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            <title type="main">Dienstag, der  3. Juli 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-03_01">Dienstag, 3. Juli 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-03_02">Eine Aussprache mit Dr. <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> und Ing. <rs type="person" ref="#per__139851">Zotter</rs> zeigt, dass unsere<lb/>
Kommunikation nicht funktioniert. <rs type="person" ref="#per__139851">Zotter</rs> ist mir Recht verärgert,<lb/>
dass aus Informationsmangel oft sie entweder nichts weiss, wie<lb/>
z.B. bei der Absage eines Arbeitsausschusses für Geschäftsbedin<lb break="no"/>gungen für Möbel oder Informationen, die ich dringend brauchen würde,<lb/>
wie Konsumentenpolitik nicht bis zu mir auf kurzem Wege gelangen.<lb/>
Da <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> recht hat, dass <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> jetzt für die Beamten als haus<lb break="no"/>fremd gilt, ich aber unter allen Umständen die jahrelange VErbindung<lb/>
und Zusammenarbeit aufrechterhalten möchte, gibt es die einzige Mög<lb break="no"/>lichkeit über Ing. <rs type="person" ref="#per__139851">Zotter</rs> diesen Kontakt und Mitarbeit zuführen.<lb/>
Eine Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> und <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> am Abend klärt dann, so hoffe<lb/>
ich zumindestens, die ganze Situation. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> hat in der Zwischenzeit<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__139851">Zotter</rs> gesprochen, wie er mir mitteilt, eien entsprechenden Weg<lb/>
gefunden, <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> selbst erkennt, dass es auch für die Konsumenten<lb break="no"/>information von grösster Bedeutung ist, wenn <rs type="person" ref="#per__139851">Zotter</rs> im Handelsmini<lb break="no"/>sterium verbleibt, sodass ich hoffe, dass wir einen gemeinsamen Weg<lb/>
finden und die Arbeit fortsetzen können. Jede andere Lösung wäre kompli<lb break="no"/>zierter, weniger effizient, ich glaube sogar für die Konsumentenpolitik<lb/>
die wir im Ministerium weiterhin unbedingt betreiben müssten, schädlich</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-03_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Wenn wir die Preispolitik mit 1. Jänner leider<lb/>
bekommen, müssen wir als einzig positiven<lb/>
Faktor die Konsumentenpolitik nicht nur besonders<lb/>
betreiben, sondern immer wieder auch herausstreic<lb/>
bitte diesen GEsichtspunkt unseren anderen Kolle<lb break="no"/>gen unbedingt verständlich mahcen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-03_04">Im Klub berichtete <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> über die Schillingaufwertung und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
über die Parteienverhandlungen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> strich heraus, dass die Par<lb break="no"/>teienvereinbarungen vom September 1972 eingehalten werden müsstne und<lb/>
deshalb auch der LANDWIRTSCHAFT jetzt mit über 90 Mill. Die Export<lb break="no"/>förderung erfüllt werden muss. Zur ORF-Reform meinte er, dass er<lb/>
mehr machen wird, als er in Villach angekündigt hat. Er versteht<lb/>
darunter, dass die Mitsprache der Hörer und Seher gesichert ist,<lb/>
die Drittelvertretung im Aufsichtsrat, das Redaktionsstatut und<lb/>
die Garantie der Meinungsvielfalt, diese soll durch drei unabhängige Di<lb break="no"/>rektoren erreicht werden. Die Gesellschafterversammlung wir den<lb/>
Generaldirektor mit qualifizierter Mehrheit zu wählen haben. Über<lb/>
die Kritisichen und strittigen Punkte, wieweit der Generaldirektor<lb/>
den die Genossen erwartet haben, dass er entsprechend entmachtet wird,<lb/>
tatsächlich dann in seinen Befugnissen eingeschränkt wird, hat er<lb/>
<pb n="16-0787" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-07-03_0787.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>keine Informationen dem Klub gegeben und ist damit dieser schwer<lb break="no"/>wiegenden Diskussion ausgewichen. Die Rundfunkkommission wird bis<lb/>
