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            <title type="main">Mittwoch, der 23. Jänner 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-23_01">Mittwoch, 23. Jänner 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-23_02">Präsident <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs> urgiert bei mir neuerdings die Zuckerpreis<lb break="no"/>erhöhung. Die Rübenbauern haben voriges Jahr 51,85 Groschen je Zentner<lb/>
Rübe bekommen und heute durch die geringere Gestion und dass ins<lb break="no"/>besondere die Lagervorratsentlastung mit 1.70 S nicht mehr gegeben<lb/>
wird, nur 47,69 S <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs> möchte, dass auf alle Fälle bis zum<lb/>
letzten Auszahlungstermin Ende Feber der neue Zuckerpreis genehmigt<lb/>
ist. Ich habe mit <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> mittags neuerdings über dieses Problem<lb/>
gesprochen und er ist nach wie vor sehr stur in dieser Frage. <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs><lb/>
wird aber mit <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> Verhandlungen führen und deshalb habe ich <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs><lb/>
empfohlen, die ganze Sache nicht mher höher zu spielen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-23_03">Der Handelsdelegierte <rs type="person" ref="#per__149031">Pötscher</rs> kommt jetzt nach Sao Paulo, Brasilien.<lb/>
Da er ein sehr agiler Mann ist, ich habe ihn in Hongkong kennengelernt,<lb/>
ersuche ich ihn, er möge mir einen Bericht schicken, ob tatsächlich die<lb/>
von einigen Seite mir gemachte Behauptung stimmt, dass die österr.<lb/>
Handelsdelegierten in Südamerika keine Chance haben, mit der Behörde<lb/>
Kontakt zu bekommen. Dort gelten nur Botschafter etwas Besseres mit dem<lb/>
man sich trifft, der Handelsdelegierte aber ist als reiner Geschäfts<lb break="no"/>vertreter nicht gesellschaftsfähig. <rs type="person" ref="#per__149031">Pötscher</rs> wird, nachdem er jetzt<lb/>
in mhereren Aussenhandelsstellen, zeurst in Südamerika ist, mir einen<lb/>
Bericht schicken.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-23_04">Architekt <rs type="person" ref="#per__140228">Mang</rs> berichtet mir, dass das Institut für Formgebung jetzt<lb/>
wie er glaubt eine sichere finanzielle Basis hat. Die Bundeskammer<lb/>
hat sich versöhnt, <rs type="person" ref="#per__97731">Mautner-Markhof</rs>, der seinerzeit Obmann werde wollte,<lb/>
hat diese Stelle zwar nicht bekommen, die Bundeskammer ist aber doch<lb/>
bereit, mitzuarbeiten. Über das Wirtschaftsforschungsinstitut will<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140228">Mang</rs> nun Aktivitäten mit jüngeren Mitarbeitern entwickeln. Ihm schwebt<lb/>
vor, dass mehr Wettbewerbe ausgeschrieben werden und dass insbesondere<lb/>
die Erziehung zum Designer wesentlich verbessert wird. <rs type="person" ref="#per__140228">Mang</rs> empfiehlt<lb/>
hganz besonder, dass Einzelstücke, die prämiert werden, womöglich<lb/>
auf der Messe ausgestellt werden. Österreich hat seinerzeit in der<lb/>
Möbelproduktion kunstgewerblicher Art eine grosse Rolle g4espielt.<lb/>
Jetzt wird noch von Wittman Möbel nach den Vorlagen von Hoffmann<index><term>Hoffmann, Josef</term></index><lb/>
Wiener Werkstätten erzeugt. Für diese Art der Möbeln hat sich Casina,<lb/>
Italien, beworben, doch hat Wittman das Rennen gemacht. In Köln wird er<lb/>
bei der Möbelmesse sicherlich Preise bekommen.</p><pb n="19-0108" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-23_0108.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-23_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Vielleicht können wir die Designer, ohne dass<lb/>
wir uns finanzielle daran beteiligen, unter<lb break="no"/>stützen. <rs type="person" ref="#per__140228">Mang</rs> hat bie der Möbel-Enquete mitgewirkt<lb/>
und sich für unsere Vorschläge sehr eingesetzt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-23_06">Die österreichischen Automobilfabriken haben bei den sowj. Auto<lb break="no"/>importen grosse Schwierigkeiten, weil die Bundesbahn jetzt eine<lb/>
wesentliche Erhöhung von ungarischer Grenze bis Wien verlangt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112953">Manschulo</rs> hat bereits hingewiesen, dass die sowj. Seite auf Auto<lb break="no"/>exporte nach Österreich verzichten müsste. Allerdings wegen der Zoll<lb break="no"/>belastung.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-23_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: österr. Automobilfabriken wird mir einen Brief<lb/>
schreiben, bitte mit dem Verkehrsministerium<lb/>
