<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="staribacher__19731228.xml" prev="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19731221.xml" next="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19740107.xml" xml:base="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title type="main">Freitag, der 28. Dezember 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
            <respStmt>
               <resp>Conversion to TEI</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
            <respStmt>
               <resp>Digitisation, OCR correction and named entities tagging</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
            <availability>
               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc>
               <msIdentifier>
                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band18_1973-12-28</idno>
               </msIdentifier>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc>
         <creation>
            <date when="1973-12-28">Freitag, 28. Dezember 1973</date>
         </creation>
      </profileDesc>
      <revisionDesc>
         <change type="creation" when="2016-09-01">exported as basic TEI from corrected tesseract output.</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">cleaned automatic tesseract-export by cleanExport.xsl script</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">moved first pb element out of attachment divs by cleanExport-patch2.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-11" who="acdh:ds">find and note personalAgenda as a subtype cleanExport-patch.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-19" who="acdh:ds">whitespace in paragraphs, lb and pb fixes by cleanExport-patch3.xsl</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
   <text xml:base="http://192.168.0.9/staribacher/src/scans/Band18/">
      <body>
         <pb n="18-1488" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-12-28_1488.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-28_01">Donnerstag, 27. Freitag 28. Dezember, Samstag, 29.12.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-28_02">Die Vorbereitungen für die Bewirtschaftung gehen normal weiter,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> hat weitestgehendalle Kombinationen auch wenn auf die Marken<lb/>
Diesel und Benzin nicht extra getrennt ist, durchgedacht und auch<lb/>
ein kompliziertes System dafür entwicklet. Die <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs>-Abteilung<lb/>
verhandelt nun über die Verordnungsentwurf und kennt die Einzelheitne<lb/>
nicht. Ich stelle wieder fest, dass die Koordination zwischen<lb/>
den einzelnen Abteilungen miserabel ist. Die Koordination müsste<lb/>
der Sektionsleiter machen, der sich entweder nicht kann oder vielleicht<lb/>
durch die Sabotage durch <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> und einiger anderer nicht zuammen<lb break="no"/>bringt. <rs type="person" ref="#per__97493"><sic>Gröher</sic></rs> arbeitet sehr intensiv und fast scheint es mir, dass<lb/>
er der einzige ist, der diesen Laden dort oben überhaupt in Ordnung<lb/>
hält.Wenn man zu einer Sitzung geht, wie z.B. bei dem Arbeitsausschuss<lb/>
mit den Ländern, itzen ein Dutzend Leute von den einzelnen Abteilungen<lb/>
herum, wobei ich niemals weiss, was sie eigentlich tun. Hier müssten<lb/>
sie doch zumindestens Koordinierungsinformationen an jeden einzelnen<lb/>
Mitarbeiter in den Abteilungen geben. Das BEstreben ist scheinbar<lb/>
nur Kompetenz zu halten. überall dabei zu sein, aber nur in den<lb/>
seltensten Fällen Initiative zu etnwickeln und selbst etwas durch<lb break="no"/>zueziehen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-28_03">Als ich mich erkundige, wie weit die Pickerl-Verordnung fertiggestellt<lb/>
und vor allem den Landesregierungen zur Kenntnis gebracht wurde, ins<lb break="no"/>besondere die Empfehlung über die einheitliche Durchführung, stelle<lb/>
ich zu meiner VErwunderung fest, dass man allen Ernstes mit der Aus<lb break="no"/>sendung warten wollte, bis die Verordnung im Bundesgesetzblatt erscheint,<lb/>
was frühstens am 5. Jänner der Fall ist. Ich erkläre dem stv. Sektionslei<lb break="no"/>ter Min.Rat <rs type="person" ref="#per__140749">Wagner</rs>, dass man unverzüglich die Landesregierungen mit<lb/>
dem Text der Empfehlung vertraut macht und ihnen einleitend eben mit<lb break="no"/>teilt, dass erst im Jänner die Verordnung im Bundesgesetzblatt erscheinen<lb/>
kann. Nur unterdiesen Umständen ist nämlich die GEwähr gegeben, dass<lb/>
die Landesregierungen die Vorbereitungen so in Angriff nehmen, dass<lb/>
sie die Ausnahmegenehmigungen bis zum 14.1., wo die VO in Kraft treten<lb/>
sollte, durchführen können. Niemand hat daran gedacht,, alle glaubten,<lb/>
es genügt volkommen, wenn eben nach der Verordnungserscheinung im Bundes<lb break="no"/>gesetzblatt schön langsam dann die Landesregierungen mit Fernschreiben<lb/>
oder vielleicht gar durch Brief verständigtwerdn, dass sie jetzt etwas<lb/>
unternehmen können, ohen dass sie entsprechende Vorbereitungen vorher<lb/>
