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            <title type="main">Dienstag, der 29. Jänner 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-29_01">Dienstag, 29. Jänner 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-29_02">Im Ministerrat beschwert sich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, dass das Parlament immer<lb/>
mehr Ausschussitzung auch am Dienstag 10 Uhr festsetzt, und da<lb break="no"/>duch die Regierung nicht mehr vollzählig tagen kann. Heute<lb/>
fehlen <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs>, <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs>, <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> und <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs>, die alle bei<lb/>
Ausschussitzungen im Parlament sind. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wird sich mit dem<lb/>
Parlament diebezüglich auseinandersetzen. Der Bischof der evange<lb break="no"/>lischen Kirche <rs type="person" ref="#per__140785">Sakrausky</rs> hat einen offenen Brief wegen des § 144<lb/>
geschrieben und damit die Massnahmen mit den Nürnberger Gesetzen<lb/>
verglichen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist deshalb sehr verärgert und dies mit<lb/>
Recht, weil zuerst dieser Brief im Radio und Fernsehen gebracht<lb/>
wurde und erst jetzt an den Adressaten zugestellt wurde. Norma<lb/>
würde <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, wie er sagt, überhaupt auf seinen solchen Brief<lb/>
nicht antworten und dies wird die Einleitung sein. Zum Unter<lb break="no"/>schied von der römisch-katholischen Kirche, die bei deisem<lb/>
gleichen Anlass, insbesondere Kardinal <rs type="person" ref="#per__109820">König</rs>, vollkommen korrekt<lb/>
die Christen, die der soz. Partei angehören immer wieder auffor<lb break="no"/>dert, sie sollen gegen diese Bestimmung Stellung nehmen, hat der<lb/>
Bischof meiner Meinung nach in wirklich unzulässiger Weise<lb/>
vergleiche angestellt. Gerade der Bezug auf die Nürnberger Rassen<lb break="no"/>gesetze stehen der evangelischen Kirche gar nicht an, denn<lb/>
die evangelische war es, die in überwiegender Mehrheit damals<lb/>
geschwiegen hat.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-29_03">Dieses Problem wird, nachdem ich abends über die politische Lage<lb/>
bei unserem Klub das Mandatare auf der Landstrasse berichtet<lb/>
habe, meiner Meinung nach einer der Hauptunkte des Wahlkampfes<lb/>
1975 gegen die soz. Partei sein. Die ÖVP wird so fürchte ich,<lb/>
die Abschaffung dieses Paragraphen im neuen Strafgesetzbuch an<lb/>
die Spitze ihrer Propaganda stellen und sich verpflichten,<lb/>
wenn sie die Mehrheit bekommt, diesesn Paragraphen sowofrt<lb/>
zum Verschwinden zu bringen. Obwohl wahrscheinlich sehr<lb/>
viele Wähler und ganz besonders Wählerinnen der ÖVP selbst schon<lb/>
über die Unmenschlichkeit dieses Paragraphen nachgedacht und<lb/>
vielleicht sehr viele darunter gelitten haben, fürchte ich,<lb/>
werden doch viele bereit sein, aus dieser Kampfstimmung heraus<lb/>
und um der eigenen Kirche und deren Aufforderung Rechnung zu<lb/>
tragen, die ÖVP wiederzuwählen, oder sogar neu zu wählen.</p><pb n="19-0135" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-29_0135.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-29_04">Trotzdem war es meiner Meinung nach richtig, die Fristen<lb break="no"/>lösung zu beschliessen, besser wäre es allerdings wahr<lb break="no"/>scheinlich gewesen, den Paragraphen an sich aus dem Straf<lb break="no"/>gesetz zu eliminieren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-29_05">Ich brachte wunschgemäss einen mündlichen Bericht über die Ver<lb break="no"/>sorgungslage mit Benzin und die Ansparmengen. Bei der ERstel<lb break="no"/>lung dieses Materials ist <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> und <rs type="person" ref="#per__107936">Elsinger</rs> draufgekomeen,<lb/>
dass die Angaben der ÖMV über die 205.000 t Vorrat nach Meinung<lb/>
<rs type="person" ref="#per__107936">Elsingers</rs> ohne straight run, nach MItteilung von <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> ÖMV<lb/>
