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            <title type="main">Mittwoch, der  7. November 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-07_01">Mittwoch. 7. November 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-07_02">Dr. <rs type="person" ref="#per__149038">Weiser</rs> vom Dienststellenausschuß des Patentamtes teilte<lb/>
uns mit, daß dieser einstimmig beschlossen hat, an erster<lb/>
Stelle den neuen Präsidenten Vizepräsidenten <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> vorzu<lb break="no"/>schlagen. Ich veranlasse, daß diese Mitteilung unverzüglich<lb/>
auch SChef <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> persönlich mit von mir einbegleiteten<lb/>
Worten überbracht wird. <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> ist über diese Mitteilung,<lb/>
wie mir <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> nachher sagte, nicht sehr glücklich. Da nun<lb/>
Präsident <rs type="person" ref="#per__98012">Thaler</rs> und auch der Dienststellenausschuß <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs><lb/>
vorschlagen, ist kaum mit einer anderen Bestellung durch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> zu rechnen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-07_03">Im Klub berichtet <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ganz kurz über die politische Lage<lb/>
und ganz besonders über die Idee von der ÖVP und einzelnen<lb/>
sogenannten unabhängigen Zeitungen jetzt eine Allparteien<lb break="no"/>Regierung zu bilden. In der Schweiz meinte er, funktioniert<lb/>
dies besser, weil 1. keine Fraktionszwang existiert, die<lb/>
soz.demokratische Partei dort auch gar nicht als zentrale<lb/>
Partei in Erscheinung tritt. sondern jede einzelne Kanton.<lb/>
jede Sprachgruppe, ihre eigene Organisation hat, die nicht<lb/>
nur so wie unsere Länder-Organisation selbstständig ist, sondern<lb/>
wirklich eine eigenen Politik betreibt. Die Aufgliederung der<lb/>
Regierung in fachgruppenmäßige, kantonale parteipolitische<lb/>
und religionsbekenntnismäßige Gliederung ergibt, bei der<lb/>
Bundesrat, d.h. Regierungsbesetzung eine große Schwierigkeit,<lb/>
doch werden diese Bundesräte auf fast Lebenszeit gewählt und<lb/>
stehen geschlossen zum Parlament in einem einheitlichen Gegen<lb break="no"/>satz. Ein solches System käme für Österreich nach Meinung<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, ich bin hier ganz gegenteiliger Meinung, nicht in<lb/>
Frage und deshalb sei eine <choice><choice><sic>Allregierung</sic><corr>Allparteienregierung</corr></choice></choice> in Österreich auch<lb/>
weder erstrebenswert noch zielführend. Er hätte sich deshalb<lb/>
von großen Anhängern der Koalition, die er noch 1966 lebhaft<lb/>
vertrat, weil er befrüchtete, daß die Narben der Vergangenheit<lb/>
noch nicht verheilt sind, seit damals nur einen Gegner der großen<lb/>
Koalition entwickelt. In der großen Koalition hätte für jede von<lb/>
uns angestrebte gesetzliche Regelung und Reform immer wieder auch<lb/>
<pb n="18-1220" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-11-07_1220.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>der anderen Steite entsprechende Zugeständnisse gemacht werden<lb/>
müssen. Jetzt könnte ohne diesen Kuhhandel soz. Programm ver<lb break="no"/>wirklicht werden. Ich teile diese Meinung nicht, denn auch jetzt<lb/>
werden auf der anderen Seite entsprechende Konzessionen gemacht,<lb/>
ohne allerdings daß dies regierungsmäßig oder im Parlament ver<lb break="no"/>einbart wird. Den Gewerbetreibenden, den Bauern und sw. wird,<lb/>
aus welchen Gründen immer, auch jetzt entsprechende Konzessionen<lb/>
vom Finanzminister gewährt. Da keine Zeit mehr zur Diskussion<lb/>
blieb, hat sich zu diesem Problem niemand gemeldet. Wahrschein<lb break="no"/>lich hätte aber auch selbst bei noch so viel Zeit über dieses<lb/>