Mitte Juli ihre Richtlinien fertig haben, im Herbst wird der Gesetz<lb break="no"/>entwurf im Parlament sein und wie er hofft auch beschlossen werden<lb/>
können und vielleicht sogar mit Zustimmung der Opposition, während<lb/>
sie bis jetzt gesagt haben, es darf kein Beistrich am Rundfunk<lb break="no"/>gesetz geändert werden , sind sie nun durch die Kommission gezwun<lb break="no"/>gen, zu vernünftigen Vorschlägen Stellung zu nehmen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hofft auch<lb/>
dass in der Volksanwaltschaft durchkommt, wenn er der der Volkspartei<lb/>
ein face saling, d.h. das Gesicht wahren lässt. In der Auseinander<lb break="no"/>setzung um den § 144 meint er, soll man sehenden Auges und bewusst<lb/>
eine optimale Lösung anstreben, nachdem die Oppositionsparteien<lb/>
aber ganz bsonders auch die Kirche und andere Kräfte in Österreich<lb/>
sich dagegen stemmen. Er wollte sich im einzelnen noch nicht festlegen<lb/>
hat aber angeduetet, dass ihm jetzt eine ersatzlose Streichung überhau<lb/>
als beste Lösung vorschwebt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-03_05">Im Ministerrat hat der Verfassungsdienst zu einigen Gesetzen von <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs><lb/>
er hat ja fast ein Dutzend vorgelegt – festgehalten, dass mit manchen<lb/>
Gesetzen bis zu 6 andere Gesetze geändert werden, wie.Z.B. beim Ver<lb break="no"/>fahrenshilfegesetz. Mit dieser Lösung ist der Verfassungsdienst<lb/>
überhaupt nicht einversanden, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> begnügt sich aber damit, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> erklört, er hätte auch bei anderen Gesetzen mit Finanz, Inneres<lb/>
und Bauten Differenzen un-d die könnte man im Laufe der parlamentari<lb break="no"/>schen Verhandlung regeln. Der Vorteil unserer Regierung besteht darin,<lb/>
dass selbst wenn die Ministerialbürokratie eines anderen Ministeriums<lb/>
grösste Bedenken gegen irgendeinen Gesetzentwurf maximal der Minister<lb/>
verlangt, dass man über dieses Problem im Parlament eben dann offen<lb/>
diskutieren wird, etwas, das sowieso die Opposition in dem Fall be<lb break="no"/>sorgen würde. In einer Koalitionsregierung wäre micht Sicherheit<lb/>
anzunehmen, dasss der Gesetzentwurf beeinsprucht wird und dadurch<lb/>
nicht mehr ins Parlament kommt und natrülich jahrelang verzögert wird.<lb/>
oder zumindestens werden kann. Beim E-Wirtschaftsgesetz versicht mir<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs>, was ich allerdings schon wusst und von Min.Rat <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> bestä<lb break="no"/>tigt bekommen habe, dass alle Änderungen, die wir gewünscht haben,<lb/>
berücksichtigt wurden. Der Finanzminister ersucht mich, dass bie der<lb/>
Verhandlungsrunde im GATT vorher mit seinem Ministerium entsprechendes<lb/>
Einvernehmen hergestellt werden möge, was ich selbstverstädlich sofort<lb/>
zusage.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-03_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte eine diesbezügliche Information an <rs type="person" ref="#per__98075">Willen<lb break="no"/>part</rs> über <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs>.</p><pb n="16-0788" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-07-03_0788.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-03_07">Finanzminister berichtet über die 4,8 % Aufwertung, die in seinem<lb/>
mündlichen Bericht, der schriftlich vorlag, sofort akzeptiert wird.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat dies gar nicht so schnell mitbekommen und meinte, es müsste<lb/>
doch zumindestens jetzt die Regierung auch über dieses Problem informiert<lb/>
werden. Auch hier zeigt sihc der Vorteil eine monochromen Regierung,<lb/>
dass selbst über die wichtigsten Probleme der zuständige Minister<lb/>
fast selbstherrlich Entscheidungen treffen kann. Natürlich geht dies<lb/>
nur im Einvernehmen mit dem Bundeskanzler, der bei uns zwar keine<lb/>
