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            <title type="main">Donnerstag, der  6. Dezember 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-06_01">Donnerstag, 6. Dezember 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-06_02">Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> verliert ebenfalls seine Flasche Milch. Er<lb/>
behauptet steif und fest, dass die Bäcker die Möglichkeit haben,<lb/>
ab sofort den Semmelpreis zu erhöhen. Er vergisst ganz, dass in<lb/>
der seinerzeitigen Vereinbarung festgelegt wurde, dass wenn<lb/>
sich die Paritätische Kommission nicht einigt, nach fünf Wochen<lb/>
erste der Preis resp. der Lohn frei sit. Er wettet des halb<lb/>
mit einer Flasche Whisky und meint grosszügig, ich müsste ja<lb/>
nicht die teuerste kaufen und verliert prompt. Die Preissituation<lb/>
auf dem Gebäck- und Brotsektor ist auch die Hauptdiskussion resp.<lb/>
die Lohnbewegung in unserer Gewerkschaft. Der Vorstand nimmt<lb/>
meinen Bericht zur Kenntnis und ich lasse das Präsidium ermächti<lb break="no"/>gen alle Möglichkeiten von Massnahmen zu setzen, damit unsere<lb/>
Kollegen noch im Dezember dem Lohn ausbezahlt bekommen. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> ht<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97357">Blüml</rs> angerufen und vorgeschlagen, wir sollten gegebenenfalls eine<lb/>
ao. Unterstützung den Bäckerkollegen für Dezember bezahlen in der<lb/>
Höhe der Lohndifferenz von 15 % neuer Lohn gegenüber dem derzeitig<lb/>
Lohn. Er hätte dies auch seinerzeit bei den Metallarbeitern getan<lb/>
als die Verhandlungen ins Stocken gerieten. Diesen Vorschlag<lb/>
haben wir bei uns im Vorstand erst gar nicht gebracht, da schon<lb/>
Koll. <rs type="person" ref="#per__111702">Deutsch</rs>, BRO von den Vereinigten Nahrungsmittelindustrie<lb/>
ehemalige Ankerbrot und mein Stellvertreter so etwas katego<lb break="no"/>risch abgelehnt hat. Technisch ist es unmöglich durchzuführen, da<lb/>
nahher wenn die Unternehmer den Lohn ausbezahlen und meistens<lb/>
rückwirkend eine Rückverrechnung auf die Kollegen äusserst<lb/>
schwierig wäre. Ausserdem erscheint es ihm und auch mir und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97357">Blüml</rs> ein gefährliches Präjudiz, wenn bei uns die anderne Gruppen<lb/>
Schwierigkeiten haben und dies ist immer der Flal, würden sie<lb/>
dann ebenfalls auf die Idee verfallen, dass die Gewerkschaft<lb/>
zuerst die Lohndifferenz bezahlen sollte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-06_03"><rs type="person" ref="#per__97769"><sic>Mussol</sic></rs> irrt auch bezüglich der Einbeziehung der Semmeln in die<lb/>
Preisregelung. <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs> gibt mir ein Gutachten, wonach durch Verord<lb break="no"/>nung so wie seinerzeit durch Verordnung die Preisregelung für Sem<lb break="no"/>meln ohne Befristung ausgesetzt wurde, jetzt durch die neuerliche<lb/>
Verordnung Semmeln wieder in die Preisregelung einbezogen werden<lb/>
kann. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> behauptet und hier dürfte er mehr recht haben, dass<lb/>
diesnicht so eindeutig ist. <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> hat übrigend dezidiert hie der<lb/>
Paritätischen Kommission erklärt, dass dies gesetzlich nichtmöglich<lb/>
<pb n="18-1399" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-12-06_1399.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sei. WEnn durch Verordnungen Artikel aus der Preisregelung<lb/>
herausgenommen ist, dann erst wieder durhc eienn Gesetzesbeschluss<lb/>
der der Zweidrittelmehrheit bedürfe und daher in der jetzigen<lb/>
Phase garantiert nicht zu bekommen wäre, dieser Artikel wieder<lb/>
in die Preisregelung einbezogen werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-06_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte die rechtliche SEite genau verfolgen<lb/>
