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            <title type="main">Mittwoch, der 20. Juni 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-20_01">Mittwoch, 20. Juni 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-20_02"><rs type="person" ref="#per__97761">Müller-Hartburg</rs>, der Präsident der Ingenieure, kam ungeheuer aufge<lb break="no"/>laden , da er sich erhofft hat, dass in der Gewerbeordnung die Rechte<lb/>
der Baumeister auf Planung eingeschräkt werden. Statt dessen möchte<lb/>
die Handelskammer den Technischen Büros Planungsrechte geben. 1967<lb/>
wurden – wie <rs type="person" ref="#per__97761">Müller-Hartburg</rs> sich ausdrückte – die Technischen Büros<lb/>
abgeschafft und jetzt sollen sie neu entstehen. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> het die Ver<lb break="no"/>handlungen so geschickt geführt, dass <rs type="person" ref="#per__97761">Müller-Hartburg</rs> meinen Vorschlag<lb/>
akzeptierte und ihn als eine gute Lösung empfand, eine Arbeitsgruppe<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs>, Min.Rat <rs type="person" ref="#per__146595">Jaschek</rs> vom Bautenministerium, der sachlich dafür<lb/>
zuständig ist einzusetzen, um das Ziviltechnikergesetz zu novellieren.<lb/>
Moser hat dies den Ziviltechnikern schon lange versprochen, doch<lb/>
Min.Rat <rs type="person" ref="#per__146595">Jaschek</rs> soll ungeheuer unbeweglich sein. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs><lb/>
von dieser Arbeitsgruppe informiert und er war mit der Vorgangsweise<lb/>
eivnerstanden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-20_03">Durch ZUfall habe ich auf der Strasse Dr. <rs type="person" ref="#per__112567">Christian</rs> von der Handels<lb break="no"/>kammer getroffen und ihn im Auto mitgenommen und bei dieser Gelegen<lb break="no"/>heit über die Vorsprache <rs type="person" ref="#per__97761">Müller-Hartburgs</rs> folgenden Vorschlag unter<lb break="no"/>breitet: Ich möchte dn jetzigen Status quo aufrechterhalten, dies<lb/>
erscheint <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> auch als die beste Lösung. <rs type="person" ref="#per__112567">Chistian</rs> hat mir gestanden,<lb/>
dass sie den Technischen Büros schon Zusagen gemacht habn. Er wird<lb/>
dieses Problem mit <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> besprechen. <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs>, bei dem <rs type="person" ref="#per__97761">Müller-Hart<lb break="no"/>burg</rs> auch vorgesprochen hat, ist der Meinung <rs type="person" ref="#per__97584">Jagodas</rs>. Die SPÖ wird also<lb/>
auf dem jetzigen Status quo beharren.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-20_04">Prok. <rs type="person" ref="#per__97718">Marek</rs> von der ELIN, wie er selbst sagte, leider in Anwesenheit<lb/>
von Min.Rat <rs type="person" ref="#per__110035">Thun</rs>, ein langjähriger Gewerkschafter und Genosse, wollte<lb/>
für das Institut für Schweisstechnik eine Subvention. Er meinte, die<lb/>
schwarze Organisation <choice><choice><sic>Hofrat</sic><corr>Kommerzialrat</corr></choice></choice> <rs type="person" ref="#per__146319">Geiger</rs>, schweisstechnische Zentralanstalt<lb/>
bekommt überall Geld und er keines. Ich erklärte rundweg, dass die<lb/>
politische BEnachteilung insofern ein Ende haben iwrd, als wirt<lb/>
auch für die schweisstechnische Zentralanstalt keinerlie Subvention<lb/>
mehr geben können.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-20_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Wir müssten feststellen, wo aus parteipolitischen<lb/>
Gründen eine parteipolitische Organisation etwas<lb/>
bekommt und die andere nicht und dann zumindestens<lb/>
der schwarzen Organisation auch nichts geben.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-20_06">Die Delegation von NÖ über die Benachteiligung der Gewerbebetriebe<lb/>
<pb n="16-0727" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-06-20_0727.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>bei der Maul- und Klauenseuche war um 3 Uhr nicht erschienen, um<lb/>
