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            <title type="main">Freitag, der  2. November 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-02_01">Freitag, 2. November 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-02_02"><rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> wurde von Stadtrat <rs type="person" ref="#per__123210">Heller</rs>, dem Regierungskommissar für die WIG 74<lb/>
zur Besichtigung eingeladen und nachem <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> und ich ihn sprechen wollten<lb/>
habe wir uns angeschlossen. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> erschien mit dem Präsidium und einigen<lb/>
Sekretären des ÖGB. Es war also eine Veranstaltung des ÖGB. Ich habe des<lb break="no"/>halb auch sofort abgelehnt, dort als Minister in ERscheinung zu treten<lb/>
sondern als ÖGB-Vorstandsmitglied. Dieses Milliardenprojekt, es wird<lb/>
ungefähr 500 Mill. der Gemeinde für die WIG und dann in weiterer Folge<lb/>
für das Kurhaus, das Bad und sonstige Anlagen etliche weitere 100 Millionen<lb/>
kosten, dazu noch das Hotel von <rs type="person" ref="#per__112968">Jahn</rs>, sodass man insgesamt sagen kann,<lb/>
dieses Milliardenprojekt wird natürlich in weiterer Folge sich bezahlt<lb/>
machen. Da in Oberlaa der Kurhausbetrieb – die Quelle soll,.einen<lb/>
fünffach so starken Schwefelgehalt haben als Baden – ganz gross ausgebaut<lb/>
wird, wird dann der Kurpark als solcher wird die WIG in Hinkunft dienen,<lb/>
wesentlich dazu beitragen, Wien als Bäderstadt bekannt zu machen. Bei<lb/>
dieser Gelegenheit erfuhr ich, dass auch die Arbeiterversicherung<lb/>
um 150 Mill. S 150 Betten auf das WIG-Gelände stellen wird und mit<lb/>
einer eigenen Wasserversorgung rechnen kann. Dort wird – so wie<lb/>
dies in Alland der Fal-l ist, Rheumakranken durch wenn notwendig monate<lb break="no"/>lange Behandlung versucht werden, von ihrem Leiden zu befreien und<lb/>
damit ein ganz nueer WEg beschritten. Bei dieser Gelegenheit erfuhr<lb/>
ich, Und <rs type="person" ref="#per__149285">Seda</rs>, der wenn <rs type="person" ref="#per__146912">Koller</rs> nicht hier ist gleichzeitig Baudirektorstv.<lb/>
ist, bestätigte es mir, dass es äusserst shcwierig ist, ein solches Pro<lb break="no"/>jekt mit der Gemeinde Wien zu verwirklichen. <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel Adi</rs> beschwerte sich<lb/>
mit REcht, wir waren ja nur Sozialisten unter uns, dass die Verhand<lb break="no"/>lungen mit der Gemeinde Wien fast zwei Jahren in ANspruch genommen haben.<lb/>
Bis jetzt sei noch keinerlei konkrete Zusage und die PV-Arb. hat Beschlüs<lb break="no"/>se gefastt , ohne dass sie eigentlich eine konkrete ZUsagen von der Ge<lb break="no"/>meinde hat. <rs type="person" ref="#per__123210">Heller</rs> wies darauf hin, das-s dies nur mehr an <rs type="person" ref="#per__115005">Hintschik</rs> als<lb/>
für den Grundverkehr zuständigen Stadtrat liegt. und dort auch bereits<lb/>
monatelang entschieden sein müsste. <rs type="person" ref="#per__149285">Seda</rs> hat mir geflüstert, dass dies<lb/>
der grosse Nachteil der Gemeindeverwaltung ist. Es wird überhaupt<lb/>
nichts delegiert, alles muss ununterbrochen in gegenseitigem Einvernehmen<lb/>
und durch Vorschreibung des Aktes an Dutzende Stellen scheinbar koordi<lb break="no"/>niert werden, in Wirklichkeit geht dabie nichts weiter. Seiner Auffassung<lb/>
nach müsste es nicht nur zu einer entsprechenden Bereinigung der Kom<lb break="no"/>petenzen kommen sondern was noch viel wichtiger ist, auch die Verant<lb break="no"/>wortung delegiert werden. Ob un inwieweit es <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> gelingt, dies zu<lb/>
erreichen, traut er sich und kann er nicht sagen.</p><pb n="18-1198" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-11-02_1198.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-02_03"><rs type="person" ref="#per__97386">Adi Czettel</rs> teilte mir mit, dass <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> vor längerer ZEit ihn für</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-02_04">einen Stadtrat vorgeschlagen hätte, er dies aber ablehnt, weil er nach<lb/>
wie vor der Meinung ist, in der Arbeiterkammer sein wichtiges<lb/>
Betätigungsfeld zu haben. In weiterer Folge hätte dann <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> selbst<lb/>
Inetersse gezeigt, dann aber – da er nicht gleicheztitig auch die Kranken<lb break="no"/>kasse und ie Gewerkschaft weiterführen könne, sich wieder zurückgezogen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> selbst bestätigte, dass er als Stadtrat nicht in Frage kommt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> meinte mir gegenüber ob ich Mitglied des Wiener Ausschusses bin,<lb/>