und durch <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> prüfen lassen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-06_05"><rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs>, der für die Durchführung des Rohstofflenkungsgesetzes ver<lb break="no"/>antwortlich ist und von mir sowie <choice><sic>Mon.</sic></choice> <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> neuerding-s<lb/>
aufgefordert wird, alle Voraussetzungen für eine eventeulle<lb/>
Bewirtschaftung zu treffen, erklärt mir rundwegs, dass er ausser<lb break="no"/>stande sein nicht zuletzt infolge Personalmangel die notwendigen<lb/>
Vorarbeiten zu leisten. Ich verwiese ihn an das Präsidium – <rs type="person" ref="#per__97915">Schip<lb break="no"/>per</rs>,<lb/>
mit dem ich übrigens eine Aussprache wegen der Amtsübernahme<lb/>
der Geschäfte von Min.Rat <rs type="person" ref="#per__125823">Hanisch</rs> habe. <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> erklärt rundwegs,<lb/>
dass er keine Möglichkeit sieht, dass auf friedlichem Wege eine<lb/>
geordnete Übergabe erfolgen würde, da <rs type="person" ref="#per__125823">Hanisch</rs> nach seiner Auf<lb break="no"/>fassung dazu nicht bereit sei.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-06_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97377">BUKOWSKI</rs>: In diese Auseinandersetzung werden wir uns<lb/>
nicht dreinmischen, aber bitte alle Detail<lb break="no"/>vorgänge registrieren, da wir sie sicher<lb break="no"/>lich einmal gebrauchen werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-06_07">Der Bürgermeister von Mattighofen kommt mit einer Dele<lb break="no"/>gation der Lederindustrie und vor allem mit der Fa. Vogel, da dies<lb/>
pleite ist. Sie hat durh Rohhäute-Einkäufe 14 Mill. durch<lb/>
Stornierung 10 Mill., durch Preisnachlässe 6 Mill. S Defizit<lb/>
1973 erwirtschaftet, insgesamt 100 Mill. S jetzt bei einem<lb/>
Umsatz von 166 Mill., wovon 83 in den Export gehen. Der Ober<lb break="no"/>bank schuldet sie 63 Mill. S der Rest auf 100 sind Lieferanten<lb break="no"/>kredite. Die Oberbank ht die Kredite zwar nicht fällig gestellt,<lb/>
und ein Moratorium bis zum 28. Feber 1974 mit den Lieferanten<lb/>
und anderen Schuldnern vereinbart, doch möchte die Firma einen<lb/>
30 Mill. Kredit auf 50 Jahre mit verbilligten Zinsen. Der Bürger<lb break="no"/>meister weist noch darauf hin, dsss die 5.000 Schäfchen seiner<lb/>
Gemeinde zwei grosse Verdienstmöglichkeiten haben, 600 pendeln<lb/>
nach Deutschland aus, obwohl sich das jetzt auch sehr bald ändern<lb/>
wird und 400 sind bei Vogel beschäftigt. Davon 80 Jugoslawen.</p><pb n="18-1400" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-12-06_1400.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-06_08">Insgesamt hat er 500 Jugoslawen und meint, dass er diese,</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-06_09">wenn erst einmal die Mattighofer nicht mehr in Bayern arbeiten<lb/>
können und dies erwartet er im nächsten Jahr, von einem<lb/>
Teil davon zumindestens von ihnen, trotzdem in seiner Gemeinde<lb/>
verbleiben werden. Die einzige Möglichkeit, die ich habe und<lb/>
sehe ist, dass das Handelsministerium ähnlich wie seinerzeit von<lb/>
beim Junior-Werk, Steiermark, § 35 Arbeitsmarktförderung eine<lb/>
Lösung versucht wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-06_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Min.Rat <rs type="person" ref="#per__117026">Schuster</rs> ist damit schon befasst<lb/>
lass Dir bitte entsprechende Informationen<lb/>
der Durchführung dann geben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-06_11">Ich versprach dem Bürgermeister und der Firmenvertretung mit<lb/>
