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            <title type="main">Samstag, der 22. September 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-22_01">Samstag, 22. September 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-22_02">Vor der Messe-Eröffnung hat mich letzten Endes dann noch noch <rs type="person" ref="#per__112216">Basetti</rs><lb/>
zu einem Frühstück ins Hotel Europa eingeladen, Er hat mich ersucht,<lb/>
er möge diese Tradition wieder aufnehmen, die das letzte Mal durch<lb/>
eine Marktdiskussion nicht möglich war. Da die Partei trotz unserer<lb/>
Urgenz – in Linz hat mir dies ein Genosse ausdrücklich noch gesagt –<lb/>
darauf verzichtet, während meiner Anwesenheit in Innsbruck irgendwelche<lb/>
Veranstaltungen zu machen, habe ich zu dem Frühstück natürlich zuge<lb break="no"/>sagt. <rs type="person" ref="#per__112216">Basetti</rs> hat gleich mit dem Problem Magnesitbergwerk Lanersbach<lb/>
begonnen. Er möchte, dass wir unter allen Umständen gemeinsam vorgehen.<lb/>
Er ist überzeugt, nachdem von den 200 Beschäftigten, selbst wenn die<lb/>
Scheelitbohrung Erfolg hätte, maximal 60 beschäftigt werden können,<lb/>
die anderen 140 viel lieber das Geld, das mann jetzt in die Scheelit<lb break="no"/>bohrung hineinsteckt, ihnen zuwendet. Er fühlt sich vom BRO <rs type="person" ref="#per__139769">Stöckl</rs><lb/>
hineingelegt, weil er glaubt, dass die Belegschaft heute gar keinen<lb/>
wert mehr darauf legt, auf lange Sicht Scheelitbohrungen durchzuführen,<lb/>
wo doch nur ein Teil der Belegschaft beschäftigt werden könnte. Mit <rs type="person" ref="#per__97891">Sal<lb break="no"/>cher</rs>habe ich nachher dieses Problem besprochen und er meint, es wird<lb/>
jetzt in der nächsten Zeit eine Betriebsversammlung stattfinden und<lb/>
dort wir die Belegschaft ihre Meinung zu dem ganzen Problemsagen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112216">Basetti</rs> habe ich versprochen, dass wir Untersuchungen anstellen<lb/>
sollten, wie man mit der produktiven Arbeitslosenfürsorge resp. Arbeits<lb break="no"/>marktförderung die Umschulung der dort Beschäftigen über das Sozial<lb break="no"/>ministerium finanzieren könnte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-22_03"><rs type="person" ref="#per__112216">Basetti</rs> hat auch ganz besonders sich interessiert, wie weit Ober<lb break="no"/>österreich von uns jetzt mit der Grenzlandförderung Unterstützung be<lb break="no"/>kommt. Er selbst meint, dass auch in Tirol abwanderungsgefährdete<lb/>
Betriebe sind und wünscht ebenfalls eine entsprechende Unterstützung.<lb/>
Ich habe ihm vorgeschlagen, er soll mir einen Brief schreiben und<lb/>
dann werden wir das Team, das wir nach Oberösterreich geschickt haben,<lb/>
auch nach Tirol senden, damit es neben dem Magnesitbergwerk Laners<lb break="no"/>bach auch noch eventuell andere Betriebe konkret berät.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-22_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Deine Leute und insbesondere <rs type="person" ref="#per__146202">Ebner</rs> müssen sich da<lb break="no"/>rauf einstellen, gegebenenfalls auch nach Tirol<lb/>
zu fahren, da natürlich jetzt die positiven Er<lb break="no"/>gebnisse von Oberösterreich Schule machen werden.</p><pb n="17-1029" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-09-22_1029.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-22_05">Die Gasversorgung von Tirol hat <rs type="person" ref="#per__112216">Basetti</rs> klar und deutlich zu erkennen ge<lb break="no"/>geben, dass er auf dem Standpunkt steht,die Verteilung von Gas und<lb/>
