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            <title type="main">Mittwoch, der  3. Oktober 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-10-03_01">Mittwoch, 3. Oktober 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-10-03_02">Min.Rat <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs>, <rs type="person" ref="#per__97467">Gasser</rs>, <rs type="person" ref="#per__112191">Mayer</rs>, <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs>, <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> bestätigen mir, dass es<lb/>
möglich sein müsste, bis Ende November, Anfang Dezember die Konzep<lb break="no"/>tion des Energiekonzeptes fertig zu haben. Dadurch, dass von der ÖMV<lb/>
Doz. <rs type="person" ref="#per__140493">Romig</rs> und <rs type="person" ref="#per__97671">Kreutler</rs> die Gas- und Flüssigenergie, Bundeslastverteiler<lb/>
und von der Verbundgesellschaft die elektrische Energie, da vom einzigen<lb/>
Ministerienvertreter nämlich die Kohle vorgelegt werden wird, müsste<lb/>
es gelingen, zeitgerecht den ersten Entwurf über die Runden zu bringen.<lb/>
Interessant ist, dass <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> mitteilt, dass auch das Elektrizitätsministe<lb break="no"/>rium einen entsprechenden Entwurf ausgearbeitet hat, von dem <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs><lb/>
allerdings meint, er ist nicht zu verwenden und wird umgearbeitet.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> dürfte der einzige gewesen sein, der immerhin imstande war, als<lb/>
Ministeriumvertreter für Kohle ein entsprechende Konzept vorzulegen<lb/>
wobei er dieses jetzt mit den Unternehmen abstimmt und mit Sicher<lb break="no"/>heit angenommen werden kann, dass die Unternehmer dieser ins Detail<lb/>
gehenden Information zustimmen werden. Das Wirtschaftsforschungs<lb break="no"/>institut wird über die Prognose einen diesbezüglichen Vorschlag vorbe<lb break="no"/>reiten und Dipl.Ing. <rs type="person" ref="#per__146472">Hönigmann</rs> von der Verbund einen Entwurf der inter<lb break="no"/>nationalen Energielage. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> hat auch die Akademie für Wissenschaften,<lb/>
das Wirtschaftforschungsinstitut und den Landverteiler mobilisiert,<lb/>
um eine Arbeit über die Methoden der Energieprognose vorzulegen. Beim<lb/>
letzten Energiekonzept, das die ÖVP veröffentlicht hat, wurde von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97775">Nemschak</rs> abgelehnt die Details der Methode der Energieprognose in die<lb/>
Arbeit aufzunehmen. Da hier gewisse Schwächen existieren, wollte er<lb/>
nur das Ergebnis aber nicht wie man zu diesem Ergebnis kommt publi<lb break="no"/>zieren. Ich habe <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> bereits vor längerer Zeit klar und deutlich<lb/>
gesagt, dass wir alle Schwächen, die ein Energieplan hat, in dem Plan<lb/>
selbst aufzeigen müssen. Vor allem wird der mit 1. Jänner zu konsti<lb break="no"/>tuierende Energiebeirat nur alle Schwächen öffentlich diskutieren.<lb/>
Das wirkliche Problem liegt aber meiner MEINUNG NACH GANZ WO ANDERS!<lb/>
Das wird letzten Endes meine Arbeit sein in ganz kleinem Kreis zuerst<lb/>
fraktionell und dann natürlich auch mit der Gegenseite und den Inter<lb break="no"/>essensvertretungen auszudiskutieren, z.B. Wenn die ÖMV auf Propylen<lb/>
und Äthylen-Produktion einsteigt, braucht sie 5 Mill. t Rohöl. Dies<lb/>
gibt dann 3 Mill. t Heizöl, die irgendwie, nicht nur im Energieplan<lb/>
