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            <title type="main">Freitag, der 10. August 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-10_01">Freitag, 10. August 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-10_02">Dr. <rs type="person" ref="#per__97860">Rauter</rs> vom Konsumverband, aber auch Dr. <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> vom ÖGB haben<lb/>
sich wegen der Verordnung über runde Preise erkundigt. Beides sind<lb/>
der Meinung, daß es ganz sinnlos ist, eine solche Verordnung zu er<lb break="no"/>lassen. Der Auffassung nach würde der Konsument aus der Tatsache, daß<lb/>
er die Kilopreise auf der Ware angeschriben hab, totzdem kaum wesentliche<lb/>
Preisvergleiche anstellen, dafür aber die Kosten für den Händler<lb/>
für diese Auszeichnung wesentlich verteuern. Ein Hinweis, daß dieser<lb/>
Verordnungsentwurf, welcher nicht zuletzt von der Konsumentenseite,<lb/>
insbesondere Arbeiterkammer, immer wieder von mir verlangt wurde, wurde<lb/>
von den beiden als trotzdem nicht zielfüjrend bezeichnet. Der Gewerk<lb break="no"/>schaftsbund <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs>, aber auch <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> dürften damit Sonderaktionen ver<lb break="no"/>hindert, oder erschwert werden. <rs type="person" ref="#per__97860">Rauter</rs> wollte nicht einmal zugestehen, daß<lb/>
ein Kompromiß, womanach an den Regalen der Kilopreis angeschrieben sein<lb/>
muß und nicht nur auf jede einzelne Dose oder Packung akzeptieren,<lb/>
doch hier hat <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> erklärt, diese Möglichkeit eventuell geschaffen<lb/>
werden sollte. Ich war über das Verhalten insbesondere des Gewerkschafts<lb break="no"/>bundes sehr erstaunt. Von Seiten der Konsumgenossenschaft habe ich keine<lb/>
Zustimmung erwartete, da sie letzten Endes natürlich als reine Interessens<lb break="no"/>vertretung für die Handelsgeschäfte ebenso wie für das Gremium für den<lb/>
Handel, welches bereits vor längerer Zeit bei mir vorgesprochen hat, den<lb/>
Entwurf ganz entschieden ablehnte, ständig dagegen opponiert, daß aber<lb/>
der Gewerkschaftsbund nicht nur kein Interesse sondern sich sogar gegen<lb/>
die Verordnung ausspricht, war mir neu. Faktisch kommt es mir nicht unge<lb break="no"/>legen, denn ich werde nach dem sicherlich auch die Handelskammer aus allen<lb/>
Rohren gegen diese Verordnung schießen wird, entsprechendes Kompromiß<lb/>
vorbereiten und damit alle befriedigen, inkl. des Gewerkschafts<lb break="no"/>bundes.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-10_03">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs> und <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs><lb/>
Bitte fraktionell, bevor wir in die Begutachtung gehen, eine Rückzugs<lb break="no"/>linie festlegen und mit dem Konsumverband, Gewerkschaftsbund, AK, usw.<lb/>
abstimmen.</p><pb n="17-0896" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-08-10_0896.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-10_04"><rs type="person" ref="#per__140457">Peterschelka</rs> von der KGW hat bei mir angefragt, wie weit ich ihn<lb/>
unterstützen könnte, daß der Konsummarkt Nord ebenfall s eine Parfumerie<lb/>
bekommt, die dies auch der Konsummarkt Vösendorf vor längerer Zeit<lb/>
erhalten. Die Depotfirmen, insbesondere Revlon hat nämlich die Kon<lb break="no"/>sumgenossenschaft wissen lassen, daß sie außer-stande ist, sie<lb/>
weiter in einem Konsummarkt zu beliefern. Die Drogerie und auch<lb/>
die Parfumeriefachgruppe wehrt sich dagegen und meint, es könnte<lb/>
