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            <title type="main">Montag, der 14. Jänner 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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Belangsendung wo sie und <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> als Preistreiber hingestellt<lb/>
Wurden. Da ich im Prinzip immer ablehne über Belangsendungen zu<lb/>
diskutieren, habe ich auch auf diese Vorwürfe überhaupt nicht<lb/>
reagiert. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meint, ich werde jetzt auch in eine ähnliche<lb/>
Situation kommen, wo ich als Preisminister entsprechende Ent<lb break="no"/>scheide zu treffen habe und gleichzeitig als Gewerkschafts<lb break="no"/>obmann oder in meiner sonstigen Funktion in der Arbeiterschaft<lb/>
als Konsumentenvertreter auftrete. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> vergisst nur eines,<lb/>
dass ich mir dieses Zwiespaltes vollkommen bewusst bin und<lb/>
deshalb äusserst vorsichtig bei allen meinen Entscheidungen<lb/>
und insbesondere bei dem Weg, wie es zu dieser Entscheidung<lb/>
kommt, vorgehen werde. Ein typisches Beispiel ist der Elek<lb break="no"/>trizitätspreis. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meinte, sie hätten 120 Punkte Änderungs<lb break="no"/>wünsche, wie ich sie von den Ländervertretern ihrer Kammern<lb/>
bekommen hätten. Der später zugezogene Dr. <rs type="person" ref="#per__97872">Rief</rs> hat sich ins<lb break="no"/>besondere aber nur auf die stromintensiven Betriebe der Industrie<lb/>
und deren Wünsche konzentriert. Eine Aufstellung des Energie<lb break="no"/>konsumentenverbandes, die wir gar nicht gesehen haben, ich habe<lb/>
mich deshalb sofort bei <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> darüber beschwert, zeigt eindeu<lb break="no"/>tig, dass insbesondere die Gewerbetarife, die geringste Belastung<lb/>
erfahren, Wenn ein 8-Groschen-Satz zur Anwendung kommt. Kritisch<lb/>
wird es in Wirklichkeit nur für die Nachtstromtarife. Für die<lb/>
Stromintensiven möchte die Handelskammer 3 Groschen maximal<lb/>
akzeptieren. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> verlangt ausserdem, dass vorher der Zucker<lb break="no"/>preis geregelt werden soll, hat allerdings dann <rs type="person" ref="#per__97872">Rief</rs> den Auftrag<lb/>
nur gegeben, er soll eine Andeutung machen, dass der Zucker<lb break="no"/>preis so lange schon unbefriedigt verhandelt wird, während der<lb/>
Strompreis verhänltnismässig schnell erledigt wird. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
verlangt die Abhaltung eines Vorprüfungsverfahrens, welches ich<lb/>
ihm erklärte wird bereits jetzt seit Oktober des vorigen Jahres<lb/>
durchgeführt. Die Arbeiterkammer verlangt die Investitionsver<lb break="no"/>wendung der Erlöse und die Landwirtschaftskammer hat ein Dutzend<lb/>
Ausnahmen, von denen einige erfüllt werden. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
besonders beschwerten sich, dass jetzt doch die Regelung der<lb/>
Bauern mit dem gefärbten Diesel Nicht zuletzt deshalb weil<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> jetzt über diesen Weg gewisse Budgetmittel bei den<lb/>
<pb n="19-0051" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-14_0051.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Bauern 380 Mill, aber auch bei der Bundesbahn 100 Mill. S<lb/>
ersparen will. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> attackierte mich, weil ich seinerzeit<lb/>
mich gegen diese Lösung ausgesprochen habe. Ich erwiderte aber,<lb/>
dass dies eine Forderung des Verhandlungskomitees der ÖVP vor et<lb break="no"/>lichen Jahren gewesen ist und eben jetzt die ÖVP neuerdings<lb/>
auf die Erfüllung dieser Bauernbundforderung drängt. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
erklärte, dass seinerzeit, als das politische Komitee mit der<lb/>
Regierung verhandelte, ein Wirtschaftsbunddelegierter nicht<lb/>
anwesend war. Ich erinnere mich aber, oder glaube mich zu er<lb break="no"/>innern, dass sehr wohl ein Wirtschaftsbundvertreter ebenfalls<lb/>
bei der seinerzeitigen Forderung der ÖVP nach Verwendung des<lb/>
gefärbten Diesels für die Bauern bei dem Komitee war.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte versuch aus den seinerzeitigen<lb/>