<pb n="18-1489" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-12-28_1489.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>getroffen haben. Mit Recht hätte dann die Landesregierung kritisiert<lb/>
dass viel zu spät sie informiert wurden und die zu erwartenden Stau<lb break="no"/>ungen bei den Bezirkshauptmannschaften ausschliesslich auf Verschul<lb break="no"/>den des Ministeriums zurückzuführen sind.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-28_04">Der Verband der E-Werke kam mit allen Landesgesellschaften und Verbund<lb break="no"/>vertretern um neuerdings wegen der Strompreiserhöhung bie mir zu<lb/>
intervenieren. <rs type="person" ref="#per__113025">Horwath</rs> von der bgl. Gesellschaft hat mir nachher<lb/>
erklärt, dass <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> angeblich wünscht, dass bereits im Jänner<lb/>
die Strompreiserhöhung in Kraft treten sollte. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> hat mir genau<lb/>
das GEgenteil mitgteilt. Mein Plan ist, mit 1. Feber die Erhöhung durc<lb/>
zuführen und diesbezüliche Besprechungen unverzüglich, wenn die Kom<lb break="no"/>petenz ins Handelsministerium kommt, aufnehmen zu lassen. Ich liess<lb/>
die Landesgesellschaften aber nicht im Unklaren, dass bevor ich<lb/>
überhaupt eine Preisanordnung hinausgebe, die Landesregierungen mit<lb/>
bestätigt haben müssen, dass sie mit dem Antrag der einzelnen Landes<lb break="no"/>gesellschaften einverstanden sind. Diese Forderung hat <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> bereits<lb/>
vor etlichen Wochen den Gesellschaften mitgeteilt und ich erklärte,<lb/>
davon nicht abzurücken. Ich denke nicht daran, dass ich mir nachher<lb/>
den Schwarzen Peter zuschieben lasse, wie dies in der Vergangenheit<lb/>
einige Male der Fall war. Die ÖVP-Landesregierungen haben geschwiegen<lb/>
die ÖVP-Bundesparteileitung hat dann ganz hart attackiert. Da ich<lb/>
die Regelung im Einvernehmen mit den Interessensvertretungen und den<lb/>
Landesregierungen machen möchte, habe ich erklärt, dass ich bevor<lb/>
ich eine Prozentsatz oder auch einen Groschenbetrag, der mir lieben ist,<lb/>
nenne, vorerst mit den Interessensvertretungen einen weitestgehenden<lb/>
Akkord erreicht haben muss. Meine Taktik wird unverändert bleiben, zu<lb break="no"/>erst versuchen, die Zustimmung der Interessensvertretungen zu er<lb break="no"/>reichen und dann erst die einzelnen Anordnungen und Tarifpositionen<lb/>
zu besprechen. Auf alle Fälle möchteich eine Entzerrung des Tarifes<lb/>
was mit Groschenlösungen am ehesten zu erreichen ist. In diesem Fal<lb/>
würden die zurückgebliebenen Tarife – Tirol, Vorarlberg aber auch<lb/>
der Verbund, eine grössere Erhöhung erfahren und damit dem inner<lb break="no"/>österreichischen Stromtarif angeglichen. Die Verbund andererseitsbrau<lb/>
braucht einen höheren Satz, um ihre Bauvorhaben einigermassen finan<lb break="no"/>zieren zu können. Gleichzeitig aber habe ich die Gesellschaften nicht<lb/>
im Unklaren gelassen, dass ich eine organisatorische Änderung<lb/>
ebenfalls in Anriff nehmen möchte. Man kann den Konsumenten die Be<lb break="no"/>lastung nur dann erklärlich machen, wennman gleichzeitig in<lb/>
<pb n="18-1490" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-12-28_1490.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Aussicht stellte, durch organisatorische Massnahmen <choice><choice><sic>kostnersparend</sic><corr>kostenersparend? kostensparend?</corr></choice></choice><lb/>
zu wirken. ALs ersten Schritt müsste man die Sondergesellschaften<lb/>
in eine einzige Gesellschaft, eben vielleicht die Verbund, zusam<lb break="no"/>menführen. Dies ist ein langwieriger Prozess, der könnte aber<lb/>
durch die Überleitung der Enns- in die Donaukraftwerke eingeleitet<lb/>
werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-28_05">Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97429">Feichtinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97671"><sic>Kräutler</sic></rs> geben nach längerem Zögern endlic<lb/>
<rs type="person" ref="#per__107936">Elsinger</rs> die Importziffern kbeannt. Nach ihren Angaben ist die<lb/>
Jänner-Versorgung endgültig gesichert. WEnn ihre Ziffern einigermas<lb/>
sen stimmen, ,üssten wir auhc im Jahre 1974 ohne Bewirtschaftung<lb/>
leicht über die Runden kommen. 1973 haben wir ca. 9,1 Mill. Roh<lb break="no"/>öl verarbeitet, 1974 würden wir 11,3 Mill. haben. Da die ÖMV<lb/>
diese Menge gar nicht verarbeite kann, hat sie mit Aquila in<lb/>
Triest 300.000 t, die sie leicht auf 500.000 processing-Vertrag<lb/>
erhöhen kann, die British Petrol hat ihnen in Coburg, Deutschland,<lb/>
720.000 zur Verfügung gestellt, dafür könnte auch die TAL als<lb/>
Pipeline herangezogen werden, und <rs type="person" ref="#per__97671"><sic>Kräutler</sic></rs> meint sogar, dass<lb/>
man in Pressburg 500.000 verarbeiten lassen könnte. Die Ölversorgung<lb/>
müsste demnach gesichert sein. Ich mache die ÖMV darauf aufmerksam<lb/>
dass wenn tataschlich diese Importmengen hreinenkommen<lb/>
und nicht zusätzliche Lager geschaffen werden, im Sommer mit dem<lb/>
