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            <title type="main">Donnerstag, der 29. November 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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Nahrungsmittelindustrie Dr. <rs type="person" ref="#per__112635">Pokorny</rs> ersuchen mich, ich soll<lb/>
bei <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> intervenieren, damit endlich ihre Grundstückstransaktion<lb/>
genehmigt wird. Das Ankerbrotareal mit 130.000 m2 sollte<lb/>
gegen 83.000 m2 im Süden Wiens abgetauscht werden. Der ehe<lb break="no"/>malige Stadtrat <rs type="person" ref="#per__115005">Hintschig</rs> hat ihnen versprochen, dass sie<lb/>
zuerst im April und dann endgültig im Mai mit der Transaktion<lb/>
rechnen können.Von diesen 83.000 m2 sind 11.000 m2 Grünfläche<lb/>
mit Sportplatz und einer alten Villa inbegriffen, für die<lb/>
sie ebenfalls 630 S pro m2 zahlen müssen. Von dritter Seite<lb/>
habe ich erfahren, dass die Gemeinde Wien deshalb einen so hohen<lb/>
m2-Preis verlangen muss, weil durch die Grundstücktransaktionen<lb/>
sich ein solcher exorbitant hoher Preis ergibt. Dadurch müsste<lb/>
auch für die Ankerbrotgründe ein noch höherer m2-Preis ver<lb break="no"/>langt werden. Die Firma hat fest damit gerchnet, dass sie diese<lb/>
Transaktionen um einen gewissen Millionenbetrag als Ausgleich<lb/>
zusätzlich erhält, den sie dringend für Investitionen erhält.<lb/>
braucht. Bei der Preisgestaltung kommt sie in immer<lb/>
schlechtere finanzielle Situation. und schliesst 1973 mit einem<lb/>
Millionendefizit. In der neuen Fabrik sollte Schicht gear<lb break="no"/>beitet werden, weshalb sie auch beim Sozialminister darauf<lb/>
drängt, dass das Bäckerei-Arbeiter-Gesetz entweder so stark<lb/>
novelliert wird, dass man es insbesondere was den frühen Beginn<lb/>
der Arbeiter betrifft kaum noch braucht, deshalb eigentlich<lb/>
am besten verschwindet. Die Bäckerarbeitergruppe in meiner<lb/>
Gewerkschaft hat sich nach jahrelanger Diskussion endlich<lb/>
auch auf diese Linie eingestellt. Ursprünglich als ihc vor<lb/>
12 Jahren in die Gewerkschaft kam und diese Idee geäussert habe,<lb/>
wurde sie natürlich auf das schärfste bekämpft. Der 4-Uhr-Beginn<lb/>
war ein umunstössliches Sakrileg. Ich selbst habe immer erklärt<lb/>
es gibt keine andere Möglichkeit, wenn die Industrie überhaupt<lb/>
gegenüber dem Bäckergewerbe überleben will, dass sie so wie vie<lb break="no"/>le andere Betriebe ebenfalls auf Schichtarbeit übergeht. Da<lb break="no"/>durch bekommt der Bäckereiarbeiter eine bessere Arbeitssituation<lb/>
als er sie derzeit hat. Mit dem scheinbar günstigen 4-Uhr-Beginn<lb/>
muss er täglich zeitig früh aufstehen, in den Gewerbebetrieben<lb/>
ist die Kontrolle mangelhaft, wird in den seltensten Fällen<lb/>
auch eingehalten. Eine sauber Lösung als Schichtbetrieb verlangt<lb/>
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gibt ihm einen besseren Verdienst, führt vor allem dazu,<lb/>
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organisierten Bäckereibetriebe der Industrie überhaupt über<lb break="no"/>legen können. Die Innung möchtedas Bäckereiarbeitergesetz auf<lb/>
alle Fälle erhalten, nur den 4-Uhr-Beginn auf 3 Uhr vorver<lb break="no"/>legen. Die Industrie erklärt mit der 40-Groschen-Mehlpreiser<lb break="no"/>höhung einverstanden zu sein . <rs type="person" ref="#per__97925">Schoeller</rs> betreibt nämlich auch<lb/>
eine Mühle, will aber anstelle der 10 Groschen Semmelpreiser<lb break="no"/>höhung die beantragten 20 und vor allem einen höheren Brot<lb break="no"/>preis als den von <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> vorgesehenen mit 50 Groschen. Ich<lb/>
erkläre, dass dafür kaum eine Chance besteht, aber ich mich<lb/>
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mit <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> gesprochen habe, bei der Arbeiterkammer mich<lb/>
dafür einzusetzen, dass dafür einzusetzen, dass dafür alle<lb/>
