<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="staribacher__19730813.xml" prev="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19730812.xml" next="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19730820.xml" xml:base="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title type="main">Montag, der 13. August 1973 bis Samstag, der 18. August 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
            <respStmt>
               <resp>Conversion to TEI</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
            <respStmt>
               <resp>Digitisation, OCR correction and named entities tagging</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
            <availability>
               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc>
               <msIdentifier>
                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band17_1973-08-13</idno>
               </msIdentifier>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc>
         <creation>
            <date from="1973-08-13" to="1973-08-18">Montag, 13. August 1973 bis Samstag, 18. August 1973</date>
         </creation>
      </profileDesc>
      <revisionDesc>
         <change type="creation" when="2016-09-14">exported as basic TEI from corrected tesseract output.</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">cleaned automatic tesseract-export by cleanExport.xsl script</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">removed empty back element by cleanExport-patch2.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-11" who="acdh:ds">find and note personalAgenda as a subtype cleanExport-patch.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-19" who="acdh:ds">whitespace in paragraphs, lb and pb fixes by cleanExport-patch3.xsl</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
   <text xml:base="http://192.168.0.9/staribacher/src/scans/Band17/">
      <body>
         <pb n="17-0907" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-08-13_1973-08-18_0907.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-13_01">Montag, 13. – Samstag, 18. August 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-13_02">Die Besuchsreise bei der KELAG, Steweag und ÖDK war äußerst interessant.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs>, der bereits mit der ÖDK vereinbart hat, daß er daran teilnehmen<lb/>
möchte, war ebenfalls wieder anwesend. Nach Malta ist sogar <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, der<lb/>
alle Jahre dieses Werk besucht, gekommen. Auch <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> und <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> sowie<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> waren eingeladen und sind erschienen. Das Malta-Werk war lange<lb/>
Zeit sehr umstritten, da der Aufbau der Tauernkette vorgezogen wurde.<lb/>
Die Verbundgesellschaft, die letzten Endes als Gesellschafter für die<lb/>
Sondergesellschaften fungiert, hatte diese Entscheidung getroffen und<lb/>
die ÖDK, GenDir <rs type="person" ref="#per__98069">Werner</rs>, war damals darüber sehr unglücklich. Jetzt stellt<lb/>
sich heraus, daß es vielleicht sein Glück war, daß man erst später be<lb break="no"/>gonnen hat, weil man wesentlich größer konzipierte, als man dies vor<lb/>
5 oder 6 Jahren noch getraut hätte. Der ÖVP-Direktor <rs type="person" ref="#per__97674">Kugler</rs>, der für<lb/>
die Bilanzen zuständig ist, wollte von mir unbedingt entsprechende Zu<lb break="no"/>sagen bezüglich der weiteren Finanzierung haben. Ich habe niemanden<lb/>
im Unklaren gelassen, daß mit der herkömmlichen Art wahrscheinlich auf<lb/>