nur ein fachlich autorisiertes Geschäft von deren Depotfirmen be<lb break="no"/>liefert werden. Seinerzeit hat der Gremialvorsteher Dr. <rs type="person" ref="#per__97403">Düringer</rs><lb/>
drei Gesichtspunkte verlangt. Eine eigene Abteilung ein über den<lb/>
tDurchschnittb Wünsche erfüllendes Sortiment und insbesondere Beratung<lb/>
und Service. Alle diese drei Forderungen werden von der Konsumgenossen<lb break="no"/>schaft erfüllt. Jetzt hat <rs type="person" ref="#per__97403">Düringer</rs> deshalb beschlossen mit seinen Gre<lb break="no"/>mialmitgliedern, daß in Hinkunft auch die Großmärkte und die Selbst<lb break="no"/>bedienungsläden nicht mehr von Depotfirmen beliefert werden dürfen.<lb/>
Sollten sie diese Belieferung fortsetzen, würden sie also mit den<lb/>
Parfümeristen und Drogisten große Schwierigkeiten haben. Ich habe<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140457">Peterschelka</rs> vorgeschlagener soll versuchen, mit Dr. <rs type="person" ref="#per__97403">Düringer</rs> auf<lb/>
güten Wege eine Einigung auch für den Konsummarkt Nord zu erreichen.<lb/>
Sollte dies nicht der Fall sein, oder an Un,öglichkeiten an Forderungen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97403">Düringer</rs> scheitern, dann würde ich bereit sein, mich als Vermittler<lb/>
einzuschalten. Es ist typisch, daß immer wieder die einzelnen Gremial<lb break="no"/>vorsteher versuchen, über vollkommen ungesetzliche Weise die einzelnen<lb/>
Mitkonkurrenten auszuschalten. <rs type="person" ref="#per__140457">Peterschelka</rs> war insbesondere verwundert,<lb/>
daß <rs type="person" ref="#per__97403">Düringer</rs> erklärt hat, er würde im Handelsministerium bei mir vor<lb break="no"/>sprechen, um eine endgültige Entscheidung zu erreichen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-10_05">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs><lb/>
Bitte kläre, ob wirklich im Handelsministerium solche Gespräche geführt<lb/>
wurden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-10_06">GenDir <rs type="person" ref="#per__116357">Smolka</rs>, der seinerzeit sehr tüchtig die Tyrolia-Schifabrik,<lb/>
deren Eigentümer er auch war, aufgebaut und diese jetzt dann an eine<lb/>
amerikanische Firma verkaufte, hat eine neue Idee. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, den er<lb/>
aus der 1. Republik kennt, hat mit ihm vereinbart, oder zumindestens<lb/>
besprochen, er soll die Vorarbeiten für ein Nationalinstitut Austria<lb/>
schaffen. <rs type="person" ref="#per__116357">Smolka</rs> schwebt vor, daß dieses Institut eine Anstalt öffentl.<lb/>
Rechtes sich aus Ministerien und Interessensvertretungen sich zusammen<lb break="no"/>setzen sollte. Aufgabe wäre es, das Image Österreichs im Ausland ein<lb/>
<pb n="17-0897" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-08-10_0897.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>heitlich aufzubauen und vorallem die österreichische Politik und<lb/>
Propaganda einheitlich zu vertreten. <rs type="person" ref="#per__116357">Smolka</rs> schwebt vor, daß schein<lb break="no"/>bar ähnlich wie wir dies auf dem FV-Werbesektor mit der ÖFVW<lb/>
machen, für Gesamtösterreich eine solche Institution im Ausland<lb/>
wirksam werden soll. <rs type="person" ref="#per__116357">Smolka</rs> hätte bereits mit <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> gesprochen und<lb/>
die Industriellenvereinigung wäre bereit, eine eigene Abgabe dafür ein<lb break="no"/>zuheben, wenn der Finanzminister die Steuerabzugsfähigkeit dieser Post<lb/>
garantiert. Ebenso wäre angeblich <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> bereit, daß die ÖIAG sich<lb/>
