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            <title type="main">Montag, der 24. September 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_01">Montag, 24. September 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_02">Beim jour fixe ist diesmal <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> allein. Er erzählt, dass er mit der<lb/>
Gewerbeordnung grosse Schwierigkeiten innerhalb der ÖVP hat. Der ÖAAB<lb/>
hat einen Brief an <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> und <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> geschrieben und darin festgehal<lb break="no"/>ten, dass seinerzeit die ÖVP beschlossen hat, in der Pakettheorie, dass<lb/>
die Landarbeiter nicht zur Arbeiterkammer kommen dürfen. Ein diesbezüg<lb break="no"/>liches Schreiben hat nun Sozialminister sehr höflich aber ablehnend<lb/>
beantwortet. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> regt nun an, wie ich zu einer solchen Forderung<lb/>
stehe. Wie ich seinerzeit den Wunschkatalog der ÖVP den zuständigen<lb/>
Ministern zugeleitet habe, sehe ich meine Aufgabe als erfüllt an.<lb/>
Eine weitere Unterstützung von mir kommt nicht in Frage und lehne ich<lb/>
kategorisch ab. Ein weiterer schwieriger Punkt wird mit dem Bauern<lb break="no"/>bund die Genossenschaftsbesteuerung werden. Hier hat der Finanzminister<lb/>
nicht einmal noch eine diesbezügliche Sitzung anberaumt. Hier erkläre<lb/>
ich, keine Zuständigkeit zu haben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_03"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> schlägt vor, dass wir infolge des Entscheides des Verfassungs<lb break="no"/>gerichtshofes eine Verfassungsbestimmung in die Gewerbeordnung aufneh<lb break="no"/>men sollen, wonach Privatzimmervermieter bis 7 Betten ein Gewerbeschein<lb/>
dass Frühstück und in entweder einschichtige Höfe oder in Streulagen<lb/>
oder zumindestens ausserhalb verbauter Ortschaften auch Verpflegung ab<lb break="no"/>geben, d.h. auskochen dürfen. Ich erkläre, dass wir dieses Problem stu<lb break="no"/>dieren wollen, aber unter gar keinen Umständen eine Verfassungsbestimmung<lb/>
aufnehmen werden. Wenn wir nämlich eine Verfassungsbestimmung<lb/>
aufnehmen, besteht die grosse Gefahr, dass dann der ÖAAB oder der Bauernbund<lb/>
dies zu Erpressungen für ihre Wünsche im Parlament noch nützen<lb/>
können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97584">JAGODA</rs>: Die Verhandlungen über die Wünsche der Handels<lb break="no"/>kammer sind dilatorisch zu führen, aber keiner<lb break="no"/>lei Verfassungszusagen zu machen, damit die Ge<lb break="no"/>setzwerdung im Parlament nicht gefährdet wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_05"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> möchte, dass ich mit dem Finanzminister neuerdings Verhandlungen<lb/>
aufnehme, damit weitere Mittel für GAF bereitgestellt werden, dass<lb/>
die Mühlen über den 31. Oktober hinaus die höheren Getreidepreise, die<lb/>
sie bezahlen, abgegolten bekommen. Da der Finanzminister bereits<lb/>
die jetzige Regelung hart bekämpft hat, sehe ich keine Möglichkeit<lb/>
dazu. Wir werden mit Anfangs Oktober nach einjähriger Laufzeit<lb/>
Anträge an den Lohnunterausschuss wegen Freigabe der Löhne stellen.<lb/>
Es liegt dann an der Handelskammer das ganze Problem inclusive<lb/>
<pb n="17-1033" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-09-24_1033.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>der Frage der Lohnerhöhungen der Bäcker und damit im Zusammenhang dann<lb/>
auch der Preiserhöhung für die noch preisgeregelten Mehl- und Backwa<lb break="no"/>rensorten unverzüglich in Angriff genommen wird. Ich lasse keinen<lb/>
Zweifel, dass eine neue Verlängerung von Stützungen nicht in Frage<lb/>
kommt, im Gegenteil, teile ich <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> mit, dass ich mit Jahresan<lb break="no"/>fang, wenn die Kompetenz über die Preisbestimmung bei mir liegt,<lb/>
ein anderes System Platz greifen sollte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_06">Bei dieser Gelegenheit urgiere ich neuerdings seine Vorschläge<lb/>
über die zukünftige Preispolitik. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> sagt, dass sie sich durch<lb break="no"/>ringen werden, dass dort, wo keine Wettbewerbspreise herrschen, ein<lb/>
geregeltes System eingeführt werden kann. Die Frage, vor der sie<lb/>
