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            <title type="main">Mittwoch, der  6. Juni 1973 bis Montag, der 11. Juni 1973</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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Polenreise und Besuch der Posener Messe</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-06_02">Bei dieser Reise hat sich wieder einmal das alte Sprichwort bestätigt,<lb/>
besser einmal sehen als dreimal etwas lesen. Ich war vom Wiederaufbau<lb/>
Warschaus sehr beeindruckt. Wenn man bedenkt, dass die Stadt – ins<lb break="no"/>besondere im Kern – fast völlig zerstört war, so haben die Polen mit<lb/>
einem ungeheurenAufwnand die Kriegsschäden beseitigt. Ob es zielführend<lb/>
war, die Altstadt nach alten Bildern von <rs type="person"><sic>Cannelotti</sic></rs> wieder zu errichten,<lb/>
möchte ich mir nicht erlauben zu beurteilen. Sicher ist eines, dass<lb/>
es für sie eine Frage des nationalen Stolzes gewesen ist und vor allem<lb/>
um ihre traditionelle Vergangenheit, d.h. ihre Geschichte unter BEweis<lb/>
zu stellen und in die Zukunft hinüberzuretten, wahrscheinlich der ausschlag<lb break="no"/>gebendste Grund war, das-s sie die Altstadt nach ihrem seinerzeitigen<lb/>
Aussehen zumindestens nach aussenhin neuerdings konstruierten. Die Polen<lb/>
glaube ich sind überhaupt aus den Oststaaten das patriotistische um<lb/>
nicht zu sagen, nationalistischste Volk. Der Aussenhandelsminister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__147672"><choice><choice><sic>Vrhovsky</sic><corr>Olechowski [sofern Angabe "Außenhandelsminister" stimmt, Anm.]</corr></choice></choice></rs> z.B. hat Bemerkungen gemacht, dass er nicht verstehen kann,<lb/>
dass die Deutschen – hier meinte er die DDR aber sicherlich auch die<lb/>
BRD – ihre Vergangenheit vergessen wollen. Man kann nicht eine Geschichte<lb/>
von 1947, die Errichtung der DDR, beginnen lassen. Er meint, acuh wenn<lb/>
es Perioden in der Vergangenheit gibt, die man am liebsten nicht gehabt<lb/>
hätte, es ist Geschichte, an die man gebundne ist und die einem mitge<lb break="no"/>formt hat. Interessant war, dass dieser Wiederaufbau so vollendet nur<lb/>
in Warschau festzustellen ist. Die anderen Städte, ob Poznan oder<lb/>
<choice><choice><sic>Wrozlaw,</sic><corr>Wrocław</corr></choice></choice> das ehemalige Breslau, sind nicht annähern-d in ihrem Stadt<lb break="no"/>kern so hergestellt. Hier gibt es noch immer unzählige Bomben- und Brand<lb break="no"/>ruinen. Vielleicht liegt es aber gerade dort, dass man eine grosszügigere<lb/>
Planung in einem späteren Zeitpunkt machen will, bis man eben mehr Geld<lb/>
zur VErfügung hat. Als einzige grössere Stadt, die nicht beschädigt war,<lb/>
ist Krakau vollkommen erhalten, wie sie seit Jahrhunderten sich systemati<lb/>
entwickelte. Hier gab es auch ein sehr intersssantes Erlebnis. Die Fremden<lb break="no"/>führerin hat darauf hingewiesen, dass sie - da der alte Stadtkern voll<lb break="no"/>kommen unbeschädigt ist – nach internationalem Masstab 15 Nullerklassen-<lb/>
Baudenkmäler besitzt. Warschau dagegen nur 2, nämlich zwei Schlösser,<lb/>
die wie durch ein Wunder nicht der vollkommenen Vernichtung anheimfielen.<lb/>
Handelsrat <rs type="person" ref="#per__140897"><choice><choice><sic>Leschowsky</sic><corr>Leszkowicz</corr></choice></choice></rs>, der von Anfang an dabei war, hat die Story mit<lb/>
Schmunzeln zur Kenntnis genommen, da er ja mehr oder minder ein War<lb break="no"/>schauer ist und natürlich dann Warschau als ich diese Geschichte überall<lb/>
