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            <title type="main">Donnerstag, der  5. Juli 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-05_01">Donnerstag, 5. Juli 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-05_02">Min.Rat <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs> haben ein neues Finanzierungssystem<lb/>
für unsere handelspolitischen Aufwendungen gefunden. Der Rechnungs<lb break="no"/>hof hat beanstandet, dass aus den AHF-Gebühren Exportentwicklungsbei<lb break="no"/>träge geleistet werden, Bis jetzt hat die Österr. Kontrollbank dutzende<lb/>
Millionen jährlich bekommen. Das Handelsministerium Min.Rat <rs type="person" ref="#per__136490">Zienerth</rs><lb/>
konnte bei der Überweisung dieser BEträge einen Akt abzeichnen, sonst<lb/>
nichts. Ds Geld wurde von der Österr. Kontrollbank ausgegeben und mei<lb break="no"/>stens auf Vorscläge und Projekte der Handelskammer. Im Finanzministerium<lb/>
wurde deshalb eine Sitzung abgehalten, Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs>, der Budgetfach<lb break="no"/>mann, wollteund will diesen Exportentwicklungsbetrag eliminieren,<lb/>
dadurch würde die Handelskammer aber mehr Geld zur Verfügung haben.<lb/>
Aus diesem Grundsoll und wird die Handelskammer bereit sein,Dr. <rs type="person" ref="#per__127889">Koch</rs><lb/>
hat angeblich ene positive Präsidialvorlage bereits vorbereitet, die<lb/>
handelspolitischen Ausgaben des Handelsministeriums übernehmen. Bis<lb/>
jetzt war es nur so, dass die Aussenhandelsstelle damit finanziert<lb/>
wurde. In HInkunft könnten wir neben den Reisen und sonstigen Auf<lb break="no"/>wendungen von der Handelskammer bezahlen lassen. Ihc bin noch nicht siche<lb/>
ob das System wirklich durchzusetzen ist. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wird vom Standpunkt<lb/>
der Entwickungshilfe auf alle Fälle durch Intervention der Österr.<lb/>
Kontrollbank auch im Finanzministerium ist der zuständige Abteilungs<lb break="no"/>leiter <rs type="person" ref="#per__123360">Staringer</rs> mit der Abschaffung nicht einverstanden, wahrscheinlich<lb/>
doch versuchen, dass auch für die Entwicklungshilfe weitere GEldbe<lb break="no"/>träge zur VErfüung stehen. In diesem FAll müsste eben die Handelskammer<lb/>
die Finanzierung übernehmen-. Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs>, den ich in diesem Zeit<lb break="no"/>punkt zuzog war über die Lösung nicht seht glücklich und meinte, sie<lb/>
wird nur insoferne funktionieren, als das Finanzministerium Ansätze<lb/>
verschieben wird. Mehr werden wir dafür keinesfalls bekommen. Ich glaube<lb/>
aber, dass <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs> deshalb so negativ reagierte, weil er bis jetzt von<lb/>
den Besprechungen ausgeschaltet war. Er erklärte auch, überhaupt nicht<lb/>
informiert gewesen zu sein. Dies halte ich für einen gorssen Fehler und<lb/>
habe dies <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs> auch unter vier Augen gesagt. <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs> selbst erklärte<lb/>
wieder, er sei erst in einem späten Zeitpunkt von <rs type="person" ref="#per__136490">Ziendert</rs> eingeschaltet<lb/>
gewesen. Für mich wieder ein weiterer BEweis, wie wenig innerhalb unseres<lb/>
eigenen Hauses Koordinierung wird. Die ERklärung dafür ist, dass natür<lb break="no"/>lich jeder Minsterialrat seine Kompetenzen allein wahrnehmen will,<lb/>
immer sihc fürchtet, wenn ein anderer auch nur in die Nähe seiner ARbeit<lb/>
kommt udn deshalb für sich das Wissen und die Enscheidung monopolisieren<lb/>
<pb n="16-0804" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-07-05_0804.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>möchte. <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs> wird jetzt mit Min.Rat <rs type="person" ref="#per__110130">Kaber</rs> vom Finanzministerium<lb/>
das ganze Problem noch einmal durchdiskutieren, er möchte allerdings<lb/>
das Budget 1974, wo er bereits den Entwurf vorgesprochen hat, nicht<lb/>
