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            <title type="main">Freitag, der 25. Jänner 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-25_01">Freitag, 25. Jänner 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-25_02">Die erste Sitzung des Energiebeirates verlief programmgemäss.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> kennt alle Leute, ich selbst die meisten und es war des<lb break="no"/>halb sofort ein guter Kontakt. Mein Konzept, dass jetzt versucht<lb/>
werden muss, einen Energieplan zu erstellen, der nicht nur von der<lb/>
technischen Seite sondern insbesondere von der kommerziellen Seite<lb/>
jährlich mindestens einmal überprüft udn wahrscheinlich auch korri<lb break="no"/>giert werden muss, fand die Zustimmung. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> selbst hat dann mit<lb/>
Recht ein wenig insoferne ergänzt, als er darauf hinwies, dass auch<lb/>
eine mittelfristige und andeutungsweise eine langfristige Prognose<lb/>
und dann auf die einzelnen Sparten abgestimmte Aussage in dem Plan<lb/>
enthalten sein sollte. Der erste Schritt wird jetzt eine Enquete<lb/>
über die Bedarfsschätzung des Wirtschaftsforschungsinstituts sein,<lb/>
nach Auffassung einiger Techniker dürfte das Modell des Wirt<lb break="no"/>schaftsforschungsinstituts nicht stimmen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-25_03">Anschliessend an die Sitzung versuchte ich mit den Interessens<lb break="no"/>vertretungen und mit den Vertretern der EVUs soweit sie in anderen<lb/>
Funktionen anwesend waren, z.B. <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs> für den Städtebund ein<lb/>
unverbindliches Gespräch über die weiteren Strompreisverhandlungen.<lb/>
Die Arbeiterkammer wehrt sich gegen die 8-Groschen-Lösung insoferne,<lb/>
als sie die Umrechnung von 12,7 für die durchschnittliche Erhöhung<lb/>
nicht akzeptieren will. Sie ersucht, eine grössere Belastung der<lb/>
Industrie- und Gewerbebetiebe durchzusetzen, damit der Haushalt wo<lb break="no"/>möglich weniger alsdie 12,7 im Schnitt erbringt. <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> argumen<lb break="no"/>tiert so, dass er bie den letzten Strompreisregelung einen höheren<lb/>
Prozentsatz für den Haushalt akzeptieren musste als die Industrie be<lb break="no"/>zahlte, Dies möchte er jetzt korrigieren. Meiner Meinung nach ist das<lb/>
eine vollkommen unmögliche Vorgangsweise, weil ich auf dieser Basis<lb/>
ausserstande bin, ein einvernehmliches Konzept zu erstellen</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-25_04">Die soz. EVU-Vertreter haben eneurdings bei mir vorgesprochen,<lb/>
um darauf hinzuweisen, dass sie die 8 Groschen nur akzeptieren<lb/>
könnten, wenn gleichzeitig die Entlastung, die sie seinerzeit<lb/>
von 0,5 bis 1,4 % durchführen mussten, je nach Landesgesellschaft<lb/>
verschieden, wegfällt. ICh habe ihnen keine endgültige Zusage<lb/>
gemacht, doch erscheint es mir selbstverständlich,dass mit dem<lb/>
neuen Preis die Umsatzsteuerumstellung auf Mehrwertsteuer und<lb/>
damit im Zusammenhang durchgeführtn Entlastung wegfällt-.</p><pb n="19-0118" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-25_0118.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-25_05">Bei der Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>-<rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs>, <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> hat dieser die<lb/>
Situation auf dem Währung- und Zahlungsbilanzsektor analysiert.<lb/>
Die 18 Mia S Zahlungsbilanzdefizit, die höher erwartet werden,<lb/>
zusätzlich noch der Ölpreiserhöhungen, wie das Wirtschaftsfor<lb break="no"/>schungsinstitut mit 6,6 Mia annimmt, was aber sicherlich zu<lb/>
hoch gegriffen ist, glaubt <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs>, wird keine Schwierigkeiten be<lb break="no"/>reiten. MEiner Berechnung nach ist die statistische Differenz<lb/>
