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            <title type="main">Montag, der 21. Jänner 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-21_01">Montag, 21. Jänner 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-21_02">Beim Jour fixe bei <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> urgiert dieser neuerdings die Mindest<lb break="no"/>preisfestsetzung auf Grund des Marktstörungsgesetzes. Die Firma<lb/>
Ergee vom Waldviertel hat neuerdings bei ihm interveniert. Ich<lb/>
erkläre ihm, dass das Finanzministerium verlangt, gewisse Über<lb break="no"/>prüfungen vorzunehmen, bevor es zustimmt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-21_03">Umwandlung der Bürges von einem Zinsenzuschuss zu einer Direkt<lb break="no"/>subvention der kleineren Gewerbetreibenden lehnen seine Abteilungen,<lb/>
die sich mit dieser Idee beschäftigt haben, entschieden ab. Auf<lb/>
meinen Vorschlag wird er das ganze Problem dem Kammeramtsdirektoren<lb/>
neuerdings vorlegen. Er gibt der ganzen Aktion aber wenig Chance.<lb/>
Ich erkläre, dass ich trotzdem die Vorarbeiten im Ministerium<lb/>
fortsetzen lasse. Die Bürges muss nämlich wieder eine Bürgschafts<lb break="no"/>gesellschaft werden und keine Zinses, wie sie derzeit ist, d.h.<lb/>
eine Zinsenzuschuss-Aktion. Gerade bis zu einem Darlehen von<lb/>
200.000 S, wie sie heute die mittleren und kleineren Betriebe<lb/>
bekommen können, würde sich ähnlich der Komfortzimmer-Aktion<lb/>
für diese Betriebe das neue System besser auswirken. Meine Über<lb break="no"/>legung ist, dass selbst wenn die Handelskammer das neue System<lb/>
ablehnt und deshalb nicht zustandekommt, ich umso leichter die Wün<lb break="no"/>sche auf Erhöhung 200.000 S-Grenze auf 300.000.- oder die Erhöhung<lb/>
des Zinssatzes, wo noch der Zuschuss gewährt wird, von mir umso<lb/>
leichter abgelehnt werden kann. Diese Überlegungen teile ich natür<lb break="no"/>lich <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> nicht mit.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-21_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Nachdem <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> die Besprechungen eingeleitet<lb/>
hat und wahrscheinlich mit anderen Leuten mehr verhandelt hat als<lb/>
Du in der Grundsatzgruppe versuche einmal die Gründe der Ablehnung<lb/>
von der Handelskammer und vor allem die Hauptgegner zu erfahren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-21_05"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat neuerdings von <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> den Auftrag bei mir dagegen zu<lb/>
protestieren, dass jetzt ein polnisch-österreichische Zollkommis<lb break="no"/>sion zusammentritt. <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> hat bereits das letzte Mal mir<lb/>
gegenüber befürchtet, dass damit die Zollwünsche der Polen, sie<lb/>
<pb n="19-0091" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-21_0091.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>fühlen sich durch die EG-Zollsenkungen diskriminiert, weitestgehend<lb/>
erfgüllt werden müssen. Ich setze <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> auseinander, dass auch<lb/>
Wünsche der sowjetischen Seite wegen der Autos ohne eine solche<lb/>
Zollkommission an uns herangetragen wurden und wir deshalb eine<lb/>
Lösung finden müssen. In diesem Fall mit Hilfe des Radabstandes.<lb/>
So könnte ich mir vorstlelen, dass man Einzelanträge der Polen<lb/>
zu einer befriedigenden Lösung eventuell bringen kann, ohne uns<lb/>
mit der gesamten Zollpolitik zu peroutieren. Ich hätte keine Ge<lb break="no"/>legenhiet gehabt und Möglichkeit, den Polen diesen Wunsch abzulehnen.<lb/>
Nämlich dass ihre Probleme in einer Kommission behandelt werden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> begnügt sich damit, als ich ihm versichere, dass die Handels<lb break="no"/>kammer dieser Kommission beigezogen wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-21_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: BItte veranlasse, dass über diese Kommission mir<lb/>
