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            <title type="main">Freitag, der 30. November 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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in Wien bei einem Vortrag war. Gleichzeitig war vom Bonner<lb/>
Wirtschaftsministerium die jährlich einmal stattfindende Dele<lb break="no"/>gationsbesprechung in Wien. Ich begrüsste diese Delegation und<lb/>
sprach anschliessend wegen der Ölversorgung meine Wünsche aus.<lb/>
Der Delegationsleiter versicherte mir, dass auch im Bonner Mini<lb break="no"/>sterium man für die Lage Österreichs Verständnis hat und Öster<lb break="no"/>reich genauso behandelt wird, wie die Schweiz und andere Länder,<lb/>
die auch in Deutschland einzuführenden Restriktionen würden<lb/>
daher in demselben Ausmass den österreichischen Export betreffen.<lb/>
Dies bedeutet, dass wir in nächster Zeit zwar mit Lieferungen aus<lb/>
der BRD rechnen können, aber keinesfalls mit der Menge, die die<lb/>
internationalen Gesellschaften mit ihren Schwestergesellschaften<lb/>
in Ingolstadt usw. geschlossen haben. Meine Absicht war, dass bei<lb/>
diesem Gespräch auch <rs type="person" ref="#per__97490">Gredler</rs> anwesend ist, damit er dann in Bonn<lb/>
bezugnehmend auf dieses Gespräch immer wieder intervenieren<lb/>
kann. Der Handelsdelegierte <rs type="person" ref="#per__149228">Teurer</rs> war anwesend. <rs type="person" ref="#per__97490">Gredler</rs> kam<lb/>
aber zu dieser Besprechung zu spät und wir trafen uns im Parlament<lb/>
wo ich ihm die Lage schilderte. <rs type="person" ref="#per__97490">Gredler</rs> meinte, dass je höher<lb/>
die Politiker und auch Beamten in Bonn sind umso mehr Verständnis<lb/>
haben sie für Österreich. Je tiefer, also bis zur Ministerial<lb break="no"/>bürokratie, die gerade jetzt bei uns in Österreich weilte,<lb/>
man kommt, umso mehr Technokraten sind es, die natürlich vorerst<lb/>
die Versorgung der BRD allein imAuge haben. Er war sehr glücklich,<lb/>
dass ich jetzt mit dieser Delegation gesprochen habe, von ihr die<lb/>
etnsprechende Zusicherung bekommen habe, weil er dadurch die Mög<lb break="no"/>lich keit hat, in Bonn mit dem Handelsdelegierten <rs type="person" ref="#per__149228">Teurer</rs> gemeinsam<lb/>
weiter zu intervenieren. Bei dieser Gelgenheit erfuhr ich, dass<lb/>
er z.B. einen Österreich-Empfang für 180 Gäste gegeben hat, wo er<lb/>
nicht nur einige Spitzenpolitiker einlud, von denen er sagte,<lb/>
er war glücklich, dass sie überhaupt kamen, sondern auch die<lb/>
Ministerialbürokratie, die wieder nicht zuletzt durch die An<lb break="no"/>wesenheit der Politiker sich veranlasst sahen, zu dieser Monster<lb break="no"/>veranstaltung zu kommen. Ich bilde mir nicht ein und beab<lb break="no"/>sichtige auch gar eine solche Vorgangsweise zu kritisieren, doch<lb/>
halteich von solche gigantischen Essen gar nichts. Wichtig erscheint<lb/>
mir nur, dass <rs type="person" ref="#per__97490">Gredler</rs> erkannt hat, der alleinige Kontakt zu<lb/>
<pb n="18-1360" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-11-30_1360.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Politikern hilft in der Detailverhandlung und bei Detail<lb break="no"/>wünschen gar nichts. Der referatsmässig zuständige Beamte ist<lb/>
tausendmal wichtiger-</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-30_03">Im Parlament kam während der Fusionsdebatte für die verstaatlichten<lb/>
Buntmetallbetriebe Abgeordneter <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> auf die Energiesituation<lb/>
zu sprechen. Er warf der Regierung und ganz besonders mir persön<lb break="no"/>lich vor, dass ich nicht erstens alle Vorkehrungen getroffen habe<lb/>