Aufzeichnungen – vielleicht weiss <rs type="person" ref="#per__115595">Reiter</rs><lb/>
vom BKA was – die Zusammensetzung der<lb/>
Delegation festzustellen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_04"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> verwies darauf, dass im Juni eine irakische Delegation<lb/>
in Österreich war und jetzt der Handelsdelegierte vorschlägt,<lb/>
es soll eine Exportunternehmer-Delegation unter Führung eines<lb/>
Handelsminister-Vertreters nach Irak fahren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Die Sektion I soll klären, von wem diese<lb/>
Idee ausgeht und wer daran interessiert<lb/>
ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_06"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> zugezogen, um die Probleme von Rhodesien<lb/>
zu klären, da die Handelskammer eine Regelung auf Grund des<lb/>
AH-Gesetzes ablehnt. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meint, ich sollteihnen noch einmal<lb/>
schriftlich androhen, wenn weitere Lieferungen nach Rhodesien<lb/>
erfolgen, würde ich diesen Schritt setzen. Ich habe dezidiert<lb/>
erklärt, dass der Herr Aussenminister eine befriedigende Re<lb break="no"/>gelung benötigt und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat deshalb vorgeschlagen, die<lb/>
Handelskammer wird mit <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> sich in Verbindung setzen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: Ich habe <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> davon informiert,<lb/>
der aber auf einer handfesteren Rege<lb break="no"/>lung besteht und mit der Handelskammer<lb/>
darüber verhandeln wird.</p><pb n="19-0052" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-14_0052.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_08">Die Israeli hätten eine derartige Dumpingpolitik auf Strumpf-<lb/>
und Strumpfwaren gemacht, dass die Fa. Ergee und Patria in<lb/>
Heidenreichstein im Wahlbezirk <rs type="person" ref="#per__97769">Mussils</rs> aber auch Amazone in Wien<lb/>
dadurch schwer zu Schaden kommen. Die Handelskammer langt ein<lb/>
Antidumping-Verfahren, welches ja bereits bei uns bereits uner<lb break="no"/>sucht wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte in der Grundsatzgruppe über die Probleme<lb/>
eingehend zu diskutieren und so hoffe ich<lb/>
auch die anderen Interessensvertretungen<lb/>
von Massnahmen zu überzeugen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_10"><rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> wird jetzt nach der China-Ausstellung nach Pjöngjang<lb/>
Nordkorea, reisen und hätte <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> davon informiert. Ich<lb/>
selbst sowie <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> sind von dieser Idee begeistert, weil<lb/>
wir früher oder später Nordkorea auf alle Fälle anerkennen wol<lb break="no"/>len. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> intervenierte auch für <rs type="person" ref="#per__149237">Sussen</rs> resp. <rs type="person" ref="#per__149271">Sobotka</rs><lb/>
zwei Berliner, die ausgezeichnet werden sollen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte klre, ob diesbezügliche Anträge vor<lb break="no"/>liegen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_12">Beim Journalistenfrühstück wurde ausschliesslich über die<lb/>
Energiesituation diskutiert. <rs type="person" ref="#per__112948">Degischer</rs> hat dort den autofreien<lb/>
Tag insbesondere die Strafbestimmungen udn die Exekution des<lb/>
Gesetzes verteidigt, obwohl er mir nachher versicherte, er hätte<lb/>
dabei ein ungutes GEfühl. Ich konnte ihm resp. <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs><lb/>
aber auch <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> den Vorwurf nicht ersparen, dass der seiner<lb break="no"/>zeitige Gesetzentwurf, d.h. der Initiativantrag mit den Referenten<lb/>
des Hauses abgesprochen wurde. Damals hat keiner auf die Unzu<lb break="no"/>länglichkeiten der Strafbestimmungen hingewiesen. Ich versichertte<lb/>
aber <rs type="person" ref="#per__112948">Degischer</rs> trotzdem, dass ich die Fehler, die entstandne sind,<lb/>
auf alle Fä-le decke.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_13">Beim Mittagessen ht mir <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> und <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> versichert, dass sie<lb/>
