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            <title type="main">Montag, der 27. August 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-27_01">Montag, 27. August 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-27_02">Das Journalistenfrühstück war für Fremdenverkehr reserviert und<lb/>
war ein voller Erfolg. Zum Glück hat das Institut für Raumplanung<lb/>
eine Studie über Zweitwohnungen gemacht, die sich auch besonders<lb/>
mit dem Fremdenverkehrsproblem beschäftigt. Ing. <rs type="person" ref="#per__146606">Jäger</rs> hat über<lb/>
diese Studie, soweit es Fremdenverkehr betrifft, referiert. Dadurch<lb/>
konnten wir die Zeit und die Diskussion von der verhältnismäßigen<lb/>
schwachen Entwicklung des Fremdenverkehrs ablenken. Immerhin hat<lb/>
der Juli nicht den erwarteten Rückschlag, allerdings keinerlei<lb/>
Steigerungen gebracht. Wenn man Jänner bis Juli zusammenrechnet,<lb/>
waren im Vorjahr noch fast über 10 % Steigerung der Übernachtungs<lb break="no"/>zahlen, während es jetzt nur 2,4 % noch beträgt. Ich fürchte, daß wir<lb/>
im August auch nicht besonders gut abschneiden. <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> wird jetzt eine<lb/>
neue Analyse anstellen, wieso es zu dieser Entwickung gekommen ist.<lb/>
Wieweit daß das Finanzministerium die Wünsche des Fremden<lb break="no"/>verkehrs auf Steuersenkung resp. zumindestens auf der Getränkeseite<lb/>
auf Reduzierung nachkommt, kann ich jetzt schwer beurteilen. Ich<lb/>
habe immer dafür plädiert, daß man zumindestens eine einfache Ver<lb break="no"/>rechnung der Getränkesteuer einführen sollte und damit im Zusammen<lb break="no"/>hang gegebenenfalls auch eine gewisse Entlastung der Gaststätten<lb/>
erreichen könnte, besonders, wenn diese noch mit einer kleinen Änderung<lb/>
der Steuersätze gekoppelt ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-27_03">Von der ÖPA kam der neue Vorsitzender der Vereinigung der Papierindu<lb break="no"/>strie, GenDir. <rs type="person" ref="#per__110994">Stepdke</rs> von der Nettingsdorfer. Dr. <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs> wird in<lb/>
Hinkunft mit Dr. <rs type="person" ref="#per__147702">Ottawa</rs> der wurde von <rs type="person" ref="#per__110994">Stepske</rs> als der die Probleme<lb/>
wirklich bearbeitet, Dir. <rs type="person" ref="#per__138743">Mayrhuber</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__111754">Steuerer</rs> sind ja schon<lb/>
viel zu hohes Niveau, in Hinkunft engen Kontakt halten, um die Beab<lb break="no"/>sichtigte und versprochene Durchführung der Papierindustriestützung<lb/>
abzuwickeln. Für 1973 braucht die Papierindustrie 8 Mio S Stützung.<lb/>
Hauptsächlich wird dies der Steyrermühl zugute kommen und Nettings<lb break="no"/>dorf. Steyrermühl ist mit BAWAG liiert und Nettingsdorf hat ein a<lb/>
Konsortium von Investkredit und anderen Banken. Außerdem hat Nettings<lb break="no"/>dorf noch EE-Fonds zur Sicherheit. Mit diesen 8 Mio. sollen ca.<lb/>
400 Mio. Investitionen, die beide Fabriken für die Laugenverbrennung<lb/>
in diesem Jahr ausgeben mußten, gestützt bekommen. Auch ein kleinerer<lb/>
<pb n="17-0947" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-08-27_0947.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Betrag ist für ........... vorgesehen. Für 1974 benötigt die Papier<lb break="no"/>industrie 38 Mio S, wovon 350 Mio S für den Umweltschutz, zuzüglich<lb/>
der 400 Mio von heuer, ergibt 750 Mio abgestützt werden sollen und<lb/>
ebenso die Strukturumstellung 30 Mio. Hier wurde seinerzeit mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
vereinbart 7 x 30 Mio insgesamt 210. Während wir für 1973 die 8 Mio.<lb/>
in einem Budgetüberschreitungsgesetz vom Finanzminister verlangt haben,<lb/>
Sollte 1974 dies im Budget erst aufgenommen werden. Ich bin sehr ge<lb break="no"/>spannt, wie weit das Finanzministerium die notwendigen Mittel dafür<lb/>
tatsächlich bereitstellt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat bindende Zusagen gemacht. Auch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> war damals mehr doer minder einverstanden, zumindestens hat<lb/>
er sich verschwiegen, als die Verhandlungen geführt wurden. Jetzt bin<lb/>
ich gespannt, wie die Durchführung funktionieren wird. Die Richtlinien<lb/>
von denen ich angenommen habe, das Finanzministerium hat sie mit der<lb/>
Papierindustrie einigermaßen abgesprochen, werden von der Papierindu<lb break="no"/>strie zwar akzeptiert, weil sie, wie sie sich ausdrückten dagegen kaum<lb/>
etwas unternehmen können, wurden aber nicht mit ihrer Zustimmung, ja nic<lb/>
nicht einmal mit ihnen verhandelt. Die Richtlinien sind 14 Begutach<lb break="no"/>tungsstellen vor und ich kam sofort mit <rs type="person" ref="#per__110994">Stepske</rs> überein, daß ich ein<lb break="no"/>verstanden bin, wenn die Vereinigung versucht, mit den Interessensver<lb break="no"/>tretungen, das ist Landwirtschaftskammer, Gewerkschaftsbund, Arbeiter<lb break="no"/>kammer und Handelskammer ein einvernehmliche Vorberatung zu fphren und<lb/>