und zweitens die Situation falsch einschätze. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, der in der<lb/>
Abgeordnetenbank sass, ersuchte mich, auf alle Fälle dagegen<lb/>
Stellung zu nehmen. Ich erklärte dem Hohen Haus, dass ich weder<lb/>
etwas beschönigen will noch natürlich andere Informationen weiter<lb break="no"/>geben kann als ich sie auf Grund des jetzigen Status sehe. Ich<lb/>
erörterte alle Massnahmen, ohne natürlich Ziffern zu nennen, bei<lb/>
Zahlen bin ich deshalb so vorsichtig, erstens einmal immer befürchte<lb/>
ich, dass sie auch was die ÖMV und der Fachverband mir melden,<lb/>
unzulänglich ist und zweitens weil eine verbale Aussage natürlcih<lb/>
viel leichter spätereinmal anders interpretiert werden kann.<lb/>
Dass sich allerdings die Abgeordneten ja überhaupt die gesamte Öffent<lb break="no"/>lichkeit dies gefallen lässt, wundert mich sehr. Die ÖVP spricht<lb/>
immer nur davon, dass man der Bevölkerung und insbesondere<lb/>
dem Hohe Haus die nackten Tatsachen mitteilen soll, stellt aber<lb/>
dbis jetzt keine konkreten ziffernmässig begründeten Anfragen.<lb/>
GLück muss der Mensch haben. Nach der Anfrage traf ich <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> als<lb/>
ich das Haus verliess und meinte, hoffentlich haben ihn meine<lb/>
Ausführungen befriedigt. Er sagte wirklich sehr aufrichtig, ich<lb/>
wünsche ihnen, dass sie Recht haben und dass nicht das eintritt,<lb/>
was ich befürchte, nämlich dass zu Weihnachten die Versorgung zu<lb/>
sammenbricht. Wenn er wüsste, dass ich mir auch nichts anderes<lb/>
wünsche !</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-30_04">Um den Mehl- und Brotpreis gab es ein richtiges GErangel. Min.Rat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> vom Landwirtschaftsministerium, der noch immer für die<lb/>
Preisregelung auf dem Nahrungsmittelsektor zuständig ist, erschien<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__112977">Neuhold</rs>, <rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs> und <rs type="person" ref="#per__148737">Winkler</rs> um mich davon zu überzeugen, es<lb/>
müsste unverzüglich der Einspruch des Handelsministeriums wegen<lb/>
Festsetzung des Mehlpreises zurückgezogen werden. Ich hatte mit<lb/>
der Arbeiterkammer vereinbart, dass solange sie mir nicht sagt,<lb/>
dass die Erhöhung auch von ihr akzeptiert wird, ich eine Zustimmung<lb/>
nicht geben werde. <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> insbesondere hat die Angst gehabt,<lb/>
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2.91 der Brotpreiserhöhungswunsch mit 50 Groschen nicht mehr<lb/>
gehalten werden kann. Die Industrie verlangt 80 Groschen,<lb/>
Die AK und der ÖGB wollen nur 50 Groschen bezahlen und die vor<lb break="no"/>nehmlich berührten Ministerien hätten sich mit der Industriezu<lb break="no"/>stimmung auf 60 Groschen geeinigt. WEnn der Brotmehlpreis aber<lb/>
um 16 Groschen pro kg steigt und damti mit 3/4 Anteil das Brot<lb/>
allein mit 12 Groschen Mehlpreiserhöhung belastet wird, ist der<lb/>
50-Groschen-Brotpreis nicht zu halten. Ein Spitzengespräch bei<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> mit der Brotindustrie, an dem ich nicht teilgenommen<lb/>
habe, hat wie mir <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs> nachher erzählt, zu keinem end<lb break="no"/>gültigen Ergebnis geführt. Der ÖGB hat aber vorgeschlagen, dass<lb/>
man den Laib Brot um 60 Groschen und den Wecken nur um 50 Gro<lb break="no"/>schen erhöhen sollte. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> allerdings ist der Meinung, man wird<lb/>