Vizekanzler <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> über dieses Problem zuj sprechen, <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> ver<lb break="no"/>sichert mir, dass soweit es in seiner MAcht liegt, er bis zur<lb/>
äussersten Grenze des Gesetzes gehen wird, da er derzeit noch<lb/>
hunderte Millionen ausgeben kann.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-06_12">Beim Besuch des polnischen Maschinenbauministers beim Bundes<lb break="no"/>präsidenten kann ich nur wieder einmal <rs type="person" ref="#per__97607">Jonas</rs> bewundern. es dürfte<lb/>
ihm jetzt ein bisschen besser gehen, er kam, wie es das Protokoll<lb/>
verlangt, in den Vorraum und holte den Maschinenminister sozusagen<lb/>
persönlich in sen Zimmer, diskutierte eine Viertelstunde auch<lb/>
mit ih, doch fällt ihm das GAnze sichtbar sehr schwer.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-06_13">Beim Gegenessen der polnischen Botschaft war auch <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> an<lb break="no"/>wesend. Als ich nach dem Essen, wo beabsichtigt war, noch einen<lb/>
Puch Pinzgauer zu besichtigen, der vor dem Rathaus aufgefahren war<lb/>
nahm der Botschafter den Minister und erklärte laut, es müsste jetzt<lb/>
zwischen <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> und ihnen ein Sechs-Augen-Gespräch stattfinden.<lb/>
Einige Zeit warteteich zu und dann aber verabschiedete ichmich<lb/>
rundwegs. <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs>, der mit mir mitfahren wollte, kam dann anchge<lb break="no"/>laufen und meinte, er hätte den Minister siher im Auftrag von<lb/>
grossen Zampano als Spezialbotschafter benützt, damit eine<lb/>
Einladung vom Klub von Rom, nächstes Jahr, wo <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> als<lb/>
Hausherr fungieren wird, nicht nur die Staatsführer von westlichen<lb/>
Ländern sondern auch vom Osten womöglich <rs type="person" ref="#per__134100">Gierek</rs> aus Polen und<lb/>
auch andere kommen sollte. Ich erklärte ihm rundwegs, das inter<lb break="no"/>essiert mich nicht, da es nciht mehr Kaffee ist, fragte nur,<lb/>
<pb n="18-1401" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-12-06_1401.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ob wengistens der Aussenminister davon etwas weiss, was<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> bejahte. Das GAnze soll äusserst streng vertraulich be<lb break="no"/>handelt werden. Ob dies der richtige Weg ist, bezweifle ich.<lb/>
Doch ist es Gott sei Dank nicht meine Angelegenheit.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-06_14"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> konnte sich den ganzen Tag, obwohl wir einige Mal darüber<lb/>
diskutiert hatten, nicht dazu durchringen, wie wir das Problem de<lb/>
autofreien Tage lösen sollten. <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> erklärte mir, dass ihm<lb/>
die Handelskammer einen riesigen Wirbel gemacht hat, weil er<lb/>
auch nur in Aussicht stelle, dass auch nur die Verwendung im<lb/>
Rohstofflenkungsgesetz verankert werden soll. Dadurch könnte<lb/>
ich ja alle Produkte, auch der Industrie, lenken und zwar<lb/>
durch Verwendungsbestimmung udn das erscheint hier ungeheuer geä<lb/>
lich. <rs type="person" ref="#per__97647"><sic>KOren</sic></rs> machte sich unter vier Augen mir gegenüber äusserst<lb/>
lustig über eine solche, wie er sagte, unbegründete Angst.<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__97444"><sic>Fischrer</sic></rs> vom Klub versuchte ich davon zu überzeugen,<lb/>
dass es das beste ist, es wird jetzt der Handelsausschuss einberu<lb/>
die ÖVP verweigert bis jetzt die Zustimmung für einen Termin<lb/>
noch in diesem Jahr, dort könnte die Strassenverkehrsordnungs<lb break="no"/>novelle behandelt werden. d,, die Tagesordnung wäre gegeben.<lb/>