dann uns das Ergebnis mitzuteilen. Andererseits wird Dr. <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs> die<lb/>
Koordinierung der Ministerien vornehmen, so daß dann nur mehr eigent<lb break="no"/>lich zwei Standpunkte überhaupt zur Debatte stehen. Ich hoffe daß es<lb/>
überhazpt möglich sein wird, die entsprechenden Anträge, ohne daß es<lb/>
zu Kampfabstimmungen kommt, über die Bühne zu bringen. Der Wunsch der<lb/>
Papierindustrie, daß ich mich auch über die Prioritäten bei der Kredit<lb break="no"/>restriktion einschalten soll, d.h. die Papierindustrie aus der<lb/>
Kreditrestriktion ausgenommen werden soll, konnte und wollte ich nicht<lb/>
aufnehmen. Schließlich hat der Kreditapparat und die Handelskammer<lb/>
es ganz entschiden abgelehnt, daß irgendjemand eine Differenzierung<lb/>
oder Prioritäten über die Kreditgewährung setzt. Wenn es daher nicht<lb/>
der Wunsch ist des Kreditapparates und die Handelskammer sich schwer<lb/>
dagegen ausspricht, so sehe ich nicht ein, daß man in unangenehmen<lb/>
Fragen, wo es dann der Handelskammer passen würde, dann doch Priori<lb break="no"/>täten von unserer Seite gesetzt werden. Hier muß ich die Papierindustrie<lb/>
mit dem Beamtenapparat ausmachen. Ebenso ist das Problem mit den<lb/>
<pb n="17-0948" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-08-27_0948.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Sicherheiten.nicht anders zu lösen, als daß sich jede einzelne<lb/>
Firma bei Entwicklungs- und Erneuerungsfonds um eine entsprechende<lb/>
Kreditsicherheit bewirbt. Ich kann und will hier nicht eingrreifen.<lb/>
Anders ist dagegen die Frage ob es sinnvoll ist, daß wir in den Richt<lb break="no"/>linien bereits die Stützungssätze so dezidiert festlegen, daß in<lb/>
Wirklichkeit überhaupt kein Spielraum mehr zwischen der Firma und<lb/>
dem Kreditinstitut besteht. In der Gewerbestruktur in sämtlichen<lb/>
anderen Kreditaktionen haben wir nur festgelegt, daß die Stützung<lb/>
3 % beträgt und daß damit die Banken nicht ins Uferlose ihre V For<lb break="no"/>derungen schrauben können, ein nur 8%iger Zinssatz mit dieser 3 %igen<lb/>
Stützung abgewickelt werden kann. Eine ähnliche Regelung hatte ich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs> empfohlen, s=ollte man auch für P die Papierindustrie und<lb/>
deren Stützungssystem finden. <rs type="person" ref="#per__110994">Stepske</rs> war damit einverstanden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-27_04">Zum Schlußhhabe ich <rs type="person" ref="#per__110994">Stepske</rs> noch gefragt, ob die Papierindustrie<lb/>
bereit ist, jetzt in der Phase des Aufschwunges mit mir über das<lb/>
Strukturkonzept nicht nur zu reden, sindern letzten Endes Ent<lb break="no"/>scheidungen vorzubereiten. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß in<lb/>
einer Depression, wie es vor 1 1/2 Jahren der Fall gewesen ist es<lb/>
schwer ist, irgendwelche Reorganisationsmaßnahmen zu setzen. Sowohl<lb/>
die Direktion als auch die Besitzer, aber ganz besonders die Beleg<lb break="no"/>schaft ist dafür viel zu nervös und in der Rezessionsphase auch<lb/>
weniger Diskussionsbereit. Anders sieht dies einer Aufschwung<lb break="no"/>phase, wie wir es jetzt erleben aus. Hier kann man doch entsprechende<lb/>
Konzepte in Ruhe diskutieren und vorbereiten. <rs type="person" ref="#per__110994">Stepske</rs> war zu meiner<lb/>
größten Verwunderung sofort bereit und meinte, ich sollte mit ihm<lb/>
einmal einige Stunden spazieren gehen. Da ich im Oktober in Wels zu<lb/>
tun habe, die Partei möchte dort entsprechende Parteiveranstaltungen<lb/>
d.h. Wahlkampf durchführen, habeich sofort zugesagt, am 8. 10.<lb/>
eine Betriebsbesichtigung durchzuführen und dort gleich mit <rs type="person" ref="#per__110994">Stepske</rs><lb/>
in Nettingsdorf, das ist in der Nähe von Wels, dieses Problem zu<lb/>
diskutieren. Die entsprechenden Termine wurden mit dem Sekretariat<lb/>
vereinbart und ich werde nun nach Mitteilung der Welser Genossen<lb/>
dort den Einsatzplan so gestalten, daß ich mindestens 2 Stunden Zeit<lb/>
für die Diskussion und Besichtigung mit <rs type="person" ref="#per__110994">Stepske</rs> in der Papierfabrik<lb/>
habe.</p><pb n="17-0949" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-08-27_0949.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-27_05">Ich habe <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs> darauf aufmerksam gemacht, daß ich bis zu diesem<lb/>
Zeitpunkt nicht nur ein Konzept über die Strukturarbeit der ÖPA<lb/>
brauche, sondern was noch viel wichtiger ist, seine Überlegungen<lb/>
aus diesem Strukturkonzept Ich möchte dann mit <rs type="person" ref="#per__98010">Teschl</rs>, d.h. mit<lb/>
der Gewerkschaftsspitze noch diese Probleme abstimmen, so daß ich<lb/>
schon mit einer wohl fundierten Unterlage die Verhandlungen resp.<lb/>
