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            <title type="main">Donnerstag, der 12. Juli 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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im Beirat besprochen und einvernehmlich mit den Interessensvertre<lb break="no"/>tungen festgelegt. Das Finanzministerium hat nach Aktenlage in einem<lb/>
Brief festgehalten, dass sie einen Punkt nicht in den Richtlinien<lb/>
wollte sondern jeweils im Beirat FAll für Fall behandelt. Da ich den<lb/>
Brief des Finanzministeriums verhältnimsäsig eingehend gelesen habe,<lb/>
ging ich zu Sektionschef <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> und meinte, es wäre nicht gut,<lb/>
wenn wir mit dem Ministerialrat <rs type="person" ref="#per__110130">Kaber</rs>, der den Brief vom Finanzmini<lb break="no"/>sterium geschrieben hat, einen Krieg wegen dieser Richtlinien be<lb break="no"/>ginnnen. Ich ersuchte, er sollte dieses offene Problem mit <rs type="person" ref="#per__110130">Kaber</rs> be<lb break="no"/>reinigen. <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> gab aber den ganzen Akt wieder <rs type="person" ref="#per__114517">Benda</rs> zurück, der<lb/>
nicht wusste, was ich wollte und deshalb erst wieder bei uns im Büro<lb/>
anfragte, wie er jetzt die Richtlinien behandeln sollte. Eine Rück<lb break="no"/>sprache, die ich dann mit <rs type="person" ref="#per__97524">Hauffe</rs> und <rs type="person" ref="#per__114517">Benda</rs> führte, ergab, dass bei<lb/>
Weglassen dieses Punktes, also bei ERfüllung des Wunsches des Finanz<lb break="no"/>ministeriums die Interessensvertretungen aus einverstanden sind, nur<lb/>
die Handelskammer es lieber gesehen hätte, wenn auch dieser Punkt<lb/>
nämlich die Aufteilung der Mengen bereits in den Richtlinien veran<lb break="no"/>kert weäre. Auf alle Fälle war es damit möglich, den Finanzministeriums<lb break="no"/>wunsch zu erfüllen, ohne dass die Interessensvertretungen sich eingent<lb/>
lich dezidiert dagegen ausgesprochen haben. Hätte ich glaeich <rs type="person" ref="#per__114517">Benda</rs><lb/>
gefragt, hätte ich mir den Umweg über das Präsidium erspart, der Akt<lb/>
hätte längst erledigt sein können. <rs type="person" ref="#per__97524">Hauffe</rs> fragte bei dieser Gelegen<lb break="no"/>heit, nachdem ich formell den Vorsitz in diesem Beirat habe, wie weit<lb/>
ich mich einschalten wollte. Ich gab ihm als einzige Direktive, er<lb/>
müsse immer versuchen, mit den Interessensvertretungen und den betei<lb break="no"/>ligten Ministerien einvernehmliche Lösungen zu erzielen. Nur wenn es<lb/>
Schwierigkeiten bei einer Gruppe gibt, möchte ich sofort informiert<lb/>
werdne, bevor es zum offenen Krieg über dieses Problem gekommen ist.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97524">Hauffe</rs> versicherte mir, er wird alles daran setzen, dass es zu einer<lb/>
solchen Situation niemals kommt, wird aber auf alle Fälle rechtzeitig<lb/>
das Büro oder mich stets informieren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-07-12_03"><rs type="person" ref="#per__112946">Schleifer</rs> und <rs type="person" ref="#per__112977">Neuhold</rs> haben die ganzen Ölfirmen, Internationale sowie<lb/>
ÖMV aber auch die Freien Tankstellen, eingeladen, um ein Tankstellen<lb/>
konzept zu besprechen. Meine Anregung von 2 1/2 Jahren hat nun endlich<lb/>
einen gewissen Niederschlag gefunden. die Internationalen wären bereit,<lb/>
wenn sie 2 Tankstellen errichten, 3 zu sperren. 1972 wurde erstmals<lb/>
<pb n="17-0838" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-07-12_0838.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>mehr Tankstellen geschlossen als neue errichtet. Allerdings haben hier<lb/>
die Freien Tankstellen sich vermehrt und haben derzeit ca. 6 % der Anzahl<lb/>
