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            <title type="main">Mittwoch, der 21. November 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-21_01">Mittwoch, 21. November 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-21_02">Die Verhandlungen im Budgetausschuß über das Kapitel Handel<lb/>
war die kürzeste, die ich je erlebte. Die ÖVP hat als neue<lb/>
Taktik die ganze Anzahl von Fragen über die Beförderung, Be<lb break="no"/>setzung, beabsichgivten Dienstpostenänderungen usw. schriftlich<lb/>
jeden Minister sofort ausgehändigt und erwarte, daß die Fragen<lb/>
auch schriftlich beantwortet wrden. Damit will sie sich Ver<lb break="no"/>gleiche schaffen und dem Plenum dann entsprechende Attacken<lb/>
zu reiten. Da mich Amtsdirektor <rs type="person" ref="#per__137484">Schütz</rs> früher schon auf diese<lb/>
Methode 1 aufmerksam gemacht hatte, wollte ich vorerst, daß er<lb/>
mir die Unterlagen schon so weit vorbereitet, daß ich Antlwrten<lb/>
geben könnte. Dies würde erst zeigen, daß ich bim Stande bin<lb/>
sofort auch auf detaillierte Fragen zu antworten, was aber noch<lb/>
wichtiger wäre, die ÖVP hätte dann die Notwendigkeit, selbst<lb/>
mitzuschreiben und wäre außerstande, die Details wahrscheinlich<lb/>
aufzunehmen. <rs type="person" ref="#per__137484">Schütz</rs> erklärte aber, daß er dies Antworten so<lb/>
schnell gar nicht zur Verfügung stellen könne. <rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs> begann<lb/>
die Debatte mit seiner alten Frage, wie weit ich noch immer für<lb/>
das Wirtschaftswachstum bin und ob ich noch immer auf dem Stand<lb break="no"/>punkt stehe, daß unser Handelsbilanzdefizit unbedenklich ist,<lb/>
mehr in die Breite. <rs type="person" ref="#per__112996">Staudinger</rs> erschien bei mir, flüsterte mir<lb/>
zu, dies sei eine Ausnahme, <rs type="person" ref="#per__97749">Mitterer</rs> hätte entgegen ihrer Ab<lb break="no"/>sprache sich mehr vertieft als beabsichtigt sei. Tatsächlich<lb/>
haben dann alle .anderen Abgeordneten inkl. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, der<lb/>
später erschien und nur wegen Fremdenverkehr einige Fragen<lb/>
stellte und erwartet, daß die Bürges jetzt endlich die Kredit<lb break="no"/>aktionen nach Wunsch der Handelskammer ausdehnt, sich auch<lb/>
sehr kurz gefaßt. Ebenos knapp die Beantwortung und einige <choice><choice><sic>Gecks</sic><corr>Gags</corr></choice></choice><lb/>
an die 10 Anfrage nicht nur zufriedengestellt sondern es herrschte<lb/>
auch ein ausgesprochen gutes Klima. Wie dies übrigens bis jetzt<lb/>
noch bei djedem Ausschuß und bei jeder Materie war, die von<lb/>
mir behandelt wurde. In der Rekordzeit von 2 1/2 Stunden war<lb/>
die Debatte zu Ende.</p><pb n="18-1301" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-11-21_1301.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-21_03">Im Parteivorstand, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> war noch immer krank, berichtete<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98066">Weisz</rs> und ich hörte den ersten Teil ebenfalls über dei Budget<lb break="no"/>diskussion und meinte, sie war die flauste, die er je erlebt<lb/>
hat, Tatsächlich ist von den angekündigten heißen Herbst nicht<lb/>
zu bemerken. Die ÖVP versucht nun und scheinbar steigen Zeitungen<lb/>
darauf ein, daß sie keine Angriffe starten kann die große Ver<lb break="no"/>antwortungsbewußte Opposition zu spielen, die in der Krisen<lb break="no"/>situation in der sich Österreich jetzt befindet, eben nicht<lb/>
attackiert, sondern verantwortungsbewußt verhandelt.über Be<lb break="no"/>vorratung usw. Er müßte eigentlich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> jetzt mit seiner<lb/>
Taktik einsetzen um der Öffentlichkeit zu zeigen, daß die<lb/>
ÖVP gar nicht im Stande ist, wirklich zu attackieren. In meinen<lb/>
Augen ist ja die Tatsache, daß sie jetzt ununterbrochen wieder<lb/>
Gemeinsamkeiten suchen die unabhängige Preise jetzt von den<lb/>
Koalititonsgedanken erfüllt ist nur ein Ausfluss ihrer Unfähigkeit.<lb/>
Die Oppositionsrolle und ihre Funktionsrolle wirklich wahrzu<lb break="no"/>nehmen. Oppositioneller Kanzler habe ich das Gefühl spielt<lb/>
sich mehr intern zwischen den Bünden ab, als wie gegen die SPÖ<lb/>
im Parlament. Das mir persönlich diese Entwicklung sehr behagt<lb/>
bestreite ich var nicht, weil ich ja die ganze Zeit schon auf<lb/>
Zusammenarbeit in jeder Beziehung in meiner Kompetenz hinge<lb break="no"/>arbeitet habe und damit glaube ich auch gute Erfolge erzielte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-21_04">Im Parteivorstand verlangte auch <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs>, daß ich noch einen<lb/>