1/2 4 Uhr habe ich dann die Delegation durch einen reinen Zufall<lb/>
beim Ausgang des Parlaments getroffen, wo man mir erklärt, man<lb/>
bedauert zutiefst, dass ich bei der Vorsprache der Delegation beim<lb/>
Finanzminister und Gesundheitsminister nicht anwesend war. Ich er<lb break="no"/>rkärte, dass ich im Saal gesessen bin und man mich nicht geholt hat.<lb/>
Aus meinem Terminzettel ging nicht hervor, dass dies eine gemeinsame<lb/>
Sitzung mit Finanzminister und Gesundheitsminister ist. Es wurde dort<lb/>
besproche, Vizepräsident vom Freien Wirtschaftsverband, dürfte der<lb/>
Wortführer gewesen sein, Erhebungen anzustellen und der Finanzminister<lb/>
sei bereit, für 20 – 30 Mill. S ähnlich für die Bauern auch für die Ge<lb break="no"/>werbetreibenden Subvention zur VErfügung zu stellen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-20_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: In HInkunft muss klargestellt werden, wer die<lb/>
Sitzungen einberuft und wieviel Minister daran<lb/>
teilnehmen und wo die Sitzungen sind, damit nicht<lb/>
aus technischem VErsehen ein solches Ausschalten<lb/>
Platz greift.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-20_08">Eine Parteibesprechung, an der <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> teilgenommen hat, hat beschlossen,<lb/>
einen Unterausschuss über die Fassung des Preisbestimmungsgesetzes ein<lb break="no"/>zusetzen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat mir mitgeteilt, dass nächsten Donnerstag eine<lb/>
solche Aussprache in seinem Ministerium stattfinden wird. Da soviel ich<lb/>
mich erinnern kann dieser Zeitpunkt aber mit einer Aussprache der bulg.<lb/>
Minister blockiert ist, werde ich Dkfm. <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> schicken. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> hat unter<lb/>
vier Augen mir gesagt, ich sollte nicht so angerührt sein, ich bestritt di<lb/>
dies, ohne ihm im konkreten auseinanderzusetzen, dass ich daüfrt allen<lb/>
GRund hätte, Richtig ist, dsss die Preisregelung noch immer bie <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs><lb/>
ressortiert, dass aber fürs Preisbestimmungsgesetz eigentlich das<lb/>
Handelsministerium zuständig ist. WEnn ich jetzt akzeptiere, dass über<lb/>
dieses Gesetz in Gremien gesprochen wird, ohne dass ich anwesend bin,<lb/>
so ausschliesslich um des lieben Friednes willen, auf lange Sicht<lb/>
gesehen, insbesondere nach Inkrafttreten des neuen Kompetenzgesetzes<lb/>
werde ich mir genau überlegen müssen, wie wir in dieser Frage weiterhin<lb/>
vorgehen. Da ich nicht die Absicht habe und es auch gar nicht könnte,<lb/>
ohne wahrscheinlich einen grösseren Krach heraufzubeschwören, mich von<lb/>
den Ergebnissen, wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sich ausdrücjte, des "Kuhhandels" mich zu<lb/>
distanzieren, so bleibt mir derzeit nichts andees übrig als abzuwarten,<lb/>
was aus den Besprechungen herauskommt und auf längere Sicht daraus Konsequen<lb/>
zu ziehen.</p><pb n="16-0728" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-06-20_0728.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-20_09"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> wollte unedingt mit mir unter vier Augen sprechen und hatte<lb/>
einen einzigen PUnkt: die Zollermässigung für Kooperationslieferungen<lb/>
wird von der Handelskammer auf das entschiedenste abgelehtn. Er hatte<lb/>
einen diesbezüglichen Aktenvermerk von <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> und meinte, wir müsste<lb/>
nach seiner Rückkehr aus Polen über dieses Problem eingehenddisku<lb break="no"/>tieren. Ich habe mich dazu insoferne geäussert, als ich erklärte,<lb/>
dass ein Teil der Firmen, die von der Kooperation betroffen sind, sehr<lb/>
wohl für eine Zollermässigung eintreten. Dass aber natürlich der<lb/>
überwiegende Teil, der eben mit den Oststaaten keinerlei Kontakte<lb/>
und Lieferungen hat, sehr wohl den jetzigen Status aufrechterhalten<lb/>
will. Hier kann ich entnehmen, wie nachteilig sich jetzt die Inakti<lb break="no"/>vität unserer Grundsatzgruppe auswirkt. Durch die Umstellung von<lb/>
