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            <title type="main">Dienstag, der  9. Oktober 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-10-09_01">Dienstag, 9. Oktober 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-10-09_02"><rs type="person" ref="#per__140293">Maschke</rs> und <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> berichten <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> und mir, dass sie in München<lb/>
einen grösseren Erfolg erreicht haben als sie je zu träumen wagten.<lb/>
Österreich hat gute Chancen, wenn es dem europäischen Patentamt bei<lb break="no"/>tritt, im Interimsausschuss, wo nur Mitglieder teilnehmen können und<lb/>
bei den 6 Arbeitsgruppen insbesondere bei der einen über Research aktiv<lb/>
mitzuwirken. In diesem Fall könnte nach Artikel 31 die Research-Arbeiten<lb/>
auch nach der Übergangsfrist von einem Land durchgeführt werden, wenn<lb/>
entsprechender Bedarf vorhanden ist. Das europäische Patentamt in München<lb/>
und die Zweigstelle in Berlin würden neben dem IIP kaum die Möglichkeit<lb/>
haben, alle Research-Arbeiten durchzuführen. Voraussetzung ist nur, dass<lb/>
wir doch so schnell wie möglich dem Abkommen beitreten. Der Vertreter<lb/>
der Patentanwaltskammer <rs type="person" ref="#per__110989">Sonn</rs>, der jetzt dadurch, dass er die ganzen<lb/>
Verhandlungen im Detail miterlebt hat, wahrscheinlich einem Beitritt<lb/>
aufgeschlossener gegenübersteht als der Vizepräsident <rs type="person" ref="#per__146031">Berger</rs>, der dies<lb/>
bis jetzt ganz entschieden ablehnte. Erfreulich ist, dass auch Dr. <rs type="person" ref="#per__123314">Lo<lb break="no"/>renz</rs> wieder aktiv mitarbeitet. In München wurde auch versucht, die<lb/>
Inpadoc entsprechend einzubauen. <rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs> war beim deutschen Patent<lb break="no"/>minister, hat sich aber bei unserer Delegation überhaupt nicht anschauen<lb/>
lassen. Ich weiss nicht wie lange <rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs> noch braucht, bis er endlich<lb/>
erkennt, dass er mit dem Patentamt gut kooperieren muss, um überhaupt<lb/>
überstehen zu können. Ich habe auf alle Fälle <rs type="person" ref="#per__140293">Maschke</rs> und <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> für ihren<lb/>
Einsatz gedankt. <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> hat vorgeschlagen, dass man die gesamte Delega<lb break="no"/>tion ins Ministerium bitten soll, damit ich auch der gesamten Delegation<lb/>
meinen Dank aussprechen könne.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-10-09_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte eine Sitzung nach Rücksprache mit <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs><lb/>
einberufen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-10-09_04">Im Ministerrat hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> den Interessensvertretungen gedankt und da<lb break="no"/>rauf hingewiesen, dass wir den Preishausse überschritten hätten, aber<lb/>
auch dem Kreditapparat und der ÖNB gebührt Anerkennung. Wir liegen<lb/>
derzeit tatsächlich äusserst günstig. Ich fürchte nur, dass im Spät<lb break="no"/>herbst und im Winter dann die Preissteigerungen aus der Lohnwelle<lb/>
kommen werden und insbesondere auch die Lebensmittelpreise durch die<lb/>
Hauptgruppen der Lebensmittelarbeiter Müller, Bäcker, Fleischhauer und<lb/>
Molkereiarbeiter wesentlich erhöht werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-10-09_05">Da Tag des Brotes war, sind die Müller und Bäcker zu mir gekommen<lb/>
um um Intervention bei <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> zu ersuchen, damit er die Stützungen<lb/>
<pb n="17-1105" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-10-09_1105.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>für die Getreidepreiserhöhung mindestens noch ein Monat weiter<lb/>