von 5 Mia abzuziehen, dazu die Anleihe und Kapitalmarkt im Ausland<lb/>
von 4 Mia, privat 5 Mia, ergibt auf die alte Ziffer gerechnet<lb/>
4 Mia Defizit, das durch die Veränderung der Währungsreserven abge<lb break="no"/>deckt werden müsste, wenn man das Öl dazurechnet, maximal 10 Mia.<lb/>
Die OeNB verfügt über eine Devisenreserve von 63 Mia, wozu noch<lb/>
das eventuelle Gold käme, das man allerdings kaum in dem grossen<lb/>
Umfang verkaufen könnte, mit 43 Mia, sodass insgesamt 106 Mia<lb/>
zur Verfügung stehen. Das wirkliche Problem ist die Preisent<lb break="no"/>wicklung. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> über die zu erwartenden Preissteigerungen<lb/>
bei Strom, Zucker, Milch und Getreide sowie insbesondere über<lb/>
den Ölpreis informiert. Das Verhalten der AK, insbesondere des<lb/>
Präs. <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs>, der momentan alles ablehnt, wird von <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs><lb/>
nicht geteilt. Er sagt mit recht, dass das die einfachste Methode is<lb/>
alles abzulehnen, dann allerdings beginnt der Fristenlauf und<lb/>
für die behördliche Preisbildung sowieso die gesetzliche Notwendig<lb break="no"/>keit, die Preise entsprechend zu korrigieren. Ich werde versuchen,<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> und <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> über diese Details auch noch zu spre<lb break="no"/>chen. Mit der 8-Groschen-Strompreiserhöhung ist <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> einver<lb break="no"/>standen, de Wunsch der AK, die Industrie stärker zu belasten udn<lb/>
dafür den Haushalt zu entlasten, wird von ihm nicht geteilt.<lb/>
Beim Zuckerpreis sieht <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> ein, dass wir wahrscheinlich vor<lb/>
Ende Feber, wo die Abschlusszahlung und dann die neuen Verträge ausge<lb break="no"/>handelt werden zwischen den Rübenbauern und der Zuckerindustrie<lb/>
noche twas machen müssen. Der Antrag von 60 Groschen kommt aber<lb/>
nicht in Frage. Bei Milch muss man abwarten, was die Lohnerhöhungen<lb/>
ausmachen und dann eine Kalkulation durchziehen. Mein Vorschlag,<lb/>
dann auf alle Fälle den Krisengroschen auf die Milchanlieferung<lb/>
genau zu binden, wird akzeptiert, doch erklärt <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, dass <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs><lb/>
ihm dezidiert bei der letzten Erhöhung erklärt, dass eine solche<lb/>
schriftliche Vereinbarung schon existiert. ICh bin nicht ganz<lb/>
sicher, ob dies tatsächlich in so exakter Form der Fall ist<lb/>
<pb n="19-0119" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-25_0119.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte die genauen Unterlagen von <rs type="person" ref="#per__97819">Pleschiutschnig</rs><lb/>
verlangen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-25_06">Bei Getreide versuche ich <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> das NEue System, welches <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> und<lb/>
teilweise ich erarbeitet haben, auseinanderzusetzen, Danach würde<lb/>
der Weizenpreis freigegeben, was sofort zu einem Verfall des Futter<lb break="no"/>weizenpreises und zu einem wesentlichen Ansteigen des Qualitäts<lb break="no"/>weizens und ganz besonders des Hartweizens fürhren würde. Dadurch<lb/>
könnte Stützung erspart werden – 5 Groschen pro kg – bei Hartweizen<lb/>
22 Groschen und trotzdem würde keine Preiserhöhung entstehen, weil<lb/>
die Weizenabgabe von 47 Groschen wegfallen könnte. Die Stützungs<lb break="no"/>ersparnis bei Weizen könnte man dann für den Roggen verwenden, der<lb/>
weitestgehend im Mühlenabgabepreis unverändert bleiben sollte.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> befürchtet aber eine entsprechende Verteuerung des Mehl- und<lb/>