wie <rs type="person" ref="#per__107936">Elsinger</rs> selbst mitgehört hat, vor einigen Tagen aber incl.<lb/>
straight run Benzin gezählt wird. Dies ergibt natürlich grosse<lb/>
beträchtliche Differenzen, die man in Hinkunft klären muss.<lb/>
ICh selbst finde wieder einmal mehr bestätigt, dass die An<lb break="no"/>gaben der ÖMV nicht stimmen, zumindestens zweideutige Schlüse<lb break="no"/>se zulassen und dass ganz bewusst man uns diese Auffassungs<lb break="no"/>differenzen nicht aufklärt. Ich hatte angenommen, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreis<lb break="no"/>ky</rs> eventuell wie gestern abends eine viel härterer Formulierung<lb/>
wünscht um wie er ja ursprünglich wollte, der Bevölkerung<lb/>
auseinanderzusetzen, dass auf alle Fälle auch nach Erreichung<lb/>
der notwendigen Lagermenge von 200.000 t exclusive das<lb/>
Manipulationslagers noch weiter das Gesetz aufrechterhalten<lb/>
bleiben sollte. Diesmal aber war er der Meinung, es sollte<lb/>
nach seiner Auffassung nicht nur vom tatsächlichen Zwang,<lb/>
der uns zu dieser Massnahme veranlasst hat, gesprochen werdne,<lb/>
sondern auch von einer moralischen VErpflichtung usw. Ergänzend<lb/>
hat er nur verlangt, dass im Protokoll- der Beschluss der Re<lb break="no"/>gierung efstgehalten wird, dass die Regierung sihc nicht elicht<lb/>
fertig mit diesem Problem beschäftigt sondern nicht zuletzt<lb/>
auch wegen der Entwiclung der Zahlungsbilanz und der Ver<lb break="no"/>sorgungssicherheit diese Massnahmen gesezt hat.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-29_06">Im Klub der Wirtschaftspublizisten gilt der Grundsatz, dass<lb/>
alles vertraulich ist und nur ausdrückliche Erklärungen, die<lb/>
vom Referenten freigegeben sind, der Vorsitzende hofft, dass<lb/>
wenigstens die eine oder andere Passage von mir freigegeben wird<add>?</add><lb/>
verwertet werden können. Ich habe soofrt erklärt, dass sie<lb/>
bie mir alles Publizieren können, Ausnahme dessen, was ich<lb/>
als vertraulich d.h. off recorded bezeichne. Einleitend<lb/>
habe ich mit einem Angriff begonnen, um wie ich sagte, die<lb/>
<pb n="19-0136" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-29_0136.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Diskussion in ein richtiges Fahrwasser zu bringen. Ich ver<lb break="no"/>suchte, ihnen auseinanderzusetzen, dass ich mir nicht beschweren<lb/>
will, dass aber meiner Auffassung nach es zum Ethos des Journali<lb break="no"/>sten gehört, zu recherchieren, ob Mitteilungen die er bekommt<lb/>
auch nur annähernd wahr sein können und den Tatsachen ents<lb break="no"/>sprechen. Hier hätte ich erwartet, dass man mich zumindestens<lb/>
gefragt hätte, bevor man in vielen Fällen ganz falsche Tat<lb break="no"/>sachen und Behauptungen aufgestellt hat und wenn einmal in<lb/>
der Presse eingegangen dann immer wieder weiter bekräftigt<lb/>
hat, weil man eben recht haben wollte. In materieller Hin<lb break="no"/>sicht konnteich doch einige INformationen wie z.B. die zu<lb/>
erwartenden Mehrlieferungen an Erdgas mitteilen, als vertrau<lb break="no"/>lich bezeichnen, aber odhc meine oft zurückhaltenden Erklärun<lb break="no"/>gen verständlich machen. Die Diskussion war sehr interessan-t,<lb/>
obwohl sich nur einige Journalisten – <rs type="person" ref="#per__133317">Knapp</rs>, <rs type="person" ref="#per__97479">Graber</rs>, <rs type="person" ref="#per__132606">Rome</rs>,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__148971">Wessely</rs> , daran beteiligt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-29_07">Hofrat <rs type="person" ref="#per__134323">Manzano</rs>, der zufällig in Wien war, sprach mit <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs><lb/>
bei mir vor, um über die Besetzung des Geschäftsführerpostens<lb/>
der ÖFVW zu verhandeln. Er fühlt sich noch immer als der<lb/>
Sprecher der Bundesländer, meint, er sei dringend daran inter<lb break="no"/>essiert mit mir einen Akkord zu erreichen und wollte mir unter<lb/>
allen Umständne auseinandersetzen, dass ich erstens auf <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs><lb/>
