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            <title type="main">Freitag, der 13. Juli 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-07-13_01">Freitag, 13. Juli 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-07-13_02">Direktor <rs type="person" ref="#per__97716">Manhart</rs> vom Kuratorium für Verkehrssicherheit, teilte mir mit,<lb/>
dass 1974 zum Jahr des Sicherheitsgurtes erklärt wird. Die Versicherungen<lb/>
werden allen Fahrschulen dem Vorschlag von mir entsprechend die Sicherheits<lb break="no"/>gurten bezahlen, wenn sie sich verpflichten, die Fahrlehrer und Fahrschüler<lb/>
zum Anlegen dieser zu verhalten. Die Aktion wird etliche Millionen kosten<lb/>
derzeit hat das Kuratorium festgestellt, werden maximal schon im Lehr<lb break="no"/>auto befindliche Sicherheitsgurte nur 30 % genützt. Die Vorsprache erfolgt<lb/>
aber hauptsächlich, um neuerdings zu intervenieren, dass ich mit <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs><lb/>
über die Berufung <rs type="person" ref="#per__114125">Knoflachers</rs> an die Technik Wien spreche. <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> hat das<lb/>
seinerzeit zugesichert, ein Telefongespräch bestätigt, dass sie auch bereit<lb/>
ist, <rs type="person" ref="#per__114125">Knoflacher</rs> zu berufne, allerdings gleichzeitig auch mit <rs type="person" ref="#per__114130">Dorfwirth</rs><lb/>
wofür eben jetzt zwei Lehrkanzeln geschaffen werden. An diesem konkreten<lb/>
Beispiel habe ich gesehen, wie die Vermehrung der österreichischen <choice><choice><sic>Lehrkanzle</sic><corr>Lehrkanzeln?</corr></choice></choice><lb/>
erfolgt. Ich bin überzeugt, dass es nicht der einzelne Fall ist, sondern<lb/>
dass in vielen Fälen, weil man sich über eine Berufung nicht einigen kann,<lb/>
beide beruft und dann eben zwei Lehrkanzeln ganz einfach schafft. Wo diese<lb/>
Explosion hinführen wird, kann ich mir beim besten Willen nicth vorstellen.<lb/>
Auf alle Fälle kostet es finanziell jetzt schon einen so grossenAufwand,<lb/>
dass ich mich wirklich frage, ob sich Österreich dies leisten kann.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-07-13_03">Die Mühlenvertreter, <rs type="person" ref="#per__97925">Schoeller</rs>, <rs type="person" ref="#per__114666">Köllerer</rs>, Sekr. <rs type="person" ref="#per__145751">Rabunk</rs> und andere HErren,<lb/>
waren bei <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, um sich, wie sie sich ausdrückten, wegen meines Quer<lb break="no"/>legen gegen den Mehlpreis zu beschweren. Ich setzte erfolgreich der Han<lb break="no"/>delskammer auseinander, dass eine zweimalige Mehlpreiserhöhung innerhalb<lb/>
eines Jahres vollkommen unmöglich ist. Im Vorjahr wurde der Weizenpreis mit<lb/>
Juli festgesetzt und am 15. Oktober eine Mehlpreiserhöhung vorgenommen.<lb/>
Heuer soll bei Weizenpreisfestsetzung im Juli sofort der Mehlpreis im<lb/>
August erhöht werden und in weiterer Folge, wenn die Lohnbewegungen im<lb/>
Herbst kommen, dann eine eneurliche Mehlpreiserhöhung erfolgen. Die<lb/>
AK sagt mit recht, ejtzt würden nur dei reinen Weizenanteilerhöhungen folgen<lb/>
und im Herbst dann natürlichalle sonstigen Verteuerungen und es hiesse dann<lb/>
es seien die Lohnerhöhungen seien an den Preissteigerungen bei Mehl aus<lb break="no"/>schliesslich schuld. Die Müller schlugen deshalb vor, es sollte der GAF<lb/>
auf der Ausgleichskasse für die Monaten August bis Oktober die Weizenpreis<lb break="no"/>erhöhung übernehmen. 12 Mill. könnten deshalb leicht aufgebracht werdne,<lb/>
weil eine Roggenvermahlungsminderung jetzt in dn letzten Jahren festzustlelen<lb/>
ist, dadurch erspart man sich mindestens 1,6 Mill. S Stützungn und eine<lb/>
Weizenvermahlungserhöhung festzustellen ist, wo ca. 4,4 Mill. S mehr Eingänge<lb/>
aus der Weizenabgabe zu verzeichnen sind. Insgesamt stünden 6 Mill. daher zur<lb/>