Gebäckpreises und lehnt deshalb dieses System ab. INteressnter<lb break="no"/>weise hat sich <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> auch sofort dme angeschlossen, weil er scheinbar<lb/>
auch die Befürchtungen <rs type="person" ref="#per__97346">Benyas</rs> teilt. ICh kann <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> insofern beruhigen<lb/>
als auch <rs type="person" ref="#per__97676">Tommy Lachs</rs> bis jetzt ganz entschieden abgelehnt hat, auch<lb/>
nur über dieses System zu reden. UNter diesen Umständen wird nichts<lb/>
anders übrigbleiben als auch den Weizenpreis preislich anzuheben,</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-25_07">Über die bis jetzt bekanntgewordenen Kalkulationsunterlagen der<lb/>
ÖMV ist er im wahrsten Sinne des Wortes erschüttert. Er fürchtet, dass<lb/>
es bei diesen Verhandlungen nicht mehr so schnell gehen wird, wie<lb/>
bei den letzten sondern dass wir hier längeres preisbehördliches<lb/>
Verfahren zaben werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-25_08">Da bereits jetzt die Spekulation der neune Benzinpreise in den Zei<lb break="no"/>tungen eine grosse Gefahr darstellt – Der Kurier meldete zuerst,<lb/>
über Samstag/Sonntag wird der Preis festgesetzt, dann schrieb er,<lb/>
am Dienstag wird die Preiskommission endgültig entscheiden – werde<lb/>
ich ich Hinkunft versuchen, die Abwicklung eines Preisverfahrens<lb/>
weitestgehend transparent zu machen. Ähnlich wie ich dies beim Strom<lb break="no"/>preis gemacht habe, wo ich den Zeitungen eine Vorinformation gegeben<lb/>
habe über den derzeitigen Tarifzustand und über die Verzerrung des<lb/>
Tarifes, soll ich glaube ich bei allen anderen Preisen, die von<lb/>
grösserer Bedeutung sind, ein ähnliches System handhaben. Dadurch<lb/>
wird die Bevölkerung weitestgehend aufgeklärt, vielleicht gelingt<lb/>
es sogar auch die Preisdiskussion zu versachlichen, da ich mich ja<lb/>
immer als "Kompromissler" um eine gemeinsame Lösung bemühe, müsste<lb/>
dies auch dazu führen, dass ich die Angriffe, die ich ansonsten bei<lb/>
<pb n="19-0120" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-25_0120.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Preiserhöhungen von allen Seiten zu erwarten habe, auf ein<lb/>
Minimum reduziere. Die Unternehmer werden sehen, wie schwierig<lb/>
es ist, selbst das Kompromiss in der Öffentlichkeit zu verteidigen,<lb/>
die Konsumenten- und Arbeitnehmervertreter werden bemerken,<lb/>
dass ich mich wirklich bemühe, sie so wenig wie möglich zu<lb/>
belasten. Die Zeitungen selbst und insbesondere auch der Rundfunk<lb/>
wird daher gut informiert ist, eigentlich dann vielleicht<lb/>
von den hysterischen derzeit gehandhabten Methoden abweichen.<lb/>
Da ich bis jetzt über wichtige Einzelnheiten niemanden informiert<lb/>
habe, wenn ich aber Informationen gegeben habe, dies ausschliess<lb break="no"/>lich am Montag bei der Frühstücksrunde tat, so kann mir niemand<lb/>
böse sein, dass ich Exklusiv-Interviews einzelnen Zeitungen oder<lb/>
einzelnen Massenmedien gegeben habe. Trotzdem hat ich und muss<lb/>
das auch in Hinkunft, auf telefonische Anfrage Rede und Antwort<lb/>
stehen, doch habe ich das System,keine Exklusiv-Auskünfte zu geben,<lb/>
eingehalten. Die grösste GEfahr wäre nämlich, wenn ich den Fehler<lb/>
mache, z.B. der Kronen-Zeitung eine Information gebe und dem<lb/>
Kurier nicht. Ich glaube, dass ich nicht einmal die ARBÖ-<lb/>
Zeitung hier bevorzugen darf.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-25_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Abgesehen davon, dass dieses System unsere<lb/>
Frühstücksrunde sehr bereichert,, möchte<lb/>
ich doch wissen, ob wir nicht systematischer<lb/>
propagandistischer, in dem men mehr Ziffern<lb/>
zur Verfügung stellt, vorgehen sollte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-25_10">Minister <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> hat sehr zweckmässig, seinen ausscheidenden Beamten<lb/>
