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            <title type="main">Donnerstag, der  6. September 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-06_01">Donnerstag, 6. September 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-06_02">Bei der Verabschiedung des Sonnenzuges bewundere ich immer die<lb/>
Politiker. Unsere Genossin <rs type="person" ref="#per__137157">Körner</rs> von Niederösterreich ist vor<lb/>
mir von Waggon zu Waggon gegangen und hat bei jedem Abteil immer<lb/>
gesagt "Guten Morgen, gute Reise, hier ist die Frau Landesrat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137157">Körner</rs> von Niederösterreich" Bei den Angesprochenen handelt es<lb/>
sich meistens um schwere Körperbehinderte, teils, das kann man<lb/>
zumindestens sehen, um debile, wozu dort eine solche Verabschiedung<lb/>
überhaupt notwendig ist, ist mir vom politischen Gesichtspunkt<lb/>
aus gesehen, ein Rätsel. <rs type="person" ref="#per__139869">Engel</rs>, der Initiator dieses Zuges, der<lb/>
übrigens schon 9 x jetzt durch Österreich fährt, braucht die<lb/>
politische Prominenz, um womöglich noch mehr Spender aus der<lb/>
Wirtschaft und sonstigen Kreisen zu bekommen. Deshalb lädt er<lb/>
ale ein, deshalb kommen wir auch wahrscheinlich hin. Trotz dieser<lb/>
negativen Seite ist der Sonnenzug wahrscheinlich wirklich eine<lb/>
große Tat und für die Menschen die niemals aus ihren Zimmer heraus<lb break="no"/>kommen sicher ein Erlebnis.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-06_03">Die zweite Besprechung mit AHM <rs type="person" ref="#per__147672">Olechowski</rs> gab mir Gelegenheit auf<lb/>
ein Vorbringen vom gestrigen Tag zu antworten. Ich wieß darauf<lb/>
hin, daß die Österreichische Kontrollbank mit der poln. Handels<lb break="no"/>bank in Kontakt ist und darüber hinaus die CA ein Kreditlimit von<lb/>
100 Mio und die Girozentrale ein Kreditlimit von 100 Mio konkret<lb/>
verhandelt. Über den Zinssatz und die sonstigen Bedingungen ist<lb/>
man noch nicht ganz einig. Interessanterweise hat Botschafter<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> als einziger dann insoferne repliziert, als er meinte,<lb/>
in meinem Zimmer war seinerzeit von 100 Mio. allerdings nicht in<lb/>
Schillingen sondern in Dollarn die Rede. Damals handelte es ich<lb/>
aber um die Finanzierung des E-Werkprojektes, das derzeit, wie ich<lb/>
dann weiters ausführte, gar nicht zur unmittelbaren Debatte steht,<lb/>
denn wenn auch <rs type="person" ref="#per__112014">Ehrbacher</rs> vom Verbund sehr eingehend über dieses<lb/>
Problem Untersuchungen anstellen läßt, es kommt frühestens in den<lb/>
80er Jahren zum tragen. Dann allerdings wird es sicherlich ein<lb/>
größeres Kreditlimit brauchen als 200 oder 300 Mio S. Bezüglich<lb/>
der Bauarbeiter ließ ich die polnische Seite nicht im Unklaren,<lb/>
daß die Bauarbeitergewerkschaft wahrscheinlich dagegen stärkstens<lb/>
reminstrieren wird. Abends beim Empfang habe ich Zentralsekretär<lb/>
<pb n="17-0983" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-09-06_0983.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><rs type="person" ref="#per__97741">Millendorf</rs> getroffen, ich bin davon informiert und er hat sich<lb/>
bei mir bedanket, obwohl ich ihm sagte, daß ich die Stellungnahme<lb/>
der Bauarbeiter als Gewerkschafter vertrete als Handelsminister aber<lb/>
gerade nicht sehr glücklich finde. Ein wirkliches Problem ist die<lb/>
Möglichkeit der Zollsenkung für Kooperationsprodukte wobei <rs type="person" ref="#per__147672">Olechowski</rs><lb/>
zugab, daß es ein bilaterales Problem aber dafür ein umso größeres<lb/>
Problem für alle Oststaaten die Kooperationsverträge abschließen<lb/>