Besprechung mit <rs type="person" ref="#per__110994">Stepske</rs> beginnen kann.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-27_06">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs> und <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs><lb/>
Bitte drängt, die notwendigen Vorarbeiten einzuleiten. Ich brauche<lb/>
das Material sehr bald, da ich noch mit <rs type="person" ref="#per__98010">Teschl</rs> und anderen Spitzen<lb break="no"/>leuten der Partei über dieses Problem sprechen muß.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-27_07">Eine Besprechung mit <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs>, <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs>, <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> und mir über die zukünftige<lb/>
Preisgesetzgestaltung brachte das Ergebnis, daß wir bemüht sein werden,<lb/>
in der ökonomischen Versammlung, d.h. in der Arbeitsgruppe Preise<lb/>
eine Lösung zu finden, die eine Diskussionsgrundlage mit der Handels<lb break="no"/>kammer sein könnte. Die Idee von <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs>, daß wir über den Verfassungs<lb break="no"/>gerichtshof feststellen, was Bundeskompetenz und was Landeskompetenz<lb/>
ist, hat auch <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> als nicht sehr zeilführend bezeichnet. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs><lb/>
meint, dies dauert jahrelang, bis man erstens den Gesetzentwurf fertig<lb/>
hat , 2. der Verfassungsgerichtshof dann eine Mitteilung die und<lb/>
die Bestimmungen sind Landessache und die Bundessache und bringt<lb/>
einem materiell überhaupt nicht wieter. Der Vorschlag von <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs>, daß<lb/>
sich der neue Mann, der von Welthandelshochschule zu uns kommt mit<lb/>
diesem Problem beschäftigen soll, hat <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> sofort begeistert zuge<lb break="no"/>stimmt. Als er nämlich hörte, daß der von Prof. <rs type="person" ref="#per__149052">Walter</rs> kommt, hat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> folgende interessante Charakterisierung abgegeben. Prof. <rs type="person" ref="#per__149052">Walter</rs><lb/>
ist ein sturer Rechtspositivist und daher hustet uns sein Mann sicher<lb/>
in nichts rein. Richtig ist, daß wir hier noch eine bedeutende weite<lb/>
Strecke bis wir einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen können,<lb/>
voruns haben. Auf dem Energiesektor der 2. Arbeitsgruppe sehe ich<lb/>
schon eine Entwicklung, die für uns einigermaßen befriedigend sein<lb/>
wird. Ebenso glaube ich, werden im Fremdenverkehr eine einigermaßen<lb/>
zweckmäßige Lösung für dieses Programm der Arbeitsgruppe finden können.<lb/>
Auf dem Preissektor schauet es momentan noch sehr trieste aus.</p><pb n="17-0950" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-08-27_0950.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-27_08">SChef <rs type="person" ref="#per__140306">Schratt</rs> und MR <rs type="person" ref="#per__97524">Hauffe</rs> sowie Dr. <rs type="person" ref="#per__113823">Preglau</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__133636"><choice><choice><sic>Weis</sic><corr>Weiss</corr></choice></choice></rs> <add>[evtl. Falschidentifikation, Anm.]</add> be<lb break="no"/>sprechen mit mir die Kellereiverordnung. Da diese Verordnung vom<lb/>
Handelsministerium miterlassen wird, muß das Landwirtschaftsministerium<lb/>
sich bemühen, einen Kompromiß mit uns zu finden. Es gelingt uns tat<lb break="no"/>sächlich, einige wesentliche unzweckmäßige Punkte aus der Kellerei<lb break="no"/>ordnung herauszubringen. Die den Handel tatsächlich nur mehr Arbeit<lb/>
verursachen, ohne materieol eine Rolle zu spielen. wenn wir uns den<lb/>
derzeitigen Gegenbenheiten einigermaßen anpassen. <rs type="person" ref="#per__140306">Schratt</rs> sieht dies<lb/>
auch aein und ist damit einverstanden. Nicht einverstanden aber ist er,<lb/>
daß in Hinkufnt d.h. auch für das Jahr 1974 nicht schon die Qualität<lb/>
und Sortenbezeichnung in den Büchern aufscheinen soll. <rs type="person" ref="#per__97524">Hauffe</rs> möchte<lb/>
zumindestens noch für das Jahr 1974 diese Sortenbezeichnung ausge<lb break="no"/>schaltet haben. <rs type="person" ref="#per__140306">Schratt</rs> ist aber der Meinung, es müßte bereits jetzt<lb/>
die Verordnung so erstellt werden, daß keine wie immer gearteten<lb/>
Schwierigkeiten bei der Kontrolle seiner Weininspektoren im Jahre 1975<lb/>
möglich sind. Zu diesem Zweck brauchter aber bereits jetzt die Ver<lb break="no"/>ordnung und er wöre nur bereit 1 Jahr Übertretungen zu tolerieren.<lb/>
Genau dies will aber weder <rs type="person" ref="#per__97524">Hauffe</rs> noch eigentlich ich. Ich ersuche<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140306">Schratt</rs> und <rs type="person" ref="#per__97524">Hauffe</rs> doch noch einen Kompromiß zu versuchen. Da <rs type="person" ref="#per__140306">Schratt</rs><lb/>