VErfügung.</p><pb n="17-0846" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-07-13_0846.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-07-13_04">Da die Mindestreserve des Getreidefonds nur 40 Mill. betragen soll,<lb/>
angeblich die Ausgleichskasse um 20 Mill. mehr eingenommen hat resp.<lb/>
einnimmt, müssten die 12 Mill. Aufwand ohne weiters durch den GAF gedeckt<lb/>
werden können. So zumindestens die Auffassung der Müller. Ich hatte <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs><lb/>
auf diese Möglichekit wunschgemäss aufmerksam gemacht und er hat entschie<lb break="no"/>den, dass der GAFs unverzügich die Besprechungen und Verhandlungen aufnehmen<lb/>
soll. Auch die AK war mit dieser Vorgangsweise sehr einverstanden. Die Mühlen<lb break="no"/>vertreter wollten mir einreden, dass sie von 84.- S Mühlenspanne ca.<lb/>
48.- S Lohn- und Gehaltskosten hätten. <rs type="person" ref="#per__97925">Schoeller</rs>, dem ich nachher erklräte,<lb/>
da müsste seine Mühle und die grossen unbedingt sofort alle ihre Mühlen<lb/>
zusperren, hat mir versichert, dass natürlich nicth annähernd eine solche<lb/>
Lohntangente wirklich vorhaden ist. Am meisten habe ich, glaibe ich,<lb/>
den Müllern Angst eingejagt, dass ich erklärte, dass dies das letzte Mal<lb/>
ist, wo ein Weizenpreis erhöht wird, und amtlich festgesetzt wird. In Hin<lb break="no"/>kunft müsste der Marktpreis und die freie Preisbildung entscheiden, wobei<lb/>
sie deutlich WErt darauflegten, ob in Hinkunft auch ein Mühlenausgleichs<lb break="no"/>verfahren möglich wäre. Dazu habe ich mich nicht geäussert Dies ganze muss<lb/>
man erst durchdenken.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-07-13_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: UND <rs type="person" ref="#per__97646">KOPPE</rs>: Bitte die konkrete Preissituation auf dem<lb/>
Weizen- und Mehlsektor unverzüglich im Herbst nicht nur in<lb/>
die Diskussion bringen sondern auch von verschiedensten<lb/>
Stellen und Personen durchdenken lassen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-07-13_06">Die Jungbunzlauer kam mit dm ganze Vorstand, <rs type="person" ref="#per__146498">Janda</rs>, <rs type="person" ref="#per__149050">Wazlewitschek</rs>, <rs type="person" ref="#per__146933">Krause</rs> und<lb/>
sogar mit RA <rs type="person" ref="#per__125819">Schröffel</rs>, um mit mit ein neues Projekt zu besprechen.<lb/>
Die Rohstoffbasis, nämlich Zucker oder Stärke, ist für die Zitronensäure<lb break="no"/>erzeugung zu teuer. Zucker hat 1965 als sie begannen, 1.65 S am Weltmarkt<lb/>
gekostet und hat sich jetzt auf 5,50 S erhöht. Sicherlich wird der Zucker<lb break="no"/>preis wieder zrückgehen, aber derzite verlangt selbst die österr. Zucker<lb break="no"/>industrie 4.40 und liefert nicht aus. Andererseits ist der Inlandspreis<lb/>
für Zitronensäure mit 16.- S heute höher als der Weltmarktpreis von<lb/>
14.- S, der auch ständig gefallen ist. Da die Produktion meistens exportiert<lb/>
wird, aht die Firma einen Exportvergütungsverlust von 10 – 12 Mill. S Sie ist<lb/>
in den roten Zahlen. Ei deutscher, grosser Stärkeerzeuger, nämlich Altenburger<lb/>
Maschinenfabrik möchte nun in Pernhofen eine Weizen-Proteinerzeugung aufnehme<lb/>
dafür wird er 3 Mill. DM investieren. Aus dem Abfallprodukt Stärkemilch soll<lb/>
dann für 3 Mill. DM von der Jungbunzlauer Dextrose erzeugt werden und damit ihr<lb/>
Rohstoff gesichert. Zu diesem Zweckm bruachen sie 25.000 t Weizen zu<lb/>
dem Weltmarktpreis entweder durch Einfuhr oder durch eine Manipulation<lb/>
des österr. Füllweizens, den wir sonst denaturieren und als Futtermittel<lb/>
weieter abgeben. Ich habe <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> unverzäglich von dem Projekt verstä ndigt,<lb/>
<pb n="17-0847" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-07-13_0847.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>er ist sehr positiv, glaubt allerdings nicht an die technische<lb/>
Realisiert, weil er meint, Weizen beinhaltet nur Stärke und nicht<lb/>