Wird mein Plan akzeptiert, dann wir esin § 42 a in die Strassen<lb break="no"/>verkehrsordnungsnovelle mit verfassungsmässiger Absicherung<lb/>
eingebaut, wird der Plan der Verfassungsjuristen akzeptiert,<lb/>
dann kann der Ausschuss einen Bericht und Antrag ans Plenum<lb/>
richten, wonach der Rohstofflenkungsgesetz novelliert wird<lb/>
Durch diese Massnahme könnten wir noch zeitgerecht heuer die not<lb break="no"/>wendigen gesetzlichen Änderungen beschliessen. Montag will<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> dies im Präsidium zur Sprache bringen und ich hoffe,<lb/>
dass sich <rs type="person" ref="#per__97769"><sic>MUssil</sic></rs> bis dorthin zu einer Auffassung durchge<lb break="no"/>rungen hat. Niemand nämlich wird mir einmal, wenn ich Mass<lb break="no"/>nahmen setzen sollte und ich habe keine gesetzliche Handhabe<lb/>
obwohl ich dann nachweisen kann, dass es nicht mein Ver<lb break="no"/>schulden ist, die Verantwortung dafür abnehmen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-06_15">In dem vom Landesverteidigungsausschuss eingesetzten Komitee<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97752">Mondl</rs>. <rs type="person" ref="#per__127586">Tödling</rs>, <rs type="person" ref="#per__97515">Hanreich</rs> und mir kam es nun endgültig über<lb/>
die wirtschaftliche Landesverteidigungsdoktrin zu einem Ein<lb break="no"/>vernehmen. <rs type="person" ref="#per__127586">Tödling</rs> hat gorsse Angst, dass vielelcith doch die<lb/>
Interessensvertreungen von mir in Hinkunft ausgeschaltet werden<lb/>
und er versuchte eine diesbezügliche Zusicherung, nachdem es ja<lb/>
<pb n="18-1402" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-12-06_1402.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>nicht möglich sit, dies im Papier bereits zu verankern. Ich<lb/>
habe ihm dies umso leichter geben können, da ich selbst nicht<lb/>
zueltzt auf Grund der Erfahrung, die ich jetzt gemachthabe,<lb/>
neimals Massnahmen ohne Handelskammerzustimmung setzen würde.<lb/>
WEnn man hier gegen die Handelskammer entscheidet, müsste man<lb/>
einen so starken Beamtenapparat haben, wie dies der Finanzminister<lb/>
mit seiner Bürokratie hat. Mit deiser unfähigen Bürokratie, die as<lb/>
ausschliesslich im Handelsministerium nur als Durchführungs<lb break="no"/>organ der Handelskammer seit eh und je fungiert hat,kann man<lb/>
beim besten Willen nich gegen diese Institutionen in konkreter<lb/>
Durchführung auftreten. <rs type="person" ref="#per__97752">Mondl</rs> wird nun diese Vereinbarung, da er<lb/>
den zweiten Ausschuss, der unter Vorsitz <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschlägers</rs> tagen wird,<lb/>
angehört, dort deponieren, dann wird ein gemeinsames Papier von<lb/>
diesem verfasst, dem Landesverteidigungsrat vorgelegt und der<lb/>
wird, wenn er sich geeinigt hat, dann im Parlament diese Doktrin<lb/>
beschliessen lassen und als eine Art Entschliessung des NR die<lb/>
Regierung damit verpflichten, Massnahmen zusetzen. DAnn beginnt<lb/>
die konkrete Durchführung und das wird zumindestens auf dem<lb/>
Sektor der wirtschaftlichen Landesverteidigung eine ungeheure<lb/>
Aufgabe vor der mir jetzt schon graut.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-06_16">Ein Sektionschef <rs type="person" ref="#per__149119">Urban</rs> vom Wissenschaftsministerium, den ich<lb/>
nicht kannte, urgiert bei mir, ob ich nicht seinen Freund<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__148980">Peschek</rs> vom internationalen Patentinstitut im Den Haag<lb/>
empfangen öchte. Ich sage dies zu, verlange nur gleichzeitig,<lb/>
dass derneue Präsident des Patentamtes Dr. <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> dabei anwesend<lb/>
sein müsste. Die Aussprache verlief äusserst unbefriedigend.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__148980">Peschek</rs> hat seinerzeit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und auch andere Stellen informiert<lb/>