stehen, ist, ob dort simulierte Wettbewerbspreise vom Staat dekre<lb break="no"/>tiert werden sollen, oder ob sie Kostenpreise verlangen sollten.<lb/>
Sie haben ausländische Vorschläge studiert, haben in ihren Be<lb break="no"/>sprechungen auch ausländische Fachleute herangezogen und er nimmt an,<lb/>
dass man in kürzester Zeit von ihm einen sehr konkreten Vorschlag<lb/>
bekommen wird. Er bemerkt, dass ja auch auf unserer Seite diesbezüg<lb break="no"/>liche Überlegungen angestellt werden. Er dürfte etwas von der Arbeits<lb break="no"/>gruppe der Ökonomischen Versammlung gehört haben. Wir einigen uns dahin<lb/>
gehen, dass bevor in der Öffentlichkeit eine Diskussion über die<lb/>
Vorschläge ausbricht, wir in kleinstem Kreis – <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
und da er die Industriellenvereinigung – wie er sich ausdrückt –<lb/>
einbinden muss, <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs>, <rs type="person" ref="#per__97661">Kottulinsky</rs>, auf unserer Seite <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>,<lb/>
wahrscheinlich <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs>, eventuell <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> – das Feld ab<lb break="no"/>stecken sollen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meint, dass bei seinem, wahrscheinlich<lb/>
aber auch bei meinem System die Paritätische Kommission sehr ge<lb break="no"/>stärkt werden wird, was zutrifft, ohne dass sie gesetzlich ver<lb break="no"/>ankert werden soll.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_07">Betreffend de Sanierung des Vereins für Konsumenteninformation<lb/>
wird er im nächsten Vorstand einen Bericht erstatten. Er erwartet,<lb/>
dass das Handelsministerium, wenn es Mitglied wird, nicht die<lb/>
Geschäftsführung beeinflussen wird und vor allem eine Erklärung<lb/>
abgibt, dass sie dem Wunsch auf Einführung der Werbesteuer nicht<lb/>
beitritt. Zu einer solchen Massnahme erkläre ich sofort meine<lb/>
Zustimmung, da ich ihm zur Sanierung erkläre, rückwirkend mit 1.7.<lb/>
beitreten werde, wenn die Handelskammer ihr Veto fallen lässt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: UND <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: In diesem Fall müssen wir 3 Mill. S<lb/>
aus eigenen Budgetmitteln, weil der Finanzminister<lb/>
garantiert erst ab 1974 übernimmt, bereitstellen.</p><pb n="17-1034" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-09-24_1034.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_09">Bei der BÜRGES ist die Aufnahme von <rs type="person" ref="#per__109293">Busek</rs> und <rs type="person" ref="#per__97678">Lacina</rs> noch immer<lb/>
nicht genehmigt, was ihn schon beunruhigt. Er drängt allerdings<lb/>
auf eine Richtlinienänderung, da nach seiner Mitteilung nur mehr<lb/>
75 % des Antragsvolumens von früher derzeit vorliegt. Er möchte<lb/>
insbesondere eine Erhöhung der 8 %-igen Kreditgrenze. Da ich zu einer<lb/>
Änderung der Richtlinien n icht bereit bin, fragt er, was mit dem<lb/>
Rest von 12 – 15 Mill. geschieht, die bei der Bürges übrigbleiben.<lb/>
Früher wurden diese Restbeträge immer den Wifis zur Verfügung gestellt.<lb/>
Da ich verhindern will, dass er auf eine Änderung der Richtlinien<lb/>
hart drängt, erkläre ich sofort, dass an dieser Praxis – die Restbe<lb break="no"/>träge den Wifis und damit automatisch auch dem BFI zu geben – fest<lb break="no"/>halten werde, ja natürlich sofort eine Einnahmenquelle für die Wifis<lb/>
erkennt. Durch diese Taktik wird er auch in Hinkunft nur mit geringer<lb/>
Energie eine Richtlinien-Änderung weiter verfolgen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Nach der nächsten Aufsichtsratssitzung der Bürges<lb/>
ein Restfinfanzierungskonzept für das Jahr 1973<lb/>
aufstellen, und versuchen, die Grösse der nicht<lb/>
ausgenützten Budgetmitteln, die den Wifis zu<lb break="no"/>fliessen, feststellen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_11">Die Vereinheitlichung der diversen Aktionen, meint <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, würde<lb/>
mir auch nicht gelingen, wie er mir bereits vor Jahren prophezeiht<lb/>
hat. Er selbst hätte einmal intern vorgeschlagen, alle Aktionen<lb/>
zu streichen und dafür die Debetzinsen zu senken. Dies wäre auf<lb/>
einen ungeheuren Widerstand in den Ländern gestossen. Man hätte ihn<lb/>
damals fast in der Luft zerrissen. Die Länder, aber auch die Bürokratie<lb/>