mehr abändern. <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> hinggen hat richtig erkannt und ich habe ihn in<lb/>
dieser Hinsicht hundertprozentig unterstützt, dass mit 1.1.1974, mit<lb/>
Inkrafttreten des neune grossen Kompetenzgesetzes die Möglichkeit be<lb break="no"/>steht die Aussenhandelsstelle organisatorisch in der Handelsministerium<lb/>
einzugliedern. <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> weist mit Recht darauf hin,dass dies bereits vor<lb/>
10 Jahren versucht wurde, weil damals schon die Aussenhandelsstelle<lb/>
nicht mehr diese Bedeutung hatte wie seinerzeit das Warenverkehrsbüro.<lb/>
Bei BEginn der zweiten Republik wurde der Aussenhandel reglementiert<lb/>
und jedes einzelne Geschäft genehmigt. Jetzt ist diese Arbeit durch<lb/>
die Liberalisierung weitestgehend auf Null reduziert, nur in einzlnen<lb/>
Staaten gibt es noch eine beschärnkte Bewilligungspflicht und mit<lb/>
1.1.1975 wird sie überhaupt weitestgehend aufhören. Daher muss dieser<lb/>
Fremdkörper Aussenhandelsstelle eben ins Handelsministerium integriert<lb/>
werden. Dadurch ergibt sich die Möglickeit, Arbeitskräfte besser zu<lb/>
tauschen, eneue Agenden zu übertragen und vor allem die Lenkung dieser<lb/>
Aussenhandelsstelle besser zu koordinieren und die Beschäftigten dort<lb/>
zu kontrollieren. Jetzt führen sie ein herrliches unabhängiges Dasein.<lb/>
Sicherist die Arbeitsmoral dort nicht besser als bei uns im Haus und<lb/>
ich habe bei eienr Bemerkung <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> gegenüber erklö-rt , dass das<lb/>
Präsidium doch mehr dafür sorgen müsste, dass die Herren Beamten an<lb break="no"/>wesend sind. <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> erklärt, dass ihm das bekannt sei, er hätte<lb/>
diesbezüglich auch die Sektionsleiter und die Abteilungsleiter auf<lb break="no"/>merksam gemacht. <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> wünscht Einzelfälle. Da <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> und <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs><lb/>
immer wieder feststellen, wenn sie jemanden wünschen, dass diese<lb/>
nicht anwesend sind, werden wir diese Einzelfälle ihm übergeben. Ich<lb/>
bin überzeugt, dass wenn die Sektionsleitung z.B. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> heir die<lb/>
Arbiet richtiger verteilen kann und schön langsam organisisiert sich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> seine Sektion, wie er es haben will, auch eine bessere Ar<lb break="no"/>beitsauslastung der Beamten erfolgen kann. <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> selbst beginnt mit<lb/>
genau demselben Problem zu raufen und versucht jetzt eben Abteilungen<lb/>
mit Beamten ohne eine entsprechende Tätigkeit mit neuen Aufgaben zu<lb/>
erfüllen, resp. eben wie z.B. die Aussenhandelsstelle zu integrieren.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> selbst erwägt und hat mir vorgeschlagen, wenn die Aussenhandels<lb break="no"/>stelle in das Handelsministerium eingegliedert wird, <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> als Gruppen<lb break="no"/>leiter einzusetzen. Da auch <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> eine GRuppe, nämlich die EG-Frage<lb/>
behandelnden Abteilungen bekommen soll, würde eine ganz neue Konstruk<lb break="no"/>tion der Sektion I entstehen. ICh habe <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> erklärt, dies muss man<lb/>
<pb n="16-0805" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-07-05_0805.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sich alles genau überlegen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-05_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Ich hoffe, dass die Entscheidung nicht in den<lb/>
nächsten Tagen und Wochen getroffen werden muss,<lb/>
dann ich möchte dies mit <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> und Dir und <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs><lb/>
