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            <title type="main">Dienstag, der 19. Juni 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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         <div type="entry" xml:space="preserve"><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-19_01">Dienstag, 19. Juni 1973</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-19_02">Die jug. Wirtschaftsbesprechungen, die letzten waren 1967 in Wien,<lb/>
gaben mir Gelegenhiet, ein besonderes INteresse durch Eröffnung und<lb/>
fast eineinhalbstündige Anwesenheit zu dokumentieren. Da mit einer<lb/>
Übersetzerin gearbeitet werden musst,e obwohl der Vorsitzende und<lb/>
der Staatssekretär des Aussenhandelsministerium glaube ich ganz<lb/>
gut deutsch sprachen und wahrscheinlich die ganze Delegation, schleppte<lb/>
sich anfangs furchtbar dahin. 3/4 Stunde allein dauerte es, bis die forme<lb break="no"/>len Eröffnungsfloskeln und die Eröffnungsprogramme ausgetauscht waren.<lb/>
Zum GLück verlor ich nicht die Geduld und wartete, bis dann endlich der<lb/>
jug. Vorsitzende noch in Anwesenhiet des Botschafters, wie er sich aus<lb break="no"/>drückte, die wichtigsten Punkte gerade wegen meiner Anwesenheit<lb/>
eörterte. ALs ich die Sitzung verliess, ist der jug. Botschafter dann<lb/>
mit mir gegangen und hat darauf hingewiesen, dass eine peinliche Si<lb break="no"/>tuation entsteht. Botschafter <rs type="person" ref="#per__97802">Otto</rs> hatte in Belgrad wissen lassen, dass<lb/>
die Delegation auf höherer Ebene abgewickelt wird.Aus diesem Grund hat<lb/>
zur Delegationsleitung die jug. Regierung einen Unterstaatssekretär<lb/>
ernannt. Jetzt aber wird auf der Gegenseite unsere österr. Delegation<lb/>
von Abteilungsleiter <rs type="person" ref="#per__112973">Hillebrandt</rs> geführt. Er hat deshalb vorgeschlagen,<lb/>
dass bie der Unterzeichnung des Protokolls nicht <rs type="person" ref="#per__112973">Hillebrandt</rs> sondern <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs><lb/>
als Sektionsleiter unterzeichnen sollte, damit die jug. Regierung sich<lb/>
nicht desavoiert fühlt. <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> war sofort damit einverstanden, erklärte<lb/>
nur dezidiert, dass er bereits Handelsrat <rs type="person" ref="#per__140889">Rasberger</rs> aufmerksam gemacht<lb/>
hat, dass auf unserer Seite immer der Abteilungsleiter bei Beamtendele<lb break="no"/>gationen die Verhandlungen führt und auch unterzeichnet. Insbesondere<lb/>
habe ich erklärt, dürfte daraus kein Präjudiz entstehen, Es wäre ganz un<lb/>
möglich, wenn der Sektionsleiter zu allen Sitzungen geht, resp. gar<lb/>
vielleicht ins Ausland fährt, um die bilateralen Besprechungen zu führen.<lb/>
Botschafter <rs type="person" ref="#per__137122">Wosjank</rs> war mit der Lösung sehr einverstanden nd ich erklärte<lb/>
ihm, dass ich doch durch meine Anwesenheit die Bedeutung dieser Wirt<lb break="no"/>schaftsbesprechung dokumentiert habe. <rs type="person" ref="#per__112973">Hillebrandt</rs> hatt eich noch zugeflüste<lb/>
dass wenn innerhalb der zwei Tage die Verhandlungen nicht abgeführtn werde<lb/>
können und Jugs. Seite bereitsangedeutet wurde, dass dann entsprechende<lb/>
Arbeitsgruppen eingesetzt werden sollten, die snur durch die Kontakt<lb break="no"/>komitees, die die Handelskammer hat, abgewickelt werden sollte. KEines<lb break="no"/>falls dürften jetzt bie uns in jug.-österr. Beziehungen ebenfalls Unter<lb break="no"/>gruppen und ich weiss was Gott nicht noch alles geschaffen werden, da<lb/>
wir dies finanziell und arbeitsmässig gar nicht verkraften könnten.</p><pb n="16-0721" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-06-19_0721.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-19_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> aber auch <rs type="person" ref="#per__112973">Hillebrandt</rs> hat Botschafter <rs type="person" ref="#per__97802">Otto</rs><lb/>
