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            <title type="main">Donnerstag, der 31. Jänner 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-31_01">Donnerstag, 31. Jänner 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-31_02">Bei der Eröffnung der Koch-Ausstellung hat sowohl Vizebürger<lb break="no"/>meister <rs type="person" ref="#per__97899">Sandner-Fröhlich</rs> als auch Kammerpräsident <rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs><lb/>
bei jedem einzelnen Exposé immer nur gesagt, wie herrlich all<lb/>
dies schmeckt. Vor Entzücken ist ihnen das Wasser im Munde zu<lb break="no"/>sammengeronnen, obwohl die ganze Ausstellung viel der Optik<lb/>
dient. Die einzelnen Speisen sind wirklich kunstgerecht wie Ge<lb break="no"/>mälde gefertigt, die Köche, die uns vorgestellt wurden, sind<lb/>
in dieser Beziehung wahre Künstler, die Jury kostet dann zwar<lb/>
noch beonders hergestellte Portionen, um nicht ausshcliesslich<lb/>
nur nach den optischen Eindrücken zu urteilen. Ehrlicherweise<lb/>
muss ich zugeben, dass der optische und Gesamteindruck wirklich<lb/>
sehr gut gewesen ist. Ich bin überzeugt, dass tausende Wiener<lb/>
sich an dieser Ausstellung begeistern werden. Viele werden<lb/>
sagen, es ist ewig schade, dass am Ende die ganze Speisen<lb/>
aus hygienischen Gründen vernichtet werden müssen. Für mich<lb/>
allerdings kein Problem, weil dieKlassifikation "internatio<lb break="no"/>nale Schlick" für die meisten Speisen von meinem Stnadpunkt<lb/>
zutrifft. Allerdings masse ich mir kein Urteil an, weil ich<lb/>
weder ein Gourmand noch ein Gourmet bin.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-31_03">Beim Jour Fixe – Büro – kamen wir überein, dass die wichtigste<lb/>
Arbeit jetzt ist, auch unser Büro der neuen Geschäftseinteilung<lb/>
entsprechend organisatorisch zu gestalten. So wie dies auch<lb/>
seinerzeit daer Fall war, muss eine Aufteilung der Agenden er<lb break="no"/>folgen. Nur unter diesen Umständen ist es möglich, intensiver als<lb/>
Büro gegenüber dem Hause in ERscheinung zu treten. Ein weiteres<lb/>
Problem ergibt die Frage der Personalausgleich zwischen den<lb/>
einzelnen Sektionen und Abteilungen erfolgen könnte. Früher<lb/>
war es selbstverständlich, dass alle freien Dienstposten<lb/>
in einen Topf geworfen wurdne,wo dann das Büro in Zusammen<lb break="no"/>arbeit mit <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> den freiwerdenden Dienstposten dorthin<lb/>
dirigierten, wo wir dringendst neue Leute brauchten, um neue<lb/>
Aufgaben zu erfüllen. Jetzt stellt sich immer mehr heraus,<lb/>
dass natürlich die Sektionschefs in ihrem BEstreben die eigene<lb/>
Sektion mit guten LEuten auszubauen, nur ungern irgendwelche<lb/>
guten Leute für zentrale Arbeiten abstellen. Vor allem Neuauf<lb break="no"/>nahmen werden von ihen beschlagnahmt. Für diese Vorgangsweise<lb/>
<pb n="19-0151" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-31_0151.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>habe ich volles VErständnis, weil jeder Sektionschef oder -leiter<lb/>
natrülich gute Beamte auf alle Fälle natürlich bei sich be<lb break="no"/>halten will. Diese sind meistens beweglich und man kann<lb/>
sie vielfältig einsetzen. Genau das ist andererseits der Grund,<lb/>
warum z.B. die Grundsatzgruppe und -abteilung selbst diese<lb/>
Leute für sich beansprchen möchte. Hier wird man im Konkreten<lb/>
einzelfall eben Entscheidungen treffen müssen. Noch schwierigier<lb/>
als bei Neuaufnahmen ist dieses Problem, wenn es sich um schon nur<lb/>
in einer Sektion odr Abteilung befindlichen Beamten handelt.<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__112977">Neuhold</rs>, der bis jetzt bei <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> die Ölpreise bearbeitet<lb/>
hat, müsste eigentlich auf Grund des Ministeriengesetzes in die<lb/>
Abteilung <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> überstellt werden. Der logische Analogieschluss<lb/>