Heizöl, schwer-Absatz es grosse Schwierigkeiten geben wird.<lb/>
Dabei habe ich noch gar nich einkalkuliert, dass durch die<lb/>
Rohölpreiserhöhung und damit den <choice><choice><sic>Fertigprodukten-Preissteigerung</sic><corr>Fertigprodukte-Preissteigerung</corr></choice></choice><lb/>
soweit irgendwie mögliczh die Industrie aber uach er der Haushalt<lb/>
sich vom Öl wieder abwenden wird. <rs type="person" ref="#per__97671"><sic>Kräutler</sic></rs> gibt zum ersten Mal<lb/>
zu, dass ihm auch diese Überlegungen Sorge bereiten und er er<lb break="no"/>wartet nun, dass entsprechende Importsperren von Heizöl, schwer,<lb/>
aus der BRD oder auch aus Italien und der Schweiz verfügt werden,<lb/>
damit er sein Heizöl, schwer, verkaufen kann. Eine verrückte Situa<lb break="no"/>tion. Derzeit schaut es aus und die Öffentlichkeit glaubt daran,<lb/>
wie wenn Österreich an einer Ölkrise zugrundegehen würde, jeder<lb/>
erklrt, man müsste Sparen, sparen, sparen, die Bevölkerung erwar<lb break="no"/>tet drastische Massnahmen und die Ziffernmässige Situation, aj<lb/>
aber auch die Entwicklung bis Ende Jänner zeigt klar und deutlich,<lb/>
dass wir genug Produkte zur Verfügung haben, ja schön langsam soga<lb/>
für den Sommer Benzinmengen ansparen können. <rs type="person" ref="#per__97671"><sic>Kräutler</sic></rs> gibt zu,<lb/>
dass ihm die 5 % Ansparrate vollkommen genügt.</p><pb n="18-1491" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-12-28_1491.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-28_06">Bezüglich des sowj. Erdgases erklärt mir <rs type="person" ref="#per__97429">Feichtiger</rs>, dass die<lb/>
500 Mill. zusätzlich zu den 1,5 Mia fix sind und 200 Mill. gegebenen<lb break="no"/>falls, wenn es die inländische Produktion, der SU ermöglicht,<lb/>
ebenfalls noch geliefert werden. Der Preis wird allerdings doppelt so<lb/>
hoch sein als der derzeit verrechnete von 14,10 $. Damit kommen wir<lb/>
mit den neuen Gaspreisen der SU annähernd an die algerischen heran,<lb/>
wenn die Preise Algerien 1980 noch halten, was ich allerding auch seh<lb/>
bezweifle. <rs type="person" ref="#per__97429">Feichtinger</rs> ist totunglücklich, weil er vom Vizeminister<lb break="no"/>präsidenten <rs type="person" ref="#per__140274"><sic>MItrega</sic></rs> von Polen bie einem Essen erfahren hat, dass<lb/>
der Kanzler diesem betreits mitteilte, dass wir 700 Mill. m3 aus der<lb/>
SU bekommen, Polen verlangnt seit Jahren eine höhere Lieferung und<lb/>
hat diese nicht erhalten. <rs type="person" ref="#per__97429">Feichtinger</rs> erwartet von mir, dass ich<lb/>
vllkommene Nachrichtensperre verfüge, was natürlich nur vollkommen<lb/>
unmöglich ist. Bis jetzt hat er immer das Handelsministerium<lb/>
direkt oder indirekt verdächtigt, dass von dort die Informationen hin<lb break="no"/>ausgehen. Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97496">Gruber</rs> von der NEWAG und NIOGAS hat mich ausdrück<lb break="no"/>lich wieder gefragt, was mit den sowj. zusätzlichen Gaslieferungen<lb/>
ist und ich habe ihm neuerdings erklärt, dass er darüber anfangs Jän<lb break="no"/>ner von der ÖMV aufgeklärt wird, die mit den einzelnen Gasgesellschaf<lb break="no"/>ten Besprechungen über die Aufteilung von zusätzlichen Mengen führen<lb/>
wird. Die ÖMV möhcte und ich bin auch dafür, für Linz 200 Mill.<lb/>
m3 bereitstellen, weil die chemische Industrie nicht mit dem not<lb break="no"/>wendigen Benzinmengen rechnen kann.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-28_07">Die Besprechungen mit dem Schah beim Herrn Bundespräsidenten und<lb/>
am nächsten Tag im Imperial waren für mich sehr interessant. Trotz<lb break="no"/>dem Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> der ÖMV versichert hatte, soll er erst mit den<lb/>
Iranern einen gemeinsame Arbeitsgruppe durchrechnen, ob sich eine<lb/>
Raffinerie in Österreich auf gemeinsamer Basis erstellen lassen<lb/>
könnte, hat <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> dann mit <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs> gemeinsam beim Kaffee beim<lb/>
Bundespräsidenten dieses Problem sofort zur Sprache gebracht. Der<lb/>
Schah allerdings meinte, dass vorerst die Priorität von Investitionen<lb/>
in Iran den Vorrang haben. Er selbst errichtet dort jetzt mehrere<lb/>
Raffinerien, 500.000 barell pro Tag, das sind über 10 Mill. t Jahres<lb break="no"/>kapazität, mit den Amerikanern eine, mit den Japanern eine, eine mit<lb/>
den Deutschen, und hätte INteresse, dass Österreich sich an den<lb/>
petrochemischen weiterverarbeitenden Produkten beteiligt. Ich bin<lb/>
neben dem Leibarzt des Schah zum Sitzen gkeommen und hatte von ihm<lb/>
erfahren, dass der Aussenhandelsminister mit dem ich 1970 einen<lb/>
Vertrag unterzeichnete, <rs type="person" ref="#per__97313">Ansari</rs> heute noch im Amt sit und wie sich<lb/>
<pb n="18-1492" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-12-28_1492.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>der Schah auch dann ausdrückte, sein Geschäft sehr gut macht. Aller<lb break="no"/>dings war eine interessante Bemerkung, dass als es darum ging, die<lb/>