und 8 % der Menge. Da ich nicht beabsichtige, ein Gesetz, welches die Ge<lb break="no"/>nehmigungspflicht der Errichtung vorsieht vom Parlament zu verlangen, sondenr<lb/>
auf freiwilliger Basis möchte ein Konzept entwickeln, setzt dies voraus,<lb/>
dass alle Unternehmer mitspielen. Da wir andererseits auch kein Kartell<lb/>
weder ein angemeldetes, noch ein illegales schaffen wollen, so bleib</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-07-12_04">nichts anderes übrig, als auf freiwlliger Basis als ersten Schritt zu ver<lb break="no"/>langen, dass man uns von jeder neu errichteten Tankstelle und vor allem von<lb/>
den beabsichtigten Stillegungen der Firmen freiwillig Meldungen erstattet.<lb/>
Da zu dieser Besprechung nur die zweite Garnitur alles Gesellschaften ge<lb break="no"/>kommen ist nur <rs type="person" ref="#per__135654">Pruscha</rs> war selbst anwesend, soll man meiner-Meinung nach<lb/>
die Entwicklung und ganz bsonders das Ziffernmaterial, welches wir wahr<lb break="no"/>scheinlich jetzt bekommen werdne, genau erfolgen, um dann den zweiten Schritt<lb/>
zu setzen. Unter allen Umständen muss verhindert werden, dass wir womöglich<lb/>
durch ein System, alte Tankstellen, die geschlossen werden sollen, aufwer<lb break="no"/>ten, und dafür dann so wie bei Konzessionen usw. beim Aufkauf noch zusätz<lb break="no"/>liche Beträge bezahlt werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-07-12_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Vielleicht könnte man den seinerzeitigen Inspirator<lb/>
des Artikels in den Finanznachrichten – <rs type="person">Androfer</rs> –<lb/>
um seine Meinung fragen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-07-12_06">Die Aussprache Regierung – nö. Landesregierung war diesmal nicht nur mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs>, <rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs> und einem Landesrat, sondern es war die gesamte nö. Re<lb break="no"/>gierung erschienen. Das Büro für Raumplanung bei <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat alle an sich<lb/>
schon vorgesehenen Aufwendungen der einzelnen Ministerien zusammengefasst.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat dies sehr geschickt eingeltiet und dadurch den Eindruck erweckt,<lb/>
wie wenn jetzt in NÖ doch ein wesentlich grössere Aktivität von Seiten<lb/>
der Regierung zu erwarten ist, als bisher. <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> dagegen wollte dies<lb/>
natürlicch hinunterspielen har erklärt, dass er genau wissen möchte,<lb/>
welche zusätzliche Mitteln für Niederösterreich bereitgestellt werden.<lb/>
Für die ERP-Quote von 200 Mill. für Grenzlandgebiete hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> im<lb/>
deshalb 100 Mill. zugesichert. Dies bedeutet, dass er für die anderen<lb/>
Grenzgebiete, z.B. im bayrischen Raum oder für Burgenland und Steiermark<lb/>
gegen Ungarn und Jugoslawien sowie für Kärnten nicht mehr allzu viel übrig<lb/>
hat. Ich selbst erklärte nach reiflicher Überlegung, dass wir maximal von de<lb/>
150 Mill. Fremdenverkehrskrediten 15 Mill. dafür bereitstellen könnten.<lb/>
Und zwar für alle Grenzgebiete. <rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs>, der vermittelnd eingriff meinte,<lb/>
ob man nicht konkrete Projekte untersuchen könne, was von mir soofrt zuge<lb break="no"/>sichert wurde. Landesrat <rs type="person" ref="#per__114522">Schneider</rs> wies darauf hin, dass Deutsch-Altenburg<lb/>
allein ein über 100 Mill.-Projekt hat. Die Annahme von <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs>, dass NÖ<lb/>
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falsch. Die 15 Mill. S werden garantiert von NÖ ausgeschöpft.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-07-12_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte unsere Fraktion unverzüglich von dem Wunsch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> und Beschluss, 15 Mill. für NÖ vorzusehen,<lb/>