wollen ist, Wir konnten uns soforot auf seinen Vorschlag einigen, daß<lb/>
der Spezialisten nach Wien schickt, die dann mit unseren Herren und<lb/>
insbesondere die des Finanzministeriums überprüfen, wo es konkrete<lb/>
notwendige Zollermäßigung bedarf, um Kooperationen zustande zu bringen.<lb/>
Überhaupt drängte <rs type="person" ref="#per__147672">Olechowski</rs> auf mehr Kontakt zwischen den polnischen<lb/>
Ministerien und Dienststellen und österreichischen. Die VOEST<lb/>
hat mir vorgeschlagen, ich sollte mindestens 3 Minister nochmals nach<lb/>
Wien auf ihre Kosten selbstverständlich, laden und ich beabsichtige<lb/>
dies auch tatsächlich zu tun. GenDir. <rs type="person">.....</rs> hat mir abends beim Empfang<lb/>
auf der poln. Botschaft nochmals gedankt für diese Bereitschaft.<lb/>
Selbst überrascht war ich, aber da sieht man wie <rs type="person" ref="#per__147672">Olechowski</rs> ein<lb/>
geschickter Politiker ist, daß er vor dem gesammelten VOEST-Vorstand<lb/>
neuerdings herausstrich, daß ich mich ausschließlich fast für die<lb/>
VOEST-Projekte, d.h. die große Äthylenanlage in Plotzk interessiert<lb/>
habe, da ich immer wieder meine Diskussionsbeiträge und Wünsche<lb/>
mit diesem Projekt eröffne. Meinen Besuch in Warschau genauso wie<lb/>
jetzt bei seinem Gegenbesuch in Wien. Botschafter <rs type="person" ref="#per__97616">Karksi</rs> wollte<lb/>
insbesondere abends von mir eine Zusage, daß ich mich mit ihm ein<lb break="no"/>mal bei einem Essen treffen um die Probleme zu besprechen. Ich<lb/>
selbst habe ich allerdings nur zugesagt, daß ich jetzt mit ihm sehr<lb/>
konkret über die Einladung von den Minister, die die VOEST wünscht,<lb/>
ohne daß ich ihm natürlich gesagt habe, daß dies deren Wunsch ist,<lb/>
mich mit ihm unterhalten werde. Wenn diese Minister kommen, und ich<lb/>
zweifle nicht daran, muß ich sowieso mit dem poln. Botschafter ent<lb/>
sprechenden Kontakt haben. <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> selbst ist ein sehr eloquenter Mann,<lb/>
aber ein ganz harter Verhandler. Interessanterweise bemüht er sich<lb/>
auch dem Gegensatz zwischen sozialistischer Partei und Kommunisten<lb/>
zu ergründen. Er hat deshalb von mir Auskünfte verlangt, wieweit es<lb/>
hier Unterlagen, Referate, Diskussionsbeiträge oder selbst nur Zeitungs<lb break="no"/>ausschnitte über dieses Problem gibt. Ich habe ihn beim Mittagessen<lb/>
<pb n="17-0984" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-09-06_0984.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Mit Arbeiterkammerpräsident <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> zusammengebracht, weil<lb/>
ich wirklich überzeugt bin, daß die Studienbibliothek und deren<lb/>
Dokumentation der Arbeiterkammer ihn am meisten helfen kann. Ich<lb/>
glaube <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> hat sich darüber sehr gefreut.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-06_04">Im Parteivorstand ist diesmal eine umfangreiche Tagesordnung vor<lb break="no"/>gelegen und interessanterweise hat man damit begonnen, daß <rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs> [evtl. Falschidentifikation, Anm.]<lb/>
über die kommunalpolitische Arbeitsgruppe und Programm referierte,<lb/>
da war ich allerdings noch nicht anwesend. Beim zweiten Referat<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97842">Prechtl</rs> über das verkehrspolitische Konzept hat es dann eine<lb/>
kleine Diskussion gegeben. <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs>, insbesondere hat Bedenken geäußert,<lb/>
daß man auf allen Straßen Leitschienen verlangt und vorallem aber<lb/>
daß ein eigener Straßenbauforschungsfonds gegründet werden soll.<lb/>