ist, dass wenn aus anderen Ministerien Beamte, die überwiegend<lb/>
oder ausschliesslich mit einer Materie befasst waren, die jetzt<lb/>
in ein anderes Ministerium übergeht, eben in dieses Ministerium<lb/>
übersiedeln mü-sen. Auch natürlich für die Abteilungen im Hause<lb/>
gelten. <rs type="person" ref="#per__112977">Neuhold</rs> möchte nun unter gar keinen Umständen unter <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs><lb/>
arbeiten. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> hat deshalb, wie er mitteilt, mit ihm eine offene<lb/>
Aussprache gehabt, sucht eventuell eine Möglichkeit, ob er in eine<lb/>
anderen Abteilung der Preisgruppe eingereiht werden könnte, ist<lb/>
aber wenn dies nicth gelingen sollte, auch bereit mit einer<lb/>
Zweitzuteilung sich zu begnügen. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> meinte, wahrscheinlich<lb/>
mit Recht, dass solche Probleme es im Magistrat nicht gegeben<lb/>
hhat. Dort wurde auf Wünsche der einzelnen Bediensteten in<lb/>
keiner Weise Rücksicht genommen. Trotzdem glaube ich, dass wir<lb/>
durch diese flexible Handhabung einigermassen bis jetzt zuminde<lb break="no"/>stens ruhig, d.h. ohen entsprechned eAngriffe im Parlament und<lb/>
der Öffentlichkeit über die Beühne gekommen sind. Die Reorganisa<lb break="no"/>tion des Hauses konnte dadurch vielleciht langsamer und nicht so<lb/>
exakt bis ins letzte Detail durchgeführt werdn, doch hatte<lb/>
sich dies nach aussen hin ruhig abgewickelt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-31_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Bitte wenn <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> der Zweitzuteilung<lb/>
zustimmt, dann sollte man dies als<lb/>
Erfolg von <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> verkaufen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-31_05">Im Rechnungshofausschuss wurde von Seiten der ÖVP neuerdings<lb/>
und zwar der Abgeordnete <rs type="person" ref="#per__97663">Kraft</rs> das Problem des Ministerbüros<lb/>
angeschnitten. Er wollte unbedingt wissen, ob das Büro Weisungen<lb/>
zu geben hat und insbesondere Sekt.Chefs ihre Anordnungen be<lb break="no"/>folgen müssen. Ich erklärte sofort, dass die Kollegen des Büros<lb/>
<pb n="19-0152" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-31_0152.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>in der Vergangenheit und auch derzeit niemals Weisungen in ihrem<lb/>
Namen gegeben haben, sondern dass sie nur als verlängerter Arm des<lb/>
Ministers als Transmissionsriemen sozusagen in dessen Namen und<lb/>
dessen Auftrag handeln. Ich fügte dann noch hinzu, dass mir kein<lb/>
einziger Fall bekannnt ist, wo ein Beamter des Hauses sich dadurch<lb/>
in seinen Rechten geschmälert oder gar vielleicht durch die Kollegen<lb/>
des Büros brüskiert fühlte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-31_06"><rs type="person" ref="#per__97663">Kraft</rs> hat dann ebenfalls im Ausschuss mitgeteilt, dass angeblich<lb/>
bei seinem Gebiet liegenden Bergwerken – es kann sich hier nur<lb/>
um die WTK handeln – versucht wurde zu erfahren, wieso er zu<lb/>
einem angeblichen streng vertraulichen Untersuchungsbericht<lb/>
gekommen ist. Er hat dieses Problem schon enmal im Hause ange<lb break="no"/>zündet und ich habe dieser Aussage keinerlei Bedeutung zugemessen.<lb/>
Ich weiss ehrlich gestanden nicht einmal, um welche Untersuchung<lb/>
es sich dabei handeln sollte. Ich nahme an, es geht um einen Bericht<lb/>
den <rs type="person" ref="#per__108609">Strek</rs> im Zusammenhang mit der Bergbauförderung erstellt hat.<lb/>
Interessant ist nur, dass jetzt <rs type="person" ref="#per__97663">Kraft</rs> versucht, die Situation so<lb/>
darzustellen, dass ich den Auftrag gegeben hätte, zu erkunden, wieso<lb/>
er im BEsitz dieses Berichtes gekommen ist. Zu diesem Zweck sei bei<lb/>
den Organen der Gesellschaft und sonstigen Stellen angerufen worden,<lb/>