verzichten sollte, weil er zu jung sei, er könne sich für<lb/>
das nächste Mal nach drei Jahren profilieren, zweitens wir<lb/>
einen gemeinsamen Kandidaten finden sollten und drittens<lb/>
das ganze im Direktorium erledigt werden möge. Ich habe ihm<lb/>
sehr duetlich zu verstehehn gegeben, dass ich mich druch die<lb/>
Ausschreibung gebunden fühle und dass ich beabsichtige,<lb/>
das ganze Problem nicht im Direktorium zu erledigen, sondern<lb/>
letzten Endes in die Generalversammlung bringen werde. Sollte<lb/>
ich dort überstimmt werden, werde ich Konsequenzen ziehen,<lb/>
eine neue Ausschreibung, auch <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> hat dies dezidiert er<lb break="no"/>klärt, komme nicht in FRage, da es dieses Problem auch gar nicht<lb/>
löst, ausserdem wies ich darauf hin,dass der Rechnungshof<lb/>
mich mit REcht dann angreifen würde, dass wir eine Neuaus<lb break="no"/>schreibung gemacht haben, womöglich mit einem wesentlich höheren<lb/>
Gehalt, obwohl wir die alte Ausschreibung gar nicht annulliert<lb/>
haben, weil ja letzten Endes Kandidaten sich beworben haben.</p><pb n="19-0137" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-29_0137.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-29_08"><rs type="person" ref="#per__134323">Manzano</rs> möchte am liebsten, dass <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs> weiter noch ver<lb break="no"/>längert wird, er denkt bis zum Jahre 1974 müsste dies auf alle<lb/>
Fälle geschehen , damit ein neuer Mann, den wir letzten Endes<lb/>
die Handelskammer und die Ländervertreter präsentieren wollen,<lb/>
eingeschult werden kann. Ich versuchte ihm auseinanderzusetzen,<lb/>
dass der sogenannte Mister Austria, d.h. der österreichische<lb/>
Mann, niemals der Geschäftsführer sein kann und soll sondern<lb/>
eben der Funktionär, der die Österr. Fremdenverkehrswerbung<lb/>
vertritt und das bruache nicht ihc zu sein sondern von mir aus<lb/>
mein Vize oder überhaupt eine neue Person, die eben gewählt wird.<lb/>
Da ich befürchte, dass sich die Bundeskammer und die Länder<lb break="no"/>vertreter doch noch auf einen neuen Mann einigen, der viel<lb break="no"/>leicht wirklich so gut ist, dass ich kaum sachlich dagegen argu<lb break="no"/>mentieren kann, habe ich dezidiert erklärt, dass ich mcih an<lb/>
die 21.000 S gebundne fühle und dass wenn die Bundeskammer einen<lb/>
guten Mann präsentiert, der um dieses Geld es nicht machen kann,<lb/>
dann ebne die Bundeskammer die Differenz auf seinen Gehalt, den<lb/>
er verlangt, bezahlen muss. Dasselbe gelte natürlich auch für<lb/>
die oder den Vertreter der Länder. <rs type="person" ref="#per__134323">Manzano</rs> ist nicht sehr<lb/>
glücklich, dass sich der burgenländische Verkehrsdirektor<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140758">Hetfleisch</rs> gemeldet hat, betrachtet dies aber natürlich als eine<lb/>
VErpflichtung für die Länder, für <rs type="person" ref="#per__140758">Hetfleisch</rs> zu sein, solange<lb/>
nicht eine bessere Kandidatur von irgendjemandem anderen vor<lb break="no"/>liegt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-29_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Ich bin nicht so sicher, ob die ganze An<lb break="no"/>gelegenheit so läuft, wie Du es Dir immer<lb/>
einbildest. Ausser mir exponiert sich nie<lb break="no"/>mand, viellecith noch <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs>, der<lb/>
es aber sehr ungeschickt, siehe Zürs, macht.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-29_10">In der ÖGB-Bundesfraktion wurde beschlossen, dass die Arbeiter<lb break="no"/>kammerwahl unter dem Motto "Serviceleistung für die Arbeiter"<lb/>
geschlagen werden soll. Die Arbeiterkammer wird aktuelle Fragen,<lb/>
der ÖGB wird die Aktivität in der Propaganda herausstreichen.<lb/>
WEnn ich denke, dass diese MEthode der Wahlwerbung bereits bei<lb/>
der letzten Kammerwahl vor 5 Jahren aus schon war, dann frage<lb/>
ich mich wirklich, ob man nicht eine andere, neuere Art hätte<lb/>
suchen müssen. Nur die Wiederholung der an und für sich guten<lb/>