Problem niemand mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> diskutiert. Er hat in diesem Punkt<lb/>
eine vorgefaßte sture Meinung und wird sie sicherlich weiter<lb/>
verfechten und dnrchzieheh. Bis zu den nächsten Wahlen 1975<lb/>
besteht auch tatsächlich gar kein Grund, das System zu ändern.<lb/>
Allerdings baut er mit diesen Äußerung jetzt bereits irgendwelchen<lb/>
Wünschen des Gewerkschaftsbundes einer großen Koalition vor<lb/>
in dem er versucht, die Funktionäre der soz. Partei gegen eine<lb/>
solche Idee zu immunisieren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-07_04">KzlRat <rs type="person" ref="#per__136694">Wohl</rs> von der Mitterberger hofft, daß er noch einen größeren<lb/>
Beitrag aus der Bergbauförderung erhalten kann. Ich erkläre ihm,<lb/>
daß dies vollkommen hoffnungslos ist, weil mit den 1,1/2 Mio<lb/>
Budgetüberschreitungsgesetz endgültig der Betrag von 10 Mio für<lb/>
Mühlbach, aber auch für die BBU festgelegt ist. <rs type="person" ref="#per__136694">Wohl</rs> möchte<lb/>
in Mühlbach eine größere Hütte erreichten. Derzeit werden 200.000t<lb/>
Hauffwerk, das ergibt 3.000 t Kupfer produziert. Diese Menge<lb/>
sollte auf 330.000 erhöht werden, was 4 1/2 tausend t Kupfer er<lb break="no"/>gibt. Eine Anlage würde 110 Mio S betragen. <rs type="person" ref="#per__136694">Wohl</rs> möchte nun,<lb/>
daß ein wesentlich größeres Hüttenwerk von 15 – 20.000 t er<lb break="no"/>richtet wird, da dies nur 200 Mio Investitionen kosten würde.<lb/>
Dafür würde er philipp. Erz, aber auch slow. Erz einführen.<lb/>
Ich kann mir nicht vorstellen, daß die hohen Transportkosten,<lb/>
die auf alle Fälle bis Mühlbach anfallen, dann noch eine kosten<lb break="no"/>deckende Verarbeitung ermöglichen. <rs type="person" ref="#per__136694">Wohl</rs> behauptet dies. Dieses<lb/>
Problem muß aber von der ÖIAG gelöst werden.</p><pb n="18-1221" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-11-07_1221.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-07_05">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs><lb/>
Bitte mit <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> eine Besprechung im Institut vorbereiten,<lb/>
ob die ÖIAG die entsprechenden Investitionen finanziert und<lb/>
Rentabilitätsberechnungen geseitzt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-07_06">Der derzeitige Schwemminhalt der 200.000 t Hauffwerk geht in<lb/>
den Mühlbach. Jetzt soll daraus eine Quarzfeinsand in der<lb/>
ersten Ausbaustufe von 60.000 t gewonnen werden. Zu diesem<lb/>
Zweck wurde mit anderen Firmen eine Feinsand-GesmbH mit einem<lb/>
Investitionsaufwand von 15 Mio S gegründet. 60 % dieses Be<lb break="no"/>trages soll der Wasserwirtschaftsfonds beisteuern. Darüber<lb/>
hinaus will sich Mitterberg an der Mittersiller Gelit-Abbau<lb/>
beteiligen. Hier hat sich auch die VOEST interessiert. Der<lb/>
<choice><choice><sic>Investaufwand</sic><corr>Investitionsaufwand</corr></choice></choice> ist 300 Mio der je zur Hälfte aufgebracht werden<lb/>
soll. Die deutsche Metall hat sich noch nicht entscheiden ob<lb/>
sie VOEST, Mitterbach-Kupfer als Partner wählt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-07_07">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs><lb/>
Auch dieses Problem mit <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> besprechen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-07_08">Für die Frauen möchte <rs type="person" ref="#per__136694">Wohl</rs> einen Elektrobetrieb, an der sich<lb/>
ebenfalls die Kupferwerke beteiligen gewinnen. Darüber hinaus<lb/>
soll für den Fremdenverkehr, das Tal sollte für Sommer- und<lb/>
Winterurlauber bestens erschlossen werden und womöglich ein<lb/>
Kurort werden, auch durch Beteiligung der Kupferbergwerke-<lb/>
Gesellschaft besser aufgeschlossen werden. Zusammenfassend<lb/>
hatte ich den Eindruck, daß kaum liegt der Kupferpreis nicht<lb/>