bereit wären, einer Anhebung des Futtergetreidepreises um<lb/>
20 Groschen nicht zuletzt auch wegen der Ersparung der Stützungen<lb/>
zuzustimmen, wenn <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> eine Erklärung abginbt, dass eer keine<lb/>
Exporte von Futtergetreide vornimmt und ausserdem keine Über<lb break="no"/>hangsvergütung bezahlt. Ich habe vor der Regierungsbesprechung<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> darüber gesprochen und von ihm verlangt, dass er mir<lb/>
dies unverzüflich in einem Brief mitteilt. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> hat dem<lb/>
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keine Rede sien und Überhangsvergütungen hat er auf Futterge<lb break="no"/>treide nie bezahlt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte urgiere das Schreiben, falls es nicht<lb/>
Dienstag eintrifft.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_15">Bei der Besprechung mit den Mineralölgesellschaften wurde mir<lb/>
erklärt, dass auch der Feber gelaufen ist. Interessant war der<lb/>
Hinweis, dass Total die Hälfte ihrer Heizöl-schwer-Mengen,<lb/>
die sie im Dezember aus italienischen Processing abdisponieren<lb/>
musste, verfallen ist, weil die österr. Firmen, die zuerst<lb/>
einen Bedarf gemeldet haben, dann nicht bereit waren, das um<lb/>
1.200 S verhältnismässig sehr billige Heizöl, franco Triest<lb/>
zu kaufen. Die Ansparung von Benzin für den Sommerbedarf<lb/>
läuft wie <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> sich ausdrückte, zufriedenstellend. Mit<lb/>
den ziffernmässigen Informationen für Oktober, November, Dezember<lb/>
die ich der Pressekonferenz in relativen Zahlen mitgeteilt habe,<lb/>
waren sie einverstanden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_16">Bei der Ministerratsvorbesprechung, wo <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> zu spät kam,<lb/>
hat er darauf hingewiesen, dass in Wilhelmsburg die Giesserei<lb/>
mit 550 Beschäftigen in Ausgleich ist. Die Länderbank hat<lb/>
20 Mill. Kredite gegeben und würde noch weiter helfen, wenn<lb/>
die nö. Landeshaftung von der ersten Stelle weggenommen wird.<lb/>
Aufträge seien für 3 1/2 Monate vorhanden, ein Ausgleich aber<lb/>
abgemeldet, da der Besitzer <rs type="person" ref="#per__149320">Schmid</rs> ausserstande ist, den Be<lb break="no"/>trieb zu führen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> war über den Zustnd des Betriebes<lb/>
bestens informiert. Sein Büro dürfte also wesentlich besser<lb/>
funktionieren als unsere Abteilung oder gar unser Early Warning<lb/>
System.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: NIcht, dass ich unbedingt Wert darauflege,<lb/>
aber es ist schon beschämend, wie sehr das<lb/>
Finanzministerium sehr wohl und das Handels<lb break="no"/>ministerium scheinbar gar nicht informiert<lb/>
ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_18">Die umfassende Landesverteidigung wird Dr. <rs type="person" ref="#per__127111">Bayer</rs> machen und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> urgierte, dass er Zimmer in der Verteidigungsakademie<lb/>
bekommt. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> hat mir vor der Sitzung die Verteidigungs<lb break="no"/>doktin vertraulich uner Verschluss gegeben, da er jetzt über<lb/>
dieses Papier mit der ÖVP und FPÖ verhandeln wird. INteressant<lb/>
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abgesprochen und letzten Endes die Zustimmung bekommen habe.<lb/>
Alle anderen Punkte mü-sen erst jetzt vom Aussenminister mit<lb/>
der ÖVP und der FPÖ verhandelt werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_19"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> kam auch auf die Interventionen der Kriminalbeamten<lb/>
zu sprechen, die im Nachtdienst nicht nach Hause fahren können<lb/>
und trotzdem vim Magistrat keine Sondergenehmigung bekommen<lb/>
haben. Er meinte, hier existiert ein alter Gegensatz zwischen<lb/>
Magistrat Wien und dem Innenministerium. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, er<lb/>
hätte sich für mich sehr eingesetzt, ich erwiderte kaltschnätzig<lb/>
dass die keinesfalls der Fall ist, weil ich die Entwicklung<lb/>
vorausgesehenhabe und für die Durchführung des Gesetzes nicht<lb/>
zuständig bin, sondern eben die Landesregierungen. Er meinte,<lb/>