sondern was noch viel wichtiger ist, in der Praxis fest vereinbart ab<lb break="no"/>gesetzt werden muss. Wenn die elektrische Energie diese Ölmengen auf<lb break="no"/>nimmt und in kalorischen Kraftwerken verarbeitet, sehe ich fast keine<lb/>
Möglichkeit, unsere Kohle im weststeirischen Gebiet verstromen zu können,<lb/>
<pb n="17-1078" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-10-03_1078.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Der Ölpreis unterliegt irrsinnigen Schwankungen, der Kohle<lb break="no"/>preis wird eine ständige Aufwärtsentwicklung mitmachen, wie werden<lb/>
wir also die Preisrelationen untereinander so gestalten, dass wir<lb/>
eine kontinuierliche Absatzlage für Öl oder Kohle erzielen können.<lb/>
Wenn wir dann im Energiekonzept oder was noch viel wichtiger ist<lb/>
bei den endgültigen Verhandlungen zwischen den einzelnene Energie<lb break="no"/>abnehmern einen entsprechenden Plan durchgesetzt haben und dies ver<lb break="no"/>traglich gebunden ist, werden wir dann tatsächlich die optimale Lö<lb break="no"/>sung auch für die Zukunft gefunden haben. Über diese Probleme wird es<lb/>
notwendig sein, zu entscheiden. Hoffentlich treffen wird das<lb/>
Richtige, denn ich fürchte, aus dem Energiekonzept werden wir maximal<lb/>
einen Anhaltungspunkt, sicherlich aber nicht eine bindende Aussage<lb/>
haben können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-10-03_03">Min.Rat <rs type="person" ref="#per__112191">Mayer</rs> hat anschliessend mit Sekt.Leiter <rs type="person" ref="#per__97467">Gasser</rs> sich bei mir<lb/>
bitter über Min.Rat <rs type="person" ref="#per__116995">Wildauer</rs> beschwert. <rs type="person" ref="#per__112191">Mayer</rs> hat , als <rs type="person" ref="#per__97467">Gasser</rs> ab<lb break="no"/>wesend war, selbstlos zugestimmt, dass <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs> seine Sekretärin bekommt.<lb/>
Dadurch wurde das Personalgefüge der OB ein bisschen durcheinander<lb break="no"/>gerüttelt. Dies hat Min.Rat <rs type="person" ref="#per__116995">Wildauer</rs>, eine angeblich sehr aggressive<lb/>
Berlinerin, veranlasst zu sagen, dass er sich unakademisch verhal<lb break="no"/>ten hat. Seit der Zeit, sagt Min.Rat <rs type="person" ref="#per__112191">Mayer</rs>, heisst er nicht der<lb/>
Öl-Mayer, sondern der Proletenmayer. Dadurch fühlt er sich in seiner<lb/>
Ehre gekränkt, <rs type="person" ref="#per__97467">Gasser</rs> selbst wird versuchen, dieses Problem aus der<lb/>
Welt zu schaffen und meint mit Recht, dass dies kaum ein Diszipli<lb break="no"/>narfall sein könnte. Ich selbst habe nur <rs type="person" ref="#per__112191">Mayer</rs> bestätigt, dass er in<lb/>
einmaliger Art und Weise sich in der Sache verhalten hat und wirklich<lb/>
jetzt einen diesbezüglich unqualifizierten Angriff nicht verdient.<lb/>
Dabei erinnere ich mich, dass <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> seinerzeit auf der Universität<lb/>
da er wusste, dass ich als Stein- und Offsetdrucker und vor allem<lb/>
einmal als Sozialist nach meiner Kriegsverwundung studieren durfte,<lb/>
von ihm als emanzipierter Proletarier bezeichnet und auch behandelt<lb/>
wurde. Mich hat das damals nicht gestört, sondern ganz im Gegenteil<lb/>
ich war darauf stolz. <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> hatte dies allerdings nicht bösartig<lb/>
gemeint, sondern nur auch schon in seiner damaligen zynischen Art<lb/>
und Weise geglaubt, einen guten Gag gefunden zu haben. Die nach<lb break="no"/>träglich beste Genugtuung haben ich dann erfahren, als er selbst schon<lb/>