eine Lösung finden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-23_08">Dir. <rs type="person" ref="#per__97521">Haselbrunner</rs> AEG ist besorgt, dass der Nachtstromtarif zu sehr<lb/>
angehoben wird und dadurch die Elektroindustrie ihre Elektrogeräte<lb/>
schwerer verkaufen aknn. Mit dem absoluten Groschenbetrag, der<lb/>
auch auf den Tagstrom draufkommt, ist er äussersten Fallles einver<lb break="no"/>standen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-23_09">Die Produktendeklaration soll jedem Gerät von der Industrie beige<lb break="no"/>geben werden und gleichzeitig die Lieferscheinnummer darauf vermerkt<lb/>
werden. DAdurch möchte n die österr. Firmen feststellen, ob die Geräte<lb/>
von ihnen stammen oder aus Deutschland vom Handel importiert wurden.<lb/>
In diesem Fall werden sie natürlich auch Garantie geben aber in die<lb/>
Produktendeklaration soll eine weitere Werbeunterstützung darstellen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-23_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte diese Frage von <rs type="person" ref="#per__115020">Welser</rs> prüfen lassen, wenn<lb/>
die Handelskammer keinen Widerstand dagegen lei<lb break="no"/>stet, bin ich mit einer Verzeichnung des Liefer<lb break="no"/>scheins auf der Produktendeklaration einverstanden</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-23_11">Präs. der Verbund Verkehrsminister a.D. <rs type="person" ref="#per__112215">Weiss</rs> will sich vorstellen<lb/>
und mir gleichzeitig versichern, dass er mit <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> sehr gut<lb/>
zusammengearbeitet hat. Durch eine weitere Aufnahme eines Sozialisten<lb/>
in den Verbund-Aufsichtsrat will er dokumentieren, dass nun 13 Sozia<lb break="no"/>listen gegen 12 ÖVP und einen FPÖ-ler besser verankert sind. Ich<lb/>
selbst erkläre ihm rundheraus, dass dies für mich nicht die ent<lb break="no"/>scheidende Frage ist. Ich erörtere ihm die Konzeption der Konzen<lb break="no"/>tration der Elektrizitätswirtschaft, die ich nur schrittweise vor<lb break="no"/>nehmen werde. <rs type="person" ref="#per__112215">Weiss</rs> ist mit der Zusammenlegung von Enns und Donau<lb/>
<pb n="19-0109" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-23_0109.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>alledings nur de facto je jure geht es ja nicht, weil ansonsten<lb/>
das zweite Verstaatlichungsgesetz mit 2/3-Mehrheit beschlossen werden<lb/>
müsste, einverstanden. Er verspricht, dass er seinen Parteifreunden<lb/>
insbesondere LH <rs type="person" ref="#per__98068">Wenzl</rs> Kontakt aufnehmen wird, Da er die Notwendig<lb break="no"/>keit voll und ganz einsieht.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-23_12">Der Freie Wirtschaftsverband <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs>, Obmann von NÖ und ZS<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98000">Swoboda</rs> beschweren sich bei mir, dass die Handelskammer ihre Wünsche<lb/>
über die neue Handelskammerwahlordnung nicht akzeptiert. Sie über<lb break="no"/>geben mir ein Schreiben und ich werde versuchen, mti <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> zu einer befriedigenden Regelung zu kommen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-23_13">Bei der wirtschaftspolitischen Aussprache erörtert <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs>, <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> die wirtschaftspolitische Prognose für 1974.<lb/>
Die Unterlagen, die <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> verteilt sind sehr instruktiv und<lb/>
bauen in Wirklichkeit aber auf OECD-Untersuchungen resp. auf Ar<lb break="no"/>beiten des Wirtschaftsforschungsinstituts auf. Da es nicht zweckmässig<lb/>
wäre, dieselbe Arbeit auch von uns machen zu lassen, andererseits von<lb/>
mir dies gar niemand erwartet, komme ich nicht in die schwierige<lb/>
Situation, dass unser Haus so etwas wahrscheinlich gar nicht vor<lb break="no"/>legne könnte. Wir kommen mit unserem Material, wenn überhaupt, so viel<lb/>
zu spät erst heraus. Das Wirtschaftsforschungsinstitut hält beknnat<lb break="no"/>licherweise immer Vorbesprechungen über die Prognosedaten ab, wenn<lb/>
aber dann die Verlautbarungen offiziell erfolgen, hat das ganze<lb/>
Material gar keinen Neuigkeitswert mehr. Andere Stellen, die<lb/>
schneller und intensiver arbeiten, bekommen es scheinbar früher und<lb/>
verwerten dies auch. ZUm Glück ist noch niemand auf die Idee ge<lb break="no"/>kommen, mich um ein solches Material zu fragen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ersuchte<lb/>