es müsste doch letzten Endes ins Handelsministerium kommen,<lb/>
was ich abr sofort aufklärte, dass die erste Instanz die BH<lb/>
in Wien das Mag. Bezirksamt und in zweiter Instanz die Landes<lb break="no"/>regierung ist, dann ist Schluss. Die Feuerwehrorganisationen<lb/>
haben neuerdings für ihre Mitglieder der Freiwilligen Feuer<lb break="no"/>wehr, die zur Brandbekämpfung zum Rüsthaus fahren müssen,<lb/>
bei <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> interveniert. Ich kann sichelich ja nicht mehr die<lb/>
Verordnung ändern doch glaube ich, dass es wirklich zweckmässig<lb/>
wäre, wenndie Länder eine generelle Regelung heir treffen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_20">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Vielleicht lässt sich hier noch irgendeine<lb/>
vernünftige Vereinbarung mit den Ländern<lb/>
absprechen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_21">Die im <rs type="person" ref="#per__146940">Krupp</rs> Forstbesitz Beschäftigten in Werfen sind mit dem<lb/>
Verkauf an die Bundesforste nicht glücklich. Bis jetzt haben sie<lb/>
Benefizien wie z.B. Werksautobus gratis gehabt und verlieren<lb/>
diese Benefizien nun. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ersucht <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs>, er möge sich<lb/>
dies genau ansehen, da er Auswirkungen auf die Salzburger Land<lb break="no"/>tagswahlen befürchtet.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_22">Der ORF verlangt 350 Mill. S für die Übertragung der Olympischen<lb/>
Spiele 1964 hat er 77,7 Mill verlang,t 17 Mill. für die<lb/>
Betriebskosten in Zwei-Jahres-Subventionen 1963 und 1964 bekommen.<lb/>
Die 33 Mill. Investitionen, die er anlegen mu-ste, wurde nur<lb/>
eine Bundeshaftung ausgesprochen. Im Prinzip meinte <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
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es bleibt auch nichts anders übrig, als sie ihm auch für die<lb/>
neue Olympiade in Innsbruck zu geben. ALlerdings müsste das<lb/>
Olympische Komitee , die es von IOC dafür bekommt, auch dafür<lb/>
verwenden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_23">Österreich hat auf Chile 205 in der österreichischen und in einiger<lb/>
Ostbotschaften, deren Vertretung wir übernommen haben, Asylsuchen<lb break="no"/>den bis jetzt die Einreisegenehmigung gewährt. In der Botschaft<lb/>
befinden sihc noch 16 Personen, für die die Chilenen noch die<lb/>
salvo conducto<add>[Freies Geleit, Anm.]</add> geben müssen. Solange die chilenische Regierung<lb/>
dies nicht tut, werden wir den neuen chilenischen Botschafter,<lb/>
einem General, nicht das Agreement erteilen. Genauso hat es<lb/>
Belgien auch getan.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_24">Nach der Ministerratssitzung habe ich mit <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> als ARBÖ-Präsident<lb/>
aber ganz besonders auch dann dem Verkehrsminister <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> gebeten,<lb/>
dass wir uns über die weitere Vorgangsweise mit der Geschwin<lb break="no"/>digkeitsbeschränkung einigen. Ich erklärte <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> dezidiert,<lb/>
dass ich um rechtlich die Verordnung, die ich voriges Jahr im<lb/>
Oktober erliess, zu halten, nach wie vor auf dem stndpunkt ste<lb break="no"/>hen muss, dass die Hundertkilometerbeschränkung ausschelisslich<lb/>
aus Sicherheitsgründen erfolgte. Eine Aufhebung dieser Beschränkung<lb/>
kann dahern ur mehr durch <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> erfolgen. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> war sehr verärgert<lb/>
und hat sehr ruhig, aber dezidiert erklärt, wenn <rs type="person" ref="#per__97558">Hobl</rs> irgendwelche<lb/>
Erklärung abginbt auf Erhöhung der Geschwindigkeitsbeschränkung<lb/>
auf 120 kMh auf der Autobahn, dann muss er damit rechnen, dass<lb/>
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entsprechende Politik machen wird. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> entschuldigte dies<lb/>
insofern, als er nach einer Rücksprache mit den Bundeskanzler<lb/>
erfuhr, dass dieser eine unbegrenzte Geschwindigkeit auf der<lb/>
Autobahn wieder zulassen möchte. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> erklärte dezidiert, er<lb/>