de Import sollte der ÖMV vorbehalten bleben, <rs type="person" ref="#per__112216">Basetti</rs> regelt sich mit der<lb/>
ÖMV seine Probleme leichter als mit der Austro-Ferngas. Das wirkliche<lb/>
Problem ist aber, dass die ÖMV der Austro-Ferngas verhältnismässig<lb/>
billig russisches Erdgas abgeben muss. <rs type="person" ref="#per__112216">Basetti</rs> hofft nun, dass auf<lb/>
lange Sicht gesehen auch die westlichen Bundesländer an diesem Billig-Gas<lb/>
teilhaben können. Ich habe sofort gesagt, dass er hier einer Illusion nach<lb break="no"/>jagt. Weder Niogas noch Stadtwerke oder die Steirer werden jemals solches <lb/>
verbilligtes derzeit importiertes Gas mit einem Mischpreis den westlichen<lb/>
Ländern ebenfalls zur Verfügung stellen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-22_06">Über die Fremdenverkehrswünsche meinte er, würde er auf der Messe dann<lb/>
öffentlich zu sprechen kommen und ich begrüsste diese Methode, da ich<lb/>
ihm je gleich bei der Einleitung vorgeschlagen habe, wir sollten unser<lb/>
Heckmeck oder unsere Doppelconference oder unsere Diskussion bei der Messe<lb/>
nicht vorwegnehmen sondern wirklich dann dort in voller Öffentlichkeit<lb/>
durchführen. <rs type="person" ref="#per__112216">Basetti</rs> ist darüber sehr erfreut, ja fast begeistert, weil<lb/>
er sagt, mit mir kann man sachliche Probleme vernünftig besprechen,<lb/>
und ausserdem in der Öffentlichkeit anständig diskutieren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-22_07">Bei der Messe-Eröffnung hat er dann einige Wünsche vorgebracht, dies ich<lb/>
leicht parieren konnte. Besonders als er meinte, dass die ERP-Ersatzaktion<lb/>
versiegt ist, das es für mich ein Hölzl um zu sagen, im Gegenteil mit<lb/>
dem Budgetüberschreitungsgesetz werden wir sie auch 1973 fortsetzen.<lb/>
Schwierig hatte ich es nur bei einem einzigen Punkt, nämlich, dass<lb/>
ich seinerzeit angekündigt habe, ich würde bestrebt sein, die entspre<lb break="no"/>chenden Aktionen zu vereinheitlichen. Dies ist nur zum bescheidenen Masse<lb/>
geschehen. In Wirklichkeit beschränkte sich nur auf die Vereinheitlichung<lb/>
von Formularen. Da ich die Aktionen alle einschlagen lassen möchte,<lb/>
könnte man vielleicht wirklich mit Hilfe einer Vereinheitlichung einen<lb/>
Schritt näherkommen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-22_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Ideal wäre es. alles ins Gewerbestrukturverbesserungs<lb break="no"/>gesetz zu bringen und die Bürges und die Hausaktion<lb/>
und was sonst noch alles existiert, schön langsam ein<lb/>
trocknen zu lassen. Wenn dies nicht möglich ist,<lb/>
und damit auch keine Vereinheitlichung, sollten wenig<lb/>
stens die Länder schuldig werden, indem sie die Projekte<lb/>
ablehnen.</p><pb n="17-1030" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-09-22_1030.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-22_09">Am meisten erstaunt war, ich als dann zu meiner Pressekonferenz<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112216">Basetti</rs> selbst erschienen ist. Nach kurzer Zeit ist dann sogar auch<lb/>
noch LH <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> gekommen und zu guter letzt hat dann Bürgermeister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114375">Lugger</rs> daran teilgenommen. Nachdem ich sie alle freundschaftlichst<lb/>
begrüsst habe, und gesagt, ich bin so glücklich, dass sie zu der<lb/>
Pressekonferenz kommen, waren die Journalisten bass erstaunt. Sicher<lb/>
haben die Tiroler mir nicht über den Weg getraut unf sich gedacht,<lb/>