in Belgrad ausdrücklich darauf aufmerksam ge<lb break="no"/>macht, dass <rs type="person" ref="#per__112973">Hillebrandt</rs> die Verhandlungen führt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97802">Otto</rs> hat wieder durch falsche Information oder<lb/>
zumindestens, dass er sich nicht gegen eine an<lb break="no"/>dere Auslegung wehrte, die Verhandlungen auf ein<lb/>
höheres Niveau hinaufschleusen wollen. Bitte<lb/>
nächstens mit ihm diesen Sachverhalt klären.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-19_04">Im Parlament hat sich ein Fuhrwerker, Dr. <rs type="person" ref="#per__149323">Schmidt</rs> gemeldet, der sihc<lb/>
auf eine Genossin <rs type="person" ref="#per__149324">Skala</rs> berief, die cih auch nicht kenne, und mir den<lb/>
Plan vorgelegt, Autohöfe in Wien zu errichten. Er meinte, dass es zweck<lb break="no"/>mässig wäre, eine Gesellschaft zu gründen, wo der Bund ebenfalls mit<lb/>
30 % beteiligt sei, 30 % das Land und 10 % er und die anderen 30 %<lb/>
irgendwelche Interessenten, die Parkplätze schaffen, wo die Last<lb break="no"/>autos parken müssen und von dort mit Elektrokassen die Warne zugestellt<lb/>
werden. Ich habe ihm sofort erklärt, dass der Bund dafür kaum in Frage<lb/>
kommt, sondern dass dies Angelegenheit der Länder sei, <rs type="person" ref="#per__97963">Slavik</rs> solche<lb/>
Parkplätze für LKW schon geschaffen hat und er sich deshalb mit der<lb/>
Wiener Betriebsansiedlungsgesellschaft, die diese Parkplätze ver<lb break="no"/>walter und gegebenenfnalls mit Min.Rat <rs type="person" ref="#per__134300">Metzner</rs> in Verbindung setzen<lb/>
soll.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-19_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Ich kenne <rs type="person" ref="#per__149323">Schmidt</rs> zwar überhaupt nicht, verständige<lb/>
aber bitte <rs type="person" ref="#per__134300">Metzner</rs>.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-19_06">Dipl.Ing. <rs type="person" ref="#per__116924">Helfer</rs> von der BAWAG möchte mit der Banca Popular de Espana<lb/>
angeblich im Besitz von Opus Dei ein Kooperationsbüro um österr. Firmen<lb/>
und deutsche Firmen dazu zu bringen, in Spanien Betriebe zu errichten.<lb/>
Die Patronanz über diese Vereinigung soll der Spanische Botschafter<lb/>
übernehmen. Helfer wollte von mir wissen, nachdem die Fa. Getzner,<lb/>
Mutter und 60 bereits in Spanien durch siene Intervention investiert<lb/>
hat, Funder und Isovolta angeblich auch INteresse zeigen, ob im jetzigen<lb/>
Zeitpunkt eine solche Errichtung vom gewerkschaftlichen STandpunkt<lb/>
zweckmässig sei. Da ich <rs type="person" ref="#per__116924">Helfer</rs> aus der Jugendzeit kenne, habe ich ihn<lb/>
gewarnt, als Gewerkschaftsbank in Erscheinung zu treten. Ich verwies<lb/>
darauf, dass z.B. innerhalb der EFTA im Konsultativkomitee der österr.<lb/>
Gewerkschaftsvertreter mit Zustimmung des Präsidenten und des Gen.Sekre<lb break="no"/>tärs ganz heftige ANgriffe gegen Portugal gestartet hat und die Annäherung<lb/>
Spanien an die EFTA mit allen ihm zur VErfügung stehenden Miteln bekämpfe<lb/>
wird. Innerhalb des IBFG hat auch Österreich die harte Linie mit den<lb/>
nordischen Staaten gegen Spanien bezogen. Wenn jetzt die Österr. Gewerk<lb break="no"/>schaftsbank mit einer offiziellen Verbindung in ERscheinung tritt, wird<lb/>
ihm dies nicht guttun. <rs type="person" ref="#per__114047">Flöttl</rs>, der Generaldirektor soll auch bereits<lb/>
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Flügel in Spanien, doch wurde er gerade bei der letzten Regierungs<lb break="no"/>bildung wieder aus der Regierung ich glaube mit dem Aussenminister ent<lb break="no"/>fernt. Helfer meinte, dann müsste er sich überlegen, ob nicht<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113123">Moskovics</rs> <add>[evtl. Falschidentifikation, Anm.]</add> vorgeschoben wird, der dann die Kooperation udn natürlich<lb/>
