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            <title type="main">Mittwoch, der  9. Jänner 1974</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band19_1974-01-09</idno>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-09_01">Mittwoch, 9. Jänner 1974</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-09_02">Der ägyptische Botschafter <rs type="person" ref="#per__140332">Salah Gohar</rs> kam , um zu fragen,<lb/>
wie er den befreundeten Staat unterstützen könnte, nachdem<lb/>
er aus meiner Pressekonferenz entnommen hat, dass wir zusätz<lb break="no"/>lcihe Ölmengen brauchen. Hier allerdings konnte ich feststellen,<lb/>
dass er von den österreichischen Verhältnissen Importeure, Ver<lb break="no"/>arbeitung usw. sehr wenig wusste. Es war interessant aber, dass<lb/>
er sich erbötig machte, mit seinen Kollegen aus den arabischen<lb/>
Staaten zu sprechen, um die Schwierigkeiten, die sich eventuell<lb/>
bei Importen ergeben, zu beseitigen. <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs> übernahme es,<lb/>
zu erkundingen, wie die ÖMV eine Unterstützung noch brauchen<lb/>
würde und sie dann dem ägypt. Botschafter mitzuteilen. Gleich<lb break="no"/>zeitig bekannte er ein, dass Ägypten wenig Geld hat, um sich<lb/>
an Ausstellungen oder grossen Delegationen zur Anbahnung von<lb/>
Geschäften nach Österreich zu beteiligen. Er lud mich deshalb<lb/>
ein resp. die österr. Unternehmer ein, solche Delegationen<lb/>
und Messebeteiligungen durchzuführen und vor allem durch Aus<lb break="no"/>tausch von Listen die möglichen Waren und Geschäfte über die<lb/>
Botschaft anzubahnen. Er selbst würde dann in Kairo mit dem<lb/>
Wirtschaftsminister resp. den zuständigen Stellen Verhandlungen<lb/>
führen. <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> hat zugesag,t eine solche Liste zu übergeben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-09_03">Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97854">Rabus</rs> war in Polen und hat dort den von mir eingeladenen<lb/>
Minister <rs type="person" ref="#per__149276">Schaschzik</rs> getroffen, der ihm den VOrscvhlag machte unter<lb/>
vier Augen, Polen würde gegebenenfalls Waffen von Steyr kaufen,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97854">Rabus</rs> erklärte, dazu müsse er erst mit dem Handelsminister<lb/>
sprechen, ich fragte <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> und nachmittags bei der Klausur<lb break="no"/>tagung auch <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs>, die beide im Prinzip einverstanden waren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-09_04">Präs. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> und Ing. <rs type="person" ref="#per__113077">Altmann</rs> von der Präsidentenkonferenz der LWK<lb/>
erklärten sich bereit, wie ich bereit am Vorabend mit <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs><lb/>
feststellen konnte, 8 Groschen pro kWh Strompreiserhöhung<lb/>
zu akzeptieren. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> meinte zurest mit Protest zur Kenntnis<lb/>
zu nehmen, ich verlangte aer in der Preiskommission letzten<lb/>
Endes eine ZUstimmung. Gleichzeitig überreichten sie eine<lb/>
Liste von Wünschen, die sie an die Landesgesellschaften haben<lb/>
z.B. möchten sie, dass nach wie vor der Landwirtschaftstarif<lb/>
gilt, auch dann, wenn sie z.B. Hühnerhaltung oder Schweine<lb break="no"/>aufzucht in grösserem Umfang betreiben. Sie schlugen vor,<lb/>
<pb n="19-0024" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-09_0024.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>wenn die Steuer sie anerkennt, dann sollte auch der Tarif<lb/>
für die Landwirtschaft angewendet werden können. Sekt.Chef<lb/>
<rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs>, der seit Jahrzehnten im Kuratorium für landw. Elektrifi<lb break="no"/>zierung arbeitet, meinte, dass der grösste Teil dieser Wünsche<lb/>