Termine abzustimmen, er meinte, es müsste ja nicht immer ein Minister<lb/>
dabei sein, entscheiden sie ja nur, dass eine österr. Delegation unter<lb/>
meiner Führung so schnell wie möglich nach Teheran kommt und dort<lb/>
mit seinen Fachleuten die entsprechenden Projekte auszuarbeiten.<lb/>
Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> hat in einem recht, dass es ganz sinnlos ist,<lb/>
in grossen Kommissionen zu verhandeln, denn in Teheran etnscheidet<lb/>
letzten Endes nur derjenige, der Zutritt zum Schah hat und von ihm<lb/>
letzten Endes die Genehmigung für ein Projekt bekommt. <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> hat<lb/>
mit den Rheinstahl ungefähr 400 Mill. DM im Iran Geschäfte abgeschlos<lb break="no"/>sen und das Arsenal und insbesondere die Kupferproduktion aber auch<lb/>
eine Kunststoffrohrproduktion aufgezogen. <rs type="person" ref="#per__1137477">Aljadi</rs>, der Leibarzt, hätte<lb/>
ihn an den Sohn des ehemaligen Geheimdienstchefs <add>[Generals? Anm.]</add> <rs type="person" ref="#per__146058">Ariana</rs> <add>Falschidentifikation? Anm.</add><lb/>
verwiesen, der letzten Endes dann das Geschäft abschließen konnte.<lb/>
Allerdings waren bei einem 80 Mio Projekt 12 Mio Nebenabgaben, die<lb/>
Teheran aber letzten Endes natürlich im Preis bezahlen mußten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-28_08">Da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit dem Schah 1 Stunde unter vier Augen über alle welt<lb break="no"/>politischen Probleme diskutierte, hatten <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs>, <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs><lb/>
<rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> und ich sowie <rs type="person" ref="#per__115595">Reiter</rs> Gelegenheit über die möglichen Geschäfte<lb/>
zu reden. Dabei konnte ich feststellen, daß <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wesentlich<lb/>
bessere Unterlagen von den einzelnen Firmen besitzt als wir im<lb/>
Handelsministerium. <rs type="person" ref="#per__115595"><choice><choice><sic>Reiterer</sic><corr>Reiter</corr></choice></choice></rs> hat sie mir zum lesen gegeben und<lb/>
ich konnte sie daher mit unserer Information vergleichen. Selbst<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> und <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> waren besser mit Detailinformationen versehen.<lb/>
Da ich aber geschickt lavieren konnte, hatten sie den Eindruck,<lb/>
daß ich dies alles bereits weiß und <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> meinte, sie sind natür<lb break="no"/>lich wesentlich mehr informiert als ich. Hat der eine Ahnung.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-28_09">Interessant war vor allem, daß die ÖMV <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mitteilte, daß sie<lb/>
sich an der Sekundärfördenung und insbesondere an Tiefbohrungen<lb/>
sowie an Pipelinebau interessiert zeigen. Sollte es zu einer<lb/>
iranisch-österreichischen Raffinerie kommen, könnten sie, da mit<lb/>
Sicherheit anzunehmen ist, daß auch eine Fabriksorganisation von<lb/>
den Iranern verlangt wird, sich vorstellen, daß man die sechs<lb/>
Aktien 26 % von Elan, die derzeit mit 130 auf der Börse gehandelt<lb/>
werden aufkauft und der iranischen Gesellschaft, die sich jemand<lb/>
<pb n="18-1493" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-12-28_1493.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>österreichischen Raffinerie beteiligt, zur Verfügung stellt.<lb/>
Kein Wort von diesem Projekt hat mir die ÖMV mitgeteilt, sondern<lb/>
nur erwartet, daß ich gegen die Raffinerie Stellungnehme, weil<lb/>
sie jetzt ihre in Schwechat entsprechend ausbauen will. <rs type="person" ref="#per__115595">Reiter</rs><lb/>
wird mir von diesem Papier eine Fotokopie machen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-28_10">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs><lb/>
Bitte urgiere diese Unterlage.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-28_11">Der Schah zu seinem Botschafter eine zdiemlich detailierte<lb/>
Liste über die österr. Möglichkeiten geghabt und festgestelt,<lb/>
daß es sehr wohl Möglichkeiten gibt in Iran <choice><choice><sic>Jointwenscher</sic><corr>Joint venture</corr></choice></choice><lb/>
gegebenenfalls auch in Österreich auf dem petrochemischen<lb/>
Sektor zu machen. Nach Auffassung vom Schah sollten unverzüglich<lb/>
die Experten der Ölcompanie nach Teheran kommen, um<lb/>
nicht über eine Raffinerie zu sprechen, aber über die Produkt<lb break="no"/>verarbeitung. Insbesondere möchte er dann aber auch über Spezial<lb break="no"/>stähle und über Maschinen, Schmiedemaschinen usw. konkrete<lb/>
Verhandlungen führen. Ihm schwebt weniger ein Kauf vor, als ent<lb break="no"/>sprechende Kooperationen. G <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst ging sofort auf<lb/>
diese Wünsche ein und meinte, es müßte eine kleine Kommission<lb/>
von 5 – 6 Leuten unter meiner Führung unverzüglich nach Teheran<lb/>