in den Ministerien wünschten die weitere Fortführung der entspre<lb break="no"/>chenden Aktionen. Auf Grund seiner und auch meiner Erfahrung glaube<lb/>
ich, dass der einzige Ausweg darin besteht, ohne dass ich ihm dies<lb/>
natrülich gesagt habe, wir lassen die Aktionen schön langsam<lb/>
eintrocknen, leiten alles ins Gewerbestrukturverbesserungsgesetz<lb/>
über und kommen vielleicht so aus der Vielfalt der Aktionen heraus.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_12">Über das Algerien-Gas ist er teilinformiert und meint mit Recht,<lb/>
dass wir uns um dieses sehr bemühen müssen. Ich versichere ihm,<lb/>
dass wir ein Konzept für die Abgrenzung der diversen Gasimport<lb break="no"/>möglichkeiten und über die Funktion der einzelnen Gesellschaften er<lb break="no"/>stellen müssen.</p><pb n="17-1035" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-09-24_1035.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_13">Er urgiert die Richtlinien für die Schaffung neuer Arbeitsplätze in<lb/>
den Entwicklungsgebieten. Die Handelskammer wird eine Forderung erhe<lb break="no"/>ben, dass es sich nicht nur um die Schaffung neuer Arbeitsplätze sondern<lb/>
auch um die Erhaltung der Arbeitsplätze in den Entwicklungsgebieten han<lb break="no"/>delt und deshalb die Richtlinien entsprechend modifiziert werden sollten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Kläre bitte, was er sich eigentlich hier vorstellt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_15">Ich informiere <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, dass ich Ausschreibungen über den Präsidenten des<lb/>
Patentamtes, der lt. Gesetz nur aus dem Patentamt selbst kommen kann und<lb/>
über die Besetzung der Sektion Elektrizitätswirtschaft vornehmen werde.<lb/>
Für diese Sektion kommt nach Auffassung <rs type="person" ref="#per__97769">Mussils</rs> nur zwei Leute in Frage,<lb/>
der derzeitige Leiter der Obersten Bergbehörde, Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97467">Gasser</rs> oder<lb/>
Min.Rat <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs>. Ich verneine dies ganz entschieden und meine, es können<lb/>
sich auch, wenn diese Ausschreibung nicht in der Wiener Zeitung offiziell<lb/>
veröffentlicht wird, ich aber die Presse davon verständingen werde, auch<lb/>
andere Interessenten bewerben. Der beste Mann wird dann zum Zuge<lb/>
kommen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_16">Beim Journalistenfrühstück, wo wir als einziges Thema nur die Stützungs<lb break="no"/>aktion für die Papierindustrie vorgesehen haben, ergibt sich inter<lb break="no"/>essanterweise eine Diskussion über verschiedene andere Probleme, ohne<lb/>
dass wir dies organisieren oder lenken mussten. Diese Imponderabilien<lb/>
machen mich ein bisschen nervör, da ich noch immer Angst habe, dass<lb/>
die Journalistenrunde früher oder später an Aktivitäten an Attraktion<lb/>
verlieren wird und dann aber feststellen muss, dass ich hier scheinbar<lb/>
vollkommen falsch urteile.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Vielleicht kann man dieses Problem einmal analysieren<lb/>
und einen entsprechenden Vorschlag vorbereiten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_18">Zum 25. Firmenjubiläum der Motorradfirma <rs type="person" ref="#per__113614">Faber</rs> sind sowohl die Italiener<lb/>
die Tschechen, aber auch die Japaner angereist, um zu gratulieren. <rs type="person" ref="#per__113614">Faber</rs><lb/>
hat mit 15 Mill. sich ein neues Verkaufszentrum gebaut. Unwahrscheinlich,<lb/>
was man doch an Motorrädern verdienen kann.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_19">Mit <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> erörtere ich die Finanzierung der ÖIAG. <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> hat als<lb/>
neue Konzeption vorgesehen, dass die ÖIAG, die ein Eigenkapital von<lb/>
10 – 11 Mia S besitzt, Wandelschuldverschreibungen von 2 Mia S aufnehmen<lb/>
möchte. Diese sollten den Gesellschaften, hauptsächlich der VÖEST-Alpine,<lb/>
als Gesellschaftsdarlehen gegeben werden. Ein grösserer Betrag ist derzeit<lb/>
<pb n="17-1036" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-09-24_1036.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>nicht möglich, da das Anlagevermögen, welches der ÖIAG gleichzeitig<lb/>
das Eigenkapital der Unternehmungen ist , neben dem Kapitalmarkt eine<lb/>
grössere Anleihe oder ähnliche Kreditoperation nicht möglich macht.<lb/>
Die VÖEST-Alpine hat derzeit 2,6 Mia S Eigenkapital wozu eine Reserve<lb/>