bezahlt. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ist – wie ich nachher unter einem Vieraugen<lb break="no"/>gespräch feststellte, bereit, ihnen hier entgegenzukommen. Ich schlug<lb/>
ihm vor, dass dies als letzter Ausweg erst gegen Ende des Monats verfügt<lb/>
werden sollte, damit wir die Müller und Bäcker zu einem schnelleren<lb/>
Lohnabschluss und damit im Zusammenhang auch Preisbildung drängen. Je<lb/>
länger es hinausgezogen wird, umso unangenehmer und umso mehr im<lb/>
Weihnachtsrummel.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-10-09_06"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> will auch für den Fremdenverkehr nachdem er bei der Hotelier<lb break="no"/>vereinigung das Hauptreferat halten wird, entsprechende Vorschläge ma<lb break="no"/>chen. Er denkt daran, die Nasseinheiten von den Gebäuden zu trennen<lb/>
und wieder so wie – bevor der Verwaltungsgerichtshof diese Praxis ver<lb break="no"/>boten hat – als 10-jährig abschreibfähig zu erklären. Ausserdem möchte<lb/>
er die Dauerschuld aus der Gewerbesteuer eliminieren. Da der Fremden<lb break="no"/>verkehr mit 12 Mia S verschuldet ist, ist dies eine wirkliche Hilfe.<lb/>
Ich machte <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, der sich mir gegenüber äusserte, er möchte keines<lb break="no"/>falls in das Gebiet des Fremdenverkehrs kompetenzmässig eindringen,<lb/>
darauf aufmerksam, dass wir bei weiteren Stützungsaktionen nicht die<lb/>
Zinsstützung sondern ähnlich der Komfortzimmeraktion vorgehen sollten.<lb/>
Er akzeptierte diesen Vorschlag und wird insbesondere Min.Rat <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs>,<lb/>
der bei der Bürges eine neue Zinsstützaktion einleiten wollte, zurück<lb break="no"/>halten. <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> meinte, er hätte auf einen Fehler, der scheinbar im<lb/>
Büro bei <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> passiert ist, die entsprechenden Anträge in die Bürges<lb break="no"/>aufsichtsratssitzung gebracht.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-10-09_07">Mit Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__122965">Treichl</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__123373">Schmidt-Chiari</rs> von der CA führte ich<lb/>
Gespräche wegen des Papierkonzepts. Die Leykam-Josefsthal ist für die<lb/>
Steiermark ein Schlüsselbetrieb. Ausser der Mürzthaler, die be<lb break="no"/>reits zum Konzern gehört, wird es notwendig sein, auch mit Brigl Bergmei<lb break="no"/>ster, der derzeit 47.000 t Zellulose erzeugt und gegebenenfalls mit<lb/>
Neusiedler Kematen die Zellstoffproduktion zusammenzufassen.in Gratkorn.<lb/>
Leykam, d.h. der CA-Konzern wird 1,2 Mia S in ca. 170 – 210.000 jato<lb/>
Zellulose investieren. <rs type="person" ref="#per__123373">Schmidt-Chiari</rs> hat freimütigst die Konzeption<lb/>
von Leykam dargelegt. Sie möchte mit dem Besitzer von Birgl Bergmeister<lb/>
zu einer solchen Lösung kommen. Mit <rs type="person" ref="#per__114599">Turnauer</rs> von der Neusiedler<lb/>
tun sich sich bedeutend schwerer. Die Schweizer Papierfabrik ist ihrer<lb/>
Meinung nach früher oder später zum Sterben verurteilt. Ing. <rs type="person" ref="#per__149293">Schweizer</rs><lb/>
ist zwar ihr Kunde, aber sie können ihm kaum helfen, dass die Vorstands<lb break="no"/>mitglieder von Leykam der Meinung sind, der Betrieb sollte nicht in ihren<lb/>
Konzern aufgenommen werden. <rs type="person" ref="#per__122965">Treichl</rs> ist einverstanden, dass ich mit der<lb/>
<pb n="17-1106" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-10-09_1106.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Länderbank wegen Lenzing und der Bawag wegen Schlöglmühl verhandele,<lb/>