wieso diese ZIffern in seine Hand gekommen seien.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-31_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Ich kann mich nicht erinnern, einen solchen Auf<lb break="no"/>trag jemals erteilt zu haben, schau Dir selbst das Stenographische<lb/>
Protokoll der Budgetdebatte Kapitel Handel – dort muss es gewesen<lb/>
sein – an und versuche zu klären, worum es dabei geht. Auf keinen Fall<lb/>
aber das Haus damit beschäftigen, sonst passier genau dasselbe, dass<lb/>
nämlich sofort wieder Untersuchungen angestellt werden und <rs type="person" ref="#per__97663">Kraft</rs> fühlt<lb/>
sich weiter verfolgt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-31_08">Ähnlich hat Abg. <rs type="person" ref="#per__112149">Gorton</rs> bei seinen sonst ganz uninteressanten Aus<lb break="no"/>führungen darauf hingewiesen, dass man bei der Strompreisverhand<lb break="no"/>lung dezidiert erklärte, der Minister möchte wissen, wieso er<lb/>
über die stromintensiven Betriebe fällt. Hier ist sehr ungeschickt<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs> an die Kelag, die ihn beliefert, gefragt worden.<lb/>
Natürlich konnte ichsofort darauf erwidern, dass ich die Aufgabe<lb/>
habe, wenn es sich um eine besonders günstige Strompreisermässi<lb break="no"/>gung handelt, zu prüfen, ob die Voraussetzungen für alle Betriebe<lb/>
gegeben sind Da es nur ein halbes Dutzend Betriebe gibt, die als<lb/>
<pb n="19-0153" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-31_0153.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>stromintensiv gelten und die vor allem kraft ihrer Produktion<lb/>
wie z.B. die BBU oder Donau-Chemie gelten, so braucht sich<lb/>
gar nicemand als Abgeordneter der Oppositionspartei verfolgt<lb/>
fühlen, wenn ich die Voraussetzungen für alle stromintensiven<lb/>
Betriebe geprüft und erklärt haben möchte. DIe Diskussion im Aus<lb break="no"/>schuss spielte sich alerdings so ab, dass niemals der Name<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112149">Gorton</rs> fiel und eigentlich nur Eingeweihte, das waren glaube<lb/>
ich er und ich diese Auseinandersetzung verstanden. Trotzdem<lb/>
war es für mich eine heilsame Lehre, dass scheinbar an sonst sehr<lb/>
gute und tüchtige Beamte wie <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs> nicht das nötige politische<lb/>
Gefühl haben, um eine Frage, ob die VOraussetzungen für einen<lb/>
besonders günstige Tarif noch vorliegen noch prüfen kann, ohne<lb/>
dass die betreffendne sofort darin einen politischen Grundsehen<lb/>
können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-31_09">Durch die lange Dauer des Rechnungsausschusses kam ich in den Partei<lb break="no"/>vorstand erst zu Endes der Ausführungen von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>. Die wirklich<lb/>
aber interessante Diskussion, nämlich die Politiker ud Alters<lb break="no"/>klausel wurde erst von <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> in der Diskussion angeschnitten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> meinte mit REcht, es müsste doch, nachdem der Parteitag<lb/>
unmittelbar bevorsteht, der Parteivorstand sich mit diesem<lb/>
Problem beschäftigen, nachdem man dieses Problem doch nicht über<lb/>
die Zeitungen lösen könne. Da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> aber sich in seinem<lb/>
Referat überhaupt nicht mit diesem Punkt beschäfitgt hatte,<lb/>
wurden nun die verschiedensten Meinungen von den verschiedensten<lb/>
Landesparteiobleuten und sonstigen Parteivorstandsmitglieder<lb/>
kundgetan. Natürlich wurden auch noch andere Probleme erörtert,<lb/>
wie z.B. der autolose Tag und der Benzinpreis, was mich veran<lb break="no"/>lasstein diesem Punkt wenigstens aufklärende INformationen<lb/>
dem Parteivorstand zu geben, doch alles wurde überschattet<lb/>