Er verwaltet derzeit die sehr beträchtlichen Mittel in seinem<lb/>
Ressort und möchte nicht in einem Fonds durch Mitsprache anderer<lb/>
allzusehr gebunden sein. Die Leitschienen kosten ein Vermögen. <rs type="person" ref="#per__97384">Czernetz</rs><lb/>
hat insbesondere die größten Bedenken, daß man zuwenig den Umwelt<lb break="no"/>schutz zum Durchbruch verhilft und verweist darauf, daß im nächsten<lb/>
Jahr in Amerika nur mehr entsprechende <choice><choice><sic>umweltfreudige</sic><corr>umweltfreundliche</corr></choice></choice> Autos von<lb/>
Europa geliefert werden dürfen. Die europ. Autoindustrie wird<lb/>
sich deshalb, zumindesten auf den amerikanischen Markt umstellen.<lb/>
Eine kleine Debatte gab es dann noch über die Zulassung von Autos,<lb/>
aber auch über die Kontigentierung der Transportleistung, die natürlich<lb/>
vom derzeitigen Verkehrsminister <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> wärmstens befürwortet wird.<lb/>
Ich kann wirklich froh sein, wenn ich die Straßenkompetenz verliere,<lb/>
denn diese Auseinandersetzung, die hier auf alle Fälle für den Ressort<lb break="no"/>mäßig zustehenden Minister zukommt, wird nicht sehr angenehm sein.<lb/>
Die Autofahrer sind einmal jetzt die Mehrheit in Österreich und man<lb/>
hier keine sehr geschickte Politik macht, wird man die nächsten Wahlen<lb/>
aus diesen Grund schon wesentlich negativ beeinflußen. 1,5 Mio Kraft<lb break="no"/>fahrzeuge zugelassen, bedeutet, daß wenn ich nur mit zwei und ein<lb/>
Teilkind rechne, daß wir von den 7,5 Mio. Bevölkerung bereits die<lb/>
Mehrheit dann mittelbar und unmittelbar Autointeressenten sind.<lb/>
Dieser Gesichtspunkt kann nicht genug berücksichtigt werden, wird<lb/>
aber beider unter dem Schlagwort "Fußgänger sind ja doch mehr auf<lb/>
der Straße als Autos, wahrscheinlich sträflich vernachläßigt. Damit<lb/>
will ich nicht sagen, daß man ausschließlich den Wünschen der Auto<lb break="no"/><pb n="17-0985" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-09-06_0985.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>fahrer 100%ig Rechnung tragen muß. Man sollte nur wissen, mit<lb/>
welcher großen Masse man es in jedem Fall zu tun hat.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-06_05"><rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> berichtete über die Rundfunkreform und dabei stellte sich<lb/>
heraus, daß sobald nur irgendein Diskussionsbeitrag gegen <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs><lb/>
Konzept angedeutet wird, wie dies <rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs> oder <rs type="person" ref="#per__97444">Heinz Fischer</rs> teil<lb break="no"/>weise oder andere machten, sofort allergisch auf dessen, d.h.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> Widerstand stoßen. <rs type="person" ref="#per__97818">Pittermann</rs> hat nämlich sicherlich recht,<lb/>
wenn er darauf hinweist, daß die Parteimitglieder, soweit sie über<lb/>
haupt sich für dieses Problem interessieren, ein ganz anderes Gesetz<lb/>
erwartet haben, als jetzt <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> letzten Endes verlegt. Nicht zuletzt<lb/>
durch seine Ankündigungen am Parteitag in Villach erwartet sich der<lb/>
kleine Funktionär ein wesentlich agressiveres Vorgehen gegen den Rund<lb break="no"/>funk insbesondere aber gegen <rs type="person" ref="#per__97326">Bacher</rs>. Ich habe ja immer geglaubt,<lb/>
daß <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> in Wirklichkeit die Taktik verfolgt <rs type="person" ref="#per__97326">Bacher</rs> zu schockieren,<lb/>
damit dieser dann umso mehr bereit ist, mit ihm doch in allen Punkten<lb/>
