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            <title type="main">Donnerstag, der  8. November 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-08_01">Donnerstag, 8. November 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-08_02">In der Fragestunde hat Eck über die Anmeldung der österreichischen<lb/>
Patente Auskunft gewünscht. In der Zusatzfrage gings ihm tat<lb break="no"/>sächlich über die wie ich empfohlen habe, nämlich zu fragen,<lb/>
wieviel die österreichischen Patente im Verhältnis zu anderen<lb/>
betragen, hatte ich mir vorgestellt den immer größeren perzentuelle<lb/>
Anteil zu demonstrieren. <rs type="person" ref="#per__98091">Withalm</rs>, der alte schlaue Parlamentarier<lb/>
hat sofort überringelt, daß diese Zusatzfrage gestelt war und<lb/>
mich dann auch sehr diskret, aber doch darauf aufmerksam gemacht.<lb/>
Einmal hatte ich gmeinen Grundsatz verlassen, eben nicht über<lb/>
die Zusatzfragen mich mit den Anfragenden abzusprechen und<lb/>
schon bemerkt man, daß dies dann eben gestellt ist. Eine heil<lb break="no"/>same Lehre für mich. Die ÖVP beginnt die Ölsituation zu nützen<lb/>
und sowohl in Anfrage als auch in der Diskussion zum Rohstoff<lb break="no"/>lenkungsgesetz mich zwar sehr schonend, aber immerhin doch zu at<lb break="no"/>tackieren. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> meint, wir müßten unsere Taktik ändern. Die öffentl.<lb/>
Meinung ist derzeit noch nicht stark gegen mich gerichtet, weil<lb/>
sie annehmen, daß ich ihnen zwar die Wahrheit sage, aber doch<lb/>
vielleicht zuviel verspreche, daß die Versorgungslage vollkommen<lb/>
normal ist. Wenn man nämlich selbst kein Ofenheizöl bekommt,<lb/>
hat von von solchen Beteuerungen wenig. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> meinte nun, wir<lb/>
sollten eine Art Strategie entwickeln, wo wir die Bevölkerung<lb/>
schrittweise aufklären und Maßnahmen die zu setzen sind, bis zur<lb/>
Bewirtschaftung nicht nur vorbereiten, sondern auch explizieren.<lb/>
Ich konnte mich mit <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> über diesen Punkt nicht einigen. Ich<lb/>
fürchte, daßß wenn wir auch nur demonstrativ die notwendigen<lb/>
Maßnahmen, die bei einer eventuellen Ausbleiben der Rohölmengen zu<lb/>
erwarten sind, jetzt der Bevölkerung jtzt schon vordemonstrieren,<lb/>
daß dies nur zu weiteren Hamsterkäufen führen muß. Ich nehme an,<lb/>
wenn die Benzin- und Rohölpreise in kürzester Zeit praktisch er<lb break="no"/>höht werden, daß dann automatisch eine gewisse Beruhigung ein<lb break="no"/>treten wird. Die jetzt durchgeführten Hamsterkäufe sind ja nicht<lb/>
zuletzt darauf zurückzuführen, daß jeder eine Preiserhöhung er<lb break="no"/>wartet und deshalb sein Benzin und sein Heizöl kann ja nur mehr<lb/>
wert werden. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> meinen Plan demonstriert, daß<lb/>
wir mit der Straßenverkehrsnovelle auch gleichzeitig dann im Haus<lb/>
<pb n="18-1229" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-11-08_1229.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>die Möglichkeit haben, wirklich die notwendigen Abänderungsan<lb break="no"/>träge in Form von Fahrverbot zu gewissen Tagen und Höchstge<lb break="no"/>schwindigkeit aus entweder Ersparnisgründen oder Sicherheits<lb break="no"/>gründen dann im Gesetz zu verankern. <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> wollte mir ein<lb break="no"/>reden, daß wir unbedingt das Rohstofflenkungsgesetz in der 2.<lb/>
Lesung noch abändern sollen in der Form, daß wir auch Undver<lb break="no"/>brauch in die Lenkung aufnehmen. Kompliziert hätte ich dann auch<lb/>
den Verbrauch von Benzin an gewissen Tagen verbieten können. Eine<lb/>
irrsinnige Konstruktion, wenn sie auch rechtlich vielleicht ein<lb break="no"/>wandfrei wäre.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-08_03">Beim Rohstofflenkungsgesetz wollte die ÖVP und sie hat sich<lb/>
schon die Unterstützung der SPÖ gesichert gehabt, außer einer<lb/>
Entschließung, wo die Regierung aufgefordert wird, Bevorratungs<lb break="no"/>gesetz zu schaffen, daß auch von den Sozialisten akzeptiert wurde,<lb/>
noch eine zweite Entschließung vorbereitet, wonach ich einen<lb/>
Bericht über die Versorgungslage dem Parlament zu erstatten<lb/>
hätte. Ich konnte <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> davon überzeugen, daß eine solche<lb/>
Vorhangsweise zum jetzigen Zeitpunkt unzweckmäßig ist. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