wird die in siene Kompetenz fallende Geschwindigkeitsbeschränkung<lb/>
– wenn überhaupt – nur dann ändern, bis das Gutachten des Kurato<lb break="no"/>riums für Verkehrssicherheit vorliegt. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> ist über diese sehr<lb/>
starre Haltung von <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> nicht sehr begeistert. Wie mir die ARBÖ-<lb/>
Funktionäre ja schon einige Male versichert haben, waren sie<lb/>
mit meiner beweglichen Amtsführung und meiner Konzilianz sehr<lb/>
einverstanden und fürchten, dass dies bei <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> nicht der Fall<lb/>
sein wird. Vielleicht ist es aber ganz gut, wenn <rs type="person" ref="#per__97558">Hobl</rs> und<lb/>
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auch eine härtere Gangart gegen sie eingeschlagen werden kann,<lb/>
ja vielleicht sogar muss.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_25"><rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> hat mir ein Telegramm unseres Botschafters aus<lb/>
Athen gezeigt,wo dieser anfragt, ob jetzt bereits mit Griechenland<lb/>
über ein Zolldiskriminierungsabkommen verhandelt werden sollte.<lb/>
Die Griechen haben vorerst immer erklärt, dass sie erst das<lb/>
Erweiterungsabkommen mit den EG abwarten wollen.Die neue Re<lb break="no"/>gierung dürfte jetzt in dieser Beziehung eine neue Taktik an<lb break="no"/>wenden. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> hat mit Recht allerdings mir gegenüber<lb/>
darauf verwiesen, dass es unmöglich ist, dass österr. Bundesre<lb break="no"/>gierung als erstes mit den neuen griechischen Regime zu verhandeln<lb/>
beginnt. Auch dieser aussenpolitischen GEsichtspunkt sehe ich<lb/>
mich daher ausserstande, dem Wunsch der Handelskammer Rechnung<lb/>
zu tragen, dass wir jetzt mit Verhandlungen beginnen sollen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> wird dies dezidiert auch der Handelskammer, wenn<lb/>
sie wegen Rhodesien vorspricht, sagen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_26">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte die notwendigen VOrarbeiten für eine<lb/>
eventuelle Aufnahme späterer Verhandlungen<lb/>
jetzt schon zu beginnen, damit die Bundes<lb break="no"/>kammer vielleicht ein wenig beruhigt ist.<lb/>
An Verhandlungen ist derzeit noch nicht<lb/>
zu denken.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_27">Direktor <rs type="person" ref="#per__137117">Holzbach</rs> von Waldheim Eberle hat mich angerufen um mit<lb break="no"/>zuteilen, dass nachdem seine Druckerei und die Staatsdruckerei<lb/>
die Fahrpläne machen für das Jahr 1974, ausserstande sind die<lb/>
Sommerzeit einzuführen. Ich erklärte, <rs type="person" ref="#per__137117">Holzbach</rs>, der mich nur warnen<lb/>
wollte, damit ich nicht in eine Fale gehe, dass eine deisbezüg<lb/>
liche Erklärung, dass die heuer noch möglich ist, der General<lb break="no"/>direktor der Bundesbahn <rs type="person" ref="#per__140642">Kalz</rs> in einem Interview festgestellt hat.<lb/>
ICh habe am Abend bei den Spitzbuben auch <rs type="person" ref="#per__140642">Kalz</rs> getorffen, ihn<lb/>
auf dieses Interview angesprochen und er hat mir bestätigt, dass<lb/>
sehr wohl eine Einführung der Sommerzeit möglich ist, wenn es<lb/>
auch gewisse Schwierigkeiten bei der Bahn gibt. Eine Intervention<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__126256">Luczensky</rs>, der jetzt als Konsulent auch nch in der AK<lb/>
das Verkehrsreferat betreut und der erklärte, die AK wird<lb/>
die Sommerzeiteinführung auf alle Fälle ablehnen, zumindestens<lb/>
für 1974 findet nicht die Zustimmung von <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs>. Wenn übrigens<lb/>
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die heuer noch geht, brauchen wir nicht päpstlicher zu sein<lb/>
als die Bahn selbst.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_28">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Bitte die Verhandlungen über Sommer<lb break="no"/>zeiteinführung beginnen, aber keine konkreten Termine nennen,<lb/>
damit wenn sich dann tatsächlich herausstellt, dass die Bahn<lb/>
dies nicht ismtande ist zu leisten, wir nicht in der Öffent<lb break="no"/>lichkeit als Handelsministerium als Falschinformanten hinge<lb break="no"/>stellt werden. Wenn die Bahn es nicht imstande ist, dann muss<lb/>