mit der Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__146368">Heinz</rs>, einen Rechtsmann, über dieses Problem<lb/>
noch reden muß, wird die ganze Angelegenheit bis zu meiner Reise<lb/>
in die DDR. Die Vorbesprechung für die Verhandlungen mit Herrn <rs type="person" ref="#per__97969">Sölle</rs><lb/>
mit unseren Handelsdelegierten Dr. <rs type="person" ref="#per__140378">Castek</rs>, bei Anwesenheit des Bot<lb break="no"/>schafters <rs type="person" ref="#per__97336">Bauer</rs> und <rs type="person" ref="#per__112973">Hillebrand</rs>, zeigt mir deutlich, daß <rs type="person" ref="#per__140378">Castek</rs> nicht<lb/>
im Stande ist, die Stellung in Ostberlin zu ereichen, wie andere<lb/>
Handelsdelegierte in anderen Oststaaten. <rs type="person" ref="#per__140378">Castek</rs> beschwert sich, daß<lb/>
die österreichischen Firmen zu ihm kommen, um Informationen und Aus<lb break="no"/>künfte und er eigentlich von den Ostdeutschen Behörden kaum etwas<lb/>
erfährt. So wurde z. B. Talkum gekauft von Österreich eingestellt,<lb/>
ohne daß eine Begründung dafür vorliegt. Magnesit hat Probelieferungen<lb/>
gemacht und weiß nun nicht, ob überhaupt ein Geschäft zustandekommt.<lb/>
Ähnlich ist es bei Senfen und vorallem bei Textillieferungen gewesen.<lb/>
Die Textilindustrie ist sehr unsicher und drängt natürlich, um irgend<lb break="no"/>wie die Absichten der Ostdeutschen zu erfahren. Die Ostdeutschen be<lb break="no"/>dienenmsich Generalvertretungen. Für Textil ist dies die Firma Kraus<lb/>
&amp; Co. Für Chemie die Fa. Kuntner, Maschinen und Anlagen die Fa. Wagner<lb/>
für Stahl die Fa. Hör und für Kohle die Firma Briko in Österreich.</p><pb n="17-0951" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-08-27_0951.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-27_09">In Ostdeutschland selbst ist die Repräsentanz die Fa. Novum, die aber<lb/>
interessanterweise zum Unterschied von allen anderen Repräsentanzen<lb/>
für Italien, Frankreich usw. von Ostdeutschen geleitet wird, während<lb/>
diese Repräsentanz die Fa. Novum von einem österr. Kommunisten <rs type="person" ref="#per__146312">Fürbeck</rs><lb/>
geführt wird. Dies ist eigentlich eine Ausnahme und sicherlich sehr<lb/>
günstig für uns, weil ein österr. Kommunist wie <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> mir dann unter<lb/>
vier Augen zugesteht, uns mitteilt, wesentlich umgänglicher und auch<lb/>
konsillianter ist als es natürlich, wenn es sich um einen Ostdeutschen<lb/>
handeln würde. Hier gibt es zwischen <rs type="person" ref="#per__146312">Fürbeck</rs> und <rs type="person" ref="#per__140378">Castek</rs> große personelle<lb/>
und menschliche Spannungen. Ohne daß wir <rs type="person" ref="#per__97336">Bauer</rs> und <rs type="person" ref="#per__140378">Castek</rs>, dies er<lb break="no"/>zählt, kann ich dies aus den Bemerkungen entnehmen. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> meinte noch,<lb/>
daß <rs type="person" ref="#per__140378">Castek</rs> als CVler immer wieder an der politischen Ideologie der<lb/>
Ostdeutschen Anstoß nimmt. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> ist nun der Meinung, man sollte in<lb/>
Wirklichkeit von Seiten Österreichs nichts anderes versuchen, als<lb/>
Geschäfte zu machen. Wenn dagegen eine solche innere Abneigung wie<lb/>
bei <rs type="person" ref="#per__140378">Castek</rs> vorhanden ist, ist natürlich eine Kontakt oder gar Freund<lb break="no"/>schaftliche Beziehung unmöglich.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-27_10">Die DDR ist nach wie vor Musterschüler für die Sowjetunion. Sie hat<lb/>
jetzt mit der Sowjetunion die Komplexprogramme entwickelt. Hier wird<lb/>
die Firma Orwo in Wolfen, ehem. Agfa-Konzern mit der sowjetischen<lb/>
Fotoindustrie ein Komplexprogramm eingehen, d.h. Es wurde eine Firma<lb/>
Asofoto in Moskau gegründet, die jetzt bereits 100.000 Beschäftigte<lb/>
in der Sowjetunion und in der DDR umfaßt. Wieweit bei diesem Komplex<lb break="no"/>programm die Selbstständigkeit DDR-Behörden und Betriebe noch beein<lb break="no"/>flußt wird, kann ich nicht feststellen. Sicher ist, daß dies eine<lb/>
neue Art Kooperation zwischen den Sowjetunion und DDR ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-27_11">Nach der Vertragsunterzeichnung, wo nicht nur die DDR-Mitarbeiter<lb/>
anwesend waren, sondern wie <rs type="person" ref="#per__97969">Sölle</rs> mir auch erzäjlte, nachher pensio<lb break="no"/>nierte Mitarbeiter des Aussenhandelsministeriums die sich um die<lb/>
Arbeit verdient gemacht haben, beginnen wir soofort im kleinsten<lb/>
Kreis mit den Verhandlungen. Von österreichischer Seite Gesandter<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> , MR <rs type="person" ref="#per__112973">Hillebrand</rs>, Dr. <rs type="person" ref="#per__140378">Castek</rs>, von sowjetischer Seite <rs type="person" ref="#per__97969">Sölle</rs>,<lb/>
Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs>, GenDir <rs type="person" ref="#per__116960">Mayer</rs> und HR in Österreich <rs type="person" ref="#per__114374">Krüger</rs>.<lb/>