berechtigt sei und er wird mit den Landesgesellschaften bei den<lb/>
Preisverhandlungen über diese Wünsche sprechen und einen Teil<lb/>
zumindestens durchsetzen. Gleichzeitig wollte sie auch,<lb/>
dass bis zu 10 Zimmern die Bauern auch für diese Vermietungstätig<lb break="no"/>keit den Landwirtschaftstarif bekommen, was ich ganz entschieden<lb/>
ablehnte. Interessant war, dass in einezlnen Ländern bis zu<lb/>
3 Zimmern ein solche Reglung bereits durchgesetzt wurde.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-09_05">Die Landwirtschaft verbraucht 360.000 t Diesel und <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs><lb/>
schlug vor, dass sein Kammeramtsdirektor Handelsbauer und Sekt.<lb/>
Rat <rs type="person" ref="#per__149263">Schröfel</rs> vom Landwirtschaftsministerium mit <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> gemeinsam,<lb/>
den ich sofort rief, eine entsprechenden Verteilungsmodus ausarbe<lb/>
ten sollen. Der PUntke wert, wo heute die Landwirtschaft ent<lb break="no"/>sprechende Vergütung für die Mineralölsteuer bekommt, kann<lb/>
für die Verteilung nicht herangezogen werden, weil hier nach<lb/>
sozialen GEsichtspunkten vorgegangen wird, <rs type="person" ref="#per__113077">Altmann</rs> aber auch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> gaben zu, dass hier oft für Maschinen eine Vergütung bezah<lb/>
wird, Z.B. Traktoren, die gar nicht mehr in Betrieb sind.<lb/>
Sondern eben nur für die Vergütung gehalten werden. Ich erklärte<lb/>
zwar, dass wir sichelrich eine Rationierung nicht einführen we<lb break="no"/>den, aber dass natürlich alle Vorbereitungen getroffen werden<lb/>
müssen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-09_06">Importeur <rs type="person" ref="#per__58381">Fritz Mauthner</rs>, der wegen der Erhöhung der Futter<lb break="no"/>getreidepreise kam – der Gersten- und Maispreis müsste auch nach<lb/>
Auffassung von <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> um 20 Groschen erhöht werden – schildert<lb/>
die Versorgungssituation deshalb so schlecht, weil durch die<lb/>
geringen Preise heute im Inland niemand bereit sit, sein<lb/>
Lager aufzulösen, d.h. zu verkaufen und wahrwscheinclihc<lb/>
auch der Sommergersten- und Maisanbau stark zurückgehen würde.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> wird mit den Bergbauern selbst dieses Problem ein<lb break="no"/>gehend besprechen, glaubt auch dessen Zustimmung zu bekommen,<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> hat bereits einer solchen Erhöhung zugestimmt. Für<lb/>
Hafer soll die Preisregelung aufgehoben werden. Ich versuchte<lb/>
neuerdings die Idee, man sollte im Frühjahr zeitgerecht die<lb/>
<pb n="19-0025" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-09_0025.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>gesamte Preisregelung für den Weizensektor aussetzen, fand<lb/>
aber damit keine Zustimmung. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> wollte dann auch noch<lb/>
wissen, wann der Milchpreis und der Zuckerpreis gergelt<lb/>
wird, und ich erklärte, für Zucker sehe ich überhaut keine<lb/>
Chance und bei Milch müssten wir ein wirklich einwadnfreies<lb/>
System schriftlich fixieren, dass bei stärkerer Milchanlieferung<lb/>
automatisch der Erzeugerpreis gesenkt wird. <rs type="person" ref="#per__113077">Altmann</rs> gab zu, dass<lb/>
ein solches Versprechen bei den <choice><choice><sic>Parteiverhandlungen</sic><corr>Parteienverhandlungen</corr></choice></choice> gemacht wurde,<lb/>
wobei <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> bemekrte, dies hätte eben der Bauernbund getan und<lb/>
daher er zu verantworten. Ich stellte fest, dass ich mit der<lb/>