sofort berichtet wird, wenn sie konstituiert<lb/>
und die ersten Besprechungen führt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-21_07">Ich setze <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> auseinander, dass in dieser Woche die Preisentscheidung<lb/>
über die Stromtarife fallen muss. Den Wunsch der Kammern, insbesondere<lb/>
aber der Handelskammer entsprechend, werden nun die Detailbespre<lb break="no"/>chungen ziwschen den einzelnen Landesgesellschaften und den Landes<lb break="no"/>kammern geführt. Ich werde aber im Prinzip und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> remonstriert<lb/>
nicht dagegen, an den 8 Groschen festhalten. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat – wie er<lb/>
selbst zugibt – noch beim letzten Pressegespräch, das er mit den<lb/>
Zeitungen führte, verlangt, man soll die Strompreisfestsetzung vertage<lb/>
doch ist er jetzt selbst der Meinung, dass man sie schnell über<lb/>
die Bühne bringen soll. Dazu beigetragen hat, dass sie über das Elektri<lb break="no"/>zitätswirtschaftsgesetz gesprochen haben. Dort gibt es zwei Probleme:<lb/>
Industrieunternehmen möchten ihre Betrieb bei Eigenanlagen-Produktion<lb/>
auch über das öffentliche Netz verbinden können, z.B. die ÖMV ihren<lb/>
Schwesterbetrieb Olefina in Schwechat. Die Industriellenvereinigung<lb/>
aber auch die Handelskammer schlägt deshalb vor, dass so weit eine<lb/>
steuerliche Organschaft, d.h. ein Unternehmen finanziell, personell<lb/>
dem Mutterbetrieb untergeordnet ist, dann auch die Stromversorgung<lb/>
von diesem Betrieb vorgenommen werden darf. Soweit die Leitung über<lb/>
öffentlichen, d.h. nicht Betriebsgrund geht, sollen die EVUs dazu<lb/>
verhalten werden, die Zustimmung zur Leitung des Stromes zu geben.<lb/>
Nach § 8 des Elektrizitätswirtschaftsgesetzes ist das EVU-Unternehmen<lb/>
verpflichtet, Überschusstrom aus Eigenanlagen zu übernehmen. Mit der<lb/>
Einschränkung, dass dieser Strom aus Wasser gewonnen wird. Man nimmt<lb/>
<pb n="19-0092" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-21_0092.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>an, dass in diesem Fall die Wassermenge nicht anders verarbeitet<lb/>
werden kann und der überschüssige Strom deshalb nicht verloren<lb break="no"/>gehen soll. Die Handelskammer und die Industriellenvereinigung<lb/>
wünscht nun, dass auch Strom, der aus Verwertung von Abfällen z.B.<lb/>
bei der Laugeverbrennung in der Papierindustrie gleich der Wasser<lb break="no"/>situation behandelt wird und deshalb auch übernommen werden sollte.<lb/>
Scheibar haben die EVUs fraktionell der Handelskammer und Industriel<lb break="no"/>lenvereinigung auf diesem GEbiet Zusagen gemacht, was mir übrigens<lb/>
acuh sinnvoll erscheint und deshalb hat man sich jetzt auf der an<lb break="no"/>deren Seite umso leichter entschlossen, die Tarife-Regulierung<lb/>
schnell zu akzeptieren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-21_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Bitte einen Bericht von der zuständigen<lb/>
Stelle bei uns im Ministerium anfordern,<lb/>
wie weit wir von diesen Verhandlungen über<lb/>
das Elektrizitätswirtschaftsgesetz wissen .</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-21_09"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> erklärt sich einverstanden, dass <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> anstelle eines Messe<lb break="no"/>besuches in Kairo von mir nach Ägypten fährt und dort Vorverhand<lb break="no"/>lungen wegen eines eventuellen Vertrages und Detailverhandlungen<lb/>
über Exportmöglichkeiten zu führen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-21_10">Das mittelfristige Wirtschaftsprognoseteam in der Handelskammer<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140141">Richter</rs> und <rs type="person" ref="#per__140139">Teufelsbauer</rs> soll ja zur Energieplanung herangezogen<lb/>