dass er sich sehr einsetzt, damit Österreich als Zweigstelle des<lb/>
Internationalen Patentinstituts von den Haag anerkannt wird.<lb/>
Angeblich hat er zwar ohne Auftrag damit aber umso heftiger als Aus<lb break="no"/>landsösterreicher eine Stelle geführdet und sich eben für Österreich<lb/>
exponiert. Jetzt möchte er von mir die Zusicherung, dass er als der<lb/>
offizielle Vertreter Österreichs im Internationalen Patentinstitut<lb/>
auftreten kann, da ihm sonst, wie er sich ausdrückt, seine<lb/>
Tätigkeit bis jetzt Kopf un Kragen kostet. <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> hat mich vor<lb break="no"/>her bereits informiert, dass die Aussprache, die er mit <rs type="person" ref="#per__146279">Finis</rs><lb/>
dme Chef des Internationalen Patentinstitutes geführt hat,<lb/>
auf freundschaftlichster Basis in Hinkunft ide Beziehungen<lb/>
zwischen dem Patentamt in Wien und in Den Haag aufgetaut werden<lb/>
können. Er sieht die grösste Gefahr darin, wenn man <rs type="person" ref="#per__146279">Finis</rs><lb/>
<pb n="18-1403" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-12-06_1403.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>verärgert, dass damit eine neue fruchtbar Ära, die er ein<lb break="no"/>leiten möchte, zerstört wird. Ich erkläre ihm deshalb auch<lb/>
rundweg ich habe keine Möglichkeit, ihm zum offiziellen aber<lb/>
auch nicht inoffiziellen Vertreter Österreichs dort zu er<lb break="no"/>nennen, da er weder mein Angestellter ist noch ich oder jemand<lb/>
vom Haus ihm irgendwelche Aufträge oder auch nur Ermächtigungen<lb/>
gegeben habe. Er legt mir einige Briefe von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und seinem<lb/>
Büro vor, die allerdings auch nichts sehr konkretes sagen<lb/>
ja von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> überhaupt nur, dass er die ganze Angelegenheit<lb/>
dem Fachminister überweisen wird, aus denen aber <rs type="person" ref="#per__148980">Peschek</rs> scheinbr<lb/>
sich bestätigt fühlt, das s er für Österreich jetzt tätig wird<lb/>
Da ich zum Bundeskanzler berufen werde, kann ich diese uhnlieb<lb break="no"/>same Diskussion abbrechen und <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> verhandelt mit <rs type="person" ref="#per__148980">Peschek</rs><lb/>
weiter.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-06_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Bitte über den weiteren Vorgang genau<lb/>
informieren lassen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-06_18"><rs type="person" ref="#per__97337"><sic>Bauern</sic></rs> hat dem Bundeskanzler mitgeteilt, dass die grosse Gefahr be<lb break="no"/>steht, dass die 1,6 Mill. t Rohöl, die nächstes Jahr aus<lb/>
Libyen bezogen werden sollen, doch nicht so fix sind, da die<lb/>
Libyer jetzt entsprehcnede Gegenlieferungen und Projektewün<lb break="no"/>schen, ohne genau zu sagen, wa ssie sich vorstellen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
wird deshalb am Samstag um 1/2 12 Uhr bei ihm eine entsprechende<lb/>
Aussprache scheinbar mit ÖMV-Vertretern und mir, ich weiss<lb/>
nicht, wen er sonst noch laden wird, durchführen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-12-06_19">Im Bundesrat wird die Gewerbeordnung ebenfalls einstimmig und<lb/>
zwar ebenfals in nicht ganz einer halben Stunde nach einer<lb/>
stundenlangen Diskussion über das Strafgesetz angenommen.<lb/>
Der Wirtschaftsbündler <rs type="person" ref="#per__122904">Gerber</rs> verweist auf die Vorarbeit<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97358">Bock</rs> und <rs type="person" ref="#per__97749"><sic>MItterer</sic></rs>, anerkannt aber, dass ich letzten Endes<lb/>
doch auch ein klein wenig dazu beigetragen habe, die Sozialisten<lb/>