anderne Produkte kalkuliert werden können. Dies gilt<lb/>
insbesondere Brösel, Weissbrot und Weisswaren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-29_03">Im Institut diskutiere ich mit <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs>, <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs>, <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs><lb/>
über die weitere Vorgangsweise auf diesem Sektor. Die zwei<lb/>
sind fest überzeugt, dass maximal 50 Groschen Brotpreiserhöhung<lb/>
akzeptiert werden könnten. Wie mir <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> dann allerdings streng<lb/>
vertraulich mitteilt, hätte er mit <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs> bereits gespro<lb break="no"/>chen und darauf hingewiesen, dsss vielleicht 50 Groschen<lb/>
nicht ausreichen. <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs> sei angeblich auch bereit, auf<lb/>
60 Groschen zu gehen. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> versucht mir unter vier Augen<lb/>
zu erklären, dass <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> über die ganze Entwicklung auf dem<lb/>
Nahrungsmittelsektor insbesondere aber auf dem Brotsektor<lb/>
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zu hoch abgeschlossen, da sie 13 Monate jetzt keine Lohn<lb break="no"/>bewegung hatten, wären 1 % pro Monat, d.h. 13 % das Maximum<lb/>
was ausreichend gewesen wäre. Ich versuche <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> zu erklären,<lb/>
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verhältnismässig hohen Abschlüsse auf dem Kollektivvertrags<lb break="no"/>sektor, der in den meisten Fällen auch der Ist-Lohn ist<lb/>
nicht so gut abgeshcnitten haben als es den Anschein hat.<lb/>
Die meisten anderen Berufsgruppen haben durch diese Konjunk<lb break="no"/>tur wesentlich höhere Ist-Löhne, ich gebe zu, durch Überzah<lb break="no"/>lungen, die bei einer Konjunkturdämpfung grösstenteils verloren<lb/>
gehen oder zumindestens nicht weiter erhöht werden. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs><lb/>
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anderen auslöst ? WIE ER SICH AUSDRÜCKT? DIE Chance, dass<lb/>
ich einmal <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>-Nachfolger werde – wie er sich ausdrückt –<lb/>
sehr leidet. Ihc versuche <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> zu erklären, da-s ich<lb/>
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bisherige Taktik der Lebensmittelarbeiter, die ich dort<lb/>
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verstossen würde.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-29_04">Mit Frau Minister <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs>, Sekt. Leiter <rs type="person" ref="#per__111378">Pindur</rs>, <rs type="person" ref="#per__97808">Petuely</rs>, <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> gehen wir noch einmal die Lebensmittelkennzeich<lb break="no"/>nungsverordnung durch. Bei der letzten Aussprache, wo wir gegla<lb/>
glaubt ahben, dass es nun endgültig Schluss ist, wurde<lb/>
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hatte ich dies so angenommen, dass ausser der Tiefkühlware,<lb/>
wo die Firmen die Aufbrauchsdaten angeben müssen, bei allen<lb/>
anderen Wahlmöglichkeit des Unternehmens, entweder Abfüll-<lb/>
oder Aufbrauchsdatum gegeben ist. Nun hat <rs type="person" ref="#per__111378">Pindur</rs> meiner<lb/>
Meinung nach sachlich zurecht für Halbwaren wie z.B. Fisch<lb break="no"/>marinaden, verlangt, dass man unbedingt das Aufbruchs<lb break="no"/>datum draufschreiben muss. Da der Konsument mit dem Erzeugungs<lb break="no"/>datumstempel nichts anfangen kann, da er nicht weiss, wielange<lb/>
die Ware normal hält. <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> besteht auf das Aufbrauchs<lb break="no"/>datum. <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs> war über diese Entwicklung nicht sehr glücklic<lb/>