Richtlinienkompetenz hat sondern nur maximal koordinieren könnte, dank<lb/>
der Stellung aber <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> in Wirklichkeit weit über den deutschen<lb/>
Bundeskanzler hinaus Einfluss auf die Regierungsgeschäfte der Kollegen<lb/>
nimmt. Jede Regierungsänderung wäre natürlich deshalb eine gewisse<lb/>
Schwächung seiner Person, weshalb er z.B. auch einen Brief eines gewissen<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__146036">Hoffleischhackerm</rs> der ihm mitteilt, dass <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> gar keine Qualifi<lb break="no"/>kation hat, um <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> und <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> zu kritisieren und die Auswechs<lb break="no"/>lung zu verlangen, als Anlass nehmen will, in der SK diesbezügliche Mit<lb break="no"/>teilung zu machen. ICh hoffe, dass er nicht auf Grund dieses einzelnen<lb/>
Schreibens erklärt, dass die Bevölkerung gar keine Regierungsumbildung<lb/>
will. Da für mich ziemlich feststeht, dass <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> im Herbst<lb/>
ach Kärnten zurückkehrt, um den sehr schwer erkrankten LH-Stv. <rs type="person" ref="#per__137232">Suchanke</rs><lb/>
abzulösen, wird er um eine Ergänzung der Regierung nicht hinwegkommen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> sieht sich schon um seinen Nachfolger um und denkt dabei<lb/>
an <rs type="person" ref="#per__97558">Hobl</rs>. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Eisenbahner <rs type="person" ref="#per__97558">Hobl</rs><lb/>
akzeptieren. Ausserem nehme ich an, wird <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> einen Ländervertreter<lb/>
zu berücksichtigen haben. <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs>, den er seinerzeit für dne Verkehrsmini<lb break="no"/>sterposten gerne den Eisenbahnern mundgerecht gemacht hätte, scheidet jetz<lb/>
allerdings aus dieser Kombination glaubet ich aus.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-03_08">Bezüglich der ÖVP-Anfrage, an alle Minister, welche Dienstreisen ab<lb/>
4.11.1971 ud wer die Kosten getragen hat und wer aller dabei war,<lb/>
schlägt <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> vor, dass jedes Ministerium auch einen Vergleich<lb/>
anstellen soll, wie in jedem Ressort der Amtsvorgänger bis zum 1.1.1970<lb/>
drei Jahre zurückgerechnet, gereist wurde. Dieselben Fragen, die also<lb/>
an uns gestellt werden, sollen wir hausintern untersuchen, wie der ÖVP-<lb/>
Minister gereist ist. Darüber hinaus wird bei der Anfragebeantwortung<lb/>
auf die Touristklassen-Beschluss dieser Bundesregierung beim Flug hin<lb break="no"/>gewiesen und insbesondere auch versucht werden zu errechnen, wieviel<lb/>
dadurch die höheren Beamten ebenfalls neben dem Minister eingespart<lb/>
haben, da sie ja früher das REcht hatten, mit 1. Klasse zu fliegen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-03_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte die diesbezplichen Berechnungen für unser<lb/>
Haus sofort vornehmen zu lassen und insbesondere<lb/>
die Reisen der Handelsminister von 1967-1969 mit<lb/>
derselben Fragestellung wie wir gefargt werden vom Präs. feststellen lass<lb/>
<pb n="16-0789" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-07-03_0789.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Botschafter <rs type="person" ref="#per__140293">Maschke</rs>, Präs. <rs type="person" ref="#per__98012">Thaler</rs> und VP <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> sowie <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> disku<lb break="no"/>tieren unseren Vorschlag der Einschaltung des Patentamtes im Rahmen des<lb/>
Europa-Patentes. <rs type="person" ref="#per__140293">Maschke</rs> und <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> haben in Holland im Internationalen<lb/>
Patentinstitut eine schweren Rückschlag erlitten. Der Präsident <rs type="person" ref="#per__146279">Finniss</rs><lb/>