und insbesondere der Berichterstattung ein entsprechendes Arrangement<lb/>
auch wenn es nicht ausgesprochen ist, zu finden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> muß doch er<lb break="no"/>kannt haben, welche Bedeutung Fernsehen insbesondere für eine Partei<lb/>
im Wahlkampf hat. Wenn er nun <rs type="person" ref="#per__97326">Bacher</rs> mehr oder minder durch mittlere<lb/>
Funktionäre oder vielleicht auch sogar durch entsprechende Überlegungen<lb/>
bei Parteitagen uns weiter schockt, dann wäre <rs type="person" ref="#per__97326">Bacher</rs> dann wahrscheinlich<lb/>
tatsächlich bereit gewesen, mehr noch als dies in der Opposition<lb/>
der Fall gewesen ist, die Regierung zu unterstützen durch eine<lb/>
objektive Berichterstattang. Statt dessen ist <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> jetzt nicht<lb/>
zuletzt wahrscheinlich durch persönliche Auftritte insbesondere mit <rs type="person" ref="#per__116209">Zilk</rs>,<lb/>
den er bei jeder Gelegenheit verteufelt, wirklich in ein Oppositions<lb break="no"/>verhältnis zum ORF gekommen. Im Gesetzentwurf wird dies aber nicht<lb/>
ausgeräumt , uns auch für diesen Entwurf noch eine lange parlamentari<lb break="no"/>sche Verhandlung bevorsteht, wird, wenn überhaupt eine wirksame<lb/>
Änderung im Rundfunk gerade vor den Wahlen 1975 eintreten. Auf den<lb/>
Einfluß, den der ORF dann bei den Wahlen nehmen wird, bin ich schon<lb/>
sehr gespannt. Interessanterweise hat <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, der eigentlich vor<lb/>
längerer Zeit schon, nachdem <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> die ganze ORF-Geschichte ange<lb break="no"/>deutet hat, meinte man sollte, wenn man etwas macht, schnell und<lb/>
gründlich tun, sich jetzt gar nicht mehr zu Wort gemeldet.</p><pb n="17-0986" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-09-06_0986.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-06_06">Da die weitere Tagesordnungspunkte ökonomische Konferenz, Bundes<lb break="no"/>parteitag in Linz, Organisationsfragen, Herbstarbeit, sicher sehr<lb/>
langsam dahinzogen, hat dann der Vorsitzende <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> ganz einfach<lb/>
erklärt, jetzt stellen wir alles andere wie Berichtkontrolle und<lb/>
Delegationen zurück, damit endlich der politische Bericht von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
kommen kann, da ansonsten wieder gegen Nachmittag zu die meisten<lb/>
verschwinden. Die Methode, eine Tagesordnung zu haben, die <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs><lb/>
immer wi4der verlangt, um an eine geordnete Sitzung abzuführen, hat<lb/>
auch seine Mucken, da, wenn die Tagesordnung überladen ist, auch kein<lb/>
sehr positiver Sitzungsverlauf zu verzeichnen ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-06_07"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> berichtete über das Problem <rs type="person" ref="#per__97953">Sima</rs>. Er meinte, der Parteivor<lb break="no"/>stand darf nicht den Landeshauptmann in Kärnten bestimmen, denn sonst<lb/>
würde sich in Kärnten die Situation noch verschlechtern. Nicht nur<lb/>
alleine gegen <rs type="person" ref="#per__97953">Sima</rs>, sondern auch dann gegen einen Großteil Kärntner<lb/>
Genossen, die dies natürlich ein Problem ihres Landes betrachten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> möchte aber damit die Partei aus dem Dilemma herauskommt,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97953">Sima</rs> einen Brief schreiben und ihn auf seine Eintracht der Partei<lb/>
verweisen und bitten, daß bis zum 1.10. Klaheit über seinen Rück<lb break="no"/>tritt herrschen soll. Der Weg der jetzt <rs type="person" ref="#per__97953">Sima</rs> geöffnet wird, ist,<lb/>
