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            <title type="main">Dienstag, der 23. Oktober 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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ihm und seiner Abteilung besprochen. Die Zusammenfassung der<lb/>
Preiskompetenzen im Handelsministerium gibt ungeheuerliche<lb/>
Personalschwierigkeiten, sowohl im Handelsministerium als auch<lb/>
im Landwirtschaftsministerium ja selbst im Verkehrsministerium<lb/>
gibt es aus der seinerzeitigen Preisregelung eigene Abteilungen<lb/>
und lang eingesessene Ministerialräte. Diese, dem Innenministerium<lb/>
Min.Rat <rs type="person" ref="#per__112051">Singer</rs> unterstellen, muss zu ganz grossen Reibungen führen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> ist als verantwortlicher Sektionschef über diese Situation<lb/>
auch nicht sehr glücklich. Durch das Herausnehmen von der Preis<lb break="no"/>bestimmung aus der Abteilung <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> können wir zumindestens bei<lb/>
uns im Haus die Schwierigkeit umschiffen. <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> ist einver<lb break="no"/>standen, wenn er die wirtschaftliche Landesverteidigung bekommt.<lb/>
Andererseits möchte er nicht, dass wir jetzt schon <rs type="person" ref="#per__125823">Hanisch</rs> gegen<lb break="no"/>über erklären, dass dies die neue Konzeption ist. <rs type="person" ref="#per__125823">Hanisch</rs> selbst<lb/>
rechnet fest mit einer Verlängerung. Da ich dafür einen Ministerrats<lb break="no"/>beschluss bräuchte, denke ich nicht daran einen solchen zu stellen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__125823">Hanisch</rs> selbst hat auch mir gegenüber noch niemals ein solches Ansin<lb break="no"/>nen gestellt, sondern versucht, alle heute mit ihm zusammenarbeiten<lb break="no"/>den Stellen zu gewinnen, damit diese für eine Verlängerung seines<lb/>
Vertrages eintreten. <rs type="person" ref="#per__125823">Hanisch</rs> glaubt auch, dass ich an ihn herantreten<lb/>
müsste. Da die jetzige Situation nach seiner Meinung sehr geeignet<lb/>
ist. Die Abteilung <rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> wird endgültig die wirtschaftliche<lb/>
Landesverteidigung und Rohstofflenkung, wie sie <rs type="person" ref="#per__125823">Hanisch</rs> derzeit hat,<lb/>
mit 1. Jänner 1974 übernehmen. Die legislative Seite der Roh<lb break="no"/>stofflenkung sollte wie bisher bei Min.Rat <rs type="person" ref="#per__113621">Anreiter</rs> bleiben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-10-23_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>: Die juristische Seite muss bei <rs type="person" ref="#per__113621">Anreiter</rs> bleiben<lb/>
damit sie dann zu <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs> früher oder später<lb/>
kommt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-10-23_04">NR <rs type="person" ref="#per__97752">Mondl</rs> hat mich im Parlament gefragt, ob er in der wirtschaftlichen<lb/>
Landesverteidigung weitere Besprechungen zwischen <rs type="person" ref="#per__127586">Tödling</rs>, <rs type="person" ref="#per__97515">Hanreich</rs><lb/>
und mir als Parteiverantwortlicher organisieren soll. Ich habe ihm<lb/>
sofort bestätigt, dass ich darauf grössten Wert lege, da die Kon<lb break="no"/>tinuität zumindestens unserer Bestrebung, zu einer gemeinsamen<lb/>
Verteidigungsdoktrin zu kommen, aufrechterhalten werden muss.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-10-23_05">Im Klub hat <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> den Initiativantrag wegen der Wehrgesetznovelle<lb/>
<pb n="18-1158" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-10-23_1158.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sehr objektiv vorgetragen. Durch die Aufhebung des Verwaltungs<lb break="no"/>gerichtshofes, dass wenn einer 16 Tage Wehrübung gemacht hat, er<lb/>
keine Instruktion- und Inspektionsdienst mehr machen kann, würde<lb/>