die Dauer wird nicht zu rechnen sein. Die Konzeption der Verbund war,<lb/>
und ist derzeit, daß man aus den Preisen resp. aus den Erlösen für den<lb/>
Stromverkauf die weitere Finanzierung des Ausbaues durchführen sollte.<lb/>
In Wirklichkeit gibt es wahrscheinlich in kürzester Zeit hier eine un<lb break="no"/>überwindbare Barriere. Die Strompreise wurden in den vergangenen Jahr<lb break="no"/>zehnten nach 4 oder 5, die letzte sogar nach 6 Jahren, erhöht. Die Erlös<lb break="no"/>situation bei den Landesgesellschaften, aber auch in der Verbund<lb/>
ist nämlich bei einer normalen Wasserführung äußerst günstig. Kosten<lb break="no"/>mäßig wäre deshalb überhaupt keine Begründung vorhanden, den Strompreis<lb/>
zu erhöhen. Andererseits sind natürlich für den Ausbau unserer Wasser<lb break="no"/>kräfte Milliardenbeträge erforderlich, die auf dem Kapitalmarkt im<lb/>
Inland kaum noch zu beschaffen sind, wenn nicht gleichzeitig auch die<lb/>
Eigenkapitalsituation durch entsprechend gute Erlöse, unter Aufstockung<lb/>
des Eigenkapitals, erreicht wird. Der Finanzminister wird kaum dafür<lb/>
entsprechend große Beträge im Budget zur Kapitalaufstockung bereitstellen.<lb/>
Ich b predige deshalb seit längerer Zeit den Vertretern der Verbund aber<lb/>
auch den Sondergesellschaften, sie sollten sich endlich einmal irgend<lb/>
etwas einfallen lassen, wie man dem Konsumenten, d.h. den Stromabnehmer<lb/>
dafür gewinnen kann, daß er für die Zukunftssicherung keine Preiserhöhung<lb/>
<pb n="17-0908" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-08-13_1973-08-18_0908.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>aber doch etwas ähnliches in Kauf nimmt. Über den Anleiheweg wird<lb/>
nämlich so nach der Methode jeder bekommt einen Teil einer Staumauer,<lb/>
leicht optisch eine Möglichkeit sein dem Konsumenten oder den Anleihe<lb break="no"/>zeichnern, oder ich weiß nicht dwem sonst noch, für eine weitere Be<lb break="no"/>reitstellung vom Kapital zu gewinnen. zumindestens versucht<lb/>
werden müssen. Die Landesgesellschaften verdienen bei der jetzigen<lb/>
Konstruktion am besten. Sie bauen wie die Kelag doer schwarz wie die<lb/>
Steweag ihre eigenen Kraftwerke nach ihren Konzeptionen und günstigsten<lb/>
Bedingungen. Dies sieht so aus, daß die KELAG sich Speicherwerke an<lb break="no"/>legt, die in ihrer Konzeption größer ist als sie sie braucht und in<lb/>
ein paar Jahren allerdings damit ein gutes Geschäft macht oder wie<lb/>
die Steweag, die sich Ölkraftwerke errichtet und jetzt in Werndorf<lb/>
verdoppelt, obwohl sie auf einem Kohlengebiet oder zumindestens in<lb/>
der Nähe sitzt. Unabhängig über die gesamtwirtschaftliche Energie<lb break="no"/>konzeption machten die Landesgesellschaften ihre eigene zu ihren Vorteil<lb/>
gereichende Politik. Mit dieser Tatsache muß man sich allerdings ab<lb break="no"/>finden. Die Idee, die auch <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> gehabt hat, eine Konzentration und<lb/>
Zentralisierung würde aus den entschiedenen Widerstand aller Länder<lb/>
ob rot oder schwarz stoßen und ist deshalb von vornherein zum Scheitern<lb/>
verurteilt. Hier kann nur eine Koordinierung und eine Überredung ver<lb break="no"/>suchen, die ersten Fehler und Fehlinvestitionen zu verhüten. Am schwierig<lb break="no"/>sten wird die Abstimmung sein.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-13_03">Da ich gleichzeitig in das Kohlengebiet gefahren bin, wollte ich eine<lb/>
informellen Besuch in <choice><choice><sic>Döblin-Berger</sic><corr>Pölfing-Bergla</corr></choice></choice> und im Köflacher Revier durchführen.<lb/>