mehr so tief und die Firma hat ein wenig Luft, sie sofort m t<lb/>
gigantischen Plänen in Erscheinen treten will. Die Initiative<lb/>
ist sehr lobenswert, ich kann mir allerdings nicht vorstellen,<lb/>
daß die Finanzmöglichkeiten jemals dafür geschaffen werden<lb/>
können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-07_09">Botschafter <rs type="person" ref="#per__148072">Ziegler</rs>, der nach Malaysia geht, möchte gerne, daß<lb/>
unser Warenverkehr, der derzeit ca. 50 Mio S und 150 Mio S<lb/>
Import beträgt, vergrößert wird. Ihm schwebt eine bessere<lb/>
Relation und ein größeres Austauschvolumen vor, nachdem die<lb/>
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ihn natürlich in jeder Beziehung unterstützen würde, daß<lb/>
ich allerdings keine g konkrete Möglichkeit sehe, wie man<lb/>
ohne Initiative von einzelnen Firmen eine Verbesserung der<lb/>
Exportes, ja selbst auch des Importes erreichen könnte. <rs type="person" ref="#per__148072">Ziegler</rs><lb/>
wird erst unsere Informationsrunde mitmachen znd ich habe<lb/>
ihn gebeten er soll mir anschließend seinen Eindruck über diese<lb/>
Serviceleistung für abgehende Botschafter mitteilen. Bits<lb/>
jetzt nämlich haben wir positive Ergebnisse und auch ent<lb break="no"/>sprechende Anerkennung mit dieser Neueinführung erhalten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-07_10">Bürgermeister a. D. <rs type="person" ref="#per__136789">Scherbaum</rs> und Direktor der Gasgesellschaft<lb/>
<rs type="person" ref="#per__146905">Kleinhansel</rs> waren sehr erfreut von mir zu hören, daß sie bevor<lb/>
sie interveniert haben, ich mit der Austria Ferngas schon ge<lb break="no"/>sprochen habe, daß 200.000 m3 Erdgas, welches sich allerdings<lb/>
bis zum Jahre 1978 auf 3 1/2 Mio erhöhen werden, gesprochen<lb/>
habe, damit diese Menge auch tatsächlich bereitgestellt wird.<lb/>
Sowohl <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs> als auch <rs type="person" ref="#per__97496">Gruber</rs> waren innerlich erschüttert,<lb/>
als sie meine Verwunderung bemerkten, daß ein städtisches Ge<lb break="no"/>biet von der steirischen Austro-Ferngas so schlecht behandelt<lb/>
wird, daß nicht einmal 200.000 m3 bereitgestelot werden. Graz<lb/>
kann sich keine dritte Anlage von 25 Mio S für Spaltgaserzeugung<lb/>
leisten, weil sie befürchtet, daß nach paar Jahren, wenn ent<lb break="no"/>weder sowjetischer oder algerisches Erdgas kommt, diese Anlagen<lb/>
nicht mehr eingesetzt werden können. Sie möchten sich ganz auf<lb/>
Erdgas umstellen. Eine solche Politik halte ich vom Versorgungs<lb break="no"/>standpunkt sehr gefährlich, weil wenn das sowj. oder alger.<lb/>
Erdgas, aus welchen Grund immer, ausfällt, sie dann ihre städt.<lb/>
Verbraucher nicht mehr beliefern können. Die Gemeinde Wien z.<lb/>
B. hat sehr wohl eine große Spaltgasanlage, gegebenenfalls in<lb/>
Reserve, um eben die Versorgung einigermaßen aufrecht erhalten<lb/>
zu können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-07_11"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat bei der Generaldebatte über das Budget zu erkennen<lb/>
gegeben, wo sich die Stoßrichtung der Wirtschaft hinwendet. Er<lb/>
kritisierte, daß wir für die Industrieförderung so wenig ausgeben.</p><pb n="18-1223" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-11-07_1223.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-07_12">Da diese Post ja tatsächlich größtenteils im Stabilisierungs<lb break="no"/>teil und nicht im Grundbudget sich befindet. Außerdem meinte<lb/>
er, daß sich das Ministerium jetzt noch mehr als Konsumenten<lb break="no"/>ministerium und als Preisministerium entwickeln wird. Insbe<lb break="no"/>sonders kritisierte er die 6 Mio S die für den Verein für Kon<lb break="no"/>sumenteninformation aufgewendet werden soll. Ich konnte nicht<lb/>
unterlassen, ihn in einem Zwischenruf aufmerksam zu machen, daß<lb/>