auch das Geschäft machen würde. In diesem Fall erklärte ich mich nicht<lb/>
zuständig, sondern diese geschäftliche Enscheidung kann nur die BAWAG<lb/>
selbst treffen. Die Bawag hat, wie ich bei dieser Gelgenheit erfuhr,<lb/>
eine Bank Centrofin gegründet, wo sie mit 1/7 beteiligt ist. In der<lb/>
IAD hat sie mit Jugoslawien der Bank fpr Gemeinwirtschaft und ihrem<lb/>
Drittel eine Organisation für den jug. verkehr geschaffen. Mit Astris, die<lb/>
selbe Konstruktion mit Italien Israel. Für den Osten hat sie eine<lb/>
Gesellschaft Austost 100 % Bawag. Die Bawag versucht auf solchen Wegen<lb/>
eine gewisse internationale Geschäftsverbindung anzukpnüpfen. Primär<lb/>
kommt es der Bawag natürlcih so wie allen Banken daran an. wenn<lb/>
sie irgendwelche Firmen vermittelt, nachher das- Nachfolgegeschäft,<lb/>
d.h.. die bankmässige Abwicklung der Export usw. zu bekommen. Bei Spanien<lb/>
empfhal ich Helfer aber äusserst Vorsicht in seinem INteresse.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-19_07">Die Arbeitsgruppe Fremdenverkehr für die Ökonom. Versammlung unter<lb/>
Vorsitze <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> hat ein Papier von Dr. <rs type="person" ref="#per__113626">Ortmann</rs> als Diskussionsgrundlage<lb/>
vorgefunden. Ich selbst war auch positiv überrascht, zum Glück hat sich<lb/>
bestätigt, dass sich ein kleinerer Kreis als wir ihn seinerzeit zusammen<lb break="no"/>gerufen hatten, bereit war, ber Fremdenverkehrsfragen zu diskutieren.<lb/>
Damit könnnen wir mit dieser Arbeitsgruppe vernünftig arbeiten, da wirk<lb break="no"/>lich alle sozialistischen bedeutenden Fremdenverkehrsleute auch der<lb/>
Länder anwesend waren. ICh habe den Genossen dezidiert auseinanderge<lb break="no"/>setzt, dass ihc Hinkunft nur mehr Aktionen neu straten möchte, die in<lb/>
absehbarer Zeit ein Ende automatisch erwarten lassen. Aktionen, wie<lb/>
Zinsenzuschüssen, die in Wirklichkeit viel schlechter ankommen, auch<lb/>
wenn sie wesentlich mehr kostne, als zum Beispiel unsere Barzahlung<lb/>
für die Komfortzimmeraktion, sollte n nicht verlangt werden. Der Finanz<lb break="no"/>minister kann für das Jahr 1974 keinerlei Zusagen machen und auch<lb/>
für das Jahr 1975 erwarte ich keinesflals, wie veilleicht machen Ge<lb break="no"/>nossen glauben, dass man sagt, in einem Wahljahr wird das Füllhorn des<lb/>
Budgets über alle Ressorts ausgeschüttet, einen grösseren BEtrag für<lb/>
den Fremdenverkehr. Ich will mich unter gar keinen Uständen in irgend<lb break="no"/>welche Experimente einlassen, MIr tut es jetzt schon leid – das habe ich<lb/>
zwar dort nicht erklärt – dass wir das 10-jährige Fremdenverkehrskonzept<lb/>
mit Budgetansätzen erstellt haben, weil wir dadurch von der Opposition<lb/>
heftigst angegriffen werden können, wenn wir auch nicht annähernd die<lb/>
<pb n="16-0723" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-06-19_0723.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dort vorgesehenen Zahlen erfüllen werden.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-19_08">VP <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> hat mir in einer Aussprache mitgeteilt, dass er jetzt mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98012">Thaler</rs> wieder ein sehr gutes VErhältnis hat. Zur Münchner Konferenz<lb/>
über das Europa-Patentinstitut, wo er und <rs type="person" ref="#per__140293">Maschke</rs> vom Aussenamt neben<lb/>
einenm zweiten aus dem Völkerrechtsbüro und insbesondere <rs type="person" ref="#per__123314">Lorenz</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__137912">Gall</rs> hinfahren werden, möchte er, dass zumindestens bei der Eröffnung<lb/>