Proteine und empfahl mit <rs type="person" ref="#per__114941">Stühlinger</rs> die konkreten Besprechungen weiter<lb/>
zu führen. Der Firma versicherte ich, dass wir grösstes INteresse daran<lb/>
haben, gerade als Grenzlandbetrieb hier die Investitionen durchzuführen<lb/>
und von uns gegebenenfalls gefördert zu bekommen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-07-13_07">Die Fahrradproduzenten waren,meiner Empfehlung nach mit den Sozialpartnern<lb/>
die Probleme zu besprechen, bei <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> hat sie nicht nur empfangen,<lb/>
sondern sofort sich bereiterklärt, entsprechnede Hilfsmassnahmen zu be<lb break="no"/>sprechen und die Minister zu ersuchen, Lösung zu suchen. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> hat des<lb break="no"/>halb <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und mich sowie <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> zu sich gebeten, um einen Lösungs<lb break="no"/>vorschlag zu erarbeiten. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hatte keine Zeit und hat <rs type="person" ref="#per__110922">Vranitzky</rs><lb/>
geschickt, <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs> ist überhaupt nicht erschienen sondern in weiterer<lb/>
Folge ist dann <rs type="person" ref="#per__139845">Rath</rs> von der Metallarbeitergewerkschaft dazugestossen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> hat nach einer grundsätzlichen Erklärung, dass er bereit ist, zu<lb/>
helfen, Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__114573">Lenert</rs> mit seinen Herren gebeten und ich habe mir auch<lb/>
INteresse eine solche Unterhaltung zwischen Firmenvertretern, es war<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97925">Schoeller</rs>, Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97854">Rabus</rs> von Steyr, und Ing. <rs type="person">Weiss</rs> vom Juniorwerk ge<lb break="no"/>kommen, angehört. Die Möglichkeiten sind enorm und ich stellt eiwder<lb/>
fest, dass die Unternehmer keine Ahnung haben, welche Möglichkeiten<lb/>
sie haben. Bei Kurzarbeit kann innerhalb von 14 Tagen 16 Stunden nur ge<lb break="no"/>arbeitet werden und dann wird die Kurzarbeit-Unterstützung bezahlt.<lb/>
Für die gelsitete Arbeitszeit muss der volle Lohn gezahlt werden vom Unter<lb break="no"/>nehmen, für die Kurzarbeit aber kann die Arbeitslosengeld, das sind im<lb/>
Durchschnit 2.200 S 1973 von der Firma ausbezahlt werden und die Arbeits<lb break="no"/>losengeld-Aufwendungen werden von der Arbeitsmarktförderung vergütet.<lb/>
Voraussetzung dafür it, dass zwischen den Sozialpartnern ein Vertrag abge<lb break="no"/>schlossen wird, um eben auch die Firma zu veranlassen, dann ausser diesem<lb/>
Arbeitslosengeld einen Teil zusätzlich zu bezahlen. Für die Arbeitsplatz<lb break="no"/>sicherung gibt es zinsenlosen Kredit, der sogar bis 20 Jahre gehen<lb/>
kann und bis 20 % der Summe der Massnahmen, die die Aktion kostet, um<lb/>
eben den Arbeitsplatz zu sichern, als Höchstgrenze festlegt. Zu ERP-<lb/>
Bedingungen kann diese Höchstgrenze sogar 30 % erhöht werden. Dann aller<lb break="no"/>dings ist ein 5 %-iger Zinsendienst zu bezahlen. Ausserdem werden alle<lb/>
Personen über 50 Jahren und weibliche Beschäftigte mit Kindern als be<lb break="no"/>hindert gerechnet, wodurch sich eine weitere Zinsenzuschussmöglichkeit<lb/>
ergibt. Was bei dieser Aussprache so positiv glaube ich von Unternehmer<lb break="no"/>seite glaube ich verzeichnet wurde, ist, erstens dass ich mich so rege ang<lb/>
nommen habe, Zweitens dass man sofort unverzüglich Besprechungen mit<lb/>
anderen Ministern zustandegebracht aht und positive Lösungsvorschläge<lb/>
<pb n="17-0848" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-07-13_0848.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ihnen unterbreitete und letzten Endes, dass <rs type="person" ref="#per__114573">Lenert</rs> mich fragte,<lb/>