irgendwie an diesem Institut beteiligt. Mit <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> hat er noch nicht<lb/>
gesprochen und erwartete von der Handelskammer größeren Widerstand.<lb/>
Insbesondere natürlich was die Beitragsleistung betrifft. Mit dem ÖGB<lb/>
hätte er mit <rs type="person" ref="#per__113840">Stroehr</rs> und <rs type="person" ref="#per__112030">Prokop</rs> Besprechungen geführt und diese hätten<lb/>
sich wohlwollend einem solchen Institut gegenüber geäußert. Mit der AK<lb/>
wird er noch diesbezügliche Besprechungen aufnehmen. Insbesondere aber<lb/>
möchte 4er die budgetäre Sicherung neben der Beiträge der Interessens<lb break="no"/>vertretungen durch entsprechenden Promillesatz, im schwebt 1 Promille des<lb/>
Budgets vor, nach seiner Rechnung 120 Mio S die der Finanzminister be<lb break="no"/>zahlen müßte. Er selbst bringt gewisse Erfahrungen mit, daßer in der<lb/>
Kriegszeit in England die englisch-sowj. Freundschaft und Unterstützung<lb/>
die Propaganda zu machen hatte. Er meinte, daß damit der Aufbau des<lb/>
österreichischen Propagandaapparates und Imagebildung ein Kinderspiel<lb/>
sei. Das ganze Programm soll aber bereits zum Nationalfeiertag am<lb/>
26. Oktober stehen, denn er nimmt an, daß <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dies dann entsprechend<lb/>
verlautbaren wird und eben diese Nationalstiftung bei dieser Gelegenheit<lb/>
aus der Taufe heben möchte. Er selbst meint, er könnte deshalb mit<lb/>
ruigem Gewissen so eine Arbeit beginnen, weil die letzte Nationalstiftungs<lb break="no"/>idee nämlich Schloßhof zu einem Kongreßzentrum auszubauen, gescheitert<lb/>
ist. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hätte eine sehr gute Idee damit gehabt, aber leider niemanden<lb/>
der dies durchführt. Außerdem liegt Schloßhof an der tschechischen Grenze<lb/>
und sehr abgelegen, so daß sich jetzt niemand findet, der die 150 Mio S<lb/>
für die Renovierung aufbringt und dann einen Kongreßbetrieb dort führen<lb/>
möchte. <rs type="person" ref="#per__116357">Smolkas</rs> Unterstützung hofft er, daß <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nicht wieder aeinen<lb/>
solchen Schiffbruch mit dem Nationalinstitut Austria erreichen wird.<lb/>
Ich selbst habe prinzipiell erklärt, daß ich keine wied immer gearteten<lb/>
Mittel für ein solches Institut zur Verfügung stehen könnte. Weder aus<lb/>
meinem Budget noch aus der ÖFVW. Was aber die Unterstützung ohne eine<lb/>
entsprechende finanzlle einzuschließen betrifft, bin ich gerne bereit<lb/>
alles zu unternehmen und mitzuwirken, um das Nationalinstitut zu stande<lb/>
<pb n="17-0898" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-08-10_0898.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>zu bringen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-10_07"><rs type="person" ref="#per__116357">Smolka</rs> teilte mir dann auf meine Anfrage auch noch mit, daß die Ge<lb break="no"/>schäfte indder Schibindung, aber auch in der gesamten Produktion sehr<lb/>
schlechtgehen. Drei Winter die verhätlnis äßig schneearm waren und die<lb/>
Überproduktion insbesondere die Größenordnung von Fischerschi hat da<lb break="no"/>zu geführt, daß ein ungeheures Lager vorhanden ist. Die Kapazitäten<lb/>
sind heute viel zu groß und er selbst ist überzeugt, daß jetzt eine<lb/>
gewisse Stagnation eintreten wird und muß. Er hat, wie er sich aus<lb break="no"/>drückte, noch zeitgerecht verkauft, auch dann, wie <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> ihn damals<lb/>
hart kritisierte. <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> hätte ihm nämlich dann als den Vorschlag ge<lb break="no"/>macht, allerdings war er schon der Verkauf mit den Amerikanern perfekt,<lb/>