verständigen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-07-12_08"><rs type="person" ref="#per__114522">Schneider</rs> wollte dann auch, dass die 5-jährige Laufzeit für Zinszuschüsse<lb/>
mindestens auf 10 Jahre erstreckt wird. Hier habe ich mich entschieden,<lb/>
dagegen ausgesprochen und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte nur, man sollte überlegen,<lb/>
ob nicht doch eine Möglichkeit bestände. Ich halte einen solchen WEg<lb/>
für äusserst gefahrvoll und präjudizierend und werde des mich mit aller<lb/>
Gewalt dagegen wehren. <rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs> selbst hat angeregt, man sollte eine<lb/>
zusätuliche Aktion für dne Fremdenverkehr starten uNd ich habe die Ge<lb break="no"/>legenheit benütztn, um darauf hinzuwesine, dass wenn die Budgetlage es<lb/>
erlaubt, ich diesbzeüglich so wie im Vorjahr einen Antrag beim Finanz<lb break="no"/>minister stellen werde, dass wir eine ähnliche Sonderkation wie im<lb/>
Jahre 1972 machen sollten und müssten.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-07-12_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: BItte von der Hoteltreuhand undfvom Haus alle<lb/>
Anträge von NÖ heruassuchen und zusammenstellen<lb/>
lassen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-07-12_10"><rs type="person" ref="#per__113056">Bierbaum</rs>, der für die Landwirtschaft zuständig ist und später kam, hat<lb/>
sofort bemerkt, dass in dem Elaborat der Raumplanung nur die Bezirke<lb/>
Zwettl, Horn und Mistelbach für Förderungen vorgesehen wären. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs><lb/>
hat nach irgendeinem Punktesystem diese drei aus NÖ als besonders för<lb break="no"/>derungwürdig herauskristallisiert. Natürlich muss dies auf Widerstand<lb/>
stossen, weil sicherlich der Gmünder Bezirk z.B.wesentlich schlechter<lb/>
dran ist, als die drie aufgezählten Jede Richtlinien, die man nach<lb/>
scheinbar objektiven Gesichtspunkten errichtet und gewisse Bezirke<lb/>
bevorzugt und gewisse benachteiligt, stosst natürlich auf Widerstand.<lb/>
Die wesentlich bessere Lösung ist, wie wir es bei der Bürges und beim<lb/>
Gewerbestrukturgesetz jetzt machen, Kriterien festzulegen, die für<lb/>
ganz Österreich gelten. Diese können natürlich so gestaltet werden,<lb/>
dass in Wirklichkeit nur der Grenzraum davon betroffen wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-07-12_11">Objektiv ist das Waldviertel sicherlich benachteiligt. Eienrseits durch<lb/>
die Russenbesetzung, zweitens aber durch die tote Grenze. Andererseits<lb/>
abr will <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> als Abgeordneter von NÖ unbedingt bis zu den nächsten<lb/>
Wahlen für dieses Gebiet mehr tun, damit man ihm nicht vorwirft, als</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-07-12_12">nö.Abgeordneter aht er sich darum überhaupt nicht gekümmert. Dies ist<lb/>
<pb n="17-0840" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-07-12_0840.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>eine sehr gefährliche Vorgangsweise, weil letzten Endes die<lb/>
anderen Bezirke und Länder ihm dann vorwerfen werden, er hat gerade<lb/>
für NÖ als Bundeskanzler merh getan, weil er dort Abgeordneter ist.<lb/>
Vor allem das Burgenland und Südsteiermark wird daher fürchte ich wegen<lb/>
dieser Vorgangsweise hart attackieren. Zu mienem Glück kooperiert<lb/>
das Sozialministerium, Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__114573">Lenert</rs> war wieder anwesend an Stelle<lb/>
der verhinderten Vizekanzlers – mit uns ausgesprochen gut, NUr so sind<lb/>
wir in der Lage als Handelsministerium zu überdecken, das wir keinerlei<lb/>
finanzielle Möglichkeiten in Wirklichkeit haben, um für die Förde<lb break="no"/>rung verstärkt eintreten zu können. Das Sozialministerium kann aber die<lb/>