werdne, weshalb ich neuerdings meinen Brief urgiere, wo ich um<lb/>
Zustimmung und um Ausbau und Hilfe dieser Gruppe die Handelskammer<lb/>
gebetne habe. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> verspricht, sich diese Frage anzusehen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-21_11">Ich bemerke, dass die zentrale Arbeitsgruppe, welche die Lehrlings<lb break="no"/>ausbildung verbessern sollte, in meinem Ministerium nicht schnell<lb/>
genug für meine Begriffe weiterkommt. Ich weiss, dass sich <rs type="person" ref="#per__139777">Häusler-<lb/>
Angeli</rs> sehr bemüht, aber an dem Übstand seiner Funktionäre ins<lb break="no"/>besondere gewisser Personen scheitert. Da ich an dem dualen<lb/>
Ausbildungssystem festhalten will aber trotzdem unbedingt Fort<lb break="no"/>schritte in der Lehrlingsausbildung dringendst benötige, nicht<lb/>
aus politischen sondern aus wirtschaftlichem Interesse, wie ich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> auseinandersetze, verlange ich von ihm, dass die Handels<lb break="no"/>kammer expeditivergeht. Ich hatte Sonntags Gelegenheit mit Ing.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__133772">Wolf</rs>, der das Elektro-Schema für die zentrale Arbeitsgruppe aus<lb break="no"/>gearbeitet hat, zu reden und festgestellt, dass dort oft monate<lb break="no"/>lang nicht geschieht. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> gibt mir gegenüber zu, dass er grosse<lb/>
<pb n="19-0093" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-21_0093.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Schwierigkeiten hat, einen modernen fortschrittlichen Abteilungs<lb break="no"/>leiter zu finden, da er eine bildungspolitische Abteilung aufbauen<lb/>
möchte. <rs type="person" ref="#per__113821">Piskati</rs>, der bis jetzt diese Arbeit geleistet hat, ist<lb/>
leider noch zu jung nach Auffassung von <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, um diese bedeutende<lb/>
neue Abteilung führen zu können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-21_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Vielleicht kannst Du über die Grundsatzgruppe<lb/>
irgendwelche ERfahrungen und Ergebnisse, ohne<lb/>
dass dieses Problem offizell zur Sprache kommt,<lb/>
über die neue bildungspolitische Abteilung<lb/>
und deren Besetzung erfahren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-21_13">Mit der ÖMV Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, abr auch zwischendurch mit <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs><lb/>
habe ich harte Auseinandersetzungen. Ich verlange von <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, dass<lb/>
ich in HInkunft informiert werde, wenn die ÖMV beschliesst, die<lb/>
Tagesproduktion der Raffinerie zurückzunehmen. Ich möchte dies<lb/>
nicht aus der Zeitung erfahren. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> meint zuerst, er hätte mich<lb/>
selbstverständlich verstänidgt, aer es sei hier nur ganz geringe<lb/>
Schwankungen durchgeführt worden. Keinesfalls auf die ursprüngliche<lb/>
geringere Produktionsmenge vor Einsetzen der sogenannten Energie<lb break="no"/>krise. In Wirklichkeit bestätigt mir dann <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> sehr wohl,<lb/>
dass zeitweise mit 26.000 t gefahren wurde. <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> ist sehr ver<lb break="no"/>ärgert, dass auch ihrem Betrieb diese Mitteilung in die Zeitung<lb/>
gekommen ist, er kann aber den Urheber nicht feststellen. Für mich<lb/>
weniger diese Tatsache beunruhigend als dass man mich scheinbar ganz be<lb/>
wusst falsch informiert. Als ich von Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> verlange den Lager<lb break="no"/>stand vom angesparten Benzin meint er, dies könne er nicht sagen,<lb/>