Ministerien, die Berufung von Min.Rat <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> zum Sektionsleiter, die<lb/>
beabsichtigte Bestellung von <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> zum Grundsatzgruppenleiter hat<lb/>
eine gewisse INaktivität ausgelöst. Solange <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> nicht endgültig für<lb/>
die Grundsatzgruppe zuständig ist und womöglich ein Dekret in der<lb/>
Hand hat, wird die derzeit labile Situation uns in vielen Fragen<lb/>
Schwierigkeiten bringen. Das Zollermässigungsproblem gehört nämlich<lb/>
längst mit den Interessensvertretungen durchdiskutiert. Wenn nämlich<lb/>
ein Problem auftaucht, so ist es gar keine Frage, dass die Handels<lb break="no"/>kammer innerhalb ihrer Organisation sehr wohl eine disbezügliche<lb/>
Lösung versucht, meistens ist sie negativ, da ja die ERhaltung des<lb/>
Status quo immer das leichteteste ist und wir haben eigentlich keine<lb/>
diesbezüglichen Gegenvorschläge, die auf breiterer Basis eben in der<lb/>
Grundsatzabteilung erstellt worden wäre. Dieser Zustand muss so<lb/>
schenll wie möglich abgeändert werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-20_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte alles daransetzen,um die Grundsatzgruppe<lb/>
so schnell wie möglich dekretmässig <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> zu<lb/>
übetragen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-20_11">Im Parlament wurde nach einer umfangreichen Diskussion über die<lb/>
Erklärung <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> zur Stabilität eine ungeheure Verzögerung des<lb/>
Tagesablaufes erreicht. Die Gesetze über die Integration insbesondere<lb/>
das EGKS-Gesetz ging dann verhältnismässig schnell über die Bühne<lb/>
nur Bauernbunddirektor <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs> hat wieder die schwache Seite unserer<lb/>
agrarpolitschen Zusagen attackiert. Beim Vollmilchpulver-Export nach<lb/>
England konnte ich ihn insoferne beruhigen als ich ihm erklärt,<lb/>
dass die Engländer hie diesem Export und beim Papierexport uns nicht<lb/>
entgegenkommen, wir als zweiten Schirtt dann die Erhlhugn der Whisky-<lb/>
Zölle ins Auge fassen würden. Dies wird zwar auch nicht den Export<lb/>
<pb n="16-0729" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-06-20_0729.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>von Vollmilchpulver in Grossbritannien erleichtern, wohl aber<lb/>
gibt sie vielleicht der Landwirtschaft die BEfriedigung, dass mit allen<lb/>
MItteln versucht wurde, sie zu unterstützen. Die härteste Attacke<lb/>
ritt <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs>, indem er erklärte, es sei die Qualitätsklassenverordnung<lb/>
für Trauben und Zitrusfrüchte sowie für Paradeiser, Salat und Gurken<lb/>
für das Jahr 1972 von <rs type="person" ref="#per__98055">Weihs</rs> bereits zugesagt worden. Bis jetzt sei<lb/>
keine einzige erlassen. Hier hat sich die Anwesenheit von Min.Beamten<lb/>
gut ausgewirkt, denn sie konnten zwischenzeitig das Landwirtschafts<lb break="no"/>ministerium fragen, was wirklich geschehen ist. Tatsächlich ist fast<lb/>
nichts geschehen, denn bis jetzt wurde nur Weintrauben und Zitrus<lb break="no"/>früchte in die Begutachtung geschickt. Zum Glück hat der Verfassungs<lb break="no"/>dienst aus mir unerklärlichen Gründne verlangt, dass Weintrauben und<lb/>
Zitrusfrüchte in keine Verordnung kommen und ich konnte auf Grund<lb/>
dieses BEispiels die Schwierigkeiten bei der Erlassung dieser Verordnung<lb/>
vorspiegeln. Ausserdem wies ich darauf hin, dass mit den Qualitätsklassen<lb break="no"/>verordnungen die die Landwirtschaft so heftig jetzt velrangt, nicht auch<lb/>
der GEdanke mitspielen darf, damit eine nichtzolltarifarische Hemmung<lb/>
einzubauen. Der neue Klubobmann <rs type="person" ref="#per__98066">Robert Weisz</rs> hat mich ersucht, bei<lb/>
der Antwort sehr kurz und konziliant zu sein, damit die Diskussion nicht<lb/>
übergebührlich lange firtgesetzt wird. Ich habe mich selbstverständlich<lb/>