erzählte mit grosser Freude auch darüber berichtete. In Wirklichkeit<lb/>
steckt darin ein grosses nationales Problem. Es gibt auf der ganzen<lb/>
Welt immer Gegensätze zwischen Städten und Distrikten, so wie es ja auch<lb/>
<pb n="16-0674" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-06-06_1973-06-11_0674.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>eben Gegensätze zwischen den einzelnen Staaten gibt. <rs type="person" ref="#per__140897"><choice><choice><sic>Leschowky</sic><corr>Leszkowicz</corr></choice></choice></rs> glaubt,<lb/>
dass der seinerzeitige BEschluss, die Hauptstadt von Krakau nach Warschau<lb/>
zu verlegen heute nach Jahrhunderten noch mitspielt. Die Krakauer sagten,<lb/>
der König war krank und wollte deshalb aufs Dorf, Die Warschauer wieder<lb/>
feiern den König als Gründer ihrer Residenzstadt und errichteten ihm eine<lb/>
grosse Siegessäule.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-06_03">Dies nur als Background. Wirklich beeindruckt hat mich, dass selbst Han<lb break="no"/>delsrat <rs type="person" ref="#per__137479">Leitl</rs>, nachdem er sich lange genug in Polen aufhält,müsste er es<lb/>
wissen, annimmt, dass höchstens einige hunderttausende mehr in Polen le<lb break="no"/>ben. Ein nationales Problem gibt es also kaum. Das Rote Kreuz soll<lb/>
ca. 6 – 800.000 Deutsche haben, die auswandern wollen, die Polen selbst<lb/>
erklären, hier handelt es sich um sogenannte Volkswagendeutsche, die durch<lb/>
den höheren Standard angezogenen Polen die jetzt angeblich eine deutsche<lb/>
Abstammung entdekcne. Die wirklich sprachlich und ethnologisch zu den<lb/>
Deutschen gezählten Polen sollen höchsten 300.000 betragen. Seinerzeit hatt<lb/>
ich einmal einen Ausspruch eines politischen Vertreters Polens – den<lb/>
Namen habe ich vergessen – gehört, der meinte, Polen sei keine Nation<lb/>
auf Rädern. In den vergangenen Jahrunderten und auch in dem letzten<lb/>
Jahrhundert wurden sie ununterbrochen entweder aufgelöst oder das polni<lb break="no"/>sche Reich einmal nach Osten oder nach Westen verschoben. Diese grausame<lb/>
Geschichte ist hoffentlich zu Ende. Interassant war, dass wir in <choice><choice><sic>Wrozlaw</sic><corr>Wrocław</corr></choice></choice><lb/>
dem ehemaligen Breslau, einen deutschen Reisebus am Nebentisch hatten.<lb/>
Es dürfte sich dabei um ehemlige Schlesier gehandelt haben. Dem Kind wurde<lb/>
bereits erklärt, dass man obwohl wir in einem Luxushotel assen,<lb/>
nicht alle seine Wünsche erfüllen konnte, weil – wie die Mutter ausdrückte -<lb/>
es hier anders ist als bei uns. Solange ein solcher Lebensstandard-Unter<lb break="no"/>schied existiert, wird niemand Interesse haben, ernstlich nach Polen<lb/>
wieder zu übersiedeln. Die Polen haben dafür einen sehr guten Witz:<lb/>
Was ist der Unteschies zwischen DDR und BRD ? – In der DDR haben sie<lb/>
Karl Marx und in der BRD das Kapital.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-06_04">Die BEsprechungen und VErhandlungen verliefen eigentlich nicht bedeutungs<lb break="no"/>voll. Sowohl mit dem jetzigen Aussenhandelsminister <rs type="person" ref="#per__147672">Olechowski</rs> als auch<lb/>
mit dem seinerzeitigen <rs type="person" ref="#per__140705">Olszewski</rs> – er ist jetzt bereits Vizepremier<lb break="no"/>minister und hat den Aussen-Innenhandel und auch einige andere Ressorts –<lb/>
