen, dieses Problem in Angriff<lb/>
zu nehmen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erkennt sofort, dass die neuerdings be<lb break="no"/>deuten würde, dass ich von der Regierung zu irgendwelchen<lb/>
Massnahmen gezwungen werde, und meint deshalb, ich sollte auto<lb break="no"/>matisch in der Regierungssitzung einen Bericht geben und<lb/>
dann den Vorschlag unterbreiten, die Massnahmen zu setzen,<lb/>
die mir notwendig erscheinen. Die Kronen-Zeitung trommelt jetzt<lb/>
und auch die anderen Presseorgane werden sich sehr bald einer<lb/>
solchen konzentrischen Angriffe anschliessen. Er möchte der<lb/>
ÖVP und der FPÖ nicht Rechnung tragen, doch müsse eine Entschei<lb break="no"/>dung fallen. Ich erkläre, dass ich hier im engsten Einverneh<lb break="no"/>men mit der Mineralölwirtschaft vorgehen möchte. Wenn die<lb/>
Versorgung gesichert erscheint und dies würden wir bei der<lb/>
März-Besprechung feststellen, dann könnte ich die autofreien<lb/>
Tage ausser Kraft setzen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint, das würde wieder zu<lb/>
Missverständnissen führen und ich sollte dann ganz einfach<lb/>
von einer Aufhebung der Verordnung nur mehr reden. Ich meldete<lb/>
aber gleichzeitig an, dass ich unter allen Umständen im Par<lb break="no"/>lament eine Verlängerung des Gesetzes beantragen werde. Ich<lb/>
weiss nicht den Grund dieses plötzlichen Umschwunges, vorige<lb/>
Woche hat er noch als ich berichtete, erklärt, man müsse die<lb/>
autofreien Tage auch weit über die notwendige Mindestreserve<lb/>
aufrecht erhalten, um entsprehcenden Benzin zu sparen. Er<lb/>
hat damals 300.000 t gefordert und war nur mit Ach und Kreach<lb/>
dazu zu bringen, dass er dann wenigstens auf die 200.000 t<lb/>
netto plus max. 80.000 t Manipulationslager also auf<lb/>
280.000 t zurückging. Er hat dann auch eine Erklärung nach dem<lb/>
Ministerrat abgegeben, wo er auf die Notwendigkeit der weiteren<lb/>
Sparmassnahmen und des freiwilligen Sparen vor allem auch hin<lb break="no"/>wies.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-12_05"><rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> wies darauf hin, dass wenn wir die autofreien Tage aufhe<lb break="no"/>ben, dann automatisch auch die Geschwindigkeitsbeschränkung<lb/>
neu überdacht werden muss. Er fürchtet, dass die Begrenzung<lb/>
dann kaum bis Ende April zu halten sei, wo er das Gutachten<lb/>
dann vom Sicherheitsstandpunkt vorliegen hat und er entspre<lb break="no"/>chende Modifikationen der Geschwindigkeitsbeschränkungen<lb/>
<pb n="19-0214" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-02-12_0214.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>beraten und letzten Endes aussprechen wird. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> verweist<lb/>
insbesondere, dass die Verkehrsunfälle gegenüber dem Vorjahr<lb/>
wo keine Geschwindigkeitsbeschränkung auf der Autobahn war,<lb/>
wesentlich abgenommen haben und dass wir 11 Tote, die im Vor<lb break="no"/>jahr zu verzeichnen waren, derzeit mit 0 Toten registrieren<lb/>
können. Trotzdem beeindruckt dies weder <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> noch <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> insbesondere meint, dazu hätten wir ja keine Auto<lb break="no"/>bahnen bauen müssen, wenn jetzt solche Geschwindigkeitsbeschrän<lb break="no"/>kungen darauf festgelegt wurden. Er könne jezt sogar nur<lb/>
alle zwei Monate eine Parteivorstandssitzung einberufen, weil<lb/>
die Genossen aus den westlichen Ländern kaum mehr bereit sind<lb/>
mit dem Auto nach Wien zu fahren. Ausserdem sieht <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
die grosse GEfahr, dass die Salzburger mehr jetzt wieder nach<lb/>
München hin tendieren, weil sie eben doch dorthin schneller<lb/>
gelangen als nach Wien. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> verweist zwar darauf, dass die<lb/>
Deutschen nicht beabsichtigen die Geschwindigkeitsbeschränkung<lb/>