Ich gehe sofort auf den Wunsch mehr Information der Handelsdelegation<lb/>
zu geben und vorallem ob die Möglichkeit besteht, daß unsere Betriebe<lb/>
<pb n="17-0952" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-08-27_0952.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>engeren Kontakt mit den direkten Abnehmern, d.h. entweder mit<lb/>
dem Binnenhandelsvertretern oder mit den Firmen die kommen könnten,<lb/>
stößt auf keine Gegenliebe von der DDR-Seite. Ganz im Gegenteil im<lb/>
Laufe der Diskussion sagt man mir, man versteht diesen Wunsch gar<lb/>
nicht, denn es gibt z. B. zwischen der VOEST, die ein riesen Projekt<lb/>
<choice><choice><sic>Poliophinanlage</sic><corr>?</corr></choice></choice> 1,3 Milliarden in Nähe Leipzig errichtet, gibt es<lb/>
sehr gute Kontakte und ebenso sei es bei den Firmen, die Geschäfte<lb/>
mit der DDR machen. Da ich keine Firma bevorzuge, aber anderer<lb break="no"/>seits darauf hinweise, daß es außer der großen VOEST noch andere<lb/>
kleinere und mittlere Betriebe gibt, erklärt man mir, man wird inä<lb/>
Hinkunft mit allen Interessanten Firmen auch dann wenn dies natürlich<lb/>
komplizierter ist, weil es sich eben nicht um so Giganten wie die<lb/>
VOEST handelt, oder um Einhandorganisationsformen, wie eben die Ge<lb break="no"/>neralvertretung für <choice><choice><sic>Textilienbranche,</sic><corr>Textilbranche</corr></choice></choice> usw. mit mehr Firmen Kontakt<lb/>
aufnehmen. <rs type="person" ref="#per__97969">Sölle</rs> meinte, unsere Aussenhandelsbeziehungen seien ein<lb break="no"/>seitig orientiert. Er wird den Aussenhandelsunternehmungen der DDR<lb/>
den Auftrag geben, direkte österreichische Importe überdurchschnittlich<lb/>
zu entwickeln. Er hofft, daß auch ich diesbezügliche Weisungen an<lb/>
die Firmen erlassen werden , wo sie Konsortien, wie z. B. mit der<lb/>
VOEST, mit den Stickstoffwerken, mit Böhler, mit Prochaska für die<lb/>
Kalilieferung außerdem schon von mir genannten Generalvertretungen<lb/>
handelt, funktioniert es nach Meinung der DDR gut. Die Generalver<lb break="no"/>tretungen sind geschaffen worden, damit sie sich nicht eine eigene<lb/>
Konkurrenz womöglich in Österreich machen. 1973 wäre eine gute Ent<lb break="no"/>wicklung und 1974 wird noch einen optisch sichtbaren Aufschwung<lb/>
bringen. Er schlägt vor, die gemischte Kommission soll Ende des<lb/>
zweiten Halbjahres 1974 zusammentreten. Seinerzeit wird GenDir <rs type="person" ref="#per__116960">Mayer</rs><lb/>
als Vorsitzender ihresteils vorgeschlagen und ich bestätige sofort,<lb/>
daß <rs type="person" ref="#per__112973">Hillebrand</rs> von uns dafür bestimmt ist. Was Kooperationen betrifft,<lb/>
so ist eine industrielle Zusammenarbeit möglich, aber nach wie vor<lb/>
bleibt natürlich der Handels, d. i. der Export und Import das Kern<lb break="no"/>stück des Vertrages und auch der DDR-österreichischen Wirtschafts<lb break="no"/>beziehungen. Hier sehe ich deutlich, daß es in der DDR warscheinlich<lb/>
auch für die Kooperation eine andere Zuständigkeit gibt und man ist<lb/>
daher äußerst zurückhaltend. Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> meint, daß die Firmen<lb/>
die bereits österreichische Erzeugnisse liefern, große und gute Zu<lb break="no"/>sammenarbeit auf den Maschinenbau, Anlagenbau, Chemiebau und Eisen<lb break="no"/>bahnbau, hier meint man Plasser &amp; Theurer, Gleisstopfmaschinen, be<lb break="no"/><pb n="17-0953" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-08-27_0953.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>stehen. Über den Fremdenverkehr, den ich anschneide, erklärt<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97969">Sölle</rs> nur, hier hätte er der Erklärung des Aussenministers <rs type="person" ref="#per__98083">Winzer</rs><lb/>
nichts hinzuzufügen. Ich kenne sie zwar nicht im Detail, aber<lb/>
sie war sicherlich sehr negativ. Eine Ausdehnung des österr. – DDR<lb/>
Fremdenverkehrs. Der Donau-Oder-Kanal gibt es keine offizielle<lb/>
Erklärung von Seiten der DDR und sie liegt auch nicht in der Kompetenz<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97969">Sölle</rs>.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-27_12">Bezüglich der Preisentwicklung beschwere ich mich, daß die Kohle<lb break="no"/>preise von der Fa. Briko, insbesondere der Vertreter <rs type="person">Fleming</rs>, immer<lb/>
mit dem Hinweis erhöht wird, und erhöht werden muß, daß die DDR höhere<lb/>
Preise verlangt. Dadurch verliert sie immer einen größeren Anteil an<lb/>
österr. Brikettmarkt. Zu meiner größten Verwunderung teilte man mir<lb/>
nachher mit, und unter vier Augen mit Handelsrat <rs type="person" ref="#per__114374">Krüger</rs> erfahre ich,<lb/>
daß dies angeblich einvernehmlich geschehen ist , daß in Hinkunft<lb/>
nicht mehr die Firma Briko, sondern Gaskoks die Vertretung haben wird.<lb/>