daß es zielführender gewesen wäre, dieses österreichische Unternehmen<lb/>
Tyrolia für Österreich zu erhalten. <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> selbst hätte die Idee gehabt,<lb/>
daß die ÖIAG sich als Käufer hätte mit Tyrolia eine <choice><choice><sic>Derziaindustrie</sic><corr>Tertiärindustrie</corr></choice></choice><lb/>
schaffen können. Die Behauptung von <rs type="person" ref="#per__116357">Smolka</rs> richtig ist, und ich habe<lb/>
keinen Grund, daran zu zweifeln, so war dies eine der größten Schnapsideen<lb/>
den ich je gehört habe. <rs type="person" ref="#per__116357">Smolka</rs> hat näcmlich, glaube ich wirklich zeit<lb break="no"/>gerecht an eine amerikanischen Konzern verkauft, der gleichzeitig eine<lb/>
Schuhfabrik, die Schischuhe produziert,und die Headschierzeugung zusammen<lb break="no"/>geführt hat. <rs type="person" ref="#per__116357">Smolka</rs> hat außerdem in der Entwicklung der Bindung vorange<lb break="no"/>nommen, daß man in Hinkunft überhaupt gleich den Schi mit dem Schuh irgend<lb break="no"/>wie anders verbindet als durch eine komplizierte Bindung. Deshalb hat er<lb/>
wahrscheinlich gerade zeitgere cht seine Fabrik einem amerikanischen Konze<lb/>
Konzern, man würde fast sagen, angedreht. Die ÖIAG hätte sich, wenn sie<lb/>
die Idee <rs type="person" ref="#per__98034">Veselskys</rs> aufgegriffen hätte, in die Nesseln gesetzt und sich<lb/>
eine neue Sparte beigelegt, wo sie überhaupt keine Voraussetzungen mit<lb break="no"/>gebracht hätte, irgendwie Marketingpolitik, Management- aber aich selbst<lb/>
eine Finanzierung durchführen zu kännen die zielführend einen Industrie<lb break="no"/>sektor aufgebaut hätte. Eine so empfindliche Industrie wie die Schiin<lb break="no"/>dustrie und deren Zubehör, die nicht nur vom Wetter, sondern auch von den<lb/>
Erfolgen der Nationalmannschaft und ich weiß nicht was noch alles ab<lb break="no"/>hängig ist, ist wirklich nur ein Gbiet, wo eine Privatinitiative und<lb/>
Risikokapital wirksam sein können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-10_08">Vizepräsident <rs type="person" ref="#per__146031">Berger</rs> von der Patentanwaltskammer kam mit dem Beobachter,<lb/>
den wir nach München zur Europapatentbesprechung schicken, DIng. <rs type="person" ref="#per__110989">Sonn</rs><lb/>
und einen dritten Patentanwalt, um mir auseinanderzusetzen, daß es<lb/>
unzweckmäßig wäre, bereits jetzt den europäischen Patent beizutreten<lb/>
<pb n="17-0899" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-08-10_0899.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Die Patentanwälte befürchten neben natürlich ihren eigenen Geschäft,<lb/>
daß auch das österreichische Patentamt im Rahmen des europäischen<lb/>
Patentamtes vollkommen ausgeschaltet wird und früher oder später zu<lb/>
Grunde geht. Ich setzte den drei Vertretern auseinander, daß ich selbst<lb/>
sehr viel bis jetzt getan habe um das Instrument Patentamt<lb/>
zu erhalten. Erstmalig wurden neue Dienstposten für das Patentamt ge<lb break="no"/>schaffen. Außerdem wurde versucht, durch die INPADOC internationale<lb/>
Organisationen nach Wien zu bringen. Niemand denkt also daran daw<lb/>
Österreichische Patentamt zu liquidieren. Allerdings sehe ich auf<lb/>
lange Zeit und ich habe dies ganz deutlich auch ausgeführt, daß Öster<lb break="no"/>reich kaum aeine Chance hat, sich der Entwicklung des europäischen<lb/>
Patentwesens zu entziehen. <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> selbst teilte diese Meinung und<lb/>
meinte nur es müßte versucht werden, eine Übergangslösung zu finden,<lb/>