fliegen, um dort auf höchsten laval entsprechende konkrete Ko<lb break="no"/>operationen abschließen. Er selbst hätte seinerzeit auch fest<lb break="no"/>gestellt, daß innerhalb 8 Tage solche Wirtschaftsverträge abge<lb break="no"/>schloßen werden konnte. <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> meinte mit Recht, daß dies bei<lb/>
Handelsverträgen vielleicht möglich sei, bei Kooperationen<lb/>
aber längere Zeit benötigt. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> warf ein, daß die Handels<lb break="no"/>kammer Sachausstellungen jährlich in Teheran macht und daß damit<lb/>
eigentlich eine gute Verbindung existiert. Dies befriedigte na<lb break="no"/>türlich weder den Schah noch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und letztenendes kam dann<lb/>
tatsächlich der Beschluß zustande, daß wir auf höchster Ebene<lb/>
eine kleine Delegation so bald als möglich nach Teheran fahren.<lb/>
Ich selbst d habe darauf hingewiesen, daß wir 1974 bereitsdie<lb/>
gemischte Kommission diesmal in Teheran machen müßten, daß wir<lb/>
aber aus zeitgründen auf 1974 verschieben mußten. Da diese 5 – 6<lb/>
Leute, es wird sicherlich <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> und <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> dieser Delegation<lb/>
angehören, solche Geschäfte alein gar nicht abschließen können,<lb/>
<pb n="18-1494" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-12-28_1494.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>werden die Experten mitfahren, allerdings dann im Hotelzimmer,<lb/>
wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sich ausdrückte warten oder mit Partnern die ent<lb break="no"/>sprechenden Detailbesprechungen führen, damit man dort alles<lb/>
gleich abschließen kann. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> verwies dann darauf, daß wir<lb/>
eine zweite Raffinerie im Raume Linz, wo wir unsere Petrochemie<lb/>
Sitz machen sollten und daß diese mit 4 Mio t nur für die petro<lb break="no"/>chemische Grundstofferzeugung vorgesehen ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-28_12">In einer Nachbesprechung der Österreicher meinte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, als<lb/>
erstes müßte man jetzt soforot die Raffinerie in Linz in Angriff<lb/>
nehmen. Die ÖMV soll eingeschaltet werden, aber man will sich<lb/>
nicht allein auf die Information und Politik der ÖMV verlassen.<lb/>
2. Sollen die Kooperationen ausgebaut werden oder neue geschaffen,<lb/>
eine solche Kooperation hat die Firma Zumtobel, Böhler strebt eine<lb/>
an, <choice><choice><sic>Elder</sic><corr>?</corr></choice></choice>, Elin und GFM verhandeln oder wollen verhandeln.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-28_13">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs><lb/>
Wozu wir ein Kooperationsreferat haben, wenn dort überhaupt nichts<lb/>
über Iran weiß, ist mir schleierhaft.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-28_14">3. Soll unverzüglich die gemischte Kommission in Teheran zusammen<lb break="no"/>treffen, aber wie gesagt schon auf höchster Ebene, um zu ergründen,<lb/>
ob die Petrochemie an die drei im Bau befindlichen Raffinerien<lb/>
und der schon bestehenden sich mit einer Kooperation anschließen<lb/>
könnte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-28_15">Beim Essen kam ich durch Zufall neben <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> zu sitzen. Er bemerkte<lb/>
glih einleitend so nebenbei, daß der Kurier jetzt geschrieben hat,<lb/>
ich sei in Ungnade gefallen. Meine erste Reaktion war, daß ich er<lb break="no"/>klärte, dies interessiert mich weniger, als welche Politik<lb/>
hi ter dieser Meldung steht. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erklärte, daß der Kurier<lb/>
sich jetzt von der Behauptung, daß er ein schwarzes Blatt sei, be<lb break="no"/>freiein müaßte. Das Flugblatt, welches die Steirer erklärt haben<lb/>
sie teilen es nicht aus, wo die Partei einige unabhängige Zeitungen<lb/>
attackiert haben,in dem sie die Besitzverhältnisse und deren<lb/>
Politik aufziegte, hätte jetzt die gute Wirkung, daß sich der<lb/>
Kurier von diesem schwarzen Image lösen müsse. Man hätte von ihm<lb/>
erwartet, daß er sich von dem Flugblatt distanziert, was er aber<lb/>
<pb n="18-1495" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-12-28_1495.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>nicht wollte. In Wirklichkeit glaube ich, hat er dieses Flug<lb break="no"/>blatt zumindestens bei <rs type="person" ref="#per__97727">Marsch</rs> indiziert, wenn nicht sogar im Detail<lb/>
gesehen und war nur sehr erstaunt, als die Landesparteien es abge<lb break="no"/>lehnt haben, dieses Flugblatt zu verteilen. Allerdings hat dies<lb/>
auch nur eine negative Wirkung gehabt, denn die Betriebsräte<lb/>
die Mitarbeiter und insbesondere die mittleren Funktionäre in<lb/>
der Steiermark aber auch in Tirol waren umso mehr interesiert<lb/>
den Inhalt dieses Flugblattes zu erfahren. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist nun der<lb/>