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Ich ersuche ihn, er soll doch neuerdingsmit der Industrie<lb/>
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nach Ansicht <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz's</rs> unsere alleinige Kompetenz. Ich möchte<lb/>
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Haus und mit <rs type="person" ref="#per__97808">Petuely</rs> im besonderen bekommen würde.</p><pb n="18-1353" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-11-29_1353.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-29_05"><rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs> teilt mir mit, dass über die Preiskompetenz mit<lb/>
dem Landwirtschaftsministerium er einig gewesen ist.<lb/>
Die Beamten hätten dort auf ihr Mitwirkungsrecht verzich<lb break="no"/>tet. Minister <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> hätte nun diese Vereinbarung umge<lb break="no"/>stossen und verlangt die Mitsprache. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> versichert mir,<lb/>
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Zucker und Eiern und Geflügel, woe er ein eigenes Gesetz<lb/>
hat, umbedingt braucht. Ich rsuche <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs>, da <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs> bereits<lb/>
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in der Vereinbarung mit uns zu akzeptieren und im Mini<lb break="no"/>sterratsantrag festzuhalten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-29_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs> der Standpunkt <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs><lb/>
der diesen auch teilt, zur Kenntnis<lb/>
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sollten. Nachdem es gelungen ist, selbst Min.Rat <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzl</rs><lb/>
davon zu überzeugen, teile ich <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> mit, dass es möglich<lb/>
ist, diesen seinen Wunsch zu erfüllen. Ich erkläre ihm,<lb/>
dass ich deshalb forh bin, dass diese Lösung möglich<lb/>
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ter verhandeln und zu Ergebnissen kommen wird, da dieser<lb/>
nun deutlich dokumentiert, dass er das Vertrauen des ÖGB<lb/>
hat. IN den nächsten Jahren wird auf dem Preissektor eine<lb/>
enge Kooperation zwischen Gewerkschaftsbund und Ministerium<lb/>
notwendig sein. Im Preisregelungsgesetz ist zwar nur die<lb/>
AK als öffentlich-rechtliche Körperschaft eingeschaltet,<lb/>
dovh ist de facto der ÖGB und hier ganz besonders <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs><lb/>
der entscheidende Mann, der jede einzelne Preiserhöhung<lb/>
mehr oder minder genehmigen muss. In den vergangenen 3 1/2<lb/>
Jahren hat <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> jede einzelne wichtige Preisentscheidung<lb/>
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dieser Taktik festhalten. DArüber hinaus muss es mir ja<lb/>
auch gelingen, im Rahmen der Paritätischen Kommission<lb/>
durch geschicktes taktisches Verhalten <rs type="person" ref="#per__112051">Singers</rs> in Preis<lb break="no"/>fragen einen stärkeren Einfluss zu bekommen, um nicht<lb/>
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mehr auf die Sozialpartner ausredet, den Sozialpartner<lb break="no"/>kompetenzen und Entscheidungen überträgt, weitestgehend<lb/>
versuchen muss, zu entkräften. Richtig ist, dass man eigent<lb break="no"/>lich von der amtlichen Preisregelung die starr und unbeweg<lb break="no"/>lich ist, so schnell wie möglich wegkommen müsste. Bis be<lb break="no"/>dingt nach der jetzigen Spielregel, dass die Paritätische<lb/>
Kommission dann diese Produkte bearbieten muss. Wenn daher ei<lb break="no"/>ne weitere Auflockerung erfolgt und erfolgen soll, muss ich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> davon vorerst davon überzeugen. Dies wird hie vielen<lb/>