wie weit wir INteresse daran haben, d.h. der Vizekanzler und ich, das<lb/>
so schnell und so weitgehend wie möglich eine Unterstützung gewährt wird.<lb/>
Was ich natürlich sofort entsprechend bejahte. Ich hoffe, dass die Bürokratie<lb/>
im Sozialministerium aber auch bei uns im Handelsministerium hier gut und<lb/>
schenll funktioniert. INteressanterweise nämlich lässt uns das Sozialmini<lb break="no"/>sterium in jedem einzelen Fall prüfn, wie die Voraussetzungen und welche<lb/>
Voraussetzungen gegeben sind, damit eben sie aus der produktiven Arbeits<lb break="no"/>marktförderung entsprechende Unterstützung gewähren kann und gewährt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-07-13_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: UND <rs type="person" ref="#per__97469">GEHART</rs>: Hier müsse eine wirklich breitere Auf<lb break="no"/>klärung der Unternehmungen erfolgen, um zu zeigen,<lb/>
wo man helfen kann, dann.muss man allerdings auch<lb/>
tatsächlich schnell helfen, wenn eine solche Unter<lb break="no"/>stützungen angefordert wird. Angeblich prüft aber nur<lb/>
<rs type="person" ref="#per__117026">Schuster</rs> allein diese Fälle. wenn daher mehrere kom<lb break="no"/>men, kann ich mir nicht vorstelen, dass dies expediti<lb/>
schnell erledigt wird. Bitte neue organisatorische<lb/>
Vorschläge unterbreiten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-07-13_09">Endlich hatte ich enmal Gelegenheit, mit <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> über seine derzeitige Ar<lb break="no"/>beit und unser gemeinsames weitere Vorgehen zu sprchen. Schön langsam habe<lb/>
ich das Gefühl läuft sich die neue Situation Gott sei Dank auch bei uns<lb/>
jetzt ein. Die Hauptaufgabe, die ich mit <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> besprach, wird in der<lb/>
nächsten Zeit sein, für die neue Preiskompetenz und die neuen Pläne die<lb/>
wir auf diesem Sektor haben, alle Voraussetzungen zu shcaffen. Diese müssen<lb/>
erstens propagandistisch und publizistisch entsprehcend vorbereitet werden.<lb/>
Zweitens muss aber im Laufe des Herbstes und des Winters nicht nur ein sehr<lb/>
konkretes Verhandlungspaket von uns, sei es in der Arbeitsgruppe Preise<lb/>
der Ökonomischen Versammlung erarbetiet werden, sondern was noch viel wichti<lb/>
ist, wir müssen durch ständigen Kontakt auf allen Ebenen mit der Handels<lb break="no"/>kammer herausbringen, wie weit sie bereit sind mit uns vorzugehen. Ich kann<lb/>
und darf mir nicht die Blamage erlauben, dass grosszügig angekündigt wird,<lb/>
was wir alles tun werden, und sich dann herausstellt, dass die Handels<lb break="no"/>kammer dem nicht zustimmt. IN so einem Fall nützt die Ausrede, dass die<lb/>
ÖVP eben dann die Gesetzwerdung im Parlament verhindert vielleicht nur in<lb/>
der Öffentlichkeit ein bisschen in Wirklichkeit aber schadet sie mehr<lb/>
nicht nur dem Image sondern auch der weiteren Entwicklugn auf diesem äussest<lb/>
wichtigen Sektor. Ich glaube, nach wie vor daran, dass es möglich sein muss,<lb/>
ein Minimum an Übereinstimmung mit der Handelskammer zu erzieieln udn als<lb/>
ersten Schritt, den man allerdings dann gross herausstellen muss,einen<lb/>
solchen Akkord dann auch im Parlament in Form eines Gesetzes beschliessen<lb/>
zu lassen, der uns weiterbringt als der jetzige Status. Ich habe interssante<lb/>
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Aussenminister die <rs type="person" ref="#per__112588">Brösigke</rs> von der FPÖ über dieses Problem auch gesprochen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112588">Brösigke</rs> meinte, dass er mein Interview im Fernsehen gehört hat, wo ich<lb/>
mit Recht sagte, dass sich niemand um die Preiskompetenz reisst. Er hat<lb/>
mir bestätigt, dass ich wirklich ausser jedem Streit bis jetzt gestanden<lb/>
bin und dass ich insbesondere, hier hat er auf die Gewerbeordnung ange<lb break="no"/>spielt, sehr kooperierend mit allen zusammengearbeitet habe. Mein Be<lb break="no"/>streben, womöglich im Handelsausschuss die ganze Legislaturperiode so<lb/>