gab sich nur der Wunsch, dass sie eben um mehr Waren nach Österreich ex<lb break="no"/>portieren zu können, eine Zollermässigung für Kooperationsgüter möchten.<lb/>
In diesem FAll ist das Finanzministerium zuständig, mit dem ich – wie ich<lb/>
erklärte – mehrere Verhandelungen über dieses Problem schon führe.</p><pb n="16-0675" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-06-06_1973-06-11_0675.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-06_05">Darüber hinaus möchten sie – um Investitionsgüter kaufen zu können –<lb/>
der Botschafter <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> hat mich ja bereits in Wien darüber informiert –<lb/>
günstigere Kreditkonditionen. Ich erklärte rundwegs, dass dafür keine<lb/>
Möglichkeit besteht. NUr die grösseren Firmen wie z.B. Steyr-Daimler-Puch<lb/>
und die VÖEST ,d.h. also private und verstaatlichte Betriebe, können<lb/>
dann auf Finanztransfers und sosnstige auf gut Wienerisch gesagt Machloik<lb/>
entsprechnede grössere Geschäfte langfristig mit den Polen abschliessen.<lb/>
ICh selbst habe deshalb primär überlall nur auf diese konkreten Wünsche<lb/>
der einzelnen Firmen hingewiesen. Botschafter <rs type="person" ref="#per__149012">Proksch</rs>, der angeblich mit<lb/>
der Vorbereitung des Kanzlerbesuches so in Arbeit steckt, dass er sich<lb/>
kaum um mich kümmern konnte, was mich überhaupt nicht gestört hat<lb/>
sondern ich im Gegenteil als angenehm empfunden habe, meinte, bei dieser<lb/>
BEsprechung, es sei ein grosser ERfolg von mir, dass ich erstmalig diese<lb/>
Detailinformationen und Detailgespräche geführt habe.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-06_06">Von der Posener Messe, wie ich den vorgesehenen Rundgang in sämtliche<lb/>
oder zumindestens in den meisten polnischen Pavillons nach kürzester Zeit<lb/>
abgebrochen. ICh erklärte rundwegs, ich müsste reichlich Zeit haben,<lb/>
Stunden – wie ich erklärte – um mit den österreichischen Firmen zu<lb/>
sprechen und VErhandlungen zu führen. Handelsrat <rs type="person" ref="#per__140897"><choice><choice><sic>Leschkowitsch</sic><corr>Leszkowicz</corr></choice></choice></rs> hatte<lb/>
dafür volles VErständnis. Die Firmen waren sehr überrascht, dass ich<lb/>
mich so im DEtail mit ihenn unterhalte. Der grösste Teil von ihnen,<lb/>
ich kannsagen, fast alle, haben sich bei mir bitter beschwert über die<lb/>
architektonische Ausgestaltung der österr. Halle. Der Architekt hat sich<lb/>
bemüht, ein einheitliches Bild den Ausstellungskojen zu gebn und dabei<lb/>
einen grundsätzliche Fehler geamcht. Statt dass die Exponate in den Vorder<lb break="no"/>grund gerückt waren, erichtete er so Papier- oder Holzspansäulen, die<lb/>
nur die Sicht behinderten. Einzelne Ausstellerkojen konnte man üerhaupt<lb/>
kaum betrefen, man musste sich hinter den Säulen durchzwängen. Ich konnte<lb/>
mir nicht verkneifen bei Grüssen an den Präsident <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und Gen.Sekr.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> selbst auf der offenen Karte auf diesen Wahnsinn hinzuweisne.<lb/>
WEnn <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> dies gesehen hätte, hätte erwahrscheinlich mit recht<lb/>
getobt.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-06_07">Die Eröffnungszeremonie erfolgte sehr schlicht. Der erste Sekretär der<lb/>
kommunistischen Partei <rs type="person" ref="#per__134100">Gierek</rs> und ein ganzer Stab von ZK-Mitgliedern und<lb/>
Regierungsmitgliedern kamen mit einem Autobus. Sie wurden von einige<lb/>
