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            <title type="main">Freitag, der 14. Dezember 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-14_01">Freitag, 14. Dezember 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-14_02">Der ORF brachte eine Agenturmeldung und ich hörte sie schon in<lb/>
den Frühnachrichten, wonach ich erklrt haben sollte, zwei Jahre sei die<lb/>
Ölversorgung Österreichs gesichert, weil Libyen ud Irak das<lb/>
benötigte Rohöl liefert. Wie sich dann im Laufe des Vormittags her<lb break="no"/>ausstellt, hatte ich vor längerer Zeit in Interview mit einer ägypti<lb break="no"/>schen Journalistin, die jetzt einen Artikel geschrieben hat. Diesen<lb/>
Artikel habe ich nicht gesehen, ja nicht einmal die Agenturmeldung<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__137213">Gatnar</rs> vom ORF kam und wollte unbedingt ein Interview, was ich<lb/>
zu diesen Interview, resp. der Agenturmeldung sage. Zuerst wollte ich<lb/>
überhaupt nicht Stellung nehmen und <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> versuchte auch diesen STand<lb break="no"/>punkt <rs type="person" ref="#per__137213">Gatnar</rs> klarzumachen, da ihc in einer Sitzung des Vorsitz<lb/>
führte. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> aber, der zufällig auch anwesend war, meinte und <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs><lb/>
drängte auch darauf, dass ich unbedingt Stellung nehmen müsste, weil<lb/>
<rs type="person" ref="#per__146317">Gatterer</rs> bereits angekündigt hat, er wird im Mittagsjournal unter allen<lb/>
Umständen die ANgelegenheit zur Sprache bringen. Mit anderen Worten,<lb/>
der ORF hat eine Agenturmeldung hochgespielt, ohne mir Gelegenheit<lb/>
zu geben, auch nur den Text zu kennen. Was mich dabei am meisten er<lb break="no"/>schüttert war, dass <rs type="person" ref="#per__137213">Gatnar</rs> zugab, dass der Nachrichtenredakteur, weil<lb/>
die Meldung ja nur offensichtlich falsch sein konnte, ohne zu prüfen,<lb/>
übernimmt. Dies erinnert mich an die Mitteilung vor etlichen Wochen,<lb/>
wo die Redaktion mich angerufen hat und erklärte, er liege eine dezi<lb break="no"/>dierte Meldung vor, wonach ich die Bewirtschaftung sofort einführen<lb/>
werde. Nur auf mein Drängen gestand der Redakteur dann, dass es sich<lb/>
um einen anonymen Anruf gehandelt hatte, allerdings wie er behauptete<lb/>
aus der Ölbranche, der es wisssen muss und wo er schon einige Male<lb/>
ganz verlässliche Informationen bekommen hat, die dann auch zugetroffen<lb/>
sind. ALs ich <rs type="person" ref="#per__137213">Gatnar</rs> vorhielt, dass er doch wissen muss, dass wir<lb/>
aus einem fast Dutzend Ländern Öl beziehen und somit eine Meldung,<lb/>
wonach wie nur von zwei Ländern Libyen und Irak in HInkunft unser<lb/>
Öl beziehen werden und dies unsere Versorgung auf zwei Jahre sichern<lb/>
soll, gab er unumwunden zu, dass wenn er die Nachricht bekommen häte<lb/>
ihm dies natürlich aufgefallen sei. Er muss aber jetzt die Frage stel<lb break="no"/>len, scheinbar hat er einen bindenden Auftrag. Abends kam <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und<lb/>
beschwerte sich, dass in der Samstag Morgenzeitung Kurier der bereits<lb/>
um 22 Uhr erscheint, steht, dass die Benzinversorgung im Jänner ge<lb break="no"/>sichert ist und er meinte, dass ich wenn dies auch der Fall sei, nicht<lb/>
sofrt in die Zeitung gehen müsse. Als ich dann später den Kurier<lb/>
<pb n="18-1443" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-12-14_1443.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>in die Hand bekam, musste ich feststellen, dass dort nur, schein<lb break="no"/>bar wieder aus dem Zusammenhang gerissen, keine Spur einer für zwei<lb/>
Jahre gesicherten Rohölversorgung sondern die Rohölversorgung ist für<lb/>
Jänner gesichert. Erklärlich wurde mir diese Bemerkugn <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> erst,<lb/>
als ich in der Kronenzeitung von <rs type="person" ref="#per__116965">Gnam</rs> las, dass er ein Interview<lb/>