einen Dank-Brief durch mich übergeben lassen. Bei dieser Gelegen<lb break="no"/>heit konnte ich alle neuen Kolleginnen und Kollegen begrüssen<lb/>
dabei lernte ich auch den Sekt.Rat Dr. <rs type="person" ref="#per__113627">Kiesling</rs>, der von Salzburg<lb/>
nach Wien sich überstellen liess, kennen. In Salzburg hat er die<lb/>
Präsidialabteilung zeitweise geleitet udn deshalb alle VOraus<lb break="no"/>setzungen, um auch bei uns diese Tätigkeit auszuüben. Er bewirbt<lb/>
sich um diesen Posten, die Präs.Abteilung C benötigt jemanden<lb/>
wie in einem Akt an mich festgehalten wurde und im übrigen muss ich<lb/>
feststellen, dass in der letzten Zeit gegen meinen ausdrücklichen<lb/>
Wunsch, für <rs type="person" ref="#per__97524">Hauffe</rs> ein weiterer Mitarbeiter aufgenommen wurde.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97524">Hauffe</rs> hat bis jetzt alle Vorschläge einer Tätigkeit, die seinen<lb/>
Fähigkeiten und seiner Arbeitskapazität entspricht, glattweg<lb/>
abgelehnt. Da ich mir eine solche vorgangsweise nicht gefallen<lb/>
lassen kann und will, muss es daraus Konsequenzen geben.</p><pb n="19-0121" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-25_0121.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-25_11">GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, <rs type="person" ref="#per__97429">Feichtinger</rs>, <rs type="person" ref="#per__97738">Meszaros</rs> und <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> waren sehr<lb/>
erstaunt, dass sie bei der ersten Aussprache mit mir nicht<lb/>
sofort die Unterstützung für ihren Preiserhöhungsantrag fanden.<lb/>
Sie sind glaube ich genauo überzeugt wie beim letzten Mal, dass<lb/>
ihre Wünsche ganz schnell und für sie sehr befriedigend erledigt<lb/>
werden. Ich setzte ihnen auseinander, dass sich die Situation in<lb/>
der Öffentlichkeit und auch bei den Wirtschaftspartnern wesentlich<lb/>
geändert hat. Objektiv gibt jeder zu, dass es zu einer Verteuerung<lb/>
kommen wird, subjektiv erwartet ein jeder, dass es wesentlich weniger<lb/>
wird als es die ÖMV sich vorstellt. Hier ein Kompromiss zu finden,<lb/>
wird äusserst schwierig sein. GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> hat übrigens einen Antwort<lb break="no"/>brief bereits mitgehabt, zu meiner grössten Verwunderung hat er hier<lb/>
ungeheur schnell reagiert. Ich hatte ihn durch die Abschrift eines<lb/>
Briefes, den ich an den Fachverband richtete, aufgefordert, mir<lb/>
schriftlich mitzuteilen, wann die Lagermenge vorhanden<lb/>
ist, um den autofreien Tag sofort aufheben zu können und die schrift<lb break="no"/>liche Bestätigung dafür zu haben. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> hat nun in seinem Antwort<lb break="no"/>schreiben mitgeteilt, dass er Ziffern sowieso an <rs type="person" ref="#per__107936">Elsinger</rs> gibt,<lb/>
der sie theoretisch jederzeit diese mir vorlegen kann und ich<lb/>
könnte entscheiden. Ausserdem klang verklausuliert durch, dass<lb/>
ich das bereits jetzt tun könnte. Hier erwiderte ich ganz heftig,<lb/>
dass mit <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> genau das GEgenteil bis jetzt gesagt hat. Nach<lb/>
meiner neuerlichen dezidierten Frage erklärte er ausdrücklich, dass<lb/>
noch bis zur 2. Hälfte März angespart werden muss, um die notwendiger<lb/>
Mengen zu bekommen. In der Diskussion zwischen ihnen stellte sich<lb/>
dann für mich sehr bald heraus, dass eben auch hier wieder einmal<lb/>
die ÖMV-Politik betrieben wird. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> hätte sofort den Pickerl-<lb/>
Tag aufgehoben, wenn er dafür seine Preise bekommt, da er mit<lb/>
Recht erwartet, dass bei dieser exorbitanten Preiserhöhung der<lb/>
Benzinabsatz stark rückläufig sein wird. Andererseits ist für<lb/>