von ca. 2,5 Mia S kommt. Seiner Meinung nach müsste nun ca. 400 Mill.<lb/>
ohne weiteres verkraftet werden können. 1972 hat die Dividendenausschüt<lb break="no"/>tung 90 Mill. nah dem System "Schütt aus – hol zurück " betragen.<lb/>
Eine solche kommt dann in Frage, wenn die vorzeitige AfA genützt ist<lb/>
und der Restliche Gewinn auf alle Fälle bei der Ausschüttung nur mit<lb/>
dem halben Körperschaftssteuersatz belastet ist. Die ÖIAG erwartet nur,<lb/>
dass der Bund eine Erklärung abgibt, dass wenn die Untrnehmungen infolge<lb/>
einer Wirtschaftskrise nicht imstande sind, Gewinne zu erwirtschaften,<lb/>
dann der Staat einspringt und die Kreditverpflichtungen der ÖIAG zu<lb/>
unterstützen. Ich bin froh, dass ich nicht für die Verstaatlichte Indu<lb break="no"/>strie verantwortlich bin, weil es hier glaube ich starke Differenzen<lb/>
zwischen dem Finanzminister, der die Mittel dafür aufbringen müsste oder<lb/>
zumindestens Verpflichtungserklärungen abgeben müsste und dem Bundes<lb break="no"/>kanzleramt gibt, bzw. geben muss.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_20">Da bei der Ordensverleihung <rs type="person">Peschke</rs> mir zu verstehen gegeben hat,<lb/>
dass er sich sehr gerne in seiner Pension mit Problemen und Aufträge<lb/>
beschäftigen würde, ersuche ich ihn, nachdem er bei der Fa. van Sickle<lb/>
tätig war, über die Lagerung von Erdgas die Pipelines und insbesondere<lb/>
die Errichtung einer zweiten Raffinerie, Informationen zu sammeln.<lb/>
Um mir die Meinung anderer als der ÖMV und den internationalen Gesell<lb break="no"/>schaften mitzuteilen. Bei dieser Gelegenheit fragt <rs type="person">Peschke</rs> an, ob<lb/>
ich etwas dagegen habe, wenn die VÖEST-Alpine ihn als Konsulenten für<lb/>
die OECD und ECE beschäftigt. Derzeit macht diese Arbeit irgendein<lb/>
Konsulent, der weit über 70 ist und vom Fachverband seinerzeit nomi<lb break="no"/>niert wurde. Ich erkläre sofort meine Zustimmung, wenn es <rs type="person">Peschke</rs> gelingt<lb/>
hier sich aktiv einzuschalten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_21">Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> hat mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> in seinem Urlaubsort Besprechungen über<lb/>
die zukünftige Öl- und Gasprobleme geführt. Insbesondere hat er sich<lb/>
auch beim Bundeskanzler darüber beschwert, dass die OPEC – Gen.Dir.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97625">Khene</rs> - sich in Wien infolge mangelnder Betreuung nicht sehr wohl fühlt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97625">Khene</rs> möchte deshalb nach Madrid den Sitz der OPEC verlegen. Ausser<lb/>
Algerien haben aber alle anderen Staaten dies infolge der hohen Über<lb break="no"/>siedlungskosten – ca. 1,5 Mill. S – und sonstiger Ausgaben abge<lb break="no"/>lehnt. Ich erkläre <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, dass ich bereit bin, jedwede Veranstaltung<lb/>
die er wünscht zu protegieren, resp. daran teilzunehmen.</p><pb n="17-1037" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-09-24_1037.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_22">Betreffend das Algeriengas hofft <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> jetzt auf Grund des Ein<lb break="no"/>spruches von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> – scheinbar hat er auch diesbezüglich die ableh<lb break="no"/>nende Haltung mitverschuldet – dass die Austro-Ferngas bereit ist,<lb/>
das handeling, d.h. die Übernahme des algerischen Gases in Monfalcone<lb/>
und die Übergabe an die einzelnen Landesgesellschaften zu erreichen.<lb/>
Seinerzeit hatte er mit diesem Vorschlag bereits bei Gen.Dir. <rs type="person">Gruber</rs><lb/>
Schiffbruch und starke Ablehnung erlitten. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> schwebt vor, dass die<lb/>
Bohrung, der Import, die Verteilung und der Transport sowie die La<lb break="no"/>gerung der ÖMV vorbehalten bleiben soll. Die Landesgesellschaften<lb/>
hätten nur mehr den Landestransportweg und die Verteilung und den<lb/>
Verkauf an die Letztverbraucher. Ich habe ihm selbstverständlich<lb/>
nichts von der Aufgabenstellung von <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97738">Meszaros</rs>, die<lb/>
fraktionell ein Konzept erarbeiten sollen, gesagt. Ich bin neu<lb break="no"/>gierig, ob sich wenigstens die beiden einigen können. Ich glaube<lb/>