Dies ist total daneben gegangen. Wenn ein Minister kommt ist es scheinbar<lb/>
unumgänglich notwendig, daß zumindestens der Präsident der Gesellschaft<lb/>
SChef <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs> oder dann sein Vizepräsident die Werke <rs type="person" ref="#per__113833">Assmann</rs> der Direktor<lb/>
dvonider VOEST-Alpine Ternitz und ein Dutzend sonstiger höhere Funktionäre<lb/>
oder leitende Beamte oder Angestellte anwesend sind. Außerdem<lb/>
natürlich mindestens 1/2 bis 1 Dutzend Betriebsräte die ich allerdings<lb/>
immer sehr gerne dabei habe, weil ich mich dann mit ihnen extra unter<lb break="no"/>halten kann und die Probleme von ihrer Sicht freimütig besprechen kann.<lb/>
Auf alle Fälle war ich trotzdem froh, daß dies alles inoffiziell gewesen<lb/>
ist, denn <rs type="person" ref="#per__113833">Assmann</rs> hat mich als ÖVP-Mann sofort angeschossen, warum nicht<lb/>
auch die Landesregierung, der Landeshauptmann oder sonst irgend ein<lb/>
<pb n="17-0909" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-08-13_1973-08-18_0909.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Funktionär eingeladen wurde. Ich selbst konnte mit ruhigem Gewissen<lb/>
sagen, daß ich ich die Einladung nicht durczuführen hatte , denn<lb/>
ich bin selbst inoffiziell hier und wollte mir nur die Gruben ansehen.<lb/>
Er hatte natürlich bei dieser Gelegenheit <rs type="person" ref="#per__113833">Assmann</rs> sofort mit aller<lb/>
Deutlichkeit darauf aufmerksam gemacht, daß ich um den Absatz der<lb/>
Kohle weder das Land Steiermark noch selbst die Gemeinde Voitsberg<lb/>
oder Köflach baesonders bemüht haben, da sie sich alle entwederauf<lb/>
Öl oder anderes Brennmaterial umgestellt haben und niemals die heimische<lb/>
Kohle verwenden oder im größeren Ausmaß verwenden wollen. Als Alibibe<lb break="no"/>handlung verwendet die stmk. Landesregierung für einige Schulen und<lb/>
Krankenhäuser noch Kohlenfeuerung mit Köflacher Kohle. Das Fernheiz<lb break="no"/>werk in Graz, welches seinerzeit errichtet wurde, und die <choice><choice><sic>Döfflinger</sic><corr>Pölfinger</corr></choice></choice><lb/>
Kohle zu verheizen, verwendet ausschließlich Voitsberger Kohle, weil<lb/>
die besser ist und läßt die <choice><choice><sic>Döfflinger</sic><corr>Pölfinger</corr></choice></choice> Kohle fast um Graz herum nach<lb/>
Voitsberg ins E-Werk führen und dort verbrennen. Gleichzeitig schreibt<lb/>
sie jetzt für die Luftreinhaltung vor, daß Voitsberg wahrscheinlich<lb/>
bis 1976 die Kohle verheizen kann und wie auch dann die Verbund vorsieht,<lb/>
die Reserve gehen sollte. Voitsberg 1 ist nämlich der einzige Sessel<lb/>
der <choice><choice><sic>Döfflinger</sic><corr>Pölfinger</corr></choice></choice> Kohle verheizen kann. Die Betriebsräte von <choice><choice><sic>Döffling</sic><corr>Pölfing</corr></choice></choice> stehen<lb/>
nun auf dem Standpunkt, daß dies alles ein Konzept ist, um den Bergbau<lb/>
1975 endgültig zu schließen. <rs type="person" ref="#per__139513">Sernetz</rs> hat aber keinen Zweifel gelassen,<lb/>
daß die VOEST-Alpine schon heuer nicht mehr bereit ist, Millionen für<lb/>
die Defizitabdeckung aufzubringen. Heuer werden 24 Mio Defizit ent<lb break="no"/>stehen und das Grundkapital ist bereits zur Hälfte aufgebraucht, so daß<lb/>
laut Aktiengesetz bereits der Konkurs angemeldet werden müßte. Selbst<lb/>
in der großen Versammlung, wir waren 2 Dzt. Leute bei den Besprechungen,<lb/>
habe ich keinen Zweifel gelassen, daß die Verantwortung für die finanz.<lb/>
Gebarung beim Vorstand der VOEST-Alpine als Eigentümer der GKB liegt<lb/>
und ich mich nur bemühen we5de, die notwendigen Mittel im Rahmen der<lb/>