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und damit in den Bereich der Gewerkschaft der Lebensmittel<lb break="no"/>arbeiter. Hier wird <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> sofort wierder vermuten, dass<lb/>
ich aus gewerkschaftstaktischen Gürnden suchen, mich der<lb/>
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Zusicherungen gemacht habe. Es aht mir z.B. in der<lb/>
Angelegenheit Brotpreis und sonstige Preisbildung auf dem<lb/>
Getreide- und Mahlproduktensektor vorgeschlagen, ich sollte<lb/>
der Industrie sagen, sie soll so schnell wie möglich jetzt<lb/>
die Verbraucherpreiserhöhung verlangen und durchsetzen,<lb/>
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die Weihnachtsremuneration noch von den erhöhten Löhnen<lb/>
bezahlt werden muss. Ich habe dies-und <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> hat<lb/>
dafür vollstes Verständnis gehabt, entschieden abgelehnt,<lb/>
da ich darin eine Koppelungsaktion gesehen habe, die ich<lb/>
auch nicht als Arbeiterkammerdirektor jemals getan habe.<lb/>
Ich trennte bis jetzt und denke auch in Zukunft dabei zu<lb/>
bleiben, meine Funktion als sei es wie seinerzeit Kammeramts<lb break="no"/>direktor oder Minister und des Gewerkschaftsobmannes der<lb/>
Lebensmittelarbeiter. Die Tragik liegt nur darin, dass mir<lb/>
dies niemand glaubt.</p><pb n="18-1355" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-11-29_1355.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-29_08">Die Parlamentsverhandlungen üer die Gewerbeordnung hatten zu<lb/>
einem Ergebnis geführt, das mich selbst sehr überraschte.<lb/>
Da es mir doch in den dreieinhalb Jahren gelungen ist, die<lb/>
Gewerbeordnung so zu gestalten, dass ich annehmen konnte, dass<lb/>
sie einstimmig im Parlament angenommen wird, erwartete ich keine<lb/>
harte Diskussion. Dass aber letzten Endes <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und<lb/>
ganz besonders <rs type="person" ref="#per__112996">Staudinger</rs> eine solche Lobhymne auf die Arbeits<lb break="no"/>weise und letzten Endes auch auf die Taktik, die ich eingelegt<lb/>
hatte, anstimmen würden, überraschte mich doch sehr. <rs type="person" ref="#per__112996">Staudinger</rs><lb/>
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hatte vor einigen Tagen mich gefragt, ob ich die Würdigung aller<lb/>
Beamten und Experten, wie dies seinerzeit auch <rs type="person" ref="#per__97813">Piffl-Percevic</rs><lb/>
bei den Unterrichtsgesetzen getan hat, machen würde. Da mir<lb/>
diese Art der [Leerstelle im Original, Anm.] gar nicht liegt, erklärte ich <rs type="person" ref="#per__112996">Stau<lb break="no"/>dinger</rs>, dass dies keinesfalls der Fall sein würde sondern ich<lb/>
ganz allgemein zwar allen danken würde, aber dies in einem<lb/>
auch sonst von mir üblichen Art und WEise. <rs type="person" ref="#per__112996">Staudinger</rs> ersuchte<lb/>
mcih, ob er deshalb diese Funktion übernehmen dürfte und könne.<lb/>
Ich hatte dem selbstverständlich sofort zugestimmt, da ich<lb/>
auf dem Standpunkt stehe, jeder Abgeordnete soll das sagen, wofür<lb/>
er sich berufen fühlt und in der Art sagen, wie er dies eben kann<lb/>
und will. Dass aber dann nach meinem Schlusswort ich auch nichts<lb/>
anderes tat als hinzuweisen, dass letzten Endes es ein Kompromiss<lb/>
war, das zustandekam, einige Redner hatten darauf hingewiesen,<lb/>
ein Beifall bei allen Fraktionen des Hauses festzustellen war,<lb/>
überraschte mich sehr. Vizekanzler <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> meinte dann spasses<lb break="no"/>halber, so etwas hat er noch nie erlebt. Ich bemerkte, hoffent<lb break="no"/>lich kriege ich jetzt nicht eine Disziplinaruntersuchung vom<lb/>
Gewerkschaftsbund. Was mich aber wirklich überrascht hat,<lb/>
war, dass die ÖVP Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> heute als den Fachmann ur<lb/>
den Sektionsleiter nicht nur akzeptiert hat sondern darüber<lb/>
hinaus feststellte, dass er der beste ist, wenn ich bedenke,<lb/>
wie bei Beginn seiner Arbeit er umstritten war, dann beweist sich<lb/>