noch genau durchbesprechen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-05_04"><rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> und Min.Rat <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> erörterten mit mir die nächsten Schritte der<lb/>
ÖMV. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> erwartet für nächstes Jahr eine grössere Gaslieferung aus<lb/>
der SU. Auch heuer haben wir eigentlich eine 10 %-ige Mehranlieferung<lb/>
bekommen. 75 Mill. für Nachlieferung 1972 und 75 Mill. plus also<lb/>
insgesamt 150 Mill. m3. Damit kann er den Kärntnern eine gewisse<lb/>
Menge abtreten. Der Kärntner Vorstand der KELAG will von ihm einen<lb/>
Brief, wo er dezidiert erklärt, dass er Kärnten mit Erdgas, <rs type="person" ref="#per__140777">Weissmann</rs><lb/>
meinte 180 Mill. m³, eine utopische Zahl, di-e er im nächsten Jahr<lb/>
gar nicht brauchen könnte, und einen entsprechend niedrigen Preis<lb/>
schreiben sollte. Beim Algeriengas nimmt <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> an, werden die jetzigen<lb/>
Abschlüsse ausgeliefert werden, d.h. die Austro-Ferngas wird ihre<lb/>
2 Mia bekommen, doch glaubt er und seine Freunde, dass man mit Algerien<lb/>
eine bessere Lösung mit einer Pipeline über Tunis und das Meer nach<lb/>
Sizilien für weitere grössere Gaslieferungen bauen sollte und wird.<lb/>
An dieser Pipeline, nehme ich an, wird sich dann die ÖMV beteiligen.<lb/>
Dieses Projekt gilt allerdings für die 90-er-Jahre. Irak<lb/>
möchte eine Pipeline von 1.200 km bauen und Österreich – die ÖMV – soll<lb break="no"/>te sich daran beteiligen und was aber abgelehnt wurde. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> hat neuer<lb break="no"/>dings seinen Lieblingsgedanken ventiliert, dass die ÖMV beim Handelsmini<lb break="no"/>sterium ressortieren soll und von der ÖIAG und dem BKA weg will.<lb/>
ICh habe ihm neuerdngs erklärt, dass dies eine Utopie ist und und er<lb/>
jedenAufwand für diese Idee vollkommen sinnlos ist. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> beschwerte<lb/>
sich, dass <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> eben in der Ölpolitik immer wieder Eskapaden vornimmt.<lb/>
So hat er zuerst den Iranern nd jetzt Saudi-Arabien einen gewissen<lb/>
Vizeminister für Wirtschaft <rs type="person" ref="#per__146607">Kabani</rs> versprochen, es wäre die Möglich<lb break="no"/>keit, dass Saudi-Arabien mit der ÖMV in Österreich eine Raffinerie<lb/>
errichtet. Dies erschreckt die Internationalen, die noch Verträge<lb/>
mit der ÖMV bis 1980 haben und dnan ja auch wahrsheicnlich weiterhin auf<lb/>
österreichischem Boden mit der ÖMV gemeinsam Produktverträge und Ver<lb break="no"/>arbeitungsverträge abschliessen werden und möchten. Wenn nun aus einem<lb/>
anderen Land eine Raffinerie in Österreich errichtet wird, werden<lb/>
die Internationalen eine vollkommen andere Politik machen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-05_05">In der Schlussphase der Sitzung habe ich auch Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> zuge<lb break="no"/>zogen, um üer die sowjetischen Besprechungen – <rs type="person" ref="#per__146949">Kuzmin</rs> und ich –<lb/>
zu berichten. Ich wusste, dass die ÖMV glaubt, dass sie ein Einfuhr<lb break="no"/><pb n="16-0806" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-07-05_0806.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>monopol bei den Russen hat, obwohl <rs type="person" ref="#per__146949">Kuzmin</rs> mir mitteilte, dass eine<lb/>
Firma Noster, die <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> interssanterweise gar nicht kannte, 35.000 t<lb/>
Massut, d.i. Heizöl und die Firma Pisec Flüssiggas importieren wird.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> war sichtbar erschüttert über diese Mitteilung. Ich erklärte<lb/>
ihm aber, dass ich für eine gesunde Konkurrenz bin und deshalb<lb/>
natrülich auch andere Firmen einführen könnten, <rs type="person" ref="#per__146949">Kuzmin</rs> dürfte ja<lb/>
irgendwie ein unangenhmes Gefühl ode vielleicht sogar schlechtes<lb/>