daß er eben nicht unter einer Fallfrist entscheiden soll. Die SPÖ<lb/>
in Kärnten hat eine gewisse Nachfülle und man müßte demonstrieren,<lb/>
daß auch der Landeshauptmann sich dieser Autorität beugt. <rs type="person" ref="#per__98038">Wagner</rs><lb/>
selbst war kooperationsbereit. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> ersuchte nur, man sollte keine<lb/>
Zeitungspolemiken mehr machen und hat in diese Kritik auch das Telegramm<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112988">Willes</rs> einbezogen, der bekanntlich <rs type="person" ref="#per__97953">Sima</rs> aufforderte, der Partei nicht<lb/>
zu schaden und zurückzutreten. Er meinte, daß selbst ein gutmütiger<lb/>
Mensch und noch vielmehr der autoritäre <rs type="person" ref="#per__97953">Sima</rs>, den er ununterbruchen<lb/>
in den Zeitungen attackiert wird, <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> meinte er hätte seit 1947<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97953">Sima</rs> zusammengearbeitet und sich im Landesparteivorstand sich der<lb/>
Stimme enthalten. <rs type="person" ref="#per__97953">Sima</rs> ist aber ein toter Mann und man sollte keine<lb/>
...... auf ihn starten, sondern schmerzstillende Mittel. Damit war<lb/>
die Diskussion im Parteivorstand beendet und wir beschlossen, daß<lb/>
eben einen solchen Brief schreiben wird und <rs type="person" ref="#per__97953">Sima</rs> die Möglichkeit<lb/>
zu geben, gutmütugerweise sich mit der Partei zu arrangieren.</p><pb n="17-0987" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-09-06_0987.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-06_08">Die Nachfolgefrage von LH-Stv. <rs type="person" ref="#per__137232">Suchanek</rs> ergab, daß eben jetzt<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> nach Kärnten zurückkehrt, was <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> vom Regierungs<lb break="no"/>standpunkt aus sehr bedauerte, es aber als Parteinotwendigkeit<lb/>
akzeptierte. Er hätte damit <rs type="person">Ulbrich</rs>, <rs type="person" ref="#per__97842">Prechtl</rs>, <rs type="person" ref="#per__97994">Steinocher</rs> insbe<lb break="no"/>sondere damit die Länder sehen, daß er sich bemüht, außerdem<lb/>
ist <rs type="person" ref="#per__97994">Steinocher</rs> ein Eisenbahner, als Nachfolger besprochen. <rs type="person" ref="#per__97994">Stein<lb break="no"/>ocher</rs> aber hätte ausdrücklich erklärt, er möchte die Arbeit im<lb/>
Lande nicht aufgeben insbesondere im Hinblick auf die nächsten<lb/>
Landtagswahlen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nimmt an, daß dies der Partei und ganz<lb/>
beonsders <rs type="person" ref="#per__97994">Steinocher</rs> in Salzburg sehr förderlich ist, da sie<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97994">Steinocher</rs> e lieber für das Land als für eine ehrbare Berufung<lb/>
in die Regierung entschlossen hat. Er hätte dann auch noch mit<lb/>
den oö. Genossen gesprochen, ohne allerdings konkret zu sagen<lb/>
ob er hier wirklich einen Mann in Aussicht genommen hat, der auch<lb/>
ablehnte, ich glaube eher, damit die Oberösterreicher nicht ver<lb break="no"/>schnupft sind, daß sie neurdings nicht zum Zuge kommen. Letzten<lb/>
Endes sei er aber auf <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> verfallen weil dieser als Parlamentarier<lb/>
sich gut bewährt und wie er sich ausdrückte, einen guten Kontakt<lb/>
zum Finanzminister hat, den ein Verkehrsminister drngend braucht.<lb/>
Der Wechsel soll im September vorgenommen werden. Da der polnische<lb/>
Verkehrsminister von <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> noch eingeladen wurde, am 15.9.<lb/>