auf den Autobahnen aufzuheben und er auf alle Fälle mit<lb/>
der BRD gemeinsam oder konform vorgehen möchte. Das Ganze ist<lb/>
eine richtiggehende <choice><choice><sic>Hütt-Hott-Politik,</sic><corr>Hü-Hott-Politik</corr></choice></choice> wobei <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nur in<lb/>
einem einzigen Punkt recht hat. ALS es darum ging, die<lb/>
Bodenbeschaffungsgesetzes und das Assanierungsgesetz zu be<lb break="no"/>schliessen und vor allem einmal die Bevölkerung dafür zu ak<lb break="no"/>tivieren, war es nicht möglich, selbst unsere Genossen aus der<lb/>
Lethargie herauszureissen. Die Pickerl-Tage oder die Geschwin<lb break="no"/>digkeitsbeschränkung dagegen bewegen fast alle. Für mich ist<lb/>
dies nur eine weitere BEstätigung, dass die Menschen nur mit<lb/>
den unmittelbar sie betreffende Fragen aufzurütteln sind und all<lb/>
andere, wenn es nch so von Bedeutung ist, sie kaum inter<lb break="no"/>essiert. Wie weit allerdings eine Regierung dieser Mentalität<lb/>
Rechung tragen soll, steht auf einem anderen Blatt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-12_06">Eine lange Diskussion entwickelt sich auch über die Benzin<lb break="no"/>preisfrage. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint noch immer, wir solltne hart bleiben,<lb/>
denn die internationalen Gesellschaften verdienen sehr gut,<lb/>
sie haben nicht nur im Ausland sondern auch wahrscheinlich bei<lb/>
uns Supergewinne und die ÖMV muss eben jetzt ein gewisses<lb/>
Opfer bringen. Ich erkläre, dass ich versuchenwerde, zu einem<lb/>
Kompromiss zu kommen aber noch gewisse Zeit brauchen werde.<lb/>
DAs Wichtigste erscheint mir, dasss bei der nächsten Paritäti<lb break="no"/>schen Kommission auch über diesen Komplex gesprochen wird.</p><pb n="19-0215" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-02-12_0215.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-12_07"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> meint, es wäre zweckmässig, den Ölgesellschaften 60 Gr.<lb/>
zu geben. Nachdem ich vorher angedeutet habe, ich glaube, dass<lb/>
es 1.- S werden wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-12_08"><rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> berichtet über die Verhandlung mit den Agrariern und dass<lb/>
die Exportstützung um einen Schilling pro kg erhöht wird. Die<lb/>
Agrarier hätten sich 1.50 erwartet. Die Aktion für die verbillig<lb break="no"/>te Fleischabgabe im Inland soll jetzt mit den Interessensver<lb break="no"/>tretungen besprochen werden. Hier soll für grössere Familien<lb/>
5 kg Fleisch abgepackt und für kleinere in kleineren Einheiten<lb/>
abgepackt das Fleisch zur Verfügung gestellt werden. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
möcht,e dass die Höchstpreise um 3.- S reduziert werden und dass<lb/>
sie inbesondere mit den Kettenläden verhandeln solltne, damit<lb/>
sie diese Aktion grosse herausstellen und durchführen. Hier ht<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sofort grosse Bedenken und meint, die Fleischhauer seien<lb/>
opinion leaders und es wäre unzweckmässig, sie durch eine Bevor<lb break="no"/>zugung der Kettenläden vor den Kopf zu stossen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-12_09">Im Ministerrat berichte ich dass bie der Routinesitzung mit den<lb/>
Mineralölgesellschaften über die Versorgungssicherung der nächsten<lb/>
Monate festzustellen sei, ob wir einen autolosen Tag noch<lb/>
brauchen. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> berichtet über den Rückgang der Arbeitslosig<lb break="no"/>keit, die bereits von 71.872 den Höchststand auf 69.656 zurück<lb break="no"/>gegangen ist. GEgenüber der Vorwoche wurden wieder 1.381<add>1.301?</add> weniger<lb/>
gezählt. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> berichtet, dass die Streikmassnahmen inder BRD bis<lb/>
jetzt eine Auswirkung auf den Zugsverkehr Lindau-Bregenz hatten<lb/>
es ist aber anzunehmen, dass wenn sich die Streiklage verschärft au<lb/>