damit wir ein gemeinsames Papierkonzept erstellen. Die derzeit ange<lb break="no"/>meldeten Investitionen von 4,8 Mia sind als überhöht zu bezeichnen und<lb/>
könnten, selbst wenn der Staat diese Zinsstützung geben würde, von den<lb/>
Banken gar nicht finanziert werden. Wenn wir und dies sagte ich <rs type="person" ref="#per__122965">Treichl</rs><lb/>
mit aller Deutlichkeit, nicht zu einem vernünftigen Konzept kommen,<lb/>
müsste ich dann da nur 1,8 Mia zur Verfügung stehen, von den 4,8 Mia<lb/>
entsprechende lineare Kürzungen vornehmen. Dies wäre ein Wahnsinn, wie<lb/>
<rs type="person" ref="#per__123373">Schmidt-Chiari</rs> mit recht bemerkte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-10-09_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte Telefonverbindung mit <rs type="person" ref="#per__114047">Flöttl</rs>, Bawag und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97789">Ockermüller</rs>, Länderbank, herstellen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-10-09_09">Bundesrat <rs type="person" ref="#per__97409">Eder</rs> vom Milchwirtschaftsfonds kaum mit Dr. <rs type="person" ref="#per__139862">Massauer</rs>, Landwirt<lb break="no"/>schaftskammer und etlichen Molkereidirektoren, um einige Wünsche der<lb/>
Lebensmittelkennzeichnungsverordnung vorzubringen. Einen Teil dieser<lb/>
Wünsche hatte <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs> bereits in den neuen Entwurf eingearbeitet sodass<lb/>
es für mich ein Leichtes war, dem nach "heftigen Widerstand" nachzu<lb break="no"/>geben. Wirklich offen ist noch, dass <rs type="person" ref="#per__97808">Petuely</rs> darauf besteht, dass die<lb/>
Kennzeichnung alle Bestandteile und damit auch z.B. in den Molkerei<lb break="no"/>produkten die Bakterien ausweisen müsste. Dies ist aber wirklich gegen<lb/>
die Politik des grösseren Milchverbrauches, denn niemand wird eine<lb/>
Ware kaufen, wenn dort steht, dass so und soviele 100 Mill. Bakterien in<lb/>
einem Kilogramm enthalten sind. <rs type="person" ref="#per__97409">Eder</rs> und <rs type="person" ref="#per__139862">Massauer</rs> sind nach dieser<lb/>
Aussprache befriedigend abgezogen und haben dezidiert erklärt, dass<lb/>
sie mit dem VO-Entwurf einverstanden sind. Damit kommen wir glaube ich wir<lb break="no"/>klich auf eine vernünftige Basis, ich nehme an, dass auch <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> letzten<lb/>
Endes den Abänderungswünschen, die wir noch machen müssten, zustimmt.<lb/>
Vor allem halte ich die Bagetellgrenze von 20 Gramm, wo keine<lb/>
Auszeichnung mehr erfolgen muss, für vollkommen unmöglich. Seinerzeit<lb/>
hat man sich auf 50 Gramm geeinigt, die Gewürzleute waren nun einver<lb break="no"/>standen, dass mit 35 Gramm für sie das Limit gesetzt wird, sodass eigent<lb break="no"/>lich einer Einigung, ohne dass <rs type="person" ref="#per__97808">Petuely</rs> allerdings seine Zustimmung geben<lb/>
wird, bei 15 und 35 Gramm nichts mehr im Wege steht.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-10-09_10">Die Fraktionssitzung über Bergbauprobleme, die <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> einberufen hat,<lb/>
und an der neben <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> fast alle Direktoren der davon betroffenen und<lb/>
zur SPÖ gehörenden GKB sowie der Gewerkschaft und der Betriebsräte ange<lb break="no"/>hörten, hat einen ganz neuen Gesichtspunkt ergeben. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bezeichnete<lb/>
Aichfeld als der kostspieligste Projekt mit 2 Mia S. Die Arbeitsmarkt<lb break="no"/>situation ist dort so, dass für die Umschulung von der Alpine, SGP<lb/>
usw. keine Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Auch Bauknecht und Siemens<lb/>