abrer auf alle Fälle würde er auch hier eine falsche Ziffer sagen,<lb/>
wie er freimütig zugibt, damit man die ÖMV scheinbar dann nicht<lb/>
später einmal festlegen kann. Er ist sehr erstaunt, dass ich diese<lb/>
MEthode ganz entschiedne ablehne. Ich erkläre ihm, dass ich einmal<lb/>
auf Wunsch der ÖMV mitgeteilt habe, dass wir 200.000 t ansparen<lb/>
müssen und dass ich deshalb nur solange den autolosen Tag aufrechterhal<lb break="no"/>ten werde, bis diese 200.000 t erreicht sind. Ich habe Verständnis dafür<lb/>
dass die ÖMV aus preispolitischen udn geschäftspolitischen Taktiken<lb/>
womöglich keine Unterlagen und wenn sie welche herausgeben muss,<lb/>
dann sehr unklare und um nicht zu sagen falsche Unterlagen publiziert.<lb/>
ICh habe allerdings kein Verständnnis dafür, dass die von mir er<lb break="no"/>wartet, dass ich bewusst solche falschen UNterlagen weiterverbreiten<lb/>
soll. Ich habe von <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> aber auch von <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> dezidiert verlang,t<lb/>
<pb n="19-0094" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-21_0094.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dass ich Hinkunft informiert werden möchteund um dem Argument zu<lb/>
entgehen, man will mich nicht mit so Kleinigkeiten belasten zuminde<lb break="no"/>stens mein Büro verständig-t werden muss.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-21_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte überleg Dir mit <rs type="person" ref="#per__107936">Elsinger</rs> gemeinsam, wie<lb/>
ihre die notwendigen Informationen schlimmsten<lb break="no"/>falls mit Brachialgewalt und mit meiner ganzen<lb/>
Autorität von der ÖMV erzwingen könnte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-21_15">Beim Jour fixe war noch der österr. Handelsdelegierten in Iran<lb/>
wegen der Preise von <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> bestellt worden und ich habe ihm mitge<lb break="no"/>teilt, dass ich mit dem iranischen Botschafter in Österreich Frei<lb break="no"/>tag nachmittags gesprochen und ihm die Liste überreicht habe.<lb/>
Gleichzeitigi habe ich wunschgemäss aUch den österr. Handelsdelegier<lb break="no"/>ten bei ihm für Montag angemeldet. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> selbst fürchet, dass wenn<lb/>
die Kommission und vor allem einmal die Wirtschaftsdelegation<lb/>
nicht bestens vorbereitet wird, wir eine grosses Debakel erleben<lb/>
können. Genau dieselbe Meinung verritt übrigens auch Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs>.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> fürchtet, dass die ÖMV hier neuerdings sich gegen die<lb/>
Errichtung einer zweiten Raffinerie in Österreich mit allen ihr<lb/>
zur Verfügung stehenden Mitteln, allerdings nicht offiziell und<lb/>
nicht fairer Weise sondern hinterrücks wenden wird. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> muss<lb/>
zugeben, dass bereits 1969 Gott sei Dank vor meiner Zeit eine<lb/>
Delegation uner Führung von Präs. <rs type="person" ref="#per__97925">Schoeller</rs> den Persern auf<lb/>
deren Vorschlag zugesichert hat, dass mna 300.000 t Öl direkt<lb/>
von der ÖMV kaufen wird. Gleichzeitig sollte auch einWeg ge<lb break="no"/>funden werden, durch ein joint-venture oder durhc irgendeiner<lb/>
andere Operation die Iraner bei der Ölversorgung nach Österreich<lb/>
sich stärker beteiligen, dafür in der Ölverteilung eine gewisse Mit<lb break="no"/>sprache erhalten könnten. Diese Zusage der österr. Delegation, die<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97925">Schoeller</rs> insbesondere gegenüber dem Ministerpräsidenten Irans<lb/>
dezidiert abgegeben hat, wurde von der ÖMV in den nächstfolgenden<lb/>
Jahren systematisch sabotiert und boykottiert. DAdurhc ist<lb/>
Österreich in Persien in ein sehr schlechtes Licht gerückt worden.<lb/>
Der österr. Handelsdelegierte wird deshalb alles daransetzen und<lb/>