damit ich mich für dne Stadtrat <rs type="person" ref="#per__123210">Heller</rs> einsetze. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> ist der Meinung, dass<lb/>
die jungen Leute heute ohne RÜcksicht auf die Verdienste und das Wissen<lb/>
der alten Stadtratsfraktion verzichten. Ich selbst bin nicht im Wiener<lb/>
Ausschuss, sondern von 3. Bezirk wurde <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> nominiert, da ich zu dieser<lb/>
seöben Zeit immer Regierungsvorbesprechung habe. Im Wiener Vorstand<lb/>
sitzt <rs type="person" ref="#per__97582">Jacobi</rs> und wir haben in unseren Gremien diese Personaldiskussion<lb/>
wie das Ganze ausgeht, kann ihc derzeit noch nicht sagen. Auf alle<lb/>
Fälle fühlen wir uns sehr benachteilgt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-02_05">Gartenbaudirektor <rs type="person" ref="#per__97317">Auer</rs> war über die Mitteilung, dass die Japaner eventuell<lb/>
ein Feuerwerk an Stelle der Chinesen machen, sehr erfreut. Er wird sich un<lb break="no"/>verzüglich mit der japanischen Botschafter ins Einvernehmne setzen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-02_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte die japanische Botschaft ersuchen, sich<lb/>
mit Gartenbaudirektor <rs type="person" ref="#per__97317">Auer</rs> zu verständigen, damit viel<lb break="no"/>leicht doch ein Feuerwert zustandekommt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-02_07">Da <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> nach der Besichtigung keine Zeit mehr hatte, wurde, die Be<lb break="no"/>sprechung mit <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> und mir auf einen Parlamentstag verschoben. Ich<lb/>
will mit <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> vor alem die weitere Vorgangsweise für die Ölpreisfestsetzung<lb/>
besprechen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-02_08">Gen. Dir. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, der mich unter vier Augensprechen wollte, teilte mit<lb/>
mit, dass er beim libyschen Botschafter war, der ihm mitteilte über das<lb/>
Verhalten von österr. Spitzenpolitikern erschüttert zu sein. Die Sympathie<lb break="no"/>erklärungen für Israel und die absolute Ablehnung der arabischen Stellung<lb break="no"/>nahme macht es ihm furchtbar schwer, für Österreich einzutreten. Er hätte<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__123182">Gaddafi</rs>, bevor er wieder nach Wien zurückkehrte, Besprechungen geführt<lb/>
und sich dort sehr für Österreich exponiert. Alles, was er jetzt mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> bespricht, könnte durch das österr. VErhalten in Frage gestellt wer<lb break="no"/>den. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> sofort erkärt, dass er dies mit dem Aussenminister<lb/>
besprechen muss und nicht mit mir. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> kam dann auch auf den neuer<lb break="no"/>lichen VOrstaoss von <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> zu sprechen, der mit den Iranern gemeinsam<lb/>
in Österreich eine Raffinerie errichten möchte. Der österreichische<lb/>
<pb n="18-1199" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-11-02_1199.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Partner könnte die ÖMV oder wenn diese ablehnt, eventuell die Linz-<lb/>
Chemie sein. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> selbst meit, dass dies unzweckmässig ist und die<lb/>
ÖMV sogar mit der Idee spielt, mit den Libyern gemeinsam die deutsche<lb/>
Raffinerie Burghausen zu erwerben. Sie hat derzeit 3 Mill. t und könnte<lb/>
auf das Doppelte leicht ausgebaut werden. Diese Mitteilung war strengst<lb/>
vertraulich, da sie nicht einmal noch in der ÖMV durchdiskutiert ist.<lb/>
Ich selbst meinte nur, dass ein ähnliche Projekt die internationalen<lb/>
Gesellschaften verfolgten, indem sie der ÖMV zumindestens <rs type="person" ref="#per__97739">Mieling</rs> hat<lb/>
das angeduetet, die Möglichkeit verschaffen wollten sich in Ingolstadt<lb/>
an internationalen Raffinerien sich zu beteiligen. IN beiden Fällen<lb/>
glaube ich, müsste von österr. Versorgungsstandpunkt aber auch letzten<lb/>
Endes vom kapitalmässigem Standpunkt ein solches Projekt nicht zuletzt<lb/>
wegen eventuellen Schwierigkeiten in Krisensituationen sehr ganu überlegt<lb/>
werden. Ich selbst bin eher negativ eingestellt, denn natürlich kann<lb/>
sich die ÖMV an ausländischen Firmen beteiligen, gegebenenfall diese<lb/>