die Bahn die Öffentlichkeit darüber aufklären.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_29">In der Vertrauenspersonenkonferenz von Hernals habe ich nur übe<lb/>
aktuelle Probleme gesprochen und ganz besonders natürlich<lb/>
über die Versorgungs- und Preislage. Interessant war, dass<lb/>
sich nur mühsam zwei Diskussionsredner stellten, bei der<lb/>
erste sich nur über die angeblich auf dem Weltmeer schwim<lb break="no"/>menden Ölschiffe und der zweite über die Fernheizwerke<lb/>
und Müllverbrennungsanlagen interessierte. Meine Ausführungen<lb/>
über die Preissituation und über aktuelle Themen waren ent<lb break="no"/>weder so instruktiv und klar, dass sich wirklich niemand<lb/>
dazu meldne wollte oder die Leute stehen auf dem Standpunkt,<lb/>
es hilft ja sowieso nichts, warum sollen wir uns hier noch<lb/>
in der Diskussion anstrengen. Ich hoffe das erstere, dies<lb/>
behaupten auch viele Kollegen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_30">Bei den Spitzbuben habe ich <rs type="person" ref="#per__126284">Leherb</rs> und <rs type="person" ref="#per__136839">Profohs</rs> getroffen<lb/>
die sich bitter beklagten, dass noch immernicht ihr Wunsch<lb/>
bezüglich der Präsentation der <rs type="person" ref="#per__126284">Leherb</rs>-Plakate ins besonders<lb/>
in Frankreich richtig erfolgt. Sie beschweren sich immer<lb/>
wieder über die Vermittler-Firma Gould &amp; Kargl, <rs type="person" ref="#per__114563">Pfaffenberger</rs><lb/>
der Vertreter, hätte für die Belange <rs type="person" ref="#per__126284">Leherbs</rs> überhaupt<lb/>
kein Verständnis. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> sofort zu diesem Gespräch<lb/>
zugezogen, weil wir in der letzten Direktoriumssitzung von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs> den Bericht erhielten, dass <rs type="person" ref="#per__126284">Leherb</rs> jetzt mit<lb/>
allem einverstanden ist uNd ein 8-Bogen-Plakat beim Champs<lb/>
Élysées affichiert wird, das nicht wie <rs type="person" ref="#per__114563">Pfaffenberger</rs> will, di<lb/>
Insel sondern das Popo-Plakat von <rs type="person" ref="#per__136839">Profohs</rs> zeigt. <rs type="person" ref="#per__97314">Antel</rs><lb/>
teilte mir mit, dsss <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> ein eneues Filmförderungs<lb break="no"/>gesetz ausarbeiten liess, das <rs type="person" ref="#per__136288">Jungbluth</rs>, wie er mir ver<lb break="no"/><pb n="19-0058" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-14_0058.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sichert, morgen von ihm mir geschickt wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-14_31">Ich habe in meinem Leben glaube ich ein einziges Mal die Spitz<lb break="no"/>buben bei der 1.000 Aufführung gehört. Damals haben sie wahr<lb break="no"/>scheinlich die besten Lieder, Sketchs und Songs ihrer bisherigen<lb/>
Tätigkeit zusammengezogen. Damals war tatsächlich die Aufführung<lb/>
für mich sehr interessant, sehr lustig und auch wirklich sehens<lb break="no"/>wert. Von den neuen Spitzbuben haben ich bis jetzt den denkbar<lb/>
schlechtesten Eindruck. Zotige Witze und Lieder, ich bilde mir<lb/>
ein, ich bin ncht sehr emfpindlich, abr die haben mir wirklich<lb/>
in den seltensten Fällen gefallen, wenig politische Satire, fast<lb/>
kein Angriff auf die Regierung, sodass ich nachdem ich meine Be<lb break="no"/>sprechung mit einigen dort Anwesenden geführt hatte, nach der<lb/>
Pause selhr bald weggegangen bin. Nicht, dass ihc prüde<lb/>
bin, aber viele der vorgetragenen Witze zeigten wenig Geist und<lb/>
viel weniger GEfühl, wie man mit Sex oder Erotik sehr wohl gute<lb/>
Unterhaltung liefern kann. Ausserdem erwarte ich, aber vielleicht<lb/>
ist das eine Voreingenommenheit, von jedem Conferencier, Stücke<lb break="no"/>schreiber und Kabarettisten, dass er und selbst wenn es mit<lb/>
billigen Argumenten ist, die Regierung doch mehr attackiert as<lb/>
die Spitzbuben dies glegentlich jetzt tun. Fast würde ich überbeti<lb break="no"/>teln: <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> ergebene Spitzbuben. Wenn ein Kabarett so verfällt,<lb/>
ist die in meinen Augen ein trauriges Zeichen.</p></div>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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