Bergbauförderung sow ei bisher zur Verfügung zustellen. Ich habe darauf<lb/>
hingewiesen, daß die OÖ und die Salzburger über die starke Unterstützung<lb/>
der GKB nicht sehr glücklich sind, sondern ganz im Gegenteil, selbst di<lb/>
Landeshauptleute diesimmer kritisieren. Interessanterweise wollte man<lb/>
mir in <choice><choice><sic>Döfflingberg</sic><corr>Pölfing-Bergla</corr></choice></choice> gar nicht den Bergbau zeigen, sondern erst auf mein<lb/>
Drängen, daß ich gegebenenfalls das Mittagessen streichen würde, sind<lb/>
sie in den Berg eingefahren. Die Abbauverhältnisse sind dort wirklich<lb/>
scheußlich. Man arbeitet zwar jetzt auch mit hydraulischen Stempeln, ist<lb/>
aber sehr schmal, 1 Meter bis max. 1,5 Meter. 5 m3 Wasser pro Sekunde<lb/>
<pb n="17-0910" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-08-13_1973-08-18_0910.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sond abzupumpen, so daß ich mir jetzt sehr gut erklären kann, wie 24<lb/>
Mio Defizit entstehen. Die Arbeit der Kumpels ist ungeheuer schwierig<lb/>
und ich kann nicht vestehen, wie man bei einem solchen Beruf mit<lb/>
ca. S 35,-- Stundenlohn verbleiben will. Bei einer entsprechenden Um<lb break="no"/>schulung müßte es möglich sein, für diese 300 Leute andere Beschäftigungen<lb/>
entweder im Raume von Graz zu finden, oder vielleicht gar die VOEST-<lb/>
Alpine zu veranlassen, irgendeine Produktion nach <choice><choice><sic>Döffling</sic><corr>Pölfing</corr></choice></choice> zu verlegen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-13_04">Im Köflacher Revier sieht dies schon besser aus. Den Bergbau Oberndorf<lb/>
den wir besucht haben, der eine Flötmäßigkeit von 3 m hat und wesenlich<lb/>
günstiger abgebaut werden kann, hat wirklich Zukunftsaussichten. Da di<lb/>
Bergleute Angst haben, daß doch früher oder später die Kraftwerkskohle<lb/>
nicht mehr verheizt wird, habe ich mich bemüht, die ÖDK und VOEST-Alpine<lb/>
dafür zu gewinnen, daß sie Untersuchungen über die Kohlenvorräte anstelen.<lb/>
Man rechnet, daß ca. 10 Mio S dafür erforderlich sind und sowohl GenDir<lb/>
Stv. <rs type="person" ref="#per__139513">Cernetz</rs> als auch Aufsichtsratspräsident <rs type="person" ref="#per__98069">Werner</rs> erklärten sich bereit<lb/>
jeweils die Hälfte zu übernehmen, damit für die Verbund eine konkrete<lb/>
Untersuchung vorgelegt werden kann. <rs type="person" ref="#per__98069">Werner</rs> möchte, daß ein 300 mw Block<lb/>
als Voitsberg 3 errichtet wird. Wenn die entsprechenden Kohlenvorräte<lb/>
vorhanden sind. Für Köflach ist also eine entsprechende Absatzmöglichkeit<lb/>
gegeben und die Kostenmäßige Situation ist dort äußerst günstig. Die<lb/>
schwlechten Bergwerke müßten allerdings früher oder später stillgelegt<lb/>
werden. Dies trifft insbesondere für <choice><choice><sic>Döffling</sic><corr>Pölfing</corr></choice></choice> zu, aber auch für einige<lb/>
Gruben im Köflacher Revier. Dort wird es allerdings keine Schwierigkeiten<lb/>
geben, weil man jetzt bereits jugoslawische Arbeiter benötigt. In Köflacher<lb/>
Revier ist überhaupt ein Arbeitskraftmangel.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-13_05">Bei einer Diskussion von der SPÖ veranstaltet konnte ich feststelen, daß<lb/>
die anderen Betriebe, insbesondere Glasfabrik, es war der Betriebsleiter<lb/>
anwesend, hart gegen die Unterstützung für die Junior-Werke die dort<lb/>
beits gut angekommen ist, kritisiert wird. Da die Junior-Werke seinerzeit<lb/>
die Arbeitskräfte von anderen Betriebe abgeworben haben und<lb/>
2 und 3,-- S mehr bezahlen als die Glasfabrik und andere insbesondere<lb/>