hat bei einer Aussprache klar und deutlich zu erkennen gegeben, dass<lb/>
er gar nicht daran denkt, Österreich in irgendeiner Weise einzuschalten.<lb/>
Das IIB wird die Recherchen-Tätigkeit als Generaldirektion allein<lb/>
führen und die von uns angebote Dokumentation und Klassifikation, d.h.<lb/>
die Harmonisierung wird entschieden abgelehnt. Das IIB macht dies bereits<lb/>
seit geraumer Zeit selbst. Das IIB verweist darauf, dass wir im Rahmen<lb/>
des PCD aktiv werden sollten. PCD würde die ganze Welt umfassen, hat<lb/>
aber derzeit kaum eine Chance durchzudringen, weil eben gerade das<lb/>
Europa-Patent von Frankreich verlangt ganz gross ausgebaut und aufgebaut<lb/>
wird. Der Amtsvorgänger von Präs. <rs type="person" ref="#per__98012">Thaler</rs> Präs. <rs type="person" ref="#per__149008">Prenicka</rs>, hat rein<lb/>
emotionell sich immer gegen eine Kooperation mit dem IIB ausgesprochen<lb/>
wir sind derziet nicht einmal Mitglied und müssen nun die Aversion in<lb/>
jeder Beziehung spüren. <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> hat dies nicht nur zeitgerecht erkannt, so<lb/>
dern auch sofort Konsequenzen daraus gezogen. Er schlägt mir vor, dass wi<lb/>
im Inneren das Patentamt sofort umstellen müssen auf eine Researchtätig<lb break="no"/>keit, die im engsten Einvernehmen mit Inpadoc vielleicht dem Patentamt<lb/>
im Hinkunft eine gewisse Lebensfähigkeit ermöglichen wird. Es muss<lb/>
dann eine generalorganisatorische Änderung im Patentamt erfolgen. Nach<lb/>
aussen hin wird er sich bemühene, eine Zweigstelle des IIB zu werden,<lb/>
d.h. wir werden versuchen, die Mitgliedschaft zu erreichen und zu<lb break="no"/>mindestens für die Übergangszeit mit Prüfarbeit vom Europ. Patentamt<lb/>
beauftragt zu werden. Eine solche Übergangszeit beträgt 20 Jahre und<lb/>
würde eine gewisse Arbeit für das Patentamt sicherstellen. Nach der<lb/>
jetzigen Sachlage kommt aber eine Researchtätigkeit nicht in Frage.<lb/>
Für die Prüfarbeiten kann aber das Europa-Patentamt 40 % an andere<lb/>
Länder vergeben, wobei jedes Amt maximal 33 % erhalten könnte. Da<lb/>
uns Präs. <rs type="person" ref="#per__139982">Hertl</rs> vom deutschen Patentamt, der gleichzeitig auch Präsident<lb/>
des europäischen Patentamtes werden will, sehr wohlgesinnt ist, wird<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> jetzt versuchen, mit ihm unverzüglich Kontakt aufzunehmen<lb/>
um eine Lösung für das ÖPA, die einigermassen erträglich ist, zu er<lb break="no"/>reichen. Da die Österr. Patentanwälte das Österr. Patentamt unter allen<lb/>
Umständen erhalten wollen und ihre Tätigkeit aufrechterhalten möchten<lb/>
selbst wenn dies nur ein oder zwei Jahre mehr dauert, hat man scheinbar<lb/>
in der Vergangenheit vollkommen vergessen, zukunftsträchtige Patent<lb break="no"/>politik zu machen. Jetzt sind wir in einer verfahrenen Situation. Unser<lb/>
versuch, mit Hilfe von Inpadoc das Patentamt zu retten, hat bis jetzt<lb/>
auch nicht überwältigende Ergebnisse gezeigt, wenn die beiden Institu<lb break="no"/><pb n="16-0790" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-07-03_0790.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>tionen nicht sehr bald bestens kooperieren, wenden sie in kürzer<lb break="no"/>ster Zeit beide aus dem europ. Patentgeschehen ausgeschaltet sein.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-03_10">Bei der Vertragsunterzeichnung mit der SU, von der <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> Anfangs<lb/>
gar nicht wusste, dass er überhaupt daran teilnehmen soll, woei<lb/>
bei den Verhandlungen zeigt sich typisch, was <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> einmal als<lb/>
"Vaterkomplex" <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> gegenüber bezeichnet hat. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
wurde von ihm aufgefordert, dass er über die Bankverhandlungen etwas<lb/>
berichten sollte, wobei <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> nur daruafhingwies, dass alles<lb/>
vorbereitet sei und er nur bittet, dass ein sowjetischer Kollege,<lb/>