Politiker der ÖVP auf seine proletarische Abkunft, sein Vater war<lb/>
Eisenbahner, hingewiesen hat.</p><pb n="17-1079" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-10-03_1079.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-10-03_04"><rs type="person" ref="#per__98087">Wirlandner</rs> setzt mir auseinander, dass die Investitionskredit,<lb/>
wo er Vorstandsmitglied ist, im nächsten Jahr in eine pein<lb break="no"/>liche oder besser gesagt schwierige Situation kommt. Fast<lb/>
1,9 Mia S-Ansuchen liegen vor. Die Liste, die mir seinerzeit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98011">Teufenstein</rs> nur gezeigt hat, übergibt er mir selbstverständlich.<lb/>
Er selbst hat diese Ansuchen schon vorsortiert und meint, dass<lb/>
er von diesen 1,9 Mia maximal 600 Mill. herausstreichen könnte.<lb/>
Um nun diesen Betrag von 1,3 Mia aufzubringen, müssten sie ausser<lb/>
den 400 Mill. Rückläufen und den 300 Mill. Anleihen, die ihm<lb/>
schon zugesichert sind, noch um 400 Mill. Auslandsgelder aufnehmen<lb/>
und 100 Mill. müssten die Bankinstitute, die ja an der Invest<lb break="no"/>kredit beteiligt sind, durch Kassenscheine und Obligationen zur<lb/>
Verfügung stellen. Dadurch könnte er 1,2 Mia maximal Investitionen<lb/>
im nächsten Jahr finanzieren. Er fürchtet, und dies mit Recht,<lb/>
dass der Finanzminister diese Kreditoperationen nicht so restlos<lb/>
genehmigen wird. Die wirkliche Sanierung, der Investitionskredit AG<lb/>
könnte ja nur auf zweifache Art erfolgen. Nach längeren Verhand<lb break="no"/>lungen wurde das Kapital der Investitionskredit von 200 Mill. durch<lb/>
die Aufnahme der In-Kredit von der Nationalbank um 100 Mill. auf<lb/>
300 Mill. erhöht. Wenn nun die Investitionskredit mit der Kommunal<lb break="no"/>kredit AG zusammengelegt wird, die ungefähr ein Kapital von 50 –<lb/>
60 Mill. hat, würde sich das Kapital auf 350 bis 360 Mill. S erhöhen<lb/>
Da aber die Investitionskredit und die Kommunalkredit jeweils<lb/>
400 Mill. ERP-Mitteln hat, würden dann 800 Mill. S zur Verfügung<lb/>
stehen, womit eine grössere Tätigkeit der I-Kredit garantiert<lb/>
wäre. Ich habe erklärt, dass dieser Plan meiner Meinung nach<lb/>
sinnvoll ist, aber wahrscheinlich schon allein daran scheitert,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> kaum ihn akzeptieren wird und darüber hinaus <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
ein aktiver Mitarbeiter in der Kommunalkredit AG sich dagegen<lb/>
aussprechen wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat seinerzeit mit <rs type="person" ref="#per__98091">Withalm</rs> auch in der<lb/>
Oppositionszeit in der Kommunalkredit doch den Gemeinden entspre<lb break="no"/>chende Unterstützung gewährt und er wird auf dieses politische<lb/>
Instrument, allerdings auch <rs type="person" ref="#per__98091">Withalm</rs>, kaum verzichten wollen. Der<lb/>
zweite Sanierungsplan wäre noch besser. Die ÖNB hat heute ERP-<lb/>
Wechsel für 5,4 Mia S als sogenannter Eigenblock. Diese Wechsel<lb/>
könnten dem Bund abgetreten werden, der Bund müsste dann Bundesschuld<lb/>
bei der Nationalbank erhöhen und der Bund selbst könnte treuhändisch<lb/>
dieses Wechselmaterial der I-Kredit übertragen. Dann hätte die<lb/>
Investitionsbank einen ungeheuren starken Kapitalstock und wäre<lb/>
eine wirkliche Investitionsbank. Derzeit ist ihre Bilanzsumme<lb/>
<pb n="17-1080" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-10-03_1080.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>2,4 Mia S und erhöht sich pro Jahr um maximal 400 Mill., was natür<lb break="no"/>lich viel zu gering ist. Da die I-Kredit aber keinerlei Einlagen<lb/>