auch der Präsident <rs type="person" ref="#per__98012">Thaler</rs> zwei Tage anwesend ist. Dadurch würde die Be<lb break="no"/>deutung dieser Konferenz für Österreich und insbsondere das Interesse<lb/>
Österreichs dokumentiert werden. <rs type="person" ref="#per__98012">Thaler</rs> hat aber <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> erklärt, dass<lb/>
er dies ausdrücklich nur dann macht, wenn ich ihn dazu auffordere.<lb/>
Um <rs type="person" ref="#per__98012">Thaler</rs>, der letzten.Endes ja <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> als seinen Nachfolger vorge<lb break="no"/>schlagen hat und mit Jahresende durchziehen muss, zu dokumentieren,<lb/>
wie sich <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> für ihn einsetzt, sollte diese Reise unbedingt machen.<lb/>
Das Patentamt hat die notwendigen Mittel dafür.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-19_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>: BItte bie der nächsten Dienstbesprechung mit<lb/>
erinnern, dass <rs type="person" ref="#per__98012">Thaler</rs> unbedingt fahren soll.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-19_10">Das Patentamt möchte auch den VErtreter des IIB <rs type="person" ref="#per__146279">FINNISS</rs> unbedingt nach<lb/>
Wien einladen. <rs type="person" ref="#per__146279">Finniss</rs> wird es abhängen, ob das österr. Patentamt im Rah<lb break="no"/>mender europäischen Patentamtslösung zumindestens als Dokumentations<lb break="no"/>zentrum in ERscheinung treten kann und damit ihre Existenzberechitgung<lb/>
weiter aufrechterhalten kann. Durch eine angeblich befriedigende Lö<lb break="no"/>sung zwischen dem ÖPA und der INPADOC soll in Hinkunft der Mikrofilm<lb break="no"/>dienst des Patentamt es auch der INPADOC zur VErüfung gestellt werden.<lb/>
Wenn es nämlich nicht jetzt gelingt, die INPADOC und der ÖPA<lb/>
enger zu koordinieren, dann muss im Rahmen des europ. Patentvertrages<lb/>
Zusammenarbeit garantiert scheitern, resp. Österreich früher oder<lb/>
später ausscheiden. Das PA bräuchte heuer noch 5 Mill. S um dem Umbau<lb/>
der Bibliothek fortzusetzen und abschliessen zu können. Wenn diese<lb/>
5 Mill. nicht aufgetrieben werden können, hätte das PA nur beschränkte<lb/>
Aktionsmöglichkeiten, da es jetzt zu den einezlnen- Patentschriften<lb/>
keinen ZUgriff hat, da alles im Keller verlagert ist. <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs>, mit dem<lb/>
ich sprach, erklärte sich ausserstande, diese 5 Mill. S aufzubringen.<lb/>
Er benötigt dafür.ein BÜG und meinte,ich sollte mit dem Finanzminister<lb/>
darüber sprechen. Da ich eine solche Aussprche für sinnlos halte, er<lb/>
suchteich <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs>, ob er nicht doch durch irgendwelche andere Bindungen,<lb/>
durch Zurückstellung vin Bauvorhaben eventuell in unserem Ressort die<lb/>
Fortsetzung des Bauvorhabens sichern könnte.</p><pb n="16-0724" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-06-19_0724.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-19_11">Ich war zwar nicht im Saal aber man erzählte mir, dass bie der Stabili<lb break="no"/>tätsdiskussion <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hart attackiert hat, weil er eben durch<lb/>
seine Politik, ohne es auszusprechen, arroganten Art die Minister immer<lb/>
vor vollendete Tatsachens tellt, dadurch selbstherrlich entscheidet.<lb/>
Ein Finanzminister hat es furchtbar schwer, auf der einen seite eine<lb/>
restriktive Budgetpolitik zu betrieben und auf der anderen SEite ncitht<lb/>
nur die Opposition sondern auch die eigenen Leute, vielleocht sogar<lb/>
Regierungskollegen nicht zu verärgern, wenn er entsprechende Massnahmen<lb/>
setzt und setzen muss. IChweiss nicht, wie weit <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> mit seinen Bau<lb break="no"/>vorhaben und seiner Politik mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> sich einigt oder nicht<lb/>