Meinung, daß die Gruppe <rs type="person" ref="#per__140108">Csoklich</rs>–<rs type="person" ref="#per__136437">Vorhofer</rs> und einige andere des<lb break="no"/>halb bestrebt sind ihre Politik zu ändern und das Image insbe<lb break="no"/>sondere des Kuriers zu verbessern. Die Auflage soll ja wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
vermutet, nicht zuletzt durch die Aufdeckung des Flugblattes<lb/>
sehr zurückgegangen sein.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-28_16">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs><lb/>
Versuche bitte die effektiven Auflagezahlen zu erfahren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-28_17">Gleichzeitig bemerkte Kreisky, daß auf demselben Platz die Ge<lb break="no"/>werkschaften <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> und <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> groß herausgestrichen werden,<lb/>
um, wie er glaubt, der Bevölkerung eine gewisse Angst vor der<lb/>
Mächtigkeit der Gewerkschaft zu machen. Nicht das Problem der<lb/>
Nebenregierung sondern das Problem starker Gewerkschaftsbund<lb/>
soll damit aufgegriffen und angegriffen werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-28_18">Ich setzte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> neuerdings meine Energiepolitik auseinander.<lb/>
Ich erwarte, daß im Jänner noch der Andrang der Mineralölgesell<lb break="no"/>schaften auf Erhöhung des Benzinpreises und aller anderen Erdöl<lb break="no"/>produkte kommt und ich werde im Kurzverfahren, sowie das letzte<lb/>
Mal so schnell als Möglich die Preiserhöhung durchziehen. Bezüg<lb break="no"/>lich der Elektrizitätspreise habe ich mit dem Gewerkschaftsbund<lb/>
bereits Besprechungen geführt und auch hier müßte schon allein<lb/>
um die Finanzierung der Kraftwerksbauten zu erreichen, eine<lb/>
schnelle Entscheidung getroffen werden. Am Montag werde ich<lb/>
ihm und den anderen Regierungsmitglieder die Leitlinien für die<lb/>
Energiepolitik geben. Am 8. Jänner den Lastverteilerbeirat er<lb break="no"/>suchen, daß die Regierung den Notstand ausruft, damit kann ich dann<lb/>
wenn der Regierungsbeschluß vorliegt, die entsprechenden Anordnungen<lb/>
treffen, daß Sparmaßnahmen z. B. Reklame, Schaufensterbeleuchtung<lb/>
<pb n="18-1496" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-12-28_1496.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>getroffen werden können. Durch den autofreien Tag werde ich<lb/>
zwar nicht 17 % wie das Statistische Zentralamt errechnet ein<lb break="no"/>sparen, aber doch im Zusammenhang mit 100 km Geschwindigkeits<lb break="no"/>begrenzung und vorallem mit der normalen ausreichenden Versorgung<lb/>
werde ich von einer Rationierung Abstand nehmen können. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
selbst erklärte mir, daß in den Interview gegenüber dem Fern<lb break="no"/>sehen und den Reportern in den Zeitungen ebenfalls darauf hinge<lb break="no"/>wiesen hat, dß die Rationierung nur vorbereitet werden soll, aber<lb/>
derzeit nicht beabsichtigt ist. Er selbst meint, daß die Bevölkerung<lb/>
Maßnahmen erwartete, daß man sich nicht in eine Krisenstimmung<lb/>
hetzen lassen soll, aber andererseits auch nicht allzu sorglos<lb/>
die Situation betrachten sollte. Ich erinnerte ihn neuerdings,<lb/>
daß ich bereits bei der Regierungssitzung in der Partei im GÖC-<lb/>
Keller entsprechende Vorschläge gemacht habe, die damals aber<lb/>
alle abgelehnt wurden. Wenn die damaligen Maßnahmen, die wir auch<lb/>
jetzt treffen wollen, größtenteils nur optischen Charakter haben,<lb/>
wird dadurch keine wesentliche Ersparnis eintreten, so hätte da<lb break="no"/>mals aber die Bevölkerung gesehen, daß wir sehr systematisch und<lb/>
mit den anderen Ländern konform Maßnahmen gesetzt hätten. Da dies<lb/>
damals nicht der Fall war erscheint es, als ob wir nicht zielbe<lb break="no"/>wußt vorgehen, obwohl ich etappenmäßig je lnach dem mir das Par<lb break="no"/>lament die entsprechende Ermächtigung gegeben hat, die notwendigen<lb/>
Schritte auch gesetzt habe. Ich erklärte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auch rundweg,<lb/>
daß sich in Wirklichkeit so lange schwiegen oder mehr oder minder<lb/>
vorsichtig lavieren muß, bis die kritische Zeit vorüber sein wird.<lb/>
Erst dann wird die Bevölkerung anerkennen, daß wir ohne daß wir<lb/>
große Opfer von ihnen verlangt haben, die schwierige Zeit umschifft<lb/>
haben. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte auch für 1974 sei das Jahr der Entscheidung,<lb/>
denn jetzt müße sich zeigen ob ddie Bevölkerung bereit ist auch dann<lb/>
wenn wir nicht wie in den Vergangenen Jahre, immerwieder<lb/>
neue Geschenke und Erleichterungen gebracht haben, ihr Vertrauen<lb/>
besiztne. Ich erwiderte, daß das entscheidenste sei und dies mein<lb/>
Kredo das ich seit eh und je verfolge, die Produktion und damit<lb/>
das Wachstum entsprechend Aufrecht zu erhalten. Die Stabilität sei<lb/>
eine wichtige Sache, aber nicht zu erreichen und auch wenn wir<lb/>
jetzt scheinbar unser ganzew Augenmerk auf diese Frage gehängt haben<lb/>