die Bereitschaftstruppe zusammenbrechen. Weiters hat sich heraus<lb break="no"/>gestellt, dass der Entschluss dadurch die vier Monate nachdem sie be<lb break="no"/>reits Wehrdienst machen von diesen widerrufen werden kann, dazu ge<lb break="no"/>führt, dass sich viele zuerst als Kraftfahrer alle Führerscheintypen<lb/>
ausbilden liessen, dies ist nur für Durchdiener vorgesehen, dann nach<lb/>
drei Monaten den Führerschein bekommen und innerhalb der vier Monate<lb/>
eben ihren seinerzeitigen Beschluss durchzudienen, widerrufen. Des<lb break="no"/>halb wird diese Revisionsmöglichkeit auf 8 Tage beschränkt. Auch an<lb/>
diesem Beispiel, das <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs>, d.h. eigentlich unsere jungen Abgeordneten<lb/>
und ehemaligen linken Junge Generation-Leute, die immer gegen die<lb/>
Wehrprobleme sehr skeptisch ja abgeneigt gewesen sind, zeigt, dass<lb/>
in der konkreten Arbeit sie letzten Endes auch nichts anderes können<lb/>
als positive Vorschläge erstatten. Da <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> nicht im Klub ist<lb/>
und ich während der Erklärung des Finanzministers lange neben ihm auf<lb/>
der Regierungsbank neben ihm gesessen bin, kamen wir über dieses<lb/>
Phänomen zu sprechen und <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> meinte, dass die soz. jungen<lb/>
Abgeordneten sehr positiv mitarbeiten. Für mich ist das nur eine<lb/>
weitere Bestätigung, dass man in Wirklichkeit nur trachten muss, die<lb/>
Probleme sachlich mit allen Gruppen zu besprechen, dann kann man in<lb/>
den meisten Fällen auf eine positive Mitarbeit rechnen. Nur wer bei der<lb/>
Mitarbeit ausgeschaltet wird, hat Gelegenheit und nützt sie natürlich<lb/>
auch dann, dagegen Opposition zu machen, ohne Details zu kennen und<lb/>
Probleme lösen zu müssen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-10-23_06"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> analysierte im Klub die Wahlniederlage in Oberösterreich und<lb/>
den Wahlsieg in Wien. Auf Grund von IFES-Erhebungen. Dort hat <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> ihm<lb/>
bereits im September gesagt, dass die Oberösterreicher schlecht liegen<lb/>
mit 43 % Prognose, wie sich jetzt bestätigt hat, hat die ÖVP damals<lb/>
auch schon mit 47 % geführt, jetzt sogar auf 48 % erhöht. <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> führt<lb/>
dies auf die Auseinandersetzung zwischen <rs type="person" ref="#per__114604">Hillinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__125380">Fridl</rs> zurück.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte dann ein wenig verbrämt, dass eben der späte Beschluss<lb/>
der oberösterreichischen Landesregierung dazu beigetragen hat. Er hätte<lb/>
im letzten Moment in Oberösterreich versucht, dieses Handikap zu be<lb break="no"/>seitigen. Richtig ist, dass <rs type="person" ref="#per__134509">Demuth</rs> knapp vor der Wahlkampagne sein Mandat<lb/>
zurücklegte. Dass dann eine lange Diskussion war, ob nicht doch <rs type="person" ref="#per__114936">Hartl</rs><lb/>
sein Nachfolger werden soll, dass man sich dann in einer Kampfabstimmung<lb/>
für <rs type="person" ref="#per__125380">Fridl</rs> entschieden hat. Weiters aber dann in der Diskussion <rs type="person" ref="#per__114604">Hillinger</rs>,<lb/>
der zuerst für <rs type="person" ref="#per__125380">Fridl</rs> eingetreten ist, selbst Ambitionen gezeigt hat und<lb/>
<pb n="18-1159" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-10-23_1159.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>damit unsere Funktionäre unsicher gemacht hat. Für mich ist es nur<lb/>
ein weiterer Beweis meiner Behauptung, die ich seit eh und je aufge<lb break="no"/>stellt habe: Ein Streit innerhalb einer Partei kann nur letzten<lb/>
Endes nicht nur die Funktionäre verunsichern, sondern auch die Wähler<lb/>
abhalten, diese Partei zu wählen. Die Einheit und Geschlossenheit gerade<lb/>
einer sozialistischen Partei ist die Voraussetzung um überhaupt zu<lb/>
einem Wahlerfolg zu gelangen. Etwaige Differenzen dürfen nur in den<lb/>
kleinsten oberen Gremien ausgetragen werden und keinesfalls in die<lb/>