GEwissen gehabt haben, als er dies mir mitteilte, weil er meinte,<lb/>
die seien doch auch österreichische Firmen, wasich nicht nur be<lb break="no"/>stätigte sondern die gesunde Konkurrenz auch herausstrich.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-05_06">Im Patentamt besuchte ich mit <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> und <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> insbesondere die verlager<lb break="no"/>ten Bibliotheksbestände. Da die Bibliothek derzeit umgebaut werden<lb/>
soll, wurden die Bücher alle im Keller oft dem Zugriff entzogen<lb/>
eingelagert. <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> teilte mir mit, dass ich einen Brief an den<lb/>
Finanzminister schreiben soll, durchschriftlich an den Bauten<lb break="no"/>minister und dadurch im BÜG die Möglichkeit besteht, dass wir die<lb/>
5 Mill. bekommen, um die Bibliothek des Patentamtes ausbauen<lb/>
zu können. <rs type="person" ref="#per__98012">Thaler</rs> hat mir leider zu spät einen Reorganisationsplan des<lb/>
Patentamtes im Hinblick auf die europ. Patententwicklung erst über<lb break="no"/>mittelt, sodass ich über dieses Problem erst zu einem späteren Zeit<lb break="no"/>punkt und seinen HErren verhandeln werde.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-05_07">Der Vorstand des IBFG wurde von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> im Kanzleramt empfangen und<lb/>
er hat ersucht, es mögen zumindestens einige Minister dabie an<lb break="no"/>wesend sein. <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs>, den ich traf und mich daran erinnnerte und ich<lb/>
waren die einzigen. <rs type="person" ref="#per__113840">Ströer</rs> als der Vertreter des ÖGB im IBFG-Vorstand<lb/>
war über unsere Anwesenheit und über dne Empfang sehr erfreut. Bis<lb/>
jetzt sind nämlich durch den <rs type="person" ref="#per__97652">Kossygin</rs>-Besuch fast keine Prominenz<lb/>
bei den Veranstaltungen gewesen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-05_08">Im soz. Bildungsverein, wo diesmal allerdings nur Sekretäre anwesend<lb/>
waren, die anderen dürften schon alle im Urlaub sein, sprachen wir<lb/>
über die Kooptierung des kommunistischen Kollegen in den Vorstand<lb/>
und in weitere Folge auch ins Präsidium. <rs type="person" ref="#per__114535">Staudinger</rs> hat seinerzeit<lb/>
selbst gegen unsere Genossen bem nö. Molkereiverband einen Kommunisten<lb/>
der ein guter Gewerkschafter ist, als BRO installieren können. Leister<lb/>
ist dies erst in der letzten Zeit geschehen, sodass wir den Mann<lb/>
nicht mehr auf unserem Verbandstag in den Vorstand wählen konnten resp.<lb/>
sogar ins Präsidium. Da ich die ganze ZEit darauf drängte, seit meiner<lb/>
<pb n="16-0807" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-07-05_0807.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Tätigkeit ist das mein HNauptbemühen, alle Fraktionen in der ent<lb break="no"/>sprechenden Position in der Lebensmittelarbeitergewerkschaft zu inte<lb break="no"/>grieren, bin ich über diese Entwicklung sehr erfreut und werde nun den<lb/>
kommunistischen Kollegen, der in Wirklichkeit primär ein guter Gewerk<lb break="no"/>schafter ist, versuchen im Vorstand resp. sogar in der Gesamtvorstands<lb break="no"/>sitzung dann kooptieren zu lassen und in späterer Folge auch ins Prä<lb break="no"/>sidium. Mein Prinzip ist, dass ich immer alle Fraktionen womöglich<lb/>
in verantwortlichen Stellen haben möchte, ohne dass inWirklichkeit bei<lb/>
uns in diesen Stellen Politik gemacht wird. Voraussetzung dafür war,<lb/>
dsss wir natüröich verhinderten, Apparatschiki, sei es von DER ÖVP<lb/>
oder der KPÖ einzuschleust zu bekommen. Ich bin mir noch nicht ganz<lb/>
klar, wie weit als der von der ÖVP nominierte <rs type="person" ref="#per__146002">Eilesberger</rs>, ein<lb/>
Backarbeiter, der noch ander Maschine arbeitet und bei uns im Prä<lb break="no"/>sidium sitzt und vom Verbandstag gewählt wurde, ein Apparatschiki ist.<lb/>