auch die Anschlusszüge nach Österreich leiden werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-12_10">Nach der Ministerratssitzung wird <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> gefragt, was es neues<lb/>
gegeben hat und er verweis sofort darauf, dass <rs type="person" ref="#per__97985">Staribacher</rs> eine<lb/>
diesbezügliche Erklärung abgeben wird. Zuerst war ich schon<lb/>
weggegangen, bin aber dann doch noch einmal zurückgekommen, ich<lb/>
glaube es war sehr gut, denn es htäte nicht gut gewirkt, wenn<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> jetzt erklärt hätte, wir beabsichtigen zu prüfen, ob die<lb/>
autolosen Tage noch aufrechterhalten werden sollen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-12_11">Bei der Besprechung mit dem Mexikaner hat <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> mich auch<lb/>
aufgefordert, unsere Vorstellungen zur Gemischten Kommission zu<lb/>
präzisieren. Da ich auf dem Stnadpunkt stehe, es ist besser,<lb/>
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so kommen wir in die Vorhand und müssen nicht eventuelle Vor<lb break="no"/>schläge, die sie machen in mühsamen Verhandlungen korrigieren,<lb/>
bot ich der mexikanischen Seite sofort an, dass in einem<lb/>
Handelsvertrag, der auch die Kooperationen umfasst eine Ge<lb break="no"/>mischte Kommission vorgesehne werden sollte. Der <choice><choice><sic>Viezminister</sic><corr>Arbeitsminister</corr></choice></choice><lb/>
<rs type="person" ref="#per__146985">Ledo</rs> meinte, sie hätten für die Gemischten Kommissionen<lb/>
in Mexiko mit anderen Staaten entsprechende eigene Gesetze.<lb/>
Wie sich alelrdingsin der Diskussion herausstellte, war hier an<lb/>
eine Gemischte Kommission für alle Fragen, also nicht nur<lb/>
Wirtschaft, sondern auch Kultur , Wissenschaft, Technik usw.<lb/>
gedacht. <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> hat bie einer Vorbesprechung mir gegenpber<lb/>
die Befürchtung geäussert dass die Aussenamtsbeamten sehr wohl<lb/>
ähnlich wie mit Frankreich und Italien auch mit Mexiko eine<lb/>
solche unzweckmässige allumfassende Gemischte Kommission wünsche<lb/>
würden. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> hat aber sofort meinen Vorschlag aufgegrif<lb break="no"/>fen und meinte, es gäbe dann ja immer die Möglichkeit, dass<lb/>
die z.B. heute geschaffenen Gemischte Kommission für Kultur<lb break="no"/>fragen dann zur selben Zeit und am selben Ort tagt wie die<lb/>
Gemischten Kommission, die sich mit Handelsfragen beschäftigt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-12_12">Der zweite Punkt betraf die Denuklearisierung von Lateinamerika<lb/>
Lateinamerikanische Staaten haben mit Ausnahme Kubas einen<lb/>
solchen Vertrag geschlossen, wo im lateinamerikanischen Raum<lb/>
auf Experimente mit Atomwaffen verzichtet wird. In zwei Pro<lb break="no"/>tokollen wurden im ersten die Kolonialmächte, die in Südamerika<lb/>
noch Kolonien haben, d.i. GB, NL, Frankreich und USA, aufge<lb break="no"/>fordert, dieses Protokoll zu unterschrieben. GB und NL haben<lb/>
diesgetan, Frankreich und die USA bis jetzt abgelehnt. USA<lb/>
besonders deshalb, weil sie noch 3 Stützpunkte in Puerto Rico<lb/>
in Kuba und dem Panamakanal bsitzen. Das zweite Protokoll aber<lb/>
wendet sich an die 5 Kernwaffenländer, USA, GB, Frankreich SU u<lb/>
China, und will, dass dort ausdrücklich festgehalten wird,<lb/>
dass sie verzichten Kernwaffenversuche in Lateinamerikanischen<lb/>
GEbieten abzuhalten. Die SU hat dieses Protokoll noch nicht<lb/>
unterfertigt. Die mexikanische Seite erwartet nun, dass<lb/>
Österreich eine Intervention bei der SU durchführt. Wir<lb/>
sind ein pazifistisches Land und unsere Politik und unser<lb/>
Einfluss könnte ausreichen, um die Russen umzustimmen.</p><pb n="19-0217" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-02-12_0217.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-12_13">IN diesem Fall, wenn wir dies zusagen, würden sie es in der<lb/>