die Handelskammer ja jetzt sogar von mir 7 Mio S verlangt.<lb/>
Nach seiner Rede erklärte er mir unter vier Augen, daß er auch<lb/>
beim Rohstofflenkungsgesetz ein bißchen attackieren muß, wobei<lb/>
ich ihm gleich versichern muß, wobei ich ihm gleich versicherte,<lb/>
daß ich dafür vollstes Verständnis habe, ja nur halt nicht allzu<lb/>
falsche Behauptungen aufstellen dürfe, weil ich dann naütrlich<lb/>
sofort dagegen reagieren werde. Ich teilte ihm auch mit, daß<lb/>
die Zentralstelle für Mineralölwirtschaft jetzt die Bewirtschaf<lb break="no"/>tung von Heizöl wünscht und MR. <rs type="person" ref="#per__125823">Hanisch</rs> die entsprechenden Vor<lb break="no"/>bereitungen über den Arbeitsausschuß für die wirtschaftl. Landes<lb break="no"/>verteidigung einleitet. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> stimmte zu, daß die Marken tat<lb break="no"/>sächlich jetzt gedruckt werden sollen, doch meinte er, er müsse<lb/>
die Zentralstelle auf alle Fälle mit diesen wahnsinnigen Be<lb break="no"/>wirtschaftungswünschen zurückpfeifen. Er nahm mit Befriedigung<lb/>
zur Kenntnis, daß ich auch jetzt im Hause an die Adresse der<lb/>
Freiheitlichen gerichtet, in der Fragestunde erklärte, daß<lb/>
<rs type="person" ref="#per__125823">Hanisch</rs> mit Jahresende in Pension geht. Die von mir dort ange<lb break="no"/>kündigte Reorganisation und Verbesserung des Apparates, ohne<lb/>
daß neue Beamten aufgenommen werden, wird dadurch erfüllt, daß<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> den Bewirtsschaftungsteil übernimmt, er<lb/>
nicht nur mehr Leute in seiner Abteilung hat als <rs type="person" ref="#per__125823">Hanisch</rs> jetzt,<lb/>
sondern auch er noch die Branchenreferenten als auch die Be<lb break="no"/>wirtschaftung durchführende Institutionen eingeschaltet werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-07_13">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs><lb/>
Bitte das Fragenstundenprotokoll von Nationalrat anfordern und<lb/>
durchsehen, wie dies sonst <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> macht.</p><pb n="18-1224" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-11-07_1224.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-07_14">In der Paritätischen Kommission hat mir <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs>, <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> fehlten, mitgeteilt, daß die vormittags über 4<lb/>
Stunden die Tagesordnung durchberateten. Der größte Teil<lb/>
der Anträge für Preiserhöhungen wurde allerdings wieder<lb/>
dem Preisunterausschuß rückverwiesen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat mir eine<lb/>
Aufstellung geschickt, woraus ersichtlich ist, daß tatsächlich<lb/>
etliche Dutzende von Preisanträgen in dem Preisunterausschuß<lb/>
hängen. <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs> hat mir mktgeteilt, daß sie jetzt in der Bundes<lb break="no"/>kammer einen vierten Beamten ausschließlich mit dem Preisunter<lb break="no"/>ausschuß beschäftigen und sogar neu aufgenommen haben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-07_15">Ich habe mit <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> über die zu erwartenden Roh<lb break="no"/>ölproduktpreiserhöhungen gesprochen. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> ist strikte gegen<lb/>
den Plan, <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs>, der hat mit ihm nochmals versucht ein<lb/>
Akkord zu erreichen, d.h. gegen eine Freigabe des Benzinpreises,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> befürchtet, daß dann im Westen ein höherer Benzinpreis<lb/>
als im Osten ist und damit ein politisches Motiv in die Preis<lb break="no"/>bestimmung getragen wird, welche wir nicht durchstehen. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs><lb/>
aber auch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> gaben seine Zustimmung, daß wir bis zu einem<lb/>