eher nein.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_23">Die Betriebsdirektoren <rs type="person" ref="#per__149275">Ritter</rs> von Scana und <rs type="person" ref="#per__140939">Jeschko</rs> von Felix-Austria<lb/>
unter Führung des Präs. <rs type="person" ref="#per__97322">Babanitz</rs> von der AK und den Gewerkschaftsfunk<lb break="no"/>tionären und den Betriebsräten wollen Absicherungen gegen Ost<lb break="no"/>liberalisierung resp. Ober- und Gemüseimporte aus den Oststaaten,<lb/>
ich erkläre und Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97524">Hauffe</rs> bestätigt dies, dass wir bestrebt sind<lb/>
ein Kompromiss zwischen den Interessensvertretungen zu erreichen.<lb/>
Generelle Erklärungen sind sinnlos, hier müsste im konkreten Fall<lb/>
Einzelprodukt und einzelnes Land durchdiskutiert und dann entspre<lb break="no"/>chende Vorschläge erstattet werden. <rs type="person" ref="#per__97322">Babanitz</rs> wird übernehmen, mit<lb/>
der AK Wien, die derzeit ein Veto eingelegt hat, zu sprechen,<lb/>
um die Verhandlungen wieder flottzumachen. Auf alle Fälle stelle<lb/>
ich auch gegenüber dieser Berufsgruppe fest, dass die Ostliberali<lb break="no"/>sierung bereits von meinem Amtsvorgängen zugesagt wurde.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_24">Der österr. Erfinderverband möchte gerne die Abgrenzung zwischen<lb/>
der Arbeitsgemeinschaft, die jetzt durch die Vereinsgenehmigung<lb/>
aktiv werden wird und seinem Verband genau festgelegt werden sollte<lb/>
Insbesondere kommt es dem Erfinderverband darauf an, dass die Be<lb break="no"/>treuung der Erfinder, bevor sie sich an die Arbeitsgemeinschaft<lb/>
wenden, durch den Verband weiterhin erfolgen sollte. Ebenso die Er<lb break="no"/>findermesse. Ich erkläre sofort und <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> bestätigt dies, dass<lb/>
keinerlei Kompetenzsschwierigkeiten etnstehen werden, da der Er<lb break="no"/>finderverband seine Tätigkeit nicht nur fortsetzen soll, sondern<lb/>
<pb n="17-1038" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-09-24_1038.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>auch immer womöglich immer in dem Beirat der Arbeitsgemeinschaft aufge<lb break="no"/>nommen wird, eine enge Koordinierung erfolgen soll. Sie werden sich mit<lb/>
dem Geschäftsführer, Ing. <rs type="person" ref="#per__147023">Maier</rs>, ins Benehmen setzen, um eine Koordinierte<lb/>
Zusammenarbeit festzulegen. Finanzielle Mittel sehe ich derzeit vom<lb/>
Handelsministerium nicht, da alle budgetären Möglichkeiten für 1974<lb/>
der Arbeitsgemeinschaft zufliessen werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_25">In der Ministerratsvorbesprechung kläre ich mit <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> die Personal- und<lb/>
organisatorischen Änderungen der Gruppe Strassenverkehr und KFZ. Er fragt,<lb/>
ob ich, nachdem er sich damit abgefunden hat, dass <rs type="person" ref="#per__115404">Sedlak</rs> bei uns bleiben<lb/>
wird, bei der Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__134300">Metzner</rs> anwesend sein möchte. Ich überlasse<lb/>
es ihm, ob er auf meine Anwesenheit Wert legt, wenn er mit <rs type="person" ref="#per__134300">Metzner</rs> die<lb/>
Detailbesprechungen führt. Mit der Einsetzung von Arbeitsgruppen wegen<lb/>
der Problematik Tempo 100 ist er einverstanden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_26">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte die entsprechenden Arbeiten einleiten. Die<lb/>
nächste Enquete aber bereits mit <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> resp. <rs type="person" ref="#per__128482">Korher</rs><lb/>
besprechen und drüber abhalten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_27"><rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> erklärt mir, dass sie die Vidierung der Gesundheitspässe nicht<lb/>
der AUA überlassen kann, weil kein einziger anderer Staat dies macht.<lb/>
Nach ihrer Information muss dies eine staatliche Stelle sein.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_28">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte eine Zusammenstellung der anderen Staaten,<lb/>
wo dies Fluggesellschaften selbst machen dürfen und<lb/>
die entsprechenden Unterlagen von <rs type="person" ref="#per__140083">Koholzer</rs> ver<lb break="no"/>langen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_29"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> berichtet, dass auf Grund der Pressekonferenz, die <rs type="person" ref="#per__97326">Bacher</rs> zur<lb/>