Ich hab eigentlich das GEfühl, dass dies weniger zutrifft, <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> ist<lb/>
sehr skeptisch. Bei der Vorstandssitzung erlebte ich dann einen Vor<lb break="no"/>fall, der mir auch zu bedenken gibt. Momentan Pfiff neben mir ein<lb/>
Tonbandgetät, so wie wenn die SPuel abgelaufen ist. <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> wollte mich<lb/>
resp. wahrscheinlich die anderne sofort darauf aufmerksam machen und<lb/>
ich habe ihm zugeflüstert, bitte bleib ruhig. Nach der Sitzung habe ich<lb/>
soofrt den Sekretär der ÖVP <rs type="person" ref="#per__133118">Hacker</rs> und <rs type="person" ref="#per__146002">Eilesberger</rs> in mein Büro<lb/>
gebeten. Ich sagte ihm mit der unschuldigsten Miene , wenn er meine<lb/>
Ausführungen will, dann kann man doch die – hier unterbrach er sofort<lb/>
un erklärte, dies sei ein ungeheures Missverständnis, der Apparat sei<lb/>
zufällig in seiner Tasche gelaufen, er hätte gar nie die Absicht ge<lb break="no"/>habt, versteckt Aufzeichnungen zu machen und da er schon einige Mal<lb/>
mit mir persönlich sehr eng Kontakt aufgenommen hat, muss ich gestehen,<lb/>
glaube ihc es ihm auch wirklich. <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> ist natürlich anderer<lb/>
Meinung und hat ihm dies auch deutlich zu erkennen gegeben. Wenn er<lb/>
meinte Ausführungen, die ja keinesfalls irgendwelche Geheimnisse bergen<lb/>
oder onstiger Art sind für einen Dritten hätte machen wollen, dann hätte<lb/>
er sicherlich die Spule besser eingestellt, obwohl -es vielleicht auch<lb/>
hier von ihm technische Ungeschicktheit gewesen ist. Auf alle Fäl<lb break="no"/>le war <rs type="person" ref="#per__133118">Hacker</rs> erschüttert und erklärte, so etwas ist noch nie vorge<lb break="no"/>kommen, er bittet um Entschuldigung und er kann das allesnicht verstehen<lb/>
Ich habe <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> nachher telefonisch gesagt, siehst Du jetzt haben wir ein<lb/>
Trumpf in der Hand, den wir nicht ausspielen werden, aber der zweifels<lb break="no"/>ohne die Möglichkeit gibt, wenn es einmal mit der christl. Fraktion<lb/>
Schwierigkeiten geben sollte, entsprechend nützen zu können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-05_09">Im Vorstand selbst berichtete ich über die Kooptionsabsichten des<lb/>
kommunistischen Kollegen in den Vorstand, die Kommunisten müssen<lb/>
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insbesonder der § 82 h – Kündigung des Arbeiters bei 4 Wochen Krankheit<lb/>
fallen – und natürlich über die wirtschaftliche Lage. Was mich sehr<lb/>
erfreute, war , dass übe die Aufwertung die BErechnung, die Auswirkung<lb/>
usw. eine Diskussion sich entwickelte. Vielleicht gelingt es mir doch<lb/>
die jüngeren Kollegen für schwierige Probleme nicht zu interessieren, son<lb break="no"/>dern auch so weit nachzudenken, dass sie darüberdiskutieren können und<lb/>
wollen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-05_10"><rs type="person" ref="#per__146376">Herbst</rs>, der Verkehrsdirektor der deutschen Zentrale für Tourismus hat<lb/>
wie er mir nachher erzählte, als er vor 5 Jahren begonnen hat, es als<lb/>
einen Mangel emfpunden, dass die Direktoren der ausländischen nationalen<lb/>
Fremdenverkehrsorganisationen sich nie zusammengeschlossen haben. Er<lb/>
hat jetzt, ohne eine Vereinsbasis zu suchen, in einem Arbeitskreis zusammen<lb break="no"/>gefasst und ich hatte GElegenheit, sie alle zusammen zu treffen und mit<lb/>
ihnen zu diskutieren. Diese Aussprache war für mich sehr wertvoll und<lb/>
ihnen gab es das GEfühl, dass sie in de Fremden nicht volkommen verlassen<lb/>
sind. Ich versicherte iznen, dass ich allesdaransetzenw erde, um Ihre<lb/>
Wünsche zu erfüllen, resp. sie in ihrer schweren Arbeit zu unterstützen.<lb/>
Auch unsere Aussenhandelsstellen der ÖFVW im Ausland brauchen solche Unter<lb break="no"/>stützungen und ich konnte feststellen, dass in vielen Staaten wirklich bes<lb break="no"/>ser bedient werden als die Kollegen, mit denen ich diskutierete, bei uns in<lb/>