Öffentlichkeit dringen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-10-23_07">Die fast über 2 1/2 Stunden dauernde Rede des Finanzministers war<lb/>
einmal lang. Noch niemals hat ein Finanzminister eine so ausführliche<lb/>
und ins Detail gehende Budgetrede gehalten. Ich weiss nicht, was <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
dazu veranlasst hat, scheinbar waren seine Propagandisten der Meinung,<lb/>
er müsste sich hier besonders profilieren. Vielleicht war es auch<lb/>
eine gewisse Rache, da er bei der letzten Budgetrede in seiner Konzepti<lb break="no"/>on gestört wurde. Damals war eine Sitzung vor der Budgetrede-Sitzung und<lb/>
die ÖVP hat eine dringliche Anfrage eingebracht, um seine Budgetrede,<lb/>
wie er glaubte, eben auf den späten Nachmittag zu verschieben. Dies<lb/>
ist allerdings eine Vermutung von mir denn ich denke nicht daran<lb/>
über dieses Problem mit jemanden geschweige denn mit ihm zu sprechen.<lb/>
Auf alle Fälle aber wäre es eine richtige Retourkutsche gewesen, denn<lb/>
jetzt hat die ÖVP das Interesse gehabt in der zweiten Sitzung über die<lb/>
Erklärung des Bundeskanzlers zur Geisel-Affäre früher die Diskussion<lb/>
zu beginnen, damit noch entsprechende viele Redner von ihr in die<lb/>
Abendberichterstattung und natürlich vor allem einmal in die Zeitungen<lb/>
zu kommen. Ich habe für diese taktischen Überlegungen nicht sehr viel<lb/>
Verständnis. Sicherlich ist dies aber darauf zurückzuführen, dass ich<lb/>
in den seltensten Fällen persönlich an solchen Auseinandersetzungen<lb/>
engagiert bin. Wenn man die backbencher rückwärts beachtet und<lb/>
ich selbst bin ja nicht zuletzt deshalb auf meinem uralten Stammsitz<lb/>
in der letzten Reihe geblieben, so kann man immer wieder erleben,<lb/>
wie emotionell hier die Probleme nicht nur diskutiert sondern vor<lb/>
allem einmal auch in Zwischenrufen und Angriffen dokumentiert werden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> oder <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs>, die so etwas genau kennen, ja sogar einkalkulieren<lb/>
und lenken, sind dabei die geschickten Regisseure, ich habe die<lb/>
beiden deshalb genannt, weil der eine als Parteiobmann und Bundes<lb break="no"/>kanzler, der andere als IFES-Chef und Soziologe genau wissen, wie<lb/>
so etwas zustandekommt und wie man eine solche Situation nützen<lb/>
kann. Natürlich werden sie letzten Endes dann doch irgendwann einmal<lb/>
<pb n="18-1160" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-10-23_1160.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>auch persönlich engagierter und sind in einem oder anderen Moment<lb/>
emotionell geladen und äussern sich dann auch entsprechend. Aber<lb/>
man kann beobachten, wie schnell sie sich wieder in ihrer Gewalt<lb/>
haben und da fällt mir immer der Ausspruch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> ein, ich ärgere<lb/>
mich dann, wenn ich will und nicht wenn die anderen glauben, mich<lb/>
ärgern zu können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-10-23_08">Der Arbeitsausschuss Preise hat jetzt ein Papier in Arbeit, das eine<lb/>
gute Grundlage für Verhandlungen mit der ÖVP, d.h. mit der Handelskam<lb break="no"/>mer sein kann. Für mich erschütternd war, wie wenig eigentlich Inter<lb break="no"/>esse von Ökonomen bestehen, die sich mit diesem so wichtigen Problem<lb/>
beschäftigen sollten. Wir haben seinerzeit bestimmt, dass jeder, der<lb/>
sich dafür interessiert, von der ökonomischen Konferenz, daran teilnehmen<lb/>
kann und es ist auf ein halbes Dutzend zusammengeschrumpft, die meistens<lb/>
aus eigentlich persönlichen Interessenten bestehen. Die Mitarbeit<lb/>
von entscheidenden Organisationen, die ausser der Arbeiterkammer und<lb/>
dem ÖGB von diesen Problemen berührt sind, ist eigentlich ausgeblie<lb break="no"/>ben. Nicht dass es mich stört, ich möchte es nur festhalten. Es zeigt<lb/>
sich für mich auch hier wieder das Phänomen, dass sich nur jemand mit<lb/>
einem Problem beschäftigt, wenn er unmittelbar davon betroffen ist<lb/>