Pionieren, die ihnen kleine Blumensträusse überreichten, empfangen.<lb/>
Die Bevölkerung, die herumstand, hat deutlich sichtbar freiwillig<lb/>
applaudiert, das Applaus war aber keiensfalls frenetisch und schon<lb/>
gar nicht von allen. Da <rs type="person" ref="#per__134100">Gierek</rs> die gesamten Pavillons besichtigte,<lb/>
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Alle waren riesig aufgeregt, was ich vom STandpunkt der Polen<lb/>
aber auch der österr. Messeleitung verstehen konnte. Umso komi<lb break="no"/>scher war die VOrbereitung. Selbstverstänedlich war, dass er nicht<lb/>
in den Informationsstand im erstn Stock hinaufgehen wird. Handels<lb break="no"/>rat <rs type="person" ref="#per__137479">Leitl</rs> hat deshalb die VÖEST oder ELIN oder Schoeller-Bleckmann<lb/>
die drie hatten den grösstenStand ersucht in ihren Besprechungsraum<lb/>
<rs type="person" ref="#per__134100">Gierek</rs> und die Regierung zu empfangen. Dies ist dann auch tatsäch<lb break="no"/>lich der Fal gewesen. Die Elin hat einen verhältnimässi grossen<lb/>
Besprechungsraum mit einem Tisch und 16 Sitzplätzen. Serviert sollte<lb/>
ein Wachauer Wein werden und Haselnusschnitten. Zu meiner grössten<lb/>
VErweunderung stellte cih dann eine Viertelstunde. bevor <rs type="person" ref="#per__134100">Gierek</rs> kam,<lb/>
fest, dass oben im Informationsstand Wiener Würsteln den Polen und<lb/>
uns serviert wurden. Ich habe sofort geschaltet und erklärt, man<lb/>
sollte unverzüglich neue Würstel einlegen, da es sich um echte öster<lb break="no"/>reichische Ware gehandelt hat und unten dann warmhalten für <rs type="person" ref="#per__134100">Gierek</rs><lb/>
zum Servieren. Würtsel und Wein schmekct besser als Wein mit Neapoli<lb break="no"/>tanern, auch für einen Polen. Tatsächlich gelang es mir dann <rs type="person" ref="#per__134100">Gierek</rs><lb/>
einen ganz anderen Weg zu führen, wo nämlich arbeitende Maschinen<lb/>
– die Fa. Haas hat eine Waffelmaschine, die gerade arbeitete und<lb/>
natrülich ein Trauben von Polen dort dranhingt um jeder eine Waffel<lb/>
zu erhalten – in Aktion war. Hier hat mich beeindruckt, dass die<lb/>
Polizei versucht,e die Leute wegzutreiben, was aber <rs type="person" ref="#per__134100">Gierek</rs> mitssbillig<lb break="no"/>te. ZUr grössten Überraschung der Bewachung hat dann <rs type="person" ref="#per__134100">Gierek</rs> tat<lb break="no"/>sächlich in unserem Elin-Stand längere Zeit Platz genommen, die Wür<lb break="no"/>stel gegessen und ich hatte Gelgenheitn ihm die WÜnsche der österr.<lb/>
Firmen auf Kooperation und entsprechend Exportmöglichkeiten ausein<lb break="no"/>anderzusetzen. Da sowohl <rs type="person" ref="#per__147672">Olechowski</rs> als auch der Vizepremierminister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140705">Olszewski</rs> anwesend waren, konnte ich immer auf bezügliche Ge<lb break="no"/>spräche verweisen und <rs type="person" ref="#per__134100">Gierek</rs> nur bitten, dass womöglich zum Kanzler<lb break="no"/>besuch schon konkrete ERgebnisse von polnischer Seite vorliegen<lb/>
mögen. Insbesondere appellierte ich auch an Ministerpräsidenten<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97591">Jaroszewicz</rs>, der ja mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> die DEtailverhandlungen führen wird.<lb/>
Der starke Mann aber, das war deutlich sichtbar, ist <rs type="person" ref="#per__134100">Gierek</rs>. Der<lb/>
Aufenthalt im österr. Pavillon hat wesentlich länger gedauert, als<lb/>