wie bis jetzt immer zu versuchen, einstimmige Beschlüsse zu fassen, hatte<lb/>
er natürlich auch sehr gut geheissen. Ich glaube, dass ich auch die Gewerbe<lb break="no"/>ordnung nicht so leicht über die Bühne gebracht hätte, wenn ich zuerst<lb/>
– wie dies ja meistens der Fall sit – eine grosse programmatische Erklärng<lb/>
abgegeben hätte, anschlie-send daran womöglich mich in Parteigremien hätte<lb/>
auf eine gewisse Linie binden lassen oder mich gar mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> in Detail<lb break="no"/>informationen und Besprechungen eingelassen hätte, die letzten Endes dann<lb/>
dazu hätten führen müsen, dass ich mit aller Gewalt diesen Standpunkt der<lb/>
SPÖ hätte diurchsetzen müssen. Die wäre dann wahrscheinlich nur mit<lb/>
einem Mehrheitsbeschluss mglich gewesen, hätte uns kaum weiter gebracht und<lb/>
nicht nur das Klima wäre vergiftet gewesen sondern auch wahrscheinlch<lb/>
der Sache wenig gedient. So habe ich unverzüglich die davon Betroffenen<lb/>
auch natürlich den Freien Wirtschaftsverband entsprehcend eingeschaltet,<lb/>
mich seiner Unterstützung versichert, Und so freie Verhandlungsführung<lb/>
gehabt. Darüber hinaus ist mit <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> der beste Mann auf Beamtenebene<lb/>
zur VErfügung gestanden, sodass es ein verhältnismässig Leichtes war, eine<lb/>
positive Arbeit zu leisten, der letzten Endes alle zugestimmt haben.<lb/>
Auch die FPÖ- Hier hat der Vorsitzende des Unterausschusses <rs type="person" ref="#per__112996">Staudinger</rs><lb/>
mir einige Mal angeduetet, ich habe dies natürlich nicht der FPÖ<lb/>
gesagt, dass man gegebenenfalls hatl mit den Stimmen der bieden grossen<lb/>
Parteien Beschlüsse fassen sollte. Genau dies wollte ich aber nicht und<lb/>
durch die Tatsache, dass wir in der Expertengruppe natürlich auch die<lb/>
FPÖ entsprechend vertreten gehabt haben, <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> sich stundenlang mit ihnen<lb/>
herumgeschlagen hat, ich selbst mich bemüht habe, den Anschein zu erwecken,<lb/>
als wenn wir alle ihre Einwände sehr ernst nehmn, haben wir dann letzten<lb/>
Endes doch auch die Zustimmung von der FPÖ bekommen und die zuerst extremen<lb/>
Forderungen ihrerseits wurden weitestgehend abgeschwächt, meistens sogar<lb/>
überhaupt zurückgenommen. Diese Art der Gesetzwerdung, diese Art der Ver<lb break="no"/>handlungsführung entspricht meinem Stil und ich werde mich bemühen, solange<lb/>
ich irgendwie kann, fortzusetzen. Auf dem Sektor der Preise, insbesondere<lb/>
auch einer eventeullen Gesetzwerdung von neuen Ideen wird es wesentlich<lb/>
schwieriger sien. Ich werde aber alle ersuchen, so wie auch auf anderen<lb/>
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Interessensvertretungen als auch letzten Endes auch für die Parteien.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-07-13_10">Bei einer Aussprache mit Min.Rat <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs>, wo wir auch über die personellen<lb/>
Besetzungen in der Energiewirtschaft, soweit es sich um Vorstände hadnetl,<lb/>
insbesondere für das zweite Kernkraftwerk gesprochen haben, habe ich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> auch auseinandergesetzt, dass ich nicht nur allein auf dem Standpunkt<lb/>
stehe, es muss der beste Mann von der sozialistischen Seite in diese<lb/>
äusserst wichtige Position berufen werden, sondern ich werde mich auch<lb/>
bemühen, die ÖVP davon zu überzeugen, dass es notwendig ist, dass auch<lb/>
sie einen sehr guten MAnn in diese Position bringt. Zu diesem Zweck<lb/>
werde ich die Gelegenheit nützen, um mit unseren Genossen in der Verbund<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112014">Ehrbacher</rs>, <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> und den anderen Genossen in den Sondergesellschaften<lb/>