mexikanischen Presse entsprehcned positiv herausstreichen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> verwies einleitend darauf, dass er besonders<lb/>
Verständnis für die Depositarmacht – Mexiko aht den Vertrag<lb/>
Dach und Fach zu bringen – eine Vergrösserung der atomfreien<lb/>
Zone, die nachher die ganze Welt umfasst ist, ist ideal. Derzeit<lb/>
aber ist die Sicherheit auf das militärische Gleichgewicht<lb/>
aufgebaut. Europa kann nur erhalten werden, weil neben militäri<lb break="no"/>scher Ausrüstung auch Atomwaffen vorhanden sind. In den Wiener<lb/>
Gesprächen zwischen der Abrüstung USA und SU sind daher von<lb/>
vornherein gleich die Atomwaffen ausgenommen worden. Der<lb/>
erreichte Vertrag, den Mexiko für Lateinamerika mit den anderne<lb/>
lateinamerikanischen Staaten geschaffen hat ist günstiger und<lb/>
weiter, als wir in Europa sind. Offen gesagt, sagte <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs><lb/>
würde er der österreichischen Regierung nicht empfehlen,<lb/>
für eine atomfreie Zone einzutreten, weil das eine Ver<lb break="no"/>schiebung der Kräfte bedeutet. Dadurch könnte eine Gefährdung<lb/>
der Sicherheit für Kleinstaaten eintreten und ganz besonders fr<lb/>
Österreich, das keinem Pakt angehört. Bei der SU zu appellieren<lb/>
wirkt eher negativ. Hier ist sofort dann von der SU der Verdacht,<lb/>
man versucht mit der Weltmeinung sie einzuschüchtern. Inter<lb break="no"/>vention könnte nur in delikaten Gesprächen erfolgen und es<lb/>
sollte keine Publikation erfolgen. Es gibt einige Staaten, die<lb/>
die Geheimdiplomatie lieben, dazu gehören die SU, die USA<lb/>
und der Heilige Stuhl und einige andere. Österreich hat die beste<lb/>
ERfahrungen mit der jüdischen Emigration, d.h. der Auswanderung<lb/>
gemacht, als dies still und leise eingeleitet wurde und womög<lb break="no"/>lich auch jetzt noch still und leise fortgesetzt wird. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirch<lb break="no"/>schläger</rs> ist aber bereit, in persönlichen Gesprächen mit<lb/>
sowj. Repräsentanten die Frage zu erörtern, wenn ihm entspre<lb break="no"/>chende Spezialinformationen noch gegeben werden. Der Aussen<lb break="no"/>minister <rs type="person" ref="#per__140789">Rabasa</rs> meinte, sie hätten die ERfahrung gemach,t wenn<lb/>
die SU auf den Tisch schlägt, dann müsse man nur noch fester<lb/>
schlagen. Er besteht aber nicht weiter auf dem Wunsch seiner<lb/>
Intervention, möchte aber zum Schluss nur eines sagen, es gibt<lb/>
keinen schlechteren Kampf, als den, den man nicht beginnt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> hat sich hier in einer delikaten Situation sehr ge<lb break="no"/>schickt aus der Schlinge gezogen, ich muss sagen, ich habe ihn w<lb/>
wirklich bewundert. Hier zeigt sich, dass er ein grosser Aussen<lb break="no"/>politiker ist und sein Geschäft gut versteht.</p><pb n="19-0218" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-02-12_0218.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-12_14">Mit Hofrat <rs type="person" ref="#per__140106">Lechner</rs> und MR <rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs> besprach ich die Vorbe<lb break="no"/>reitungen für die Milchpreiserhöhung. <rs type="person" ref="#per__140106">Lechner</rs> selbst ist als<lb/>
Leiter des Milchwirtschaftsfonds jetzt ein bisschen sehr<lb/>
vorsichtig, wahrscheinlich auch älter und träger geworden.<lb/>
Früher einmal htäte er sich viel intensivereingeschaltet,<lb/>
jetzt möchte er aber nur eine Rechenmaschine sein. Er glaubt,<lb/>
dass 30 Groschen Milchpreiserhöhung bie den Bauern als ein<lb/>
grosser Erfolg betrachtet wird, Bie seinen Berechnungen möchte<lb/>
er aber gleich 2 Groschen für den Transportausgleich dazu<lb break="no"/>kriegen und ausser dne Lohnerhöhungen ca. 160<add>100?</add> Mill. noch<lb/>
58 Mill. S für sonstige Kostensteigerungen. Darüber hinaus<lb/>
fürchtet er oder wünscht es sogar, dass auch die 7 Groschen,<lb/>
die die Bauern jetzt für die Exportförderung in Abzug bringen<lb/>