Bezüglich der Preisentwicklung sagt <rs type="person" ref="#per__97969">Sölle</rs> und dann auch noch der<lb/>
Vizeministerpräsident Dr. <rs type="person" ref="#per__98058">Weis</rs>, daß sie bezüglich der Preisentwicklung<lb/>
insbesondere was Preisunterbietungen antrifft, eine Gefahr be<lb break="no"/>steht. <rs type="person" ref="#per__112973">Hillebrand</rs> erwähnte, das Beispiel Kalzium-Carbid, wo die DDR<lb/>
und insbesondere Rumänien Dumpingpreise erstellten, woraum <rs type="person" ref="#per__97969">Sölle</rs> meinte,<lb/>
der Teufel soll das Unternehmen holen und <rs type="person" ref="#per__98058">Weiss</rs> sagte dann sogar noch<lb/>
sagte, die kriegen auf die Pfoten gehauen, wenn so ein Unsinn ge<lb break="no"/>schieht. <rs type="person" ref="#per__98058">Weiss</rs> aber auch <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs>, GenDir. <rs type="person" ref="#per__116960">Mayer</rs>, alle versichern mir,<lb/>
daß sich sosofrt in so einem Fall persönlichen Kontakt mit ihnen<lb/>
unsere Wünsche bezüglich Preisunterbietungen mitteilen solle und<lb/>
daß wir sofort abgestellt. Überhaupt erwartete man von uns mehr<lb/>
persönlichen Kontakt und erklärt aber bereits jetzt, daß man ent<lb break="no"/>sprechende Wünsche in dieser Richtung befähigen wird. Was die<lb/>
Preiserhöhungen betrifft, so kann man sich nur nach Weltmarkt<lb break="no"/>preisen und Konkurrenzofferten halten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-27_13">Ich stelle ausdrücklich nocheinmal fest, daß ich keine Firma präferen<lb break="no"/>ziere und daß auch andererseits auch die DDR-Stellen die Aufassung<lb/>
vertreten, man sollte eben versuchen, den Warenaustausch im Prinzip<lb/>
zwischen den staatlichen Stellen nur immer wieder zu vergrößern.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> meint, es sei wichtig, daß wir jetzt 1 Mio Schuhe liefern<lb/>
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der Schuhindustrie mitteilen zu können, daß wir 1 1/2 oder<lb/>
noch mehr Ware beziehen. Hier meinte die DDR-Vertretung. Dies geht<lb/>
ausschließlich, wenn eben eine entsprechende größere Lieferung<lb/>
von DDR-Waren nach Österreich verkauft werden können. Tritz Libera<lb break="no"/>lisierung und Multilateralisierung sie denken nach wie vor Bilateral<lb/>
wie alle anderen Oststaaten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-27_14">Die Aussprache mit Vizeministerpräsident Dr. <rs type="person" ref="#per__98058">Weiss</rs> ist noch weniger<lb/>
konkret und bringt meiner Meinung nach überhaupt keine Ergebnisse.<lb/>
Bei der Gelegenheit erfahre ich nur daß wir eine Rodelbahn, die<lb/>
sie im <choice><choice><sic>Düringerwald</sic><corr>Thüringer Wald</corr></choice></choice> Oberhof aufgestellt haben, sehr gerne auch als<lb/>
Muster uns präsentieren, damit wir in Innsbruck zur Olympiade auch<lb/>
eine DDR-Rodelbahn kaufen. Die Innsbrucker haben bereits Kontakt mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114374">Krüger</rs> aufgenommen und darüber hinaus schon die Oberhofer besichtigt ä<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98058">Weihs</rs> sagt, sie haben einen bilanzierten Aussenhandel, d.h. im Plan<lb/>
ist festgehalten, daß von Österreich entsprechende Waren gekauft werden<lb/>
können, wenn die Mittel vorhanden sind, um sie zu finanzieren. Bei<lb/>
gleichen Bedingungen hätten wir zwar die Prioriät, aber für sie ist<lb/>
scheinbar die Frage, wo sie die österr. Schillinge hernehmen. D.h.<lb/>
nur aus ihren Exporterlösen. Er meinte dann insbesondere, daß Öster<lb break="no"/>reich nicht repräsentativ auf der Leipziger Messe vertreten ist,<lb/>
hier gibt es nur Schuhe, Sportgeräte, Strickwaren und Stahl, während<lb/>
es noch eine menge Waren gäbe, die man in der DDR verkaufen kann.<lb/>
Diesselbe Gespräch führe ich dann noch einige Male insbesondere auch<lb/>
mit dem Direktor der Leipziger Messe. Richtig ist und ich erkläre dies<lb/>
den DDR-Leuten, daß österreichische Firmen nur dann sich auf Messen<lb/>
längere Zeit beteiligen, wenn sie die Chance haben, auch tatsächlich<lb/>
Geschäfte zu machen.Nur reine Information, nur reine Repräsentanz<lb/>
kann man von österr. Firmen nicht verlangen und sie machen es vor<lb/>
allem nie.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-27_15">Bei der Leipziger Messe kann ich dann auch feststellen, daß tatsächlich<lb/>
wir gar keinen Österreich-Pavillon haben w.z. in <choice><choice><sic>Bosen</sic><corr>Posen?</corr></choice></choice> und anderen<lb/>
Oststaaten der Fall ist, sondern daß,die Firmen vereinzelt verstreut<lb/>
im ganzen Messegelände liegen. Die Firmen, die bereits gute Geschäft<lb/>
in der Vergangenheit getan haben,sind natürlich auch entsprechend ver<lb break="no"/><pb n="17-0955" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-08-27_0955.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>vreten . Diese gehen allerdings in den großen Hallen und den manch<lb break="no"/>mal ungünstigen Bedingungen fast unter. Die Firmen Vestl die mehrere<lb/>