halbe Milliarde Arbeitsmarktförderungsmittel zur VErfügung stellen und<lb/>
wir können hier gemeinsam Unternehmer beraten und in Einzelfällen sicher<lb/>
lich auch unterstützen. Wenn hier einmal ein anderer Minister wäre und<lb/>
diese Möglichkeit verschüttet ist, wüsste ich nicht, wie man auch nur<lb/>
optisch die Unfähigkeit des Handelsministeriums tarnen könnte. Immer<lb/>
wieder beweist sich für mich, dass in Wirklichkeit wo man keine finan<lb break="no"/>ziellen Möglichkeiten hat, in Wirklichkeit kaum irgendetwas ausrichten<lb/>
kann. wenn dann andererseits finanzielle Mittel wie z.B. bei der För<lb break="no"/>derung der Papierindustrie zur Verfügung gestellt werden sollen und<lb/>
vom Finanzministerium zur Verfügung gestellt werden müssen, weil <rs type="person" ref="#per__97668">Kreis<lb break="no"/>ky</rs> es entschieden hat, dann zieht sich der WEg noch imemr vehrältnis<lb break="no"/>mässig lang, bis zu endgültigen Konkretisierung. So war es auch in<lb/>
Aichfeld-Murboden und so wird es sicherlich auch im nö. Raum sein.<lb/>
Ich fürchte, dass selbst wenn <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit aller Vehemenz sich dafür<lb/>
einsetzt, frühestens im Jahre 1975 die ersten Teilerfolge zu verzeichnen<lb/>
sein werden. Auch hier er sich aber kräftig dafür einsetzen, denn sonst<lb/>
wird es erst nach den nächsten Nationalratswahlen zum TRagen kommen,<lb/>
wo es dann vielleicht schon zu spät ist.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-07-12_13">Bei der Vorbesprechung über die Bauernaussprache hat <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> mitgeteilt,<lb/>
dass er mit den Bauern vormittag über die Umwandlung der bäuerliche<lb/>
Zuschussrente in Bauernpension verhandelt hat. Er hat ihnen keinerlei<lb/>
Zusagen gemacht, ausser dass wenn die finanziellen Mittel gegeben sind<lb/>
in Verfolgung der Bundesregierung die Armut zu bekämpfen, Ausgleichs<lb break="no"/>zulagen für Zuschussrentner den Ausgleichszulagen der Bauernpension ange<lb break="no"/>passt werden. Auch hiefür ist ein Aufwand von 200 Mill. S notwendig. IN<lb/>
der Sitzung selbst wurde dann dieses Problem nur berichtet und zu meiner<lb/>
Grössten Verwunderung waren die Bauernvertreter damit zufrieden. Die<lb/>
anfangs, wie sie sich ausdrückten, sture Haltung von <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> war diesmal<lb/>
nach ihrer Meinung nicht mehr vorhanden und damit haben sie sich begnügt<lb/>
ohne eine konkrete Zusage zu bekommen. Da sie bemerkten, dass<lb/>
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nicht erreichten, haben sie letztenEndes diesen Punkt zwar nicht auf<lb break="no"/>gegeben, aber nicht mehr besonders betrieben. Da der Punkte wert von<lb/>
105.- S auf 120.- S für Diesel erhöht wurde, sie in Summe um 150 Mill. S<lb/>
mehr bekamen, waren sie in der ersten Phase mit dieser Regelung einver<lb break="no"/>standen. Sie erklär-ten, sie hätten vom Landwirtschaftsminister die<lb/>
Zusicherung, dass man im nächsten Jahr wegen eines gefärbten Diesels,<lb/>
der verbilligt wäre, ohne die Mineralölsteuer oder einen Teil der Mine<lb break="no"/>ralölsteuer darüber weiter verhandeln könne und wie sie hofen Erfolg<lb/>
haben werden. Von dieser Mitteilung war sowohl der Finanzminister als<lb/>
auch ich sehr überascht, ohne dass wir dies natürlich zeigten. Den<lb/>
Getreidepreis bezeichneten sie als einen Teilerfolg und haben<lb/>
daher auf eine weitere Behandlung ihres Antrages verzichtet. Hauptsäch<lb break="no"/>lich wollten sie noch eine Herabsetzung des Milchkrisengroschens er<lb break="no"/>reich. Sowohl <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs> als auch <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs> haben für mich fast schon in<lb/>