noch von ihmmabgewickelt werden soll. Außerdem ist der Verkehrsverbund<lb/>
zwischen Wien – Niederösterreich und Burgenland unmitte,bar vor<lb/>
dem Abschluß und sollte auch noch von <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> unterfertigt werden,<lb/>
damit noch ein Landesverkehrsminister und nicht ein Wiener Verkehrs<lb break="no"/>minister diese Tatsetzt. wenn der Bundespräsident eine solche Zeit<lb break="no"/>folge akzeptiert wird sie so abgewickelt, denn der Bundespräsident<lb/>
allerdings verlangen würde, daß unmittelbar der Austausch erfolgen<lb/>
sollte, dann müßte man dem Rechnung tragen, erklärte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-06_09">Ein weiterer Bericht über die UNO-City brachte eine neue Idee <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>.<lb/>
Er wird jetzt, nachdem die ÖVP es abgelehnt hat und in unverantwort<lb break="no"/>licherweise <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs> den er den <choice><choice><sic>Kaloperu</sic><corr>?</corr></choice></choice> auf Kosten der VP bezeichnet<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97419">Ermacora</rs> theoretisierend Professor und <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> der urteilslos sich<lb/>
in die Campagne gegen das Projekt eingeschaltet hat, d.h. also diese<lb/>
drei Leute die Ablehnung der ÖVP imer wieder dokumentieren und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> sich nur auf die stützt mit Hilfe der Sozialpartner, dieses<lb/>
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letzten Endes positiv zugestimmt werden soll. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, die<lb/>
VP sei über die UNO-City gespalten, die Wirtschaft, die Ingenieure,<lb/>
die Architekten, die großzügig denkenden, sogar die Zeitung "Die Presse"<lb/>
und der Kurier, die OÖ-Nachrichten seien pro UNO-City-Projekt einge<lb break="no"/>stellt. Demgegenüber wird <rs type="person" ref="#per__97917">Schleinzer</rs> weiterhin seine Skandalpolitik<lb/>
betreiben. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> woolte dieses Projekt aus internationalen Über<lb break="no"/>legungen außer Streit stellen, um diesbezügliche Versuche von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114093">Waldheim</rs>, <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und der Industrie seien gescheitert. Er hätte<lb/>
sogar der ÖVP ein Mitsprache im Vorstand zugesichert. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist<lb/>
der Meinung, daß durch die Steuereinnahmen, durch den Lohnanteil,<lb/>
den dann die permanenten 5000 Beamten in Österreich ausgeben, 1 Milliar<lb break="no"/>de Kaufkraft zusätzlich nach Österreich kommt unddamit die Kosten<lb/>
auf längere Zeit leicht eingespielt werden. Insbesondere aber müßte<lb/>
das Kongreßzentrum gebaut werden, das bis zu 10.000 Kongreßdelegierte<lb/>
nehme könnte und damit Wien nach München, Paris, und Berlin endlich<lb/>
wieder in das europäische Feld entsprechend stellt. Gerade das Kongreß<lb break="no"/>zentrum wird von vielen Leuten, die sich damit konkret beschäftigen,<lb/>
haben, als die entsprechende, auch in Zukunft viel kostende Wunde<lb/>
Stelle des Projektes bezeichnet. Botschafter <rs type="person" ref="#per__97336">Bauer</rs>, ejtzt in Ostberlin,<lb/>
hat mir gegenüber, er war eine zeitlang Vertreter des Außenamtes,<lb/>
in der UNO-City, auf die hohen Kosten nicht nur bei der Errichtung,<lb/>
sondern auch ganz besonders des Betriebes hingewiesen. Andererseits<lb/>
muß ich aber zugeben, daß das jetzige Kongreßzentrum in der Hofburg<lb/>
weitestgehend ausgelastet ist.und mit ca. 2.000 Höchstanzahl von<lb/>