ihm exklusiv gegeben hat, wonach wenn die autolosen Tage nicht<lb/>
genug Treibstoff einsparen Benzin rationiert wird. Die ganze uner<lb break="no"/>freuliche Diskussion charakterisiert am besten eine Bemerkung<lb/>
meiner Beamten: In der demonstrativen Aufzählung für Ausnahmegeneh<lb break="no"/>migungen der Autofreien Tage wurde auch die FRage aufgeworfen, ob<lb/>
die Journalisten sowie die Seelsorger, Tierärzte und Arbeiter, die<lb/>
keiune andere Möglichkeit haben, zur Arbeitsstätte zu kommen, eben<lb break="no"/>falls als Spezies aufgezählt werden sollten. <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> war strikte da<lb/>
gegen, da <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> und auch <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs>, letztererer ganz dezidiert und über<lb break="no"/>legt meinte, dass man diese unbedingt befreien müsse. Seine Aussage,<lb/>
wenn Journalisten eine Massnahme ablehnen, dann ist sie nicht durchzu<lb/>
führen. Wenn Journalisten einen Minister abschiessen wollen, dann<lb/>
ist er erledigt. ICh weiss nicht, ob <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> dies auf unsere Aktion<lb/>
und Situation in der Ölversorgung allein bezogen hat und wollte,<lb/>
ich weiss nur, dass es noch ergänzt gehört, zumindestens im Tage<lb break="no"/>buch. Kein Journalist, ob Zeitung oder ORF, könnte diese Macht<lb/>
haben, die <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> richtig erkannte, wenn nicht gleichzeitig immer<lb/>
wieder Informanten, diese Macht benützen oder benützen wollen,<lb/>
manche spielen dies geschickt, manche plump, um eben mit diesem<lb/>
Instrument Politik zu machen. Ich selbst lehne diese Methode ab.<lb/>
Ich hasse Einzelinterviews, Presseinformationen sollen mehreren<lb/>
um nicht zu sagen, allen zugänglich sein. Und ich stehe vor allem<lb/>
auf dem Standpunkt,d ass man sich immernur auf die eigenen<lb/>
Fragen beziehen sollte. Auch hier müsste die Kompetenzeinteilung<lb/>
genauestens eingehalten werden. Wahrscheinlich, ein Wunschtraum,<lb/>
den manche eben nie akzeptieren werden und würden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-14_03">Von den Internationalen kamen für Mobil <rs type="person" ref="#per__137936">Russbach</rs>, für Shell <rs type="person" ref="#per__97739">Mieling</rs>,<lb/>
die BP <rs type="person" ref="#per__97556"><sic>Hiernigl</sic></rs> und den Esso-Vertreter, dessen Namen ich nicht kenne<lb/>
um sich über die Entwicklung auf dem Energiesektor und ganz besonders<lb/>
die Zusammenarbeit mit der ÖMV zu beschweren. Sie selbst setzen alles<lb/>
in Bewegung, um ihre Verpflichtungen zu erfüllen und die Versorgung<lb/>
in Österreich sicherzustellen. Soweit sie von Italien die Produkte<lb/>
nicht mehr heraufbekommen, haben sie Rohölmengen nach Deutschland<lb/>
umgeleitet, dies gilt insbesondere für AGIP, Mobil und BP über<lb/>
<pb n="18-1444" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-12-14_1444.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dei TAL-Pipeline und verarbeiten in der BP-Raffinerie <choice><choice><sic>Koburg</sic><corr>Coburg?</corr></choice></choice>,<lb/>
Kapazität 4 Mill., in der Mobil-Raffinerie Neustadt Kapazität<lb/>
8 Mill. in der Raffinerie Ingolstadt – Shell 4 Mill., um Produkte<lb/>
nach Österreich dann importieren zu können. Nur Esso, die ebenfalls<lb/>
in Ingolstadt eine 4 Mill. Raffinerie besitzt, bekommt noch aus<lb/>
Italien Produkte. Wenn die ÖMV ihre Lieferverpflichtungen einhält,<lb/>
die Internationalen mussten früher für ihre Verarbeitung Processing<lb/>
auch noch Pflichtkäufe von der ÖMV-Anteil der in Schwechat <choice><choice><sic>raffinerier</sic><corr>raffiniert</corr></choice></choice><lb/>
wurde, kaufen, dann ist die Versorgung für Jänner absolut sicher.<lb/>
Die Tanks sind nach Auskunft bummvoll, die Tankstellen für die<lb/>
Weihnachtsfeiertage angefüllt, Benzine und Heizöl, leicht, gibt<lb/>
es in rauhen Mengen. Damit sich keine Versorgung, weil Schwechat<lb/>