von dem Problam, was soll mit der Altersklausel geschehen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat dann nur zum Schluss in seinem an sich nur kurzen<lb/>
Schlusswort erkärt, dass erstens die Politikerklausel, die<lb/>
seinerzeit eingeführt wurde, wonach Mandatare nicht in den<lb/>
Aufsichtsrat der Gesellschaften delegiert werden sollen, unbe<lb break="no"/>dingt aufrecht zu erhalten ist, die SPÖ hat dies in der Ver<lb break="no"/>gangenheit in den zetralen Stellen überhaupt nie getan, sondern<lb/>
vielleicht in einzelnen Landesgesellschaften resp. Landes<lb break="no"/>parteien. Die ÖVP hat sich dagegen überhaupt niemals an eine<lb/>
<pb n="19-0154" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-31_0154.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>solche, wie er glaubt abslout notwendige TRennung zwischen<lb/>
Politik und Geschäft gehalten und deshalb sollte diese Politiker<lb break="no"/>klausel unbedingtaufrechtbleiben. Was die Altersklausel betrifft,<lb/>
so war er seinerzeit dafür und steht heute noch immer auf dem<lb/>
Stnadpunkt, dass sie immernoch notwendig ist. Nur dann ist eine<lb/>
Sicherstellung der Fluktuation – wie er sich ausdrückt – gegeben.<lb/>
Er sei bereit, diese Altersklausel auf sich wirken zu lassen,<lb/>
und möchteunter gar keinen Umständen eine Ausnahme für seine Person,<lb/>
das Ganze sei jetzt nur deshalb so aktuell, weil die Wahlen unglückli<lb/>
lich zum Zeitpunkt Oktober 1975 fallen. Wären sie früher oder sptäer,<lb/>
würde sich dieses Problem überhaupt nicht ergeben. Für ihn kann<lb/>
hier nur der Standpunkt der Partei von BEdeutung sein. Er würde vor<lb break="no"/>schlagen, dass man eine Änderung gründlich prüfen sollte.<lb/>
Unter gar keinen Umständen dürfte aber die Eindruck eines Streites<lb/>
innerhalb der Partei entstehen, die Öffentlichkeit würde hier mit<lb/>
Hilfe des Sympathie-Effektes sofort für den Abgehalfterten sein.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wiederholt dann einige Male, dass er für sich keine Ausnahme<lb/>
will, dass nur massgebend sein kann, was die Partei zweckmässig ist.<lb/>
Formell wurden keine Beschlüsse gefasst, doch glaube ich, dass<lb/>
man sich natürlich im RAhmen des erweiterten Präsidiums oder zu<lb break="no"/>mindestens der Landesparteiobmänner zusammensetzen wird, uj die<lb break="no"/>ses Problem zu besprechen, damit der nächste Parteivorstand, der<lb/>
eine Stunde vor dem Parteitag stattfinden wird, sich dch noch mit<lb/>
diesem Problem beschäftigen kann.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-31_10">Drei grosse Lagerhaus-Besitzer, drunter auch die Städt. Lager<lb break="no"/>hausverwaltung und die Fa. Glatz wollten von mir eine Erklärung,<lb/>
wie die Bevorratung auf ihrem Sektor in Zukunft gestaltet werden<lb/>
soll. Der Verband ländlicher Genossenschaften aber auch die Mühlen-<lb/>
und Händlerorganisationen de Bundeskammer haben ihre Mitglieder<lb/>
beeinflusst, um nicht zu sagen, aufgefordert, dass sie jetzt<lb/>
alles daransetzen wollen, um zusätzlichen Lagerraum zu schaffen,<lb/>
der vom Staat finanziert werden würde. Auf dem Getreide- und<lb/>
Futtermittelsektor haben wir aber derzeit genug Lagerraum. An<lb break="no"/>geblich hat das Landwirtschaftsministerium dafür 300 Mill. S<lb/>
zur Verfügung, cih persönlich kann mir nicht vorstellen, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> tatsächlich die Absicht hat, heir – sei es aus AIK, sei<lb/>
es aus ERP-Mitteln oder gar Aus Budgetmitteln – eine solche zu<lb break="no"/>sätzliche Lagererrichtungskation zu starten. Auf diesem Sektor<lb/>
<pb n="19-0155" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-31_0155.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>haben wir wirklich genug Lagerraum, da wir bis zu 2 Mill. t, das<lb/>
ist die doppelte Ernte lagern können. Ich glabue, dass es sihc<lb/>
hier um eine Verwechslung handelt. Im Zuge der Bevorratung wurden<lb/>