letzten Endes die 60 Groschen allgemein akzeptieren. Im Laufe<lb/>
des Tages wurde dann, weil nicht zuletzt <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> erklärte,<lb/>
um 14 Uhr müsste er spätestens in der Druckerei sein, sonst<lb/>
könnte die Wiener Zeitung die Anordnung nicht mehr drucken, mit<lb/>
40 Groschen festgelegt und genehmigt, was mir hier ins Haus<lb/>
steht, kann ich mir ungefähr jetzt schon ausdenken, wenn die<lb/>
Kompetenz die Preisregelung ins Handelsministerium verlegt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-30_05">Meine Vorbesprechung mit dem zurückgekommenen Sektionschef <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs><lb/>
als Warschau und <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> sowie <rs type="person" ref="#per__137297">Messinger</rs>, Fachverband der Han<lb break="no"/>delskammer für Ölproduktion, zeigte mir schon, dass wir hier<lb/>
in einer furchtbaren Lage sind. <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> hat mir in der Früh<lb/>
berichtet, er hätte die Anordnung über die statistischen Erhebungen<lb/>
und die Anordnungen über <choice><choice><sic>BEwirtschaft</sic><corr>Bewirtschaftung?</corr></choice></choice> Heizöl schwer mit den<lb/>
Interessensvertretungen abgestimmt und ein Einvernehmen erzielt.<lb/>
Er war nur hellauf empört, als er mir mitteilte, dass man den<lb/>
scheinbar hie ihm einzigen Mann, der arbeitet, Dr. <rs type="person" ref="#per__112977">Neuhold</rs>, von<lb/>
der Abteilung wegnehmen willl und der Preisabteilung zuzuteilen<lb/>
Ich erwiderte, dass er sich dies mit Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> ausmachen<lb/>
muss. In Wirklichkeit hat niemand mehr im Haus praktische Erfahrung<lb/>
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mitbringt, Min.Rat <rs type="person" ref="#per__125823">Hanisch</rs> hat sich krank gemeldet.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-30_06">Der Rohstofflenkungsausschuss war kein Ausschuss sondern eine<lb/>
Massenversammlung. Alle Ministerien insbesondere das Verkehrs<lb break="no"/>ministerium hat nicht nur die Vertreter der Post und der Bahn<lb/>
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ich feststellen konnte Delegierten von jeder Dienststelle ge<lb break="no"/>schickt. Die Länder slebst sind die Beamten und grösstenteils<lb/>
auch Politiker gekommen. Der Saal III war bummvoll, annähernd<lb/>
100 Personen. Ich war daher auf der einen Seite sehr froh, dass<lb/>
ich vom Parlament schon wegkonnte und den Vorsitz übernehmen<lb/>
konnte, andereseits aber von meinen Beamten ganz unzulänglich in<lb break="no"/>formiert. Einer sagte nur, ich mü-ste die Leute, die neubestellt<lb/>
wurden vereidigen. Min.Rat <rs type="person" ref="#per__113621">Anreiter</rs>, der das Gesetz ja gemacht hat<lb/>
aber sagte mir viel zu spät, dass dies nicht notwendig ist. Die<lb/>
Delegierten aber waren nicht bestellt, da der grösste TEil der<lb/>
seinerzeitigen Mitglieder des Rohstofflenkungsausschusses<lb/>
aus dieser Funktion schon ausgeschieden sind. Da in den vergan<lb break="no"/>genen Jahren ja nichts mehr gelenkt wurde ausser Schrott und daher<lb/>
der Rohstofflenkungsausschuss nie zusammentrat, waren auch die<lb/>
seinerzeit bestellten Delegierten nur zum Teil wahrscheinlich<lb/>
überhaupt nicht mehr vorhanden. Einige Länderpolitiker und auch<lb/>
Beamte nützten Diese Situation und meinten, in welcher Funktion<lb/>
sie nun hier sitzen. Da entschied ich autoritär, dass alle<lb/>
von den Ländern und Interessensvertretungen genannten Persönlich<lb break="no"/>keiten von mir als ernannt gelten, die schriftliche Bestätigung<lb/>