<pb n="17-1107" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-10-09_1107.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>in Fohnsdorf, die mit April 1974 in Betrieb gehen sollen, haben keine<lb/>
Arbeitskräfte mehr. Der Bedarf ist derzeit 475 und wird bis 1974<lb/>
auf 480 und bis 1975 noch mehr steigen. Für Alpine-Zeltweg wurden<lb/>
von ERP-Fonds 100 Mill. zur Verfügung stellt und sie wurden noch<lb/>
nicht angesprochen, weil eben keine Arbeitkräfte vorhanden sind.<lb/>
Die Absicht, den Bergbau aus der Alpine herauszulösen und der ÖIAG<lb/>
zu übertragen, wäre mit ungeheuren Beispielsfolgen verbunden. So könnte<lb/>
andere Unternehmer darauf kommen, die Defizitträger auszugruppieren und<lb/>
dem Staat zu übertragen. Eine Übertragung an die E-Werk ist unmotiviert<lb/>
und wird von ihm entschieden abgelehnt. Betreffend der Überlegung der<lb/>
Krisenvorsorge meint er, könnte nur für Kupfer und einige sensible<lb/>
Produkte vorstellen, doch keinesfalls für Kohle. Aus der langen Diskus<lb break="no"/>sion ergab sich dann folgendes Projekt: Fohnsdorf mit heuer nicht<lb/>
92 Mill. sondern 111 Mi11. Defizit haben. Die Ursache ist, das 4 Tages<lb break="no"/>tonnen pro Mann in der Schicht gefahren werden, aber im Laufe des Jahres<lb/>
1972 80 Mann weniger wurden. Derzeit stehen nur mehr 1073 Arbeiter zur<lb/>
Verfügung, von denen nur ein Teil unter Tags arbeitet. Durch die Lohnerhö<lb break="no"/>hung weiters bedingt hat sich das Defizit erhöht, sodass der Erlös knapp<lb/>
noch die Lohn- und Gehaltskosten decken. 1974 wird das Defizit noch grös<lb break="no"/>ser, weil die Gesamterlöse nur mehr 80 % der Lohn- und Gehaltssummen<lb/>
decken werden. 1975 kommt die 40 Stunden-Woche und damit eine weitere<lb/>
grössere Defizitquelle. In Pölfing-Bergla wird die aufgeschlossene<lb/>
Substanz bis 1976 reichen und 24 Mill. s Defizit mindestens erwachsen.<lb/>
Ab 1977 müsste die ÖBB und der Sulmfluss unterquert werden, weiters<lb/>
sollen 70 Häuser unterbaut werden. Dadurch würden irrsinnige Gestehungs<lb break="no"/>kosten entstehen. Die GKB braucht ausser den 29 Mill., die sie bereits<lb/>
Bergbauförderung bekommen haben, noch mindestens 35,1 Mill. S. Da ich<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> nur 46 Mill. bekommen habe, 64 aber brauche, ein inter<lb break="no"/>essanter böhmischer Fehler würde alles bereinigen, habe ich <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ge<lb break="no"/>fragt, ob er noch Möglichkeiten sieht, die 20 Mill. S zur Verfügung<lb/>
zu stellen, Da ich dies natürlich nicht in offener Sitzung, sondern<lb/>
auf einem Zettel ihm geschrieben habe, hat er dann, bevor er weggegangen<lb/>
ist, gemeint, er würde einmal versuchen, ob es andere Möglichkeiten<lb/>
gibt, über diese weitere Zahlung hinwegzukommen. Ich glaube allerdings<lb/>
kaum, denn ich bin überzeugt davon, dass letzten Endes <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> darauf<lb/>
drängen wird, dass er die 20 Mill., die jetzt im 2. BÜG vorgesehen sind,<lb/>
eben auf 40 Mill. erhöht. Das könnte man gegebenenfalls noch im<lb/>
Parlament machen. Das wirkliche Problem ist, dass <rs type="person" ref="#per__146491">Isser</rs>, der Metall<lb break="no"/>arbeitersekretär für die Bergarbeiter zuständig, darauf hinwies, dass<lb/>
der Bergarbeiter 5 Wochen Urlaub und dann nur mehr 3 Wochen Urlaub be<lb break="no"/>käme. Dass die Pensionen, welche man in die Bergarbeiterversicherung<lb/>
<pb n="17-1108" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-10-09_1108.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>durch 75 Monate noch einzahlen kann, wesentlich höher liegen als<lb/>
bei der normalen Versicherung. So macht es bei 10-jähriger Beschäftigungs<lb break="no"/>dauer und 5.000 brutto 350.- S mehr Pension, bei 7.000 S schon<lb/>
500.- S mehr Pension, bei 25 Jahren würde über 1.000 S mehr Pension<lb/>