den <rs type="person" ref="#per__97985">Staribacher</rs> kann man nicht allein lassen. Ich habe das aber umgemünzt<lb/>
in einen Vetrauensbeweis, dass wir so gut zusammenarbeiten, und des<lb break="no"/>halb ohne weiters gemeinsam eine Pressekonferenz abhalten können. Die<lb/>
wirklich harten Probleme waren reine steuerliche Fragen, ob man z.B.<lb/>
16 % für die alkoholische Getränke verlangen soll und dann noch die<lb/>
Mehrwertsteuer von der 10 %-igen Alkoholsteuer berechnet und solche<lb/>
Probleme mehr. Die Journalisten wollten natürlich von mir wissen,<lb/>
ob ich bereit bin, beim Finanzminister die Wünsche des Fremdenverkehrs<lb/>
auf diesem Gebiet zu unterstützen. Da ich nicht sicher bin, was <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
in dieser Beziehung machen wird, habe ich erklärt, dass unser Regierungs<lb break="no"/>system darin so positiv sich auswirkt, weil jeder Minister in seiner<lb/>
Kompetenz die notwendigen Beschlüsse fasst. Der andere Minister redet<lb/>
ihm in dieser Beziehung nichts drein. Ich habe für meine Kompetenz die<lb/>
notwendigen Ankündigungen, die wir dem Fremdenverkehr zugutekommen<lb/>
lassen wollen, gemacht, <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> wird jetzt sicherlich auf dem<lb/>
steuerlichen Sektor seine Vorschläge vorbringen. Bis zu einem ge<lb break="no"/>wissen Grad habe ich es deshalb auch leicht gehabt, weil ich nicht<lb/>
nur bei der Messe sondern dann auch ganz besonders bei der Presse<lb break="no"/>konferenz darauf hingewiesen habe, dass die Wiener Bundesregierung<lb/>
sie in der Innsbrucker Olympiastadt sehr unterstützt. Für den Fremden<lb break="no"/>verkehr bedeutet dies eine ungeheure Werbung und deshalb war die<lb/>
Bundesregierung sofort bereit, das Ansuchen von Innsbruck zu unterstütze<lb/>
Sehr zum Unterschied bei der Bewerbung Wiens bei der ÖVP-Regierung.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114375">Lugger</rs> hat mir noch vorher mitgeteilt, dass er am Vortag schwere<lb/>
Verhandlungen über 500 Mill. S Finanzierung geführt hat. Zuerst hätte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> sich sehr schwer dagegen ausgesprochen, in weiterer Folge<lb/>
aber dann doch den Wünschen der Innsbrucker Rechnung getragen.<lb/>
Und die 500 Mill. S Kapitalmarktaufnahme genehmigt. Ich habe<lb/>
natürlich diese Information sofort entsprechend ausgespielt, ohne<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__114375">Lugger</rs> eigentlich beleidigt gewesen wäre, ganz im Gegenteil,<lb/>
er hat meinen Hinweis sicherlich als einen positiven Beitrag be<lb break="no"/>trachtet.</p><pb n="17-1031" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-09-22_1031.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-22_10"><rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> selbst hat sich nur sehr über die Strassenbau-Notwendigkeit<lb/>
für Kitzbühel und Reutte und vor allem einmal über den Bahnbau für<lb/>
den Ausbau der Arlbergstrecke eingesetzt. Ich habe natürlich keinerlei<lb/>
Zusagen gemacht, sondern nur erklärt, ich werde dieses Problem den<lb/>
zuständigen Ministern mitteilen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-22_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte den Sekretären von <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> und <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> entsprechend<lb/>
Information schicken und mich bei der nächsten Mini<lb break="no"/>sterratssitzung daran erinnern.</p></div>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>Innsbrucker Bgm., BP-Kandidat 1974</occupation>
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