an diesen Vorschlag, der aucvh meiner Auffassung einer Ministertätigkeit<lb/>
im Plenum entspricht, gehalten. Da aber die Frau Wissenschaftsminister<lb/>
bei ihren Tagesordnungspunkten sehr lange replizierte und vor allem<lb/>
einmal wie <rs type="person" ref="#per__98066">Weisz</rs> und andere sich asudrückten, agressiv war, hat sich<lb/>
die Diskussion über ihre PUnkte wesentlich länger erstreckt, als vorge<lb break="no"/>sehen war. Da aber heute noch unbedingt die Sozialpolitischen Gesetze<lb/>
beschlossen werden mussten, sie müssen mit 1.7. in Kraft treten, ergab<lb/>
sich die kuriose Situation, dass für diese Gesetze dann viele Redner<lb/>
gestrichen wurden und die das Wort nahmen sich äusserst kurz und knapp<lb/>
ausdrückten. Dadurch war es möglich, vor Ende des 17-Uhr-Schluss auch<lb/>
noch den sozialpolitischen Block zu beschliessen. Die anderen umfang<lb break="no"/>reichen Tagesordnungspunkte kommen bei der nächsten Sitzung im Juli zur<lb/>
Verhandlung. Verständlich betrachtet jeder Minister seine Materie<lb/>
als wichtig. Einzelne Minister aber sich der Meinung, die müssen unbe<lb break="no"/>dingt durch entsrechend langwierige Erklärungen und Repliken ihren<lb/>
STandpunkt dem Hohen Hause auseaindersetzen. Die Opposition interesiert<lb/>
das normelerweise gar nicht, das Fernsehen weiss ich nicht, wie weit die<lb/>
eine solche Polemik überhaupt bringt, die eigenen Genossen aber haben<lb/>
dafür überhaupt kein Verständnis. Ich bezweifel aber sehr, ob sich die<lb/>
Selbstdisziplin hier bezahlt macht. Ich glaube, dass hier der Gurnd<lb break="no"/>satz gilt, der überhaupt in der Politik Geltung hat, nämlich: Wer<lb/>
<pb n="16-0730" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-06-20_0730.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>brutal genug ist, seine unmittelbaren Interessen entsprechend durch<lb break="no"/>zusetzen, d.h. überhaupt die Spitze seiner Aktivitäten zu stellen und<lb/>
auf die anderen womöglich keine Rücksichti nimmt, hat zumindetens in<lb/>
der Öffentlichkeit denVorteil für sich, in ERscheinung zutreten.<lb/>
Loyales Verhalten gegneüber anderen kann und wir von der Öffentlichkeit<lb/>
wenn überhaupt bemerkt, als Schwäche aufgefasst. Meistens aber geht es<lb/>
unter, was in diesem Fall sogar noch als günstig zu bezeichnen ist.<lb/>
Kommt es aber andereseits zur Konfrontation wird sofort vom Gegner<lb/>
abr wahrscheinlich auch von den Massenmedien festgestellt, dass es hier<lb/>
grosse Gegensätze gibt. Ein Zustand, der politisch noch schlechter ist<lb/>
als wenn gewisse differente Auffassungen verschweigt und sich durch<lb/>
geschicktes taktisches VErhalten darüber hinwegschwindelt.<lb/>
Solange mich niemand vom Gegenteil überzeugt, werde ich auf alle Fälle<lb/>
diese Linie weiter einschlagen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-20_12">Beim Abendessen im Sacher hat mich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> um 1 2 Uhr ersucht, ob<lb/>
ich nicht nächsten Tag bereit sei, den Senegalesischen Präsidenten<lb/>
aufmdas Flugfeld zu begleiten. Ich habe dies natürlich zugesagt,<lb/>
denn 7 Uhr Abfahrt ist für mich kein Problem. Spöttisch meinte ich, ich<lb/>
würde hatl das schwarze Gewand, das ich Montag früh angezogen habe und<lb/>
bis Mittwoch nachts trug, noch am mnächsten Morgen ebemfalls anziehen.<lb/>
Sehr erstaunt war ich aber, als am nächsten Morgen beim Abholen<lb/>
des Präsidenten <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> gar nicht erschien, sondern Vizekanzler <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> ge<lb break="no"/>schickt hat. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> erklärt, er sei der Frühaufsteher vom Dienst. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirch<lb break="no"/>schläger</rs> war auch erschienen, nur hat er sich entschuldigt, dass er<lb/>
nicth aufs Flugfeld fahren kann, weil er zur Fronleichnamsprozession<lb/>
gehen muss. Er meinte, er könne unmöglich nur zur Prozession erscheinen<lb/>
sondern für ihnsei es selbstverständlich, dass er am vorhergehenden Hoch<lb break="no"/>amt daran teilnimmt. Der senegal. Präsident wäre auch sehr gerne noch nach<lb/>