so schnell wie möglich bei seiner Rückkehr nach Teheran die Vorarbeiten<lb/>
weiterzutreiben und vielleicht sogar abzuschliessen. <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> selbst<lb/>
hat heute Besprechungen mit dem iranischen Botschafter gehabt<lb/>
und von ihm erfahrne, dass man auf iranischer Seite nach wie vor<lb/>
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Kommission, die sehr klein gehalten wird, in Teheran sein soll, um<lb/>
Vorbesprechungen zu führen. <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> selbst hätte viel lieber, dass<lb/>
zuerst die Kommission über generelle Probleme diskutiert und dann<lb/>
erst die Wirtschaftsdelegation zu einem späteren Zeitpunkt die<lb/>
Detailverhandlungen führt. In Wirklichketi geht es wahrscheinlich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> üerhaupt eine Trennung der Wirtschaftsdelegation von der<lb/>
Kommission zu erreichen, weil eben die Kommission sich bis jetzt<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs> versucht sich einzudrängen, während ich auf dem Stnadpunkt<lb/>
stehe, dass selbstverständlich <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> der wichtigere Mannist, der<lb/>
erstens Persien besser kennt und vor allem die notwendigen Verbin<lb break="no"/>dungen auch zur verstaatlichten Industrie hat um wirklich Geschäfte<lb/>
anzubahnen. HIer gibt es einen harten Krieg zwischen der Sektion IVb<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs> und der ÖIAG – <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> und leider ist bis jetzt noch immer nicht<lb/>
entschieden worden, wer was genau macht. Nach Meinung von <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> hat<lb/>
die Sektion IV die Orden zu verteilen. Die Politik der verstaatlichten<lb/>
wird von der ÖIAG gemacht. Andererseits kann ich mir sehr<lb/>
gut vorstellen, dass die Unternehmen sich jetzt bei der Verstaatli<lb break="no"/>chungssektion teilweise nahängen, wenn sie irgendwelche Wüsche oder<lb/>
Idees der ÖIAG torpedieren wollen. HIer wird dann die Holding<lb/>
gegen die Sektion und die Sektion gegen die Holding ausgespielt.<lb/>
Ich hoffe und erwarte allerdings nicht, dass dies geschieht, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hier endlicheine Entscheidung trifft. WEgen der Koordinierung<lb/>
von ÖMV und ÖIAG habe ich bereits einige Male mit ihm geredet, Da<lb/>
die sausschliesslich in seine Kompetenz fällt und ich nur wegen der<lb/>
Ölversorgung und der Energiesituation zuständig bin, habe ich keine<lb/>
Chance eine endgültige Entscheidung selbst treffen zu könen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> ist – wie er mir versicherte – über diesen Zustand sehr<lb/>
unglücklich,weil er aus diesem Zwiespalt ÖIAG und Sekt. IV sehr<lb/>
wohl bemerkt, wie die Unternehmungen insbesondere die Gen.Direktoren<lb/>
der starken und mächtigen Betriebe sich wahrscheinlich überhaupt<lb/>
nicht um die ÖIAG kümmenr.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-21_16">Ein Amerikaner p.r.-Mann <rs type="person" ref="#per__146466">Hoxter</rs> wollte unbedingt mit mir sprechen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs> hat ihn empfangen und mit ihm verhandelt. Trotzdem<lb/>
war ich bereit, einige Minuten mich mit ihm zu unterhalten, damit er<lb/>
wenn er nach Amerika zurückkomt sienen Klienten mitteilne kann<lb/>
er hätte mit dem Minister Besprechungen geführt. Für diese Leute<lb/>
genauso wie für <rs type="person" ref="#per__145312">Feldman</rs> ist es ja dringend notwendig immer wieder<lb/>
bei ihren Kunden darauf hinweisen zu können, das sie gute Beziehungen<lb/>
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Aktivitäten für Österreich nichts bezahlen, sehe ich in der<lb/>
Möglichkeit, sich auf mich zu berufen, eine Entschädigung für sie<lb/>