nicht genug abfüllen kann und mit Kesselwagen anch dem Westen und<lb/>
nach dem Süden transportieren kann, ergibt, ersuchten sie mich,<lb/>
ich sollte das Sonntagsfahrverbot für Tanker aufheben. Da ich dazu<lb/>
eine gesetzliche Regelung brauche, die ich unmöglich so schnell be<lb break="no"/>kommen kann, empfahl ich ihnen Einzelansuchen an die Landeshauptleu<lb break="no"/>te zu richten, und ich verständigte telegraphisch die Landeshaupt<lb break="no"/>leute, sie mögen im HInblick auf die Versorgungslage diese Ausnahmen<lb/>
für die nächsten drei Samstag-Sonntages genehmigen. Wie weit die<lb/>
Ziffern der Internationalen oder der ÖMV jetzt wirklich stimmen,<lb/>
werde ich erst am Montag feststellen können. Die Internationalen<lb/>
haben die Unterlagen, die ich von ihnen verlangt habe, bis jetzt<lb/>
auch <rs type="person" ref="#per__107936">Elsinger</rs>, der anwesend war, nicht geben können, weil die ÖMV<lb/>
noch nicht erklrt, welche Produkte sie den internationalen zur Ver<lb break="no"/>fügung stellen kann. Die Erfahrung ihrer Schwesterfirmen bezüglich<lb/>
des Sonntagsfahrverbotes und der Geschwindigkeitsbeschränkung sind<lb/>
10 – 15 % Einsparung. Bei uns schätzen sie , dass die Sonntags-Tank<lb break="no"/>stellenschliessung 5 % <choice><choice><sic>Ersparung</sic><corr>Einsparung, Ersparnis</corr></choice></choice> gebracht hat, zuzüglich einer ge<lb break="no"/>wissen <choice><choice><sic>Ersparung</sic><corr>Einsparung, Ersparnis</corr></choice></choice>, weil ja die Witterungsverhältnisse schlecht waren.<lb/>
Mit der Geschwindigkeitsbeschränkung könnteich daherohne weiteres<lb/>
sagen, bis zu 10 % wurde eingespart. Ich haltevon diesen Aussagen<lb/>
aber nicht viel, da sie ziffernmässig nicht zu belegen sind.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-14_04">Die Internationalen wollen auch noch wissen, ob sie zu <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
gehen könnten, was ich sofort bejahte, da ihc überzeugt war, dass<lb/>
er ihnen einen Termin geben wird. Dort wollen sie das Problem<lb/>
der Raffinerieerrichtung in Persien resp. mit Persia in Österreich<lb/>
zur Sprache bringen und ganz besonders die Politik Frankreichs, wie<lb/>
jetzt <rs type="person" ref="#per__147373">Messmer</rs>, d-h-. Direktkauf der Länder ohne Internationale – ange<lb break="no"/>deutet hat. Sie verweisen darauf, dass sie bish jetzt verhältnismässig<lb/>
<pb n="18-1445" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-12-14_1445.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>billig gekauft haben – 3.75 $ fob pers. Golf und 6.- $ fob Mittel<lb break="no"/>meerhafen – und dass die letzten Preise, die aus Versteigerungen bekann<lb/>
sind, Wahnsinnspreise sind. Mit iranischem Öl 16.85 $, pers. Öl<lb/>
17.40 $, dabei handelt es sich jeweils um Mengen von ca. 2 Mill. t<lb/>
gegenüber einem Gesamtbedarf von Westeuropa von 600 Mill unbedeutend !<lb/>
Wenn aber die arabischen Staaten solche Preise erzielen und dann<lb/>
erklären, dies ist der Marktpreis, wozu dann noch 40 %<lb/>
posted prices für <choice><choice><sic>royelties</sic><corr>royalties</corr></choice></choice> Berechnung und Tax dazukommt, so<lb/>
kann man ermessen, welche gigantische Devisenmengen in die rohöl<lb break="no"/>produzierenden Staaten kommen würden. Andererseits ist es natürlich<lb/>
schwer, dass wenn die ÖMV derzeit nur eine Lieferzusage von Libyen<lb/>
hat aber den Preis auch mehr oder minder anheben muss, dami sie<lb/>
die entsprechenden Ölmengen bekommt, damit sich die ÖMV abdeckt hat<lb/>
sie in einem Brief an <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> die 9.60 $ festgehalten. In der<lb/>
Kalkulation und im Preisantrag der letzten Ölpreise für die Benzin<lb break="no"/>preiserhöhung war 5.90 $ angesetzt. Die Internationalen spüren,<lb/>
dass es jetzt hier um einen Existenzkampf für sie geht. Ich selbst<lb/>
habe als Handelsminister und werde diesen Standpunkt nicht verlanssen,<lb/>