müssen, auf den Konsumenten überwälzen zu können. Da ich<lb/>
bemerkte, dass ich von ihm kaum eine Unterstützung habe, dankt<lb/>
ich ihm vielmals und sagte, wenn wir uns mit den Agrariern<lb/>
über dne Erzeugerpreis geeinigt haben, wird er dann als<lb/>
Rechenautomat herangezogen werden. Mehr wünscht er wahr<lb break="no"/>schienlich auch gar nicht.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-12_15">Mit <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs>, <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> vom ÖGB, <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> <rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs> und <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs>, <rs type="person" ref="#per__97819">Ple<lb break="no"/>schiutschnig</rs> und <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs>, <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> besprach ich unser Vorgehen<lb/>
in dernächsten Zeit bezüglich der Preisanträge. Die AK ist<lb/>
einverstanden, dass ich der Zuckerindustrie 20.000 t<lb/>
Export genehmige, da dadurch eine Preiserhöhung aus der alten<lb/>
Kampagne abgewendet werden kann. Durch Verzicht der Industrie<lb/>
könnten den Bauern dann 1.70 bis 2.-, welche die im Vorjahr<lb/>
durchgeführte Vorratsentlastung, die heuer nicht mehr gilt und<lb/>
für dne Bauern eine Belastung bedeuten würde, aufgefangen wer<lb break="no"/>den. Für diesen Vorschlag bekommen ich nocht entsprechendes<lb/>
Material vom Rübenverband, Gesch.Führer <rs type="person" ref="#per__133141">Kraus</rs> hat mir dies<lb/>
zugesagt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-12_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte stelle fest, wieso dieses Material<lb/>
noch nicht eingelangt ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-12_17">Da ich bei der letzten Aussprache mit den Bauernverbänden er<lb break="no"/>klärt habe, wir werden dieses Milchschema nicht mehr zur<lb/>
Anwendung birngen, müssen wir uns einen neuen Weg für die Ver<lb break="no"/>handlungen zurechtlegen. Ich schlage vor, dass man über die<lb/>
landwirtschaftlichen Buchführungsgesellschaften eine ent<lb break="no"/><pb n="19-0219" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-02-12_0219.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sprechende Auswahl der Milchproduktionsbetriebe nehmen soll<lb/>
und daraus eine gewisse stichhaltige Berechnung erstellen soll.<lb/>
Das Landwirtschaftsgesetz kommt uns hier sehr zugute, weil<lb/>
nämlich dieses ausdrücklich velrang,t dass die Behörde,<lb/>
bevor sie einen Preisbescheid erlässt, zu prüfen hat, wie die<lb/>
Kostensituation in gutgeführten Betrieben ist. ZUr ersten Vor<lb break="no"/>besprechung hat <rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs> auch die antragstellenden Verbände<lb/>
eingeladen. Für den Bauernbund wir-d siherlich die Landwirt<lb break="no"/>schaftskammer sprechen, der Allgemeine Bauernverband , der<lb/>
80 Groschen verlangt, wird einmal angehört. Ich selbst bin<lb/>
der Meinung, wir hätten auch dieses eine Mal den Allgemeinen<lb/>
Bauernverband nicht hören, sollen, weil er dafür nicht kom<lb break="no"/>petent ist sondern wirklich nur in der Preiskommission die<lb/>
Interessensvertretungen zu reden haben. Da <rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs> aber bereits<lb/>
eingeladen hat,decke ich natürlich den Beamten und meine nur,<lb/>
man sollte dort nur feststelen, daß das Schema eben nicht<lb/>
als Grundlage von ihnen anerkannt wird. Damit die Landes<lb break="no"/>buchführungsgesellschaften uns nicht ein einsprechendes vorbe<lb break="no"/>reiteres MAterial gibt, beschliessen wir, dass <rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> am nächsten Tag bei der Landesbuchführungsgesellschaft<lb/>
aufkreuzen und dort ein entsprehcnedes Unterlagenmaterial ver<lb break="no"/>langen. Sollte dies wider ERwarten nicht gegeben werden,<lb/>