ihnen kurzfristig folgen wird und ich gleichzetiigtdarauf hinweise,<lb/>
dass noch immereinzelne Stellen wie z.B. die Arbeiterkammer aber<lb/>
vor allem auch die Handelskammer trotz meiner Urgenz noch immer<lb/>
nicht nominiert haben. Die erste Klippe war umschifft. Die zweite<lb/>
war noch viel schlimmer. Die sogenannte abgesprochene und einver<lb break="no"/>nehmlich festgelegte Formulierung stelltesich heraus, sit falsch<lb/>
hält nicht und führt nur zu neuerlicher Diskussion in diesem rie<lb break="no"/>sigen Kreis. Es war <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> nicht möglich, innerhalb des Hauses<lb/>
selbst die einzelnen Wünsche zu koordinieren. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> verlangte, dass<lb/>
die statistische Erhebungen auch auf Leichtbenzin, <choice><choice><sic>Strate run</sic><corr>Straight-run</corr></choice></choice><lb/>
und sonstige Benzine ausgedehnt werden muss. Irgendein Delegier<lb break="no"/>ter meinte auch Kerosin, d.h. Flugbenzin sei notwendig zu erheben.<lb/>
Gleichzeitig aber bestätigten alle, dass es unmöglich sei, die<lb/>
Erhebungen, wenn sie tatsächlich Im Handelsministerium eintreffen,<lb/>
auch zeitgerecht aufzuarbeiten. Eine Bestands- und Verteilungser<lb break="no"/>hebung, die 1 Monat nach dem Stichtag abgeliefert wird, ist<lb/>
wertlos. Ausserdem hatte man nicht vorgesehen, zu welchem Stichtag<lb/>
die Erhebung durchgeführt werden sollte. Der Wunsch, dass man<lb/>
tägliche Meldungen bekommt, wenn eine Bewirtschaftung in einem<lb/>
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Niemand kann im Haus diese Meldungen aufarbeiten, dazu braucht<lb/>
man Dutzende von Beamten. Ausserdem helfen einem diese Mel<lb break="no"/>dungen überhaupt nicht eiter. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> geht hier von einer falschen<lb/>
Auffassung aus. Der Apparat der E-Wirtschaft, wo diese täglichen<lb/>
Meldungen erfolgen, ist zentralisiert, eingespielt und wahr<lb break="no"/>scheinlich auch mit Maschinen und Beamten entsprechend bestückt,<lb/>
sodass der Lastverteiler etwas damit anfangen kann. Der deso<lb break="no"/>late Haufen im Handelsministerium könnten den Papierkrieg<lb/>
nicht annähernd bewältigen. Da ich dies aus meiner praktischen<lb/>
Erfahrung kenne, war ich natürlich sofort bereit, als von<lb/>
Seiten der Politiker insbesondere LR <rs type="person" ref="#per__112216">Basetti</rs> und der Salz<lb break="no"/>burger neue Landesrat seinerzeitiger Handelskammerdirektor<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113822">Haslauer</rs> vorschlugen, wir sollten uns nur auf Heizöl schwer<lb/>
beschränken. Das grösste Handikap aber war, dass Min.Rat <rs type="person" ref="#per__113621">An<lb break="no"/>reiter</rs> mir immer wieder flüsterte, schauen wir, dass wir über di<lb/>
Runden kommen, die Verordnung hält sowieso nicht. Die in der<lb/>
Verordnung vorgesehnen Formblätter sind im Gesetz nicht ge<lb break="no"/>deckt und müssten daher unterallen Umständen, wenn eine Firma<lb/>
sich nicht daran hält, aufgegeben werden. Bei der Anordnung wied<lb/>
über die Bewirtschaftung herrschte vollkommen unzureichende<lb/>
Information von Seiten der Abteilungen, wie wir rechtlich<lb/>
eine Anordnung erlassen, die der Rohstofflenkungsausschuss<lb/>
zu begutachten hat, wo wir nicht einmal noch wissen, wie diese<lb/>
Bewirtschaftung durhgeführt werden sollte. Die Behauptung <rs type="person" ref="#per__112946">Schlei<lb break="no"/>fers</rs>, die Handelskammer hätte dieser Anordnung zugestimmt, war<lb/>