Beschimpfung nur benutzt hat, endgültig jede Gesprächsbasis verloren sei.<lb/>
Wenn er sich den Ton eines Psychoterrors gefallen lässt, wird in Hinkunft<lb/>
ähnlich auch verstaatlichte Betriebe und sonstige Gruppe mit ihm als<lb/>
Bundeskanzler so sprechen. <rs type="person" ref="#per__97326">Bacher</rs> sei auch deshalb verärgert, weil der<lb/>
Redakteursrat mit 16:6 den Vorschlag angenommen hat. Für das Kabelfern<lb break="no"/>sehen soll eine Studiengesellschaft herangezogen werden, der Bundeskanzler,<lb/>
das Verkehrsministeriums und das Unterrichtsministerium werden sich<lb/>
dieses Problems besonders annehmen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_30">Die ÖVP hat eine Meinungsumfrage, die verheerend für sie ist. 39 % ÖVP,<lb/>
49 % SPÖ. Dies sie wie eine Bombe drüben eingeschlagen und deshalb hätte<lb/>
ein VP-höherer Funktionär sich an ihn gewandt, man möge doch die grosse<lb/>
Koalition in Erwägung ziehen und gegebenenfalls für die nächsten Wahlen<lb/>
ankündigen. Die ÖVP ist sich nämlich auch jetzt nicht mehr sicher,<lb/>
<pb n="17-1039" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-09-24_1039.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dass der ÖGB für eine grosse Koalition eintritt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dürfte über die<lb/>
zukünftigen Wahlen sehr zuversichtlich sein. Wenn ich an unsere schlecht<lb/>
besuchte Veranstaltung dann am Abend – Diskussion mit dem Freien Wirt<lb break="no"/>schaftsverband – denke, teile ich diesen Optimismus nicht. Versammlungen<lb/>
und Stimmungen können allerdings sehr täuschen. Am 21. Oktober werden wir<lb/>
mehr wissen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_31">Der Vizepräsident des Verwaltungsgerichtshofes ist zu besetzen und er<lb/>
wird das System, den rangältesten Senatspräsidenten zu bestellen, aufrecht<lb break="no"/>erhalten. <rs type="person" ref="#per__149248">Strau</rs> soll angeblich ein guter Richter sein.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_32">Für die Abrüstungsgespräche MPFR ist derzeit keine Unterkunft vorhanden.<lb/>
Das Kongresszentrum ist besetzt, der Redoutensaal geht nicht wegen der<lb/>
Theater, es bleibt nur das Militärkasino am Schwarzenbergplatz. Dort ist<lb/>
das Verkehrsministerium einquartiert und er setzt sich deshalb<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> über die Räumung ins Einvernehmen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_33">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Da sich dort die Energiesektion befindet, werden auch<lb/>
wir indirekt von dieser Aktion betroffen. Kläre bitte mit <rs type="person" ref="#per__128482">Korherr</rs>, wie<lb/>
sie dieses Problem lösen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_34">In Durchführung des Ministeriengesetzes möchte er eine interministerielle<lb/>
Kommission einsetzen. Er hat vom Verfassungsdienst einen konkreten Vorschlag<lb/>
und meint, dass eine einheitliche Durchführung der Geschftseinteilung lt. An<lb break="no"/>schnitt 3 zu gewährleisten, jeder Minister eine Vertrauensperson in diese<lb/>
interministerielle Kommission schicken soll. Er selbst beauftragt den<lb/>
Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs>, der in Hinkunft, wie er sich ausdrückt, von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> alle Verwaltungsagenden übernehmen wird, incl. der Verwaltungs<lb break="no"/>reform und Verwaltungsakademie. Vom Verfassungsdienst wird Min.Rat <rs type="person" ref="#per__108328">Bahr</rs><lb/>
dieser Kommission angehören, wie er sich ausdrückt, ein sehr loyaler<lb/>
und absolut verschwiegener Beamter. Ausnahmsweise melde ich mich zu<lb/>
Wort, erkläre, dass ich mit einer solchen Kommission sehr einverstanden<lb/>
bin, um einheitliche Lösungen zu erzielen, doch unbedingt auf eine<lb/>
baldiges Einsetzen und vor allem einmal positives schnelles Arbeiten der<lb/>
Kommission drängen muss. Mit Jahresbeginnn sollte man die notwendigen<lb/>
Massnahmen einvernehmlich schon setzen können. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> verweist noch da<lb break="no"/>rauf, dass die bei den einzelnen Ministern vorgesehenen Stäbe nicht an<lb/>
den Dienstpostenplan, d.h. dem Finanzminister trotz seiner Abwesenheit<lb/>
erwähnt er dies, scheitern dürften. Scheinbar ist <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> jetzt draufge<lb break="no"/>kommen, dass in Wirklichkeit nur das Organisationsprinzip, wie wir es<lb/>