neuerdings die Präsidenten, dass er eine Budgetvorschau für 1975<lb/>
vom Beirat erwartet. Die vergangenen zwei Jahre hat er diese For<lb break="no"/>derung auch gestellt, die Präsidenten haben nur abgelehnt, weil<lb/>
sie erklärten, dass durch die Umstellung auf die Mehrwertsteuer<lb/>
das Budget keinerlei Vergleichsmöglichkeiten mehr gibt und des<lb break="no"/>habl eine Budgetprognose fast unmöglich ist. An neuen ZIffenr war<lb/>
nur interessant, dass ich erfuhr, dass die Arbeitsmarktförderung<lb/>
die 1973 500 Mill. gehabt hat, 1974 mit 630 Mill. dotiert ist<lb/>
und gleichzeitig noch 100 Mill. in der Stabilisierungsquote des<lb/>
Budgets vorhanden sind. DArüber hinaus verfügt <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs>, wie er mir<lb/>
versicherte, für 600 Mill. Reserve, die er jederzeit bei einer<lb/>
<pb n="19-0110" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-23_0110.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>kleinen Rezession oder hie Schwierigkeiten in einzelnen Betrieben<lb/>
einsetzen kann. Hier haben wir wirklich mit der Zusammenarbeit<lb/>
bei <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> einen grossen finanziellen Rückhalt. Das einzige, was<lb/>
wir noch wissen müsstne, wäre die Betriebe, wo man helfen muss<lb/>
und helfen könnte. Durch die Betriebsberatung ist es sicherlich<lb/>
möglich, ein bisschen mehr Kontakt mit den einzelnen Betrieben zu<lb/>
haben. Ein ausgebautes System könnte hier aber auch noch fast<lb/>
Wunder wirken.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-23_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Überleg Dir, wie wir hier wirklich mehr Mittel<lb/>
durch bessere Information von der Wirtschaft flüssig machen könnten.<lb/>
Es wird im Grenzland und in sonstigem Notstandsgebiet einzelne Betrie<lb break="no"/>be geben, denen man helfen sollte und könnte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-23_15">Die Ausführungen von <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> über die Kreditpolitik der OeNB<lb/>
waren besonders interesant. Die Kreditausweitung um 1 % pro<lb/>
Monat wurde weitestgehend eingehalten und hat nur mehr 28 Mia be<lb break="no"/>tragen gegenüber 21 % im Jahre 1972 mit 44 Mia. Der Geldzinssatz ist<lb/>
ziemlich stabil geblieben und auch die Anleihen, die heuer 12,6 Mia<lb/>
betragen waren 1972 fast gleich mit 13 Mia. Trotzdem gelang es der<lb/>
OeNB, die Kreditzuteilung, die 1972 43,5 Mia betrug, bei einem Primär<lb break="no"/>geldaufkommen von 44 Mia, 1973 doch noch mit 40 Mia sehr hoch zu<lb/>
haltn, obwohl das Primärgeldaufkommen nur 34 Mia S betrug. Eine<lb/>
wesentlich geringere Primärgeldaufnahme und trotzdem nur im<lb/>
ein 3,5 Mia S geringere Kreditzuteilung. Die OeNB wird an dem Indi<lb break="no"/>katorensystem festhalten, auch dann, wenn die Handelskammer eine<lb/>
gewisse Revision wünscht. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meinte, dass der Anteil der DM an<lb/>
diesem Indikator, der vor dem Franc-Ausscheiden 59,5 % betragen<lb/>
hat, jetzt bereits auf 63,3 % gestiegen ist. <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> meint<lb/>
aber, dass die OeNB mit sich reden lässt, abr sichelrich nicht die<lb/>
schwachen Währungen Italiens, Grossbritanniens und jetzt auch<lb/>
Frankreichs jetzt in die BErechnungen einbeziehen wird. Hier<lb/>
geht die OeNB mit dem Finanzministerium vollkommen konform.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-23_16">Der Finanzminister hat angekündigt, dass für den Fremdenverkehr<lb/>
und für den Export in der nächsten Zeit wesentliche Hilfen von ihm<lb/>
vorgesehen sind, die zwischen Verkehrsministerium bezüglich Waggon<lb break="no"/>bau, Stark- und Schwachstrom, Finanzministerium und Handelsministe<lb break="no"/>rium Export und Fremdenverkehr, im einzelnen noch verhandelt wird.<lb/>
Die Bevorratung sollte auch programmgemäss im Feber dem Parlament<lb/>
zugeleitet werden.</p><pb n="19-0111" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-23_0111.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-23_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte mit der FM-Bürokratie klären, welche<lb/>
Massnahmen hier beabsichtigt sind.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-23_18"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> meinte, für einen grossen big bargain sei keine Not<lb break="no"/>wendigkeit. weil die Stabilisierungsbemühungen fortgesetzt werden<lb/>
und bis 30.6. 1974 die dritte Phase läuft. Die Landesfinanzkon<lb break="no"/>ferenz und der Städtebund hätten sich sehr positiv geäussert und<lb/>