die 2 Mia S so aufgeteilt, dass <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> vorsclug, davon 300 Mill.<lb/>
für Futtermittel und eventuell Lebensmittel zu verwenden. Hier<lb/>
kann es sich aber nur darum handeln, die Finanzierungsbasis der Ein<lb break="no"/>lagerer zu verbessern und keinesfalls um neue zusätzliche<lb/>
Lagerstättenfinanzierung. Um aber in nächster ZEit einen Teilerfolg<lb/>
zu verzeichnen, wurde von <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> darauf hingewiesen, dass die WÖF<lb/>
in Pöchlarn, ein Mischfutterwerk, jetzt mit einem zusätzlichen Silo<lb/>
und Lagerraum für 10.000 t ausbaut. In weiterer Zukunft sollen sogar<lb/>
30.000 t geschaffen werden. Zu diesem Zweck hat <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> zugegeben,<lb/>
dass im ERP-Verfahren jetzt ein Kredit der WÖF gegeben wird, unab<lb break="no"/>hängig allerdings, ob diese Bevorratungsaktion jetzt gestartet<lb/>
werden soll oder nicht. Dies dürfte bie den Getreideverarbeitern und<lb/>
Händlern den Eindrukc erweckt haben, als ob auf diesem Sektor so<lb/>
wie bei dem Energiesektor eine ganz grosse Einlagerungsaktion mit<lb/>
entsprechender staatlicher Unterstützung gestartet werdeb soll.<lb/>
Wenn es nach mir geht, würde genau das GEgenteil der Fall sein.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-31_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte kläre mit <rs type="person" ref="#per__97819">Pleschiutschnig</rs>, was die Land<lb break="no"/>wirtschaft hier wirklich beabsichtigt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-31_12">Dir. <rs type="person" ref="#per__115043">Heschgl</rs> von der AUA teilte mir mit, dass <rs type="person" ref="#per__139706">Papousek</rs>, sein<lb/>
Kollege in der Geschäftsführung, nicht daran denkt, den Posten<lb/>
eines Geschäftsführer in der ÖFVW anzustreben. Ganz im Gegenteil,<lb/>
er hat mir ihm gesprochen und der AUA-Direktor <rs type="person" ref="#per__139706">Papousek</rs> lehnte es<lb/>
entschieden ab. <rs type="person" ref="#per__115043">Heschgl</rs> meiente, wenn man nun <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs>, mit dem sie<lb/>
sehr gut zusammenarbeiten und den sie sehr gerne als Geschäfts<lb break="no"/>führer sehen würden, nicht zum Zuge kommt, so könnten sie von<lb/>
der AUA entsprechende Mitarbeiter der ÖFVW zur Verfügung stehnnel.<lb/>
Ich erklärte ihm, dass nach wie vor die Ausschreibung gilt, die Bewer<lb break="no"/>ber keinesflals noch aus dem Rennen zu betrachten seien, bat<lb/>
ihn aber, er solle mit die Ablehnung <rs type="person" ref="#per__139706">Papouseks</rs> und die gute<lb/>
Zusammenarbeit mit <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> sowie die eventeullen Vorschläge, die<lb/>
sie machen wollen, schriftlich mitteilen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-31_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Du siehtst, wie in allen Gremien jetzt ver<lb break="no"/>sucht wird, <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> auf alle Fälle auszu<lb break="no"/>schalten.</p><pb n="19-0156" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-31_0156.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-31_14">Eine wichtige Bemerkung habe ich noch im Rechnungshofausschuss<lb/>
untergebracht: Die ÖVP fragt jetzt ganz besonders um die Reprä<lb break="no"/>sentationskosten der einzelnen Ressorts. Hier haben iwr,<lb/>
auch zu meiner grössten Verwunderung auch im Jahre 1972 eine<lb/>
Überschreitung der glaube ich mit 500.000 S im Budget vorgesehenen<lb/>
Mitteln um nicht ganz 200.000 vorgenommen. <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs> und <rs type="person" ref="#per__137484">Schütz</rs><lb/>
haben eine detaillierte Aufstellung vorbereitet gehabt. Ich habe<lb/>
sie natürlich dort verlesen, da sie mir sehr instruktiv erschien.<lb/>
Ausse-r der Zusammenstellung über die Dienstreisen – die Ausgaben<lb break="no"/>post ist von 1971 mit 1 Mill. und etliches auf 2 Mill. gestiegen.<lb/>