Präsidentenkonferenz zu verhandeln habe und von der Präsidenten<lb break="no"/>konferenz entsprechnde schriftliche Vereinbarungen verlangen<lb/>
würde.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-09_07">Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__137269">Hajbek</rs>, Dir. <rs type="person" ref="#per__126896">Pflüger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> hatten volles Ver<lb break="no"/>ständnis für meinen Vorschlag, dass wir die jetzt auf Hochtour<lb/>
laufenden Vorbereitungen zum Aussenden der Bezugsmarken für<lb/>
Benzin unterbrechen, da sich wie mit die ÖMV versichert, die<lb/>
Versorgungslage für Feber aber wahrschenlich auch für März eine<lb/>
Rationierung erübrigt, da auch die Deutschen jetzt ihre Beschrän<lb break="no"/>kungen, Sonntagsfahrverbot, generell aufheben, aknn ich annehmen<lb/>
dass in Deutschland di-e Produktion auf vollen Touren läuft und<lb/>
dadurch auch die Internationalen ihre <choice><choice><sic>VErpflichten</sic><corr>Verpflichtungen</corr></choice></choice> leicht er<lb break="no"/>füllen werden. Gänzlich wollte ich aber die Vorbereitungen<lb/>
nicht abblasen, wesehalb <rs type="person" ref="#per__137269">Hajek</rs> den Vorschlag machte, es soll<lb/>
den Gesellschaften überlassen bleiben, nicht bis zum 15.1.<lb/>
sondern bis zu einem späteren Zeipunkt die Bänder an die IBM<lb/>
zu senden. MIt IBM wird gesprochen, dass sie den Vertrag zwar<lb/>
nicht gekündigt bekommt, aber doch auch damit rechnen muss,<lb/>
dass wir auf ihre Tätigkeit verzichten oder zu einem späteren<lb/>
Zeitpunkt durchführen. Der Drukc der Marken wird auch alle<lb/>
Fälle fortgesetzt. Die VOrbereitungsarbeiten für die Zusatz<lb break="no"/>mengen, welche die Industrie, das Gewerbe und vor allem die<lb/>
Fremden, wenn sie nach Österreich einreisen, brauchen würden,<lb/>
werden gleichfalls weitergeführt. Am kritischesten ist, dass<lb/>
100 Mill. Gäste nach Österreich oder über Österreich reisen,<lb/>
35 Mill. nach Angaben <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> im Auto.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-09_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte versuche genaue Statistiken ins<lb break="no"/>besondere, wieviele KFZ die Grenze über<lb break="no"/>schritten haben, zu erlangen. <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> hat<lb/>
nämlich eine wesentlich geringere Zahl ange<lb break="no"/>nommen.</p><pb n="19-0026" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-09_0026.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-09_09">Die Sitzung <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs>-<rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs>-<rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs> und <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs> ergab, dass die<lb/>
Personalfrage noch immer nicht gelöst ist. <rs type="person" ref="#per__112977">Neuhold</rs> wird von <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs><lb/>
nicht freigegeben, obwohl die Preiskompetenz von <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> ein<lb break="no"/>deutig an die Sektion II abgetreten wurde. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> wird mit <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs><lb/>
darüber verhandeln, weil <rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs> mit REcht die Mitarbeit dieses<lb/>
Fachmannes für Öl braucht. <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> hat <rs type="person" ref="#per__127126">Hönel</rs> an <rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs> abgeben<lb/>
wollen, der noch niemals mit Preisfragen sich beschäftigt hat<lb/>
und übrigens krank ist, ebenso ist <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzl</rs> drei Wochen in den<lb/>
Krankenstand gegangen, um sehe Gelbsucht auszukurieren. Zuerst<lb/>