wieder einmal, wie Tüchtigkeit und Kenntnis selbst den Gegner<lb/>
stark beeindrucken. Für mich ist es eine Bestätigung, dass<lb/>
personalpolitische Entscheidungen, die bekanntlich zumindestens<lb/>
in meinen Augen die allerwichtigsten sind, die man treffen kann,<lb/>
alles andere ist fast nebensächlich, so fallen müssen, dass<lb/>
eben ein Fachmann, und zwar immer der beste Mann an die Stelle<lb/>
kommt, wo er frei arbeiten muss und letzten Endes aber sich dann<lb/>
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haben wir bis jetzt gemacht, sie war sehr erfolgreich und wir<lb/>
müssen sie auch in Zukunft fortsetzen. Wehe uns, wir treffen eine<lb/>
falsche Personalentscheidung, die gerade bei der Starrheit des<lb/>
Beamtenschemas und vor allem einmal des Beamtenschutzes kaum<lb/>
zu revidieren ist, dann holt uns sichelich der Teufel.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-29_09">Die Beschlussfassung über die Gewerbeordnung ging – da<lb/>
vorher eine zweieinhalbtägige Debatte über die grosse Strafrechts<lb break="no"/>reform die Aufmerksamkeit nicht nur des Hauses sondern noch viel<lb/>
mehr der Presse, des Rundfunks und Fernsehens in Anspruch genommen<lb/>
hatte, eigentlich propagandistisch bis jetzt unter. Ich hörte<lb/>
wie die ÖVP-Wirtschaftsbundabgeordneten insbesondere <rs type="person" ref="#per__97487">Graf</rs>, der<lb/>
Obmann und Sprecher des Wirtschaftsbundes im Parlament, selbst<lb/>
sehr empört waren, dass bei dem Debattenbeitrag von <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> nicht<lb/>
einmal die eigenen Leute alle im Saal waren. <rs type="person" ref="#per__98091">Withalm</rs> selbst<lb/>
machte mir gegenüber die Bemerkung, schauen sie sich die Presse<lb break="no"/>logen an, die vollkommen leer gewesen sind. Ich glaube, dass dies<lb/>
nicht zuletztn darauf zurückzuführen ist, weil es eben so wie<lb/>
immer vom Handelsausschuss um ein einstimmiges Gesetz sich handelt<lb/>
dass keine starke parlamentarische schwere Diskussionen der Frak<lb break="no"/>tionen erwarten liess. Für eine grösser e Möglichkeit haben wir<lb/>
jetzt systematisch bis zum Inkrafttreten der Gewerbeordnung Mitte<lb/>
des nächsten Jahres .propagandistisch diese Reform zu verkaufen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-29_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Bitte alle Vorbereitungen treffen und einen<lb/>
Plan erstellen, wie wir jetzt ausser der<lb/>
wöchentlichen Pressekonferenz, wo <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> STück<lb/>
für Stück der Ausarbeitung der Durchführungs<lb break="no"/>verordnung präsentieren wird, weitere Mass<lb break="no"/>nahmen treffen können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-29_11"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat von seinen schwedischen Freunden eine Mitteilung<lb/>
über die Einschränkung auf dem Energiesektor bekommen. Er lässt<lb/>
mich deshalb rufen, um mir dies mitzuteilen. Er ist bass erstaunt,<lb/>
dass ich die Details bereit alle weiss, mache ihn darauf aufmerksam<lb/>
dass ich sehr unglücklich bin, bei der nächsten Regierungsbe<lb break="no"/>sprechung mit der Gewerkschaft und dem Parteipräsidium mich<lb/>
nicht durchsetzen konnte, dass auch hier entsprechende Sparmass<lb break="no"/>nahmen , auch wen-n sie nur optisch sind, eingeleitet werden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> möchte uner allen Umständen verhindern, dass wir den Krisen<lb break="no"/><pb n="18-1357" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-11-29_1357.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>notstand auf Grund des Lastverteilergesetzes beschliessen, wie wir<lb/>
dies auch im Vorjahr getan haben, wie es aber <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> entschieden<lb/>
ablehnt. Da die Wasserführung besser ist, die E-Werke mit Kohle<lb/>
und Öl gut versorgt sind, meint <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> komme eine Ausrufung des<lb/>