penetranter WEise immer wieder darauf hingewiesen, dass doch der Bundes<lb break="no"/>kanzler seinen Einfluss geltend machen sollte, um hier eine Lösung zu err<lb/>
reichen. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> hat mit Recht bemerkt, dass gestern im Nationalrat<lb/>
von der Opposition festgehalten wurde, dass jeder Minister und letzten<lb/>
Endes entscheiden sollte und der Bundeskanzler sich nicht dreinmischen<lb/>
dürfte und jetzt sollte er gegen die dezidierte Erklärung vom Finanz<lb break="no"/>minister und vom Landwirtschaftsminister sich für eine Herabsetzung<lb/>
einsetzen. Da <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> berechnet hat, dass 74 er auch bei 15 Groschen Krisen<lb break="no"/>groschen noch 72 Mill. 1974 fehlen werden, wollte <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> unter gar<lb/>
keinen Umständen nachgeben. Die Sitzung wurde deshalb unterbrochen<lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, bei unserer fraktionellen Besprechung, dass sie<lb/>
ihm seinerzeit gesagt hätten, 5 Groschen könnte man absenken. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
befürchtet für das Jahr 1974 mindestens 250 Mill. dann zusätzlich<lb/>
Budget übernehmen zu müssen. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> und auch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> neigten dann der<lb/>
Überlegung zu, gegebenenfalls den Verbraucherpreis zu erhöhen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
wollte unbedingt eine entsprechnede Konzession dem Bauernbund machen,<lb/>
damit der Streik, den der allgemeine Bauernverband in Kärnten ab Montag<lb/>
bei der Milchübernahme resp. Milchauslieferung durchführen will, zu<lb/>
isolieren, ausserdem steht <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auf dem STandpunkt, dass man mit dem<lb/>
Milchgeld einer grösseren Anzahl von kleineren Bauern hilft, während er<lb/>
wie er sich ausdrückte beim Getreidepreis gar kein INteresse gehabt hat,<lb/>
dass diese Regelung nämlich 10 und 12 Groschen Erhöhung zustandegekommen<lb/>
ist. Da mich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ausdrücklich fragte, welche STellung ich zu den<lb/>
Problemen einnnehme, erklärte ich, dass ihc mit eine Absenkung des<lb/>
Krisengroschens und das nicht um 5 sondern umw esentlich weniger nur dnar<lb/>
vorstellen könne, wenn gleichzeitig ein System mit den Bauern vereinbart<lb/>
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wie sich bei Mehrablieferungen der Krisengroschen dann sofort wieder<lb/>
automatisch erhöht. Sollte die Ablieferung tatsächlich zurückgehen,<lb/>
könnten dann eine weitere <choice><choice><sic>Abwenkung</sic><corr>Absenkung?</corr></choice></choice> des Krisengroschen Platz greifen.<lb/>
Dieses System ist nicht neu, was wollte <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> vor etlichen Jahren<lb/>
schon und hat es angeblich mit Präs. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> vereinbart. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> zeigte<lb/>
mir dann einen Entwurf einer solchen Vereinbarung, die allerdings<lb/>
von niemandem unterschrieben wurde und <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> bekanntlicherweise<lb/>
dann sogar abgestritten hatte. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat den Vorschlag <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs>, dem<lb/>
ich beigetreten bin, auch aufgenommen und den Bauern vorgeshlagen,<lb/>
wir sollten in einem kleinen Komitee – <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> <rs type="person" ref="#per__97985">Staribacher</rs><lb/>
mit den Bauern-Vertretern weiter verhandeln. Dies wurde nach Unter<lb break="no"/>brechung von <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs> auch akzeptiert. DAmit ist der allgemeine<lb/>
Bauernverband mit seinem Streik in Kärnten isoliert und wir werden<lb/>