bei der Bergarbeiterversicherung erreicht werden als in der normalen.<lb/>
Im Durchschnitt ist 6,1/4 Jahre zu rechnen und würde jährlich 60<lb/>
Mill. S Mehrerfordernis notwendig sein, um die Pensionsdifferenz<lb/>
den Bergarbeitern auszugleichen. Die Gemeinden verlieren ausserdem<lb/>
die Lohnsummensteuer und sind auch aus diesem Grund gegen jedwede<lb/>
Stillegung. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> möchte nun folgende Konzeption.<lb/>
1. Die Betriebsräte von Fohnsdorf und Pölfing-Bergla sollen<lb/>
sachlich und fachliche die Situation dargelegt werden.<lb/>
2. Den Landeshauptmann würde <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> einladen und ihn darauf<lb/>
aufmerksam machen, dass der Bund nicht bereit ist, das gesamte<lb/>
Defizit zu finanzieren, sondern das Land sich daran beteiligen<lb/>
sollte. Sollte der LH <rs type="person" ref="#per__113131">Niederl</rs> verlangen, dass die VÖEST-ALpine<lb/>
einen Teil des Defizits deckt oder gar erklären, dass das Land<lb/>
nicht bereit ist, etwas zu übernehmen, dass würde man ihm androhen,<lb/>
dass die Investitionen die steirischen Betriebe dadurch verschüttet<lb/>
werden.<lb/>
3. Der Bund reserviert die Abfertigungsbeträge, die Bergarbeiter<lb/>
erhalten eine Jahresabfertigung zusätzlich, die ca. 200 Mill. S<lb/>
ausmachen würde. Weiters soll eine massive Förderung der betroffe<lb break="no"/>nen Gebiete in Pölfing-Bergla und Fohnsdorf durchgeführt werden.<lb/>
ein genauer Sozialplan müsste die Abgeltung des Pensionsnachteils<lb/>
errechnen. Damit wird er <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> beauftragen, macht aber gleichzeitig<lb/>
darauf aufmerksam, dass sich ein gefährliches Präjudiz für andere<lb/>
Betriebe dadurch ergeben könnte. Letztlich sollte auch die Refun<lb break="no"/>dierung der Verluste an die Gemeinde wegen des Lohnsummensteueraus<lb break="no"/>falles errechnet werden und überlegt, wie man den Gemeinden helfen<lb/>
könnte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-10-09_11">Mein Vorschlag, den Arbeitern in Pölfing-Bergla zu sagen, dass<lb/>
der Betrieb nicht geschlossen, sondern dass die Alpine selbst dort<lb/>
eine Fertigung hinlegt und die Arbeiter übernimmt, hat nicht die<lb/>
Zustimmung von <rs type="person" ref="#per__97423">Fabricius</rs> gefunden, das meint, VÖEST-Alpine hätte<lb/>
keine Produktion mehr, die sie dorthin legen könnte. Im Gegenteil,<lb/>
es gibt heute bereits im Stahlbau und im <choice><choice><sic>Mehrschaninenbau</sic><corr>Maschinenbau?</corr></choice></choice> schon<lb/>
höhere Kapazitäten als Aufträge vorhanden sind.</p><pb n="17-1109" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-10-09_1109.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-10-09_12">Die Berechnungen werden einige Zeit in Anspruch nehmen, dass<lb/>
wird aber eine neuerliche Sitzung einberufen. Was mich am meisten<lb/>
erschüttert hat, war, dass beim Verabschieden ein Betriebsrat<lb/>
gemeint hat, man sollte sich doch mit der ÖVP liieren, damit man<lb/>
für die Kohle Pölfing-Bergla entsprechende Lösungen findet.<lb/>
Der Betriebsrat und auch andere sind fest überzeugt, dass 1975<lb/>
wird nicht mehr die absolute Mehrheit bekommen und deshalb könnte<lb/>
man bereits jetzt eine Koalition wegen der Kohle zumindestens von<lb/>
ihrem Standpunkt aus gesehen, versuchen. Sie betrachteten mich als<lb/>
Narren, als ich ihnen erklärte, 1975 würden wir genauso wieder die<lb/>
absolute Mehrheit bekommen wie jetzt. Ganz überzeugt bin ich davon<lb/>
nicht, aber jetzt bereits wegen der Kohle zu kapitulieren hielt ich<lb/>
doch für nicht zielführend.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-10-09_13"/></div>
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            <head>hs. Notizen (Nachtrag Rückseite)</head>
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