und womöglich unter einer unmittelbaren Entscheidung oder Entscheidungs<lb break="no"/>notwendigkeit steht.Ansonsten ist eine so wichtige Frage wie Preise<lb/>
für ihn nur eine Angelegenheit, die schon die Regierung oder der ÖGB<lb/>
erledigen werden. Die beiden habe ich jetzt aufgezählt , da sie<lb/>
entweder die Staatsmacht oder die Sozialpartnerschaft verkörpern.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-10-23_09"><rs type="person" ref="#per__114658">Kahane</rs>, der Besitzer von der Zitronensäurefabrik in NÖ möchte von der<lb/>
Zuckerrohstoffseite zu Weizen überwechseln. Zu diesem Zweck bräuchte<lb/>
er 35.000 t Futterweizen jährlich, um sie auf Stärkemilch zu verar<lb break="no"/>beiten als Rohausgangsbasis für seine Zitronensäureproduktion. Die<lb/>
anfallende Stärke soll exportiert werden. Hier wird er natürlich mit<lb/>
der Gmünder Landwirtschaftlichen Stärkefabrik in Kollision kommen.<lb/>
Er möchte deshalb nur auf Ministerebene dieses Problem besprechen.<lb/>
Seinerzeit hat er mit dem Landwirtschaftsminister über Landwirt<lb break="no"/>schaftsprobleme Besprechungen begonnen und ist über die Ministerial<lb break="no"/>bürokratie dann bei einem Getreidehändler, er hat hier <rs type="person" ref="#per__58381">Mautner</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__147728">Panny</rs> erwähnt, gelandet. Er möchte nicht in diesem Kreis Verhandlungen<lb/>
führen, da er natürlich dort kaum eine Chance hat, seine Ideen<lb/>
durchzusetzen. Jetzt fürchtet er, dass die landwirtschaftliche Genossen<lb break="no"/>schaft gegen ihn opponieren wird. Ich habe ihm nur versprochen, dass<lb/>
<pb n="18-1161" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band18/18_1973-10-23_1161.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ich mit <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> über dieses Problem reden werde, was ich dann sofort<lb/>
in der Nationalratssitzung auch am Abend getan habe und <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> ist be<lb break="no"/>reit, ihn zu empfangen und das Problem mit ihm zu besprechen. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs><lb/>
meint allerdings, dass er ihn finanziell nicht durch Kredite oder<lb/>
sonstige Aktionen unterstützen könne. <rs type="person" ref="#per__114658">Kahane</rs> ist angeblich fest ent<lb break="no"/>schlossen, auf diese Weizenbasis umzusteigen, da der Weizen mit<lb/>
2.20 S von ihm noch als höchster Verarbeitspreis akzeptiert werden kann,<lb/>
er muss allerdings für diese Anlage 80 Mill. S Investitionen vornehmen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-10-23_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte verständige <rs type="person" ref="#per__97819">Pleschiutschnig</rs> über die Aus<lb break="no"/>sprachen, die ich mit <rs type="person" ref="#per__114658">Kahane</rs> und <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> geführt habe.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-10-23_11">Die zweite grosse Sitzung des Finanzministers, <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> und mir mit<lb/>
den Banken, Austro-Ferngas, ÖMV, ÖNB usw. hat auch kein endgültiges<lb/>
Ergebnis gebracht. Das Projekt ist natürlich riesengross und wird<lb/>
sicherlich an die 7 Mia S betragen. Die Austria-Ferngas versucht<lb/>
natürlich jetzt so weit wie möglich Bundeshaftung und Zinsenzuschuss<lb/>
aus Entwicklungshilfe-Geldern zu bekommen. Mit 1.1.1974 würde sie<lb/>
schon 280 Mill. S benötigen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> sagt mit Recht, dafür hat er im jetzt<lb/>
eben eingebrachten Budget keine Deckung. Auch für die Bundeshaftung müsste<lb/>
er gesetzliche Regelungen vorsehen. Für die Exportförderung der VÖEST als<lb/>
Generalunternehmer sind fast 2 Mia S notwendig Bundeshaftung zu bekommen.<lb/>
Die Banken hoffen auf der anderen Seite, dass für einen ähnlichen gleich<lb/>
grossen Betrag für die Freikredite ebenfalls Bundeshaftung bekommen.<lb/>
Gigantische Beträge. Ich weiss nicht, ob <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> mit seiner Idee der<lb/>