den er eingeladen hat, nach Österreich zu kommen, womöglich zur<lb/>
Bankeröffnung kommen sollte. Bei der Unterzeichnung verlangt <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
obwohl <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> sich wirklich im Hintergrund halten wollte, wo<lb/>
ist der Finanzminister, bei den Besprechungen hat er alle Ziffern nur<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> verlangt, von ihm richtig gekommen aber dann teilweise v<lb/>
verwechselt, sodass <rs type="person" ref="#per__97652">Kossygin</rs> dann seine Ziffern verlegte. <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs><lb/>
fragte mich immer, von wo hat denn der Bundeskanzler die Ziffern her,<lb/>
sie sind ja total falsch. Hätte mich die ÖMV, Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> ist in<lb/>
Früh extra noch erschienen, nicht ersucht, ich sollte zumindestens<lb/>
anmeldne, dass sie noch 200.000 t Öl zu den 1, Mill. t 1973 zu<lb/>
liefernde Menge bekommen möchte hätte ich mich wahrscheinlich<lb/>
überhaupt nicht zu Wort gemeldet. Natürlich muss jetzt der Eindruck<lb/>
entstehen, dass ich über das Schneiden von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mir gegenüber<lb/>
und das Aufbauen <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> veärgert oder gar beledigt bin. Logisch<lb/>
überdacht liegt ein Gutteil dieser Entwicklung bei mir selnst.<lb/>
Ich habe und werde immer ausschliesslich eigenständig handeln.<lb/>
Die von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> so sehr gewünschte Information über jede Keleinigkeit<lb/>
habe ich im Prinzip wissentlich missachtet. Dies hat meiner Meinung<lb/>
nach nicht die Ursache in der sogenannten Ministerverantwortlichkeit<lb/>
und dass man letzten Endes selbst zu entscheiden hat und gradzustehe<lb/>
hat, sondern entspricht meinem Arbeitsstil. ICh leiste meine Ar<lb break="no"/>beit, wer etwas von mir will, braucht mich nur zu fragen, wer mit<lb/>
Arbeit übertragen will, ist es mir recht, wer mir keine gibt,<lb/>
stört mich nicht, ich nehme immer an, dass man zu mir Vertrauen hat<lb/>
so wie ich auch meinen Mitarbeitern jedwede Freiheit gebe und voll<lb break="no"/>stes Vertrauen entgegenbringe. Natürlich wäre es eine haushohe Über<lb break="no"/>schätzung, wenn ich glaube, dass ich so gut und so stark bin,<lb/>
dass ich mir dies eigentlich leistne könne. Wenn dies<lb/>
auch nicht der Fall ist, ich leiste es mir, allerdings muss ich<lb/>
dann auch die Konsequenzen tragen, darf weder beleidigt, noch eingesch<lb/>
schnappt sein, wenn der andere muss ein solches Verhalten auch so<lb/>
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bilateralen Fragen beschäftigen sollte , konkret nur das Memo<lb/>
der VÖEST ins Russische übersetzt dem stellv. Aussenhandels<lb break="no"/>minister <rs type="person" ref="#per__146949">Kuzmin</rs> übergeben lassen. <rs type="person" ref="#per__97652">Kossygin</rs> hat sofort danach<lb/>
gegriffen, wahrscheinlich hätte man es ihm übergebensollen, es<lb/>
überflogen und dann gemeint, über dieses Problem müsste man<lb/>
noch genauere Untersuchungen anstellen. In der Gasfrage meinte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, dies hätte ich mit <rs type="person" ref="#per__146949">Kuzmin</rs> schon besprochen und nachdem<lb/>
er ja zur VÖEST nicht mitfährt und ich mit ihm noch Verhandlungen<lb/>
führe, könnte dies dort weiter erötert werden. Er erwähnte dann<lb/>
hoch die Eisernes-Tor-Gebühren und und ging auf die humanitären<lb/>
Probleme über, wobei er sich insbesondere für die sowjetischen<lb/>
Juden, die nicht mehr indie SU zurückkehren können, einsetzte<lb/>
und eine Petition übergab. Zum Schluss fragte er noch, <rs type="person" ref="#per__97652">Kossygin</rs><lb/>
möchte also seine Meinung über die Ausweitung des sowj.-österr.<lb/>
Handels darlegen. <rs type="person" ref="#per__97652">Kossygin</rs> selbst hat zu meiner grössten Über<lb break="no"/>raschung dann sehr konkrete Vorschläge gebracht. Die Sowjets wollen<lb/>