falsch, vielleicht hat <rs type="person" ref="#per__137297">Messinger</rs> einmal erklärt, wir sind damit<lb/>
einverstanden, auf alle Fälle aber hat jetzt die Ölindustrie<lb/>
ihm desavouiert, denn er musste mir gegenüber gestehen, es<lb/>
müsste noch eine ordentliche Formulierung gefunden werden. Ich<lb/>
bog deshalb die Verhandlungen so hin, dass ich erklärte,<lb/>
der Rohstofflenkungsausschuss soll im Prinzip mich ermächtigen,<lb/>
dass ich alle statistischen Erhebungen durchführen kann, so<lb break="no"/>weit es die Bedarfslage erfordert. Mit Heizöl schwer wird ein<lb/>
Probegalopp gemacht. Die Ziffern brauchen wir auch am dringend<lb break="no"/>sten. Die Anordnung für die Bewirtschaftung Heizöl schwer soll<lb/>
aber erst in Kraft treten, bis sich hrausstellt, dass auf<lb/>
freiwilliger Basis keine Verteilung möglich ist, sodass ich<lb/>
auch den Rohstofflenkungsausschuss ersuchte, mich dann dazu<lb/>
zu ermächtigen. Beides hat der Rohstofflenkungsausschuss<lb/>
beschlossen, allerdings erst nach 2 1/2-stündiger Debatte<lb/>
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wieder nicht nur die Oberhand behielt sondern das Schiff lenkte<lb/>
wie er es wollte. Hier aber, wo <rs type="person" ref="#per__107939">Römer</rs> das Schiff führen sollte,<lb/>
ein hilfsloses Gestammel der einzelnen Referenten und Abteilungs<lb break="no"/>leiter nicht aufd Grund von Fachwissen die Möglichkeit sich<lb/>
wirklich durchzusetzen, einBild des Jammers. Mit solchen Leuten<lb/>
eine Bewirtschaftung machen zu müssen, wäre eine Katastrophe.<lb/>
Zum Glück hat die Handelskammer verlangt, dass die Zentralstelle<lb/>
für die Mineralölwirtschaft eingeschaltet werden muss. Ich habe<lb/>
dies daher auch ausdrücklich gesagt und <rs type="person" ref="#per__137297">Messinger</rs> zu dem Zwischen<lb break="no"/>ruf veranlasst, Leider !</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-30_08">Die Verabschiedung von <rs type="person" ref="#per__97939">Seitler</rs> und der anderen ausscheidenden<lb/>
Bezirksräte benützt ich um neuerdings festzustellen, dass wir<lb/>
bei uns auf der Landstrasse verhältnismässig frei diskutieren<lb/>
viel diskutieren und auch immer wieder kritisieren, <choice><choice><sic>das</sic><corr>was?</corr></choice></choice> ich<lb/>
er-warte und wünsche. Ich bin nämlich wirklich überzeugt,<lb/>
dass man unter alen Umständen den Genossen die Möglichkeit<lb/>
geben muss, Unzulänglichkeiten, die die Partei, die Regierung<lb/>
aber auch mein Ministerium oder mich persönlich berifft<lb/>
und die festgestellt werden, auch auszusprechen und zu disku<lb break="no"/>tieren. Wenn sich meistens auch dann nur ganz wenig ändert, der<lb/>
Genosse hat zumindestens das Gefühl, dass man mit ihm über die<lb/>
Probleme spricht. GLeichzeitig aber appellierte ich an<lb/>
die neuen Bezirksräte, dass sie doch immer das grössere Ziel<lb/>
unsere Erfolge zu festigen, womöglich auszubauen, im Auge<lb/>
behalten müssen und dies nur durch freundschaftliches Zusammen<lb break="no"/>arbeiten möglich ist. Ich glabue wirklich, dass bei uns das verhält<lb break="no"/>nismässig gut funktioniert.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-30_09">Obwohl ich um fast 1 1/2 Stunden zu <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> Abendessen zu spät<lb/>
kam, kam ich noch immer zurecht zur Diskussion. Die Hochschul<lb break="no"/>professoren <rs type="person" ref="#per__111734">Andre</rs>, <rs type="person" ref="#per__137132">Streissler</rs>, <rs type="person" ref="#per__118220">Rothschild</rs>, <rs type="person" ref="#per__110169">Nussbaumer</rs>, <rs type="person" ref="#per__115683">Matzner</rs><lb/>