50 %-igen Beteiligung durchdringt. Wenn aber die Länder ausserstande<lb/>
sind eine Finanzierung resp. Landeshaftung in dem grossen Umfang anbie<lb break="no"/>ten zu können und vor allem das Konsortium, das der Sonatrach gegenüber<lb/>
steht, entsprechende Bundeshaftung wollen, dann muss ja früher oder<lb/>
später der Plan <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> aufgehen, dass man den Staat an der Austria-<lb/>
Ferngas beteiligen wird müssen, auch dann wenn die Länder dagegen sind.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97496">Gruber</rs> selbst meinte, es hätten die LH eine Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und mir gewünscht und er hofft, dass dies bald zustandekommt,<lb/>
damit die politische Voraussetzung geklärt wird, wie das Geschäft weiter<lb/>
abgewickelt werden kann. Mit anderen Worten, ob der Bund als Austria-<lb/>
Ferngas-Teilhaber in Erscheinung treten kann und soll. <rs type="person" ref="#per__97496">Gruber</rs> weist mit<lb/>
Recht darauf hin, dass noch gar nicht sicher ist, ob das Konsortium<lb/>
VÖEST-Mannesmann und andere europäische Firmen den Zuschlag für den<lb/>
Ausbau des Hafens und der sonstigen Anlagen bekommen wird oder ob<lb/>
nicht die Japaner oder Amerikaner bessere Offerte legen. In diesem<lb/>
Fall würde die gebundene Kreditfinanzierung sofort entfallen. <rs type="person" ref="#per__97315">Abfalter</rs><lb/>
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man nicht 15 – 18-jährige Kreditverträge für Lieferungen von Anlagen mit<lb/>
6,75 % Zinssatz ab. Trotzdem kamen wir überein, dass der Vertrag, der<lb/>
Sonatrach mit der Austria-Ferngas über das Konsortium noch immer für die<lb/>
Energiepreiserstellung der Achtzigerjahre als günstig zu betrachten ist.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat auch einleitend von der Austria-Ferngas-Vertretung<lb/>
als auch von der ÖMV und letzten Endes von mir sich bestätigen lassen,<lb/>
dass wir erstens dieses Gas dringend brauchen und dass zweitens keine<lb/>
andere Substitutionsmöglichkeit für diese Energie gegeben ist. Da<lb/>
die Austria-Ferngas-Vertreter auch <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs> uns unbedingt einreden<lb/>
wollten, dass der Beschluss womöglich schon sofort fallen müsste,<lb/>
sah ich mich veranlasst, doch darauf hinzuweisen, dass in Wirklichkeit<lb/>
bereits der Dampfer abgefahren ist. Nachdem die Länder über ihre Ver<lb break="no"/>treter in der Austria-Ferngas den Vertrag im Konsortium mit unter<lb break="no"/>fertigt haben, ist es jetzt nur mehr eine Frage, wer sich aller an<lb/>
diesem Geschäft beteiligen muss resp. woher eventuelle Stützungsmittel<lb/>
kommen können. Niemand kann mehr diesen Vertrag zum Scheitern bringen,<lb/>
resp. die Verantwortung übernehmen, wenn dieser Vertrag scheitern<lb/>
würde.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band18_1973-10-23_12"/></div>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Tagesordnung 91. Ministerratssitzung, 23.10.1973</head>
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            <head>Information des Herrn BM zu TOP 6 (Familienberatungsförderungsgesetz)</head>
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               <persName type="label">Mauthner, Fritz</persName>
               <persName><surname>Mauthner</surname><forename>Fritz</forename></persName>
               <occupation>Lebensmittelhändler</occupation>
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               <persName type="label">Pleschiutschnig, Gerhard</persName>
               <persName><surname>Pleschiutschnig</surname><forename>Gerhard</forename></persName>
               <occupation>Kabinett Staribacher</occupation>
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               <persName type="label">Apfalter, Heribert</persName>
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               <persName type="label">Veselsky, Ernst Eugen</persName>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
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