gute Geschäfte mit der DDR schon gemacht hat, wurde z. B. 3 Maschinen<lb/>
aus der Halle gestohlen. Die Firma Andritz hat noch ihre Fluggepäck<lb/>
nicht bekommen und kann daher nur zumindestens anfangs der Messe<lb/>
wenig an Material bieten. Andererseits erklärt mir der Vertreter der<lb/>
Andritzer, daß er größten Wert darauf legt und auf meine Unterstützung<lb/>
bittet, damit sie wegen Papiermaschinen mit der DDR zu einem länger<lb break="no"/>fristigen Vertrag kommen können. Ähnlich den der VOEST, weil sie<lb/>
doch immerhin etliche 100 Mio hinausexportieren, die sie dringend<lb/>
brauchen. Ich unterstütze natürlich sofort dieses Ansuchen in dem<lb/>
ich auch noch mit Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> darüber spreche, der beim<lb/>
Rundgang nicht mit war und den gesamten Aussenhandel im Ministerium<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97969">Sölle</rs> angeblich leitet. Er ist der 1. Stellvertreter des Minister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97969">Sölle</rs>.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-27_16">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs><lb/>
Die Firmen haben scheinbar gar nicht gewußt, daß ich in die DDR<lb/>
fahre und vorallem mir gar nicht ihre Wünsche mitgeteilt, obwohl<lb/>
es natürlich solche gibt. Hier müßte dringend ein besseres Informa<lb break="no"/>tionssystem gesucht werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-27_17">Interessant war eigentlich nur der Besuch der Baustelle für die<lb/>
Äthylenanlage in Böhlen, nähe Leipzig. Angeblich war die DDR-Seite<lb/>
gar nicht entzückt, daß wir dieses Werk, das erst im Aufbau be<lb break="no"/>griffen ist, besichtigen wollen. Es ist, wie mir der GenDir. dann<lb/>
dort versichert, die größte Baustelle, die jemals von einem DDR-<lb/>
Kombinat gemacht wurde. Ich kann mir dies w zwar nicht vorstellen,<lb/>
denn wenn sie wirklich wo Schwerindustrielle Projekte wie z. B. an<lb/>
der Oder ihr neues Stahlzentrum errichtet haben, muß dies mehr ge<lb break="no"/>kostet haben, als die <choice><choice><sic>Ojofinanlage,</sic><corr>?</corr></choice></choice> die ja immerhin doch 1,3 Milliarden<lb/>
S beträgt. Wahrscheinlich ist dies die größte Anlagenbaustelle eines<lb/>
Weststtates. Ich habe dort mit den VOEST-Leuten natürlichjsofort<lb/>
Kontakt aufgenommen und wir haben uns dann in der VOEST-Baracke alle<lb/>
zusammengesetzt. Die VOESTler beschwerten sich einerseits, daß sie<lb/>
vom Finanzminister auch harrt besteuert werden wenn sie im Ausland<lb/>
arbeiten u.a. müsen sie auch die 35 DM die sie täglich als Auslosung<lb/>
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den 35 DM nichts anfangen. Wenn sie z. B. nach Moskau zur sight<lb/>
seeing fliegen wollen, müssen sie in Westwährung, d.h. österr. S<lb/>
bezahlen und können nicht über ihre DM-Ersparnisse eine solche<lb/>
Reise finanzieren. In Leipzig wiederkönnen sie kaum das Geld aus<lb break="no"/>geben, denn wenn sie in ein besseres Restaurant oder Hotel gehen,<lb/>
dann fragt man sie sofort besonders bei Hotel, ob sie Hotelgäste<lb/>
sind. Da dies nicht der Fall ist, werden sie auch kaum mit DM<lb/>
bedient. Außerdem wollen sie gerne Fußballspielen und sie<lb/>
bekommen keinen Platz von dem Kombinat, obwohl es Fußballplätze<lb/>
gibt. Ganz zu schweigen, daß sie natürlich ganz gerne gegen Ost<lb break="no"/>deutsche Mannschaften spielen würden und da ein solcher Kontakt<lb/>
leider fast unmöglich ist. Überhaupt leiden sie unter Kontakt<lb break="no"/>armut, obwohl sie eigentlich, da alle ja deutsch sprechen, einen<lb/>
solchen leicht finden müßten. Die DDR legt aber größten Wert darauf,<lb/>
daß es zu keinen engen Kontakten kommt. Die Montage der Anlage ist<lb/>
ein bißchen in Verzug und Ing. <rs type="person" ref="#per__146382">Hofer</rs> von der VOEST führt dies<lb/>
darauf zurück, daß die DDR verhältnismäßig wenig Anreiz für<lb/>
ihre Arbeiter bietet. Während die österr. Monteure oder Obermon<lb break="no"/>teure die das beaufsichtigen, gerne Überstunden machen, weil sie<lb/>
verdienen, waren wir bei herrlichstem Wetter dort und es wurde<lb/>
da Samstag war und nicht gearbeitet wurde, obwohl die<lb/>
österreichischen Leute sofort sagten, in Österreich würde man hier<lb/>
bis zur letzten Stunde dieses günstige Wetter ausnützen. Der<lb/>
GenDir. ist ein verhältnismäßig großer Mann. Abgesehen davon, daß<lb/>
natürlich alle Parteigenossen sind, dort trägt man noch die Partei<lb break="no"/>abzeichen, wird er auch wirtschaftlich eine starke Potenz sei .<lb/>
Auf alle Fälle spricht er nur von ich habe und ich werde und ich<lb/>
entscheide so.und vorallem habe ich dies gebaut und di es werde<lb/>
ichnso machen. Von einer kollektiven Führung bemerkt man hier<lb/>
scheinbar sehr wenig. Es ist für mich selbstverständlich, daß<lb/>
ich nachher bei dem Werksessen in der Kantine den GenDir. bitte,<lb/>
damit er die Wünsche der VOEST-Leute bezüglich der sight seeing<lb/>