Schilling die Preise erhöhen können. Mein Vorschlag, daß dies<lb/>
über Nacht womöglich geschehen muß, wird von beiden akzeptiert.<lb/>
Auch <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> den ich davon Mitteilung machte und insbesondere<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> ist mit dieser Vorgangsweise voll einvertanden. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs><lb/>
erwartet, daß wir spätestens bis 15. November die Preise fixiert<lb/>
haben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-07_16">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs><lb/>
Bitte detailliert die Auswirkunge auf die Lebenshaltungskosten<lb/>
berechnen lassen und mir den Rechengang vorlegen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-07_17"><rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> hat in seinem Beitrag zur ersten Lesung des Budgets vorge<lb break="no"/>schlagen, daß die ÖVP morgen beim Rohstofflenkungsgesetz eine<lb/>
Schließung einbringen wird, daß unverzüglich die Regierung ent<lb break="no"/>sprechende Bevorratungsgesetze vorlegen soll. Ich habe mich<lb/>
im Klub dafür eingesetzt, daß wir dies annehmen sollen und<lb/>
auch <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> bestätigte mir, daß es zweckmäßig ist hier der<lb/>
<pb n="18-1225" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-11-07_1225.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ÖVP entgegenzukommen. Er selbst ist nun bereit, doch auf<lb/>
diesem Geibet in steuerlicher Hinsicht, z. B. wie vorgeschlagen<lb/>
habe die Pflichtlagermenge aus der Vermögensbesteuerung heraus<lb break="no"/>zunehmen, d.h. aus den Betriebsvermögen auszuscheiden, zu ak<lb break="no"/>zeptieren. Darüber hinaus möchte er sogar die Devisenreserven<lb/>
der Nationalbank heranziehen um entsprechende Lager in Öster<lb break="no"/>reich zu errichten. Für diese könnte er sich sogar Zinsenzu<lb break="no"/>schüsse und verbilligte Kredite von 4 % vorstellen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-07_18">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs><lb/>
Wir müßten jetzt endlich konkretere Vorstellungen über die<lb/>
Mengen die gegebenenfalls eingelagert werden sollten und über<lb/>
die Kosten die diese Lager verursachen, besitzen. Hier sollte<lb/>
jeder Branchenreferat entsprechende Vorschläge ausarbeiten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-07_19">Im Bezirksausschuß gab es eine sehr sachliche aber lange Dis<lb break="no"/>kussion mit fast 20 Diskussionsrednern über die Neubildung des<lb/>
Stadtsenates. Die übergroße Mehrheit hat die Taktik die wir<lb/>
angewendet haben und die Art, wie unser Präsidium agierte, gut<lb/>
gehißen und auch lobend herausgestrichen. Insbesondere wird<lb/>
immer wieder von unseren Funktionären anerkannt, die bis ins<lb/>
Detail gehende Berichterstattung und vorallem die offene Aus<lb break="no"/>sprache. Dies dürfte scheinbar wirklich in allen Bezirken Wiens<lb/>
nicht der Fall sein. Weshalb unsere Funktionäre glauben, daß<lb/>
eben dort ein schlechtes politisches Klima herrscht. Natürlich<lb/>
birgt eine solche offene Aussprache und eine so detaillierte<lb/>
Information die Gefahr in sich, daß eine gewisse Negativstimmung<lb/>
gegen die Zentralpartei aufkommen kann. <rs type="person" ref="#per__97582">Jacobi</rs> flüsterte mir<lb/>
ob es wirklich zweckmäßig ist, daß wir so freimütig informieren<lb/>
und diskutieren. Ich glaube aber, daß wenn man diese Methode<lb/>
systematisch und langsam in der Körperschaft einführt, dann<lb/>
doch viel bessere politische und persönliche Vertrauensver<lb break="no"/>hältnisse entstehen, ja daß sogar eben die Funktionäre gegen<lb/>
eine entsprechende Kritik des Gegners und insbesondere die<lb/>
Einflüsse der Massenmedien immunisiert werden. Ich denke auf<lb/>
alle Fälle, bei diesem Sy stem zu bleiben. Für aufgeschlossene<lb/>