Bericht über die Ölsituation und Bevorratung gebe. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> war<lb/>
unglücklich, da er angenommen hat, er müßte über dieses Problem<lb/>
referieren. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> hatte menen Ministerratsvortrag über die Maß<lb break="no"/>nahmen die zu ergreifen sind, im nö. Parteivorstand kurz be<lb break="no"/>richtet und <rs type="person" ref="#per__97727">Fritz Marsch</rs> hat in deshalb ersicht, nachdem er<lb/>
angenommen hat, ich könnte infolge der Budgetdebatte nicht im<lb/>
Parteivorstand erscheinen, ihm ebenfalls ersucht, er möge im<lb/>
Parteivorstand dasselbe Referat wiederholen. Dabei verstand man<lb/>
meine Ausführungen zur Kenntnisn und in der Diskussion hat nur<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> gemeint es wäre zweckmäßig, wenn man die Funktionäre<lb/>
der Partei über die Fragen informiert. <rs type="person" ref="#per__97727">Marsch</rs> wies darauf hin,<lb/>
daß für die .... eine Information vorbereitet sei. Als diese<lb/>
ausgedruckt war, hat er sie mir gezeigt, ich habe<lb/>
<pb n="18-1302" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-11-21_1302.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>einige Fehler darin entdekct, wie z. B. behauptet er, daß<lb/>
wir zu 36 % unseren Rohölbedarf und Rohölprodukte aus eigenen<lb/>
fordern und decken können, in Wirklichkeit sind es nicht einmal<lb/>
ganz 25 % u d auch noch sonstige Behauptungen, die sonst nicht<lb/>
stimmen, doch war er froh, daß die Information im Grunde genommen<lb/>
nicht vollkommen falsch ist, wie dies bei den letzten von den<lb/>
Ländern nicht weitervertreiteten Informationsblatt gegen die<lb/>
unabhängige Presse, die <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> stürzen will, der Fall.war.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-21_05">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs><lb/>
Diese polemische Flugblatt enthebt uns nicht der Aufgabe, Vor<lb break="no"/>arbeiten für ein Weiss-Buch gewissenhaftst v fortzusetzen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-21_06">Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__147378">Montassa</rs> von Libyen und der lib. Botschafter<lb/>
sowie <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs>, <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, ein dritter Mann der ÖMV, <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> und <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs><lb/>
mein Mittagessen im Rathauskeller von mir gegeben, von der<lb/>
ÖMV bezahlt. Die ÖMV versucht jetzt mit Libyen nicht nur<lb/>
größere Öllieferungen zu vereinbaren, sondern auch gegebenen<lb break="no"/>falls eine Raffinerie entweder in Österreich oder einem anderen<lb/>
Land zu errichten. Es ist auch wahrscheinlich der tiefere Grund,<lb/>
warum sie sich so gegen eine gemeinsame Raffinerie gegen den<lb/>
Iran, welche von <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> beabsichtigt ist, auspricht. Da ich kon<lb break="no"/>kret mit diesem Problem noch nicht beschäftigt bin und die<lb/>
Absicht aus Bemerkungen die <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> und <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> gege über <rs type="person" ref="#per__147378">Montassa</rs><lb/>
machten, brauche ich noch nicht endgültig dazu Stellung nehemen.<lb/>
Im G und genommen aber bezweifle ich, ob diese Politik sehr<lb/>
zielführend ist. ........ hat den neuunterzeichneten irak. Ver<lb break="no"/>trag und auch eine Übersetzung des marok. ns englische mitge<lb break="no"/>bracht und ich habe sie <rs type="person" ref="#per__147378">Montassa</rs> überreicht und erklärt, auf<lb/>
einer ähnlichen Basisi könnten wir in kürzester Frist, wenn<lb/>
Libyen es wünscht, einen Wirtschaftsvertrag über techn. und<lb/>
wirtschaftl. Zusammenarbeit erstellen. Der Botschafter wird<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> über die Details Besprechungen führen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-21_07">In Genf nützte ich die Gelegenheit, um unsere Mission zu be<lb break="no"/>suchen und um mich mit den Kolleginnen und Kollegen dort kurz<lb/>
zu unterhalten. Dabei konnte ich feststellen, daß meistens<lb/>
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einige Monate, manche max. bis 1 Jahr oder 1 1/2 Jahre tätig.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__135642">Leitner</rs> <add>[evtl. Falschidentifikation, Anm.]</add> teilte mir mit, es war nicht eine Beschwerde,,sondern<lb/>