die noch für alle erträglich ist. Die Patentanwälte hoffen, daß wenn<lb/>
in ungefähr 4 – 5 Jahren sich herausstellt, daß das europäische Patent<lb break="no"/>wesen nicht funktioniert, die ausländischen Firmen sehr wohl schon<lb/>
wegen der Billigkeit des Österreichischen Patentamtes auf das öster<lb break="no"/>reichische Patentwesen zurückgreifen werden. Bei uns kostet eine An<lb break="no"/>meldung ca. 250,-- und im europäischen Patentamt wird dies bis zum<lb/>
3fachen dieses Betrages steigen. Trotz dieser Billigkeit ist das Österr.<lb/>
Patentamt Kosten deckend und wirft noch einen Gewinn ab. Zumindestens<lb/>
behaupten dies die Patentanwälte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-10_09">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs> und <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs><lb/>
Es wäre sehr interessant einmalltatsächlich die Kosten und Einnahmen<lb/>
unseres Patentamtes genauer zu untersuchen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-10_10">Einen Punkt habe ich nachher mit <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> noch besprochen, der mir als<lb/>
eine mögliche taktisches Verhalten erscheint. Die europäische Patent<lb break="no"/>amtsorganisation wird ihren Sitz in München haben. Von den ca. 1/4 deutsch<lb break="no"/>sprachigen Patenten die angemeldet werden 60 % kommen in englischer<lb/>
Sprache, 15% in französischer, wird kaum für das Österreichische Patent<lb break="no"/>amt etwas abfallen. Die 25 % kann das Deutsche Patentamt a leicht bewältige<lb/>
Aus diesem Grunde wurde auch der österreichischen Delegation, die bis<lb/>
jetzt verhandelt, resp. inoffizielle Gespräche geführt hat, keine wie<lb/>
immer gearteten Zusagen gemacht. Im Gegenteil. Man wird Österreich sehr<lb/>
schlecht behandeln, weil man das Österreichische Patentamt jetzt nicht<lb/>
braucht. Wenn nun die Überlegungen der Patentanwälte richtig sind und<lb/>
die Unternehmer nach winiger Zeit darauf kommen werden, daß es ziel<lb break="no"/><pb n="17-0900" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-08-10_0900.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>füjrender ist, das Österreichische Patentamt zu benützen, so könnte<lb/>
sich dann unsere Verhandlungsposition wesentlich verbessern. Die<lb/>
Patentanwälte möchten deshalb, daß sich Österreich zwar nicht gegen<lb/>
die Entwicklung der Integration Europas stellen, doch aber zuwartet.<lb/>
Vielleicht wäre es taktisch wirklich klug und möglich, wenn wir in<lb/>
München in dem Kongreß so schlecht behandelt werden, dort unter gar<lb/>
keinen Umständen auf nur anzudeuten, daß wir beabsichtigen, den europ.<lb/>
Patent beizutreten, sondern eben alles offen lassen. Eins diesbezüglicher<lb/>
Ministerratsvortrag sieht dies übrigens insoferne vor , als die Delegation<lb/>
nicht ermächtigt wird, endgültig abzuschließen, oder gar dort den Bei<lb break="no"/>tritt zu erklären. Dies wird die österr. Bundesregierung nach reiflicher<lb/>
Überlegung erst nach entsprechenden Bericht on der Delegation durchführen</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-10_11">Für mich war es aber insoferne wieder eine Lehre ,als ich erkennen<lb/>
konnte, daß weder die Wirtschaft noch die Interessensvertretungen er<lb break="no"/>kannt haben, was es bedeutet, daß Österreich sich mit der europäische<lb/>
Gemeinschaft arrangiert hat. Viele glauben, daß die einzige Tätigkeit<lb/>
dieses Arrangements und das Ergebnis darin besteht, daß die Zölle gesenkt<lb/>
werden und sonst alles beim alten bli3bt. Sie haben noch nicht erkannt,<lb/>
daß mit dem näherrücken Österreichs, Schweiz und Schwedens an die Europ.<lb/>