vorgesehen. INeressant war, die Polizei wollte ja überhaupt<lb/>
nicht, dass <rs type="person" ref="#per__134100">Gierek</rs> den Elin-Stand betritt und sich dort sogar<lb/>
noch niedersetzt. Da der Handelsrat nicht mehr hineingelassen wurd,<lb/>
die Polizei kannteihn nicht und er hat auch keine entsprechenden<lb/>
Anstalten scheibar gemacht, zeitgerecht mit mir hineinzugehen,<lb/>
hat er draussen gehört, wie die Polizisten, also ganz hohe Offiziere<lb/>
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in Frage usw. Ich nützte natürlich die Gelegenhiet, um auf den BEsuch<lb/>
des Bundeskanzlers <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hinzuweisen und die wirtschaftlichen Probleme<lb/>
kurz zu charakterisieren. Insbesondere wollte ich, dass <rs type="person" ref="#per__97591">Jaroszewicz</rs>, aber<lb/>
vor allem <rs type="person" ref="#per__134100">Gierek</rs> davon hört, dass einige konkrete Kooperationsfälle<lb/>
und Lieferungen von Investitionsgütern fertig wäre, wenn polnischer<lb break="no"/>seits die ZUstimmung gegeben wird. Da sowohl Aussenhandelsminister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__147672">Olechowski</rs> als auch Vizeministerpräsident <rs type="person" ref="#per__140705">Olszewski</rs> neben vielen<lb/>
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ich immer auf meine BEsprechung mit den beiden Herren hinweisen. <rs type="person" ref="#per__134100">Gierek</rs><lb/>
selbst meinte, es sei zielführend, wenn sich die wirtschaftlichen Be<lb break="no"/>ziehungen verbessern und er hofft, dass unsere BEsprechungen positiv ver<lb/>
laufen. Mit erscheint diese Aussprache nicht so wihtig, ich kann mir<lb/>
aber sehr gut vorstellen, dasss wenn <rs type="person" ref="#per__147672">Olechowski</rs> dann konkrete Probleme<lb/>
lösen will und er damit in den Ministerrat und vor allen ins Zentral<lb break="no"/>komitee der Partei gehen muss, dann doch darauf hinweisen kann, dass<lb/>
ich ja Gelgenheit hatte, als Aussenhandelsminister schon dem Ersten<lb/>
Sekretär das Problem kurz darzustellen. Dadurch hat er einen ge<lb break="no"/>wissen anknüpfungspunkt, der vielleicht sogar ein positives Element<lb/>
in der weiteren Entwicklung darstellt. Begesitert von diesem Empfang<lb/>
und der Aussprache war der Botschafter. Botschafter sind meiner Mei<lb break="no"/>nung nach aber immer von allem begesitert, was in ihrem Bereich von<lb/>
irgendeinem Minister geschichet. Da sie ja kaum positive ERfolge<lb/>
zu verzeichnen haben, wollen sie jede Tätigkeit, die ein Minister<lb/>
macht und die konzeptionell vielleicht nicht in ihr Programm passt und<lb/>
vorgesehen war, dann als einen ganz grossen ERfolg herausstreichen.<lb/>
Dasss die Polen dies machen , sit auh selbstverständlich, denn<lb/>
letzten Endes hat <rs type="person" ref="#per__140897"><choice><choice><sic>Leschowsky</sic><corr>Leszkowicz</corr></choice></choice></rs> erlebt, dass eben die Parteispitze<lb/>
sich mit Österreich also d.h. auch mit seinem Gebiet beschäftigt.<lb/>
Interessant war, aber dass der Handelsrat <rs type="person" ref="#per__137479">Leitl</rs> gr nicht hineinge<lb break="no"/>lassen wurd, die Polizei hat ganz einfach den Zugang für alle gesperrt<lb/>
und er hat dann druassen gehört, wie die höchsten Funktionär erklärt<lb/>
haben, dass es unmöglich ist, dass <rs type="person" ref="#per__134100">Gierek</rs> hineingeht, dass es noch<lb/>
unmöglicher ist, dass er sich niedersetzt und dass es ganz unmöglich ist<lb/>