schwere LKW kaufen, ihre 100.000 jährlich produzierten Vollernte<lb break="no"/>maschinen brauchen sie dringend Schneidemesser. Sie brauchen grössere<lb/>
Anlagen und insbesondere Stahlguss und er fragt, wie weit wir kleine<lb/>
und grössere Schmiedekapazitäten frie haben. Bezpglich der Atomkraft<lb/>
werke meinte er,, wir könnten Kooperationen abschliessen, wobei<lb/>
sie insbesondere Rohre bräuchten, sie möchten auch mehr Bleche<lb/>
unverzüglich kaufen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> meinte, das wäre ein gutes Ansatz<lb break="no"/>punkt mir gegenüber, wobei ich ihm allerdings erklärte, dass die<lb/>
VÖEST mir gestern erst sagte, dass sie heuer keine grösseren Blech<lb break="no"/>lieferungen übernehmen können. Die SU bruacht scheinbar einige<lb/>
wichtige Ergänzungen für ihre Pläne und möchte dies alles heuer<lb/>
noch verwirklichen. Da wir ein ganz schönes Defizit von 330 Mill.<lb/>
in den ersten vier Monaten schön wieder feststellen können, würde<lb/>
die ganzen Aufträge unseren sowj.-österr. Aussenhandel sehr gut tun.<lb/>
Das Passivum würde teilweise ausgeglichen. <rs type="person" ref="#per__97652">Kossygin</rs> erwähnte auch<lb/>
ein Projekt, das sie für 50 Mill. Container-Schiffe kaufen möchten<lb/>
nicht bei uns allerdings, weil sie auch grosse Hochseeschiffe auf<lb/>
Containerbasis nach der Methode, kleine Donauschiffe auf Container<lb break="no"/>basis bringen die Fracht und laden sie auf grosse Containerschiffe<lb/>
um, ein System errichten möchten. <rs type="person" ref="#per__141654">Schwartz</rs> und der zweite Geschäfts<lb break="no"/>führer, die ich am Abend dann traf und diese Mitteilung machte,<lb/>
waren sehr erfreut über diese Möglichkeit. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat <rs type="person" ref="#per__97652">Kossygin</rs><lb/>
<pb n="16-0792" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-07-03_0792.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>darauf aufmerksam gemacht, dass die Korneuburger jetzt mit den<lb/>
Maltawerften auch Hochseeschiffe bauen könnten, die Malteser hauen<lb/>
den Schiffsrumpf und rüsten die entsprechenden Schiffe aus. Die<lb/>
ersten Projekte wären Lieferungen nach Kuba. Bei der Verabschiedung<lb/>
hat <rs type="person" ref="#per__97652">Kossygin</rs> scherzhaft gemeint, hoffentlich tragne die Leute hier ein<lb/>
Kreuzk d.h. dass sie christliche Preise ihnen verrechnen. Er erwähnte<lb/>
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dann zustandekommen können, wenn sie technisch und vor allem kommer<lb break="no"/>ziell entsprechen <rs type="person" ref="#per__114589">Canisius</rs> war von den Äusserungen und Ankündigungen<lb/>
begeistert. Er sieht eine gute Möglichkeit für österr. Exporte. Ich<lb/>
habe anschliessend daran mit <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> und <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> die Liste und Möglich<lb break="no"/>keiten noch enmal durchbesprochen und wir sind übereingekommen, eine<lb/>
schriftliches Elaborat <rs type="person" ref="#per__146949">Kuzmin</rs> am nächsten Tag zu geben und mit ihm<lb/>
konkrete Besprechungen zu führen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat zuerst angenommen, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__146949">Kuzmin</rs> auf alle FÄlle auch zur VÖEST fährt und hat mich zweimal ausdrüc<lb/>
lich gefragt, ob <rs type="person" ref="#per__146949">Kuzmin</rs> denn die VÖEST auch genau kennt, was ich ganz<lb/>
einfach bejahte. Ich glaube nämlich und bin wirklich fest überzeugt,<lb/>
dass eine solche Aussprache zwischen <rs type="person" ref="#per__146949">Kuzmin</rs> und mir für die konrekten<lb/>
Geschäftabschlüsse mehr beitragen kann als seine Reise zur VÖEST!</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-03_12">Typisch für mich war, dass nach der Sitzung der Dolmetsch vom BKA ganz<lb/>
einfach verschwundne ist und <rs type="person" ref="#per__114589">Canisius</rs>, der perfekt Russisch kann,<lb/>
die Übersetzungen des Kommuniques und die Kontrolle desselben durch<lb break="no"/>führen musste. Beim Abendempfang bei den Russen, wo tausend Personen<lb/>