österreichischerseits.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-21_17">Die Sendung Aufnahme der Zankapfel war leider kein richtiger Zank<lb break="no"/>apfel. Der öffentliche Ankläger <rs type="person" ref="#per__140784">Grissemann</rs>, der ein sehr ge<lb break="no"/>schickter Leiter der Ö3-Sendung ist, hat sich sogar vor der<lb/>
Sendung vor dem Publikum entschuldigt, dass er stark pointiert<lb/>
die Kritik vortragen muss, was dann übrigens gar nicht so arg war,<lb/>
und war teilweise mit meinen Massnahmen, wie z.B. Einführung<lb/>
der 100 km-Geschwindigkeitsbegrenzung nicht nur einverstanden<lb/>
sondern hat es auch begeistert bejaht. Das Publikum war von<lb/>
Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__98016">Tonn</rs> aus Schwechat in das Stadthaus gebeten worden,<lb/>
in NÖ kann es lt. Gemeindeordnung nich Rathaus genannt werden,<lb/>
und seztte sich natürlich zum GRossteil aus Sympathisanten zusammen.<lb/>
IN Schwechat, wenn man die tatsächlichen Gegebenheiten zugrnde<lb break="no"/>legt ist es auch auf Grund der Wahlergebnisse äusserst schwierig<lb/>
Gegner zu mobilisieren. Man kann natrlich nicht vor Reaktion<lb/>
und Kritik über diese Sendung etwas aussagen, doch wäre mir persön<lb break="no"/>lich viel lieber gewesen, es hätten sich dort mehr Gegner ge<lb break="no"/>funden, die hart attackiert hätten. Da ich glaube, dass wir sachlich<lb/>
tatsöchlich richtig liegen, so wäre die wesentlich härtere Sendung<lb/>
dann doch mehr zu unseren Gunsten ausgegangen. Der Sendeleiter<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140555">Kralik</rs> hat sich dann noch bei mir vielmals bedankt, dass überhaupt<lb/>
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gehofft und gewagt, das ich tatsächlich kommenwerd,e als diese<lb/>
Sendung mit <rs type="person" ref="#per__140784">Grissemann</rs> besprochen wurde.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-21_18"><rs type="person" ref="#per__97727">Fritz Marsch</rs>, der im Parteitag über die ökonomischen Arbeitskreise<lb/>
insbesondere natürlich büer die Energie referieren will und von<lb/>
mir das gesamte Materila verlangt hat, was er auch tatschlich<lb/>
bekommt, hat mir in einem Telefongespräch mitgetielt, dass er<lb/>
auf GRund des Kronenzeitungs-Interviews mir neuerdings bekräfitgen<lb/>
möcht,e dass ich in der Vergangenheit mit meinem Verhalten voll<lb break="no"/>kommen recht gehabt habe. Mein Hinweis, dass mich aber überhaupt<lb/>
niemadnd bei den Ministerratsvorbesprechungen oder gar seinerzeit<lb/>
bei der Auseinandersetzung im Präsidium der Partei. Gewerkschaft<lb/>
und Regierung unterstützt hat, meinte er, dass er in einem anderen<lb/>
Forum immer für meine Ideen eingetreten sei. Die Mitglieder<lb/>
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immer vertreten habe und damit sei auch die Richtigkeit meines<lb/>
VErhaltens bestätigt. Er meinte, ich bräuchtenicht betrübt sein,<lb/>
und vor allem nicht verzweifeln, dass ich das jetzt nicht mehr<lb/>
sein muss, weiss ich selbst, nachdem sich Gott sei Dank meine<lb/>
Politik als richtig erwiesen hat. Nicht zuletzt sollen die Nieder<lb break="no"/>länder bei der Einführung der Bewirtschaftung chaotische Verhält<lb break="no"/>nisse geschaffen haben. Obwohl sie dies ebenso lange vorbereitetren<lb/>
wie wir und sogar um 8 Tage verschoben haben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-21_19">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Bitte dringend einen Bericht von der österr.<lb/>
Botschaft in Niederlande anfordern, wo<lb/>
wir über die Details insbesondere auch<lb/>
über die Verschiebung der Einführung der<lb/>
Bewirtschaftung informiert werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-21_20"/></div>
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            <head>Tagesprogramm, 21.1.1974</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Artikel "Und ich krieg' die Watschen", Kronen-Zeitung, 20.1.1974, S. 4 f.</head>
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