kommt es primär darauf an, die Wirtschaftsexpansion aufrecht zu er<lb break="no"/><pb n="18-1497" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-12-28_1497.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>erhalten. Ich bin zwar kein Wachstumsfetischist, aber für<lb/>
mich ist es ganz klar, daß wenn einmal diese Wachstumszuwächse<lb/>
nicht mehr zu verzeichnen wären, dann wir in ungeheure Schwierig<lb break="no"/>keiten kommen müßen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-28_19">Botschafter <rs type="person" ref="#per__137933">Marquet</rs> wollte von mir neuerdings wissen, ob wir</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-28_20">uns den amerik. Vorschlag bei den OPEC-Staaten zu protestieren<lb/>
über die Preiserhöhung anschliße . <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> und auch ich waren<lb/>
der Meinung, daß wir gar keinen Grund dazu haben, abgesehen davon,<lb/>
daß es überhaupt nichts nützt. Die internat. Ölgesellschaften<lb/>
werden über die Preisforderungen jetzt mit den OPEC-Ländern ver<lb break="no"/>handeln, die als österr. Regierung oder ich als Handelsminister<lb/>
waren dazu niemals eingeladen oder eingeschaltet werden und ich<lb/>
sehe daher auch gar keinen Grund, mich jetzt durch besondere Pro<lb break="no"/>teste einzumischen, ohne daß ich eigentlich bisher etwas damit<lb/>
zu tun hatte. <rs type="person" ref="#per__137933">Marquet</rs> bemerkte bei dieser Gelegenheit, daß die<lb/>
Bevölkerung die Bewirtschaftung des Benzins nicht zuletzt deshalb<lb/>
will, weil sie er3wartet, daß es wesentlich schlechter wird und<lb/>
dann keine Treibstoffe mehr zur Verfügung stehen. <rs type="person" ref="#per__137933">Marquet</rs> hat<lb/>
während der Kriegszeit in der Bewirtschaftung gearbeitet<lb/>
und versicherte mir, er kennt alle die Schwierigkeiten und teilt<lb/>
meine Meinung vollkommen. <rs type="person" ref="#per__137933">Marquet</rs> war scheinbar bei der letzten<lb/>
großen Energiewirtschaftlichen Arbeitsessen mit dabei und hat<lb/>
dort eine Ausführung zu den Bemerkungen <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> gehört und will<lb/>
jetzt neuerdings versichern, daß er die Meinung teilt. Allerdings<lb/>
sagte er und dies ist sicherlich richtig, daß die Bevölkerung ge<lb break="no"/>fühlsmäßig eben urteilt und nur um die <choice><choice><sic>Dosrge,</sic><corr>Sorge?</corr></choice></choice> daß dann gar kein<lb/>
Benzin mehr zur Verfügung steht, jetzt eine Rationierung erwartet.</p></div>
      <div type="back"><pb n="18_1487_01" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-12-28_1487-01.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>Tagesprogramm, 28.12.1973</head>
            <gap reason="sampling"/>
         </div>
         <pb n="18_1487_02" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-12-28_1487-02.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>Tagesprogramm, 5.12.1973 (2. Version)</head>
            <gap reason="sampling"/>
         </div>
         <pb n="18_1487_03" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-12-28_1487-03.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm 2. Vers. Rückseite)</head>
            <gap reason="sampling"/>
         </div>
      </div></body>
      <back><listPerson><person xml:id="per__97893">
               <persName type="label">Sallinger, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Sallinger</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Handelskammer-Präsident</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97671">
               <persName type="label">Kreutler, Horst</persName>
               <persName><surname>Kreutler</surname><forename>Horst</forename></persName>
               <occupation>ÖMV, Dir. Fa. Semperit</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97496">
               <persName type="label">Gruber, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Gruber</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>GD NEWAG</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97581">
               <persName type="label">Igler, Hans</persName>
               <persName><surname>Igler</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation>IV, GD Wr. Schwachstromwerke (WSW)</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97632">
               <persName type="label">Kirchschläger, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Kirchschläger</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Außenminister, Bundespräsident</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118723189</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__107936">
               <persName type="label">Elsinger, Josef</persName>
               <persName><surname>Elsinger</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97311">
               <persName type="label">Androsch, Hannes</persName>
               <persName><surname>Androsch</surname><forename>Hannes</forename></persName>
               <occupation>Finanzminister</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118503049</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97313">