besitzt, damit auch durch die Kreditrestriktion in eine ganz<lb/>
besondere Schwierigkeit gelangt, hat sie keine Expansionsmöglichkeit<lb/>
wie die anderen Banken, Sparkassen, Raiffeisenkassen, usw., die<lb/>
Direkteinlagen beziehen. <rs type="person" ref="#per__98087">Wirlandner</rs> und <rs type="person" ref="#per__98011">Teifenstein</rs> werden bis 1975<lb/>
noch aktiv bleiben, ob bis dorthin ein so grosses Konzept durchgesetzt<lb/>
wird, liegt aber primär am Finanzminister und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>. Ich habe<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98087">Wirlandner</rs> gleich freimütig gesagt, dass ich darauf keinen Einfluss<lb/>
habe, wir wohl seinerzeit im Wirtschaftsprogramm, aber auch<lb/>
im Beirat entsprechende Vorschläge gemacht haben, die aber jetzt<lb/>
scheinbar nicht verwirklicht, resp. durchgeführt werden. Wenn <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
einen solchen grossen Plan verfolgen wollte, gegen den sich natürlich<lb/>
das ERP-Büro, gegen den sich die Banken stellen, gegen die sich vor<lb/>
allem einmal sicherlich seine Finanzbürokratie in der Himmelpfortgasse<lb/>
stellen wird, so müsste er auf die seinerzeitigen Studien der Wirt<lb break="no"/>schaftskommission aber noch viel mehr des Beirates zurückgreifen, weil<lb/>
er dann sagen könnte, dies war eine Forderung aller Interessensvertre<lb break="no"/>tungen Österreichs. Da aber <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ja nur in den seltensten Fällen<lb/>
in der letzten Zeit glaube ich überhaupt nicht mehr mit den Inter<lb break="no"/>essensvertretungen zu so grosser Reorganisation sich verbünden<lb/>
möchte, sehe ich für die Durchführung eines solchen Projektes derzeit<lb/>
keine allzu grosse Chance.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-10-03_05">Min.Rat a.d. <rs type="person">Peschke</rs>, hat mit <rs type="person" ref="#per__97729">Matthes</rs> von der VÖEST seinen Wunsch,<lb/>
Vertreter bei der OECD bei der Stahlindustrie zu werden, besprochen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97729">Matthes</rs> hat es von meiner Zustimmung abhängig gemacht. Ich habe<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97729">Matthes</rs> und <rs type="person">Koller</rs> bei der Unterzeichnung einer Zellulose-Anlage<lb/>
für die CSSR, d.h. Slowakei getroffen und <rs type="person" ref="#per__97729">Matthes</rs> darauf aufmerksam<lb/>
gemacht, dass ich nichts dagegen einzuwenden habe, wenn die Stahlindu<lb break="no"/>strie tatsächlich über den Fachverband <rs type="person">Peschke</rs> an stelle des derzeit<lb/>
schon sehr alten ehemaligen Stahldirektor vorschlägt. Die Tschechen<lb/>
waren sehr erfreut, dass ich zu dieser Vertragsunterzeichnung gekommen<lb/>
bin und ganz besonders vor längerer Zeit ja dazu schon einen Minister<lb/>
aus der CSSR eingeladen habe. Dies war ein Wunsch der VÖEST, das<lb/>
Essen ging aber auf ihre Kosten, es waren ungeheuer viele Leute auch<lb/>
geladen, nur der csl. Botschafter meinte, trotz der unglückseligen<lb/>
Grenzzwischenfälle gehen Gott sei Dank die Geschäfte weiter. Die<lb/>
CSSR hat nicht zuletzt vielleicht, um zu beweisen, dass sie die Ge<lb break="no"/>schäftsverbindungen nach wie vor aufrechterhalten will, heuer schon<lb/>
für 1 Mia S Investitionen getätigt, wie der csl Handelsrat mit gegen<lb break="no"/>über bemerkte.</p></div>
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