die Schuhfabrik bezahlen konnte, so wollte man jetzt, daß die Junior-<lb/>
Werke die Arbeitskräfte wieder abgeben. Ich habe aber dezidiert erklärt,<lb/>
daß die Bundesregierung kein Interesse daran aht einen Kapitalisten,<lb/>
sei es ausl. oder inl. Prominenz unterstützen sondern ausschließlich<lb/>
<pb n="17-0911" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-08-13_1973-08-18_0911.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>um die Sicherung der Arbeitsplätze geht. Um mir die Situation anzu<lb break="no"/>sehen. habe ich mit Ing. <rs type="person" ref="#per__141660">Weiss</rs> vereinbart, daß obwohl am Samstag die<lb/>
Leute ja nicht arbeiten, ich mir gerne den Betrieb ansehen möchte.<lb/>
Er war sehr überrascht, daße ich um 6 Uhr in seinen Betrieb beim<lb/>
Portier erschienen bin und gebeten habe, er soll Ing. <rs type="person" ref="#per__141660">Weiss</rs> verständigen,<lb/>
ich war dann umsomehr überrascht, als um 7.00 Uhr die Belegschaft<lb/>
anrückte, um mir den Betrieb in Produktion zu zeigen. Ich entschuldigte<lb/>
mich dann bei der Belegschaft, die mich fast feierlichst verabschiedet<lb/>
hat, daß ich an einem Samstag gekommen bin und gar nicht erwartet habe,<lb/>
daß sie arbeiten würden. <rs type="person" ref="#per__141660">Weiss</rs> dagegen erklärte,als er der Nachtschichte<lb/>
um 11.00 Uhr nach der Diskussion sagte, daß ich kommen würde, waren sie<lb/>
alle angeblich sofort bereit, am nächsten morgen noch mir den Betrieb<lb/>
in Produktion zu zeigen. Ich muß sagen, ich war auch von den modernene<lb/>
Maschinen und vor allem von der Organisation sehr beeindruckt. Ing. <rs type="person" ref="#per__141660">Weiss</rs><lb/>
glaubt, faß er die Schwierigkeiten mit Unterstützung des Sozialministerium<lb/>
überwinden wird und rechnet, daß wenn sich der Dollar nur auf 18,60<lb/>
erhöht, er dann schon wieder das Auslangen finden könnte. Als <rs type="person" ref="#per__141660">Weiss</rs> in<lb/>
Köflach den großen Betrieb nach den Brand neu errichtete, wollte er<lb/>
auch eine entsprechende größere Anzahl von Arbeitskräften, wo man ihm<lb/>
aber erklärte, die sein nicht vorhanden. Jetzt hat er in Gleisdorf<lb/>
ein Zweigwerk, insbesondere vür die Verchromung errichtet, denn er<lb/>
muß sehr viel Chrommaterial aus dem Ausland beziehen und nun stellt<lb/>
sich heraus, daß er doch die Arbeitskräfte doch auch in Köflacher<lb/>
Raum bekommen könnte. Er meint, bis zu 80 Leute seien bei ihm vorgemerkt.<lb/>
Ich glaube dies ist verständlich, da er doch noch immer höhere Löhne<lb/>
bezahlt als im Kohlenbergbau oder in anderen Industriebetreiben. In<lb/>
der Kohlensortierung, wo es furchtbar staubt und ein riesiger Lärm ist,<lb/>
zahlt man den Frauen S 20,-- pro Stunde. Ich kann mir vorstellen, daß<lb/>
man sehr wohl von dort in einen anderen Industriebetrieb oder wenn es<lb/>
irgendwie möglich ist überwechselt. In der Nähe von Köflach hat er<lb/>
nun auch eine Werkzeugmaschinenfabrik errichtet, wo er sich alles<lb/>
Werkzeuge und Vorrichtungen selbst baut undter anderem hat er jetzt<lb/>
eine Maschine entwickelt die gleichzeitig die Speichen einzentriert,<lb/>
die jetzt noch vom Frauenhand gemacht werden müssen. Ei en oder zwei<lb/>
solcher Betriebe in kritische Räume wie eben Köflach oder <choice><choice><sic>Döfflingberger</sic><corr>Pölfing-Bergla</corr></choice></choice><lb/>
oder Fohnsdorf und die Arbeitsplatzentwicklung resp. die Beschäftigung<lb/>
ist dort lgeich auf ein wesentlich andere Basis gestellt. Ich bin daher<lb/>
<pb n="17-0912" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-08-13_1973-08-18_0912.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>fest entschlossen, der Firma über die schwierige Phase, die max. 2<lb/>