<pb n="17-1040" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-09-24_1040.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sofort vor drei Jahren im Handelsministerium eingrichtet haben,ziel<lb/>
führend sein kann. Ich bin gespannt, wie die anderen Ministerien<lb/>
dieslösen werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_35">Beim Universitäts-Organisationsgesetz bemängelt er, dass in Hinkunft<lb/>
die Rektoren auch von den Studenten mitgewählt werden. Er meint,<lb/>
dass damit automatisch reaktionäre Rektoren auf ewige Zeit verankert<lb/>
werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_36">Am 1. Oktober wird zum Jahrestag der chin. Volksrepublik nicht nur<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sondern auch noch eine grosse Anzahl von Ministern gehen, nach<lb/>
dem das Aussenministerium grössten WErt darauf legt, weil auch beim<lb/>
österr. Jahrestag viele Chin. Minister anwesend waren. Dadurch wird<lb/>
die Zusammenkunft bei GÖC auf 20 Uhr verschoben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_37">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Ich habe keinerlei Zusagen gemacht.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_38">Die Meinungsumfrage wegen der Gesundenpolitik wird <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> doch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__146291">Fessel</rs> mit 470.000 S, <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> mit 447.000, die beiden haben sich abge<lb break="no"/>sprochen und koordiniert, wahrscheinlich bekommen. Das deutsche<lb/>
Wicher-Institut, das nur 103.000 S verlangt und das <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> als<lb/>
kriminell bezeichnet, wird trotz der Empfehlung von <rs type="person">Nedomansky</rs><lb/>
nicht zum ZUge kommen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_39">Ds Maklerunwesen will <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> jetzt dadurch bekämpfen, dass auch die<lb/>
öffentliche Hand sich um eine Makler-Konzession bewirbt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_40">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte jetzt endlich einmal eine eingehende<lb/>
Darstellung dieses Maklerproblems und Grund<lb break="no"/>stückkaufs und -verkaufs vom Gewerberechtl.<lb/>
und sonstigen Gesichtspunkten erstellen lassen.<lb/>
Am besten eine Aussprache fraktionell zwischen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs>, <rs type="person" ref="#per__113010">Holoubek</rs> und wer sich sonst noch dafür<lb/>
interessiert, bei mir organisieren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_41"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> fragt <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs>, ob tatsähclich <rs type="person" ref="#per__137389">Poschacher</rs> eine entsprechende<lb/>
Stellung bei ihm bekommen sollte, was <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> ganz entschieden ablehnt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint, <rs type="person" ref="#per__137389">Poschacher</rs> hätte sich disqualifiziert! Ich glaube,<lb/>
dies geht auf den senerzeitigen Artikel, den er angeblich schon<lb/>
längst vergessen und verziehen hat, noch immer zurück.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_42">Die NDP entwicklet immer grössere Aktivitäten und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> fragt, wann<lb/>
denn endlich ein Gesetz gegen deren Tätigkeit kommen wird. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs><lb/>
<pb n="17-1041" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-09-24_1041.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>verweist auf das Strafrecht, wo gegen Verhetzung entsprechend eingeschr<lb/>
itten werden kann. Das neue Strafrecht wird diesbezügliche Lösungen brin<lb break="no"/>gen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist damit nicht allzusehr einverstanden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_43">Die Energiewirtschaftsvertreter waren bei ihm und wünschen einen Brief<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> an die Landespartei, dass sie entsprechend auch bei den Lan<lb break="no"/>desgesellschaften gehört werden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nimmt dies zum Anlasse, um<lb/>