mich klar, dass wenn sich die Preisbestimmung längere Zeit hin<lb break="no"/>zieht, ein Hamsterkauf einsetzen wird. <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> wieder, der für die<lb/>
Versorgung letzten Endes für die ÖMV zuständig ist, befürchtet,<lb/>
dass doch nicht geung Lagermengen vorhanden sind, wenn die Sommer<lb break="no"/>saison beginnt. Da die ÖVP jetzt gegen die Tempobeschränkung, gegen<lb/>
den autolosen Tag hart argumentiert und polemisiert, obwohl sie<lb/>
vorher nicth genug Massnahmen von mir verlangt hat, muss ich auch<lb/>
in dieser Frage äusserst vorsichtig vorgehen. Bauer erklärte<lb/>
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sind, dass er sich selbstverständlich vor mich stellen wird und<lb/>
was es sonst noch alles an deklaratorischen Erklärungen im Stillen<lb/>
Kämmerlein für mich gibt. Er, und ich glaube auch alle anderen<lb/>
Anwesenden, waren sehr erstaunt, als ich ihnen dezidiert erklärt,<lb/>
ich erwarte mir gar nicht, dass mich jemand ernstlich verteidigt.<lb/>
Obwohl dies natürlich sehr schön wäre, sondern dass ich allein wie<lb/>
bisher die Verantwortung und natürlich auch die Schläge tragen muss.<lb/>
Die grössten Widerstände über die Preiserhöhung sicherlich von der<lb/>
Arbeiterkammer aber auch vom Gewerkschaftsbund kommen könnten, fragte<lb/>
mich die ÖMV, ob Gen.Dir.Stv. <rs type="person" ref="#per__97429">Feichtinger</rs> mit diesen Institutionen<lb/>
sprechen sollte. In der AK müste dies sogar leichter sein, da er<lb/>
auch wahrscheinlich die Betriebsräte der ÖMV über die Chemiearbeiter<lb break="no"/>gewerkschaft aufklärend wirken können. Die soz. Direktoren waren<lb/>
üer diese Vorgangsweise sehr skeptisch, obwohl <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> dann zum Schluss<lb/>
aber ich glaube, das war mehr eine deklaratorische Erklärung mir gegen<lb break="no"/>über, die Arbeiter stehen hundertprozentig zu dem Betrieb und damit<lb/>
meinte er natürlich auch indirekt den Direktoren und ihre Politik.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-25_12">Die Betriebsräte der Ennskraftwekre, <rs type="person" ref="#per__140600">Gollner</rs> für die Arbeiter und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140601">Ludwig</rs> für die Angestellten wollten mit einer Aussprache die zukün<lb break="no"/>tige Tätigkeit der Ennskraftwerke geklärt wissen. Nach längerer Dis<lb break="no"/>kussion sahen sie ein, dass ich von allem Anfang an gar nicht die<lb/>
Absicht gehabt habe, die Beschäftigten der Ennskraftwerke auch nur<lb/>
im entferntesten zu schädigen. Die Konzentration aber muss in der<lb/>
Elektrizitätswirtschaft eingeleitet werden. Die Idee mancher Direk<lb break="no"/>toren, um die Lohntangente nicht allzu sehr steigen zu lassen, bei<lb/>
zukünftigen Lohnerhöhungen entsprechende geringere Prozentsätze zu<lb/>
genehmigen, haben sie mir bestätigt, wäre ein vollkommen falsche<lb/>
Politik, ide ich auch von allem Anfang an abgelehnt habe. Natürlich<lb/>
sind 17,8 % Lohnerhöhung und Gehaltserhöhung ein sehr hoher Prozent<lb break="no"/>satz. Die einzige vernünftige REaktion darauf ist, Arbeitsplätze,<lb/>
die man nicht dringend braucht, einzusparen oder Arbeiter und Ange<lb break="no"/>stellte wo anders zweckmässig zu beschäftigen. Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> ver<lb break="no"/>sicherte ihnen dannauch, dass er alles daransetzen wrid, um mit<lb/>
der Donau aber auch mit dem zweiten Kraftkraftwerks-Verantwortlichen<lb/>
zu reden, damit eine zweckmässige Überleitung z.B. des Baustabes<lb/>
erfolgen kann. Betriebsvertreter waren zum Schluss mit unseren<lb/>
Massnahmen einverstanden, sahen sie ein und ich glaube, sie werden<lb/>
sie sogar unterstützen, nachdem für die Beschäftigten eine gewisse<lb/>
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mit Recht, dass sie viel zu spät davon erfahren haben. In HInunft<lb/>