Österreich. <rs type="person" ref="#per__146376">Herbst</rs> meinte, sie wollen nicht als Diplomaten akkreditiert<lb/>
werden, übrigens so etwas ginge gar nicht, abr man sollte doch überlegen,<lb/>
welche Möglcihekit ihrer Arbeitserleichterung man ihnen verschaffen könnte.<lb/>
ICh werde diesbezüglich mit <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> sprechen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-05_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte bei der nächsten Ministerratssitzung<lb/>
mich daruaf aufmerksam machen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-05_12">Der Italiener <rs type="person" ref="#per__140296">Portoluci</rs> fragte mich, ob es nicht eine Möglichkeit gäbe, dass<lb/>
sie sich gegenüber Polizei oder z.B. Flughafen in irgendeiner WEise legi<lb break="no"/>timieren könnten. Ich versprach ihnen sofort, dass wenn keine andere<lb/>
Möglichkeit ist, ich ihnen von der ÖFVW ein Papier zur Verfügung stellen<lb/>
lassen werden, dass sie entsprechend ausweisen würde. <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs>, der<lb/>
anwesend war und insbesndere Dr. <rs type="person" ref="#per__113626">Ortmann</rs> vom Handelsministerium haben<lb/>
alle diese Wünsche zur Kenntnis genommen und wie ich sie dann ersuchte,<lb/>
erklärten auch, diese so weit es irgend geht zu erfüllen. Die Vertreterin<lb/>
Indiens <rs type="person" ref="#per__146196">Pei</rs> meinte, ob man ihr nicht für den Flughafen Passierscheine<lb/>
verschaffen könnte, damit sie Zugang zum Transitraum hat, da sie oft<lb/>
<pb n="16-0809" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-07-05_0809.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>durchreisende Funktionäre sprechen möchte. Der Spanier <rs type="person" ref="#per__146197">Quijano</rs> erklrte<lb/>
dass der österr. Vertreter der ÖFVW in Spanien sein Auto zollfrei ein<lb break="no"/>führen durfte, er dagegen dies abgelehnt bekommen hat. Hauptproblem war<lb/>
aber wie der Schweizer <rs type="person" ref="#per__146195">Dutler</rs> und die andeen ausführten, die BElastung<lb/>
ihrer Aufwendungen durch die Mehrwertsteuer. Nur der Ungarn-Vertreter<lb/>
<rs type="person" ref="#per__146034">Örszi</rs>, der gleichzeitig ein offizelles Reisebüro IBUSZ nebenbei führt,<lb/>
liegt in der Unternehmerkette und bei dem stört die Mehrwertsteuer<lb/>
in dem Fall nicht. Die anderen haben die Alpentreuhandgesellschaft<lb/>
beauftragt, eine enstprechende Studie und Einganbe für das Finanzmini<lb break="no"/>sterium vorzubereiten. Sie werden mir einen diesbezüglichen Durch<lb break="no"/>schlag schicken und bitten um Unterstützung beim Finanzminister.<lb/>
Das Amt für Körperschaftssteuer hat ihnen empfohlen, sie sollen alle<lb/>
Rechnung aufheben, vielleicth bekommen sie die Mehrwertsteuer rückvergütet.<lb/>
Bei dem deutschen Vertretern, die sowohl BRD als auch DDR, einer in der<lb/>
Brandstätte 1 der andere in der Brandstätte 4 domilizieren, beschwerten<lb/>
sich über die Behinderung durch den U-Bahn-Bau. Um zu dokumenteieren,<lb/>
wie sehr ich mich um ihre Interesen kümmere, habe ich dann sogar noch<lb/>
eine Besichtigung mit ihnen durchgeführt. Sie haben allerdings zu<lb break="no"/>geben müssen, dass optimal die Baugesellschaften versuchen, ihre ZUgänge<lb/>
freizuhalten. <rs type="person" ref="#per__146376">Herbst</rs> hat sogar zugegeben, dass seinerzeit in München es<lb/>
dort noch viel schlechter mit dem Zugang zu deneinezlen Geschäften<lb/>
und Häusern gewesen ist Zuletz wollte das ungarische Fernsehen, das<lb/>
zufälligerweise wegen <rs type="person" ref="#per__97652">Kossygin</rs>-Besuch in Österreich war, von mir noch<lb/>
ein Fremdenverkehrsinterview, das ich selbstverständlich gerne gegeben<lb/>
habe. Die Fremdenverkehrsdirektoren waren glaube ich von der Aussprache<lb/>
wirklich begeistert, insbesonder,e das ihc mir so viel Zeit genommen<lb/>
habe und so auf ihre Detailwünsche eingegangen bi. VErsprochen habe<lb/>