<rs type="person" ref="#per__146140">Brunner</rs> verweist mit recht darauf, dass <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> zwar meinte,<lb/>
es sei ein reines Glück gewesen, dass aber doch die Sozialisten<lb/>
jetzt die Gewerbeordnung finalisierten und Ing. <rs type="person" ref="#per__97409">Eder</rs>, der Bauern<lb break="no"/>bündler spricht über das Landwirtschaftsinteresse an der jetzigen<lb/>
Gewerbeordnungsregelung. Ich kann mit ruhigem Gewissen zum<lb/>
Schluss ein Jahrhundertgesetz kann man wahrscheinlich nicht<lb/>
ohne zumindestens eine Bemerkung im Bundesrat gemacht zu haben,<lb/>
beschliessen lassen, auf den Kompromisscharakter der Gewerbeordnung<lb/>
<pb n="18-1404" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-12-06_1404.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>hin und bekomme, nachdem ich allen gedankt habe, auch<lb/>
dem Bundesrat, tatsächlich wieder Applaus auch von der ÖVP-<lb/>
Seite. Ich erinnere mich noch sehr gut, als seinerzeit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
dne Bericht über die Abschlüsse mit der EWG mit mir diskutierte,<lb/>
hatte er sich vorgenommen und dann auch durchgeführt, e wird<lb/>
die Vorarbeiten der ÖVP-ler ebenfalls würdigen. Er meinte, dann<lb/>
sollen sie es sich überlegen, ob sie applaudieren, und er war<lb/>
fest davon überzeugt, dass sie dies tun würden. Zu seiner<lb/>
grössten Enttäuschung glaube ich, haben sie aber<lb/>
ihm nicht den Gefallen getan. Ich habe eigentlich niemals<lb/>
beabsichtigt, mit dieser mir nur selbstverständlich erscheinen<lb break="no"/>den Loyalität meiner Amtsvorgänger und insbesondere der<lb/>
tatsächlichen Mitarbeit und Mitwirkung der Interessensvertretung<lb/>
insbesondere der Handelskammer für die Nachwelt, wenn dies über<lb break="no"/>haupt ein itnerssanter PUnkt einmal sein wird, was <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> z.B.<lb/>
immer wieder behaupet, die Tatsachen im Protokoll eben zu<lb/>
verankern. Für mich war es wieder nur ein Beweis, dass wenn man<lb/>
etwas anlegt, um etwas zu erreichen, man oft Schiffbruch erleide<lb/>
dagegen sehr oft zur grössten Überraschung man einen Erfolg er<lb break="no"/>reichen kann, nur auf GRund der einfachen lauteren Gesinnung<lb/>
die einem zu einem Handeln zwingt, weil vielleciht wirklich er<lb break="no"/>kannt wird, dass damit keinerlei hintergründige Absichten<lb/>
verbunden sind. Politik ist in meinen Augen halt doch mehr<lb/>
als nur geschickte Überlegungen, wie man auch optisch oder<lb/>
propagandistische Erfolge erzielen, nämlich der VErsuch, ge<lb break="no"/>steckte Ziele zu erreichen, wobei den anderen den politischen<lb/>
Gegnern eine Möglichkeit gegeben werden muss, sich in fairer<lb/>
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möglich durch ein Kompromiss ihn daran teilnehmen zu lassen.<lb/>
Ich gebe zu, dass aber eine solche Kompromissbereitschaft<lb/>
dzu führt, dass die gesteckten Ziele dann entweder wesent<lb break="no"/>lich später erst erreicht werden können, wenn nämlich der<lb/>
politische Gegner mehr oder minder dieses gesteckte Ziel<lb/>
dann auch zu seinem erklärt hat und auch das Ziel, welches<lb/>
man anstrebt, sich im Laufe der Zeit ändert. Dies gilt für veil<lb/>
soz. Ideen, die heute die konservative ÖVP auch übernommen hat,<lb/>
das gilt aber auch für die Ziele der konservativen ÖVP, dieh<lb/>
heute Eingang in die soz. Zielvorstellung gefunden haben.<lb/>
Nur ein Beispiel für viele: die ursprünglich soz. Idee einer<lb/>
Planwirtschaft wird heute durch das konservative Ziel<lb/>
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acuh von den Sozialisten in Österreich vertreten, während die<lb/>
soz. Zielvorstellung in der Sozialpolitik heute weitestgehend<lb/>
auch die konservative ÖVP übernommen hat.</p></div>
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