Bei dieser Gelegenheit erwähnte ich, dass es mir überhaupt nur<lb/>
möglich ist, als Handelsministerium, welches eine starke Reise<lb break="no"/>tätigkeit entwicklen muss, durchzukommen, weil ich die Unter<lb break="no"/>stützung von der Handelskammer habe. Diese Bemerkung war meiner<lb/>
Meinung nach nicht nur für die ÖVP neu sondern sicherlich auch<lb/>
für die sozialistische Seite. und die FPÖ- Niemand hat sie<lb/>
allerdings zu meiner grössten Verwunderung registriert. Zumindestens<lb/>
habe ich keine zusätzlichen Anfragen bekommen. Für mich ist es<lb/>
nun sehr wichtig, später einmal darauf hinweisen zu Können,<lb/>
dass ich bereits beim Rechnungsabschluss 1972 im Hause offiziell<lb/>
mitgeteilt habe, dass ich mit meinen Budgetansätzen nicht durch<lb break="no"/>kommen könnte. wenn ich nicht von Seiten der Handelskammer unter<lb break="no"/>stützt werde.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-31_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Lass Dir bitte von <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs> oder <rs type="person" ref="#per__137484">Schütz</rs><lb/>
diese Aufstellung gegeben und ganz<lb/>
besonders auch für die Jahre 1973 und<lb/>
1974 vorbereiten. Ich glaube wir sollten<lb/>
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im Rahemn der Budgetansätze zu bleiben,<lb/>
auch dann, wenn diese sehr niedrig sind.<lb/>
Durch die Möglichkeit der Ergänzung von Sei<lb break="no"/>ten der Handelskammer müssten wir durch<lb break="no"/>kommen können.</p></div>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName type="label">Mitterer, Otto</persName>
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               <occupation>Handelsminister, ÖVP, Präs. HK Wien</occupation>
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               <persName type="label">Pleschiutschnig, Gerhard</persName>
               <persName><surname>Pleschiutschnig</surname><forename>Gerhard</forename></persName>
               <occupation>Kabinett Staribacher</occupation>
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               <persName type="label">Marhold, Helmut</persName>
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               <persName type="label">Papousek, Hubert</persName>
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               <persName type="label">Androsch, Hannes</persName>
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               <persName type="label">Kurzel-Runtscheiner, Oswald</persName>
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               <persName type="label">Fröhlich-Sandner, Gertrude</persName>
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               <persName type="label">Wais, Anton</persName>
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               <occupation>MR HM</occupation>
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               <occupation>Vorstandsdirektor AUA</occupation>
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               <occupation>MR, Büro des Bundesministers</occupation>
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               <occupation>Landwirtschaftsminister bis 1976</occupation>
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               <occupation>Beamter [Amtsdirektor HM; 1971 von JS als B-Beamter bezeichnet, der das
                  Budget im Einzelnen ausarbeitet und im Detail kennt]</occupation>
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               <persName type="label">Heindl, Kurt</persName>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
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               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
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               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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