Notstandes nicht in Frage. Diese Meinung hat ja auch bekanntlicher<lb break="no"/>weise <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> veranlasst ganz entschieden gegen meinen Vorschlag<lb/>
zu opponieren, Beleuchtung und insbesondere die Reklame vorzei<lb break="no"/>tig abzuschalten. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint sogar, ich sollte mir überlegen,<lb/>
dass wir ein anderes Gesetz beschliessen. Da ich dies für<lb/>
zweckmässig erachte, dafür auch gar nicht zuständig bin, halte<lb/>
ich halt noch die paar Wochen aus, bis ich auch für die E-Wirtschaft<lb/>
die Kompetenz habe, dann wäre der beste Ausweg, wenn wir bei<lb/>
einer günstigen Gelegenheit den dauernden Notstand proklamieren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-29_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: BItte überleg und erkundige Dich ob es<lb/>
eine solche Möglichkeit gibt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-29_13"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wird Sonntag mit <rs type="person" ref="#per__114110">Brandt</rs> und <rs type="person" ref="#per__114142">Palme</rs> zusammentreffen und<lb/>
ich mache ihn darauf aufmekrsam, dass diese beiden Regierungs<lb break="no"/>chefs wahrscheinlich auf ihn drängen werden, dass auch Österreich<lb/>
Massnahmen setzt, damit Einsparungen in den anderen beiden Staaten<lb/>
nicht so krass gegenüber der österr. Haltung absticht. Dabei,<lb/>
wie ich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sagte, istdie Vorratslage in Schweden wesentlich<lb/>
besser als bei uns, nur werden die Lager dort nicht angegriffen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint, er wird sich keinem Druck gegenübersehen, da er<lb/>
einen solchen auch nicht akzeptieren wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hatte ja<lb/>
seinerzeit als <rs type="person" ref="#per__114110">Brandt</rs> vor einigen Tagen seine Krisenansprache<lb/>
hielt, diese mit Blut- und Tränenrede <rs type="person" ref="#per__130217">Churchills</rs> verglichen<lb/>
und meinte, dass dies vollkommen falsch war. Ich bin auch nicht für<lb/>
die Dramatisierung der jetzigen Situation, bin aber fest überzeugt<lb/>
dass wir uns auf die DAuer schon aus rein optischen Gründen nicht<lb/>
werden uns erlauben können, fast keine Massnahmen zu setzen. Ich<lb/>
bin auch überzeugt, dass die österreichische Bevölkerung nicht<lb/>
nur solche Massnahmen anerkennen würde, sondern erwartet DIe<lb/>
Argumentation von <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs>, dass es für die Österreicher ein<lb/>
gutes GEfühl sein muss, dass sie seit 1900 das erste Mal besser<lb/>
leben als die Schweizer, geht meiner Meinung nach total da<lb break="no"/>neben. Wenn in der Schweiz Strom gespart wird, die Reklame vielleicht<lb/>
frühzeitig erlischt, so interessiert das den normalen Bürger<lb/>
überhaupt nicht. Im Gegenteil, die Österreicher werden sagen,<lb/>
<pb n="18-1358" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-11-29_1358.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>besser die sparen bei der Reklame als später müsste dann bei mir,<lb/>
sei es beim Koch- oder Heizstrom gespart werden. Der Vorwurf<lb/>
den man uns machen wird und mich wird er am meisten treffen, wird<lb/>
sein, dass wir ncht zeitgerecht Massnahmen gesetzt haben. Wenn<lb/>
einmal es tatsächlich zu einer echten Versorgungsschwierigkeit<lb/>
und Knappheit kommt, da ich diese nicht ausschliessen kann, hätte<lb/>
ich, wenn es nach mir gegangen wäre und wenn es nur optische<lb/>
Massnahmen gewesen wären, diese gesetzt. Beim höchsten politischen<lb/>
Gremium das wir aber haben und das ist das Präsidium des Gewerk<lb break="no"/>schaftsbundes und der Partei mit der Regierungsfraktion bin ich<lb/>
aber mit dieser Ansicht allein dagestanden, niemand hat mich<lb/>
unterstützt, viele waren dagegen. GEgen den Wind kann man nicht<lb/>
Klavierspielen.</p></div>
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