oder 3 Monate meiner Meinung nach dauern wird. hinwegzuhelfen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-13_06">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs></p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-13_07">Botte mit der Arbeitsmarktverwaltung Sozialministerium Verbindung<lb/>
aufnehmen, um unmittelbare Unterstützung zu geben. U.a. wird jetzt<lb/>
dort eine Lehrwerkstätte als Umschulungszentrum getarnt errichtet,<lb/>
da das Berufsausbildungsgesetz eine größere Anzahl von Umschulung oder<lb/>
Lehrlingen nicht zuläßt.</p></div>
      <div type="back"/></body>
      
   <back><listPerson><person xml:id="per__113833">
               <persName type="label">Assmann, Emmerich</persName>
               <persName><surname>Assmann</surname><forename>Emmerich</forename></persName>
               <occupation>ÖVP-Politiker, Unternehmer</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__98069">
               <persName type="label">Werner, Erich</persName>
               <persName><surname>Werner</surname><forename>Erich</forename></persName>
               <occupation>ÖDK</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97468">
               <persName type="label">Gatscha, Otto</persName>
               <persName><surname>Gatscha</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__139513">
               <persName type="label">Sernetz, Heinz</persName>
               <persName><surname>Sernetz</surname><forename>Heinz</forename></persName>
               <occupation>Alpine, GD ab 1972, SPÖ-nahe</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97356">
               <persName type="label">Blecha, Karl</persName>
               <persName><surname>Blecha</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation/>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/129507873</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__107937">
               <persName type="label">Frank, Wilhelm</persName>
               <persName><surname>Frank</surname><forename>Wilhelm</forename></persName>
               <occupation>Chef Energiesektion</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97674">
               <persName type="label">Kugler, Gaston</persName>
               <persName><surname>Kugler</surname><forename>Gaston</forename></persName>
               <occupation>Dir. ÖDK, ÖVP</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__98053">
               <persName type="label">Wanke, Otto</persName>
               <persName><surname>Wanke</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>SChef HM</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/12195126X</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97755">
               <persName type="label">Moser, Josef</persName>
               <persName><surname>Moser</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation>Bautenminister</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97346">
               <persName type="label">Benya, Anton</persName>
               <persName><surname>Benya</surname><forename>Anton</forename></persName>
               <occupation>ÖGB-Präs., NR-Präs.</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/119083906</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97627">
               <persName type="label">Kienzl, Heinz</persName>
               <persName><surname>Kienzl</surname><forename>Heinz</forename></persName>
               <occupation/>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/119100339</idno>
               </person>
            </listPerson></back></text>
</TEI>