dass er solange drinnenbleiben würde. Die Würstel haben ihm abr ge<lb break="no"/>schmeckt und so hat der Aufenthalt sicherlich wesentlich länger gedauert<lb/>
als geplant und ich hatte die Gelegenheit doch einige konkrete WÜnsche<lb/>
und vostellungen anzubringen.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-06_08">Handelsrat <rs type="person" ref="#per__137479">Leitl</rs> war begeistert, dass ich als erster Minister über<lb break="no"/>haupt seine Aussenhandelsstelle besucht habe. Noch viel mehr glaube<lb/>
<pb n="16-0678" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-06-06_1973-06-11_0678.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ich war er beeindruckt, dass ich ihn dann überall mitgenommen<lb/>
habe. Zu meiner grössten Verwunderung ist er nämlich zuersten Aus<lb break="no"/>sprache mit <rs type="person" ref="#per__147672">Olechowski</rs> gar nicht gekommen, weil angeblich die Polen<lb/>
erklärt haben dies sei in kleinstem Kreis und der Botschafter und <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs><lb/>
waren meine einzigen BEgleiter. Beim Vizeministerpräsidenten <rs type="person" ref="#per__140705">Olszewski</rs><lb/>
hatte ich ihm dann sofort den Auftrag gegeben, dass er mitgehen kann und<lb/>
muss. Da ich festgestellt hatte, dass natürlich auch die Polen in grös<lb break="no"/>serer ANzahl an den BEsprechungen teilnehmen. Der Handelsrat ist fr<lb/>
die Wirtschaft der wichtigere gegenüber dem Botschafter. Der Botschafter<lb/>
selbst hat sowieso immer erklärt, das er mit der Vorbereitung des <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky-</rs><lb/>
Besuches voll beschäfitgt sei und daher kaum Zeit erübrigen kann. Zu<lb/>
den offiziellen Empfängen und zu den Aussprachen ist er aber dann doch<lb/>
immer mitgegangen. Ich hätte ihn wahrlich nicht gebruacht.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-06_09">Entgegen dem Protokoll habe ich auch dann das österr. Kulturzentrum<lb/>
besucht. Die waren umso mehr und ganz überrascht, da ich vorher mich<lb/>
weder angkündigt noch eine MItteilung ihnen zukommen liess. INteressant<lb/>
ist, dass doch einige Dutzend Polinnen und Polen in österr. Kultur<lb break="no"/>zentrum deutsch lernen wollen. ALS ich sie fragte, warum sie dies nicht<lb/>
bei der DDR machen, die ja wesentlich grössere Mittel aufwendet, um<lb/>
ihnen durch Bereitstellung von Büchern und sonstigen Unterlagen die<lb/>
Sprachkurse zu erleichtern, erklärten sie rundwegs, sie seien an Öster<lb break="no"/>reich mehr interssiert. Die Erklärung, wie mir unsere Mission mitteilt,<lb/>
liegt darin, dass sie eben alles was vom Westen kommt als höherwertig<lb/>
interessanter und deshalb erstrebenswerter betrachten. Das Kulturinstitut<lb/>
würde einige UNterstützungen benötigen. Der Botschafter hatsie auf<lb/>
den Besuch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> verwiesen. Ich habe <rs type="person" ref="#per__137479">Leitl</rs> gefragt, warum er nicht<lb/>
Firmen angegangen ist, die sicherlich diese Magnetophone und sonstige<lb/>
Klienigkeiten schon dem Kulturinstitut sicher geschenkt hätten <rs type="person" ref="#per__137479">Leitl</rs><lb/>
selbst erklärte mir, er hätte von diesem Wunsch überhaupt noch ncihts<lb/>
erhöft, man hat sich also nicht an ihn gewendet, obwohl er mit den<lb/>
Leitern des Kulturinstitutes per Du ist. Das heisst scheinbar freund<lb break="no"/>schaftlich verbunden ist. Ich habe keinerlei Zusagen gemach,t sondern<lb/>