Gemeinschaft, d.h. an den Kern Europas damit automat. ob wir die Harmo<lb break="no"/>nisierung vorher durchführen oder nachher, ob wir dies freiwillig tun<lb/>
oder später folgesicher durch einen gewissen Druck nicbt mehr aufzuhalten<lb/>
ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-10_12">Im Direktorium der ÖFVW hat Hofrat <rs type="person" ref="#per__115027">Hlous</rs> von NÖ. bevor wir in die<lb/>
Tagesordnung eingehen konnten gefragt, warum auf der Tagesordnung<lb/>
nicht die Geschäftsführerbestellung steht. Ich erklärte und dies<lb/>
mit Recht, daß ich nich keine Gelegenheit gehabt hatte, infolge der<lb/>
Urlaubszeit, mit <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> über dieses Problem zu sprechen. Nach der<lb/>
Sitzung habe ich noch mit <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs> über die jugoslawischen Ver<lb break="no"/>handlungen gesprochen und bei dieser Gelegenheit hat er unter Anwesenheit<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> mir mitgeteilt, daß er glaubt, daß jetzt auch bei den Ländern<lb/>
ein Umschwung bezüglich de Bestellung von <rs type="person" ref="#per__97459">Fröhlich</rs> als Geschäftsführer<lb/>
eingetreten ist. Er meint, daß <rs type="person" ref="#per__134323">Manzano</rs> der letzte<lb/>
Vertreter ist, der ganz energisch anstelle eines Werbebonzen, diesen<lb/>
Ausdruck hat er nämlich in der letzten Generalversammlung gebraucht,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97459">Fröhlich</rs> treten sollte, sehr wohl diese Politik bald auch bei den Länder<lb break="no"/>vertretern nicht mehr die Unterstützung finden wird.</p><pb n="17-0901" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-08-10_0901.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-10_13">Auch sei der Kurdirektor und Fremdenverkehrsdirektorenverband ganz<lb/>
entschieden für <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> und auch andere Institutionen setzen sich jetzt<lb/>
stärker für <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> ein. Ich erklärte <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs>, daß mir nicht immer<lb/>
erzählen sollte wer sich für <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> einsetzt, sondern daß es viel<lb/>
wichtiger wäre, daß ich dieses Institutionen auch in der Öffentlichkeit<lb/>
jetzt eindeutig deklarieren und ihre Meinung Kund tun. Dieses mir in<lb/>
die Ohren flüstern, ich soll nur für <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> entscheiden, ist zwar sehr<lb/>
schön, aber bringt nichts. Dem Drängen von Hofrat <rs type="person" ref="#per__115027">Hlous</rs> entnehme ich,<lb/>
daß die Verfechter von <rs type="person" ref="#per__97459">Fröhlich</rs> spüren, daß die Zeit gegen ihn arbeitet<lb/>
und deshalb eine schnelle ÖEntscheidung wollen. Angeblich ist auch<lb/>
Präsident <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> nicht mehr für die Bestellung <rs type="person" ref="#per__97459">Fröhlichs</rs>. Die Handels<lb break="no"/>kammerfront soll nur mehr von <rs type="person" ref="#per__114586">Zedek</rs> angeführt werden. Die Funktionäre<lb/>
distanzieren sich angeblich immer mehr von dem Vorschlag, <rs type="person" ref="#per__97459">Fröhlich</rs> als<lb/>
Geschäftsführer zu bestellen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-10_14">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs><lb/>
Wenn man diesen Mitteilungen und Gerüchten glauben kann, müßte sich jetzt<lb/>
mein Kompromiß umso leichter durchsetzen lassen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-10_15">Auf der Tagesordnung stand wieder die Gehaltsfrage der Zweigstellen<lb break="no"/>leiter. <rs type="person" ref="#per__114587">Kübler</rs> versucht natürlich sein Konzept durchzusetzen. Ursprünglich<lb/>