auch der Gemeindebund würde der Politik des Finanzministers zu<lb break="no"/>stimmen. Die Handelskammer-Vertreter <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> aber auch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> und <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs> haben vorgeschlagen, es sollte der ÖGB auf die<lb/>
3 %-ige Reallohnsteigerung verzichten. In den letzten Jahren<lb/>
lagen die Reallohnsteigerungen über den 3 % und deshalb könnte<lb/>
hier Zurückhaltung gezeigt werden. Der Finanzminister soll durch<lb/>
eine Lohn- und Einkommenssteuersenkung das Seinige dazu beitragen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> liess die Unternehmer nicht im Unklaren, dass auf die 3%<lb/>
Reallohnsteigerung nicht verzichtet werden kann und dass vor allem<lb/>
auch eine Steuersenkung den kleineren Einkommen überhaupt nichts<lb/>
bringt und daher nur durhc Lohnerhöhungen die Preissteigerung ab<lb break="no"/>gegolten und eine Reallohnerhöhung erreicht werden könnte. Über<lb/>
eine Steuersenkung wird der ÖGB noch mit dem Finanzminister im<lb/>
Jahre 1974 Verhandlungen führen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-23_19"><rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs> beschwerte sich,dass in OÖ die RAG den Erdgaspreis um 100 %<lb/>
erhöhte. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> stellte den Antrag, dass das Handelsministerium eine<lb/>
Preisregelung dafür durchführen sollte. <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs> vermerkte dann noch<lb/>
mir gegenüber, wir müsstne aufpassen, dass die Amerikaner in der RAG<lb/>
nicht die derzeitige Leitung, <rs type="person" ref="#per__139517"><choice><choice><sic>Oswald</sic><corr>Diwald</corr></choice></choice></rs>, verdrängen. Ein Ersatzmann<lb/>
soll bereits in der Firma sein.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-23_20">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Bitte genau diesen Vorgang beachten und fest<lb break="no"/>stellen, was hier von Seiten der RAG<lb/>
der amerikanischen Besitzer-Anteil<lb/>
beabsichtigt ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-23_21">In der anschliessenden Paritätischen Kommission musste ich, nachdem<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ja kaum den Vorsitz dort führt, anstelle von <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs>, der jet<lb/>
ausgeschieden ist, den Vorsitz übernehmen. Da 38 Punkte zur Diskus<lb break="no"/>sion standen, hat <rs type="person" ref="#per__122974">Altenburger</rs> sich anschliessend sehr darüber aufge<lb break="no"/>regt, dass in der Paritätischen Kommission so viele Preiserhöhungen<lb/>
ohne eine genauere Kontrolle akzeptiert werden. In Wirklichketi ärge<lb/>
sich <rs type="person" ref="#per__122974">Altenburger</rs>, seitdem die Präsidenten am Vormittag immer die<lb/>
<pb n="19-0112" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-23_0112.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>einzelnen Punkte durchgeehen und weitestgehende Einigung erzielen,<lb/>
dass innerhalb der Paritätischen Kommission kaum mehr eine Aus<lb break="no"/>einandersetzung stattfindet. <rs type="person" ref="#per__122974">Altenburger</rs> dürfte leibend gern<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> streiten, denn die beiden liegen sich ständig in den<lb/>
Haaren. <rs type="person" ref="#per__122974">Altenburger</rs> hat angekündigt, dass er nur deshalb diesmal<lb/>
sich nicht in die einzelnen Positionen eingemischt hat, weil<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> versicherte, der ÖGB wird über dieses Problem genau<lb/>
nachdenken. <rs type="person" ref="#per__122974">Altenburger</rs> schwebt vor, dass die Lohn- und Preis<lb break="no"/>kommission effektiver arbeitet, d.h. dass insbesndere innerhalb<lb/>
der Kommission etnsprechnde Detailarbeiten geleistet werden.<lb/>
Es wäre auch notwendig, nicht nur die Preiserhöhung festzustellen,<lb/>
sondern die Auswirkung auf den Lebenshaltungskosten-Index und<lb/>
veilee Kalkulationsposten wie z.B. die Werbung ganz einfach<lb/>
zu streichen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-23_22"><rs type="person" ref="#per__97444">Heinzi Fischer</rs> war so wie <rs type="person" ref="#per__115595">Reiter</rs> zur letzten Ministerratsvor<lb break="no"/>besprechung nicht eingeladen worden. Wie icherfahren konnte,<lb/>
wolltre <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> de Aussprache nur mit Regierungsmitgliedern<lb/>
führen. Scheinbar wollte er die Diskussion zwischen ihm und<lb/>