eine Feststellung, daß sie fast kein Pouvoir haben und deshalb<lb/>
auf Vorschläge z. B. im Rahmen der Sicherheitskonferenz, wo<lb/>
sich die Weisung nur rezeptiv zuverhalten haben, nicht ent<lb break="no"/>scheidend genug schnell eingehen können. Das Endergebnis ist,<lb/>
daß bei allen diesen Verhandlungen auf internat. Ebene Österreich<lb/>
für Zugeständnisse, die es dann letzten Endesmacht, nicht ein<lb/>
tauschen kannn. Diese Bürokratie in Österreich sich letzten Endes<lb/>
zu irgendeiner Idee pos. äußert, hat ein anderer Staat diese be<lb break="no"/>reits aufgegriffen, den anfordenden irgend etwas gegeben und seine<lb/>
eigenen Interesse dabei durch gesetzt. Österreich kommt mit<lb/>
den Zugeständnissen immer zu spät.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-21_08">Beim Empfang und dann insbesondere bem Abendessen der Minister<lb/>
mit je zwei Mitarbeitern, mich begleitete <rs type="person" ref="#per__137454">Martins</rs> und <rs type="person" ref="#per__146254">Eiger</rs><lb/>
konnte ich mit <rs type="person" ref="#per__97433">Feldt</rs>, Schweden und <rs type="person" ref="#per__97636">Kleppe</rs>, der zwar Finanzminister<lb/>
ist aber den Aussenhandelsminister diesmal vertrat, über die<lb/>
Stellung der nord. Staaten und Spanienproblem eingehender be<lb break="no"/>sprechen. Beide erklärten übereinstimmend, daß sie eine Lösung<lb/>
mit Spanien wünschen, aber nicht daß EFTA hier off. ein Assozi<lb break="no"/>ierungsabkommen abschließen sollte. Irg und .... wäre im Rahmen<lb/>
der EFTA mit Spanien verhandelt wird, aber bilaterale Verträge<lb/>
dann der einzelnene Staaten mit Spanien abgeschlossen werden.<lb/>
Dieses Modell ist ähnlich der EWG , wo <choice><choice><sic>wir</sic><corr>[oder?] die EFTA-Staaten</corr></choice></choice> ebenfalls bilaterale<lb/>
Verhandlungen und Abschlüsse getätigt haben. Nach dem Essen beim<lb/>
Kaffee referierte GenSekr <rs type="person" ref="#per__97853">Rabaeus</rs> überseine Besprechungen mit den<lb/>
span. Vertretern und <rs type="person" ref="#per__97433">Feldt</rs> fragte dann offiziell, wer was dazu<lb/>
zu sagen hat. Ich selbst stellte nur fest, daßwir innterhalb<lb/>
der österr. Regierung über dieses Problem noch beraten müssen<lb/>
und wir d nicht beabsichtigen, über unsere starke Gewerkschaft,<lb/>
die sich gegen einen Beitritt Spaniens ganz entschieden aus<lb break="no"/>spricht entscheiden. Die nordischen Länder wünschen ebenfalls<lb/>
nur eine wirtschaftliche FLösung, eben wie sie <rs type="person" ref="#per__97433">Feldt</rs> mir vorher<lb/>
schon geschilde t hat und übrigens <rs type="person" ref="#per__97853">Rabaeus</rs> mir dann als sein<lb/>
letztes Modell auch bestätigte und <rs type="person" ref="#per__97433">Feldt</rs> hat festgehalten, daß<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97853">Rabaeus</rs> kein Mandat bekommen könnte zu verhandeln, sondern nur<lb/>
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nicht allzu ergibig, weil man sich natürlich primär über<lb/>
die Ölsituation unterhielt. <rs type="person" ref="#per__97375">Brugger</rs> selbst konnte gar nicht<lb/>
daran teilnehmen, da er noch in Bern Verhandlungen führen<lb/>
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Kontingentierungsmaßnahmen, wir sogar die Sitzung später be<lb break="no"/>gannen um im Fernsehen ev. <rs type="person" ref="#per__97375">Brugger</rs> zu lauschen.</p></div>
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               <persName type="label">Brugger, Ernst</persName>
               <persName><surname>Brugger</surname><forename>Ernst</forename></persName>
               <occupation>Schweizer BR f. Wirtsch.</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__137484">
               <persName type="label">Schütz, B</persName>
               <persName><surname>Schütz</surname><forename>B</forename></persName>
               <occupation>Beamter [Amtsdirektor HM; 1971 von JS als B-Beamter bezeichnet, der das
                  Budget im Einzelnen ausarbeitet und im Detail kennt]</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97543">
               <persName type="label">Heindl, Kurt</persName>
               <persName><surname>Heindl</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/102318379X</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97668">
               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118566512</idno>
               </person>
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