Funktionäre ist dies der einzige Weg, sie für entsprechende<lb/>
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noch <rs type="person" ref="#per__134290">Gasperschitz</rs> zu seinem, wie er sich ausdrückte, 65 %igen<lb/>
Wahlerfolg und mit <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> und <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> Personalprobleme be<lb break="no"/>sprechen. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> hat große Schwierigkeiten bei der Errichtung<lb/>
der Straßensektion. Er hat <rs type="person" ref="#per__134300">Metzner</rs> bereits mitgeteilt, daß auf<lb/>
gar keinen Fall ein neuner Posten dafür freigemacht werden<lb/>
kann und ich trotzdem <rs type="person" ref="#per__135724">Markowetz</rs> gegen eine eigene Sektion<lb/>
ausspricht. <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> teilte uns mit, daß <rs type="person" ref="#per__135724">Markowetz</rs> und das<lb/>
Bundeskanzleramt auf alle Fälle eine Reduktion der Sektionen<lb/>
erreichen will. Zu diesem Zweck hat <rs type="person" ref="#per__135724">Markowetz</rs> ihm bereits<lb/>
angedeutet, daß er <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> vorgeschlagen hat und dies neuer<lb break="no"/>dings tun will, wenn eine Energiesektion jetzt zi<lb/>
uns kommt, auf alle Fälle diese mit der obersten Bergbehörde<lb/>
zusammengelegt werden müßte. Sekretär über die Kooperation<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> und uns überhaupt begeistert ist und dies als den<lb/>
einzigen Weg bezeichnet, um wirklichn Erfolge zu erreichen,<lb/>
wird versuchen, daß <rs type="person" ref="#per__135724">Markowetz</rs> als führender Sektionschef im<lb/>
Bundeskanzleramt und für die Koordination mit anderen Ministerien<lb/>
zuständig, diese Ideen neuerdings bei <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> stärker<lb/>
vertritt. <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> wird sich auch nochmals überlegen, wie man<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> am zweckmäßigsten, wenn er jetzt Nationalrat wird, doch<lb/>
ein weiterarbeiten im Ministerium sichern kann. Hier müssen<lb/>
wir äußerst vorgehen, selbst wenn keine Refundierung vom<lb/>
Handelsministerium für <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> an die Gemeinde erfolgt, selbst<lb/>
wenn er keine Unterschriftsberechtigung mehr hat, selbst wenn<lb/>
sein Büro formell aufgelöst wird, dürfen wir der Gegenseite<lb/>
im Interesse von <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> nicht die Möglichkeit geben, daß er<lb/>
gegen den Geist der Verfassung verstößt. Jeder Bundesbedienstete,<lb/>
oder im Bund beschäftigte wird auf Grund des Gesetzes bereits<lb/>
automatisch beurlaubt und darf, nachdem er ja Gesetzgeber ist,<lb/>
nicht mehr in der Exekutive tätig seih. Hier müßten wir auch<lb/>
einen spezi neuen weg beschreiten. Da wir aber bis jetzt alle<lb/>
Personalprobleme so gelöst haben. daß uns der Gegner beim<lb/>
besten Willen ans Zeug flicken kann, bin ich überzeugt, daß wir<lb/>
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uns befriedigt und den Gegner keine Angriffsmöglichkeit<lb/>
gibt.</p></div>
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            <head>Tagesprogramm, 7.11.1973</head>
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               <persName type="label">Markovics, Albert</persName>
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               <occupation>Sektionschef und Personalleiter BKA; lt. Sten. Prot. 14, 5051 Vorname
                  Peter</occupation>
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               <occupation>Grazer Bgm. bis 1973</occupation>
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               <occupation>Ökonom, ab 1981 Sts.</occupation>
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