und Landesgesellschaften sehr offen über die Besetzung dieses äusserst<lb/>
wichtigen Postens mit mir vertraulich zu besprechen. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> selbst hält den<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> jetzt favorisierten BRD <rs type="person" ref="#per__140241">Perl</rs> für vollkommen unmgölich,<lb/>
ebenso den <rs type="person" ref="#per__97905">Schatzmeier</rs> von Kelag. ICh habe <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> auseinandergesetzt,<lb/>
dass eine der wichtigsten Funktionen neben der ERstellung des Energie<lb break="no"/>planes es ja fast noch wichtiger als dieser ist, die richtigen Personen<lb/>
in die richtigen Positionen zu bringen. Wenn wir hier versagen, dann<lb/>
wird auf Jahrzehnte hindurch dies verheerende Folgen haben. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs><lb/>
hat mir nicht nur zugestimmt, sondern darauf hingewiesen, dass in dem<lb/>
jetzigen Tullner Kernkraftwerk beide Geschäftsführer, sowohl der von<lb/>
sozialistischer Seite, der Physiker <rs type="person" ref="#per__110040">Nedwich</rs>, als von der ÖVP-Seite der<lb/>
ehemalige <rs type="person" ref="#per__112215"><sic>Weiss</sic></rs>-Sekretär <rs type="person" ref="#per__112996">Staudinger</rs> ausserstande sind, die Geschäfte ent<lb break="no"/>sprechend zu führen. Das ERgebnis ist, dass die Baufirmen insbesndere aber<lb/>
die Kraftwerksunion machen kann, was sie will, dies natürlich ungeheur<lb/>
viel Geld dem Kraftwerk selbst kosten wird und niemand daist, der wirklich<lb/>
die Gesellschaft führt. Ein verheerender Zustand. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> erklörte mir aich,<lb/>
warum er bie der Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__146949">Kuzmin</rs> in der Frage der Anschaffung<lb/>
von Uran oder die Anreicherung von Uran mit der SU so daneben gelegen ist.<lb/>
Die Gesellschaft ist tatsächlich an die SU herangetreten, um eventuell<lb/>
Uran zu kaufen, resp. bei ihr anreichern zu lassen. Die SU hat dann ihrer<lb break="no"/>seits nur ohne eine Spezifikation zu schicken erklärt, man soll in Moskau<lb/>
diesbezügliche Verhandlungen führen. Darauf wollten sofort beide Vorstands<lb break="no"/>direktoren auch zwei Prokuristen, d.h. also 4 Personen, auf Grund dieser<lb/>
vagen Andeutung ohne entsprehcned-e UNterlagen und ohne entsprechende<lb/>
Vorarbeiten nach Moskau fahren, um Besprechungen und Verhandlungen auf<lb break="no"/>zunehmen. <rs type="person" ref="#per__97555">Hintermayer</rs> hat hier ausnahmsweise mit Recht gesagt, es sei<lb/>
verfrüht, worauf die Kernkraftleute sofort erklärten, man hat kein Interesse<lb/>
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noch immer die graue Eminenz, der alles entscheidet, ich glaube zu diesem<lb/>
Zweck hat er ja auch eben den Physiker <rs type="person" ref="#per__110040">Netwich</rs>, von dem ein jeder wusste,<lb/>
er kann das nicht erfüllen, in diese bedeutende Position als Direktor<lb/>
gebracht. So etwas darf uns in HInkufnt nie passieren.</p></div>
      <div type="back"><pb n="17_0844_01" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-07-13_0844-01.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
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            <head>Tagesprogramm, 13.7.1973</head>
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               <occupation>Beamter HM, Vors. Beirat Gewerbestrukturverbesserungsgesetz</occupation>
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               <persName type="label">Staudinger, Rudolf</persName>
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               <occupation>ÖVP-NR-Abg.; Bgm. Schwanenstadt, OÖ</occupation>
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               <occupation>Autor einer Studie über den Nutzen der Pyhrnautobahn</occupation>
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