in der Deutschen Demokratischen Republik, aber auch vorallem Fuß<lb break="no"/>ballspiele usw. ermöglichen soll. Er meinte, Ing. <rs type="person" ref="#per__146382">Huber</rs> soll ihm<lb/>
alles auf einen Zettel zusammenschreiben. Ich hoffe, daß er tatsächlich<lb/>
auch die mir gemachten Zusagen erfüllen wird. Die Beschwerden der<lb/>
österr. Arbeiter wegen der Kantine und wegen der Qualität des Essens<lb/>
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war selbstverständlich,in einem Nobelrestaurant in Leipzig ein ent<lb break="no"/>sprechendes Essen vorgesehen und ich kann feststellen,daß die Küche<lb/>
wirklich bekömmlich ist. Allerdings sagte eine Kollegin, daß in der<lb/>
VOEST die Küchen wesentlich sauberer sind. Dies gebe ich gerne zu,<lb/>
doch ist auf einer Baustelle wahrscheinlich wirklich nicht eine so,<lb/>
wie es Österreicher erwarten, schwer möglich und in der DDR sowie in<lb/>
allen Oststaaten schon überhaupt nicht. Die Hauptschwierigkeit für<lb/>
die DDR-Führung besteht eben , daß die Arbeiter keinen besonderen<lb/>
Anreiz verspüren mehr zu leisten. Mit dem Verdienst hat er nicht<lb/>
die Möglichkeit Waren zu kaufen, die er gerne hätte, wie z. B.<lb/>
Autos, vielleicht auch noch ein eigenes Haus oder zumindestens eine<lb/>
entsprechende Wohnung oder andere langlebige Konsumgüter, so daß er<lb/>
eben nur ein gewisses Minimum an Arbeit macht, allerdings wollen die<lb/>
österreichischen Arbeiter sowie halt alle Gastarbeiter in einem fremden<lb/>
Land womöglich viel Verdienen, Unterhaltungsmöglichkeiten gibt es kaum<lb/>
so daß sie am liebsten Tag und Nacht arbeiten würden. Daran hat der<lb/>
DDR-Arbeiter natürlich kein Interesse. Solche Auslandsaufenthalte<lb/>
österreichischer Arbeiter sind aber tatsächlich eine gute Schule, um<lb/>
Österreich dann wieder in ihren Augen als das Idealland hinzustellen.<lb/>
Am meisten hat mich gerührt, wie ein bgld. Arbeiter, ich glaube er<lb/>
war von der Elektro-Bau-Linz meinte, Herr Minister darf ich auch etwas<lb/>
sagen? und nachher nur spontan erklärte, trinken wir auf Österreich.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-27_18">Handelsrat <rs type="person" ref="#per__114374">Krüger</rs>, der mich ab Berlin überallhin begleitete, hat<lb/>
sich sehr bemüht, uns alles zu zeigen. Er hat sogar einige Male<lb/>
umdisponiert und uns insbesondere die Wartburg, die für die Deutschen<lb/>
nach wie vor ein großes nationales Denkmal ist, kunsthistorisch aber<lb/>
verhältnismäßig uninteressant ist, außer den Schwindtfresken zu zeigen.<lb/>
Überhaupt war es sehr interessant, die Auffassungen der DDR-offiziellen<lb/>
Führer und Klärer zu höhren. Da ich einen Teil dieses Landes zu<lb break="no"/>mindestens aus kürzesten Aufenthalten z.B. nach meiner Haftentlassung<lb/>
Buchenwald und bei meinen Durchreisen bei der Wehrmacht kannte und<lb/>
vorallem da wir ja der Sprache möchtig sind, kann ich zwar keine<lb/>
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flüchtige Urteile abgeben. Zusammenfassend möchte ich sagen, weenn<lb/>
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allem doch die Städte sauberer sind. Wenn man natürlich dann von<lb/>
der DDR in die BRD kommt, dann kann man erst den ganzen Unterschied<lb/>
ermessen. Die Ursache liegt sicherlich darin, daß die DDR durch<lb/>
Jahrzehnte hindurch Reparationen an Sowjetunion leisten mußte, anderer<lb/>
seits die Westdeutschen aber in weiterer Folge von den Siegern so<lb break="no"/>gar Marschallplan und sonstige Hilfe bekommen haben ein bißchen aber<lb/>
um gelinde ausgedrückt, muß es sich aber um die Systeme handeln, die<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 27.8.1973</head>
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               <occupation>GD, führte Gemischte Kommission Ö-DDR</occupation>
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               <persName type="label">Haffner, Konrad</persName>
               <persName><surname>Haffner</surname><forename>Konrad</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
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               <persName type="label">Mairhuber, Josef</persName>
               <persName><surname>Mairhuber</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation>Welser Papierfabrik (?), Zentraldir. ÖPA</occupation>
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               <persName type="label">Lachs, Thomas</persName>
               <persName><surname>Lachs</surname><forename>Thomas</forename></persName>
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               <persName type="label">Bauer, Friedrich</persName>
               <persName><surname>Bauer</surname><forename>Friedrich</forename></persName>
               <occupation>öst. Botsch. DDR, Leiter pol. Sekt. BMfAA</occupation>
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               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
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