Delegierten zu klein ist. Wie der Bericht und eine ev. Diskussion<lb/>
weitergeht weiß ich nicht,,da ich bereit zum Essen mit AHM <rs type="person" ref="#per__147672">Olechowski</rs>,<lb/>
das ich gegeben habe, weggehen mußte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-06_10">Im Kraftfahrbeirat habe ich dann eine Lösung über die Haftpflichtver<lb break="no"/>sicherung zustande gebracht, über die ich slebt sehr überrascht war.<lb/>
Vormittags hat mich <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> darauf aufmerksam gemacht, daß <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> vom<lb/>
ÖGB über die Versicherungen bereits die ganz harte Tour spielt. Ich<lb/>
habe mich mit <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> in Verbindung gesetzt, der mir heftigste Vorwürfe<lb/>
gemacht hat, daß ich nicht von vorherein erklärt habe, dies wird durch<lb break="no"/>gezogen, ganz unabhänig was der ÖAMTC oder die Handelskammer sagt und<lb/>
wünscht. Mein Hinweis, daß ich bis jetzt immer versucht habe einver<lb break="no"/><pb n="17-0989" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-09-06_0989.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>nehmliche Lösungen zu erzielen, betrachtete <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> als Affront gegen<lb/>
seine Bemühungen eine Lösung herbeizuführen und er hat auch diesbezüg<lb break="no"/>lich <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> schafr gemacht. Ich habe dann allerdings mit einer Aussprache<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benyas</rs>, dessen Bedenken bereinigen könne, daß ich gar nicht die Ab<lb break="no"/>sicht habe, den ÖGB hängen zu lassen oder gar auszuspielen ,sondern<lb/>
eben nur für die Taxler zumindestens eine entsprechende Regelung<lb/>
durchzuzhen,versuchen werde. Im Beirat selbst, wo wir ja bei einer<lb/>
frühzeitigen und vorallem nicht taktisch geschickten Abstimmung die<lb/>
Minderheit waren, die für den Spalttarif eingetreten sind, die Handels<lb break="no"/>kammer hat ja ohre Leute vergattert, gelang dann doch folgender großer<lb/>
<choice><choice><sic>Cup.</sic><corr>Coup</corr></choice></choice> Wirklich durch einige Wortmeldungen gegen den Spalttarif ausge<lb break="no"/>sprochen hat sich nur Dkfm. <rs type="person" ref="#per__127032">Schaller</rs> von der Handelskammer. Da ich<lb/>
aber wedern den ÖAMTC noch den anderen Handelskammervertretern die<lb/>
Gelegenheit geben wollte dann zu sagen, daß sie auf alle Fälle dagegen<lb/>
waren und eben keine richtige Abstimmung stattgefunden hat, habe ich<lb/>
einige Male alle negative Votanten aufgefordert sich zu Wort zu melden<lb/>
und zu begründen. Diese Taktik hat dazu geführt, daß sich nur noch<lb/>
vereinzelt u.a. Dr. <rs type="person" ref="#per__149214">Ruth</rs> von der Landwirtschaftskammer gegen den<lb/>
gespaltenen Tarif und insbesondere gegen die Erhöhung für landw.<lb/>
Zugmaschinen und Motorkarren um 9 % ausgesprochen hat. Sowie dann<lb/>
KzlRat <rs type="person" ref="#per__115707">Rhomberg</rs>, der als Vertreter von <rs type="person" ref="#per__116957">Menardi</rs> Tirol und gleichzeitig<lb/>
Spediteurvertreter, der für die Berufszwecke notwendigen Autofahrer<lb/>
nur eine 15%ige Erhöhung wünschte. Weiters noch KommRat <rs type="person" ref="#per__149212">Rottensteiner</rs>,<lb/>
der sich dann im letzten Moment der Bundeskammer anschlpß. <rs type="person" ref="#per__131314">Soche</rs> vom<lb/>
ÖAMTC meinte nur aus rechtl. Verhältnissen heraus sei dies ganze ein<lb/>
Nonsens, denn er meinte, man sollte das Schadensersatzgesetz, sei es<lb/>
im ABGB oder in sonstigen Gesetzen eben novellieren und nicht eine<lb/>