hat <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzl</rs> sich um die Kompetenzausweitung gerissen, er wollte<lb/>
und hat auch alle erhalten, hat auch der Konstruktion zuge<lb break="no"/>stimmt, dass <rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs> Gruppenleiter wird und dann war er doch be<lb break="no"/>leidigt, wie er bereits in derersten Preiskommission allen mit<lb break="no"/>geteilt hat und geht jetzt in Krankenstand. BEzüglich des Elek<lb break="no"/>trizitätspreisverfahrens, wo <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs> ebenfalls jetzt auf eine<lb/>
Studienreise gefahren ist mit den soz. Direktoren und anderen<lb/>
wird <rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs> die Verhandlungen weiterführen. Wenn <rs type="person" ref="#per__139680">Pacheiner</rs> von<lb/>
der KELAG oder <rs type="person" ref="#per__113025"><choice><choice><sic>Horrak</sic><corr>Horwath</corr></choice></choice></rs> von der bgl. Gesellschaft, Genossen,<lb/>
die bei mir interpellierten, ich soll so schnell wie möglich<lb/>
das VErfahren abschliessen, jeweils wieder bei mir intervenieren,<lb/>
werde ich ihnen mit aller Deutlichkeit sagen, dass sie in dieser<lb/>
kritischen Phase auf Studienreise, d.h. Urlaub gefahren sind.<lb/>
Mir ist ein solches VErhalten unerklärlich.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-09_10">Bei der Regierungs-Parteipräsidium-Besprechung erfuhr ich,<lb/>
dass auch engste Mitarbeiter hättenmitkommen können. Angeblich<lb/>
hat dies <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bei einer Vorbesprechung mitgeteilt, Als die<lb/>
Mitarbeiter aber dann, es waren 4 Sekretäre anwesend, im Sitzungs<lb break="no"/>saal sassen, hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sie dann doch wieder hinauskomplimen<lb break="no"/>tiert, indem er meinte, dies gelte erst für morgen, womit cih<lb/>
wieder sehr forh war, dass niemand ovn uns zumindestens heute<lb/>
dabei war. FÜr den nächsten Tag habe ich mir vorgenommen, in<lb/>
der Früh, da wir erst um 1/2 10 Uhr begonnen, sofort<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs> einzuladen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat eingeleitet, dass der Ölpreis sich<lb/>
rückentwickeln wird, dass die Versorgung gesichert ist, dass man<lb/>
aber trotzdem eine Sparsamkeit an den Tag legen sollte. VOrher hat<lb/>
er mich bereits angesprochen und gemeint, er wollte mich schon<lb/>
verständigen, dass die Deutschen jetzt alles abblasen, wahrschein<lb break="no"/>lich wird er jetzt sagen, er hat das sowieso immer gewusst und<lb/>
die Entwicklung ist genauso verlaufen,wie er erwartete.</p><pb n="19-0027" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-09_0027.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-09_11">Ich – wie er mir unter vier Augen sagte – sollte daher die Vor<lb break="no"/>beeitungen weiterführen, aer Marken nicht zur Verteilung bringen.<lb/>
Das wichtigste Problem, erklärte er, aber sei die notwendigkeit für<lb/>
den Massenverkehr mehr zu tun, d.h. in diesem Gremium zu ent<lb break="no"/>scheiden, on ein Teil der Mineralölsteuer, von – wie <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
dann ausführte – 500 – 900 Mill. der Bundesbahn gegeben werden<lb/>
könnte und sollte. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> wies darauf hin,dass die Mineralölsteuer<lb/>
9,3 Mia S 1974 erbringen soll, die <choice><choice><sic>Motorierung</sic><corr>Motorisierung</corr></choice></choice> sehr gestiegen ist<lb/>
und zwei Erhöhungen erstens als man den Dieselölpreis erhöhte<lb/>
1971 und die Mineralölsteuer erhöhte und 1974 als man bei der<lb/>
Preisbestimmung jetzt um 20 Groschen, nachdem man allerdings<lb/>
vorher um 10 Groschen die Mineralölsteuer gesenkt hat, erhöht.<lb/>
die 10 Groschen, die jetzt ab 1975 gelten, bringen 500 Mill.<lb/>