eingladen waren und auch ene Unsumme gekommen ist, habe ich <rs type="person" ref="#per__114589">Canisius</rs><lb/>
auch diesbezüglich meine Anerkennung ausgesprochen. Bei dieser GE<lb break="no"/>legenheit informierte ich <rs type="person" ref="#per__97644">Koller</rs> von der VÖEST, <rs type="person" ref="#per__141654">Schwartz</rs> von Korneuburg<lb/>
und seinen Vorstandskollegen <rs type="person" ref="#per__140815"><choice><choice><sic>Peterling</sic><corr>Peterseil</corr></choice></choice></rs> <add>[evtl. Falschidentifikation, Anm.]</add> sowie Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> von<lb/>
der ÖMV. Zu diesem Empfang bin ich mit <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> vom Parlament hinge<lb break="no"/>fahren und wir haben und nur 3/4 Stunde freigenommen, aber ich<lb/>
muss auch zugeben, nur 3/4 Stunden bekommen, weil man noch Kampf<lb break="no"/>abstimmungen erwartete. Beim Empfang selbst haben wir eine ganze<lb/>
Unzahl von Abgeordneten der ÖVP gtroffen, trotzdem habe ich <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs><lb/>
gegenüber erklärt und er meinte dies auch richtig, wir hätten gesagt<lb/>
in 3/4 Stunden sind wir zurück und das sollten wir auch halten.<lb/>
Wir haben in einem kleinerenRaum, wo wie in eine Sauna die wichtigsten<lb/>
Personen hineingepfercht wurden, die Ansprache <rs type="person" ref="#per__97652">Kossygins</rs> und die Er<lb break="no"/>widerung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> gehört. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs>, derim GRunde seiner Seele immer<lb/>
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halten lange Tischreden und man behauptet, nicht zu UNrecht, dass<lb/>
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grössere Bedeutungen zu als in der westlichen Welt. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> aber war<lb/>
begeistert und meinte, wir hätten historische Minuten miterlebt. Heinz<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> hat seinen Freund <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> am besten so charakterisiert, <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> kann<lb/>
nicht jemanden meuchelmorden, aber meuchelloben. d.h. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> hat wirklich<lb/>
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ihm üer diese Probleme zu diskutieren. Ich glaube, ich sehe sie nur<lb/>
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Seite nicht die Bedeutung zu, die <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> hier erblicken möchte.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-03_13">Im Parlament war die Taktik – <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat sie mir angeduetet – die Sitzung<lb/>
auf keinen Fall zu beenden sondern auf den nächsten Tag hinüberzuzeihen,<lb/>
weil eine dringliche Anfrage komen würde. Tatschlich wurde dann spät<lb/>
abends über die Hochschulprobleme eine dringliche Anfrage eingebracht,<lb/>
die am nächsten Tag eben am Schluss der Sitzung unverzüglich zu behan<lb break="no"/>deln ist. Damit torpedieren sie – die ÖVP – die Möglichkeit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
über die Wirtschaftslage und ganz besonders die Aufwertung in den<lb/>
Vormittagsstunden noch eine Erklärung abgeben zu können, über die dann<lb/>
die Debatte eröffnet wird. Sie bestreiten die gute Zeit für die Zeitun<lb break="no"/>gen und Fernsehen abenmit ihrer dringlichen Anfrage. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat mir<lb/>
bei dieser Gelegenheit auch mitgeteilt, dass er mit den einzelnen<lb/>
Gruppen – Baumeister, Planungsbüros, Zivilarchitekten und Ingenieure,<lb/>
aber auch mit den Taxifahrern – grosse Schwierigkeiten hat. Delegationen<lb/>
haben bei ihm vorgesprochen und er müsste z.B. in der Frage, ob<lb/>
die Hoteliers und Gastwirte ermächtigt sind, ihre Gäste mit<lb/>
eigenem PKW abzuholen, zur nächsten Station zu bringen, wie wir verein<lb break="no"/>bart haben, auch tatsächlich aufrechterhalten kann, nochmals prüfen,<lb/>