vorzuschlagen, es sollten die Minister sich überlegen, wie man insti<lb break="no"/>tutionalisieren könnten, dass die Betriebsvertretungen in allen Mini<lb break="no"/>sterien und in allen öffentlichen Stellen nach gleichen Gesichtspunk<lb break="no"/>ten behandelt werden. Er meint, es wären Kontakteinrichtungen zu<lb/>
schaffen. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> weist darauf hin, dass sie auch bei ihm waren und<lb/>
dass in Wirklichkeit in Villach die soz. Arbeitsgemeinschaft, insbe<lb break="no"/>sondere von <rs type="person" ref="#per__97905">Schatzmeier</rs> und <rs type="person" ref="#per__140241">Perl</rs> geschaffen wurden, damit sie ihre<lb/>
persönlichen Aufstiegsmöglichkeiten besser untermauern können. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs><lb/>
sagt, die Fraktionsarbeit beginnt im Betrieb, dort könnten sie sich<lb/>
betätigen, aber nicht durch entsprechende Organisationsformen, auf<lb/>
die Postenbesetzung Einfluss nehmen wollen. Ich verweise darauf,<lb/>
dass ich bereits mit <rs type="person" ref="#per__140241">Perl</rs>, obwohl ich noch gar nicht dafür kompetent<lb/>
bin, Kontakt aufgenommen habe und auch in Hinkunft natürlich mit den<lb/>
Belegschaftsvertretern reden werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_44">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Vielleicht sollten wir wirklich eine Form finden.<lb/>
wie wir als ständige Einrichtung neben den Di<lb break="no"/>rektoren auch mit den Betriebsräten unter meinem<lb/>
Vorsitz und teilweise zumindestens Anweseneit<lb/>
ein solches Kontaktforum schaffen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_45"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> fragt dann <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> wegen der Rücksendung der Schulbücher<lb/>
und dieser erklärt, dass er noch nicht weiss, in welchem Umfang<lb/>
diese ÖVP-Aktion Erfolg haben wird. Wenn natürlich einige tausende<lb/>
dies tun, dann ist es im Verhältnis zu den Millionen noch immer nicht,<lb/>
doch würden ihm organisatorische Schwierigkeiten am Minoritenplatz brin<lb/>
gen. Er ist bestrebt, so schnell wie möglich die Schulbücher auf<lb/>
Wegwerfbücher umzustellen. Die ursprüngliche Konzeption war ja,<lb/>
dass letzten Endes Skripten kommen. Die Hauptschiwerigkeit liegt<lb/>
darin, dass natürlich die Lehrer, die die Bücher ja auch schreiben<lb/>
bei dem hohen Bücherpreis grössere Honorare bekommen und deshalb sich<lb/>
einer solchen Änderung der Schulbücher widersetzen werden. Was letzten<lb/>
Endes berichtet und beschlossen wurde, weiss ich nicht, da ich be<lb break="no"/>reits um 1/2 8 Uhr zur Diskussion mit dem FWV auf der Landstrasse<lb/>
weggehen musste.</p><pb n="17-1042" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-09-24_1042.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-24_46">Obwohl der Freie Wirtschaftsverband angeblich 4.000 Einladungen ausge<lb break="no"/>schickt sind nur 40 anwesend. In dem grossen Saal ein jämmerliches<lb/>
Häufchen. Ich bin üerzeugt, dass die ÖVP einen entsprechenden Beobachter<lb/>
geschickt hat, mich stört an und für sich wenig, wenn ich mit einer<lb/>
kleinen Anzahl von Menschen diskutieren muss, optisch allerdings ist<lb/>
glaube ich dieses Bild nicht sehr günstig, wenn es der Gegner erfährt.<lb/>
Ich habe nur neuerdings wieder bestätigt gefunden, dass Organisationen<lb/>
von der Partei, die irgendwelche Veranstaltungen durchführen, ausser<lb break="no"/>stande sind wirklich grössere Menschenmassen zu mobilisieren. Während<lb/>
die Lehrlingsdiskussion in Linz bei einem vollen Saal durchgeführt<lb/>
wurde, allerdings vom ÖGB organisiert und im Einvernehmen fest mit der<lb/>
Handelskammer, die am nächsten Tag dann ihre Refrenten und Diskutanten<lb/>
zur Verfügung stellte, sind reine Parteiorganistionsveranstaltungen<lb/>
leider immer sehr schlecht besucht. Es hilft dann auch gar nichts,<lb/>
wenn bei de Diskussion z.B. der Vertreter der Fa. Ginstl, den ich<lb/>
in Moskau behilflich gewesen bin, dort aufsteht und seinen Dank<lb/>
ausspricht und über die gute Zusammenarbeit berichtet, weil in Wirk<lb break="no"/>lichkeit niemand dort ist, der dies hört. Nicht das ich eine Propa<lb break="no"/>ganda brauche, aber hier handelt es sich doch grösstenteils im<lb/>
Leerlauf.</p></div>
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            <head>Tagesprogramm, 24.9.1973</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Tagesprogramm, 24.9.1973, 2. Variante</head>
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