so Konstruktion schaffen, die letzten Endes dann erst vom obersten<lb/>
Gericht entschieden wird, ob sie wirklich hält oder nicht. Ich habe<lb/>
durch Information des Beirates, daß ich mit den Spitzen der Interessens<lb break="no"/>vertretungen und den Klubs gesprochen habe und daß ich überzeugt<lb/>
bin, daß wir eine weitestgehende Übereinstimmung bei ein4m noch<lb break="no"/>folgenden Gespräch mit dieser Spezialgruppe erzielen werden, natürlich<lb/>
die Diskussion so beeinflußt, daß insbesondere die Handelskammerver<lb break="no"/>treter sehr verunsichert waren. Auf meine immerwieserkehrende Auffor<lb break="no"/>derung, man sollte sich, wenn man negativ notieren will zu Wort melden<lb/>
und dann letzten Endes dann keine Wortmeldung mehr vorlag, habe ich<lb/>
dann eben beschlossen, daß der Beirat den Vorschlag des bespaltenen<lb/>
<pb n="17-0990" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-09-06_0990.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Tarifes akzeptiert und jetzt ehe ich die Interessensvertretungen<lb/>
und Kraftfahrverbände bitte in meinem Zimmer noch Detaillösungen zu<lb/>
besprechen. Insbesondere haben wir für die Taxler und für die Invaliden<lb break="no"/>fahrzeuge dann eine akzeptable Regelung gefunden. Für die Taxler<lb/>
wird sowie für eihige andere Kategorienkraftwagen zur <choice><choice><sic>Güterbe<lb break="no"/>dörferung</sic><corr>Güterbeförderung</corr></choice></choice> 9 % Kraftfahrzeuge zur besonderen Verwendung 15 %, Schul<lb break="no"/>fahrzeuge 15 %, Probefahrkennzeichen 15 %, auch für Taxler 15 %<lb/>
der Tarif erhöht, wobei sie aber selbstverständlich den vollen Ver<lb break="no"/>dienstentgang, wenn sie keinen Ersatzauto einstellen können, be<lb break="no"/>kommen. Die Taxler selbst müßten eigentlich um 68 % die Versicherungs<lb break="no"/>beiträge höher zahlen, so groß ist ihr Anteil an den Schadensfällen.<lb/>
Die Versicherungen haben auch einen pool notleidender Risken, weil<lb/>
darin die einzelnen Autobesitzer die eben immer wieder Unfälle ver<lb break="no"/>ursachen nicht mehr von einer Gesellschaft. sondern von allen gemein<lb break="no"/>sam gedeckt werden. In diesem pool sind 90 % Taxler, weil sie ben<lb/>
mehr als alle anderen im Straßenverkehr fahren. Ich habe dann bei<lb/>
dieser kleinern Besprechung allen Anwesenden nochmals gedankt, für<lb/>
dieses Verständnis und daß es doch geglückt ist, daß eine einver<lb break="no"/>nehmliche Regelung möglich war. Bei der Livediskussion im Rundfunk<lb/>
habe ich dann besonders auf diese Situation hingewiesen. Die Ver<lb break="no"/>sicherung werden eine Aufforderung bekommen sich mehr um die Kunden<lb/>
zu kümmenr. Die Studiengruppe wird eine diesbezügliche Elaborat<lb/>
ausarbeiten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-06_11">Von dieser Sitzung mußte ich ins Donaueuropäische Institut laufen<lb/>
und dort nicht ene kurze Einleitung, sondern wie ich dort überraschend<lb/>
feststellen mußte, einen ganzen Vortrag zur Eröffnung des neuen<lb/>
Jahres halten. <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> war sehr erstaunt, daß ich dies ohne ent<lb break="no"/>sprechende Vorbereitung konnte. Da ich aber nur über Wirtschaftspro<lb break="no"/>bleme und mein Ressort reden mußte, war dies wirklich nicht schwer.<lb/>
Auch ohne eine entsprechende Unterlage. Da keine Zeit zur Diskussion<lb/>
war habe ich vorgeschlagen, wir sollen einen eigenen Diskussionsabend<lb/>
machen, was ich akzeptierte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-09-06_12">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs><lb/>
Bitte entsprechenden Termin vereinbaren.</p></div>
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