sehen, obw ir eine Lösung fnden können. <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs> hat darauf hin<lb break="no"/>gewiesen, dass im Vorjahr der Allgemeine Bauernverband-Streik die<lb/>
Zustimmung der AZ gefunden hat.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-07-12_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: <rs type="person" ref="#per__111699">Puffler</rs> soll mir bitte den Kärnten Streik<lb/>
vom Vorjahr d.h. die AZ verschaffen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-07-12_15">Ich habe <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> darauf aufmerksam gemacht, dass durch die Getreide<lb break="no"/>preiserhöhung die und jetzt vorgesehen-e Weizenmehlpreiserhöhung<lb/>
die Mühlen erwarten, dass bei einer Lohnbewegung im Spätherbst oder<lb/>
Winter die neuerdings eine Mehlpreiserhöhung bekommen werden. Da<lb/>
ich mir nicht vorstellen kann, dass wir im Laufe eines Jahres<lb/>
zweimal den Mehlpreis erhöhen, erklärte ich <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs>, dass ich eine<lb/>
Zustimmung zu der jetzt vorgesehenen Regelung nicht geben kann<lb/>
und auch nicht geben will. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> selbst meinte, er hätte es<lb/>
als selbstverständlich aufgefassst, dass nur eine einmalige Mehlpreis<lb break="no"/>erhöhung erfolgt und deshalb seinen Leuten den Auftrag gegeben,<lb/>
die ganze Sache nicht in der Preiskommission morgen beschliessen<lb/>
zu lassen, soindern zurückzustellen. ICh habe mit Dr. <rs type="person" ref="#per__112977">Neuhold</rs><lb/>
ausdrücklich noch einmal gesprochen und ihn aufmerksam gemacht,<lb/>
dass es nicht genügt, wenn die Mühlenindustrie und das Gewerbe ein<lb break="no"/>verstanden sind, dass bis Jahresende sich auf dem Lohnsektor nichts<lb/>
ändert sie auch keine weiteren Preisforderungen stellen, sondern<lb/>
dass klargestellt werden muss, dass auch wennes zu einer<lb/>
Lohnbewegung kommt, der- Mehlpreis nicht neuerdings erhöht werdn<lb/>
darf. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> hat, wie <rs type="person" ref="#per__112977">Neuhold</rs> mir mitteilte, seinen Beamten den Auf<lb break="no"/>trag gegeben, dass die Verbraucherpreise um 20 Groschen für Weizen<lb break="no"/>mehl mit Ausnahme von Weizenbrotmehl erhöht werden können, diese<lb/>
<pb n="17-0843" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-07-12_0843.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>20 Groschen jetzt durch perzentuelle Erhöhung ihrer Spannen der Aufkäufe<lb/>
Grosshändler usw. ausgeschöpft sind, sodass eben für die Mühlen nicht<lb/>
mehr übriggebeliben ist als 0,7 % zusätzliche Reserve. <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> ist der<lb/>
Meinung, dass es genügen müsste, mit den 20 Groschen auch eventuelle<lb/>
Lohnerhöhungen befriedigen zu können. Wenn dies zutrifft, so müssen<lb/>
die Mühlen dies dezidiert schirftlich erklären. Ansonsten werden nämlcih<lb/>
die nächsten Lohnbewegungen dazu benützt, um zu erklären, es müsste<lb/>
neuerdings der Mehlpreis jetzt wegen der Lohnerhöhungen nochmals um<lb/>
einen Groschensatz erhöht werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-07-12_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Eine Zustimmung soll und kann nur erfolgen,<lb/>
wenn die Mühlen sich schriftlich bereiterklären,,<lb/>
wegen der zukünftigen Lohnbewegung nicht neuer<lb break="no"/>dings eine Mehlpreiserhöhung zu beantragen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band17_1973-07-12_17">Mit <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> habe ich abends die Problemation der Lebensmittelkenn<lb break="no"/>zeichnungsverordnung besprochen. Sie hatte bereits entschieden, dass<lb/>
die Stellungnahme ihres Ministeriums vorerst <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> gezeigt werden muss<lb/>