mehr. Für den Individualverkehr wird um Budget ca. 30 Mia<lb/>
zugewendet, während dem Massenverkehr ÖBB 2,5 Mia und wenn man<lb/>
die Individualverkehrsaufwendungen für U-Bahn- Elektrische,<lb/>
Bus usw. auch von den Ländern und Gemeinden dazurechnet, wahr<lb break="no"/>scheinlich 2,5 Mia S. Auf der Strasse und im gesamten Baugeschehen<lb/>
sei eine Überkonjunktur 480.000 Bauarbeiter, von denen 25 %<lb/>
noch Gastarbeiter sind sind überbeschäftigt, während bei der SGP<lb/>
und Elin, d.h. bei den Lieferfirmen für den Massenverkehr eine<lb/>
gewisse Auftragsflaute herrscht. Ein grosses Problem sie auch, das<lb/>
man den Bauern zwar versprochen hat, gefärbtes Dieselöl zu geben<lb/>
dann aber statt die Subvention von 380 Mill. S für dne Punkte<lb break="no"/>wert auf 565 Mill. S ansteigen würde . Hierrächt sich eben,<lb/>
wie ich mir dabie dachte, dass man eben immer wieder Ver<lb break="no"/>sprechungen, Ankündigungen macht, ohne sich vorher zu überlegen,<lb/>
welche Auswirkungen dies hat. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> ergänzte, dass er 2,6 Mia S<lb/>
im Budget für die normalen Aufwendungen zur VErfügung hat, im Stabi<lb break="no"/>lisierungsquote 1 Mia bereitliegt, die allerdings wie <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
dann sofort sagte, finanziell nicht gedeckt ist und er daher<lb/>
unbedingt 1 Mia pro Jahr braucht. <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> dagegne erwiderte, dass<lb/>
von den 9,3 Mia 8,7 Mia aus der Mineralölsteuer einfliessen,<lb/>
wovon er 6,7 Mia für den Weiterbau der schon begonnen Projekte,<lb/>
der Erhaltung der Strassen und auch 9 % für die Strassenplanung<lb/>
den Ländern, d.s. fast 8 Mio <choice><choice><sic>A</sic><corr>S</corr></choice></choice> geben muss. Aus diesem Grund kann<lb/>
er, um überhaupt neue Strassen zu beginnen, einer Abtretung auch<lb/>
von 5 % nicht zustimmen. Von den 1.800 km Autobahn sind 33 %<lb/>
erst ausgebaut von den 1.200 km Schnellstrassen nur 6 % und<lb/>
von den 9.200 km Bundesstrassen sind 33 % erst voll ausgebaut<lb/>
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üerhaupt in einem katastrophalen Zustand. Wenn er die Strassen<lb/>
sanieren sollte, wie im Bundesstrassengesetz vorgesehen, wrd<lb/>
er 220 – 270 Mia S. brauchen. In der Diskussion war nur <rs type="person" ref="#per__97963">Slavik</rs><lb/>
und auch <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> ein bisschen für die Abzweigung der Mineral<lb break="no"/>ölsteuer, einige wie z.B. <rs type="person" ref="#per__97994">Steinocher</rs>, ein Eisenbahner, meinte,<lb/>
er sei im Prinzip dieser Auffassung, aber jetzt vor den<lb/>
Wahlen und ganz besonders als LH-Stv. müsse er dies aber ablehnen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98038">Wagner</rs> meinte, man sollte die Mineralölsteuer um 20<add>10?</add> Groschen<lb/>
erhöhen, <rs type="person" ref="#per__97994">Steinocher</rs> erinnerte dann daran, dass man seinerzeit<lb/>
eine Beförderungssteuer gehabt hat und <rs type="person" ref="#per__114604">Hillinger</rs> hat überhaupt<lb/>
darauf verwiesen, dass wir im Nahverkehr ungefährt 500 – 900 Mio<lb/>
S für die Gemeinden udn Länder bräuchten, die ebenfalls, wenn<lb/>
eine Abzweigung der Mineralölsteuer kommt, was er aber ablehnt,<lb/>
dann gedeckt werden müssten. <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> meinte, es müsste zuerst<lb/>
überhaupt ein Konzept erarbetiet werden und die beiden Minister<lb/>
sollten etnsprechenden Plan vorlegne, was <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sofort ganz ent<lb/>
schiedne ablehnte und erklärte, zuerst müsse die politische Ent<lb break="no"/>scheidung getr-ffen werden und dann könne man erst rechnen.<lb/>