Aktion "Die Arbeiterkammer lädt ein" – hier werden die Funktionäre<lb/>
in die Heime der Arbeiterkammer geführt, bewirtet und ihnen<lb/>
<pb n="19-0138" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-29_0138.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>auseinandergesetzt, was die Arbeiterkammer für die Arbeiter<lb/>
und Angestellten leistet, ist meiner Meinung nach zu wenig.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs>, den ich diesbezüglich fragte, meinte, diese ganze<lb/>
Frage sei im Vorstand der Arbeiterkammer gar nicht behan<lb break="no"/>delt worden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-29_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Bitte diskutieren wir einmal, ob es<lb/>
nicht noch möglich ist, eine über <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs><lb/>
z.B. der Arbeiterkammer entsprechende<lb/>
neue Idee der Wahlpropaganda vorzu<lb break="no"/>schlagen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-29_12"><rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> berichtete, dass am Parteitag die Gewerkschaftsfraktion<lb/>
über das Problem der Altersbegrenzung sich wird in einer<lb/>
Vorbesprechung noch beraten. Das Fraktionspräsidium hätte<lb/>
heute dieses Problem erstmalig diskutiert und festgehalten,<lb/>
dass gegen den Altersparagraphen seiner Meinung nach minde<lb break="no"/>stens 90 % der Gewerkschafter gestimmt hätten. Da er selbst<lb/>
aber von einer Ausnahme betroffen wäre, meinte er, man dürfe<lb/>
die Ausnahme nicht auf Personen beschränken. Der Spitzen<lb break="no"/>kandidat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist unbedingt notwendig und man kann der Be<lb break="no"/>völkerung kaum zumuten, jemanden zu wählen, dernur zwei<lb/>
Jahre dann in der Legislaturperiode aktiv sein wird. Hier<lb/>
gibt es meiner Meinung nach nur eine eingige Lösung, nämlich<lb/>
eben von mir aus das Alter herabsetzen, dann aber zu erklären,<lb/>
dass der Kandidat die ganze Legislaturperiode bleiben wird.<lb/>
Diese Ausnahmeregelung hilft allerdings nicht über das spezi<lb break="no"/>fische Problem <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hinweg. FÜr die Zukunft wäre es glaube<lb/>
ich aber eine bessere Lösung. Mein VErsuch, dies bei den<lb/>
Mandataren des 3. Bezirkes durchzubringen, hat auch nicht<lb/>
die einhellige Zustimmung der Funktionäre gefunden. Scheinbar<lb/>
sind kleinere und mittlere Funktionäre viel weniger elastisch<lb/>
als man glaubt. Einmal gefasst Beschlüsse wollen sie auch dann<lb/>
nicht abändern, wenn sihc herausstellt, dass dies gar nicht<lb/>
gpnstige Beschlüsse waren. Hier gilt scheinbar der Gurndsatz,<lb/>
der Beschlusstreue gegenüber der Opportunität bei irgend<lb break="no"/>welchen zukünftigen Wahlen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-29_13">Da ich aufgefordert wurde, über die wirtschaftliche Situation<lb/>
und ganz besonders über die Preisentwicklung zu referieren,<lb/>
hatte ich Gelegenheit, alle offenen Probleme, wie ich sie<lb/>
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Benzinpreis, Zucker-, Milch- Getreide-, wie ich glaube objektiv<lb/>
darzulegen. Ich habe ich die Einwände der Arbeiterkammer immer<lb/>
wieder vorgebracht, damit nicht der Eindrukc entsteht, ich will<lb/>
irgendjemanden überfahren. Leider war <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> schon weg<lb/>
und konnte deshalb seine Bedenken nicht dort äussern. In der<lb/>
Diskussion habe ich dann letzten Endes REcht bekommen, es hat<lb/>
sich niemand gegen diese Politik ausgesprochen, was für mich<lb/>
grosse Bedeutung hat. Ich werde mich zwar niemals auf irgendwelch<lb/>
vage Diskussionen berufen, wenn ich dann letzten Endes ent<lb break="no"/>scheiden muss, möchte aber odh von vornherein zumindestens<lb/>
den Genossen der Fraktion den Eindruck geben, dass ich mich<lb/>
bemühe, zu irgendwelchen Kompromissen zu kommen, der Höhe nach<lb/>
muss ich sowieso jede Preisbestimmung, bevor ich sie ernstlich<lb/>
in Angriff nehme, mit den Präsidenten und Beamten der Arbeiter<lb break="no"/>kammer und des ÖGB im Detail ansprechen. An dieser Politik<lb/>