mir nur in diesem Kreis wie aber zu erwarten war, waren natür<lb break="no"/>lich aller- über die Auseinandersetzung informiert. Das Mitleid<lb/>
dieser Genossen habe ich auf alle Fälle. Keiner glaubt mir<lb/>
allerdings, dass ich dies gar nicht brauche, mir geht es viel<lb/>
weniger um das Problem, ob ich recht behalten habe, als wie<lb/>
dass ich ungern mir in meine Kompetenzen reinreden lassen. Wenn<lb/>
ich eine Arbeit übertragen habe, dann will ich sie auch allein<lb/>
durchführen. Wenn das Bedürfnis besteht, mit mir über Probleme<lb/>
zu reden, um Taktiken zu ändern, habe ich dafür volles Verständ<lb break="no"/>nis. Interessant war, das <rs type="person" ref="#per__97672">Kreuzer</rs> meint, es müsste einmal<lb/>
in absehbarer Zeit der Moment kommen, wo allgemein gesagt wird,<lb/>
dass ich doch recht gehabt habe. Ich erwarte diesen Zeitpunkt<lb/>
keiensfalls, vor allem sehne ich ihnnicht herbei, denn ich<lb/>
bin überzeugt davon, dass die ÖVP natürlich angreifen wird,<lb/>
was mich überhaupt nicht stört und in kürzester Zeit dieses<lb/>
ganze Problem überhaupt keine Rolle mehr spielen wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-23_23"/></div>
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               <persName><surname>Welser</surname><forename>Günther</forename></persName>
               <occupation>Büro Staribacher, HM; Pro-Zwentendorf-Kampagne</occupation>
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               <persName><surname>Fischer</surname><forename>Heinz</forename></persName>
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               <persName type="label">Frühbauer, Erwin</persName>
               <persName><surname>Frühbauer</surname><forename>Erwin</forename></persName>
               <occupation>Verkehrsminister, LH-Stv. Ktn.</occupation>
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               <persName><surname>Igler</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation>IV, GD Wr. Schwachstromwerke (WSW)</occupation>
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               <occupation>Finanzminister</occupation>
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               <persName type="label">Minkowitsch, Roland</persName>
               <persName><surname>Minkowitsch</surname><forename>Roland</forename></persName>
               <occupation>Präs. Bauernbund</occupation>
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               <persName type="label">Manschulo, Alexej N.</persName>
               <persName><surname>Manschulo</surname><forename>Alexej N.</forename></persName>
               <occupation>stv. sowj. Außenhandelsminister</occupation>
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               <persName><surname>Seidel</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation>Ökonom, ab 1981 Sts.</occupation>
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               <persName><surname>Rösch</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
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               <persName type="label">Reiter, Alfred</persName>
               <persName><surname>Reiter</surname><forename>Alfred</forename></persName>
               <occupation>Kabinettschef Kreisky [ident mit Reiter, C; 3.11.1971 Fredi Reiter
                  genannt]]</occupation>
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               <persName type="label">Mautner Markhof, Manfred sen.</persName>
               <persName><surname>Mautner Markhof</surname><forename>Manfred
                  sen.</forename></persName>
               <occupation>u.a. Präs. ÖAMTC, Wr. Messe, bis 1972 Vizepräs. IV</occupation>
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               <persName type="label">Sallinger, Rudolf</persName>
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               <occupation>Handelskammer-Präsident</occupation>
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               <persName><surname>Benya</surname><forename>Anton</forename></persName>
               <occupation>ÖGB-Präs., NR-Präs.</occupation>
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               <persName type="label">Gehart, Friedrich</persName>
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               <occupation>SChef HM</occupation>
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               <occupation>Vizepräs. BHK, Präs. FWV</occupation>
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               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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