               <persName type="label">Ansari, Huschang</persName>
               <persName><surname>Ansari</surname><forename>Huschang</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__97525">
               <persName type="label">Häuser, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Häuser</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Vizekanzler, Sozialminister</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__98053">
               <persName type="label">Wanke, Otto</persName>
               <persName><surname>Wanke</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>SChef HM</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/12195126X</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__110923">
               <persName type="label">Lanc, Erwin</persName>
               <persName><surname>Lanc</surname><forename>Erwin</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__113025">
               <persName type="label">Horwath, Eugen</persName>
               <persName><surname>Horwath</surname><forename>Eugen</forename></persName>
               <occupation>BEWAG</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97346">
               <persName type="label">Benya, Anton</persName>
               <persName><surname>Benya</surname><forename>Anton</forename></persName>
               <occupation>ÖGB-Präs., NR-Präs.</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/119083906</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__112946">
               <persName type="label">Schleifer, Kurt</persName>
               <persName><surname>Schleifer</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__98040">
               <persName type="label">Wais, Anton</persName>
               <persName><surname>Wais</surname><forename>Anton</forename></persName>
               <occupation/>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/1017902909</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97468">
               <persName type="label">Gatscha, Otto</persName>
               <persName><surname>Gatscha</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__97727">
               <persName type="label">Marsch, Fritz</persName>
               <persName><surname>Marsch</surname><forename>Fritz</forename></persName>
               <occupation>SPÖ-Zentralsekr.</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__136437">
               <persName type="label">Vorhofer, Kurt</persName>
               <persName><surname>Vorhofer</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>Journalist</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__115595">
               <persName type="label">Reiter, Alfred</persName>
               <persName><surname>Reiter</surname><forename>Alfred</forename></persName>
               <occupation>Kabinettschef Kreisky [ident mit Reiter, C; 3.11.1971 Fredi Reiter
                  genannt]]</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97429">
               <persName type="label">Feichtinger, Friedrich</persName>
               <persName><surname>Feichtinger</surname><forename>Friedrich</forename></persName>
               <occupation>ÖMV</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/132912112</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97470">
               <persName type="label">Geist, Franz</persName>
               <persName><surname>Geist</surname><forename>Franz</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__97493">
               <persName type="label">Gröger, Adolf</persName>
               <persName><surname>Gröger</surname><forename>Adolf</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__98055">
               <persName type="label">Weihs, Oskar</persName>
               <persName><surname>Weihs</surname><forename>Oskar</forename></persName>
               <occupation>Landwirtschaftsminister bis 1976</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/130620351</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__137933">
               <persName type="label">Marquet, Alois</persName>
               <persName><surname>Marquet</surname><forename>Alois</forename></persName>
               <occupation>Botschafter, Onkel v. Louis Marquet; evtl.
                  Falschidentifikation</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97543">
               <persName type="label">Heindl, Kurt</persName>
               <persName><surname>Heindl</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/102318379X</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97668">
               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118566512</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97644">
               <persName type="label">Koller, Herbert</persName>
               <persName><surname>Koller</surname><forename>Herbert</forename></persName>
               <occupation>GD VÖEST</occupation>
               </person>
            </listPerson></back></text>
</TEI>