werde ich nichts ändern.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-29_14">Der GD <rs type="person" ref="#per__1137476 ">Fall</rs> von der Messe Senegal, Dakar, hat bei mir deshlab<lb/>
einen phantastischen Eindruck hinterlassen, weil er mit einem<lb/>
Koffer gegkommen ist, wo ein Vorführgeärt für die Stadt Dakar<lb/>
ihre Wirtschaftsbedeutugn sowie der Messe, dem Ton nach aber<lb/>
acuh optisch wie er sich ausdrückte hervorzaubern konnte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-29_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: ERkundige Dich bitte, was so etwas<lb/>
kostet und ob man nicht so etwas wirklich<lb/>
für irgendwelche Werbezwecke unseren<lb/>
Zweigstellen der Fremdenverkehrswerbung<lb/>
zur Verfügung stellen sollte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-29_16">Beim Musikabend in Schönbrunn, wo ich sehr spät erst hinkommen<lb/>
konnte, habe ich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mitgeteilt, dass sein Wunsch, für die<lb/>
schulfreie Woche in Feber den Samstag/Sonntag zum Beginn und<lb/>
den Samstag/Sonntag am Ende pickerlfrei zu stellen, unverzüglich<lb/>
in Angriff genommen wird. Dieser Lösung können wir der ÖVP<lb/>
sicherlich eines auswischen, weil sie immernur für entweder<lb/>
alles oder nichts eintritt und ich hoffe die Bevölkerung wengis<lb break="no"/>stens erkennt, dass wir bereit sind, Erleichterungen zu schaffen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat urdprünglich angeregt, es ollte nur der Sonntag frei<lb/>
sein, damit die Leute, die auf Urlaub fahren wollen und am<lb/>
Samstag nicht mehr wegfahren können, am Sonntag dann ihren Urlaub<lb/>
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gewählt haben. wenn jemand den Samstag oder Sonntag autofrei<lb/>
genommen hat, dann ist er meistens wirklich an sein Fahrzeug<lb/>
unter der WOche gebunden und mir erschien diese Erleichterung<lb/>
zweckmässig. INteressant war, dass auch dies bei unserer Mandatar<lb break="no"/>besprechung im Bezirk auf teilweisen Widerstand gestossen ist.<lb/>
Immer, wenn jemand anderer sich einen Wochentag gewählt hat,<lb/>
findet er es als eine UNgerechtigkeit, dass jemand jetzt eine<lb/>
Ausnahme bekommt. Trotzdem glaube ich, dass eine solche Massnahme<lb/>
zweckmässig ist. Wir werden sie nur unverzüglich verlautbaren,<lb/>
damit nicht die ÖVP womöglich eine solche Forderung noch jetzt<lb/>
erhebt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-29_17"/></div>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>Büro Staribacher, Botschafter in Sofia/Straßburg</occupation>
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               <occupation>MR, Leiter Gruppe FV u. Gewerbeförd. HM</occupation>
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               <occupation>LUGA-Zentralsekretär</occupation>
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               <occupation>Bautenminister</occupation>
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               <persName><surname>Elsinger</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
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               <occupation>Sekr. JS, ab 1973 GF VKI</occupation>
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               <persName type="label">Manzano, Hans</persName>
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               <occupation>Salzburger Landesverkehrsdir. [1971 als Gf. und Sprecher
                  Arbeitsgemeinschaft der Fremdenverkehrsdirektoren]</occupation>
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               <persName type="label">Lütgendorf, Karl</persName>
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               <persName type="label">König, Franz</persName>
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               <persName type="label">Lanc, Erwin</persName>
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               <occupation>Prof., Wirtschaftsjournalist</occupation>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
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