und einen den ich nicht kannte, sowie <rs type="person" ref="#per__133317">Horst Knapp</rs> neben <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
<rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs>, <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs>, <rs type="person" ref="#per__115595">Reiter</rs>, <rs type="person" ref="#per__110922">Vranitzky</rs> <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> und mir waren glaube<lb/>
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aussenpolitische Situation wird ganz anders aussehen wenn<lb/>
<rs type="person" ref="#per__127591">Nixon</rs> gezwungen wird, seine Präsidentschaft zurückzulegen.</p><pb n="18-1365" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-11-30_1365.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-30_10">Scheinbar hat der grosse <choice><choice><sic>Zambaro,</sic><corr>Zampano?</corr></choice></choice> wie ihn <rs type="person" ref="#per__97356">Charly Blecha</rs> immer<lb/>
mit Recht beziechnet, mit irgendjemandem ein Gespräch geführt<lb/>
dies zu apodiktisch in den Kreis gestellt, dass sicherlich alle<lb/>
überrascht waren, da keiner als dann mehr oder minder nach diesem<lb/>
aussenpolitischen Exkurs fragte, wer etwas zu sagen hatte, über<lb break="no"/>haupt niemand meldete. Erst langsam entwickelte sich eine Diskus<lb break="no"/>sion, die selbstverständlich überschattet war von der Energie<lb break="no"/>frage. <rs type="person" ref="#per__118220">Rothschild</rs> bemerkte mir Recht , bei der ersten Sitzung<lb/>
hatte ich ja nicht teilgenommen vor ca. einem halben Jahr,<lb/>
dass man damals über die Probleme der Stabilisierung und der<lb/>
Preise diskutierte, während jetzt überhaupt nur die Energie<lb break="no"/>situation, die weitere wirtschaftliche Entwicklung zur Dis<lb break="no"/>kussion steht. Da <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> übernommen hat, über Detail zu in<lb break="no"/>formieren, kann ich mir dies ersparen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst ruft diesen<lb/>
Kreis zweimal im Jahr ein, nicht zuletzt deshalb, um wenn ein<lb break="no"/>mal im Parlament eine Diskussion ist, er dann darauf verweisen<lb/>
kann, dass auch Wissenschaftler ihn in seiner Auffassung<lb/>
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Energie weiter ausbauen müsste, dies gilt ganz besonders für<lb/>
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daneben gegangen, meinte zu entkräftigen, dasss die Alpine die<lb/>
Leute aus dem Bergbau nicht herauslässt und dass man letzten<lb/>
Endes für die Eisenbahn Strassenbaumittel aus der Mineral<lb break="no"/>ölsteuer abzweigen sollte. <rs type="person" ref="#per__115683">Matzner</rs> bemerkte mir gegenüber,<lb/>
der einzige Sieger des Tages wäre <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs>, der jetzt mehr Mittel<lb/>
bekäme. Dass die Diskussion bis nach halb zwölf dauerte, machte<lb/>
sie weder interessanter noch effizienter. Die Hochschulprofessoren<lb/>
sind scheinbar doch auch so von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> fasziniert, dass sie<lb/>
ihre sonst oft radikaler Formulierungen so abschwächen, dass<lb/>
ein unbefangener Beobachter wirklich den Eindruck hat, sie<lb/>
erreichen einen Konsens. Selbst die extremen – <rs type="person" ref="#per__118220">Rothschild</rs> auf<lb/>
der einen seite und <rs type="person" ref="#per__111734">Andre</rs> auf der anderen. Wirklich eine<lb/>
Meisterleistung des <choice><choice><sic>Zambaro.</sic><corr>Zampano?</corr></choice></choice></p></div>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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