werde ich mich soforteinschalten. <rs type="person" ref="#per__97819">Pleschiutschnig</rs> ist von<lb/>
unserer Vorgangsweise begeistert, wei er selbst immer eine<lb/>
solche gewünscht hat. Min.Rat <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel-Runtscheiner</rs> <choice><choice><sic>bar</sic><corr>aber?</corr></choice></choice> hat<lb/>
sich immer bie der vorhergehenden Preisfestsetzung ausgehan<lb break="no"/>delte Grundsäzte, d.h. eben auf das Schema bezogen und nur<lb/>
entsprechnede Korrekturen vorgenommen. Interessant ist, bei<lb/>
de rletzten Preiserhöhung um 15 Groschen hätten die Be<lb break="no"/>rechnungen selbst nach dem Schema nur 4,5 Groschen ergeben.<lb/>
Als man aber zu diesem Ergebnis gekommen war, hatte <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> be<lb break="no"/>reicts den Bauern 15 Groschen zugesagt. Ich bin sehr gespannt,<lb/>
wie die Bauernschaft auf diese neue Taktik von mir reagieren<lb/>
wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-12_18"><rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> teilt mit, dass sie mit den Fleischhauern über die<lb/>
Senkung der Rindfleischpreise bei gleichzeitiger Anhebung<lb/>
der Wurst- und insbesondere der Schweinepreise einig geworden<lb/>
sind. In den neuen Preisen sind bereits die zu erwartenden<lb/>
Lohnerhöhungen inbegriffen.</p><pb n="19-0220" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-02-12_0220.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-12_19"><rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> verweist besonders darauf, dass wir im Feber wahrschein<lb break="no"/>lich eine 8,5 bis 9 %-ige, wenn nicht sogar 9,5 bis 10 %ige<lb/>
Preissteigerung erwarten können udn müssen. Da in der nächsten<lb/>
Zeit noch grössere Preiserhöhungen bevorstehen, meint er, wir<lb/>
sollten dies auf den Index versuchen besser zu verteilen. Ich<lb/>
selbst halte von dieser Methode nichts, weil in Wirklichkeit<lb/>
im Vorjahr nur von Dezember auf Jänner ein grösserer Anstieg<lb/>
zu verzeichnen war. Die nächsten grösseren Preissteigerungen<lb/>
kommen dann erst wieder ab September. Da wir aber bis zu diesem<lb/>
ZEitpunkt nocht beträchtliche Preiserhöhungen erwarten können<lb/>
und müssen, gibt es eigentlich keine zweckmässige Aufteilung<lb/>
auf irgendwelche Monate die dies eleichter ertragen. Ich<lb/>
kann mich nur bemühen, die Preissteigerungen auf ein erträgli<lb break="no"/>ches Mass zu reduzieren, die Index-Auswirkung kann ich aber<lb/>
nicht abwenden. Dies ist besonders für <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> sehr schmerzlich<lb/>
weil er natürlich jedes Prozent Lebenshaltungskostensteigerung<lb/>
mit Mindestens 1 % Lohnerhöhung für die öffentlich Bediensteten<lb/>
bezahlen muss. Dies ist der Nachteil von unserem System der Be<lb break="no"/>lohnung oder Entlohnung der öffentlich Bediensteten. Anderer<lb break="no"/>seits aber wieder zeigt gerade jetzt wieder der Streik , der<lb/>
in der BRD schön langsam jetzt anläuft, beim öffentlichen<lb/>
Dienst, dass eine befriedigende Regelung durch ohne auf<lb/>
Index gebundenen Beamtenverhandlungen auch nicht sehr zielfüh<lb break="no"/>rend ist. Ich weiss nicht, ob wir nicht auf zu einem ähnlichen<lb/>
Ergebnis in der Beziehung zwischen Regierung und Gewerkschaft<lb/>
gekommen wären, wenn nicht doch eine geiwsse Regelung seiner<lb break="no"/>zeit bereits vereinbart worden wäre, die jetzt halt für die öf<lb break="no"/>fentlich Bediensteten zum TRagen kommt. Da die Preiserhöhungen<lb/>
erst im Nachhinein wie die öffentlich Bediensteten sagen abge<lb break="no"/>golten werden, so ergibt es eine gewisse BEruhigung jetzt beim<lb/>
öffentlichen Dienst, weil sie durch die hohen Preissteigerungen<lb/>
jetzt eine höhere Lohnerhöhung erwarten können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-02-12_20"/></div>
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            <head>Tagesordnung 105. Ministerratssitzung, 12.2.1974</head>
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