Auch bei der Gesundheitspolitik hätte man einen solchen Weg ein<lb break="no"/>geschlagen, da die Fachleute überhaupt nichts wissen udn ent<lb break="no"/>sprechende politische Entscheidungen eben zuerst prinzipiell<lb/>
geefällt werdne müssten. Hier erinnerte ich mich auch wieder<lb/>
an die prinzipielle Entscheidung man wird dne Bauern den Gefärbten<lb/>
Diesel zur Verfügung stelen, wobei man jetzt aus dem Dilemma<lb/>
dass dann die Bauern 200 Mill. S meehr bekommen, nicht heraus<lb break="no"/>kommt. Wahrscheinlich hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bis zu einem gewissen Grad<lb/>
recht, wenn man nämlich alle Details kennt und vor allem einmal<lb/>
zuerst erforschenwill, dann würde man zögern und Zaudern und<lb/>
gar nicht irgendwelchen politischen Entschlüssen kommen. Anderer<lb break="no"/>seits aber wieder, sollte man doch bevor man eine solche politi<lb break="no"/>sche Entscheidung fasst, unbedingt zumindestens die grobenAuswirku<lb/>
gen und Berchnungen genau kennen. Ich zumindestens werde an diese<lb/>
Politik weiter festhalten, zuerst mir doch so viel wie möglich<lb/>
DEtailinformationen verschaffen, bevor ich eine Entscheidung<lb/>
anstrebe oder gar treffe. Da oftmals kritisiert wurde in der<lb/>
Diskussion, dass unsere Autobahnen gebührenfrei befahren werden<lb/>
können, hat <rs type="person" ref="#per__97845">Probst</rs> dann gemeint und <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> auch estätigt,<lb/>
dass dies eine Forderung der ÖVP in der Koalitionsregierung war,<lb/>
<pb n="19-0029" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band19/19_1974-01-09_0029.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>wo ja gegen den Autobahnbau sich uerst überhaupt die Soz. Partei<lb/>
hart ausgesprochen hat. So vile ich mich erinnern kann. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
verwies dann darauf, dass auf den Gesellschaftsstrecken wie<lb/>
Tauern-, Gleinalm-, Arlberg Thurn- sowie jetzt bereits bei Brenner<lb/>
Felbertauern- unsw. eine Gebühr eingehoben wird und sogar<lb/>
die Gebühren dauernd auf sein Drängen stark erhöht werden.<lb/>
Den Ausbau für die Strassen sihet er nicht so schlecht wie<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs>, da im Jahre 1973 2,5 bis 3 Mia S für die Gesellschafts<lb break="no"/>strecken aufgenommen wurden und auch 1974 3,5 bis 4 Mia geplant<lb/>
sind. Durch die Gebühren können dann die entsprechenden Annuitäten<lb/>
und Zinsen zurückgezahlt werden. Ob wir geringere Mineralöl<lb break="no"/>steuererträge haben, aht er nicht gesagt, nur darauf hingewiesen,<lb/>
dass wir durch die Steigerung der Ölpreise statt 4 Mia S<lb/>
6 Mia S für das importierte Öl ausgeben müssen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> wird<lb/>
sich wundern, wenn er die Jänner-Ziffern sehen wird, denn da<lb/>
die Dezember-Mineralölsteuer um 10 Groschen tiefer war, haben<lb/>
natrülich alle Firmen ausgeliefert. Der Mehrertrag aus der Mehr<lb break="no"/>wertsteuer aus den erhöhten Benzinpreisen hat 1973 nach seiner<lb/>
Mitteilung ohn <choice><choice><sic>Vorsteuerbazu</sic><corr>Vorsteuerabzug?</corr></choice></choice> nur 200 Mill. gebracht. Nach stun<lb break="no"/>denlanger Diskussion hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> letzten Endes dann zusammenge<lb break="no"/>fasst und entschiedne und wieder einmal seine berühmte Kurve ge<lb break="no"/>nommen, indem er meinte, das Problem könne man nicht fofen lassen<lb/>
weil ansonsten die Oppositionspolitiker aber auch die Presse<lb/>
uns ständig attackieren, der GEgensatz müsste also so ausgeräumt<lb/>
werdne, dass man erklärt, die Mineralölsteuer sollte für den<lb/>
Ausbau der Massenverkehrsmittel nicht abgezweigt werden, aber<lb/>
an konkreten BEispielen, d.h. eine Regelung für die Schnellbahn<lb/>
Ausbau, wobei <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nicht nur an Wien denkt sondern z.B. auch das<lb/>