mich für alle Firmen einzusetzen. Ausserdem glaube ich, dass es un<lb break="no"/>zweckmässig wäre, in der jetzigen Zeit sich auf ein Bein – eben die<lb/>
ÖMV – zu stellen, wo man dringendst alle beiden Beine braucht,<lb/>
um über die Runden zu kommen.Ausserdem werden wir die Konkurrenz im<lb/>
Hnkunft noch dringendst bruachen. Die Auswüchse dieser Ölkrise<lb/>
werden in kürzester Zeit verrüber sein, dann wird es ganz davon ab<lb break="no"/>hängen, wie man eine geschcikte Ölpolitik machen, die die optimalste<lb/>
Lösung für den Abnehmer darstellt. In der Vergangenheit ist das<lb/>
glaube ich ganz gut geglückt. Dank der Konkurrenz die in Österreich<lb/>
herrschte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-14_05">Die Besprechung mit den Armaturen- und Kesselfirmen, den Installa<lb break="no"/>teuren, Rauchfangkehrern, Planungsbüro Integral und der Konsumenten<lb break="no"/>information über Einstellung der Ventile und Kesseln war glaube ich<lb/>
ein Erfolg. Dr. <rs type="person" ref="#per__146986">Lehrner</rs>, der dies anregte, fürchtete, dass die Innungen<lb/>
bei einer Aktion optimiert und richtig eingestellt nicht mitmachen<lb/>
werden. Ich selbst war überzeugt,, dass sie sich in der jetzigen<lb/>
Phase einer solcehn Aktion nicht entziehen können und es stellte<lb/>
sich auch heraus, dass sie bereit waren, einen Fachkurs, den <rs type="person" ref="#per__149330">Schlauer</rs><lb/>
von der Konsumenteninformation durchführen wird, unterstützen,<lb/>
damit die ausgebildeten Fachleute dann die Plakette "Optimiert und<lb/>
eingestellt" an die Anlagen aufkleben können. Das Handelsministerium<lb/>
<pb n="18-1446" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-12-14_1446.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>wird mit der Konsumenteninformation "Spare Heizöl, ohne zu frieren"<lb/>
Aktion starten. Ein Arbeitskreis wird dies vorbereiten, Bundesinnungs<lb break="no"/>meister der Installateure <rs type="person" ref="#per__149245">Strobel</rs>, Rauchfangkehrervertreter <rs type="person" ref="#per__114708"><sic>REinbacher</sic></rs><lb/>
VKI und Gaswerkvertreter <rs type="person" ref="#per__149330">Schlauer</rs>, Fachverband Maschinen und Stahl<lb/>
<rs type="person" ref="#per__147563">Neumeier</rs> von den Firmen von Dr. <rs type="person" ref="#per__146986">Lehrner</rs> selbst als Fachmann vorge<lb break="no"/>schlagen Ing. <rs type="person" ref="#per__149305">Schatzer</rs>, von Integral Dr. <rs type="person" ref="#per__147026">Markinger</rs> und ein Vertreter<lb/>
des Wifi werden unter Führung von Min.Rat <rs type="person" ref="#per__134935">Herger</rs> die notwendigen Vor<lb break="no"/>arbeiten leisten. Das Bautenministerium wird die Frage der Zweck<lb break="no"/>mässigen Wohnbauten mit besserer Isolation in seinem Wirkungsbereich<lb/>
durchführen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-14_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte einen Brief vorbereiten wonach ich <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs><lb/>
davon verständige.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-14_07">Die planenden Baumeister wollen aus der Bundeskammer heraus und eine<lb/>
eigene Kammer gründen. 35.000 frühere technische Lehranstalten-Absolven<lb break="no"/>ten gibt es, davon sind 500 planende Baumeister. Sie müssen sich gegen<lb/>
die 3.500 Ziviltechniker durchsetzen, die als technische Notare<lb/>
gelten und Muss-Geschäfte haben.Es gibt einige Ziviltechniker, die<lb/>
sogar bei den Planenden Baumeistern beschäftigt sind. <rs type="person" ref="#per__97761">Müller-Hartburg</rs><lb/>
aber legt grössten Wert darauf, mit Hochschulstudium abgeschlossene<lb/>
Ziviltechniker, die Baumeister aber auch die planenden Baumeister,<lb/>
d.h. die Ingenieure kleingeschrieben von der Planung zu verdrängen.<lb/>
Während die Ziviltechniker nur 8m % Mehrwertsteuer zahlen, bezahlen<lb/>
die planenden Baumeister 16 %, ausserdem müssen sie eine Gewerbe<lb break="no"/>steuer entrichten, während die Ziviltechniker als freie Berufe keine<lb/>