werde ich wahrscheinlich noch viel mehr als bis jetzt bei den<lb/>
Informationen nicht nur an die Direktoren und an die soz. Fraktion<lb/>
sondern eben auch an die Betriebsräte gleichzetiig weitergeben müs<lb break="no"/>sebn. Eine Annahme, dass sie automatishc durch ihre Organisations<lb break="no"/>form fraktionell davon erfahren, ist falsch. Selbst aber wenn sie<lb/>
stimmt, wollen, d.h. die Betriebsräte früher oderzumindestens<lb/>
gleichzeitig verständigt werden wie die Direktoren. Dies ist ein<lb/>
wirklich berechtigtes Anliegen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-25_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Bitte bie allen Massnahmen, die wir setzen<lb/>
unbedingt gleichzeitig auch die Betriebsräte<lb/>
durch <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> oer Dich oder wenn notwendig auch<lb/>
durch mich, verständigne.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-25_14">In der Kath. Sozialakademie in Wien laufen seit Jahren Drei-Monats-Kur<lb break="no"/>se. Ich habe mich immer, wennich dazu eingeladen wurde, bereiterklärt<lb/>
nicht nur auf der Sozialakademie der Arbeiterkammer sondern auch<lb/>
eben in der Kath. Sozialakademie Vorträge zu halten. Interessant<lb/>
ist, dass man dort zu einem neuen Arbeitssystem geschritten ist.<lb/>
Früher waren weentlich grössere Kurse, jetzt sond es nur 22 Teilneh<lb break="no"/>mer . Ich weiss nicht, ob man vielleicht aus der Not eine Tugend ge<lb break="no"/>macht hat, dass man nicht mehr so viele Teilnehmer rekrutieren kann<lb/>
und deshalb in den sehr zweckmässigen kleineren Teilnehmerkreis<lb/>
ausgewichen ist. Auf alle Fälle ergibt sich dadurch natürlich eine<lb/>
interessantere Diskussion und ein regeres Zusammenarbeiten. Dies umso<lb/>
mehr, als mir der Kursleiter und Abendsprecher erklärte, dass<lb/>
sie jetzt auf gruppendynamisch arbeiten. Was mich am meisten bein<lb break="no"/>druckt hat, ist dass zum Unterschied von der soz. Akademie von der<lb/>
Arbeiterkammer, wo manche Lehrgänge überhaupt nur Burschen sind<lb/>
oder Männer, hier die gute Hälfte Mädchen waren. Ein Teil daovn waren<lb/>
Entwicklungshelfer und natürlich haben wir dann ausser über meine<lb/>
Ressortarbeiten und die wirtschaftliche Situation über die Ent<lb break="no"/>wicklungshilfe diskutiert. ICh habe gleich, ohne dass ich es wusst,e<lb/>
dass es sich um Entwicklungshelfer handelt, die Unzulänglichkeit<lb/>
unserer Entwicklungshilfepolitik zugegeben. Als einzige Ausrede<lb/>
habe ich darauf hingewiesen, dass in HInkunft der Herr Bundes<lb break="no"/>kanzler in seinem Ressort die Entwicklunghilfe konzentrieren und<lb/>
auch koordinieren wird, da bis jetzt mehrere Ministerien zuständig<lb/>
waren und er jetzt ausschliesslich diese Tätigkeit übernehmen wird.</p><pb n="19-0124" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-25_0124.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-25_15">Warum ich hier bei der Aufzeichnung nicht dort beim Vortrag oder<lb/>
der Diskussion von einer Ausrede rede, liegt darin, dass ich glaube,<lb/>
dass auch die Konzentration nicht wesentlich mehr Mittel bringen<lb/>
wird. Von der sogenannten 1 % BRN-Summe sind wir ja noch meilenweit<lb/>
entfernt. Ein wirklich sehr interessanter und auch für mich lehrrei<lb break="no"/>cher Abend. Dass ich auf eine Theaterpremiere und auf eine Kino<lb break="no"/>premiere verzichten musste, hat mich zwar anfangs ein bisschen<lb/>
traurig gestimmt, aber nach dieser Diskussion war ich wirklich reich<lb break="no"/>lich entschädigt.</p></div>
      <div type="back"><pb n="19_0116_01" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-25_0116-01.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
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            <head>Tagesprogramm, 25.1.1974</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
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