Er möchte einen diesbezüglichen Vorbehalt im Unterausschuss machen,<lb/>
ich selbst habe ihm vorgeshllagen, er soll nur erklären, dass bei der<lb/>
ncäshten Ausschussitzung im Handelsausschuss über dieses Problem noch<lb/>
einmal sprechen wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-03_14">ZS <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs> von den Metallarbeitern wollte von mir eine Erklärung, wie es j<lb/>
jetzt mit Tux-Lanersbach Magnesitbergbau weitergehen soll. Er meinte<lb/>
ich sollte an die Stalag, d.h. an die VÖEST-Alpine ein Schreiben richten,<lb/>
wonach ich frage, ob sie bereit sind und welches Betrieb diesbezügliche<lb/>
Forschungsarbeiten und Explorationstätigkeiten wegen Scheelit-Abbau<lb/>
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dass ich das für falsch halte, denn in diesem FAll würde danndie<lb/>
Stahl-AG den schwarzen Peter haben. Derzeit habe ich die ÖAMAG<lb/>
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in seinem GEbiet vornehmen könnte. Auf diesen Brief habe ich noch<lb/>
keine Antwort bekommen, worüber ich sehr erfreut bin, denn jetzt<lb/>
liegt der schwarze Peter eben bei der ÖAMAG. <rs type="person" ref="#per__97498">Ossi Grünwald</rs> bestätigte<lb/>
auch, dass die VÖEST-Alpine aber auch die ÖIAG grösste Bedenken hat,<lb/>
die neue ungewisse Produktionen einzusteigen. Es kommtihm weniger auf<lb/>
die paar Millionen an, was die Aufschlussarbeit kosten könnte, sondern<lb/>
dass es dann keine Möglichkeit mehr gibt, wenn sihc herausstrellt,<lb/>
dass eine rentable Produktion nicht möglich ist, wieder auszusteigen.<lb/>
Als typisches BEispiel bezchnete er Fohnsdorf. <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs> war über diese<lb/>
Auskunft nicht sehr erfreut, hat aber darauf hingewiesen, dass b5i<lb/>
der nächsten Lohnrunde für den Bergbau ganz exorbitante Erhöhungen zu<lb/>
erwarten sind. Die Ist-Verträge müssten um 12 % erhöht, unter Tags käme<lb/>
ein Zuschlag von 2.- S und für Schmutz-, Erschwernis und Gefahren sei<lb/>
weiters mit 3.- S zu rechnen. <rs type="person" ref="#per__97498">GRÜNWALD</rs> war über diese Ankündigung nicht<lb/>
sehr erstaunt sondern meinte nur mit REcht, dass damit das Bergbau<lb break="no"/>problem endgültig insbesondere in Fohnsdorf gelöst werden muss. Bei<lb/>
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darauf Rücksicht genommen, ob der Betrieb diese Löhne auch tatsächlich<lb/>
erwirtschaftet. WEnn es nämlich nicht gelingt, mit den Löhnen nachu<lb break="no"/>kommen, d.h. wenn für einzelnen Branchen oder gar einzelne Betriebe<lb/>
die Löhne zurückbleiben, damit der Betrieb existieren kann, dann<lb/>
ist dies sowieso nur eine Frage von etlichen Jahren. Früher oder später<lb/>
muss ein Betrieb sihc dem allgemeinen Lohnniveau abpassen, d.h. wenn<lb/>
er nicht erwirtschaften kann, geht er sowieso zugrunde und die Arbeiter<lb/>
haben dann nur Schwierigkeiten, zu einem späteren Zeitpunkt sich neue<lb/>
bessere Arbeitsplätzen zus cuehn. Ich habe diese Lohnpolitik seiner<lb break="no"/>zeit als wachstumsorientiert bezeichnet. Wir haben nämlich dadurch,<lb/>
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den einen oder anderen Betrieb dadurch aus dem Wirtschaftsbereich ausge<lb break="no"/>schaltet habem. indem er zugrunde gegangen ist, auch mit dazu beigetrage<lb/>
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zu bezahlen um Konkurrenten, die vielleicht sogar dann in ihrer<lb/>
VErzweiflung machne Geschäftspraktiken angewendet haben, die gar nicht<lb/>
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Zuge einer Hochkonjunktur , die wir eigentlich seit 1945 konti<lb break="no"/>nuierlich feststellen konnten, mit Hilfe dieser Lohnmethode die not<lb break="no"/>wendige Strukturbereinigung zumindestens unterstützt, wenn nicht<lb/>
sogar gefördert wurde.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-07-03_15"/></div>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
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