Mühlviertel nach Linz und in anderen Landeshauptstädten sollte<lb/>
man sich dann über die Finanzierung unterhalten. Acuh in Vöslau<lb/>
hätte man vor einigen Jahren das Gesundheitsproblem erst einmal<lb/>
angeshcnitten, nachher Umfragen getätigt und jetzt hätte sihc<lb/>
zwar herausgestellt, was man auch schon erwartet hat, dass die<lb/>
Bevölkerung sagt, man soll sparen, aber doch dann bereit ist,<lb/>
die Zigarettenpreis-Erhöhung zu akzeptieren, womit für die<lb/>
Gesundheitspolitik 400 Mill. S zur Verfügung gestellt werden<lb/>
könnten. Hoffentlich erinnnert sihc iemand daran, dass bei der<lb/>
letzten Zigarettenpreiserhöhung <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> auch schon angekündigt<lb/>
hatte, dass auch dies für die Gesundheit geschichet. <rs type="person" ref="#per__98066">Robert Weisz</rs><lb/>
hat mich Anfangs der Sitzung <choice><choice><sic>gebracht,</sic><corr>gefragt?</corr></choice></choice> was ich zu dem Problem denke<lb/>
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der Vorschlag abgelehnt wird. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> hat dann auch noch namens<lb/>
der Gewerkschaft ganz besonders der Bauarbeiter velrangt,<lb/>
dass man vorerst entsprechende Überlegungen und Berechnungen<lb/>
anstellen müsste. Da <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> aber dringend diese Mittel braucht,<lb/>
hat er gemeint, dann müsste der Finanzminister und das war<lb/>
acuh dei Meinung aller anderen, schauen, wie er die notwendigen<lb/>
Beträge auftreibt, was <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> aber verärgert meitne, er hätte<lb/>
dafür keine Möglichkeit, da das Budget in Ordnung sei, nur für<lb/>
die Bahn, Post und die Hochbauten der Schulen und insbesndere<lb/>
acuh der Universitäten die notwendigen und von den Ressorts ange<lb break="no"/>forderten Mitteln nicht zur Verfügung stehen. Dieser TEil des<lb/>
Budgets sei nicht in Ordnung. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat ganz genua erfasst, dass<lb/>
er aber in diesem Gremium nie die Zustimmung kriegne würde,<lb/>
einige meinten sogar, im Jahre 1974 könne man ja gar nichts mehr<lb/>
machen, weil das Budget bereits beschlossen sei und für 1975<lb/>
im Wahljahr zahlt sich eine solche Diskussion glaube ich wirklich<lb/>
nicht aus, wodurch ein Fortführen der Diskussion nur eine Schwächung<lb/>
der Einheitlichkeit der Regierungsauffassung bedeutet hätte.<lb/>
Er trennte sich deshalb von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, der ja diesen Vorschlag<lb/>
wahrscheinlich in Lech mit ihm im Detail besprochen hatte, wobei<lb/>
er meinte, er hätte dies sowieso erwartet, und schuf damit eine<lb/>
wenigstens geklärte Situation.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band19_1974-01-09_12">Spät abends wurde dann vom Bundespressedienst ein Österreich-Film<lb/>
vorgefü-hrt, deer einige gute Passagen hat, aber ansonsten meiner<lb/>
Meinung nach nicht sehr taugflich sit, für Österreich wirklich<lb/>
zu werben, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte dann noch, die Russen hätten dann auch<lb/>
noch vom <rs type="person" ref="#per__97652">Kossygin</rs>-Besuch einen Film zur Verfügung gestellt, den<lb/>
wir uns ansahen und feststellen konnten, dass der für Österreich<lb/>
eine bessere Werbung macht als der des Bundespressedienstes.<lb/>
Ich bemekrte deshalb, derzweite Film sei wirklich eine gute<lb/>
Idee des Bundespressedienstes. Ironische Bemerkungen warenn auch<lb/>
von vielen anderen zu Hören. Da wir auch in der ÖFVW ja schon<lb/>
vor meiner Zeit solche miesen Filme gedreht hatten, war ich über<lb/>
das ERgebnis nicht überrascht, Grundsatz 1: womöglich beim Film<lb/>
nicht anstreifen !</p></div>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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