zu bezahlen haben. Die Delegation war mit der Auskunft von <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> und<lb/>
meinen Erklärungen, dass wir sie, soweit es irgendwie geht unterstützen<lb/>
allerdings uns nicht einmischen in den Kampf, den sie in der Handels<lb break="no"/>kammer führen, ich habe hier keine wie immer gesrteten Zusagen gemacht,<lb/>
mit dem Ergebnis der Vorsprache waren sie einverstanden. und werden<lb/>
sich, wenn sie irgendetwas bruachen, wieder an das Handelsministerium<lb/>
wenden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-14_08">Der BRO von der Veitscher Magnesit und Bürgermeister von Trieben wollte<lb/>
von mir eine Stellungnahme wegen des Speicherwerkes der STEWEAG in den<lb/>
Hohen Tauern errichten will. Sie meinten, dass das Leben der Triebner<lb/>
Bevölkerung durch diesen Speicher, der 15 oder 20 Kilometer entfernt is<lb/>
gefährdet wird. Ich erklärte rundwegs den beiden Genossen, dass<lb/>
ich auf dieser Basis mit ihnen nicht diskutieren könne. Die Speicher<lb break="no"/>kommission in Österreich hat wesentlich strengere Richtlinien als<lb/>
die französische oder die italienische, <choice><choice><sic>Frejus</sic><corr>Frías?</corr></choice></choice> könne daher nicht als<lb/>
Beispiel herangezogen werden. Wenn man die Gefahren aller Kraftwerke<lb/>
<pb n="18-1447" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-12-14_1447.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Speicherkraftwerke, Kernkraftwerke usw. trotz der vielfältigen<lb/>
Sicherungen immer wieder in die Diskussion wirft, dann können<lb/>
wir mit unserem Energieausbau schluss machen. Sofort haben wir<lb/>
uns aber verstanden, als dann ein vernünftiger TOn angeschlagen wurde<lb/>
und die Frage auftauchte, was die 60 im Bergwerk auf den Hohen<lb/>
Tauern beschäftigten Bergleute, was die 390 in der Flotation in<lb/>
der Sinteraufbereitung in der Schachthütte in Hinkunft für eine<lb/>
Beschäftigung finden würden. Die direkt in Trieben arbeitenden<lb/>
550 Beschäftigten im Steinwerk sind nicht gefährdet, denn dieses<lb/>
ganz modern ausgerüstete Steinwerk hat heute bereits Magnesit aus<lb/>
der Türkei zur Verarbeitung. Da noch nicht feststeht, ob die Steweag<lb/>
allein diesen Speicher baut oder die Verbund sich daran beteiligt,<lb/>
das ganze Projekt aber erst in einigen Jahren spruchreif wird, habe<lb/>
ich die Genossen versichert, ich werde mich nicht nur des Speicher<lb/>
wegen sondern auch wegen der jetzt bei Veitscher Magnesit beschäftig<lb break="no"/>ten Bergarbeiter und Aufbereitungsarbeitern dieses Projekt genau an<lb break="no"/>sehen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-14_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Bitte stelle fest, wie weit die STEWEAG den<lb/>
Speicher allein oder mit Verbund gemeinsam bauen will und wie die<lb/>
derzeitigen Pläne sind.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-14_10">Im Parlament zeigte sich, dass der einzige, der die Geschäftsordnung<lb/>
wirklich beherrscht <rs type="person" ref="#per__97444">Heinz Fischer</rs> ist. Bei einem Entschliessungs<lb break="no"/>antrag im Verteidigungsausschuss, den die ÖVP eingebracht hat, dem<lb/>
übrigens aber dann beide anderen Parteien beigetreten sind, kam es<lb/>
zu einem Abstimmungsdebakel. Die im Verteidigungsausschuss tä<lb break="no"/>tigen Nationalräte haben eine Entschliessung, wo nur der ÖVP-Mann<lb/>
und Genossen genannt wurde durch Aufstehen zugestimmt, während die<lb/>
anderen und insbesondere <rs type="person" ref="#per__115155">Skritek</rs>, der Ordner oder besser gesagt<lb/>
Leithammel, sitzenblieb, Dadurch wollte der Präsident schon verkündige<lb/>
dies ist die Mehrheit, wurde aber durch den sofort aufspringenden<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs>: Herr Präsident, ich bitte fragen zu dürfen, das andere<lb/>
ging schon im Tumult unter. Die Sitzung musste unterbrochen werden.<lb/>
Vom Band konnte festgestellt werden, dass <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> wirklich nicht ge<lb break="no"/>sagt hatte, das ist die Mehrheit, womit er begründete die Abstimmung<lb/>