ich nur, dass wir uns all ihrer Wünsche annehmen werden und ich habe ins<lb break="no"/>besondere den anwesenden Handelsministeriumsvertreter ersucht, er möge<lb/>
alle Wünsche in Angriff nehmen und wenn es Schwierigkeiten z.B. mit<lb/>
dem Flughafen Wien geben sollte, sofort mit mir sprechen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-05_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte versuche diese Kollegen tatkräftigst<lb/>
zu unterstützen. Auf lange Sicht macht sich<lb/>
dies für ÖFVW im Ausland sicherlich bezahlt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-05_14">Da <rs type="person" ref="#per__126284">Leherb</rs> in Italien zwei Preise für seine Plakate erreicht hat, wo<lb/>
Österreich bis jetzt maximal unter ferner liefen aufschien, hat <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs><lb/>
und ich ihm einen Besuch abgestattet, den Dank ausgesprochen und sowohl<lb/>
<rs type="person" ref="#per__136839">Profohs</rs> als auch er warne sicherlich über diese Aufmerksamkeit sehr</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-05_15">gerührt. Um dies in der Öffentlichkeit aber besser herauszustreichen.</p><pb n="16-0810" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-07-05_0810.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-05_16">habe ich vorgeschlagen und <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs> hat dies auch schon akzep<lb break="no"/>tiert, dass wir bei der nächsten Generalversammlung der ÖFVW eine Doku<lb break="no"/>mentation über die Erfolge <rs type="person" ref="#per__126284">Leherbs</rs> bringen und dann eine Dankadresse an<lb/>
ihn richten, wo alle unterschreiben solten. Ich bin neugieirig ob sich<lb/>
wer davon ausschliesst. <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs> teilte mir mit, dass die Präsenta<lb break="no"/>tion jetzt ungefähr 300.000 S gekostet hat und er meint, dies möchte er<lb/>
irgendwie unter Budgetposten unterbringen, wo sich nicht die einzelnen<lb/>
Fremdenverkehrsdirektoren, die sich gegen diese Aktion, obwohl sie jetzt<lb/>
ein voller Erfolg wird, ausgesprochen haben, aufregen könnten. Ich erklärte<lb/>
sofort, dass ich diese Meinung nicht teile, denn noch niemals hat eine<lb/>
Aktion der ÖFVW einen solchen Erfolg im Ausland zu verzeichnen gehabt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__126284">Leherb</rs> gegenüber bezeichnete ich meinen Einsatz als rein egoistischen<lb/>
Gründe, ich bin wirklich büerzeugt, dass wir in der Fremdenverkehrs<lb break="no"/>werbung neue Wege auch beschreiten müssen und war deshalb sehr froh,<lb/>
dass er sich zur VErfügung gestlelt hat, so wie <rs type="person" ref="#per__146166">Dali</rs> für Frankreich<lb/>
als Künstler ein neues Österreich-Image zu schaffen und wie <rs type="person" ref="#per__136839">Profohs</rs> halb<lb/>
weinenden, halb lachenden Auges bestätigte, nch umsonst, weil ich so<lb/>
charmehaft erklärte, <rs type="person" ref="#per__126284">Leherb</rs> ist unbezahlbar.Durch die derzeitigen aus<lb break="no"/>ländischen Erfolge <rs type="person" ref="#per__126284">Leherbs</rs> werden selbst die Herren Karls, denAusdruck<lb/>
führte ich als <rs type="person" ref="#per__120391">Qualtinger</rs>-Figur auch in unserer Diskussion seit<lb/>
längerer Zeit ein, gezwungen, entweder zu schweigen oder sich zumindestns<lb/>
international zu blamieren. Ich bin schon sehr gespannt, wie sich manche<lb/>
Fremdenverkehrsdirektoren und Delegierter zur Generalversammlung verhal<lb break="no"/>ten werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-05_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: <rs type="person" ref="#per__97684">Langer-Hansel</rs> hat die Vorbereitungen übernommen,bitte<lb/>
kontrolliere, damit dies wirklich im entsprechenden<lb/>
Rahmen und mit entprechendem Text geschieht.</p></div>
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            <head>Tagesprogramm, 5.7.1973</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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