war beabsichtigt, daß man den Zweigstellenleitern ein verhältnismäßig auch<lb/>
wie im auswärtigen Dienst übliches Schema gibt. Allerdings war die Vor<lb break="no"/>aussetzung, daß wir die Abfertigung von dem tatsächlichen Gehalt bezahlen<lb/>
müssen. Nun hat sich herausgestellt, daß dies nicht möglich ist, da die<lb/>
gesetzlichen Bestimmungen der Angestelltenrechtes dagegen sprechen. In<lb/>
diesem Fall ist die Voraussetzung eine wesentlich andere. Wenn wir für<lb/>
die neue Gehaltsregelung fast 2 Mio S bei derzeitig 6 – 6,5 Mio ausgeben<lb/>
bedeutet dies eine 33 % ige Erhöhung der Bezüge. Dazu dann noch die<lb/>
höhere Abfertigung zu bezahlen, ist mehr als wir uns eigentlich vorge<lb break="no"/>nommen haben. Wenn man bedentk, daß früher oder später von Seiten der<lb/>
Länder und auch der Handelskammer, wenn sie dem zustimmt, von der öffentl.<lb/>
Meinung ganz zu schweigen wir hart attackiert werden, weil wir die Erhöhung<lb/>
der Einnahmen der ÖFVW sehr zur Aufbesserung der Gehälter und sonstigen<lb/>
Verwaltungsausgaben benützt haben, so sehe ich scho n die Zeit, wo ich<lb/>
allein dafür die Verantwortung zu tragen haben. Niemand wird mir dann<lb/>
zustimmen, daß ich unter einem gewissen Druck gehandelt habe. Richtig ist,<lb/>
daß die Gehälter der inl. Angestellten, aber auch der ausl. und insbe<lb break="no"/><pb n="17-0902" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-08-10_0902.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sondere deren Altersversorgung von meinen Amtsvorgängern vollkommen un<lb break="no"/>sozial gelöst wurden. Meine soziale Einstellung wird nicht dazu füshren,<lb/>
daß man dies anerkennt, sondern man wird nur dann sagen, ihr habt<lb/>
jemand den Benefizien dennAngestellten gegeben, die unverantwortlich<lb/>
war. Immerhin haben wir in den drei Jahren die Gehälter auf ein normales<lb/>
Niveau gehoben, haben ein Schema eingeführt, das objektiver die Ein<lb break="no"/>stufung der einzelnen Kolleginnen und Kollegen ermöglicht und nicht<lb/>
wie in der Vergangenheit nach reinen Willkürmaßen , wir haben durch<lb/>
eine Zusatzpension und für das Alter vorgesorgt und wir bauen jetzt die Zweig<lb break="no"/>stellen jetzt entsprechend um und aus. Auch in der Zentrale haben wir<lb/>
durch Anschaffung von technischen Geräten, insbesondere des Kleincomputers<lb/>
die Voraussetzungen geschaffen, daß die Institution nicht hinterwälderisch<lb/>
organisiert und mechanisiert ist. Dies alles kostete aber viel Geld<lb/>
und die Einnahmenerhöhungen, die sich in meiner Periode fastverdoppelt<lb/>
haben, können nicht ausschließlich dafür verwendet werden. Ich habe dem<lb/>
Direktorium und insbesondere <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs> auseinandergesetzt, daß 120 Mio<lb/>
S ein beträchtlicher Betrag ist und er nicht damit rechnen kann, daß<lb/>
ich Jahr für Jahr eibe Erhöhung erfolgen wird. Ich habe von ihm auch<lb/>
eine entsprechende Korrektur seines Vorschlages verlangt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-08-10_16">Anmerkung für <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs><lb/>
Bitte versuche zu klären, wie weit wir nicht doch das Schema nicht<lb/>
abändern können und müssen.</p></div>
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            <head>Tagesprogramm, 10.8.1973</head>
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               <occupation>Salzburger Landesverkehrsdir. [1971 als Gf. und Sprecher
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