einigt, ich weiss nur, dass <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> mir gegenüber erklärt, er kann und<lb/>
will in der Patentamtssache nichts machen, wenn er dafür nicht ein BÜG be<lb break="no"/>kommt oder die BIndung aufgehoben wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-19_12">Der Zeitungsherausgeberverband <rs type="person" ref="#per__97902">Schaffelhofer</rs> und <rs type="person" ref="#per__137117">Holzbach</rs>, Kurier und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97412">Egger</rs>, Vorwärts, kamen mit <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs> und mit mir die Situation am<lb/>
Roto-Papiersektor besprochen. Die ÖPA wird 100.000 t wie vereinbart<lb/>
im Jahre 1973 liefern. Der Papierbedarf, aber insbesondere vom Kurier<lb/>
und Krone ist von 2.000 auf 3.500 t im Juni gestiegen. Die ÖPA kann<lb/>
diese Mengen nicht ausliefern, da sie für die anderen 38 Kunden,<lb/>
3.300 t nur zur VErfügung hat, wie auch seinerzeit vereinbart wurde,<lb/>
Der Zeitungsherausgeberverband möchte deshalb, dass wegen nicht<lb/>
bedarfsdeckender Produktion der ca. 9 %-ige Zollsatz gesenkt oder<lb/>
womöglich ganz erlassen wird. Das Roto-Papier wird bei uns im Inland<lb/>
um 412.- S verkauft, am Weltmarkt soll es bereits 1.000 S kosten.<lb/>
Natürlich sind dies wahrscheinlich nur einzelne unbedeutende Mengen,<lb/>
die um dieser Preis ver- und gekauft werden, doch erklärt sich daraus,<lb/>
dass die ÖPA ihrer Exportverpflichtung, die mit Pönale abgesichert sind<lb/>
nachkommen muss. <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs> wird im Eivernehmen mitdem Finanzministerium<lb/>
prüfen, ob hier eine solche Zollermässigung oder Zollbefreiung gegeben<lb/>
werden kann.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-19_13">Im Präsidium, Bezirksvorstand und Bezirksausschuss haben wir unsere<lb/>
Kandidatenliste durchberaten und einstimmig im Bezirksausschuss gegen<lb/>
eine Stimme beschlossen. Hier hat sich wieder bewährt, dass angesagte<lb/>
Revolutionen erstens nicht stattfindne und zweitens man sie auch<lb/>
verhindern kann. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> hat durch Vorbesprechungen versucht, die ein<lb break="no"/>zelnen Stimmungen von Gruppen zu erfassen und ich habe insbesondere durc<lb/>
eine verhältnismässig sehr energische aber doch demokratische Führung<lb/>
der Verhandlungen das ganze Problem ruhig über die Bühne gebracht.</p><pb n="16-0725" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-06-19_0725.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-19_14">Mein Vorgänger, <rs type="person" ref="#per__97309">Adelpoller</rs>, hat geglaubt, er kann mir Zusagen an<lb/>
die eine oder andere GRuppe durch Lavieren und Hin und Her den verständ<lb break="no"/>lichen Wünschen von einzelnen ins Mandat zu kommen, entgehen. Das End<lb break="no"/>ergebnis war, dass Sektionsleiter ausserhalb unserer Organisation sich<lb/>
getroffen aben und Absprachen über etwaige Mandatslisten geführt habn.<lb/>
ICh selbst habe, obwohl dies einige ältere Genossinnen und Genossen<lb/>
nicht versanden haben, prinzipiell erklrt, dass man innerhalb unserer<lb/>
Organisation über jeden Vorschlag diskutieren kann und muss und dass<lb/>
auf gar keinen Fall dieselbe Situation entstehen sollte, wie früher.<lb/>
NAtürlcih aht es härtere Diskussionen gegeben, aber letzten Endes<lb/>
waren sie fair und haben zu dem positiven Ergebnis geführt. ICh hatte<lb/>
Gelegneheit, spät abends den Genossen <rs type="person" ref="#per__97786">Nittel</rs> unter der Anwesenheit<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__98066">Robert Weisz</rs> das Ergebnis mitzuteilen. <rs type="person" ref="#per__97786">Nittel</rs> war sehr erstaunt,<lb/>
dass wir noch einmal <rs type="person" ref="#per__97582">Jacobi</rs> kandidieren und isnbesondere darauf drängen,<lb/>