jetzt wiederholen zu müssen. Das Ganze war ein Streit um des Kaisers<lb/>
Bart, denn alle drei hätten der Entschliessung zugestimmt. So er<lb break="no"/>klärte die ÖVP sie geht hinaus und wollte damit die Wiederholung des<lb/>
Abstimmungsvorganges verhindern. Nach so langen Sitzungsperioden<lb/>
ist das Haus schon ziemlich nervör und daher kommt es zu solchen<lb/>
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nicht zur Verbesserung des Images des Parlamentes bei.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-14_11">Für das Gesetz über die Verbesserung der Versorgung mit Benzin<lb/>
durch autofreie Tage hatte ich angenommen, werde ich in eine<lb/>
harte Diskussion verwickelt werden. Da die ÖVP ja die Gelegenheit<lb/>
hätte nützen müssen, um ihre gewünschte Auskunft über die Versor<lb break="no"/>gungslage zu bekommen. Zum Glück oder leider, ich weiss nicht<lb/>
wie ich es sagen soll, wurde aber dieser vorletzte Tagesordnungs<lb break="no"/>punkt ganz uninteressiert im Haus zur Abstimmung vorgelegt, ein<lb break="no"/>stimmig genehmigt und niemand hat sich zu Wort gemeldet. Mir konnte<lb/>
diese Vorgangswiese nur recht sein.</p></div>
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            <head>Tagesprogramm, 14.12.1973</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName type="label">Gehart, Friedrich</persName>
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               <persName type="label">Mieling, Peter</persName>
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               <occupation>GD Shell</occupation>
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               <persName type="label">Moser, Josef</persName>
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               <persName type="label">Fischer, Heinz</persName>
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               <occupation>SPÖ-Klubsekr./-obmann</occupation>
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               <persName><surname>Koppe</surname><forename>Fritz</forename></persName>
               <occupation>Sekr. JS, ab 1973 GF VKI</occupation>
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               <persName type="label">Herger, Gustav</persName>
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               <occupation>Beamter HM</occupation>
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               <persName><surname>Jagoda</surname><forename>Karl</forename></persName>
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               <persName type="label">Russbach, Georges</persName>
               <persName><surname>Russbach</surname><forename>Georges</forename></persName>
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               <occupation>ÖGB-Präs., NR-Präs.</occupation>
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               <persName><surname>Reinbacher</surname><forename>Peter</forename></persName>
               <occupation>Rauchfangkehrer-Bundesinnungsmeister</occupation>
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               <occupation>MR HM</occupation>
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               <occupation>ORF? [Reporter vom Rundfunk bei PK 1971; im ORF-Almanach 1971 aber so
                  nicht zu finden; im Tagesprogramm 28.5.1971 ebenfalls so geschrieben]</occupation>
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               <occupation>GD BP Österreich</occupation>
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               <occupation>Beamter/Personalvertreter HM</occupation>
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               <occupation>Präs. Bundes-Ingenieurkammer</occupation>
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               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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