hat ihnen ja bereits angekündigt, daß wir in der nächsten Woche<lb/>
Parteiengespräche über ein Bevorratungsgesetz aufnehmen. Dort<lb/>
sollte auch die Vorgangsweise wie dem Parlament oder dem<lb/>
Parlamentsklub eine Information zugeht, besprochen werden. So<lb break="no"/>wohl <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> als auch <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> haben dann bei Klubbesprechungen ver<lb break="no"/>sichert, daß die Kooperation mit dem Handelsministerium und auch<lb/>
mit mir sehr gut funktioniert. Sie sehen ein, daß daudrch irgend<lb break="no"/>welche Ziffern resp. Berichte die Öffentlichkeit nicht unnötig<lb/>
beunruhigt werden sollen und waren einverstanden, von ihrer Ent<lb break="no"/>schließung Abstand zu nehmen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-08_04">Sir <rs type="person" ref="#per__149213">Rudy Sternberg</rs>, der vom Donaueuropäischen Institut als deren<lb/>
Vertreter in London eine Auszeichnung erhalten hat, kam ins<lb/>
Parlament, um mit dem brit. Botschafter über die Rohölsituation<lb/>
mit mir zu reden. <rs type="person" ref="#per__149213">Sternberg</rs> hat eine große Firma, die in Deutsch<lb break="no"/>land eine Zweigniederlassung hat und größere Chemiegeschäfte<lb/>
tätigt. Er ist davon überzeugt, daß in Hinkunft die Sowjets<lb/>
weniger Rohöl, wie er sich ausdrückte, groel liefert, sondern<lb/>
<pb n="18-1230" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-11-08_1230.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>mehr Naphta. Mit diesen Naphta könnte dann der Bedarf der<lb/>
chem. Industrie an Äthylen usw. leicht befriedigt werden.<lb/>
Sternberg wird mit der ÖMV Besprechungen aufnehmen, um ev.<lb/>
Verbindungen von Lieferungen anzuknüfpfen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-08_05">Ing. <rs type="person" ref="#per__97787">Nouza</rs> von der Fa. Avanti kam mit Ing. <rs type="person" ref="#per__149148">Rawi</rs>, einem Kuwaiter,<lb/>
der angeblich 7 Mio. <choice><choice><sic>crutoil</sic><corr>crude oil</corr></choice></choice> d.h. Rohöl, in Saudi-Arabien gekauft<lb/>
hat. Außerdem sollen noch 15 Mio. in Irak von ihm für 3 Jahre<lb/>
Lieferung zur Verfügungstehen. <rs type="person" ref="#per__149148">Rawi</rs> möchte nun mit <rs type="person" ref="#per__97787">Nouza</rs> und<lb/>
einem gewissen Baron <rs type="person" ref="#per__149231">Tavonat</rs>, der in Kuwait auch andere<lb/>
Geschäft macht, diese Ölmengen oder Teile davon über die Avanti<lb/>
nach Österreich bringen. <rs type="person" ref="#per__97787">Nouza</rs> hat aber keine Raffineriekapazität<lb/>
auch die ÖMV ist nicht bereit, eine Lohnverarbeitung für ihn<lb/>
durchzuführen, so daß er mit dieser Rohölmenge nach Triest, Fa.<lb/>
Total, Leco, einer privaten Raffinerie oder sogar nach Söni-Ungarn<lb/>
mit Mineralindex gehen muß. Die ÖMV sabotiert ihn nun Saudi-Arabien<lb/>
und ganz besonders in Irak. Er glaubt, daß die Inoc, die<lb/>
<choice><choice><sic>Internationalölcompany</sic><corr>Iraq National Oil Company</corr></choice></choice> ihn deshalb das Öl vorenthält. In Wirk<lb break="no"/>lichkeit bin ich überzeugt, hat <rs type="person" ref="#per__97787">Nouza</rs> zwar vielleicht gute Ver<lb break="no"/>bindungen mit Agenten wie <rs type="person" ref="#per__149148">Rawi</rs>, aber sicherlich keine Ausfuhr<lb break="no"/>genehmigung oder festen Kontrakt mit Inoc, Die ÖMV nun möchte<lb/>
unter allen Umständen für sich das Irak-Geschäft monopolisieren.<lb/>
Ich habe <rs type="person" ref="#per__97787">Nouza</rs> dezidiert erklärt, insbesondere nachdem er mir<lb/>
nachher unter vier Augen noch sagte, er hätte auch in Libyen<lb/>
gute Verbindungen und <rs type="person" ref="#per__123182">Gaddafi</rs> kenne ihn, daß ich mich in die<lb/>
privatrechtliche Auseinandersetzungen zwischen den Firmen nicht<lb/>
einschalte. Ich selbst gab aber dezidiert meiner Überzeugung<lb/>
Ausdruck, daß die INOC als verstaatl. Monopolbetrieb nicht be<lb break="no"/>reit sein wird, mehreren Firmen Öl zu verkaufen, ohne dabei die<lb/>
Firmen gegeneinander auszuspielen und nur bessere Konditionen<lb/>
und Preise für sich zu erreich n. <rs type="person" ref="#per__97787">Nouza</rs> bestritt dies zwar und<lb/>
meinte, es könnte sowohl die ÖMV als auch er die entsprechenden<lb/>
Rohölmengen leicht bekommen. Dem steht aber die derzeitige Ent<lb break="no"/>wicklung genau konträr.</p></div>
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            <head>Tagesprogramm, 8.11.1973</head>
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