erwerben, aber dnan kann man nicht sagen, dass sies im österr. Interesse<lb/>
gescheieht. Eine Raffinerie im einem Nato-Staat gelegen, bedeutet bei<lb/>
wirklich kritischer Situation, dass die Verfügungsmöglichkeit über diese<lb/>
Produkte sehr eingeschränkt, wenn nicht gar unmöglich gemacht wird.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> wird sich das Ganze noch einmal überlegen, möchte aber unter<lb/>
allen Umständen verhindern, dass <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> mit seinem Iran-Projekt stärker in<lb/>
der Öffentlichkeit oder gar vielleicht mit Unterstützung des Bundeskanzlers<lb/>
die ÖMV präjudiziert. Dies ist allerdings ein Problem, das die ÖMV betriff<lb/>
und lösen muss, wie ich ihm dezidiert erklärte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-02_09">Bezüglich einer Bevorratung, meint <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, hätten sie Untersuchungen<lb/>
angestellt, dass es zweckmässig wäre, an der TAG liegende stillgelegte<lb/>
Bergwerke für Rohöllager auszubauen. Dies sei ungemein billig und er<lb/>
wird mir ein Projekt unverzüglich diesbezüglich zuleiten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-02_10">Die Aussprache zwischen ÖMV und AFG ergab insoferne eine Übereinstimmung<lb/>
als in die AFG jetzt die 3 – 400 Mill. m3 übernehmen muss, die ÖMV<lb/>
dadurch nicht präjudiziert wird, d.h. dass von dieser Zusage nichts<lb/>
weiss, resp. nicht die Zustimmung gibt. Die ÖMV möhcte dann für die<lb/>
Verhandlungen wegen der Transport . <choice><choice><sic>MOKA</sic><corr>?</corr></choice></choice></p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-02_11">Die Bedarfsüberprüfung und Anmeldungen ergab, dass 1974 zusätzlich 970<lb/>
Mill. m3 und für 1980 sogar zusätzlich 3,750 Mia m3 notwendig sind.<lb/>
Ich glaube nicht, dass wenn wir diese Gasmengen tatsächlich zur Ver<lb break="no"/>fügung hätten, wir sie ohne weiteres absetzen könnten. Seitdem der Roh<lb break="no"/>öl-Heizölpreis steigt und das Gas bleibt im Preis unverändert. Für die<lb/>
ÖMV erhebt sich nämlich auf die dauer das Problem, wie sie ihre Gasmengen<lb/>
<pb n="18-1200" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-11-02_1200.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>und ihre Heizöl-schwer-Mengen aufeinander abstimmt. Wenn tatsächlich<lb/>
eine zweite Raffinerie mit 6 Mill. jato in Österreich errichtet werden<lb/>
sei es mit Iran oder eventuell mit anderen westlichen Gesellschaften,<lb/>
wenn weiters dann Schwechat 14 Mill. t verarbietet ca. von den 20 Mill.<lb/>
insgesamt Rohölverarbeitung 10 Mill. t Heizöl schwer anfallen. Diese<lb/>
Menge muss dann auch in Österreich verbraucht werden.Aus diesem Grunde<lb/>
ist es notwendig äusserst schnell eine Energiekonzeption zu entwickeln,<lb/>
die auf diese Tatsache Rücksicht nimmt, resp. in den Plan eben einbauen.<lb/>
Dies ist mit einer der Gründe, warum ich immer darauf dränge, dass<lb/>
immer Min.Rat <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> anwesend ist. Ich habe auch angeregt, man soll<lb/>
jetzt, nachdem auch die Edelstahlwerke jetzt erklären, sie bräuchten<lb/>
das Gas um die Qualität erzeugen zu können</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-02_12">... muss man nach Abnehmern die Gasmengen klassifizieren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-02_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte die entsprechendne Vorarbeiten veranlassen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-02_14">Abschliessend hat <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, <rs type="person" ref="#per__97429">Feichtinger</rs>, <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> mich ersucht, ich soll<lb/>
mich jetzt sofort einsetzen, damit ein irakische-österreichische Dele<lb break="no"/>gation Verhandlungen zu einem Wirtschaftsabkommen aufnimmt. Der iraki<lb break="no"/>sche Ölminister <rs type="person" ref="#per__97512">Hammadi</rs> kommt am 23. November nach Wien und möhcte<lb/>
hier ein solches Abkommen bereits unterschreiben. Ich habe sofort</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-02_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Die ÖMV</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-02_16">Fortsetzung auf dem Band leider nicht verständlich .</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-11-02_17"> <rs type="person" ref="#per__98072">Wiesinger</rs> </p></div>
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            <head>Tagesprogramm, 2.11.1973</head>
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