nur erklärt, ich will sehen, ob ich etwas machen kann. Ich kann mir<lb/>
nicht vorstellen, dass wir nicht imstande w ären, einen Videorecorder<lb/>
z.B. aufzutreiben, den eine Firma spendet und dazu dann Kulturfilmkopien<lb/>
von z.B. dem Österr. Fernsehen zu bekommen. Die Polen interssieren sich<lb/>
lebhaftest für alles was aus dem Westen kommt und im Westen geschieht<lb/>
und es könnte deshalb biliigst entsprechende Propaganda für Österreich<lb/>
gemacht werden. Ausserdem arbeitet dieses Kulturzentrum als Fremden<lb break="no"/>verkehrsauskunftsstelle. Dazu benötigt sie mehrere eben einige hundert<lb/>
<pb n="16-0679" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band16/16_1973-06-06_1973-06-11_0679.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Prospekte z.B. von Wien, das immer wieder gefragt wird.</p><p xml:space="preserve" xml:id="Band16_1973-06-06_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97543">HEINDL</rs>: Bitte vom Fernsehen alte Kopie, die abge<lb break="no"/>spielt sind und nicht mehr gesendet werden<lb/>
für Warschau erbitten, von der ÖFVW – einzelne<lb/>
Bundesländer Prospekte nach Polen schicken und<lb/>
vielleicht mit der einen oder anderen Firma ver<lb break="no"/>handeln, damit sie einen solchen Videorecorder<lb/>
bekommen.</p></div>
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   <back><listPerson><person xml:id="per__97893">
               <persName type="label">Sallinger, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Sallinger</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Handelskammer-Präsident</occupation>
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               <persName type="label">Karski, Ryszard</persName>
               <persName><surname>Karski</surname><forename>Ryszard</forename></persName>
               <occupation>poln. Botschafter/stv. Außenhandelsminister</occupation>
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               <persName type="label">Mussil, Arthur</persName>
               <persName><surname>Mussil</surname><forename>Arthur</forename></persName>
               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <persName type="label">Fälbl, Maximilian</persName>
               <persName><surname>Fälbl</surname><forename>Maximilian</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
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               <persName type="label">Heindl, Kurt</persName>
               <persName><surname>Heindl</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
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               <persName type="label">Jaroszewicz, Piotr</persName>
               <persName><surname>Jaroszewicz</surname><forename>Piotr</forename></persName>
               <occupation>poln. Min.präs.</occupation>
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               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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               <persName type="label">Gierek, Edward</persName>
               <persName><surname>Gierek</surname><forename>Edward</forename></persName>
               <occupation>1. Sekr. poln. KP bis 1980</occupation>
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               <persName type="label">Leitl, A</persName>
               <persName><surname>Leitl</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>Handelsdelegierter in Polen [1971]</occupation>
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