Moskau gefahren, doch hat er keine Einladung erhalten. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> führt<lb/>
darauf zurück, dass er in seinen Tischreden dann immer wieder heraus<lb break="no"/>gestrichen hat, der Sozialismus von rechten aber auch linken, <rs type="person" ref="#per__114602">Marx</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__123197">Lenin</rs> bis zum Chinesen <rs type="person">Mao</rs> reicht. Diese chinesische Linie, di er<lb/>
besonder herausstrich, dürfte mit einer der GRümde sein, warum die<lb/>
Russen abereine Einladung nicht ausgesprochen haben. Natürlich wird bei<lb/>
solchen Staatsempfängen auch Politik gemacht, d.h. dass klar und deutlich<lb/>
zum Ausdruck kommt. in welche GRuppierung der betreffende Staat sich be<lb break="no"/>findet, resp. in welche GRuppierung er hineinwill oder aus welcher<lb/>
GRuppierung er herauswill, doch trifft dies sicherlich nicht für<lb/>
einen neutralen Kleinstaat wie Österreich zu. Hier bringt ein solcher<lb/>
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zum Erfolg resp. überhaupt zum Ergebnis stehen. Da es sich um den<lb/>
ersten Staatsbesuch aus einem afrikanischen Land gehandelt hat, wurde er<lb/>
mit allem Pomp, der auch anderen europäischen Staatsoberhäuptern zustehen<lb/>
würde, abgewickelt. Selbst die Kanonenschüsse fehlten nicht. Ich fürchte, dass<lb/>
aber die geringe Anwesenheit von Ministern und des Bundeskanzlers vor allem<lb/>
aber auch durch Krankheit bedingt des Bundespräsidenten wahrscheinlich<lb/>
Präs. <rs type="person" ref="#per__149273">Senghor</rs> nicht sehr befriedigt hat. Ich habe aber keinerlei konktrete<lb/>
Mitteilungen. Mir erscheint es viel wichtiger, sich um die Gäste persönlich<lb/>
mehr zu kümmern.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-20_13">Um den jug. Unterstaatssekretär neuerdings mein besondes Intessse zu bekunden,<lb/>
habe ich auch an den spät abends stattfindenden Schlussbesprechungen der<lb/>
Gemischten Kommission teilgenommen. Ich war nicht sehr überrascht, dass von<lb/>
österr. SEite nur mehr die Beamten des Ministeriums und der Handelskammer<lb/>
anwesend waren. Die Delegation war also sehr zusammengeschrumpft. Der jug.<lb/>
Vorsitzende verisherte mir, dass er mit der Besprechung und dem Ergebnis<lb/>
sehr zufrieden sei. Die Unterschrift des Protokolls kann erst am Freitag<lb/>
erfolgen, weil die endgültige Formuleriugn und Übersetzung und REinschrift<lb/>
dlänger dauert als vorgesehen. Der Vorsitzende war sehr einverstanden, dass<lb/>
als Gegenzeichnet der Sekt.Leiter <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> fungieren wird. Ich überlege, und<lb/>
wenn meine Zeit es erlaubt, bin ich bereit, selbst bei dieser Unterzeich<lb break="no"/>nung anwesend zu sein, um den Schniter, den Botschafter <rs type="person" ref="#per__97802">Otto</rs> eingeleitet hat,<lb/>
wieder auszugleichen. Ich habe übrigend im Imperial <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> von dieser<lb/>
peinlich Situation Mitteilung gemacht.</p></div>
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               <persName><surname>Rösch</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
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               <persName type="label">Müller-Hartburg, Herbert</persName>
               <persName><surname>Müller-Hartburg</surname><forename>Herbert</forename></persName>
               <occupation>Präs. Bundes-Ingenieurkammer</occupation>
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               <persName><surname>Mühlbacher</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>Vizepräs. BHK, Präs. FWV</occupation>
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               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <occupation>FSG-Vors., SPÖ-Klubobmann, Volksanwalt</occupation>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
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               <occupation>Ministerialrat Handelsministerium</occupation>
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