dass sie Stadträtin bleibt. Ich erklärte, dass dies nicht zuletzt<lb/>
deshalb gescheiht, weil wir uns nicht auch bei dem Stadtratsposten<lb/>
dann neuerdings, wie ich er ausdrückte, hinuntertragen lassen wollen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98066">Weisz</rs> hat anerkannt, dass der dritte Bezirk früher bedeutendere Po<lb break="no"/>sitionen gehabt hat, die er in der letzten ZEit alle verloren hat. Ich<lb/>
erklärte, dass ich ncht mehr länger bereit bin, innerhalb der Wiener<lb/>
Organisationen mich für Entscheidung im Bezirk dann einzusetzen,<lb/>
die ich eigentlich gar nicht goutiere. Sicherlich kann man weder<lb/>
Ministerposten noch Gemeinderats- und Nationalrats- geschweige denn<lb/>
Stadtsratsposten erzwingen in der Wiener Organisation, doch glaube ihc,<lb/>
dass man ein gewisses Mass an Rücksicht auf einen Bezirk, der es<lb/>
äusserst schwierig hat, verlangen kann. <rs type="person" ref="#per__97786">Nittel</rs> ha dann gemeint, ich sei<lb/>
von der Konferenz so aufgeladen, wo er sich aber natürlich schwer irrte.<lb/>
wenn ich aufgeregt sein will, dann bin ich aufgeregt und nicht dann,<lb/>
wenn die anderen glauben, dass die Situation dies bedingt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-19_15"><rs type="person" ref="#per__126284">Leherb</rs> und <rs type="person" ref="#per__136839">Profohs</rs> haben in der Buchhandlung Prachner ein neues Druck<lb break="no"/>werk eingeführt und dort in seiner Art entsprechende Publicity betrieben<lb/>
ICh habe natürlch mitgemacht und ganz besonders seine Sekretäre die<lb/>
weissen Mäuse, die er in einem Käfig im Auto schon verladen hatte, wieder<lb/>
verlangt, sodass ich für die Fotografen glaube ich einige gute Bil<lb break="no"/>der gestellt habe. Die müssen ihr Geschäft machen, an so einem Hallo<lb/>
kann mna meiner Meinung nach ruhig daran teilnehmen, dies freut<lb/>
<rs type="person" ref="#per__126284">Leherb</rs> und <rs type="person" ref="#per__136839">Profohs</rs>, mir kannes kaum schaden, warum sollte ich also<lb/>
nicht dieses Theater mitspielen.</p></div>
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            <head>Tagesprogramm, 19.6.1973</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>Wr. Bgm. bis 1973</occupation>
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               <persName type="label">Egger, Harald</persName>
               <persName><surname>Egger</surname><forename>Harald</forename></persName>
               <occupation>Vorwärts-Verlag, Vizepräs. Zeitungsherausgeberverband</occupation>
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               <persName type="label">Profohs, Lotte</persName>
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               <occupation>Grafikerin und Malerin</occupation>
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               <persName type="label">Vonjak, Mitja</persName>
               <persName><surname>Vonjak</surname><forename>Mitja</forename></persName>
               <occupation>jugoslaw. Botschafter</occupation>
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               <persName type="label">Moser, Josef</persName>
               <persName><surname>Moser</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation>Bautenminister</occupation>
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               <persName type="label">Holzbach, Heinz</persName>
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               <occupation>GD Druckerei Waldheim-Eberle</occupation>
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               <persName type="label">Schaffelhofer, Walter</persName>
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               <occupation>Dir. Bankhaus Winter</occupation>
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