sie hat in ihrem Ministerium die grosse Schwierigkeit, dass die Hierarchie<lb/>
scheinbar nicht zu umgehen ist. Wenn sie mit einem untergeordneten Beamten<lb/>
der die Arbeit macht, reden will, kommt sofort der Abteilungsleiter,<lb/>
der Sektionschef zu ihr gerannt und erklärt, dass dies ganz unmöglich<lb/>
sei, sie müsse sich unbedingt an ihn wenden. <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> zerfranst sich<lb/>
sie tut mir ausgesprochen leid und kriegt immer mehr Schwirgikeiten<lb/>
mit ihrer eigenen Bürokratie. Hier zeigt es sich einmal mehr, wie<lb/>
notwendig es ist, ein entsprechnedes Büro mit tüchtigen Leuten zu<lb/>
haben. Ein einzelner kannes unmöglich schaffen, es muss von der Se<lb break="no"/>kretärin bis zum Büromitarbeitern ein Team werden oder ein Team sein.<lb/>
DAnn muss es gelingen, einige Mitarbeiter kooperierend aus den Abtei<lb break="no"/>lungen und Sektionen zu finden, die gewisse Initiative entwicklen.<lb/>
Die Reaktion der anderen ist dann, dass sie einem natürlich sabotieren,<lb/>
indem sie womöglich gar nichts machen, damit können sie allerdings<lb/>
insoferne schaden, als sie die ARbeit hemmen, durch arbeitswillige<lb/>
Mitarbeit aber teilweise ersetzt werden können. Wennes nämlich auch nicth<lb/>
gelingt, die Hierarchie durch entsprechnede Personaländerung sofort<lb/>
zu verändern, so kannman wenigstens durch Delegierung von Arbeit an<lb/>
andere Stellen die notwendigen MIndestergebnisse vom Haus erreichen.<lb/>
Mit entsprechenden schriftlichen Aufträgen, die terminisiert sind,<lb/>
haben wir uns so einigermassen über die Runden geholfen. Sie selbst<lb/>
hat dieses System, nämlich der Terminisierung, noch nicht eingeführt<lb/>
und belbt deshalb immer wieder mit Problemen hängen. Das schwierigste<lb/>
<pb n="17-0844" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-07-12_0844.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Problem, das ich sehr genau eknne, die Führung und die Personalpolitik in<lb/>
meinem Ministerium Ich hatte das ungeheure Glück, dass ich nicht nur ein Team<lb/>
von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ins Ministerium mitgebracht habe, sondern<lb/>
dass sich auch durch die Politik der Handelskammer weitgehend auf der einen<lb/>
Seite abgeschirmt und auf der anderen Seite aber durch Kooperation mit<lb/>
ihr sie befriedigt habe. Durch meine guten Beziehungen zum ÖGB und zur AK<lb/>
war es mir leicht, entsprechende Kompromisslösungen in den meisten Fragen<lb/>
zu erzielen. Dadurch bin ich aus dem Schussfeld der Kritik und letztenEndes<lb/>
auch der Massenmedien gekommen. Wie aber ein Ministerneuling dieses Problem<lb/>
meistert, ohne die entsprechende Unterstützung zu haben, ist mir ein Rätsel.<lb/>
In meinen Augen ist es eben fast unlösbar.</p></div>
      <div type="back"><pb n="17_0836_01" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band17/17_1973-07-12_0836-01.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
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            <head>Tagesprogramm, 12.7.1973</head>
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               <occupation>MR, Leiter Gruppe FV u. Gewerbeförd. HM</occupation>
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               <occupation>Sekr. JS, ab 1973 GF VKI</occupation>
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               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
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               <occupation>Österr. Werkstätten, Fa. Küfferle, + 1980, [ab 1969 Besitzer Fa. Gerstner
                  (in einem Buch zur Geschichte von Hoflieferanten als Hans Pruscha genannt); diese
                  1971 von Fa. Goldix gekauft; ev./vmtl. ident mit Pruscha, A (sog. Garagenkönig,
                  Avanti-Tankstellen)?]</occupation>
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